Der Allgemeine Deutsche Sprachverein.
Am 12. September 1885 ist in Dresden der erste Zweig verein des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins zusammen getreten. Zur * Erinnerung an diesen Gründungstag versammeln sich in diesem ! Aahre die Vertreter der mehr als 200 Zweig vereine vom 10.—12. j September in Dresden zur 16. Hauptversammlung. 25 Jahre sind keine lange Frist für eine Vereinigung, die es sich zur Aufgabe macht, über das hehre Gut der Muttersprache zu wachen, Flecken, die ihr anhaften, zu beseitigen und, um Worte der Ltiftungsurkurche der Berliner Akademie der Wissenschaften hier zu gÄ>rauchen, „was zur Erhaltung der deutschen Sprache in ihrer anständigen Reinigkeit gereichet, absonderlich mit zu besorgen." Wer der Aufgabe ganz gewachsen sein will, in dem muß sich Verständnis für Volkstum und. für Menschentum, Selbstbewußtsein und Bescheidenheit, Einsicht in die treibenden Kräfte der Sprachbildung und Kenntnis der geschichtlichen Vorgänge, die zur Aus- aesialtung des Wortbestandes einer bestimmten Sprache geführt haben, dazu Sprachgefühl, Geschmack und Takt vereinen, und damit er seine Kraft nicht am Kleinen vergeude und das Große außer acht lasse, muß er über eine tüchtige Allgemeinbildung und auch über ein klein wenig Humor gebieten können. Wenn ich zum Schluß hinzufüge, daß es ihm auch an Geduld nicht fehlen dürfe und die Hoffnung auf schnellen Erfolg -ziemlich töricht ist, da doch die Mehrheit der Menschen ihrer Muttersprache geringe Teilnahme entgegenbringt, so ist es wohl nicht zu verwundern, daß ich es noch nicht an der Zeit halte, dem Allgemeinen Deutschen 'Sprachverein nur einen Festaufsatz zu schreiben.
Die Versuche zur Besserung der deutschen Sprache ftnb nicht neu. Schon im 16. Jahrhundert wandten sich national gesinnte Männer gegen den Fremdwörterunfug. Aber ihre Erfolge blieben nur gering. Ein weitergreifender Versuch wurde im Jahre 1885 gemacht, einen Verein zum Schutze der Muttersprache vor fremden und schädlichen Eindri-nglingen ins Leben zu rufen, aber die ersten Schritte versprachen nicht gerade viel Erfolg. Denn Herman Riegels Mahnruf an alle national gesinnten Deutschen. „Ein Hauptstück von unserer Muttersprache" lehnte, wie der Verfasser im Vorwort der 2. Auflage mit teilt, eine ganze Reihe angesehener Buchhändler ab, in Verlag zu neunten; so wenig glaubten sie hiermit beim deutschen Volk Interesse finden zu können. Endlich konnte die Schrift als „Greuzboten"-Aufsatz das Licht der Welt erblicken, wurde dann auch als Sonderheft herausgegeben und hatte Erfolg. „Der .Gegenstand durchdrang die Gespräche und Unterhaltungen, Eifrige Bestrebungen traten bei Körperschaften,
Erstes Blatt
General-Anzeiger für Oberhessen
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Samstag 10. September 1910
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Nr. LIL
Der Siebener Anzeig« erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich rlthenerZamilienblätter; zweimal wöchentl.Areir- biattftkben Kreis ©itfoen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen
Anzeiger Gießen.
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Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten.
