Sitzung der Stadtverordneten.
Sieben, 7. April.
Anwesenti: Oberbürgermeister Mecum; die Beigeordneten Keller, Georgi, Heyligenstaedt: die Stadtverordneten '2>r. Biermer, Brück, Eichenauer, Emmelius, Faber, Gabriel, Grünewald, Dr. -Gutfleisch, Habenicht, Dr. Haberkorn, Haubach, Heichclheün, Helfrich, Helm, Huhn, Jann, Jughardt, Krumm, Leib, Lüber, Loos, Orbig, Petri, Plank, Dr. Schäfer, Schaffstaedt, Simon, Troß, Wallenfels und Dr. Wimmenauer.
Mitteilungen.
Tor Vorsitzende macht Mitteilung von der bevorstehenden Hierherkunft des Kaisers.
Nach einer weiteren Mittciluirg des Vorsitzenden ist die ycue Ordnung für das Oktroi und der neue Schlachtgebühren- tcrvif vom Ministerium genehtnicft worden und mit dein 1. April in Kraft getreten. Bei den xschlachtgebichrcn ist! bei Großvieh auf Wunsch dos Ministeriums ein einheitlicher Preis von 8,50 Mk. festgesetzt worden.
Stadtv. Löbcr fragt, hric der einheitliche Satz für Rindvieh von dem Ministerium begründet werde. Ter ursprünglich von der Stadt vorgesehene verschiedene Satz für die einzelnen Grobviehsorten habe den Verhältnissen besser entsprochen und sei namentlich für die kleinen Konsumenten und Metzger gerechter.
Beig. Georgi weist darauf hin, datz schon in der letzten Sitzung ausgeführt worden sei, daß die verschiedenen Sätze das richtige seien. Das Ministerium habe aber alwers entschieden.
Ter Sowmersahrplan der Straßenbahn.
Ter Vorsitzende erläutert den im Entwurf vorliegenden Sommerfahrplan, der verschiedene Verbesserungen bringt. Vom 1. Mai ab werden die beiden Standwagmr am Bahnhof vorhanden sein, wodurch der Fahrplan besser eingehalten luerben kann. Um den Anschluß zu den Frühzüaen zu erhalten, soll der Betrieb schon um oi/s Uhr beginnen. Von da ab ist der Anschluß für alle ankommenden mrd abgehenden Bahnzüge vorhanden. In der Marburger Straße beginnt der Verkehr auf Wunsch der Wiesecker Arbeiter um 5,38 Uhr. Doch sollen die ftühen Verbindungen zunächst versuchsweise verkehren. Tie Fahrten nach dem neuen , Friedhof sollen in den Vormittagsstunden ausfallen, dagegen soll der Viertelstundenverkehr dahin auf dic Zeit von 2—7 Uhr nachmittags ausgedehnt werdeir.
Stadtv. Gabriel hätte in der Zeit zwischen 7 und 8 Uhr früh, wo der stärkste Verkehr sei, 7Vs Minutenverkehr gewünscht. Bei den neuerrichteten Haltestellen an der Sonnenstraße, dem ' Tiefcmwcg, auf dem Lindenplatz u. a. Stellen seien die Schilder nicht prattisch angebracht. Die an und für sich zu niedrigen Ständer seien überflüssig. Manche Schilder seien auch fannt zu .sehen, z. B. am ollen Rathaus und am Inrhäuserschen Hause.
Auch Stadtv. Haubach hält die Anbringung der Schilder teilweise unpraktisch. Im übrigen hätten sich die neuerrichteten Haltestellen bewährt. Weiter fragt er, ob die ferner vorgesehenen Haltestellen mit dem Beginn des Sommerfahrplans in Kraft treten wurden.
Nach Mitteilung des Vorsitzenden ist dies bei der noch vorgesehenen Haltestelle am Cafe Amend der Fall.
