Zweites Blatt
160, Jahrgang
Dienstag 8. Februar 1910
Nr. 3S
Gießener Anzeiger
Lrichetnr tügll- mit Ausnahme des Sonntags.
General-Anzeiger für Oberhchen
Rotationsdruck und Verlag Oer Drühl'sche» UnwersitätS - Buch» und Sterndruckeret. 9L Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul* straße 7. Expedition unb Verlag: e^6L Redaklion:e-^112. Tel.-Adr.:Anzeig erGteßen,
Die „Stetzener Famllienblätter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das 'tfreisblati für den Kreis Giehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zettfragen" erscheinen monatlich zweimal.
yorschläge zur Organisation -er Hess. Baubehörden.
Von dem Verfasser beu Zuschrift in Der. 20 unseres i igttes erhalten wir folgende Zuschrift, zu der wir die Vermutung nicht unterdrücken können, daß bei der vorge- Utagenen Aenderung die. Ersparnisaussichten nur gering jein mögen:
Auf die Ausführungen des „K r c i s a u s s chu ßm i t gll i e- (s" in Nr. 30 Ihrer geschätzten Zeitung sei mir das Folgende gestattet:
Tas KveisaussclMßnZtglied scheint anzunehmen, daß durch die i-t Ter. 20 Ihre- Blattes in Vorschlag gebrachte Organisation bsr tessischcn Baubehörden eine Gefährdung der „Selbstverwaltung L\ r Kreise zu erwarten stehe. Dem ist nicht so. "Ter Verfasser in Tr. 20 bat, ohne auch nur im geringsten die Selbstverwaltung dabei -l untersöchtzen, nur darauf hingewiesen, daß in erster Linie ttiue Verbilligung der Bauv-erwaltung zu erstreben; ui. Diese Verbilligung läßt sich aber ebensogut durch Errichtung selbständiger Bauämter, die das Hochbauwesen des Staates wie Der Gemeinden übernehmen, wie durch den der Selb stverw al lang ^.-isteaebenc-n Kreisbauinfpektor, im Sinne des Kreisausfckfiußmitglie- »3 erreichen. Das Kreisausschußmitglied scheint aber bei seinem Vorschläge ganz übersehen zu haben, daß der Kreisausschuß in „ho chbau au geleg e n h eit en der Gemeinden usw. g an iiichtsmitzu sprechen h a t," daß er u u r beim Straßemvesen ir. Betracht kommt. Und wenn das letztere, wie in-Nr. 20 Ihres A-atteS, vorgesch tagen unb wie dies auch von der Regierung bcab- Migt fvird, unter die Provinz gestellt werden sollte, so würde ii» Straßenwesen nach wie vor in der Selbstverwaltung bleiben unb es dürfte dabei die Mitwirkung der Krcisousschüssc und der Auslage ebensowenig zu entbehren sein, wie heute. Die Frage ob die Mitwirkung nicht sachverständiger Areisausschußj- mrglieder in dem Maße wie heute, un Interesse der Sache erfordcr Ü. wäre, will ich offen lassen, immerhin aber doch darauf hin- iftisen, daß gerade bei.der Bestellung des technischen Personals idnn recht unerquickliche Verhältnisse in die Erscheinung getr?t:*n Md, die zwar durch die Selbstverwaltung gerechte Itir t i g t e r 1 ch c i n c n , bic; aber absolut nicht dazu angetan sind, hier für die Mitwirkung der K'reisausschüsse einzutretcn. Es mrc viel besser, wenn in dieser Frage, einer, den einzelnen .'i.rtiicn fernstehenden Körperschaft - • Staat oder Provinz ' das Bestimmungsrecht eingeräumt würde. Ich verweise dabei auf Vv- Verwendung der Staats bau dienskanwärtLr in den Kreisen rd die verschiedenartige Behandlung der KreisstraßenmeLfter.
Die Mitwirkung des Kreisausschusses ist auch nicht durch die 3j.lL stverwaltungsgesetze von 187-1 gegeben, pnbern durch das . imststraßengesetz und nur für das Straßenwesen, weil man den „Nreis" zum Dräger der Straßenbautoslen gemacht hat.