Reichsverficherungsamt u. Neichsversicherungsordnung
Am 21. September gedenkt der Leichstagsausschuß für die Durchberatung der Reichsversichenrngsordnung ihre langwierigen Beratungen Mieder cru s-un e h m e n. Ob ein erfreuliches Ergebnis gezeitigt werden wird, steht dahin. Es gibt Gegner des Riesenwerkes, die an die praktische Durchführbarkeit der komplizierten gesetzlichen Bestimmungen nicht recht glauben wollen, während andere wieder in der umfassenden Regelung der sozialpolitischen Fragen einen gewaltigen Fortschritt sehen, der Deutschland erneut ein großes Stück aus diesem Gebiete vorwärts bringt. Letzteres wird wohl nicht geleugnet werden können, und es kann kalt lassen, ob der „Vorwärts" über „Hungerrenten" spottet. Zufriedenheit bedeutet ja für die Sozialdemokratie Abdanken. In der neuen Reichsverficherungsordnung ist nun eine Entlastung des Reichsversrcherungsamts vorgesehen, jener Behörde, die wohl von allen Einrichtungen der deutschen sozialpolitischen Gesetzgebung am meisten Lob und Anerkennung empfangen hat. Selbst anfängliche Gegner werden HUgeben müssen, daß die Gleichmäßigkeit und Folgerichtigkeit der Rechtsprechung des Amts der Invaliden- und Unfallversicherung sehr zugute gekommen ist, und daß die Auslegungen der vielen gesetzlichen Vorschriften meist glücklich waren und ihnen erst Eingang verschafften. In der neuen Versicherungsordnung ist das Reichsversicherungsamt auch als letzte Instanz für die vorgesehene .Hinterbliebenenversicherung bestimmt worden, was sich wohl als zweckmäßig erweisen dürfte, denn es hat sich herausgestellt, daß sich bei Krankenversicherung der Mangel einer einheitlichen End- mstanz recht fühlbar gemacht hat. Es handelt sich nun darum, ob das Reichsversicherungsamt diese neue Belastung in seiner jetzigen Verfassung noch aufnehmen kann. Gegenwärtig besteht die Behörde aus 23 Senaten mit 63 ständigen Mitgliedern, 90 Hilfsrichtern und 260 nichtständigen Mitgliedern nebst Stellvertretern. Das bedeutet gegen früher eine recht starke Vergrößerung, und trotzdem kommt es nicht selten vor, daß wegen Geschäftsüberbürdung Termine Wochen- und monatelang verschoben werden. Am Ende des vorigen Jahres waren nicht weniger als 18000 Fälle noch aufzuarbeiten. Besonders stark ist die Unfallversicherung hieran beteiligt, und wie sich die Zunahme der Geschäfte geltend macht, ist am besten er ichtlich^ wenn man hört, daß in der Invalidenversicherung, für die das Reichsversicherungsamt Revisionsgericht ist, eine jährliche Zunahme von etwa 250 Sachen festzustellen ist, während die letzte Ziffer bei der Unfallversicherung sich auf rund 1400 stellt. (!) Zu bemerken ist dabei, daß gerade in den letzten Jahren die Steigerung sich verhältnismäßig erheblicher vollzogen hat, als vorher. Im Jahre 1908 waren im ganzen 22 794 (Än- gänge ^u erledigen, während 1909 25 475 Sachen eingingen. Es besteht auch die Absicht, das Amt auch ohne Aufbürdung neuer Lasten von der Geschäftslast wesentlich zu befreien und zwar müssen durchgreifende Maßnahmen zur Anwendung gelangen, sonst wird halbe Arbeit gemacht, die hier nur schädigen kann. In der Reichsversüherungsordnung wird vorgeschlagen, daß bestimmte Fälle überhaupt von der Revision auszuschließen sind. Ferner soll der Rekurs durch die Revision ersetzt werden, und dann denkt man an die Erweiterung der Zuständigkeit der Landesversicherungsämter. Auf diese Weise würde allerdings eine erhebliche Entlastung der Behörde erreicht werden. Man rechnet damit, daß aus der Unfallversicherung etwa zwei Siebentel der Vorlagen den Landesversicherungsämtern zu
Grundlose vefürchtmgen.
Der frühere Marineminister La n ess an spricht sich in der „Depesche de Sreft" sehr entschieden gegen die von mehreren Offizieren und Parlamentariern, besonders von Senator Monis und dem Deputierten Painleve befür^ warteten Vorschlägen aus, die großen Schlachtschiffe unH Kreuzer dem Mittetmeergeschwader zuzuteilen. Deutschland, so führt Lanessan aus, wolle nicht blos den Eng°< ländern, sondern gleichzeitig auch den Franzosen die Herrschaft in der Nordsee streitig machen. England selbst fühle sich in seiner bisher unbestrittenen Ueberlegenheit bedroht und fange an, eine Landung deutscher Truppen auf seinem bisher noch unverletzt gebliebenen Boden zu fürchten. Wenn sich England aus eigenem Antriebe Frankreich genähert habe, so sei dies nicht aus einem einfachen Frennoschast^ gefühl geschehen, sondern in der Hoffnung, in den Frani zosen Bundesgenossen zu Wasser und zu Land gegen die Drohung Deutschlands zu finden. Von diesem Gesichtspunkte aus müsse Frankreich seine Marind stärken und seine Flotte verteilen. Frankreich habe nichts mehr von der englischen Flotte im Mittelmeer zu fürchten, wo England große Streitkräfte zum Schutze Aegyptens, Maltas, Cyperns und Gibraltars sowie gegen die Flotten: der mit Deutschland! verbündeten Mächte unterhalten muffe. Es sei deshalb klar, daß der Platz der mächtigsten Panzers schiffe Frankreichs im Norden sei, da dieses an den Küsten des Kanals und des Atlantischen Ozeans die Angriffe der deutschen Flotte zu fürchten habe. Es wäre ein Wahn-, Witz, die Ratschläge Monis, Painleves und jener Offiziere zu befolgen, welche sich durch die Reize des Mittelmeers verführen lassen.