Stadtv. Tr. Biermer stellt fest, daß die rote Linie die frequentiertere sei. In der Atarburger Straße sei iramentlich nachmittags gewöhnlich eine gähnende Leere. Taß so viele Wagen der roten Linie nur bis Moltkestraße liefen, widerspreche jedenfalls den Wünschen des Publikums. Man solle wenigstens alle Wagen bis zur Swchenanstall fahren lassen. Ta niemand den Fahrplan im Kopf haben könne, iverbt hierdurch manche Fahrt gar nicht gemacht.
Ter Vorsitzende benterft dazu, daß dies mit dem jetzigen Wagenbestand nicht durchfülwbar sei. Tazu bedürfe es außer den beiden bestellten Wagen noch mindestens eines, wjenn nicht zweier Wagen.
Auf eine nochmalige Bemerkung des Stadtv. Gabriel wegen der Haltestellen bemerkt der Vorsitzende, die Anbringung der Schilder auf beiden Straßenseiten sei durch den Grundsatz bedingt, die Wagen immer vor den Straßenkreuzungen halten zu lassen.
Auch Stadtv. Jughardt hält die an Ständern angebrachten Schilder für zu niedrig.
Stadtv. Grünewald beantragt, dic Anregung des Stadtv. Biermer, alle Wagen über die Moltkestraße hinauslaufen zu lassen, zum Beschluß zu erheben. Die Erträge der Bahn hätten sich so gestaltet, daß man nicht allzu ängstlich bei Verbesserungen zu sein brauche. Wenn es zur Beseitigung der jetzt bestehenden Kalamitäten beitrage, solle man ruhig noch zwei Wagen anschaffen.
Stadtv. Lüber will es nicht unwidersprochen lassen, daß die grüne Linie so außerordentlich schlecht benützt werde. Beim Omnibus seien beide Linien fast gleich viel benutzt worden, wenn dies jetzt nicht mehr der Fall sei, so liege es zum'Teil daran, daß man nicht mehr Seikterstveg—Marburger Straße und Bahnl-osstraße— Kaiser-Allee fahre. Wenn man s. Zt. die Schwarzlach zum Bauen ireigegeben habe, würde sich die Frequenz der grünen Linie well besser gestalten.
Oberbürgermcifter Mecum stellt fest, daß die grüne Linie etwa 2/3 bis •% der Frequenz der raten Linie habe. Sie sei also nicht ganz unrentabel. Bei der Zusammensetzung der beiden Linien sei man von der Erwägung ausgegangen, das Umsteigen nach Möglichkeit zu vermeiden.
Stadtv. Helfrich tritt dafür ein, die Wagen der raten Linie wenigstens bis zur Siechenanstalt gehen zu lassen.
Stadtv. Dr. Biermer glaubt, daß in der Marburger Straße die Magen kaum Vio der Besetzung der raten Linie aufzuweisen haben. Er regt ferner an, zur Durchführung der Wagen der traten Linie, wenn es möglich sei, die beiden Standwagen wegfallen zu lassen.
Stadlv. Haubach hält die Standwagen für unbedingt nötig, lieber die Neuanschaffung weiterer Wagen könne man noch im Laufe des Jahres reden.
T-er Vorsitzende tritt ebenfalls dafür ein, die Stand- ivagen zu belassen.
Stadtv. Heichelheim tritt ebenfalls für den von Stadtv. Dr. Biermer geäußerten Wunsch ein, möchte aber nicht gleich 25 000 Mark für zwei neue Wagen bewilligt haben. Vielleicht könne man das angrftrebte Ziel durch Einschränkung des Verkehrs auf der grünen Linie erreichen.
Beig. Georgi ist schon aus dem Grunde für die Standwagen, weil die Eisenbahnzüge oft Verspätung' haben. Vielleicht tönnc man für die Turchführung aller Wagen der raten Linie mit einem neuen Wagen auskommen.
Ter Vorsitzende ist ebenfalls für Durchführung aller Wagen, wozu an sich ein Wagen genüge. Wer jedenfalls brauche man bann einen weiteren Reservewagen. Man habe jetzt auf 10 Wagen 2 Reservewagen, was genügend sei, da auf 5 Wagen ein Reiervewagen gerechnet werde. Bei weiteren Wagenanschaf- fixngen sei aber die Zahl der Reservewagen jedenfalls zu vermehren.