Tie „Gebühr en", auf welche das .Kreisausschußmitglied ^schemlich das -Hauptgewicht legt, und welche von den Gebinden usw. für die von den Baubeamten besorgten technischen Weiten an btc Kreise gezahlt werden, haben durch das vor- Uvähnte.Kunststraßengesetz teilte- g esetzliche Unterlage gefunden, iian l,at int Gegenteil, das genannte Gesetz und seine Organisation amii „schmackhaft" zu machen gesucht, daß man den Gemeinden uite, sie bekämen nun neben dem Straßenwesen auch ihr „Hoch- o u w e s c ii" durch die Organe, des Kreises unen tge.l t le ch, tjörgt. Ist dies auch so g e.tr nun en ? Rein, die Gemeinden be- iüicu heute hierfür -1 Prozent in die Kreiskasse. Wenn man aber ik,, ftrcrroaltmig" zu schützen für nötig häU, warum überläßt
ton dann den G'emeinden nicht, im Rahmen der Selbstverwaltung! iitfi ihre Techniker zu wählen, wie sie wollen; es gibt eine ganze nzahl von Privattechnikern, die ebensogut, und vielleicht wo ch billiger, das Gemeindebauwesen besorgen kömtten, wie die Techniker der Kreise. Hier scheint aber die „fiskalische Seite" Hs Kreisausschußmitglieds für feine Vorschläge ausschlaggebend gewesen zu sein, denn es handelt sich bei ihm um .Einnahme" für he Kreiskasse zu machen. Will man.aber die Selbstverwaltung imangelaftet lassen, dann muß man konsequenterweise auch auf t'cjeni Gebiete den ltzemeiltden ihre freie Entschließung bugeftchcn.
Bei voller Sympathie für die Selbftverwaltung vermag ich dach den vom Kreisausschußmitgliede gemachten Vorschlägen nicht in folgen, weil sie unpraktisch und durch nichts begründet sind, nid. weil das- staatliche- Hochbauwesen, um das. es sich doch auch ändelt, mit der Selbstverwaltung gar nichts zu tun hat, und feil die Gemeinden heute, ebensowenig wie später, gezwungep 1 erben können, ihr Bauwesen den Organen der Kreise zu Überragen, es sei denn, daß die Selbstverwaltung der Gemeinden
Der gekitzelte Aerkulap.
Eine kräftige Dosis der medizynischstcn Witze, Schnurren ;Unb Anekdoten von Aerzten, Patienten und lustigen Stürmten. Verordnet von Felix Schloemp — so nennt sich k.ne neue Anekdotensammlung, die soeben int Verlage Georg Mller-München erschienen ist Mr entnehmen dem Büch- lin folgende Proben:
Der a u s g e m e ch s c l t e Sch ä d e l.
Der bekannte Schädellehrer Gall besuchte eines Tages km Irrenhaus. Einer der Narren führte ihn herum und prach so verständig, daß ihm Gall den Kopf fühlte und fagte:
„Bei Ihnen finde ich keine Spur von Wahnsinn. Wie hnimen Sie denn hierher, da Sie nicht das Organ der 9 arrt)eit haben und auch so überaus vernünftig sprechen?"
„Das will ich glauben," versetzte der Narr, „daß toic da dem Kopfe, der. auf meinen Schultern sitzt, kein Organ str Tollheit fnden können. Siie müssen aber wissen, es i't nicht der meinige, dieser wurde mir nur aufgesetzt, als jh während der Revolution guillotiniert worden war."
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U n a ii g c b r a ch t c R e d e n s a r t.
„Fch -ijabc schon wieder einen bösen .Hals." — „Rehmen Ae den ja nicht aus die leichte Achsel."
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Der vergeßliche Chirurg.
Berlureau trifft bei strömendem Regen einen ihm be- laimten Chirurgen, der ob seiner Vergeßlichkeit — gc furchtet ist. „Nanu'. bei solchem Regen ohne Schirm!" .jagte Berlureau. — „Ja, leider! Ich mache seit zwei stunden meine Krankenbesuche und habe den Schirm ir- Mdwo vergessen." — „In wem?" fragt Berlureau.
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Ein Wortspiel.
