Ausgabe 
6.12.1910 Erstes Blatt
 
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Erster Blatt

BW. Jahrgang

Die heutige Nummer umfafjt 14 Seiten.

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Der t>erftoibaie Gelehrte

Neue Bruchstücke einer

Ein Professor, der für seine Bibliothek

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mit dem Mathematiker Todhunter, hat ein Aller von 86 Jahren erreicht. E in Nibelungenfund.

Aber weit gefehlt. Sie schränkten chn vielmehr in der Ausübung feinoS Lehramtes in jeder Weise ein, inbcni

erklärte lächelnd: ,Lch habe mich nie so wohl, und so arbeitK-i freudig gefühlt wie jetzt, und ich bin überzeugt, daß ich immer so leben sollte." .Aber die Aerzte brachten ihn diesmal von seinem Vorhaben ab. Professor Mayor war in 'Cambridge eine der populärsten Erscheinungen. Er gilt alK einer der größte« Kenner der lateinischen Sprache, den das letzte Jahrhundert her- vorgebracht hat. Nahe freundschaftliche Bande verknüpften ihn

Chefredakteur: A Goetz. Lerantivortlich für den polinfchen Teil: August Goetz; für .Feuille­ton', ,Vermischtes' und

Rodert Rothe; Lieder zur Laute.

Gießen, 6. Dez. 1910.

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Dienstag, 6. Dezember M0 fctlugOreUt monatlich 75P1^ viert el- fährltch Alt. 2.20; durch Ubhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post A!k.2.vienel-

und Vaganten vor: ohne Pose, aber mit Elug und witzig aus­gearbeitetem Vortrag, nicht schmucklos, wie das Volk selbst, son­dern mit der Kunst des Sängers, der seine Zuhörer mit sich reißen will. Und Robert Kot he riß mit. Der gut gefüllte Saal lauschte mit wachen Sinnen der innigen alten Kunst und der Beifall, der den liebenswürdigen Sänger immer wieder aus den tannen» geschmücktenHügel" rief, bewieß genugsam, welcher Zuneigung und Beliebtheit sich der treffliche Künstler hier erfreut. Er mußte sich schließlich der allgemeinen Stimmung bequemen und trug noch diebis auf den heutigen Tag vervollständigte Vogel Hochzeit" vor, in dem er mit schalkhaftem Humor ein paar artige Berslein über sein unter erschwerenden Umständen veranstalte, des Auf­treten einschob und bann rasch wieder in dem Liede weiterging. N.

Deutsches Ueich.

Aus Berlin nrtrb uns geschrieben: UcBet eine ge* gesetzliche Regelung der Bestimmungen über die Kon- kurrenzklaufel haben in letzter Zeit im Reichsamt des Innern Erwägungen nach verschiedenen Richtungen hin stattaesunden. Es waren Vorschläge gemacht worden, die auf Dem Grundsatz der bezahlten Karenz bemchen und der, Grundsatz ausgestellt worben, daß den Angestellten für die> Beschränkung aus der Konkurrenzklausel eine EntschäoigunA geboten werden müsse. Diese Vorschläge sind den Handels­kammern und Kaufmannsgerichten zur Begutachtung über­geben worden. Aus den bisher eingelausenen Antworten geht hervor, daß drese Interessenvertretungen an den Bor> schlagen der Reichsregierung Abänderungen wünschen. Eine» Vorlaae, die die Frage der Konkurrenz klau sel regerir-Wirtr, wird Dem Reichstage deshalb voraussichtuch erst nach den Neuwahlen zugehen.

Im Aeltestenrat deS Reichstages dingte matt sich dahin, eS im allgemeinen bei dein bereits vereinbartem Arbeitsprogramm zu belassen. Es soll am Freitag demk 9. Dezember die erste Lesung des Haushalts statt finden und nach chrem Abschluß am Mittwcch oder Donnerstag den nächsten Woche in die Weihnachtsferien eingetretett werden. Die erste Sitzung im neuen Jahre soll'am 10. Jo nuar stattfinden. Der Arbeitsstofs ist folgendermaßen ver­teilt: Montag und Dienstag zweite Lesung des Arbeits­kammergesetzes, Mittwoch Rechnungssachen, eventuell Fort­setzung der Mittelstandserörterung vom vorigen ScunStag, Donnerstag katholischer Feiertag. Vom Freitag ab, wus erwähnt, erste Lesung des Haushalts. In ber ersten Sitzung

Var vucll der Hationaldtonomtn.

thi5 Berlin wird und geschrieben:

