Ausgabe 
10.8.1910 Erstes Blatt
 
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** D i e Är o ß h erKo g in traf am Montag nachmittag Uhr int Auto in Darmstadt ein, besichtigte das Säualings- eim und nahm bei der Prinzessin Franz Joseph von Batten- erg den Tee. Später erfolgte die Rückkehr nach Jagd- chloß Wolfsgarten.

Aus Stcrdt und

Gies;en, 10. August 1910.

Ausland.

. Wie bas Journal des Tebats" auf Grund einer Anfrage Der^der Pariser türkischen Botschaft mitteilt, hat die türkische .Botschaft keine Mitteilung erhalten bezüglich der gemeldeten LVS9--r?!$e n Vorbereitungen Bulg artens. Das Blatt lugt hinzu, aus dem Fehlen jeglicher offizieller Bestätigung k^l.iä/lietzen, daß die Nachricht von einer demnächstigen Mobil i; ter un g bulgarischer Truppen unter dem Vorwande

denkt, daß diese Strecke von ihnen fast immer nur in Bruch, teilen einer Sekunde durcheilt wird (denn die meisten Stcrn- schniippen sind doch nur einen Moment sichtbar, manche hinterlassen allerdings noch eine leuchtende Flugbahn), so kann man sich ungefähr einen Begriff von der Geschwindigkeit ihres Fluges machen. Den Laurentiusstrom hat man inbezug auf seine Bahn mit dem Kometen 1862 III in näheren Zusammen­hang gebracht, da die Elemente beider Bahnen sich sehr ähn­lich sind; wahrscheinlich ist der Komet als Urkörper des Meteocstromes zu betrachten, was auch bei verschiedenen anderen periodischen Sternschnuppenströmen der Fall zu sein scheint; die Beobachtung dieser Sternschnuppen reicht, soweit zuverlässig, bis 830 nach Ehr. zurück. Das Sternbild des Perseus ist links unter dem bekannten oder leicht aufzu­findenden W der Kassiopeia sichtbar, je nach dem Standpunkt des -Beobachters zwischen Osten und Norden. Wenig bekannt ein dürfte wohl die Tatsache, daß die astronomische Wlssenschaft auf die Beobachtung der Sternschnuppen, deren Wesen usw. noch ziemlich unerforscht ist, großen Wert legt und jederzeit Mitteilungen über besonders auffällige Erscheinungen auch von Laien gern entgegennimmt. Die Sternschnuppenfälle dauern an, so lange die Dunkelheit herrscht, d. h. sind so lange zu 'ehen, und zwar ist die Zahl der Meteore gegen Morgen stets größer als abends.

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** D aS G r o ß h e rz. o g S p a a r trifft schon am Montag nachmittag im Mainzer Schlosse ein. Erbgroßherrog Georg und Prinz Ludwig kommen nicht nach Mainz. Ta's Gefolge )er Fürstlichleiten besteht aus der diensttuenden Ehren- !)ame Freiin von Betlersheim, dem Hofmarschall Major a. D. Jrhrn. v. Nngern-Steruberg, dem Oberstallmeister Major a. D. Riedesel Frhr. z-u Eisenbach, dem diensttuenden Kammerherrn Dr. Fehrn. von Leonhardi, dein General- Adjutanten Rittmeister Frhrn. von Massenbach und Ober­leutnant von Schröder.

Sternschnuppen.