Ein Menschen- und ein Tierarzt sind in Streit gekommen -mb ersterer ruft verächtlich ans: „Sie sind ja doch nur
Doktor vom Vieh!" und wütend entgegnet der andere: /.Ulrtb Sie sind ein Vieh von einem Doktor!"
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aufgehoben würde. Wenn aber die Gemeinden heute ihr Bauwesen von dem Kreisbauinspektor unb seinen Technikern, ohne dazu gezwungen zu fein, ausführen lassen, bann kann bies auch geschehen, wenn der Kreisbauinspektor Vorstanb eines selbständigen Bauamtes würbe. In diesem Falle könnten die. Gebühren „statt in die Kreiskasse" in die „Staatskasse" fließen. Dies alles hat aber mit dem Mitbestimmungsrecht des Kreisausschusses in der Selbstverwaltung nichts zu tun.
Die Selbstverwaltung bleibt ganz unbehelligt, auch wenn die mitwirkenden Baubeamten selbständige Staatsbeamte weiden, grabe bann können sie mit der erforderlichen „Unabhängigkeit" auf treten, die für die Mitwirkung in der Selbstverwaltung nötig ist und die ihnen, wie jedem anderen Staatsbeamten, zugebilligt werden muß, einerlei, ob sie als Vorstände eines selbständigen Bauamts oder wie sonst herangezogen werden.
21 us Statt und Laad.
Gießen, 8. Februar 1910.
** Stabt t heg ter. Es sei an die morgen nachmittag stattftndende Kindervorstellung erinnert, die die letzte der Spielzeit ist und das hübsch ausgestattete Märchen „Aschenbrödel" bei Vollspreisen bringt.
** DcrKampfum 'Nord undSüdpo l. Im Vortragszyklus des K auffm ä nn is.ck> e u Vereins und Ortsgo- wer bevor ein wär als Gegenstand des 5. Vortrags ein sehr zeitgemäßes Thema, gewählt worden. Dr. Georg Wegener (Berlin- sprach in der neuen Aula über „Der Kampf um Nord- und Südpol". Thema und Redner, der in Gießen lein Unbekannter m<chr ist, Hutten ihre Anziehungskraft nicht verfehlt. Dr. Wegener schilderte die Geschichte des großen Mensch- he.il stumpf es um die Pale in den Hauptzügen, von den frühe fhtn Anfängen bis zu den Ergebnissen des vergangenen Jahres, ba^ den 'Nordamerikaner Pearl, den 'Nordpol erreichen und den Engländer Shackleton bis auf 178 Kilometer an den Südpol heranließ. Der Kampf um die Pole ist noch verhältnismäßig jung. Denn er konnte erst dann mit Erfolg ausgenommen werden, nadv-- dem der wissenschaftliche Idealismus, der von jeglichem materiell^ Gewinn absieht, und der moderne Sportsgeist, der vor den kühnsten 2lnftrtiigungen nicht,, zurückschreckt, erwacht waren. Die Geschichte der Polersorschungen beginnt eigentlich mit der Suche nach dar nordwestlichen Durchsul.rt, einem Problem, an dessen Lösung die Engländer schon im 16. und von neuem wieder im 19. Jahrhundert unter großen Opfern unb mit riesiger Energie arbeiteten. Weitere Stufen im Kampf gegen den Nordpol sind die Suche nach der nordöstlichen Passage und vor allem die Erforschung des östlichen und nördlichen Grönlands, woran sich auf Anregung des Geographen Petermami-Gotha auch eine deutsche Expedition beteiligt., tue mit zwei Schiffen im Jahre 1869 von Bremen aussuhr, besonders das Schicksal des einen Schiffes, der „.Hansa", wußte der Redner fesselnd zu schildern. Das Hauptverdienst um ,öie Erforschung Nordgrönlands hat Pearl,: von ihm wissen wir, daß Grönland nicht dis zum "Nordpol reicht, sondern nur bis zum 83. Breitengrad. Von den übrigen Unternehmungen, die in bat letzten 20 Jahren zur Erreichung des Dckordpols ausgeführt wurden, behandelte Dr. Wegener besonders bic Expedition von Fritjof Nansen, des wähl genialsten Polarforschers, der dem Nordpol bis zum 86. Grad Katze tarn, unb bic Reiseroute Peavys, der dem Pol am 9. April 1909 den Sieg ab gerungen hat. Ebenso äntcressant und durch Klarten und Lichlbild.r erläuternd, gab der Redner einen lieber bl ick über die Geschichte der Südpolar svrschMg bis Shackleton. Dr. Wegener empfing für seine Ausführungen anhaltenden Beifall.