Als im Juni 1908 der bis dahin in Kiel wirkende Prv- Köt der Nationalökonomie, Ludwig Bernhard, über , Kops der pchlosvphischen Fakultät hinweg nacl) Berlin berufen und für ihn dort, wenn auch kein neues Ordi­nariat, so doch ein Extraordinariat mit dem Titel und den

gehungert hat. Mil dem soeben oerftorbenen Professor I. E. B. Mayor, dem Lehrer für lateinische Philologie an bei Universität Cambridge, ist eine ausfallende Gelehrtenpersönlich­keit dahingegangen, ein Mensch mit all den Vorzügen, aber auch all jenen Seltsamkeiten eines fanatischen Jüngers ber Wissenschaft Professor Mayvr besaß eine der herrlichsten Bbiiolheken in gary Cambridge: er pflegte mit einem stolzen Lächeln zu sagen, daß er sich diese Bibliothek vom Munde abgespatt habe. Doch dies war kein Vergleich, sondern rtnrflidje, wörtliche Wahrheit. Die prachtvollen Büchcrsck-ätze hat er im Laufe seines langen Lebens zusammengehäuft, nur aus den Mitteln, die er durch Beschränkung und Beschneidung seiner Mahlzeiten erübrigte. Diese Hungerkur wurde für Proscfsor Mayor fast ein Sport, er war im Stande, mit einer Ausgabe von 5 0 Pfennig am Tage auäiufommcn; ja durch strenge Hebung brachte er es schließlich so wett, daß er eine Zeit lang seine Rechnung für die Kost des Tages auf l 6 P s g ermäßigen konnte. Ursprünglich hatte ihn Ueberjeugung zur vege­tarischen Kost geführt, er behielt sie dann ans Spars am keil sgründt.n bei. Erst kürzlich tonnte man in London einen bezeichnenden kleinen Auftritt erleben: Professor Mayor war der Einladung eines Freundes gefolgt und nahm in der Hauptstadt an einem großen SHcn teil. Der Wirt hatte die (Eigenart seines gelehrten Gastes in der Hast der Vorbereitungen vergessen unb mußte nun den Diener hinausschicken, um für Professor Mayor einige Bananen hereinzuholen Der Gelehrte wahrend des ganzen Diners nur eine einzige Banane: das war seine Mahlzeit. Als er fern Lebenswerk, die aroße Juvenal-Ausgabe, vollendete, hatte Professor Mayor zum ersten Mal den Entschluß gefaßt, sich durch beharrliches Fasten arbeitsfähiger zu machen. In der ersten Woche er nur jeden zweiten Tag etwas, in der zweiten nur jeden vierten Tag, und in den folgenden 14 Tagen wollte er überhaupt nichts mehr essen Die Aerzte milchten sich ein und feinem Vorhaben abbrutgen, aber der Gelehrte

Die Wahlen in England.

London, 5. Dez. 1 Uhr 49 Minuten. Bis jetzt sind gewählt: 52 Liberale, 65 Unionisten, acht Mitglieder der Arbeiterpartei und fünf Remondisten.

London, 5. Dez. 5 Uhr nachm. Gewählt sind 58 Liberale, 80 Unionisten, 8 Vertreter der Arbeiterpartei, 15 Remondisten.

Die liberalen Blätter äußern fast überschweng­liche Freude über die Wahlergebnisse am Sonnabend und erklären: London gab en alänzendcs Beispiel. Die Unionisten hätten feine Aussicht, in Schottland, Irland und Wales Sitze zu aewinnen. Da sie schon über die meisten englischen Grafschaftssitze verfügten, so seien ihre Hossnnnaen genau genommen auf 242 städtiscye Wahlkreise beschränkt. Von diesen sei über ein Viertel bereits be­stritten und die Unionisten hätten dabei nur drei Sitze ge­wonnen. Die Unionisten seien bereits aus dem ersten Kampf geschlagen und diskredittert hervorgegangen. Die Sache des Frechandels und des freien Unterhauses sei gerettet.

Die unionistischen Zeitungen triumphieren nicht, zeigen sich aber über die bisherigen Resultate be- fnebigt. Sie erklären: wenn die Ergebnisse am Sonn­abend ein Fingerzeig für das Gesamtergebnis seien, so sei das Ministerium Asquith bereits jetzt zur Ohnmacht verurteilt. England bot in nicht mißzuverstehender Weise den Zerstörern der Konstttution Halt. Die Unionisten be­tonen besonders die Siege in Lancashire. Aber die Ent- tausck)uvg, namentlich über London, verriet sich in vielen Wantungen und spiegelt sich auch in den dringenden Auf­rusen an die Unionisten Londons wieder, sich aufzuraffen und die Situation zu retten.