. In der Zeit vom 9. bis 13. dieses Monats macht sich wieder cm periodischer Sternschnuppenfall bemerkbar: aus dem sog. Laurentiusstrom (die Tränen des hl. Laurentius). Man pflegt diese Meteore auchdie Perseiden" zu nennen, 'veil ihr Hauptradiationspunkt im Sternbild des Perseus liegt, d. h. die Meteore aus diesem Sternbilde hervorzu- sthwßen scheinen. In Wirklichkeit ist dies aber nicht der denn die uiiserer Erde am nächsten stehenden Fixsterne sind über 31 Billionen Kilometer oder etwa 200 000 mal weiter als die Sonne von uns entfernt, und die Sterne des Perseus gehören durchaus nicht zu den uns nahe stehenden! Tw Sternschnuppen, denen man nach den bisherigen Beob­achtungen und Berechniingen aber selten ein Gewicht über 3000 Gramm, meistens aber ein solches von nur Bruchteilen eines Gramms zuschreiben muß, sind also ganz verschwindend kleine Körperchen in Anbetracht solcher Entfernungen und würden daher auch gar nicht für uns zu sehen sein, wenn sie dort ihren Ursprung hätten. DiePcrseiden" gehören vielmehr einem Sternschnuppenstrom an, welcher die Sonne in einer sehr lang gestreckten Ellipse umkreist und jedesmal, wenn er die Erdbahn durchschneidet, von unserem Planeten einen Teil seiner Bestandteile entrisien bekommt. Wenn dann diese, die schon ihre Bahn mit einer großen Geschwindigkeit zurücklegen, mit einer sich stets vergrößernden Geschwindig­keit unserer Erde zusausen, so werden die einzelnen kleinen Körperchen bei ihrem Fluge durch die Erdatmosphäre zu einer solchen Hitze gebracht, daß sie schnell vollkommen zerstäubt werden, also erlöschen. Die Grenze, bis zu welcher Höhe die Sternschnuppen sich der Erde nähern, liegt zwischen 90 und ^Kilo­metern über der Erdoberfläche; die Höhe, in welcher sie in unserer Atmosphäre sichtbar werden, beträgt nie mehr als 180, meistens aber nur 120 bis 110 Kilometer. Wenn man be-

k. Maar, 9. Aug. Am Sonntag wurde hier ein Missionsfest für den Kreis Lauterbach abgehalten, bei deut Pfarrer Lenz-Stockhausen die Festpredigt über die Bedeu­tung der Mission und ihre jetzige Ausbreitung hielt. Bei dem anschließenden Gottesdienst im Freien predigten Dekan Schmidt-Schlitz und Missionar Hoffmann.

r. Rain rod, 9. Aug. Zum Besuch des Veteranen- Appells wurden den 8 Veteranen vom hiesigen Krieger- verein und von der Gemeinde jeweils 4 Mk. bewilligt.

L Fr-iedberg, 9. Aug. Tie Bürgermeisterei erhielt jetzt die offizielle Mitteilung Dorther Ankunft der russisä)en Zarenfamilie, der Familie des Großherzogs, sowie der wahrscheinlichen Ankunft des deutschen Kaisers im hiesigen Schlosse. Für die sofortige Er­weiterung der Straßenbeleuchtung in der Burg bewilligte die Stadtverordnetenversammlung 800 Mk. In dein von Oberlehrer Dreher dahier geordneten städtischen Ar­chiv befinden sich 4427 Stadtbücher vom Jahre 1148 bis 1830 und 20 000 Akten aus dem 15. Jahrhundert.

Friedberg, 9. Aug. Tie Arbeiten für die Er­bauung der neuen staatlichen Blindenanstalt (Lehrgebäude, gewerbliche Anstalt und Direktorialhaus) wurden einer hie­sigen Firma übertragen. Die Anstalt, deren Bau nächstens begonnen werden soll, kommt in den neuen Stadtteil zu stehen.

Friedberg, 9. Aug. Heute sand eine Felddienst- Übung zwischen dem in Bad Homburg garnisonierenden 3. Bataillon Nr. 80, sowie dem in Butzbach stehenden Ba­taillon der 168 hier statt. Zwei Feldküchen waren bis hier­her gefolgt, die für die Mannschaften abkochten.

= Aus der Wetterau, 9. Aug. Iw Rod heim verbrannte durch Blitzschlag die Hofreite des Land­wirts Gg. Zipperlein IV. In Wölfersheim ent­stand am Sonntag abend eine blutige Schlägerei, bei der ein Bursche durch Messerstiche schwer verletzt wurde.- Die Bahnhofsanlagen der Station Berstadt werden gegen- wärttg erheblich erweitert. Gleise und Rampe sind um­gebaut worden, da der Güterverkehr für landwirtschaftliche Produkte ständig ft eia t. Der Schul haus Neubau zu Eberstadt bei Lich ist mit einem Kostenaufwand von

Ü? 2V-1 ^l.nf°.T Sfalsch ist. Bulgarien wisse auch

kte -Lurfei feit zwei Jahren bedeutende mili-

-ft M.aHrbgeln getroffen habe, um der Eventualität eines intens seiner Grenznachbarn zu begegnen. Ein Krieg zwischen der Türkei und Bulgarien würde für Bul - WufLrL $ rnr? tollkühnsten Abenteuer sein.

ait^' lEches schon wiederholt Bulgarien Mawgung und Klugheit angeraten habe, zweifellos von neuem §egebenensal s die Minister des Königs Ferdinand von beunruhigenden Planen abzubringen, die man ihnen viel­leicht mit Unrecht zuschreibt.