** Der Gab o ls b e r g cr S to uo g r a p h e n v er e iu und ,der D am e u v e r e i n Gabelsbergcr begehen die Wiederi ehr des Geburtstages s^rauz .baver Gabelsbergers, des Erfinders des ersten deutschen, auf graphischer Grundlage aufgebauten Kurzschriftsystems, am Donnerstag dem 10. Februar durch einen Kommers, bei dem Gymnasiallehrer Zieprccht einen Vortrag über die Fjorden Nor : roegeny halten wird.
— Oöndorf, 7. Febr. 2lm Sonntag feierte der Gesangverein Frohsinn hier sein Wintervergnügen durch'Konzert amd .Ball. Jeder Besucher wird anerkennen, daß ein solches Konzert lange nicht hier gegeben ist. Die Soli für Geige und Klavier waren vortrefflich, ganz besonders auch die Liedervorträge von dem scheidenden Mit
glied- Herrn Gutapfel. Tie gesangliche Leistung stand ebenfalls auf der Höhe. Ein schöner Boll war das Ende dieses i)lbends, der noch sicher in langer Erinnerung eines jeden Besuchers bleiben ,vird.
= 2 i d), 7. Febr. Endlich ist nun der solange angekün digte V o l l s b i l d u n g s v e r e i u ins 2eben getreten. Die für üergangenen Sonntag eiuberufeue Versammlung hat im Anschluß an den Vortrag des Herrn Volk aus Frautfurt über „Rotwendigleii und Ziele der Voltsbildungs vereine" und nach darauffolgender Aussprache die Mö^lick) leit und Zwedmäßigkeil eines Vereins in hiesiger Stadt auerlaunl und seine jüforiige Gründung beschlossen. Der Verein hat sich mit 2o Mitgliedern aus den verschiedensten Berusstlafsen konstituiert uud hofft, daß die Mehrzahl der Licher Bürger dem löblichen B.ispiel folgen wird und dem Vereine bei tritt. Tie zu grüudeude Volksbibliothek wird bereits, in den nächsteii Wochen eröffnet. Jin Laufe des nächsten Winters wird bann der Verein seine iveitcrc Tätig leit aufnehmen und in Vorträgen, Besprechungsabenden, Vollsunterhaltungsabenden u .dgl. zu wirken suchen. Da ähnliche Vereine bereits in fast allen vberhessischen Land- ftäbtchen mit Unterstützung der Büvgersck-afr zu gedeihlid,er Entwicklung gelangt sind, ist zu hoffen, daß auch Lich bc züglich seines geistigen Lebens und Strebens eine Ehre darin ,ucheu wird, nicht zu Unrecht den Titel „Stabt Lich" zu führen.
? Hungen, 7. Febr. Gestern abcub veranstaltete der Gesangverein „Li e d e r k r a nz" im Saale der „Traube" eine theatralische Abendunterhaltung und bot durch seine umsangreichen Darbietungen seinen zahlreid) erschienenen Mitgliedern einen überaus genußreichen Abend. Die zum Vortrag gebradsten Männcrchöre sauden allseitige Anerkennung. Zur Ausführung gelungleu das ztveiaktige Lustspiel: „Die eifersüchtige Frau" und bic Posse: „Die letzte Rettung"; ben Darstellern würbe- für ihr vorzüg liches Spiel rcidjer Beifall gespenbet. Die humoristischeu Solo- unb Duoszenen erweckten wahre Lachsalven. Ein gemischtes Doppelguartett brachte als etwas neues im Pro gramm zwei prachtvolle Ehöre mit Zitherbegleitung zum Vortrag, bic allgemein beifällig ausgenommen würben und den Wunsch laut werden ließen, day öfters derar.iges ge hocken werden nröchtc. Nach Abwickelung des Programms wurde dem Tanz gehuldigt.
