Ausgabe 
9.5.1910 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

160« Jahrgang

Nr. 106

Giehener Anzeiger

Erlcheiw täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Seneral-Anzeiger für Sberhejsen

Dre ^Otetzener Kamiliendlätter- werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, dar nrelsblotl für den Kreis Sietzev" zweimal wöchentlich. Die .Landwirtschaftlichen Lett» tragen^' erscheinen monatlich zweimal.

Montag O. Mai 1010

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnioersitälS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag e^5L Redaktion:«^ 112. Tel.-AdruAnzergerGießen.

Lin SparfamteitserloS.

Zur Verminderung der Ko st en der Staats­verwaltung hat nach der Darmst. Ztg. daS Staats­ministerium an bte Großh. Behörden und Beamten folgenden Erlaß gerichtet:

Die an sich schon meist knapp veranschlagten Ausgabekredite deS Entwurfs des Hauptvoranschlags für 1910 sind durch die landständischen Beschlüsse vielfach noch herabgesetzt worden. Es ist dieses namentlich der Fall bei den sogenannten allgemeinen Fonds für Vertretung^-. Aushilfe-, Reisekosten usw. Anderer­seits sind die Ansätze für die Einnahmen gegenüber dem Entwurf zum Teil nicht unerheblich erhöht worden. Bei der hiernach gebotenen äußerst sparsamen Ausführung des Voranschlags müssen 'ich sämtliche stellen gewärtig halten, daß die ihnen zur Ver- fügung gestellten persönliche, und sachlichen Ausgabekredite nicht nur nicht überschritten werb, dürfen, daß vielmehr ihr Streben dahin gehen muß, die Kredite nicht völlig aufzudrauchen. Nur dann wird cs möglich sein, die Rechnung des laufenden Jahres demnächst ohne Fehlbetrag abzuschltehen. Im einzelnen haben wir uns zur Aufstellung solgcndcr Grundsätze veranlaßt gesehen, wonach Sie sich bemessen wollen:

1. Gesuchen um Aushilfe bei den üblichen Beurlau­bungen und aus ähnlichem Anlaß wird für die Folge nur noch ausnahmsweise und bei dem Vorliegen besonderer Gründe ent­sprochen werden. Es kann und muß verlangt werden, daß in Fällen dieser Art die Beamten derselben oder einer benachbarten Stelle rcgelSwcise sich gegenseitig vertreten. Auch ist zu prüfen, in­wieweit zurzeit bewilligte Aushilfen entbehrt werden können.

2. Die Dienstreisen müssen auf das Notwendigste be­schränkt und mit möglichster Sparsamkeit ausgeführt werden. Hierbei komint insbesondere das Zusammenlegen mehrerer Ge­schäfte auf einen Tag und das Vermeiden teurer Wagenfahrten in Betracht. Auch wird cs sich in vielen Fällen vermeiden lassen, mehrere Beamte zu demselben Geschäft zuzuziehen (z. B. den administrativen neben dem technischen Boomten).

3. Die im Hauptvoranschlag unter Ä'apitel 103Bauwesen", Titel 1Lokalbaubeamte" Ziffer 14 und unter Kapitel 74Boden- metiorationcn" undWasserversorgungswesen", Titel 1Kültur- mspektionen" II b vorgesehenen Bauzulagen und beson­deren Vergütungen werden nur noch an diejenigen Be­amten ausbezcchlt, die sich bereits in deren Bezug befinden. Ge- luchen um Neuverleihung solcher Zulagen und Vergütungen wird künftig keine Folge mehr gegeben werden.