Aus Salonik wird gemeldet: Eine 15 Mann starke Ab- teilung griechischer Soldaten überschritt bei Domenikon die türkische Grenze; daber wurden sic von der türkischen Grenz- wcichc in em brciltunbigeä Gefecht verwickelt. Tie Türken er- yielten erstarkiingen. -Lie Griechen zogen sich mit einem Ber- lust von fünf -toten über die Grenze zurück. Aus türkischer Sette wurden zwei Mann leicht verwundet

-neTimes" meldet aus Newport: Von dem Streik im Mantelnahgewerbe wurden bisher 70 000 Personen crgriifen Es ist das die größte Zahl, die je ein Ausstand inner­halb eines einzigen Gewerbes in Newport erreichte. Auch 210 0 0 ecrjneibcr befinden sich im Ausstand. Man erwartet, daß Mi ~iuife der Woche weitere 45 000 hinzu kommen werden. In den hiesigen Zuckerrafsinerien sind 2000 Mann ausständig.

Deutsches Aerch.

/ 2" ka: Presse wurde gemeldet, daß bereits eine Ein- la^ung des Kaisers von Japan an den Kron- vorliege, in der dieser zu einem 14tägigen Aus- entyalt^ in ^apan als Gast des Mikado ein geladen wird Wie wir ersahrrn, ist dies nicht zutteffend, da man bisher in Japan nichts Von mner Reise des deutschen Thronfolgers offiziell ge- wutzt Ohne.Zweifel wird der Kronprinz in Japan mit großer iVerzlichLeit Erlangen werden, und es ist cmzmichmen, daß der rfiLdie getroffenen Dispositionen es gestatten, als Gast in )einem Schlosse in Tokio sehen wird. Be- tannmch war vor kurzem erst der Herzogregent von Braun- r»öohann Albrecht, auf einem kaiserlichen -chloffc in -Lotio und hat sich über die Gastfreundschaft der Ja­vaner sehr anerfennenb geäußert.

bähe*ische Kammer der Reichsräte nahm die ^Vorlage betreffend das Kraftwerk Walchensee mit großer Mehrheit an.

Heer und Flotte.

. ,^^.^.par-Ausschnß" zur Bereinfachung v cv Mili turhaus h al ts. >Die Besttebungen der Mili­tärverwaltung Mr Erzielung von Ersparnissen und zur Vereinfachung der Verwaltung hatten, wie uns mitgeteilt wird, bereits vor längerer Zeit zur Herbeischaffung sehr umfangreichen Materials geführt, das zunächst einem Vor­aus schuß zur Sichtung übergeben wurde. Der ent­sprechende Bericht wurde bereits vor einiger Zeit erstattet und ließ erkennen, daß die verschiedensten Gebiete durch die Vorschläge berührt wurden. Infolge der Schwieriq- leiten, die durch die Fülle des Materials und durch die event. Aenderungen, die seit langer Zeit bestehende Ein­richtungen betreffen würden, hervorgerufen werden, bedarf es längerer Zei-, um zu bcsttmmten Ergebnissen zu ge­langen, die sich auf die Vereinfachung des Haushalts der Vermattung und auf die Erzielung von Ersparnissen be­ziehen. Infolgedessen hat sich die Beendigung der Ar­beiten des hierzu berufenen Ausschusses bis zur Aufstellung des jetzt dem Rerchsschatzamt bereits vorliegenden Militär­haushalts für 1911 nicht erzielen lassen. Der Ausschuß, der zu obigem Zweck zusammengctreten ist, ist auch gegen» warttg noch an der Arbeit und wird vorläufig diese auch noch nicht beendigen können. Soweit als möglich, sind bereits Vereinfachungen und Neuerungen beim vorliegenden Militärhaushalt entsprechend den Arbetten des Ausschusses zur Anwendung gelangt. Im übrigen kann nur betont werden, daß der Haushalt mit außerordentlicher Sparsam­st aufgestellt worden ist. Aus diesem Grunde ist es auch nicht möglich gewesen, die Aufbesserung der Löhne der Mannschaften bereits anzufordern.

