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160. Jahrgang
Anzeiger für Gberhessen
Anzeiger Gießen.
Erster vlatt
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Nr. 262
Der eictftttcr 3i3dga erscheinl täglich, nutzer Sonntags. — Beilagen: viermal wöwenllich SießenerZamtltendlLtter; gweunal n>Öct)entLKt€lSf blatt für Öen Kreis (Heften ^Dienstag und Freilag); zweimal monntL Land» wirtschaftliche öeltfragen Fernsprech - Anschlüsse: für bie Redaktion 112, Verlag u. Expedition 61 Adresse für Depeschen:
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’rÄSS Rotatlonrdruck mtb Verlag der vrühl'sch«n Unio..Ruch. und Steindrvckerei R. Lange. Redakttoa. Lrpcdiliou und Druckerei- Schulstratze 7. rath; für „Stadt und bis vormittags s Uhr. Expedition für Büdingen: Bahnhofstraße 16a. — Telephon Nr. 50. Anzeigenteü: 'tz." Beck!
Dienstag, 8. Novemba Vrtfl yezugSpreiS: monatlich 76 Pf., viertel- eZk A jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen jä ▼ monatlich 65 Pf.; durch diePost M.2.—viertel- jährtz auSfchl. Bestellg. DI Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für „Feuille- torT, „Vermischtes^ und
Ualikrleg.
Schon seit dem 1. November wußte Wart, daß die Verhandlungen zwischen der deutschen und amerikanischen Negierung über die vielbesprochenen Kaliverträge der außerhalb des Kalisyndikats stehenden Außenseiter in ein kritisches Stadium getreten waren. Diese Angelegenheit hängt mit dem Neichskaligesetz vom vorigen Jahre zusammen, das die Kaliausbeute in Deutschlcnü> sozusagen limitierte und vertrustete, ohne Nücksicht darauf zu nehmen, daß außerhalb des Kalisyndikats stehende Firmen mit amerikanischen Gruppen langfristige Verträge abgeschlossen hatten, die die durch das Gesetz gegebenen Preisnormierungen natürlich nicht in Anrechnung brachten.
Was soll man mit diesen Verträgen tun, die, privatrechtlicher Natur, wie sie sind, jetzt hintanstehen müssen hinter einem Gesetz öffentlichen Charakters? Wie Reichsrecht Landesrecht bricht, so bricht auch öffentliches Recht private Abmachunaen. Das mußten sich die Herren Amerikaner sagen und demgemäß nicht auf Erfüllung der Der- tragsvervinblich ketten dringen, wie sie es getan haben. Ja, noch mehr, sie dursten nicht in der neuen Kaligesetzgebung Deutschlands das Kriterium einer Minderbegüusti- gung des amerikanischen Handels mit Deutschland sehen und demgemäß mit der Anwendung des Antitrustgesetzes und der Wilson-Akte gegenüber Deutschland drohen. Wohl gibt das neue amerikanische Tarifgeseü dem Präsidenten der Union, Mr. Taft, der es wohl nicht mehr lange fein wird, das Recht, Kampfzölle sofort in Kraft treten ßu lassen gegen dasjenige Land, „welches in ungerechter Werse gegen den amerikanischen Handel vorgeht", also die Meistbegünstigung, die die Union in Deutschland genießt, durchbricht. Aber dieser Standpunkt der amerikanischen Regierung ist deshalb nicht haltbar, weil das Reichskaligesetz auf den Handel mit allen Ländern generell Angeschnitten ist, und die amerikanischen Kalitrusts sich ausdrücklich vor Erlaß deS deutschen Gesetzes bereit erklärt haben, alle Lasten des Gesetzes zu übernehmen, auch für die bisherigen Außenseiter. Und was weiter die Wilson-Akte anbetrifft, die dann angewandt werden soll, wenn die amerikanischen Konsumenten durch Trusts geschädigt werden, so kann sich diese Akte nur gegen die amerikanischen Mischdüngertrusts wenden, die vor Verabschiedung des deutschen Kaligesetzes in großen Mengen Kali zu billigen Preisen übernommen haben und nun trotzdem drüben eine konsumentenfeindliche Politik treiben.