Stadtv. Grünewald modifiziert feinen Antrag dahin, daß alle Wagen durchgeführt werden sollen, einerlei, ob dazu zwei neue Wagen nötig sind oder nicht. '
Stadtv. Heichelheim meint, man solle nicht ohne weiteres 30000 Mark für eine Annehmlichkeit bewilligen. Vielleicht könne man doch das angeflrebte Ziel durch eine Fahrplanänderung erreichen.
Oberbürgermeister Mecum hält dies für ausgeschlossen.
Stadtv. Krumm führt aus, das Bedürfnis für eine Ver- kehrsvermeyrung sei unzweifelhaft vorhanden. Man könne ja im Laufe des Sommer in dieser yiidjtung Erfahrungen sammeln, aber auch jetzt schon trage er kein Bedenken, das Geld für zwei neue Wagen zu bewilligen, dezw. die Deputation mit der ev. Anschaffung von zwei Wagen zu beauftragen.
Nach weiteren Ausfüllungen des Stadtv. .Helfrich, des Beig. Georgi, der Stadtvv. Heichelheims Grünewald und Schaffstädt wird zunächst der Sommersahrplan und dann dic Anschaffung zweier weiterer Wagen genehmigt.
Nechnungsangelegenheiten.
Die Niederschlagung uneinbringlicher Ausstände aus 1908 wird gutgeheißen. Ter Vorsitzende stellt babei mit Rücksicht auf eine in der Wetzlarer Stadtverordneten
versammlung gefallene Aeußerung über die Höhe der uneinbringlichen Steuern fest, daß in Hessen auch die durch den Wegzug von Steuerzahlern fortfallenden Beträge als uneinbringlich behandelt werben. Hierdurch erklärt sich der hohe Betrag uneinbringlicher Steuer posten.
>Die Rechnung und der Verwaltungsbericht für 1908 werden dem Finanzausschuß unter dem Vorsitz des Stadtv. Emmelius zur Prüfung überwiesen.
Hundeangelegenheiten.
Dem Verein für Hundesport wird für seine am 29. Mai auf der Liebigshöhe stattgefundene Ausstellung ein Ehrenpreis für 30 Mark bewilligt.
Das Polizei amt hell vier Polizeihunde angeschaftt und vier Schutzleuten übergeben. 'Durch die Dressierung dieser Hunde entftanben 87,20 Mark Kosten. Das Polizeiamt beantragt die Uebcrnaljmc dieser Kosten durch die Stadt, Bewilligung eines Verpflegungszuschusses von je 70 Mark für jeden Hund, Niederschlagung der städttschen Hundesteuer und Bezahlung der staatlichen Steuer für die Tiere. Nachdem die Stadt diesen Antrag abgelehnt hatte, da sie vor der Ansckdaffung nicht gefragt worden war, erklärte das Polizeiamt diese Unterlassung für ein unliebsames Versehen. Da die Polizeihunde unzweifelhaft für den Sicherheitsdienst wertvoll sind, soll nunmehr dem Anttag für die drei noch vorhandenen Hunde entsprochen werden unter der Bedingung, daß die Verwendung der Hunde außerhalb Gießens nur mit Genehmigung der Bürgermeisterei erfolgen darf.
Stadtv^ Troß regt an, die Hunde für die Stadt anzukaufen.
Der Vorsitzende meint, man solle es bei der vorgeschlagenen Regelung belassen.
Die Versammlung beschließt dementsprechend.
Verschiedenes.
Die Stadt hat von Gg. Simon Erben an der Liebigstraße Straßenland unter der Bedingung angekauft, daß das Land an die Verkäufer zu demselben Preis (12 Mark für den Quadratmeter) zurückgegeben werden solle, wenn das Land nicht für Straßenzwecke verwendet wird. Da dieser Fall durch eine Aeude- ruug des Bebauungsplans eintritt, wird das Land an die Erben des Vorbesitzers zurückverkaust. Es bringt der Stadt die seinerzeit ausgegebenen 610,40 Mark wieder ein.
