Nr. 156
Zweites Blatt
Donnerstag 7. Juli 1910
Gießener Anzeiger
Erscheint täglich mit Ausnahme bcS Sonntags.
General-Anzeiger für Gberheffen
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion: 112. Tel.-Ad r.: AnzeigerGießen.
160. Jahrgang
Die „Gießener Zamiltenblatter" werden dem »Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreitblatt für Öen Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fraget erscheinen monatlich zweimal.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Unioersitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Die Reichsversicherungsordnung.
:: Berlin, 6. Juli.
Der Ausschuß für die Reichsversicherungsordnung setzte am Mittwoch die Aussprache über das Verhältnis d e r Aerzte zu den Kassen fort. Ein fortschrittlicher Redner führte aus: Der ärztliche Ehrengerichtshos kann nach ferner ganzen Zusammensetzung einen einseitigen Standpunkt der organisierten Aerzte gar nicht zum Ausdruck bringen .Hier handelt es sich um eine staatliche Einrichtung. Durch Landesgesetzgebung kam: dre Ehrengerichtsbarkeit abgeändert werden. Es ist nicht Sache der Gesetzgebung, sich darum zu kümmern, ab jemand fern Ekwenwort abgeben will oder iricht. Die einzelnen Aerzte sind nicht dazu gezwungen roortei. Bor Gründung des^ Leipziger Verbandes hat schon der Aerztevereinsbund ganz ähnliche oder dieselben Forderungen gestellt. Der Leipziger Verband war eine Notwendigkeit gegenüber der st a a t l i ch e n Zwangs- koalition der Krankenkassen. Nach dem Gesetz besteht sem Kurrerzwang. Die Ehren ce richte setzen die Pflichten, des Arztes viel höher. Wir werte.i zu einem Vertragsausschuß kommen. Es hat sich hei allen großen Kämpfen nicht mm tzono rarfragen, sondern um die freie Arztwahl gehandelt Ueücr ^onorarfragen wird eine Einigkeit leicht erzielt. Die Kostenfrage wird ja besonders immer gegen die freie Arztwahl ins Feld geführt Die Tatsachen sprechm aber dagegen, daß die freie Arztwahl die Kosten notweiidig steigern muß. Vielleicht empfiehlt es sich, eine Subkommission zwecks Formulierung der Beftimniungen einzusetzen. Die Aerzte wollen den Frieden. Sie Haden besseres zu tun, als Krieg mit den Krankenkassen zu führen.
Staatssekretär Dr. Delbrück stellt fest, daß durch die Stel- lirrrg der ngorofeit Forderung unter das Ehrenwort die Sache au die Ehrengerichte gebracht worden sei, die im Falle eines Bruchs des Ehrenworts gar nicht anders fönnen, als strafend vorzugehen. Wir wollm die ärztlichen Gewerkschaften nicht unterdrücken. Wir wollen aber den Austrag des Streites auf eine Basis stellen, die den öffentlichen Interessen entspricht Tie Krankenkassen sind den Aerzten gegenüber in derselben Lage wie der Arbeitgeber den Arbeitern. Es empfehle sich, durch Ab st im- mung über dre vorliegendeir Anträge iinb Bestimmungen eine nene Basis für weitere Verhandlungen zu schaffen. Ein konservativer Redner nahm die Landarbeiter gegen den Veracht der erhöhten Simulation in Schutz. Ob ein Vertragsausschuß genüge, sei wohl zu erwägen. Tie ehrenwörtliche Bindung in wirtschaftlichen Dingen fei nicht zu billigen.
Der Staatssekretär Dr. Delbrück äußerte die Besorgnis, daß bei Errichtung nur eines Vertragsausschusses die Minoritäten der nicht organisierten Aerzte und der Kassenärzte durch die Mitglieder des Leipziger Verbandes majorisiert würden. Welche Garantien können gegeben werden?
Ein anderer Regierungsvertreter beleuchtete die Aufgaben der Bertragsausschüssc.