Zur Affäre Helm.
Berlin, 9. Sept. Der Vater des unter Anklage gestellten Leutnants Helm, Oberstleutnant a. D. Helm in Charlottenburg, bestreitet ganz entschieden die Mm- lichkeit, daß fein Sohn Spio nage getrieben habe. & betont, wie es auch schon englische Blätter getan, daß die
aufgeben, Italien soll Eventualgarantie für Tripolis erhalten, es soll ferner nur für seine eigenen Interessen! K'rieg zu führen brauchen, also der Dreibund gilt nicht gegen die drei andern Mächte Europas, wenn sie uns an* greifen, Wohl aber müssen wir gegen sie mit, wenn es gilt, Tripolis den Italienern zu erkämpfen. Das taugt; sogar die wirtschaftlichen Konzessionen sind diesmal von der Wunschliste gestrichen.
Unser Stichwort bleibt nach wie vor: wann erhält Italien seinen Abschied aus dem Dreibunde? Dieser Anschauung ist auch die „Rheinisch-Westfälische Zeitung", bereu' römischer Mitarbeiter am Schlüsse eines eindrmksvollett Artikels schreibt: „Der Dreibund hat sich überlebt. In der internationalen Politik rechnet man schon langst nicht mehr mit ihm. Ein ernsthaftes Interesse haben weder Oesterreich noch Italien an ihm, am allerwenigsten aber das Deutsche Reich." Gegen die Türkei, deren Flottennöte wir eben gelindert haben, lassen wir uns nicht ausspielenb und was uns Italien sonst bietet, das muß es uns auch als neutraler, selbst als feindlicher Staat leisten: seine (übrigens bescheidene) Hilfe zur Erhaltung des Friedens. Ein Land mit Zuständen im Innern wie Italien kann keinen Krieg führen. Schaffen wir endlich Klarheit. Ein Staatsmann, der im Ernste behauptet, der Dreibund werde von allen seinen Gliedern gleichmäßig als wertvolle Grundlage der auswärtigen Politik anerkannt, macht sich vor feinem Volke lächerlich.
gehen können, so daß (das Jahr 1909 als Beispiel genommen) diese statt 2366 Sachen 7955 zu bearbeiten hätten. Da im ganzen 27 841 Eingänge zu erledigen waren, würden zunächst 19 886 verbleiben. Von diesen würden weitere 14 900 Wegfällen können, da es reine Gr ad fach en sind, oder da es sich um Neufestsetzung wegen Aenderung der Verhältnisse handelt. Bezüglich der Invalidenversicherung würden statt 6161 Revisionen nur 4239 bleiben, da zwei Siebentel den Landesversicherungsämtern zufallen und wegen Ausschließung her Revision bei Streitigkeiten über Höhe der Renten auch über 150 Sachen Wegfällen. Im ganzen würden statt 31 636 nur 9200 Eingänge zu bearbeiten fein, was eine bedeutende Entlastung darstellt. Dafür müßten die Revisionen der Kranken- und Hinterbliebenen- versicherungen übernommen und die Sachen aus allen Gebieten erledigt werden, die von beit Oberversicherungsämtern an das Amt gelangen. Diese Neubelastung mit der Abgabe der erwähnten Geschäfte würde immer noch eine Entlastung bedeuten.
Wann wird Italien aus dem Dreibund entlassen?