rund 25 000 Mk. nahezu vollendet. Er enthält einen Schulsaal nebst Fünszimmerwohnung für den Lehrer. Die Einweihung erfolgt voraussichtlich im September. Von der Gemeinde Hoch-Weisel wurde die Erbauung eines einklassigen Schulhauses beschlossen.

8. Os send ach, 9. Aug. Dafür, daß die vom Staate oder von den Gemeinden in eigener Regie ausgeführten Ar­beiten erheblich teurer sind als die durch Unterbietung ver­gebenen, liefert die Stadtverwaltung Offenbach einen neuen, geradezu klassischen Beweis. Die durch die Einlage des Grund­buches notwendig gewordene Neuvermessung der Gemarkung Offenbach mar vom Grv'dh. Katasteramt in Darmstadt auf 80 000 Mk. veranschlagt worden. Auch ein Privatgeometer hatte dasselbe Angebot gemacht. Die Stadtverordneten-Vcr- sammlung beschloß jedoch am 29. März 1906, die Arbeit in eigener Regie auszuführen. Es wurde ein Kataslergeometer aus die Dauer von 4 Jahren mit einem Gehalt von 4500 Mk. vertraglich angestellt und ein Bureau eingerichtet, in dem außer dem leitenden Katastergeometer noch sechs Geometer und fünf Geometergehilfen beschäftigt sind. Nach den im Rechenschaftsbericht der Bürgermeisterei für 1908 und im Voranschlag für 1910 enthaltenen Erläuterungen werden sich die Kosten am Ende deö Rechnungsjahres 1910 auf 179 000 All. belaufen; das sind rund 100 000 Mk. mehr, als nach dem ^Voranschlag des Großh. Katasleramtß an­genommen worden war. Da die Grundbesitzer zum 9iück- ersatz der Kosten verpflichtet sind, ist es begreiflich, daß sie

** Psarrpers onalien. Ter Großherzog hat den evangelischen Pfarrer Konrad Franck von Merlau nach Steinbach, Wilhelm Fresenius von Sellnrod nach Roden­bach und Gg. Becker von Hopfgarten nach Mörfelden versetzt.

** Erledigte Le h r e r st e l l e. Die mit einem ev. Lehrer zu besetzende zweite Lehrerstelle an der Gemeinde- chule zu Bin d s ach s e n , Kreis Büdingen.

** 70jühriges Militärjubiläum. Den siebzig­jährigen Gedenktag seines Einttitts in das Heer beging am 9. d. M. der Generalleutnant z. D. August Graf zu So ! mS-Wi ld en s e ls in D a rm sta dt. Am 7. Sep­tember 1823 in Potsdam geboren, kam der Graf am 9. Au­gust 1840 aus dem Kadettenkorps als Portepeesähnrich in das Garde-Kürassicr-Olegiment, dem er bis zum Jahre 1866 angehörte. Er lvurdc dann als Major Kommandeur des Ulanen-Regiments Nr. 11, das er nach Beförderung zum Obn-sten im Kriege gegen Frankreich mit Auszeichnung ührie, )o daß ihm das eiserne Kreuz zweiter Klasse ver­liehen wurde. Im Juli 1873 wurde er unter Stellung ä la suite des Regiments zum Kommandeur der 29. Ka­vallerie-Brigade in Mülhausen i. E. ernannt u.id ein Jahr darauf zum Generalmajor befördert. Im Februar 1880

wurde der Graf als Generallcutnanl zu den Offizieren U vLrrJ^rmee ^setzt und am 15. September 1881 auf fein Abschiedsgesuch zur Disposition gestellt.