Ein fortschrittlicher Redner sprach sein Erstaunen darüber aus, wie wenig die Herren Regierungsvertreter über ärztliche Dinge orientiert seien. Das sei die Schuld der preußischen Medizinalbehörde, die bei diesen ganzen Verhandlungen nicht vertreten sei! Der Aerztestand ist nicht in zwei getrennte Lager geteilt. Es besteht auch feine Kampfstellung zwischen den Aerzten und den Krankenkassen. Das Vev, halten, der Regierung zu den Ehrengerichten fei durchaus schief. Wo ist ein Analogon, daß jemand nicht vor ein Ehrengericht gezogen werden kann, der fein Ehrenwort gebrochen hat. Der £ 383 Absatz 3, wonach fein Arzt wegen Verletzung der Standes- chre verfolgt werden darf, wenn er Verträge unter Bedingungen abgeschlossen hat, die den Grundsätzen nicht entsprechen, ist eine direkte Belcidigung des ärztlichen Standes! Immer fragt mau nur, wie man die Minorität schützen könne. Warum trägt man den Anschauungen der Majorität, nicht Rechnung? Die Aerzte haben daS Interesse der Krankenkassen stets wahrgenommen. Warum spricht man nicht von der Leidensgeschichte der Aerzte?
Wenn der § 378 mit den beiden Vertrag saus schuf sen an- ■ genommen wird, so bedeutet das den Krieg in Perma-- nenz.
Ein sozialdemokratischer Redner stellte sich bezüglich der Forderung zweier Vertragsausschüsse aus den Boden der Regierung^ oortagc.
Darauf wnrte die Genera ldiskussion über die Aer31ef rag c geschlossen.
In der Ab ft im mung wurde dann § 377 mit unerheb- licken Abänderungen nach Ablehnung aller weiteren Anträge gegen die Stimmen der fortschrittlichen V o l k s p a r t e i und eines Mitgliedes der nationalliberalen Partei nach her Regierungsvorlage angenommen.
Durch die Erklärungen der Regierungsvertreter wurde fest- gestellt, daß die nach dem System der freien Arztwahl vbgv- schlossenen Verträge als „besondere Ae rz t e o e r tr ä g e'z anzusehen sind.
§ 378 wurde ebenfalls nach der Regierungsvorlage angenommen. Nur wurde hie Bestimmung gestrichen, daß die Krankentassen eventuell die Kosten des Vertragsausschusses allein zu tragen haben.
Ein Zentrumsabgeordneter gab darauf die Erklärung ab, daß er mit seinen politischen Freunden aus ge- schäftsordnungsmäßigenGründenfür allgemeine und besondere Vertragsausschüsse gestimmt habe, daß er aber materiell schon heute für einen Vertragsausschuß stimmen könne.
§ 379 wurde angenommen mit Einbeziehung der knapp schriftlichen Kasten. § 380 über die Wahlen zu den beiden Vertrags- ausschüssen erhielt folgenden Zusatz: Jeder Arzt kann sich nur in eine Lifte eintragen. Ferner wurde der Bestimmung, daß die Arztoertreter nach den Grundsätzen der V e r h ä l t n i s lv a h l gewählt werden, hinzugesügt: Hierbei kann die Stimmabgabe auf Vorschlagslisten beschränkt werden, die bis zu einem näher zu bestimmenden Zeitpunkte vor der Wahl einzureichen sind Wenn nur eine Vorschlagsliste eingereicht ist, gelten die auf dieser Liste Vorgeschlagenen ohne weiteres als gewählt. Weiter wurde festgesetzt, daß die Wahl geheim ist. .
Nächste Sitzung: Donnerstag.
Aus dem Ztrasprozrtzausschich.
:: Berlin, 6. Juli.
Der Ausschuß für die Strafprozeßordnung begann am Mittwoch die Beratung des drittenBuchesder Novelle: Rechtsmittel. Wiederaufnahme. Bei den allgemeinen Vorschriften über Rechtsmittel wurde gerügt, daß in manchen Bundesstaaten die Staatsanwälte sich angewöhnt haben, das Rechtsmittel der Berufung stets dann einzulegen, wenn der Angeschuldigte Berufung eingelegt hat.
Die Regierungsvertreter betonten darauf aufs bestimmteste, daß keinerlei Anweisung von feiten der Zentral- und ProvinKialverwaltungen an die Staatsanwälte ergangen sei, in dieser Weise vorzugehen. Wenn Grund zu Beschwerden vorliege, s.o seien lediglich Hebern griffe und Mißstände rein örtlicher Natur daran fchuld, die entschieden zu mißbilligen seien.