1. Tie Uebertragung von Krediten nach Artikel 4 letzter Absatz des Gesetzes vom 14. Juni 1879 über die Ver­waltung der Einnahmen und Ausgaben des Staates wird lünftig nur noch auf den Nachweis der dafür sprechenden besonderen Umstände zugelassen werden; im übrigen werden aber für nicht genügend begründete Ueberschrertungen der Kredite die anweisenden Beamten haftbar gemacht werden. Soweit die besonderen Ver­hältnisse in dem einen oder anderen Ressort weitere Anordnungen zur Ausführung obiger Grundsätze geboten erscheinen lassen, wer­den diese von dem zuständigen Rcisortministerium oder der be­treffenden Ministerialabteilung erlassen werden."

Das sind Dinge, die bet den Kammerverhandlungen und in der Presse allgemein gefordert worden sind.

Die Sparsamkeit bei den Behörden soll, rote wir hören, auf die Portokosten usw. ausgedehnt werden. Das Abfertigen der Postsendungen, was früher täglich vorgenommen wurde, ist schon feit längerer Zeit auf einige Tage in der Woche beschränkt worden und soll nach Möglichkeit weiter vermindert werden. Auch sollen Erhebungen angestellt iverden, wie groß die dadurch cintretenden Portoersparnisie sind. Das jetzt bestehende Post- aoerfum würde dann aufgehoben und auf Grundlage der Ermitt­lungen neu abgeschlossen werden. Hierbei dürfte sich empfehlen, ähnlich wie in Baden und Preußeii sog. Zählmarken einzu­führen, durch deren Anwendung sich eine sichere Kontrolle schaffen läßt.

Die lvertzuwachrfteuer.

: Berlin, 7. Mai.

Ter Zuwachs st euerauS schuß des Reichstages beendete heute die zweite Lesung. § 49 handelt von der Vertellung des

Steuerauskommens an Reich, Staat uno Gemeinde, loroie von den Zuschlägen und Entschädigungen der Gemeinden. Nach mehr­stündiger Erörterung wurde der in erster Lesung von Dr. Neu­mann-Hofer (Vp.) gestellte und von den Sozialdemokraten wieder mitgenommene Antrag, den Gemeinden 50 Prozent der Steuer zukommen zu lassen und dem Reiche nur 40 Prozent, gegen zehn Stimmen der Linken a b g e l e h n t. Abgelehnt wurde auch, und zwar mit 13 gegen 11 Stimmen, der Antrag Dr. Neumann-Hofer, wonach der LandcSgesetzaebung die Möglichkeit genommen werden sollte, den Antell der Gemeinden noch weiter herabzusetzen. Der in der ersten Lesung gefaßte Beschluß, daß zur Vertellung der den Gemeinden vorbehaltenen 40 Prozent auf die Gemeinden und die Gemeindeverbände statt der Landesregierung die Landesgsetzgcbung zuständig sein soll, wurde wie­der aufgehoben, doch wurde auf Antrag Neumann-Hoser beschlossen, daß nur solchen Gemeindeverbänden ein Antell über­wiesen werden dürste, denen nach den Bestimmungen der Landes- gesetzgebung ein Steuerrecht auf diesem Gebiete zusteht. Tie in der Vorlage den Gemeinden unbeschränkt gegebene Befugnis, Zu­schläge zu den reichsgesetzlich bestimmten Sätzen zu erheben, wurde nach einem von Dr. Jäger (Zentr.) abgeändertcni Antrag Cuno (Vp.) dahin beschränkt, daß die Zuschläge bei einer Wertstcigerung von nicht mehr als 10 Prozent ides Erwerbs Preises höchstens 5 Prozent der Wertsteigerung von 10 bis einschließlich 50 Prozent der Wertsteigerung höchstens 7V3 Prozent der Wert­steigerung, und bei über 50 Prozent höchstens 10 Prozent der Wertsteigerung betragen dürfen. Reichssteuer und Zuschläge dürfen in keinem Falle 36 Prozent der Weristeigerung überschreiten. Da­gegen wird den Gemeinden die Möglichkeit gegeben, auch zu nur einzelnen Steuersätzen Zuschläge zu erheben, oder für bestimmte Grundstücksarten die Ermäßigungen und Hinzurechnungen zu min­dern oder auszuheben. Die Uebergangsbestimmungew zugunsten derjenigen Gemeinden, welche am 1. April 1909 bereits eine Wertzuwachssteuer eingeführt hatten, wurden nach einem von Dr. Zehnter (Zentr.) abgeänderten Antrag der Konservativen dahin abgeschwächt, daß der Reichskanzler die Möglichkeit hat, einzelnen Gemeinden statt der fünfjährigen Gewährleistung ihres durchschnittlichen Steueraufkommens die Aufrechterhaltung der bis­herigen Steuerordnung bis zum 1. April 1915 mit der Maßgabe zu sichern, daß das gesamte Aufkommen aus dieser Steuer den Gemeinden verbleibt. Verzichtet die Gemeinde hierauf, so ver­liert sie ihren Anspruch auf die Garantie ihres durchschnittlichen bisherigen Aufkommens. Nach der anderen Seite beschloß aber der Ausschuß eine Erweiterung dahin, daß die Borlelle der llebergangsbestimmungen auch für diejenigen Gemeinden gelten sollen, deren Wertzmvachssteuer mit Wirkung vor dem 1. April 1909 am 12. April 1910 nämlich dem Tage der Einbringung' deS Gesetzentwurfes in Kraft war. In einem Zusatz wurde bestimmt, daß da, wo die Steuer am 1. April 1909 noch nicht ein Jahr in Geltung war, an die Stelle des durchschnittlichen Ertrages das Aufkommen an Steuer in der Zeit vom 1. April 1909 bis 31. März 1910 tritt.