Pflichtvisiten leitender italienischer Politiker in Oesterreich-Ungarn wie in Deutschland und umgekehrt sind so häufig geworden, daß auch der Zeitunasleser von kürzerem Gedächtnis den offiziellen Spruch und die Erläuterungen der Presse auswendig kann; ist Oesterreich beteiligt, so wird die Balkanpolitik etwas mehr betont. Dieser Formel entsprach der Salzburger Besuch des Marchese di San Giw- liano durchaus, auch indem von den direkten Differenzen der beiden Verbündeten keine Rede war; nur mit der Verhütung von Grenzzwischenfallen soll eine Kommission betraut werden. Was wenig zu sagen hat, falls Italien sich nicht entschließt, sogenannte „unverantwortliche" Wühlereien gegen den Bundesgenossen zu unterdrücken ober allermindestens zu verleugnen.
Die Jrredenta ist kein historischer Ueberrest vom Geiste des Risorgimento, sonst hätte sie im Laufe der Zeit sich ab- schwächen müssen; in den achtziger Jahren, zurzeit der Spannung zwischen Crispi und dem Quai d'Orsay, war sie, was sie offiziell stoch jetzt sein soll, nur eine selbständige vanitalische Bewegung einiger extremen Nationalisten (damals unter Führung der Söhne Garibaldis); erst Hand in Hand mit den Freundschaftsverträgen der Regierung, „den bekannten Extratouren", ist die Hetze gegen Oesterreich erstarkt und hat sich auch gegen uns gerichtet. Von den an Napoleon III. abgetretenen Stammlanden des Hauses Savoyen, von Nizza, von Corsica, vom Schweizer Kanton Tessin, vom englischen Malta ist nie die Rede. Schon ist das „Gioruale d'Jtalia", das. Blatt Sonninos und Regierungsorgan von gestern und vielleicht von morgen, entrüstet, daß österreichische Blätter auf das Liebäugeln Italiens mit Frankreich hinzuweisen toagen. Und die Salzburger Begegnung, wie sie verlaufen ist, wurde auch nur durch Mißerfolge der italienischen Freundschaftspolitik möglich.
Oesterreichs Triumph in der Annexionsfrage, die Annäherung Serbiens an den Donaustaat, die Konsolidierung des juna türkisch en Reaimes durch Niederwerfung der Ar- nauten, Abschüttelung der mazedonischen Vormundschaft und Energie in der Kretafrage, endlich der Besuch russischer Schiffe in Fiume zeigen, daß Italiens Hoffnungen auf den Zarenbesuch in Racconigi Täuschungen waren. Oesterreich ist aus dem Balkan mächtiger als je. Schon taucht aber Italiens bekannte „Forderung von Konzessionen" für die Verlängerung der Dreibundes (die noch 3 Jahre Zeit hat) wieder auf. Oesterreich soll seine aktive Balkaupolitik
Behörden und Einzelnen zutage. Es war kein Zweifel: das deutsche Volk sing an, sich -auf seine Sprache zu besinnen." Und so trat denn Riegel 1885 mit der kleinen Schrift „Der allgemeine deutsche Sprachverein" vor die Oeffentlichkeit, vereinigte sich im August mit einer Reihe angesehener Männer, und am 12. September wurde, wie wir mitgeteilt haben, der Verein Wirklichkeit durch die Begründung des ersten Zweigvereins; vom nächsten Jahre an wurde die Zeitjchrift des Allgemeinen deutschen Sprachvereins herausgegeben.
In seinem Aufruf erllärt der Verein, ins Leben getreten zu sein, um 1. die Reinigung der deutschen Sprache von unnötigen fremden Bestandteilen zu fördern, 2. die Erhaltung und Wiederherstellung des echten Geistes und eigentümlichen Wesens der deutschen Sprache zu pflegen, und 3) auf diese Weise das allgemeine nationale Bewußtsein im deutschen Volke zu kräftigen. Mit ben Worten „Gedenke auch, wenn du die deutsche Sprache sprichst, daß du ein Deutscher bist", Hingt dieser Aufruf aus. Der Aufruf fand Widerhall; rasch traten eine Reihe von Zweigvereinen ins Leben, und die Mitteilungen in der Zeitschrift zeigen, daß sie auch wirllich an br Arbeit waren. Ihr Netz ist heute über das ganze Deutsche R cd) und Oesterreich ausgedehnt und auch im Aus lande, z. B. in London, Newyork, Bukarest, Windhuk usw. sind Sprachvereine zu Hause.