** Alldeutscher Verband. Die hiesige Orts­gruppe des Alldeutschen Verbandes hielt vor kurzem ihre Jahresversammlung ab. Der Verband entfaltete feit seiner ^pten^aup^rsarmnlung $eßrUGr 190g e^ne reße xätia*

leit. Gegenstände der auswärtigen Potttik wurden in den Ao^Wcn des Geheimrats Fischer-Marburg über Marol.o und des Rechtsanwalts Elaß-Mainz über den AlldeutsÄen Verband im Februar 1909, dem Vortrag des Professors Sommer über die Balkanländer im Juni 1909 und des Pro,essors Schwally über die Jungtürlen 1910 behandelt. ~en! ^ebwt der inneren Polittk gehörte der Vortrag von Vrofessor Biermer im November 1909 über die Ostmarken- frage an. Bon entern Zukunftsland deutscher Betätigung sprach Professor Sievers im Juni 1910 in dem Bericht über seine Rerse in Peru und Ecuador. Geschichtliche Rück­blicke gaben Professor Strack anläßlich der Feier der Her­mannsschlacht in dem Vortrag über die Weltpolitik 'der ersten Kaiser Roms im Dezember 1909 und Professor Urloff ^.?^,^ortrag über die Gründung des Deutschen Reichs anläßlich der Reichsgründungsfeier am 18. Januar 1910. Letzterer war im allgemein vaterländischen Sinne gehalten und nahm unter großer Beteiligung aller Kreise einen glanzenden Verlauf, der die Ortsgruppe ermutigte, die Feier orefes Gedenktages auch für die kommenden Jahre in die Hand zu nehmen. Besonders festlich wird sich' die in wei- estem Rahmen abzuhaltende Feier der 40jährigen Wieder-

bAele§ Tages im nächsten Jahre gestalten. Für die alldeutschen Abende im Wintersemester sind wieder eine Neihe hervorragender Redner gewonnen.

sT3 "Elektrische Abruf'ewerke sollen nun in den Wartesalen eingesichrt werden. Man setzte heute (9 Aug ) in den Mainzer Wartesälen 3. und 4. Klasse zwei solche Apparate in Betrieb. Es sind schrankartige Behälter, die an der Wand befestigt sind. Für jede Fahrtrichtung be­finden sich dann Glasfensterchen, hinter denen 10 Minuten bor .Aogang eines Zuges ein Schild sichtbar wird mit dem Warnen der betreffenden Station, wobei gleichzeitig ein elektrisches Läutewerk ertönt. Dieses Klingelzeichen wieder­holt sich noch einmal drei Minuten vor dec Abfahrt. Das Ausrufen durch den Pförtner fällt weg. Eine neue stimmung der Eisenbahndirektion Frankfurt schließt die Schornsteinfeger im Arbeitsanzuge von der H-ahrt in Triebwagen aus, gestattet jedoch ihre Beförde­rung in den anderen Zügen, falls sie mit der Fahrt im Packwagen zufrieden sind.

Lauterbach, 9. Aug. Im hohen Alter von 81 Jahren starb hier nach äOjähriger Dienstzeit einer der ältesten Lehrer Hessens, Ludwig S a l z m a n n. Er verließ das Lehrerseminar Friedberg i. I. 1852.

-g. Saasen, 8. Aug. Der Landwirt A. vom Veitzberg erhängte sich gestern in seiner Scheuer. Man nimmt an, daß ein Prozeß, der diese Woche zum Austrag kommen sollte und der ungünstig für ihn stand, ihn zu der unseligen Tat veranlaßte.