Mit diesen Abänderungen wurde der § 49 und darauf auch der zuruckgestellte § 12 angenommen, der den Gemeinden gestattet, bei der Ermittelung des Erwerbspreises auch über 40 Jahre bezw. über das Jahr 1885 zurückzugehen. Dann stellte der Ausschuß die in der ersten Lesung gestrichene Bestimmung des Regierungs­entwurfs, wonach der bei der Finanzreform eingesührte Zu­schlag zum Umsatz st ernpel einstweilen noch neben der Zu­wachssteuer erhoben werden sollte, bis zu einem gewissen Grade wieder her. Es wurde bestimmt, daß bis zum 31. März 1912 der Zuschlag so weit erhoben werden soll, als die Zuwachssteuer die durch den Umsatzstempel bisher erzielte Summe nicht auf- bringl. Hernach soll von drei zu drei Jahren nachgeprüst wer­den, ob das Aufkommen aus der Zuwachssteuer auch eine Er­mäßigung des eigentlichen Umsatzstempels ermöglicht. Im übrigen wurden bei den Restbestimmungen des Gesetzentwurfs die Beschlüsse erster Lesung nicht mehr wesentlich geändert, liebet die beiden Lesungen des Ausschusses wird Graf Westarp (Kons.) einen vor­läufigen Bericht erstatten, voraussichtlich bis zum nächsten Diens­tag. Im Herbst wird der Ausschuß eine ibrittc Lesung vornehmen.

Berlin, 7. Ucai. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt in ihrer Sonntagsnummer: Der Reichskanzler hat, wie wir hören, in den Besprechungen mit den führenden Parlamentariern nochmals eindringlich auf die Nachteile hingewiesen, welche eine Vertagung der Beratung im Reichstage über die Wertzuwachs­steuer mit sich bringt. Insbesondere ist nicht zu verkennen, daß die Entwickelung der Verhältnisse auf dem Grundstücksmarkte bis zum nächsten Winter die Erträgnisse der Reichsfteuer wesent-

Arinst, Wissenschaft uttö Leben.