Der Staatssekretär Dr. Lisco stellte eingehende Erhebungen nach dieser Richtung hin in Aussicht. Die §8 301 und 302 blieben unverändert. Bei S 303 wurde die Befugnis zur Einlegung eines Rechtsmittels für den Beschuldigten auch für den Ehegatten eines oder einer Beschuldigten beantragt. Der Antrag wurde aber mit 11 gegen 11 Stimmen abgelehnt. Dafür stimmten die Freisinnigen, die Reichspartei und ein Teil des Zentrums. Tie §§ 303 bis 311 wurden unverändert angenommen. § 312 über die Beschwerde erhielt folgenden Zusatz: „Die zur Ausführung der Entscheidung erforderlichen Anordnungen können demjenigen Gerichte oder Richter, von dem die beschwerende Entfcheidung erlassen war, übertragen werden." § 313 wurde genehmigt, ebenso § 314. Die S§ 315 bis 330 handeln von der Berufung. § 315 wurde angenommen unter Ablehnung verschiedener Anträge, die das Berufungsrecht der Staatsanwaltschaft aufheben oder einschränken wollten.
Die §§ 316 bis 318 treffen weitere Festsetzungen über die Berufung und Berufungsanträge. Die Aussprache darüber wurde noch nicht zu Ende gefährd
Nächste Sitzung Donnerstag.
26. Deutscher tandwirtsch. Genossenschaststag.
4 Eoblenz, 6. Juli.
Mit einer Begrüßung der zahlreichen Vertreter der genossen- schastlichen Organisationen des Reiches wurden hier die Verhandlungen des 2 6. Deutschen l a n d w i r t s ch a f t l i ch e n Geil o s s e n s ch a s t s t a g e s eröffnet, dessen Beratungen man an- genchts der von Jahr zu Jahr wachsenden Bedeutung des Ge« nohenschaststvesens für das wirtschaftliche Leben Deutschlands mit grobem Interesse entgegensieht. Betrug doch bereits im vorigen Jahre der Umsatz der Zentralkasse der landw. Genossenschasten annähernd 6 Milliardei^Mark, em Betrag, der sich int abgelausenen Geschallsiahre noch lSHentlich erhöht haben dürste. Die Tagung neht diesmal wieder unter der Leitung des Generalanwalts Geh. 'Jiegterinigsrat Haas (Darmstadt), der an der vorjährigen Generalversammlung in ©roinemünbe wegen Krankheit nicht teilnehmen lonnle. Die umfangreiche Tagesordnung enthalt neben der Be- smechung von rein geschästlichen Angelegenheiten auch Fragen, die über die Genoffenschaitskreise hinaus Beachtung finden dürsten.
So wird Generalsekretär Q u a b e d (Münster) die auch andere Organisationen berührende Frage behandeln, auf welche Weise sich die Genossenschaften gegen Veruntreuungen schützen können. Die Frage ist durch einige Vorkommnisse der letzter! Jahre aktuell geworden. Generalsekretär ELuaberf wird dem Genossenschaftstage hierzii folgenden Antrag vorschlagen: „Die Durchführung von Maßnahmen zur Sicherung der Genossenschaften gegen Veruntreuungen ist m erster Linie Pflicht der Genossenschasten selbst. Angesichts 'der sich m den letzten Jahren mehrenden Schädigungen von Genoffen- schäften durch Veruntreuungen, die geeignet sind, das Ansehen des ganzen Genossenschaftswesens zu schädigen, verweist der Deutsche landwirtschaftliche Genossenschaststag mit allem Nachdruck die ländlichen Genossenschasten und deren Verwaltungsorgane auf die ihrten bezüglich der Kontrolle obliegenden Pflichten und auf ihre Selbstverantwortung. Die Verbände sollen aus Grund ihrer Erfahrungen neben der Vervollkommnung ihres Revisionsdienstes die ange* * schlossenen Genossenschasten zur Durchführung von Maßnahmen anhalten, die geeignet sind, die Veruntreuungen möglichst zu verhindern."