Gin der Versammlung zum zweitenmal vorliegendes Gesuch des Joh. Sie in hau er jr. um Erlaubnis zum Schank- wirtschafts betrieb im Hause Wetzlarer Weg 77 wird abermals abgelehnt.
(Schluß folgt.)
Noch einmal die Lelddereinigung in £ang=®öns.
Man schreibt uns von unbeteiligter Seite:
Wenn ich in dieser Angelegenheit das Wort ergreife, so geschieht das nicht, um den durch die beiden Artikel in Nr. 74 und 79 dieser Zeitung entfachten Streit etwa weiterzuführen, sondern um der Sache neue Bahnen zu weisen, oder genauer gefügt, um einen Punkt, der bereits in allgemeiner Form an- gebeutet ist, auf den besonderen Fall anzuwenden. Ich enthalte mich eines Urteils über beide Zuschriften und wiederhole nur kurz die Sachlage wie folgt: Auf der einen Selle die Klage des Einsenders aus Lang-Göns über die Begradigung des Mühlbachs und die Beseittgung der alten Erlen und Weiden — auf der anderen Seite die Erwiderung der Großh. Kulturinspektion Gießen, die die Gründe für die getroffenen Maßnahmen aus- einandersetzt und außerdem jene Bäume, weil abgängig, eines Schutzes überhaupt nicht für wert hält.
Wäre es nun nicht ein eigentlich ziemlich nahe liegender V e r m i 11 l u n g s v o r s^ch l a g , den zwar an sich unangenehmen, aber doch notwendigen Schaden dadurch wieder gut zu machen, daß man den neuen Bachlauf bepflanzt, nicht mit „städtischen Hriigelakazien", aber wieder mit Erlen und Weiden? Anfänglich jüürbc man der Sache ja das Gekünstelte vielleicht ansehen und Ursprünglichkeit vermissen, aber die Natur arbeitet selbständig weiter. In einiger Zeit würde dieser Fehler ver- chwunden sein und das schöne Bild von ehedem würde in neuer Form wieder erstehen. Wir hätten dann auch keine abgängigen Bäume mehr, sondern lebenskräftige, und die Sorge deswegen, daß auch sie einmal einer Altersschwäche entgegengeben würden, tonnen wir, denke ich, ganz gut einer fernen Zukunft überassen. Wiesenbach und Ufergehölz gehören nun einmal zu- ammen, das wird mir jeder zugeben, der es noch fertig bringt, ich den allgewaltigen Reizen der großen Natur voll hinzugeben. Bestreiten kann das nur jemand, dessen oberster Grundsatz bei der Wertung aller Dinge, auch der geistigen Güter, der ist, ob genügend materieller Gewinn herausspringt.
Daß die für Land- und Forstwirtschaft nützlichen und die Landschaft angenehm belebenden Vögel durch solche Maßnahmen großen Nutzen hätten, ist auch in dem Artikel der Großh. Kulturinspektion hervorgehoben. Unsere Behörden treiben ja sehr energisch Vogelschutz. Teils gehen sie selbst mit gutem Beispiel voran durch Aufhängen von Nistkästen und Anlage von Futterplätzen, Tränken, Vogelschutzgehölzen usw., teils neben sie aufllärend zu wirken. Denn daß in der Bevölkerung mitunter das nötige Verständnis fehlt und „Barbarismus" getrieben wird, ist bekannt. Mau braucht sich nur einmal — ein Beispiel für viele — die traurigen Uebcrrcfte unseres einst so schönen Heßlers anzusehen. Daß mein Vorschlag int Hinblick auf den Vogelschutz auch eine finanzielle Selle hat, will ich be- onders hervorheben für die, denen mit idealen Gründen nicht beizukommen ist.
Ich schließe meine Ausführungen mit dem Wunsche, daß die Beteiligten, sowohl Behörden wie Privatleute, der Sache im Sinne meines Vorschlags näher treten möchten. Die Kraft eines Einzelnen vermag ja hier so gut wie nichts. Aber noch ist nicht alles verloren. Wir wollen yoffen, daß neues Leben aus den Dhtinen blühe. K. B.