Aus Darmstadt wird uns unterm 8. Mai geschrieben: Ter Frauenbund zu Ehren rheinländischer Dichter hat am 7. und 8. Mar in Mainz seine erste Tagung gehabt. Der Jahresbericht teilt mit, daß der Mitgliederbestand, der bet der Gründung am 3. Juli 1909 450 Mitglieder betrug, mittlerweile auf 800 angewachsen ist. Die Einnahmen betrugen etwas über 3500 Mark. Tic Tagung hatte für die Teilnehmerinnen einen besonderen Rcll dadurch, daß der gleichzeitig in Mainz versam­melteVerband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein" den Tarnen gestattete, an seinen Festlichkeiten tellzunchmen. Wie bekannt, will der Verband in jedem Jahr ein Werk eines rhein­ländischen Dichters zur ersten Auflage bringen und unter seine Mitglieder verteilen. Außer der öfsenllichen Anerkennung wird hem Dichter ein Ehrenhonorar zu teil. Die erste Vorsitzende des Vereins ist Frau Geheimrat Röm Held in Darmstadt.

In der Gesellschaft für Erdkunde zuBerlin hielt P e a r y am Samstag einen Lichtbildervortrag über seine Nord o o l r e i s e. Tic Groß^rzogin von Mecklenburg, Staatssekretär Tcrnburg, Geh. .Rat Schmidt vom Unterrichtsministerium und Graf Zeppelin waren erschienen. Der Vorsitzende der Gesellschaft, Geh. Rat Penck, begrüßte die Versammlung. Als er den Namen Zeppelin nannte, brach die Versammlung in lang anhaltenden Beifall aus. Nach dem Borttag überreichte Geh. Rat Penck Peary mll einer Ansprache die ihm von der Gesellschaft verliehene gol­dene Nachtigallmedaille.

Die deutsche Schiller st iftung. Ter 50. Jahres­bericht, den bte deutsche Schillersliitung soeben versandt hat, teilt mit, baß anläßlich bev Feier beS 150. (5eburi§taftß6 Friedrich Schillers eine Reihe von bedeutenden Mitgliedern der Schiller- stiilnng zu Ehrenmitgliedern ernannt wurde. Es sind dies die Herren Geh. Hoirat Dr. Löhlein (Karlsruhe), Wirkt. Geh. Rat Dr. A. Buchner (D a r m st a d t), Geh. Hoirat P. o. Bojanowski «Weimar), Staatsrat Tr. v. Schönhardt (Stuttgart), Felix Dahn (BreSlau), Wilhelm Raabe (Braunschweig), Peter Rosegger (Graz) und Baron Tr. Marte v. Ebner-Eschenbach (Wien). Zugleich wurden I. V. Widmann (Bern), Karl Schonherr (Wien), Helene Böhlau (München) und den Angehörigen Detlev v. Ltliencrons (Alt-Rahlstedt) besondere Ehrengaben in der Höhe von je 1000 Mt. verliehen. Den am lo. November festlich versammelten Vertretern der Stiftung wurde die Mitteilung gemacht, baß bas ehemalige 'Uiitglieb Ernst v. Wildenbruch in seinem Testamente die SchtUerstistung zur bereinstigen Erbin seines Vermögens ein­gesetzt hat.

Die Malerinnen und die Männer. Ter Geheime hosrat Lpitz-Treueu hatte vor kurzem im Verein für Frauen­stimmrecht in Dresden einen Vortrag über den Konservatismus und dessen Stellmig zur Frauensrage gehalten. Diese Aussührungen