Weiter wird Generalsekretär Kerp (Köln) b-rc Organisation und die wirtschaftlichen Ergebnisse der Winzergenosfenschaflen behandeln. Auch diese Frage hat nach dem Erlaß des neuen Wein- gesetzes und nach bem Zusammenbruch verschiebener Winzer- genossenschasten in den letztest Jahren erhöhte Blutung gewonnen. In bem Antrag des Berichterstatters wirb zum Ausdruck kommen, die Mißerfolge der Winzergenossenschaften hätten erkennen laffen, daß neben wirtschaftlich ungünstigen Verhältnissen, die die gesamte Weinbranche in Mitleidenschaft gezogen haben, Fehler in ter Organisation der einzelnen Wiiizergenossenschasten und Mängel bei der Handhabung der technischen und vorzugsweise ter kaufmännischen Geschäfte als die Ursache der schlechten Resultate anzusprecken sind. Der Reichsverband wird ersucht, durch eingehende Erhebungen diese Ursachen im einzelnen feststellen zn lassen und gestützt auf diese sowie die bei anderen Gruppen ter Produktiv- und ALsatzgenossenschaftcn gemachten.Erfahrungen Besserungsvorschläge zu beraten und den Winzergeiiosjeuschaften bezw. den Genossenschaftsverbanten an die Hand zu geben. In der Frage ter Obstverwertung, deren Förderung sich u. a. bekannt lich mit an erster Stelle der Deutsche Pomologen-Verein in Eisenach angelegen sein läßt, steht der hierzu bestellte Redner Obstbau Inspektor W agner (Bonn) ziemlich pessimistisch in die Zukunft. Seine Leitsätze sehen einen Erfolg auf dem Gebiete der genossen« schafttichen Obstverwertung nur unter ganz bestimmten Beding ungen. Heute vormittag haben die Unter-Versammlungen ter Verbandsrevisoren und der Molkereiinstruktoren getagt, ter Nach mittag ist für die Versammlungen ter Beamtenwoblfahrtskassc und der Versicherungskasse bestimmt. Die erste öffentlich 23erfamm- lang wird morgen ter Generalanwalt eröffnen.
Provinzial-Auöschuß der Provinz Oberheffcn.
L. Gi e ß en, 6. Jnli.
Anwesend: Der Vorsitzende ProvrnziErektor Dr.
U s i n g e r und' 6 auswärtige Mitglieder.
Es steht zur Verhandlung: Verteilung der Kosten des
Gelcindeerwerbs für die Nebenbahn Lollar-Londorf.
Der Suche liegt folgender TatbestLnd zugrunde: Iw Februar 1899 vereinigten sich zu Lollar Vertreter der Ge-
Bombensichere Geldschrankgewölbe.
Die räuberischen Angriffe gegen Geldschränke mehren sich. Ter Geldschrank mag noch so stark sein, die Herren Embrecher wisseii ihn zu bewältigen. Sogar die zehn Millimeter starke, aus einer Hartstahlplatte und einer Eisenplatte zusammengeschweißte Com- poundplatte toirb übertounten, obwohl ter Hartstahl als äußere Schicht das Eindringen des Bohrers, das zähe und elastische Eisen als hintere Schicht das Zertrümmern ter Platte verhindert. Es wird eben nicht mehr gebohrt und nicht mehr zertrümmert, sondern die Platte einfach durchschmolzcn. Die Einbrecher, die den Fortschritten der Wissenschaft gefolgt sind und sie praktisch zu verwetten wissen, ftellen das Loch entweder mit dem elektris.chen Lichtbogen ober dem Thermit ober tem Sauerstoffgcbläse her. Thermit, ein Gemisch aus Aluminiumfeilspänen und Eisenoxyd, entwickelt im augezündeten Zustande eine Hitze von mehr als dreitausend Grad. Einen gleich hohen Hitzegrad erzeugt der elektrische Lichtbogen. Und nun erst das Sauerstoffgeblase — mit ihm ist es dem Einbrecher möglich gemacht, auch die dicksten Platten in kürzester Frist zu durchlöchern. Das Schränkzeug kommt kaum lioch zur Anwendung, höchsteirs bei Gelbschränken alter Bauatt, deren Platten bem unverwüstlichen Stahlbohrer, ter tausende von Umdrehungen aushält, keinen genügenbeit Widerstand leisten Tonnen. So muß der Geldschrantfabrikant, wenn er die Unbesiegbarkeit seiner Erzeugnisse und sein Ansehen wahren wül, die höchsten Ansttengungen machen. Unbesiegbar sind nur noch die Anlagen ter großen Banken. Für die bombensichere Ausführung dieser Anlagen wird das Mensckienmögliche getan. Grundsatz ist, das Gewölbe inmitten des Gebäudes im Keller oder Erdgeschoß anzuordnen. Mit beteutenbem >Aufwande technischen Könnens und gewaltigen Mitteln sind