DaS ist also lediglich Sache dieser Importfirmen. Und wenn sie trotzdem versuchen, die amerikanische Regierung unS gegenüber scharf zu machen und mit einem Vorschlag herausrücken, der dre Hälfte des bestrittenen Extrazolles dem deutsche Kalisyndikat aufhalsen will, so wird man sowohl den Widerstand verstehen, den die deutschen Kali- interejsenten diesem Vorschlag entgegensetzten, als auch die ablehnende Haltung der vreußiscben Regierung. Zwar hat nun daS deutsche Kalisynoilat sich bereit erklärt, neue Vorschläge deS axrerikanischen Ausschusses entgegennehmen zu wollen, aber nur unter der ausdrücklichen Bedingung, daß diese Vorschläge nichts enthalten, was in irgend einer Weise eine Herabsetzung des ExtrazolleS bedeuten würde. Die Amerikaner haben von weiteren Vorschlägen abgesehen und die Verhandlungen mit Deutschland abgebrochen, so daß damit der Kalikrieg in bester Form auf der ganzen Front erklärt ist.
Man spricht mm in den der amerikanischen Botschaft in Berlin nahestehenden Kreisen davon, daß Der Ausbruch eines deutsch-amerikanischen Zollkrieges unvermeidlich sei, aber £ie(c Kriegserklärung wird wohl einigermaßen auf sich warten lassen, weil einmal der Präsident der Union, Tast, im Begriff steht, von Washington nach Panama ab- zureisen, um über die dortigen Befestigungsarbeiten einen bestimmten Entschluß zu fassen, und Dann auch heute in der Union die Wahlen zum Kongreß stattsinden, die [oy uw- sicher für die republikanische Partei sind, daß sie und ihre Regierung sich jetzt keine Extravaganzen gestatten können.
Denn es sind Extravaganzen, wenn sich, wie oben dargelegt, die Washingtoner Negierung jetzt bemüßigt fühlen sollte, sich für die Interessen einer amerikanischen Privat- industrre ins Zeug zu legen. Was würde man im Weißen Hause sagen, wenn Deutschland gegenüber der Standard- Oil-Eompany unter Rockefeller, Dem Petroleumtrust, der uns mehr als statthaft brandschatzt, eine unfreundliche Haltung einnehmen und mit einem Abbruch der offiziellen deutsch-ameri2anischen Handelsbeziehungen drohen wollte? Das sind amerikanischerseits Schreckmittel, die heute und in einer Zeit, wo sich das amerikanische Volk zu einer Aenderung seiner Handelspolitik im Sinne einer Abschwächung deS Payne Aldrichtarifs, sowie der die Trusts überhaupt begünstigenden Politik entschlossen zu haben scheint, nicht mehr verfangen. Lassen wir es also daraus ankommen Amerika kann uns, da Deutschland die Kali- schätze allein auf der Welt besitzt, und die amerikanische Landwirtschaft, wenn sie intensiv arbeiten will, darauf angewiesen ist, in dieser Beziehung gleichgültig sein Die schwächliche Handelstaktik, die unsere Regierung bisher der Union gegenüber beliebt hat, muß an diesem Punkte ihr Ende erreichen, und die Kali-Privatindustrie Amerikas das an Extrazöllen vollständig auf sich nehmen, was das Reichskaligesetz von ihr verlangt.
Cherbourg und voulogne.
Der Nordd. Lloyd will künftig statt Cherbourg Voulogne als Anlaufshafen nehmen Wir erhalten dazu von unserem Pariser Mitarbeiter folgenden Bericht:
O Paris, 7. Nov.