haben bei den Schülerinnen eines Malinstituts derartiges Interesse erregt, daß sie ein Schreiben an den Redner avgehen ließen. In diesem launigen Briefe, der jedenfalls die Frage mit liebens­würdigem Humor auffaßt, heißt es den ,Dresd. Nachr." zufolge: Sehr geehrter Herr Geheimrat! Mit großem Interesse haben wir Ihre die Frauensrage betreffende Rede gelesen. Wie alle wichtigen Tagesereigntffe, wurde sie natürlich in der Malstunde sofort zur Debatte gebracht; doch war diese ausnahmsweise sehr schnell be­endet, da wir uns gleich alle offen zu Ihrer Ansicht bekannten. Auch wir sind der Meinung, daß die Frau nur fürs Haus und zur Gefährtin des Mannes geschaffen ist, doch leider sind unsere Be- mühunyeu, einen Gefährten zu finden, stets an der Heiratsunlust der Männer gescheitert. Ta Sie aber doch sicher bereits Wege gefunden haben, dieser zu steuern (fei es durch Heiratsprämien ober andere Anregungsmittel), wenden wir uns vertrauensvoll an Sie mit der Bitte, uns einige heiratslustige 'Männer zur Auswahl zu senden. Wir sind jeden Dienstag und Donnerstag im Atelier ... . straße zu sprechen. Ter Malerei haben wir uns nur in Er­mangelung eines besseren Lebenszweckes zugewandt. Wir sind be­reit, sie sofort aufzugeben und nur noch dem Manne zu leben. Ueberhaupt sind mir sehr anspruchslos; einem Manne zuliebe können wir alles aufgeben. Wir sind übrigens auch alle mehr ober weniger jung und hübsch. Doch möchten wir, falls Sie unseren Wunsch erfüllen, auch bitten, einen heiratslustigen Großpapa für unsere Lehrerin mitzuschicken, da sic durch unseren Abgang doch brotlos werden muß. Aber wir möchten damit nicht etwa sagen, daß nicht auch mir nut einem älteren Herrn zufrieden jem würden, wenn er noch einigermaßen rüstig ist. In der Hoffnung auf baldige Ant­wort Ihre Ihnen dankbar ergebenen .... schon Masiungfrauen. P. 8. Als Treffpunkt könnten mir auch die Kunstausstellung emp­fehlen, da sie, außer an Sonntagen, wo es nur 20 Pfennig Ein­trittsgeld kostet, der einsamste Platz m .... und Umgegend ist und die günstigste Gelegenheit zu unge|törten Aussprachen bietet."

Die Länge des Kometenschweifes. Kürzlich teilten wir mit, daß die Greenwicher Sternwarte an der Be­hauptung festhält, der Halleysche Komet werde die Erde aller Wahrscheinlichkeit nach nicht erreichen, da sein Schweif kürzer sei, als man erwartet hatte. Auf der königlichen Sternwarten: Berlin werden hierzu folgende Mitteilungen gemacht:Wie groß der Schweif des itometen ist und vor allem, welche Längenausdehnung er am 18. Mai haben wird, läßt sich jetzt noch nicht Voraussagen. Festgestellt ist, daß der Schweis der meisten Kometen, dem Rauche der fahrenden Lokomotive ver­gleichbar, auf ihrer Bahn um die Sonne an Länge zunimmt. Gewöhnlich tritt dies erst einige Zell nach dem Perihel der größten Sonnennähe und damit der größten Sonneneinwirkung (beim Halleyschen Kometen am 19. April d. I.) in die Erscheinung, und zwar ans dem Grunde erst einige Zell nachher, well auch die

lich ...iNsluuen lann. Auch wird die Unsicherhell, in. der [ich die Gemeinden, teilweise auch die Bundesstaaten, angesichts der zu erwartenden reichst cchllichen Regelung befinden nicht unerheb­lich verlängert. Wenn unter dem Zwang der Geschäftslage dennoch eine Verabschiedung . 's Entwurfes jetzt unterbleibt, erscheint es im allseitigen Jnterc^e um so dringlicher, daß sie nach dem WiederzusammentriU des Reichstages ohne Zelloerlust erfolgt.