besonders Decke und Fußboden behandelt, denn dieser soll gefestigt sein gegen die Maulwurfsarbeit diebischer Mineure und jene gegen ein stürzende Brandmassen. Die Decke besteht aus dicht nctenetnantergelegten und mit Zement vergossenen Eisenträgern von fünfzehn Zentimetern Höhe, einer vierzig Zentimeter starken Betonschicht und einer sechs Zentimeter mcken Monierplatte, und der Fußboten aus einer meterstarken Betonsohle und einer mit Zement und Terrazzo abgeglicheneu Nollschicht oder aus kreuzweise übereinanbergelegten und in dicken Zementschichten eingebetteten Eisenträgern, deren Zwischenräume so eng sind, daß sich kein Mensch hindurchzwängen kann. Den meterstarken, aus hartgebrannten Klinkern und Zementmörtel gemauerten Wänden sind ebenfalls Eisenschienen oder doppelte, besonders gehärtete StahlMienen eingefügt, die sogar, um etwaigen Ahrversuchen den höchsten Widerstand zu leisten, ein gewundenes, schraubenartiges Querprofil besitzen. Selbst Sprengmütel dürsten gegen diese Massen von Stein, Beton, Eisen und cstachl ziemlich wirkungslos bleiben. . Einzige Angriffsstelle könnte die Tür sein. I ‘Iber mag sie auch mit bem1 Sauerstoffgebläse angegriffen werten, I
so leicht wie ein Gelbschrank ist sie nicht zu bewältigen, beim ihre Dicke beträgt gewöhnlich 200 bis 250 Millimeter, von denen 40 bis 50 Millimeter auf die Compoundpanzerung entfallen. Zudem besteht ihr nach allen vier Seiten greifentes Riegelwerk aus zylindrischen Stahlbolzen, die ebenfalls 40 bis 50 Millimeter stark sind. In amerikanischen Gewölben sind diese Türen neuerdings riinb und mit konzentrischem Riegelwerk eingebaut. Manche besitzen ein Gewicht von 90 bis 100 Zentner. Auswuchten lassen sie sich^nicht, beim in geschlossenem Zustande stellen sie sich als glatte ^tah'lwand ohne jeden ^Angriffspunkt dar. Bei alledem sind der Tür noch eine feste Tagestür und eine Gittettür vorgelegt. Zur weiteren Sicherung dienen elektrische Alarnisignale, die während der Nacht bei jeder Berührung der Türen sofort in Tätigkeit treten. Einem Einbrecher würde die nötige Zeit fehlen, um alle diese Hindernisse zu besiegen. Dazu kommt, daß in den großen Banken die Gewölbe unter nächtlicher Bewachung stehen und die Wächter durch Kontrolluhren geprüft werden.
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. gen die Goethe-Philologen wendet sich Roiegger im Juliheft seines Heimgartens: Ich kam gerate zurecht auf fein Zimmer, als der brenzetige Gestank war. „Was haben Sie beim angebrannt?" fragte ich schnuppernd. — „Na, ich glaub's, daß es stinkt," antwortete er, „erstens ist es Papier, zweitens ist es eine mißlungene Arbeit gewesen. Die Urschrift mernes Dramas habe ich verbrannt." — „Das Drama wird doch ausgeführt?" fragte ich. — „Das verbesserte. Den mißratenen Versuch habe ich veriiichtet." — „Wäre es nicht intereffant für Sie und andere, das erste Manuskript aufzubewahren, um spater einmal die Entwickelungsgeschichte beobachten zu können?" — „Vielleicht, aber dann kommen die Ludern, stöbern das Zeug unzeitig hervor und lassen es drucken. Ich will aber nicht, das; mir die Leute bei meiner Toilette zuschauen, sie sollen mich nur im ordeiitlichen Gewände sehen." An dieses Gespräch mit Anzengruber erinnerte ich mich gelegentlich der Veröffentlichung von Goethes Urmeister, von dem vor kurzem zufällig eine Abschrift aurgefunben wurde.U Man fragt sich wirklich, mit welchem Rechte man Dichtungen ans Licht zerrt, die der Dichter nicht veröffentlicht wisien wollte. Ist ein juridisches Recht dazu vorhanden? Ist em moralisches Recht dazu vorhanden? Oder ein literarische^? Ich glaube nicht. Jebenfalls geschieht es gegen den Willen des Autors. Hätte Goethe feinen Urmeister gebrückt haben wollen, so würbe er ihn Nicht vernichtet haben. Es hätte wobl genügt, dre jetzt aufgcfunbenc Schrift im Goethe-Museum zu hinterlegen Wozu es entgegen ber Absicht des Dichters verösfentlichen' Man kann Goethe m die Werkstatt gucken in aller Weise, man wird ihm's doch nicht abguckeu.