für die Lehrer keinerlei Nachtell erwachsen, zumal die Refe­renten in der Schulabteilung dieselben bleiben. Die Re­gierung hat sich mit dieser Ernennung durchaus nicht zur Anwendung eines anderen Systems bekannt, sondern ist l^dlglrch nach Maßgabe der gegenwärtigen Verhältnisse ver- indem sie Geh. Rat Süffert von der inzwischen ziemlich belanglos gewordenen Abteilung für Eisenbahn- tnesen und Finanzwirtschaft hinwegnahm und ihm die Schul­abteilung überwies. Die erstgenannte.Abteilung wird ver­mutlich dem Referenten für das Steuerwesen, Herrn Ge­heimrat Dr. Becker, mit übertragen werden, dem als­dann auch in erster Linie die Haushaltsaufstellung mit obliegen würde. Vielleicht hat auch die Ernennung des Geh. Rat Süffert die Zurückziehung eines der beiden jetzt in der Schulabteilung beschüfttgten Juristen zur Folge, ^m übrigen sei bemerkt, daß die Forderung nach Anstellung von Fachmännern fiir die einzelnen Abteilungen neben der schulabteilung bisher nur in der Forftabteilung durch- gesührt ift. In der Abteilung für Gesundheitspflege, der Bauabteitung uff. sind ebenfalls ältere Herren als Vor­tragende Räte tätig. Die Ständekammern werden jeden­falls diesen neuen Schritt zur Vereinfachung der Staats- verwattung und Herbeiführung von merkbaren Ersparnissen mit Befriedigung begrüßen. Und auch die hessischen Lehrer haben, so glauben wir, nach der vorstehenden Darlegung keinen Grund zu ernster Beunruhigung: Sie können der am 1. September erfolgenden Uebernahme der Geschäfte der Schulabteilung durch den als tüchttgen, umsichtigen und gerechtdenkenden Beamten bekannten Geh. Rat Süffert mit Ruhe entgegensehen!

Patrioten tief betrauerten Abschluß erhielt. Cavour opferte da- mals schweren Herzen- das Stammland seines Königs Savoyen und Rizza an <yraiiUucl), um die Herrschaft des savoyischcn Hauses .in Italien zu befestigen; er paktierte dann sogar im geheimen mit den Revolutionäicn Mazzini und Garibaldi, um alle Kräfte zum erhabenen Ziel zu sammeln, auch die dunkeln Leidenschaften des nationalen Fanatismus zum heiligen Feuer zu schüren Es War ihm noch vergönnt, seine Sache zum Siege zu führen: am 17. Marz 1861 wurde Viktor Emanuel, der seinen leitenden Staatsmann in seiner Politik tapfer unterstützt hatte, König des geeinigten Italien, dem nur noch Venetien und Rom fehlten

mittcn nrf-Ör eifrigsten Tätigkeit für den Ausbau leines Merkes, wurde Camillo Cavour von einer plötzlichen Er­krankung dahingerafft.

Tie letzten Ärbeiren des Meisters der Politik l-atten noch für die Zukunft gesorgt, die glückliche Vollendung der Rcichseinbcil angebahnt. Er hatte noch durchgesetzt, daßdie Vereinigung Roms als Hauptitaot mit Italien" von dem italienischen Par­lament gefordert wurde, er yatte, da ihm die Vernichtung des Kirchenstaates unbedingt notwendig schieii, auch die Formel für eine friedliche Lösung der schwierigst i Frage gefunden in jenen Worten, die noch dem Sterbenden von den Lippen kamen:Freie Kirche in freiem Staat." Tie Versöhnung der zwei gewaltigsten Mächte Italiens, des Papsttums mit dem weltlichen Königstum des rehgioien Geistes mit dem Geist der Freiheit, das war das Vermächtnis, das Cavour feinem Volke hinterließ. Ter schwerste Vorwurf, den man gcgcn- Cavour erhoben hat, ist der der politischen Skrupellojigkeit, mit der er sich auch der verschwörerischen und anarchistischen Clemente für feine Zwecke bediente, mit der er Garibaldi heimlich bei feinem Einfall in Sizilien und Unter- ilalien unterstützte. Aber Cavour wußte, daß die einzige Mög­lichkeit^ diese gährenoen, wild losbrechenden Mächte des Äfruhrs zum <scgcn und Nutzen des Ganzen zu gebrauchen, eben darin velland, nch mit ihnen in Beziehungen zu setzen. Cs ist die un- vergangliche Größe Cavours, daß er sich selbst stets hoch über cl em Getriebe der Parteien und Leidenschaften zu erhalten roUL .JU orriy,,C11 und.verzw felt tl Lagen immer der klare

1 objektive Beurteiler der Dinge blieb, in Irleuo und Niederlage, wie ui Sieg und Triumph.Mein Staats- monn w c neueren n; ihm an Reinheit der Absichten und

n," so hat Franz Xaver uber^ Cavour geuii dt. Und diesem reinen stolzen Geiste gelang da^ ititocr, das er in seiner Jugend geträumt.