Deutsche Kolonien,

AnZ Deutsch-Ostafrika meldet der stellvertretende Gouverneur, daß nach einem Bericht deS Hauptmanns Brentzel in Udjidji die Landschaft Süd-Ujungu durch räuberische Banden beunruhigt wird. Tic Rebellen plündern in den regicrungstteuen Landschaften und griffen auch eine AScari-Pa° rrouille an, wobei ein Ascari getötet wurde. Der genannte Offi­zier hält ein Uebergreifen der Unruhen auf friedliche Stämme für unwahrscheinlich. Die zehnte und die halbe sechste Kompagnie wurde unter dem Oberbefehl deS Hauptmanns Brentzel nach Süd-Ujungu entsandt._________________________________________

wolMngsfllrsorge in Hesse» (909.

Soeben ist der Jahresbericht des LandeSwohnungsinspektors Grctzschel für 1909 erschienen. Ter Bericht enthält wieder eine Fülle von Material über die Entwickelung des Wohnungswesens in Hessen und ist deshalb für die Frage der Wohnungsreform nicht nur für Hessen, sondern allgemein von Interesse.

Tie Bautätigkeit bot 1909 ein wenig erfreuliches Bild. Wenn sie auch in manchen Orten, die Darmstadt und Worms, gegen 1908 etwas zugenommen hat, so wird doch in den meisten Gemeinden darüber geklagt, daß sie wesentlich unter dem Durch­schnitt geblieben ist. Allerdings scheint sich die Bautätigkeit in den leßten Monaten wieder zu heben, immerhin ist zu befürchten, daß bte Krisis noch länger andauert, da für die nächste Zell auf öffentliche Bauten in größerem Umfange wohl nicht zu rechnen ist.

Die Ermittelungen über die Zahl der leer stehenden! Wohnungen in den größeren Gemeinden haben ergeben, daß bei 14 sich die Zahl der leerstehenden Wohnungen vermehrt hat, während bei 18 eine Abnahme zu verzeichnen ist. Besonders bc- mertenswert ist die Abnahme der leerstehenden Wohnungen in Darmstadt. Stellt man das Wohnungsangebot in Hessen von 1909 in Vergleich zu dem von 1908, so ist im allgemeinen eine weitere, wenn auch nur kleine Verringerung gegen das Vorjahr sestzu - stellen. Es ist jedoch zu bemerken, daß bereits von 1907 auf 1908 eine Verringerung von erheblicherem Umfange stattgefundcn hat.

In einer Anzahl Gemeinden find 1909 Steigerungen/ der Mietpreise eingetreten, sie betragen 520 Prozent. Aus 4 Orten wird ein Sinken der Miete berichtet.

Was die Beschaffenheit der Kleinwohnungen und die Wohnverhältnisse in diesem anbelangt, so darf gesagt werden, daß die Verbesserung der Wohnungsverhältnisse allmäh lick) wenn auch langsam fortschreitet.. Tie Wohnungsaufsichl fördert diese Bewegung in offensichtlicher Weise. Auch die Kreis­ärzte bestätigen das Fortschrellen üi der Besserung der Wohnungs verhältnifse. Allerdings stimmen die Gesundheitsbeamten mit den Wohnungsinspcktoren in der Klage überein, daß in vielen Fällen die Mieter durch die Art der Benutzung der Wohnung (Unsauberkeit, mnpraktische Verteilung dcr Räume, Mangel an Stiftung usw.) erst schlechte Wohnungsverhältnisse schaffen. Sie wünschen eine möglichst umfangreiche Vertellung der von dem Zentralwohnungsverein herausgegebenen MerkblätterRegeln ftiv gutes und gesundes Wohnen".

Der Bericht kommt auf eine Mitteilung zurück, die der Woh- nungsinspektor von Lampertheim im vorigen Jahre gemacht hat. Demnach sollten von den etwa 600 meist in Mietwohnungen leben-> den Tabakarbeitern und Arbeiterinnen der vierte Teil an Schwindsucht leiden. Diese Mllteilung hat daS fttciggefunb - hcitsamt in Bensheim zu eingehenden Untersuchungen veranlaßt, die ergeben haben, daß nur etwa 5 Prozent von der Seuche be­troffen sind. ,

Von besonderem Interesse sind die Ernrittelungen, die der LandeswchnungSinspektor über die Verteuerung der Bau - kosten angeftellt hat, die in den letzten Jahren eine Grhöhuna von durchschnittlich 30 Prozent erfahren haben.