fc. Darmstadt, 6. Febr. Am 11. April d. I. feiern zu Heidelberg Prinz Wilhelm v o n S a ch f e n - Weimar- Eisenach, Herzog zu Sachsen, und seine Gemahlin Prinzessin Gerta, geborene Prinzessin zu Isenburg unb Bübingen- Wächtersbach bas Fest der silbernen Hochzeit. Prinz Wilhelm ist ein Onkel des regierenden Großherzogs von Sachsen-Weimar-Eiscnach. — Graf Emil Friedrich von Schlitz genannt von Görtz, Präsident der Ersten Kammer des Großherzogtums Hessen, Kommendator der Hessischen Genossenschaft des Johanniter-Ordens, begeht in diesem Jahre die 25jährige Feier als Inhaber dec Standesherrschast Schlitz.
U Biedenkopf, 6. Febr. Seit einigen Tagen verkehrt auf der Strecke Raumland — Erndtebrück eine sog. Heißluft-Lokomotive. Die Akaschine, die zwei Eingänge hat, soll es ermöglichen, den Zugsührer und ben Schaffner zu sparen. — Im hiesigen Kreise, wie auch im nahen Wittgensteiner Land macht sich Futtermangel bemerkbar. Biele Landwirte vermindern ihren Biehstand, weshalb auch die Viehpreise sehr niedrig stehen.
(ScriditsfaaL
Essen a. d. Ruhr, 7. Febr. Zwei 1 4 j n 1) r i g p Jungen, bie im November einen 9jährigen Kamerckden grausam mißhandelten, wurden gestern zu 8 Monate bezw. 3 Wochen Gefängnis verurteilt.
W. Potsdam, 7. Febr. Die Sergeanten Rich. Man ni g c l unb Gust. Schreck von der 3. Eskadron des 3. Garde
Einzige Erin u e r u.ji g.
Paticnt"(nach der Operation >: „Herr Professor erinnern sich wohl gar nicht mehr, daß Sie mich vor fünf Jahren schon mal operiert haben?" — Professor jnachdeutlich): „Eck,, ja, Ihre Leder kam mir gleich so bekannt vor!"
K u r o r t.
,,DaS soll ein Moorbad sein? Das Wasser ist doch ganz klar." — „O, nur zu Beginn der Saison!"
B r i t i s ch er Hu m o r.
Professor Wilson in Ebinbiirg schrieb einst an bie Tür seiner Klinik: „Professor Wilson teilt hicrburck) ben Stuben ten mit, daß er heule zur Königin gerufen nnirbp." Als er am Morgen zucüctkehrte, fanb er, baß ein Stubent hinzpgefügt hätte,; „Gab savc the Queen!"
— D a s „ppn" und der „Doktor" a in Theater. Einern längeren Aufsatz von I. Älcstra int „Tlieater-Eoncier" entnehmen wir folgende, nicht uninteressante Stelle: „Was den 2ldel anbetrifft — und mau wird zugeben, daß das „von" aui ben Theaterzetteln eine große Rolle spielt —, so sieht es damit nach meinet Erfahrung bei Prümng aus Wahrheit äußerst luinbig aus. — Bon allln soidisant Adeligen, bic mir in .meiner lang jährigen Berufszest begegnet sind, wat ein ganz kleiner Bruchteil wwschecht. Alle übrigen, darunter solche, .die den Adel ans eigen, i Machtvollkommenheit schon vom Vater ober noch, länget her gewissermaßen ererbt hatten, verpufften bei näherer Prüfung in eitel Lüge. Sehr beliebt ist auch der Ucbergang von dem irrelevante u holländischen „ban" in das deutsche, „von". Ein Kollege, der sich jahrelang beim Theater Schösser nannte und eigentlich Böttcher hieß, nannte sich und seine seht zahlreiche Familie plötzlichILöttchet von Sibwsser. Ebenso gut hätte er sich „Schneider von Schuster" nennen tonnen; aber das hätte doch noch etwas mehr verdächtig geklungen. — Eine Soubrette, verheiratet an ein bereits angc- stelltes Mitglied, trifit etwas verspätet ein. Die Wichtigkeil ihres Debüts will man 'noch wichtiger machen. Sie tritt nicht unter dem Namen ihres Mamres als Frau, sondern unter ihrem Mädchennamen auf, und bä derselbe, sagen mir: .Höchberg ist, wird noch ein „von" davor gesetzt, das macht sich besser. Von ihrer eigenen Mutter, einer braven, einsachen Frau, die darüber sehr betrübt war, weiß ich, daß es Wind war; aber sie blieb Frl. von Höchberg bis an ihr Lebensende. - - Einer anderen Dame wurde polizeilich das „von" untersagt, da ihr Name _nüt dem eines Staatsmannes identisch war; aber im nächsten Ort prangte das