Nibelungen Handschrift fand der Oberbibliothekar zu Upsala, Jsak Collijn, als er Lirzlich für die preußische Kommission für den Gesamtkatalog der Wiegeiwrucke in Mainz arbeitete, in einem Frühdruck des dortigen bischöflichen Seminars. Es ist dies ein sogenanntes Cuabragefimale über die christliche Religion des heiligen Bemardin von Siena. Diese Inkunabel flammte noch einer Eintragung im Buch aus dem BenediktinerNoster auf dem? Jakobsberge in Mainz, in dessen Bibliothek sie auch 1512 in dem von Wolfgang Treßler verfaßten, jetzt auf der Berliner kgl. Bibliothek befindlichen Katalog genannt wird. Collijn hat seinen Fund jetzt in einer Monographie behandelt, der Faksimiles aller der neuen Nibelungenstücke bei gegeben sind. Diese gehören zu der sogenannten Handschrift L. Was vor diesem Funde von der Handschrift bekannt war, hatte bot Zeiten Görres entdeckte der die Stucke teils Wilhelm Grimm, teils August Wilhelm! d. Schlegel schenkte. Aus diesem Wege kamen sie an Karl Lach- mann, und dieser schenkte sie wiederum der kgl. Bibliothek. Außer di-sen jetzt Berliner Bruchstücken finb noch eine Anzahl Strophen aus einer direkten, in Heidelberg befindlichen Abschrift der Hand- schrift L bekannt. Collijns Fund fügt noch 54 neue Strophen hinzu. Sie finb von derselben Hand geschrieben wie der erfto Teil der Berliner Stücke unb bilderen die Blätter 11, 12, 16 unb 16 der Handschrift.

E i n Denkmal für König Eduard in Indien. Wie aus Mhitta gemeldet wird, hat das General ko mitee der Bengalischen Köing-Cduarb-Gcdachtnisstiftung, die c ine große Summe zur Ehrung des verstorbenen Königs aufgebracht hat, am 29. November eine Sitzuna abgehalten, in der die Errichtung eines Denkmals für König Eduard beschlossen wurde. Auf An- trag des Maharadscha von Darbhanga wurden au5 der Ge­samtsumme 200 000 Mark für die Aufstellung einer Reiterftatue König Eduards in Kalkutta bestimmt. Das Monument soll mög­lichst rasch ausgefuhtt werden, damtt es schon enthüllt werden kann, toerm König Goorg im Anfang des Wahres 1912 Indien besucht. Der übrige Teck der Stiftung wird für philantropische Zwecke verwendet, zur Gründung von Hvspitälentz ärztlichen In- fiituieu usw.

völlig verschüttet. Namentlich war es Prosessor S e h r i n g, der, da diese Vorlesung Bernhards seinem eigenen Kolleg

über den nämlichen Gegenstand Konkurrenz machte, über den Wortbrnch Bernhards Zelermordio sckrie und an ihn zugleich im Namen Wagners uni) Schm oll er s einen Bries schrieb, in dem er ihm den Abbruch aller gesellschaftlichen Beziehungen ankündigte. Bis hierhin ist Professor Bern­hard, mag man über die Art seiner Berufung, feine wissen­schaftliche Bedeutung, sowie feine Parteistellung, denken, wie man will, augensck>einlich im Recht gewesen. Ins offenbare Unrecht aber letzte er sich, als er den Bries Sehrings mit einer Duellforderung an den Verfasser beant­wortete. Es ist für die Wertung dieser Tatsache gleich­gültig, ob das Duell wirklich aus;

ob es schließlich an verschiedenen 2 _ Y

Mit den Waffen sollte hier der wisseuschastltche Gegensatz

sie ihn bei Verteilung der Hauptvorlesungen für die Se­mester ((Allgemeine * * * * s)bativnaLötorwntie, angewandte Nario- milökonomie, Frnanznnssensck-aft usw.) jedesmal übergingen. Motiviert wurde dieses Berlachren damit, daß Bernl>arÖ sich bet seiner Berufung mittels Reverses der Fakultät gegen­über oerpflick)tet hatte, sich der herkömmlichen Verteilung der Haupworleiungen seines Faches durch Die Ordinarien zu fügen. Professor Bernhard ließ sich deshalb Semester um Semester übergehen, bis er.schließlich in der Erkenntnis, daß er eine Aendecung der bestehenden Praxis keinesfalls zu erwarten habe, zu Ansang dieses Wintersemesters er­klärte, daß er (id) an die eingegangene Verpslichtung nicht mehr gebunden erachte und em Kolleg über angewandte Marwucrlokonomie lesen werde.