In der Organisation der Wohnungsinspektion slltd mch rcrc Pcrsonalveränderungen vorgekommen. In Offenbach ist dem städtischen Wohnungsinsepktor eine Assistentin beigegeben worden.

Kometen dem fast überall in der Natur herrschenden Gesetz unter­worfen sind, wonach dem Maximum dcr Ursache nicht unmittel­bar, sondern erst nach einiger Zell das Maximum der Wirkung zu folgen pflegt. Das ist beispielsweise auch der Fall bei der Mittagsstunde, wo der höchste Stand der Sonne um 12 Uhr keineswegs, wie man meinen sollte, die größte Hitze bringt, die sich vielmehr erst längere Zeit später geltend macht. Es empfiehlt sich daher, in der Frage der voraussichtlichen Länge des Kometen- schweifes einige Zurückhaltung zu üben."

, A ntikeAugengläser. Kürzlich wurde von zwei französischen Archäologen, P. Gaudiu und F. Regnault, bei Aus grabungen in Smyrna ein Fund gemacht, der die allgemein herr­schende Ansicht, als reiche die Erfindung und damit der .Gebrauch von Augengläfern nicht über das Ende des 13. Jahrhunderts hinaus, beseitigen dürfte. Der Fund, besteht in einem Paar Augengläser, deren Form von der unserer Brille insofern ver­schieden, ist, als der die beiden Gläser umgebende Metallreif an einer Stelle unterbrochen ist, um das Abnehmen und Aussetzen zu erleichtern. Außerdeni unterscheidet sich diese aillike Brille von der unseren dadurch, daß der die beiden Gläser Derbinbenbo Metallstreifen in der Mitte mit einem Gelenk versehen ist, bei das Zusammenklappen ermöglicht_ ähnlich wie es früher bei unserer Lorgnette gebräuchlich war. Eine der beiden Linsen war, wenn auch stark oxidiert, noch unzerbrochen erhalten. Ihr Durchs messer ist 31/» Zentimeter und sie ist konvex wie die heutzutage für Weitsichtige hergcstellten.

Der Ra diumschatz im Meere. In den Fluten des Weltmeeres liegt ein gewaltiger Schatz begraben; wer bic ^Drittel findet, ihn zu heben, so erzählt der Figaro, wird der reichste Mann der Welt fein, denn fein Vermögen wird nicht weniger als 6280 Milliarden Mark betragen. Das ist das Ergebnis einer in­teressanten Untersuchung, die ein amerikanischer Chemiker vor­genommen hat; er hat sich das Ziel gesetzt, den Radiumgehalt des Meeres zu berechnen. Nach seinen Untersuchungen und Bc - rechnungen enthält das Weltmeer rund 20 000 Tonnen des wunder- kräftigen Elements. Nach den gewaltigen Preisen, mit denen heute das Radium bezahlt wird, würde eine Tonne Radium einen Wert von rund 314 Millionen Mark bedeuten, so.daß der gesamte Radiumgehalt des Meeres ein Vermögen von 6 280 000 Mil lionen Mark darstellt.

KurzeNachrichtenausKunstu. Wissenschaft. Ter bekannte Cello°Virtuoje Vroi. Bernhard Eofsmann m Frankfurt a. £DL ist heute hier im Alter von 88 Jahren gestorben. Das Denkmal für Theodor Fontane im Berliner Tiergarten ist am Samstag mit einer kleinen Feierlichkeil enthüllt worden. Als Vertreter des Kaisers war Generalseldmarschall v. Hahnke zugegen. Geheimrat Burdach hiett die Wecherede.