— Vom Glücksklee. Daß vierblätteriger Klee allgemein als Glücksklee angesehen wird, ist bekannt. In den Volkssagen spielt er eine aroße Rolle. Daß indessen auch bedeutende Leute an
| das Glückverheißende dieser Pflanzen glauben und an die besondere Gabe mancher Personen, Glücksklee zu finden, ist immerhin be- merkenswert. Christine Hebbel soll sie in besonderem Grade besessen haben. Hebbel bemerkt in seinen Tagebüchern ivahreud seines Aufenthalts in Marienbild im Jahre 1854: „Das wunderbare Auge meiner Frau für vierblättrigen Klee betätigt sich auch hier, denn eine ansehnliche Zahl dieser unscheinbaren und doch gern gesehenen Boten des Glückes liegt schon vor mir, und manches von ihrem Ueberfiuß hat sie gewohuterweise wieder verschenkt. Es ist ganz eigentümlich, sie sucht nicht und braucht nicht zu suchen, sie wandelt unbekümmert und an jedem Gespräch teilnehmend an den Wiesen und Grasflächen vorbei, sie bückt sich plötzlich und reich! mir vergnügt ihren Fimd. Mein 2luge ist ganz so scharf wie das ihrige, mir entgeht keine Stecknadel am Boden, und ich habe in Paris zum Spaß bis in die Hunderte hinein aufgehoben, aber nie gelang es mir noch, trotz aller Mühe, die ich aufbot, und aller Aufmerksamkeit, die ich anwendete, ein solches Blatt zu finben.
Tie Sehkraft macht es also nicht aus, sondern es ist eine be- sondere Eigenschaft, die sie in einem staunenerregenden Maße besitzt." Auch von einer anderen Frau, der Kaiserin F r i e d r i ch, ivird ähnliches erzählt. Der jüngst verstorbene Schriftsteller Gerhard von Amyntor, der als junger Offizier im schleswig-hol- sleinischen Kriege vom Jahre 1864 einmal von Hamburg aus einen Ausflug nach Blankenese machte, berichtet von der damaligen Kronprinzessin von Preußen: „Nach ber Tafel würbe ein kurzer Spaziergang gemacht, unb ich sah, wie sich die Frau Kron- vrinzessin, die eine Zeitlang für sich allein dahinwanbelie, plötzlich bückte unb bie Hanb nach ber Erbe ausstreckte. In der Annahme, daß sie etwas verloren hätte, war ich sofort an ihrer Seite, um ihr behilflich zu sein. Doch sie schüttelte beit Kopf und sagte fast ein wenig geheimnisvoll: „Ich suche vierblättrigen Klee! Da!" — und schon hatte sie sich wieder gebückt und ein mit scharfem Auge erspähtes Vierblatt abgepflückt — „da habe ich eines. Das ist für den Kronprinzen, es soll ihm Glück bringen!" Sic hielt den kleinen Kleestengel in der Hand und schritt emsig suchend weiter. Ich war an ihrer Seite geblieben und strengte meinen Sehnerv nach Möglichkeit an, um auch meinerseits solch ein glüct- verkündendes Vierblatt zu entdecken, cs gelang mir nicht, das Gewünschte zu erspähen, und so oft ich auch zugriff, immer war ich getäuscht und hatte nur ein ganz gewöhnliches Dreiblatt erwischt. Mein Mißgeschick schien sie zu belustigen; sic selbst hatte sich in' bem Erkennen ber Blätter noch nicht ein einziges Mal geirrt Unversehens beugte sie sich wieder zur Erde, so schnell, daß ich ihr nicht zuvorkommen konnte: „Ta habe ich tvieder eines! Das soll für Sie sein; mag es seine Bedeutung auch an Ihnen er- äillen." Sie reichte mir das frisch gebrochene Pflänzchen, das ich von jubelndem Danke beseelt, an mich nahm und in meiner Bries-' lasche barg/