Damit aber hatte er es mit den älteren Fachkollegen

Nachdem aber nun einmal Herr Bernhard ordentlicher Prosessor der Volkswirtschaft in Berlin geworden war, weil Die Fakultät seiner Berufung keinen Widerstand ent»

zwischen Bernhard und Sehring ausgetragen werden. Es sollte also derjenige wlsseiischastltch Recht behatten, der den anderen niederschoß ober kampfunjähig machte. Herrn Lud­wig Bernhard, dem Manne, der dieses neueste Mittel erfand, steht die Wdittvelt weniger verständnisvoll gegenüber als zuvor.

Vie italienischen Finanzen.

Rom, 3. Dez. In der Kammer trug Schatznnnister Te­desco das Finanzexposä vor. Der im Etat 19U9/10 vorge­sehene Uebersclxuß von 48 Mill. Lire ermäßigte sich in­folge der später erlassenen Gesetze auf 26 Millionen. Der Rechnungsabschluß ergibt^ jedoch einen Ueberschuß von bei­nahe 51 Millionen; dafür werden aber 35 Millionen für die Verbesserung des Post-, Telegraphen- oder Telephon­dienstes, sowie für die Opfer des Erobebens im Dezember 1908 verwendet. Der Etat für 1910/11 wies einen Ueber- schuß von 47 Millionen auf, der infolge der durchaus be­rechtigten höheren Veranschlagung der Einnahmen auf 94 Millionen stieg. Die Getreidezvlle sind mit 80 Mil­lionen veranschlagt. Für bte Bekämpfung der Cholera in Neapel und die Hilfsaktion anläßlich des Wolkenbruchs am 24. Oktober 1910 sind Mehrausgaben von fünf Mil­lionen entstanden, wobei ein Fehlbetrag von 23 Millionen infolge der verniehrten Schuldentilgung bereits be­rücksichtigt ist. Die Getreidezölle sind um 15 Millionen niedriger veranschlagt als im Vorjahre. Der Heeresetat für 1911/12 weist eine Erhöhung von 12 Millionen auf, der jedoch die Ersparnis von vier Millionen bei der Ver­waltung, Verpflegung und Ausrüstung der Truppen gegen­übersteht.

Der Marineetat tft 11 Vr Millionen höher, pvn denen jedoch an Ersparnis vier Millionen abgehen. Nicht berücksichtigt sind in dem Etat die finanziellen Wirkungen der Gesetze, die zurzeit dem Parlament vorliegen, ober ihm demnächst vorgelegt werden sollen, z. B. das Gesetz über den Volksschulunterricht, das italienische Schulwesen im Auslande, die Errichtung einer Drbeitsbank, die körper­liche Ausblldung der Jugend, die Chinaexpedition, die Uni* versitätsbauten in Rom, sowie Besserstellung des Eisen­bahn-, des Post- unb Telegraphenperjonals. Angesichts ber günstigen finanziellen Verhältnisse von 1910/11 soll eine Summe von höchstens 12 Millionen aus bem außer- orbentlichen Heeresetat für 1911/12 aus bem Etat bes Vor­jahres übernommen werben. Insgesamt können bie außer- etcttsmäßigen Ausgaben für 1910/11 auf 39 Millionen, für 1911/12 aus 41 Millionen geschätzt werben, wodurch der Ueberschuß von 1910/11 unb für 1911/12 aus 10y8 Millionen sich ermäßigt. Von jenen 55 Millionen werben aber 47 Millionen für Erbdebenschäbigungen unb eine Million als letzte Ratte ber außerorbentllchen postaliscL)en Ausgaben aufgewendet werden, so daß als tatsächlicher Ueberschuß sieben Mlllionen verbleiben.

eonniag<* - Beilagen: viermal roöcbnitltdi OstbtnerFamiUendlätter jrvrunul iPÖdx-nll.Kttls- ziiktlittdeN Lrch-letzen (Ttenötofl und Frei «ach; avtimol monnll. £«nb= vlrlfchaftlichr Seitfraae« gtndpifd) - Anlckttüh«: für die Redakttan 111 __

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I einer Zeit, die sich bewußt ist, wie tief und nachhaltig

i die echte Volkskunst ihren Wett zu beeinflussen vermag, in einer i Zeit, die tvotz aller Gesundung immer noch neurasthenisch zerrüttet - unb vernervt ist, muß ein Künftler wie Robett Kot he aus das überreizte GenäU wirken, wie ein sonniger, duftender Früh-