(ßertd)ts$aalL
Ein Gatteumörder vor dem Schwurgericht.
4- Saarbrücken, 7. April.
Ein Gatteumörder stand in der Person des 26 jährigen Schlossers Loch vor dem Schwurgericht. Am Nachmittage des 5. Januar wurde seine Ehefrau von deren Mutter und einer Schvester in der ehelichen Wohnung in Jägersfreud bei Saarbrücken ermordet aufgefunden. Die Leiche lag entkleidet im Bett und war mit einer Decke zugedeckt. Das Bett und die ganze Wohnung waren mit Blut bespritzt. Der Kopf war vollstänöig zertrümmert. In der Nähe der Leiche lag das Mordinstrument, ein blutiger Hammer. Das Kind der Ermordeten lag neben der toten Mutter in einer Wiege und wimmerte leise. Zu seiner Beruhigung hatte ihm der Mörder einige Stückchen Zucker in die Hände gedrückt. Von Anfang an rickstete sich der Verdacht der Täterschaft gegen den Ehemann der Ermordeten. Er gilt als arbeitsscheuer Mensch und hatte sich schon zweimal von seiner Frau getrennt. Beim letztenmal hatte er ihre Ersparnisse in Höhe von 40 Mark, die sie sich durch Waschen verdient hatte, mitgenommen. Er hat sich nach der Tat zu seinen Ellern begeben und dort die Nacht über geschlafen. Am folgenden Tage erzählle er einigen Bekannten, daß er feine Frau erschlagen Babe; er gehe in den Wald und werde sich erhängen. Bei seiner Vernehmung behauptete der Angeklagte, daß er feit Jahren lungenkrank und daher arbeitsunfähig sei. In der fraglichen Nacht sei es zum Streit mit seiner Frau gekommen, well diese sich weigerte, ihm Umschläge zu machen. Im Verlauf des Sttelles habe er in blinder Wut die Frau mit einem Hammer erschlagen. Der Spruch der Geschworenen lautete auf Totschlag. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten darauf zu 15 Jahren Zucksthaus.
*
R.B. Darmstadt, 7. April. Vor dem Kriegsgericht wurde heute die jüngst vertagte Strafsache gegen den Trompeter- Sergeanten Karl Mahnkogg vom Dragoner-Reg. 24 zu Ende geführt, der am Abend des 21. Februars nach einem Familienabend feines Regiments auf dem Heimweg in einer Schlägerei einen Artillerie-Unteroffizier durch Säbelhiebe verletzt hatte. Durch die umfangreichen Zeugenvernehmungeit wurde festgestellt,
daß die Behauptung des Angeklagten, er habe in Notwehr qe* handelt und sei zuerst angegriffen worden, nicht den Tatsack^» entspricht. Mit Rücksicht auf den Umstand, daß der Angeklagte von dem Verletzten gereizt wurde und die Verletzungen nid# bedeutend waren, erkannte das Gericht auf die geringste zulässig Strafe von 43 Tagen Gefängnis.
d. M a i N z, 7. April. !Ter Schneider und Wirt Johann Raikel aus Zornheim war der Weinfälschung nn, geklagt. Eine Revision seines Kellers führte zur Auffindung von 1000 Liter „Wein", der beanstandet wurde, da er ftürr überstreckt erschien. Nach dem Gutachten der Sachverständigen. Prof. Dr. Mayerhoser und Kontrolleur Lechner bestand das Zeng mehr aus Wasser und Zucker, als aus Wein. Dem Angeklagtem wurde weiter zur Last gelegt, die Zuckerung des „Weins" und die Herstellung des Haustrunkes der Bürgermeisterei nicht angemclbet und keine Bücher geführt zu haben. 'Der Angellagte wurde 200 Mark Geldstrafe verurteilt, die Einziehung des Wein^ wurde verfügt.
s. Marburg, 7. April. Das Schöffengericht Verurteilte einen jungen Burschen, der sich als städtischer 93c.- diensteter ausgab und gegen Bezahlung die Obstbäume auf Blutläuse nachsah, zu 14 Tagen Gefängnis. Der junge Mann nahm nämlich da, wo Apfelbäume fehlten, auch mit Zwetschen bäumen vorlieb.