Die Arbeit des Sprachvereins hat den staatlichen, zuweilen auch den städtisck-en Behörden den Ansporn gegeben, auf die Amtssprache etwas mehr acht zu geben, und so manches zopfige und unverständliche, wie so manches unnötige fremdsprachige Mort auszumerzen, wobei er ihnen durch seine Verdeutschungsbücher hilfteich an die Hand gegangen ist. Aber wie wenig wir den Kampf gegen die Fremdwörter geringachten, wie wenig wir glauben, daß sein Ziel erreicht sei, so ist er doch nur eine der Ausgaben' des Sprachvereins, und zwar eine, an der auch viele Unberufene teilnahmen; denn mit Recht bemerkt Goethe, dessen Ansichten über die „Sprache der Verein selbst zum Stoff seiner letzten Preisaufgabe gewählt hatte, daß Reinigung der Muttersprache ohne Bereicherung sich öfters geistlos erweist. Nicht selten werden auch heute noch, auch von Mitgliedern des Sprachvereins, Verdeutschungen gebildet, bei denen man an den Satz in Jakob Grimms schöner Abhandlung „Hebet das Pedantische in der deutschen Sprache" erinnert wird: „Man sollte meinen, eine ganze Zahl deutscher Zusammensetzungen seien bloß aus Trägheit entsprungen oder in der Verlegenheit, für einen ungewohnten Begriff den reef/ten Ausdruck zu finden." Aber dieser Vorwurs trifft natürlich nur jene Schnellfertigen, die, weil sie deutsch sprechen,
meinen, die Muttersprache meistern und Sprachkenner über die Achsel ansehan zu dürfen. Das Programm des Vereins erklärte sich mit erfreulicher Deutlichkeit gegen „die blinde Reinigungswnt, die unvernünftige llebertreibung, die alte verblendete Deutschtümelei. Und hob ebenso klar hervor, daß es sich nicht allein um den Kampf gegen die unnötigen und entstellenden Fremdwörter, sondern überhaupt um die Pflege und Hebung der deutschen Sprache handle: um Heilung von Entartungen und Verkrüppelungen, um Abwertung von Künsteleien und Zierereien, um Anregung zum richtigen, sack^gemäßen Denken im Zusammenhänge mit dem richtigen, treffenden Ausdruck. Also nicht Fremdwörterhetze, wie so oft behauptet wird, sondern Pflege der Sprache, des Sprachsinnes und der Knrrde der Muttersprache, das ist die Aufgabe des Sprachvereins, nach seinen eigenen Satzungen, wie nach den Aufgaben, die er für seine Preisausschreiben stellt, nach bat Vorträgen, die auf seinen Hauptversammlungen gehalten werden. „Wir wollen keine gelehrten, sprachwissenschaftlichen Ziele verfolgen, )i>nbem wir wollen im Dienste des vaterländischen Gedankens arbeiten, damit möglichst überall und immer unsere Sprache« mit Wohlanständigkeit und Schicklichkeit behattdelt werde," heißt es in dem Aufruf. Aber auch zu diesem Zwecke ist bte Zusammenarbeit gelehrter, aber nicht verkehrter, nicht verstockter Sprachkenner und lernen wollender und lernfähiger Sprachfreundo nötig.
— Das Großh. La ndesm u seum machte am Mittwoch bedeutende Ankäufe aus der Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes auf der Mathildenhöhe in Darmstadt. Es erwarb von Prof. Th. v. Gosen-Breslau: Porträtbüste Prof. Reegev (Muschelkalk) für 2400 Mark, von Prof. Herrn. Hahn-Münchari Bronce „Adam" für 1200 Mark und für denselben Preis „Eva", von Prof. Hch. Jobst-Darmstadt: Broneebüste des .Herrn Sch. für 2000 Mark, von Prof. Fr. v. Stuck-München: Brones „Amazone" unb „Athlet" für je 800 Mark, von Pros. W. Kleuckens-Darmstadt: 2 Zeichnungen „Junge Haubensteißfüße" für 150 Mark und „Junge Schleiereule" für 400 Mark, zwei Zeichnungen von Wilh. Thilmann-Willingshausen: „Mutter" und „Ein Ereignis" für je 250 Mark.
— Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Marcel Salzer wurde vom Herzog Karl Eduard von floburg- Gotha bet Prosessortitcl verliehen. — Das „Neue Theater" in Mainz beginnt seine Spielzeit mit Gruft Dindrings „Hohes Spiel.*