\ lingslag nach grauen Winternebel Wochen. Ein Keim entfaltet i sich und bncht durch die braune Erde, hundette und Hunderte folgen.

i es blüht ringsum die Flur, Sang und Sehnsucht schläft in ' ber Luft, blasse Wolken treiben über das tiefe Blau des Himmels, Wald und Berge leuchten wett, wett hinaus gehl der trinkende

! Blick. ... Da llingts heraus vom Tal, leis und lind, aus ! Diädchenstimmcn kommts heran, gaukelt und schmeichelt und scheut und klagt . . . Das Fühlen wird Ton und Klemg ... das Leben : wird Lied. ... Und es klingt und singt von Mai unb Siebe hon süßem Kosenunter ber Linden an der ^ibe'', oon Q>lürf unb Leid, von Minne und Weh .... Jung, mit frischen -oaacn

' unb klaren Augen; frei der Nacken und kühn der Blick .ttunzt das ' Volk im Kreise, rundinelle, rulla!" Hoch hebt sich die Brust, , ich seh das Volk in seiner Freude, mit derben spanen, mit * funbem, blinkendem Lachen, dicht geschatt um die schattende Luwc, unb einer singt von feiner Liebe, seiner sehnsüchtigen, fchmerzo^llen Siebe, und alle stimmen rin mit ihm, deim er singt ihr eigenes Weh. Und ein anderer singt, und es ist rin anderes Sud, ein Lieb von der Freude, vom lustig sein; und alle lachen, denn was er singt, eS ist ja ihr aller Freude, ihr aller Glück

Darin scheint mir der wesentlichste Unterschied zrvischen VolkS- ttnb Kunslpvesie zu liegen, daß die ^lkSpoesie a l l e bezwinat, während die Kunstpoesie immer nur gewisse GcsellschaftStteife beeinflußt unb über dnese hinaus an Wett verliert ?0iauS ergibt sich, daß die Kunstpoe-jie sich dem Sehen und dem Fahlen bes Volkes entzieht, während die Volkspoesie hoch und mebng, arm und reich, zu einer einzigen Gemeinde vereinigt. Zwifchen der Kunst des Volkes und der der Gebildeten fhbt, menn auch nicht immer, so doch vielsach, die Kunjt Robett K o t h e s, des viklbewundetten Meisters des Lautenspieles. Er bringt seine alten und neuen Volkslieder mit neuen Wrisen, die sich der allen Rhytmik wunderbar anpassen und uns bis fast auf den Grund des mittelalterlichen Kunst- und Lebensgefühls schauen lassen, ^ch bente habet vornehmlich an bas prächtige Liebeslied W a 11 c r s hon her Vvg esweide. Unter der Linden, dessen alte toing- weise uns leider verloren gegangen ist. Die innige Melodtt, die in den huiftooll einfachen Motten Walters webt und wirkt, find, wie rin großer Tifck der übrigen Volkslieder, von Robert Kothe selbst reizvoll lertont. In der Att nun wie Robert Kvthe Dor^utraqen weiß, stelle ich nur die alten Spiellente wollten chn von

Weiter wies der Finanzminister auf den wirtschastlicben Aufschwung des Landes hin, der in der Erhöhung der Eisen- und Stahlproduktion, der vermehrten Sct)ifisbewe- aung in den Häfen und dem Anwachsen oer Postsparkassen- sjrsz« öeDiiigungcn scheiterte. ---------

Bezügen eines ordentlichen Professors errichtet wurde, hatte die p!>ilosoMfche Fakultät Ursache, sich diesen liebet» Hnss bes perußischen Kultusministeriums zu verbitten. 9Hd)t etwa deshalb, weil Professor Bernhard ein Gegner deS von den Berliner Ordinarien Wagner, Schinoller und Sehnng vertretenen Staotssozbasismus ist, sondern weil bic Fakultät nach den wissenfcl-afilitt-en Leistungen, die Benibard bisher aufzuweisen batte, ihn, wenn die Regierung

den Kieler Professor üjr zur Besetzung einer solchen Stelle orbnungsgemäß vorgeschlagen bätte, gar nicht gewählt Ijtibcn würde. Herr Ludwig Bernhard zog, 31 Jahre alt, mit dem Titel unb den Bezügen eines ordenttichen Professors in bw Alma matter Derolinensis ein.

gttf en gesetzt hatte, konnte man von ben Herren Wagner, Schmoller unb Sehrina verlangen, daß sie den Benjamin aus Kiel nun auch als wirklici^n Kollegen behandelten.