Das Aufgeben Cherbourgs durch den Norddeutschen Lloyd, der seinen Anlaushafen in Frankreich nach Doutogne verlegt, ist
in erster Linie auf die übertriebene Höhe der Lotsengebühren des französischen Kriegshafens zurückzuführen, die selbst von ftanzösischen Zeitungen verschiedentlich angegriffen wurde. Diese Lotsen, die nie mehr als zwei bis drei Seemeilen vom Deiche sich entfernen, bringen es zu jährlichen Gehältern bis 5 0 0 0 0 Franks, von denen nur ein ganz kleiner Bruchteil auf Gebühren abgeht. Ferner ist die deutsche Gesellschaft des Wartens auf den lange versprochenen Seebahnhof müde geworden, mit dem noch nicht einmal ein Anfang gemacht worden ist. Die Züge für die Paketboote lausen an einem Bahnsteig ein, der nicht einmal den geringsten Schutz gegen Regen und Sturm bietet. Dieser Steg ist 1500 Meter vom Bahnhöfe entfernt, und die einlaufenden Passagiere müssen diesen schwierigen Weg zurücklegen, um mit der Bahn weiterkommen zu können. Daö „Echo de Paris" veröffentlicht diese Angaben mit sehr ausfallenden Kommentaren gegen die ftanzösische Eisenbahngesellschaft, bie Cherbourg durch ihre Nachlässigkeit ungeheure Verluste zufüge. Es schließt mit der Warnung, daß diese Lehre nicht verloren gehen dürfe.
Die Meldung, daß die Schiffe des Nordd. Lloyd nicht mehr in Cherbourg, sondern in Voulogne anlaufen werden, hat in den seemännischen Kreisen von Cherbourg lebhafte Erregung hervorgerufen. In einer im dortigen Stadthaus ab- gehaltenen Versammlung führte der Abgeordnete und Bürgermeister Mahieu von Cherbourg Beschwerde darüber, daß die Piloten ihre Tarife nicht herabsetzen wollten und daß sie daran Schuld trügen, wenn die fremden Schiffahrtsgesellschaften den Hafen von Cherbourg nicht mehr anlaufen wollten. Als Mahieu das Stadthaus verließ, veranstalteten die Piloten eine heftige Kundgebung gegen ihn. Eine Abordnung der Bürger von Cherbpurg ist nach Bremen abgereist, um mit den Direktoren der großen Schiffahrtsgesellschaften in Unterhandlungen zu treten.
Ausland.
Aus Prag wird gemeldet: Eine Vollversammlung der tschechischen Lanotagsabgeordneten sprach sich gegen die von den tschechiscy-rabttalen Teilnehmern gemachten Einwendungen gegen die Ausgleichsverhandlungen aus und beschloß deren Fortsetzung.
Die „Neue Freie Presfe" meldet aus Innsbruck: In den letzten Tagen kamen an der italienif chen Grenze aberrnmS mehrere Verhaftungen wegen Spionage
Deutsche» Uetch.
Der Generalleutnant, General ä la Suite deS Kaisers, Gras zu Dohna-Schlobitten, und der Hosmarschall des Kronprinzen, Gras v. Bismarck-Bohlen, begaben sich nach Wilhelmshaven, um auf dem Kreuzer „Gneisenau" bie Reise nach Ceylon anzutreten. Die Herren werden sich dort dem kronprinzlichen Paar anschließen.
Aus Hessen.
Die Sekretär st eilen bei dem Oberlandesgericht und den Landgerichten mit mittleren Beamten zu besetzen, ist in der Presse letzthin mehr» fach vorgeschlagen worden. Dazu schreibt die „Darmst. Zig": Daß sich hierfür beachtenswerte Gründe vorbr ngen lasten, ist nicht zu verkennen. Wenn man aber versucht, die geltend gemachten Wünsche durch Ersparnisgründe au rechtfertigen, so geht dies fehl. Schon bei der Sekretärtelle jelbst hat, trotz deS höheren Höchstgehalts des Aka- )emikers, die Besetzung mit einem mittleren Beamten nicht chlechthin eine Ersparnis zur Folge. Denn wenn, wie dies jetzt in Gießen geschehen ist, ein jüngerer Sekretär nach mehreren Jahren in die Richterlaufbahn zurückkehrt, so verursacht die Besetzung Der Sekretärstelle mit einem Akademiker keinen höheren 'Aufwand. Finanziell durchschlagend ist aber der Umstand, daß neben den vier Sekretären fünfzehn Hilfsgerichtöschreiber in Betracht kommen. Deren Stellen