Markte.
•• Gießen, 7. April. Viehniarkt. Bei dein am 5. und 6. April abgehaltenen Markte waren aufgetricben 1278 Stück Rindvieh, 484 Schweine, 326 Pferde und 34 Fohlen. — Der nächste Markt findet am 19. und 20. April statt, am letzteren Tage auch Rrämcrmarft.
fc. Wiesbaden, 7. April. Heu- nnd Stroh markt. Angefahren waren 19 Wagen mit Heu und Stroh. Man notierte: Heu 11.00 bis 12.00 Mk., Stroh (Nichtstroh) 6.80—7.60 Mk. F r u ch t m a r k t. Hafer 16.00—16.80 All. Alles für 100 Kilo.
TeSefomsche fclwirsfoer’BcEite
des .Giessener Anzeigers, mitgeteüt von der. Bank für.- Hande, und Indnstriey'Giessen.'
Frankfurter Mörse, 7. April, 1.15 Uhr.
93:70
3°,
94.70
93.70
84.90
92.20
9180
100.25
4*/,% rass. Staatsaul. 1905 100.10 4' 2°la Japan. Staatsanleihe 98.60
4°/0 Conv.Tiirken von 1903 C1.72
70 Portugiesen Serie I *.' 65.65
3% Portugiesen » III . 66.60
3‘ /,% Reichsanleihe
3% do.
37,% Konsols 3°/n - - do.
3'/,°/» Hessen
37,% Oberhessen s
4% Gesten. Goldrente .v
4 76% Oesterr. Silberrente.' 88.90 4% Ungar. Goldrente. .9-. 95,55 4% Italien. Rente -■>». s... —•—
Türkenlose . .
4% Griech. Monopol-Anl.-. 49.10 4% äussere Argentinier .. 91.60 3% Mexikaner . ... ..... .. 69.60 47,% Chinesen 99.95
Aktien :7-%;
Bochum Guss ------^40.30
Buderus E. W.• $*• : ■ 110.50
Elektriz. Lahmeyer ... . Elektriz. Sehuckert . £. . Esch weilet Bergwerk1 . 7. Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg - Amerik. Paket!. Harpener Bergwerk . A. . Laurahütte . ./. > . • . i - Nordd. Lloyd . . . -. Oberschles. Eisen-Industrie Berliner Handelsges. <,. . Darmstädter Bank . Deutsche bank . ~. 7 . • . Deutsch-Asiat. Bank . j. Diskonto-Kommondit . £.. Dresdner Bank . . , . y,. Kreditaktien . . .
Baltimore- und Ohio-%?-^-
Eisenbahn ... 7» 47
Gotthardbahn-. . - .Spc'. Lombard. Eisenbahn. p.. Gesten. Staatsbahn . " Prince 7 Henri - Eisenbahn j.
111.75
149.60
202.00
211.00
141.00
199.50
174.00
104.00
95.30
177.50
133.75
251.60
155.50
190.00 16100
215.60
111.90
20'9ö 160.60 136.00
Tendenz: fest.
Berliner Börse, 7. April. rn.
Canada E. B......183.20
Darmstädter Bank . - . • 134.' '0 Deutsche Bank . ... ■ 251.60 Dortmunder-Union C.v. - • 94.20 Dresdner Bank . 161.00
Tendenz: fest
Harpener Bergwerk
Laurahütte . . . .
Lombarden E. B.'. L. 4
Nordd. Lloyd...
Türkeulvse .A.L.Z. i
199.50
174.00
21.00
103.80
179.50
Vermischtes.