„von" schon wieder auf dem Zettel. — Und so könnte ich noch sehr viele Beispiele weiter anführen Viele Kollegen, die aus Ungarn kommen und magyarische Namen führen, legen sich ohne weiteres ein „von" bei. Es muß hier gleich vorweg gc sagt werden, daß ein „von" im Magyarischen überhaupt g a r nicht existiert, also von vornherein schon eine Lüge ist. Also ben meisten Kollegen, bie von daher stammen unb sich ein „von" beilegen, ist von vornherein sehr zu mißtrauen. -- Wie mit dem Adel, ist es in ben meisten Fällen mit dem „Doktor" bestelli; auch hier ist vieles „saul im Staate Däne mark". — Eine lustige Episode erlebte ich vor Jahren in Oester reich. Dort gerierte sich lange Zeit ein Kollege als Dr. Phil, und bekam infolge des Titels recht gute Engagements als Regisseur. denn ein Theaterzettel mit: Regie „Dr. phil. soundso" macht sich ganz gut. Durch einen Zufall kam der Schwindel heraus, mit feiner Doktorherrlichkeit war es mit einem Schlage zu Ende.
Ebenso auf Kosten der übrigen Mot legen führen manche Schau spieler den Titel: fürstlicher, herzoglicher usw. hofschaufpicler a. D. Man kann unter solchen Umständen sicher annehmen, daß die Sache einen Haken hat oder ganz einfach Lüge ist. — Tas sind lauter Dinge, die auf Kosten der Berufskollegen geschehen und einfach nicht vorkommen dürften, ohne geahndet zu werden.
~ E i n Bekehrter Im Tagebuch seines „Heimgarten" erzählt Pctei Rosegger svlgend.'s Geschichtchcu: Ein verbummelter Literat, der bisher nur leichtfertig es, geschmackloses Zeug geschrieben batte, aefl.uib mir, er wär- belehrt worden von Goethe. Auf kinev Dtcqe hätte er wieder einmal den Faust gelesen, und zwar nur wegen des Mephistopheles, der stets sein Liebling gewZcu. Diesmal tzabe er gefunden, daß auch das übrige in dem Werke nicht übel sei. Er. sand, das, wenn man sich einige Mücke gäbe, auch mi diesem Dichter Vorzüge zn finden wären. Er las hieraus den (Ritz, ben Elavigo, er las Goethes Gedichte, Dtonmnc unb Epen bis zu Hermann und Dorothea, er las alles. „Ich hab was gelernt," so schloß er sein Belenntnis. „Jetzt werden wohl anders schreiben?" fragte ick „Nein," lagt’ er. „Aber es hat sich doch Ihr Geschmack gebildet?" „Gewiß." „Was werden Sic also von jetzt ab schreiben?" — „Gar nichts mehr."
- - Ein musterhafter Geschäftsbrief. Einer Min chewcr Firma ist jüngst au» Rostow a. Ton folgendes gedruckt? Geschäftszirkular zugegangen: Hiermit möchte Ich bitten vom Ihre Werte Firma Kataloge nebst Preise für Wiebervertanfer unb Hahlungsbediiw.niigen au mein- ildresse senden. Da mein Beziil Don Gebiet unb EankasuS isl sehr gut vor mir betäub,, so glaube ich nut Sie eine vechls gute Unterhaltung» zu flirren. Macht - bitten Ihre Mustern. In enuartung Ihre Ge ries schreiben unebne ich Ihnen Hochachtungsvoll N. 'N.