werden zurzeit von Gerichtsassessoren gegen Vergütungen im Höchstbetroge von 2700 Mark versehen. Die Besetzung der Selretärstellen mit mittleren Beamten würde zur notwendigen Folge haben, wie dies auch in der Presse verlangt wird, daß auch die Gerichtsassessoren als Hilfs- gerichtsschreiber durch Aktuariats-Assistenten ersetzt werden. Diese beziehen aber einen Höchstgehalt von 3000 Mark, dazu 240 Mark Wohnungsgeldzuschuß und haben Anspruch aus a.onund Hinterbliebenenversorgung, so daß die erstrebte erung statt der angeblichen Ersparnis voraussichtlich eine Mehrbelastung der Staatskasse zur Folge hätte. — Kommen hiernach Ersparnisrücksichten nicht in Betracht, so wird die Beibehaltung der bisherigen Be- setzungsweise durch dienstliche Interessen gerechtfertigt. Für den künftigen Richter bildet es eine vortreffliche Schule, wenn er eine gewisse Zeit lang den Sitzungen und Beratungen der Obergerichte beiwohnt und so deren Rechtsprechung gründlich kennen lernt. Er ist außerdem durch seine Vorbildung in der Sage, den Präsidenten des Gerichts bei dessen zahlreichen Verwaltungsgeschäften wirksam zu unterstützen. Bei den. Mtuariats-Assistenten trifft jedenfalls der erste Gesichtspunkt nicht zu. Es kommt hinzu, daß der Aktuariats-Assistent, der längere Jahre als Hilssgerichtsschreiber bei einem Kvllegialgerichte tätig war, dem völlig anders gestalteten Gerichtsschreiberdienst bei den Amtsgerichten entfremdet und daourch in seiner Brauchbarkeit als demnächstiger Amtsgerichtsaltuar wesentlich be- einträchigtt wird.
Der Abg. Köhler-Langsdorf schreibt uns: Es ist in diesen Tage in Wetter Rund bie Märe Verb rettet worden, ich sei gestorben und auch schon begraben. Ich bin nun in der angenehmen Lage, noch in eigener Person diesem Gerücht entgegentreten zu tonnen und bitte Sie darum, bie Nachricht tunb zu tun, baß ich nicht vor habe, noch vor b er nächsten Reichstagswahl das Feld zu räumen.
verdachtes vor. Die letzte Verhaftung betraf einen Kaufmann aus Valda Astieo, der von der Carabinieri wegen angeblicher Ausspähung ttalienischer Fortisikationen festgenommen worden war. Es soll sich unter den kürzlich Verhafteten auch ein österreichischer Hauptmann, der während einer Fahrt auf der Val-Suganabahn verschiedene photographische Aufnahmen machte, befinden.
Der König von England unterzeichnete eine Proklamation, wodurch als Termin für bie Krönung bes Königs der 22. Juni 1911 festgesetzt wird.
Die Winzer von fünf Ortschaften der Champagne erklärten, daß sie solange die Steuern verweigerns werben, wie wirksame gesetzliche Maßregeln zum Schütze? ihrer Weine nicht erlassen würben.
In Lorient kam es nach einer Versammlung zu Gunsten von EisenbahnangesteNten zwischen Arbeitern und der Polizei zu einem heftigen Zusammenstoß. Dis Arbeiter zogen unter Schimpfrufen auf oie Regierung in geschlossenen Reihen durch die Stadt, wurden jedoch schließe lieh von Schutzleuten vertrieben.
„Daily Graphic" schreibt zu dem Besuch deÄ Zaren in Potsdam:
Der Draht zwischen Petersburg und Berlin ist mehr intakt denn je. Die politische Bedeutung wird durch die Anwesenheit Sasonows besonders hervorgehobeu Rußland hat keinen Grund zu einem Strett mit Deut ch^ land und betrachtet die Tripleentente nicht als notwendig und deutsch-feindlich. Die guten Beziehungen zu Deutschs land sind für Rußland auch finanzpolitisch vortetthaft- Während Paris versucht, die Dreibundfteunde finanziell zu boykottieren, ist Petersburg für kleinere Anleihen wesentlich von dem Berliner Geldmarkt abhängig. Dies ist die Lektion für die Jingos. Die Tripleentente hat keinen Grund, dem russischen Beispiel nicht zu folgen mit Nutzen für sich selbst und für Europa.
Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Konstantinopel: Bei der in den Grundzügen abgeschlossenen türkischen Anleihe handelt es sich zunächst um 175 Millionen FrcS.^ auf bie sofort gegen Schatzscheine Zahlung geleistet werden wird, ftür wettere 100 Millionen hat bie Deutsche Bank bie Optron übernommen. Es ist also im Grunde dieselbe Anleihe, die in Paris abgelehnt wurde.
Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Saloniki vom 7. November: Das Befinden deS ehemaligen Gnfo tuns Abdul Hamrd ist abgesehen von zettwelligenj durch ein Blasenleiden hervorgerusenen Uebelketten befried digend. Der Sultan ist, wie verlautet, guter Laune und» bestimmt selbst den Speisezettel. Er bat sich von deut letzten Ansall ziemlich erholt und sein Leibarzt versichert^ er könne noch lange leben. )
Heer und Flotte.
Freienwalde, 7. 9toö. Heute morgen stnrV der Generalmajor Franz Heinrich v. TreSkow im 76. Lebensjahre.
Provinzial-Ausschuk der Provinz Oberhesse».
L. Gießen, 5. Nov.
Anwesend: Provinzialdirektor Dr. llfinger, als Vorsitzender, 5 Mitglieder und ein Ersatzmitglied. Anfang 9 Uhr, Ende 12 Uhr mittags.
L Wirtschaftsgesuch des Paul Zulauf- Dii rektor des Bürgervereins zu Leusel. Dec Bürgerverein Leusel betrieb seither in einem gx» mieteten Lokal Wirtschaft, bie er infolge Differenzen mit bem Vermieter bemnächst verlegen mußte. Sowohl der seitherige Vermieter, als auch ber Bürgerverein suchten nun? um Konzession nach. Das Gesuch des Vermieters wurde mit Rücksicht auf den von ihm errichteten Saal genehmigt, ba£ des Bürgervereins, der durch seinen Direktor Zulauf vertreten wurde, aber abgeschlagen. Der Vertreter von Zulauf rekurrierte an den ProvinziÄ-Ausschuß und hob dabei hervor, daß der die Bedürfnis frage verneinende GemeinderatS- beschluß unter Mitwirkung von drei Wirten gefaßt worden sei, bie als interessiert anzusehen seien. Der Provinzial- Ausschuß trug biefen Bedenken Rechnung, indem er die Sache Hur Herbeiführung eines ordnungsmäßigen Gemeinderats- defchlusses an bie Vorinstanz zurückverwies.
2. Wirtschaftsgesuch des Wilhelm Fleischhauer zu Bad-Nauheim. Die Bedürfnissrage war in diesem Falle zwar bejaht worden, weil es sich um den Uebergang einer bestehenden Wirtschaft an einen anderen Inhaber l-andelte; trotzdem aber versaute der Kreis ausschuß des Kreises Friedberg bie nachgesuchte Konzession, wett Fleischhauer mit Rücksicht auf bestimmte Vorgänge in feiner Person nicht bie Gewähr dafür biete, baß er eine Wirtschaft einwandfrei führen werde. Der Provinzial-Ausschuß stellte sich auf den gleichen Standpunkt unb. wies den eingelegten Rekurs kostenfällig ab.
3. Felbbereinigung Hattenrod; hier Erlaubnis zur Anlage von Drainagen. Die Feld- bereimgungsgesellschaft Hattenrod beabsichtigt, Drainagen durch bie Kreisstraße herzustellen und ist um bie hierzu erforberliche Erlaubnis eingenommen. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen erteüte diese, verlangte aber Zahlung einer einmaligen Entschädigung von 10 Mk. Die Gesellschaft wandte sich an den Provinzial-Ausschuß mit ber Begründung, daß der Kreisausschuß nach Lage der gesetzlichen Vorschriften ein derartiges Verlangen abzustellen nicht berechtigt sei. Der Provinzial-Ausschuß wies aber diese Beschwerde kostenpflichtig ab.
4. Feldbereinigung Lechgestern; hier Anlegung von Drainagen. Die Sache wurde auf Antrag des Vertreters ber FeldbereiniguuHHHHellschaft Lerh- gestern einstweilen vertagt.
5. Klage des Ortsarmenverbandes Hanau gegen den Landau: menber&anä Friedberg