* lieber den tödlichen Ballonnn.fa.ll des Professors A b e g g mit dem Ballon „Schlesien" hat, wie dem „Tag" gemeldet wird, der Direktor der König!. Erdbebenwarte in Breslau Dr. von dem Borne als Vorsitzender^ des Fahrtenausschusses des Schlesischen Vereins sür Luftschiffahrt auf Grund seiner genauen Untersuchungen an der Unfallstelle folgende Schilderung gegeben: „Die erste Landung südlich vom Dorfe Latzig ^Kreis Belgard) erfolgte. infolge des heftigen böigen Bodenwindes. Der Korb wurde so stark auf die Erde gestoßen, daß die drei Begleiter de> Dr. Abegg und das gesamte Ballongerät (Verpackungsdeckeii, Ballastsäcke usw.) herausgeschleudert unirbeu und auch der außen an der Gondel angebrachte Jnstrumentenkorb abriß. Nur der Führer verblieb noch im Korde. Der entlastete Ballon schoß, wie das Barogramm ergibt, über 1500 Meter in die Höhe. Professor 2lbegg zog indes die Ventilleine und später audj die Reißleine, um eine Landung wegen der nur noch etwa zehn Kilometer entfernten Ostsee, die in wenigen Minuten erreicht fein mußte, herbeizuführen. Der Ballon wurde nun in großer Höhe völlig entleert, so daß er trotz aller Enlleichterungsversuche des Professors Abegg reißend schnell zu Boden stürzte. Sllis allem geht hervor, daß dlbegg bis zuletzt mit großer Geistesgegenwart gehandelt hat. Leider Mrte eine Reihe unglücklicher Zufälle zu der Katastrophe. Tie tödliche Kopfwunde scheint Adegg erhalten zu haben, als er beim Aufschlagen der Gondel auf den Boden mit dem Köpf gegen den Korbrand geschleudert wurde.
' Der erste Zug über die Anden. Alis Buenos Aires wird berichtet: Der erste Zug durch den großen Andentunnel, der das Elfenbahnnetz Argentinierls mit Chile verbindet, hat am 2. April feine Fahrt vollendet. Die neue Bahnlinie wird in den nächsten Sagen dem öffentlichen Verkehr übergeben werden. Der Tunnel liegt etwa 3300 m über dem Meeresspiegel; seine Herstellung hat 00m technischen Standpunkt ungleich größere Schwierigkeiteit zu überwinden gehabt, als der Gotthard-Tunnel. Fortan roerden die Reisenden in der Bahn das südamerikanische Festland ducchqtteren könnet!. Bisher mußten die von Buenos Aires konnnettden Reifenden bei Las Cuevas die Bahn verlassen und am" Maultieren oder mit zweirädrigen Karren die Anden überschreiten, ehe sie in Chile wieder Anschluß an die Bahn erlangten. Jin Winter war der Verkehr überhaupt unmöglich. Die neue Bahn verkürzt die Reisezeit von der atlantischen zur paziftschen Küste um eine Woche.
* Zu einem luftigen Anblick tarn' mwr kürzlich, w der Manchester-Straße in Liverpools Man bemerkte tunt, daß fast jedermann, der über eine gewisse Stelle auf dem Bürgersteig ging, einen unfreiwilligen Tanz aus führte. Es bildete sich natürlich sofort ein Menschencruflauf, und in kurzer Zeit kam die Polizei hittzu. Aber auch die Hüter des Gesetzes entgingen dem Tcrnzteusel nicht; als sie an die Stelle gelangten, machtet: sic gunt großen Vergnüget: der gaffenden Wenge öiejelben Sprünge, wie die übrigen Leute. An der betreffenden Stelle war nämlich dic clettrische Leitung schadhaft geworden, m:d jeder, der den Fuß dort inedersetzte, erhiell einen elektrischen Schlag. Schließlich würbe ein Beamter an der Stelle aufgestellt, der die harmloseu. Spaziergänger warnte.
* Richter: „Können Sie sich denn gar nicht bessern? Sie nützen doch der Menschheit gar nichts." — Angekl.: nütz
schon!" — Richter: „Wieso?" — Angekl.: „Als warnendes Exempel."
* Irma: „Du Else, was bekop:nll Ihr denn für Ein quarticrung?" — Else: „Einet: Leutnant." — Irma: „Ach du Glückliche, wir betommen nur einen General!"
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