Turnen mit seinen zerrissenen Strümpfen geschämt habe. Der schwere Diebstahl wurde mit der Minimalstrafe von 3 Monaten Gefängnis geahndet, während für den einfachen 6 Tage angesetzt wurden, woraus das Gericht eine Gesamtstrafe von 3. Monaten und 3 Tagen bildete.
Storung einer Leichenfeier
und Beleidigung hat den Taglöhner A. H. aus Ilbenstadt vor Gericht gebracht. Als am 18. Juni em Nachbar von ihm beerdigt wurde, ließ der Angeklagte während der Einsegnung ver Leiche durch den Geistlichen auf der Straße Ruse ertönen, Die zwar nicht verstanden wurden, aber doch die Feier störten. Er folgte dann dem Leichenzug nach dem Friedhof und stellte sich hinter die Friedhofsmauer. Als der Krieg erverein am Schluß die üblichen Ehrensalven abaab, rief der Angeklagte dazwischen:
So ist's recht! Bravo! Thomas lebe hoch!" Als ihn der Polizeidiener auf Veranlassung des Geistlichen zur Ruhe ermahnte, erklärte er, die Polizei habe ihm nichts zu sagen; auch ließ er an ihn die landläufige Einladung ergehen. Der Angeklagte ist ein durch Trunksucht degenerierter Mensch, dessen geistige Minderwertigkeit offensichtlich zutage tritt. Die Störung auf dem Friedhof, die sich als Religionsvergehen darstellt, wurde mit 14 ^agen Gefängnis geahndet; für die Beleidigung des Polizeidleners wurde eine Woche Gefängnis in Ansatz gebracht und für die Störung während der Einsegnung der Leiche, was als grober Unfug auf- aesaßt wurde, erhielt er 3 Tage Haft. Die Gefängnisstrafe wurde auf 18 Tage reduziert und dem Beleidigten die .Publikationsbefugnis zuerkannt.
Vergehen gegen das Personeustandsgesetz
ist einem Standesbeamten (H. von Rodheim v. d. £>.) zur Last gelegt Er hat eine Eheschließung vollzogen, wobei sich herausstellte, daß die Braut noch minderjährig war. Diese war von unehelicher Geburt und hätte einen Vormund haben sollen, dessen Einwllligung hätte eingeholt werden müssen. Nach seinen Angaben ist ihm ein derartiger Fall noch nicht vorgekommen; er hat geglaubt, es fei wie in den meisten Fällen die Mutter, die sich mit der Verehelichung einverstanden erklärt hat, als Vormünderin bestellt Der Angeklagte kam M einer Geldstrafe von 3 Mark durch.
vermischtes.
r» Einen sehr gewagten Automobilscherz leistet stch ein reicher Sportsmann, Thio Ballu, und erzielt damit in Paris einen großen Eriolg. Bekanntlich ist seit einiger Zeit Mode geworden, an den Motorwagen, wie an den Schiffen, aber nicht an der Hinter- sondern an der Vorderseite Figuren anzubringen, wobei die seltsamsten Phantasien enthaltet werden. Batlu hat nun vorn an seinem Automobil einen Polizisten anbringen lassen, der dem Polizeivräiekten Lspme sehr ähnlich ist und der durch einen einfachen Mechanismus den bekannten weißen Stab 'schwingt, wenn er an einem .Sorgot' vorüberrast. Tie Pariser Polizisten sind stets in großer Verlegenheit, wenn das Automobil daherkommt, und tragen sich, ob sie grüßen oder Protokoll ausnehmen sollen. Solche Beispiele werden nach Erfahrungen stets in großem Maßstabe befolgt, und so wird man vielleicht bald alle Pariser Berühmtheiten als Schutzheilige der Automobile in Holzschnitzerei bewundern können.
Griginal-vrahtinelüungen.
Ein Eisenbahnausstand in Frankreich?
Paris, 8. Okt. 600 Eisenbahnangestellte hielten gestern abend eine Versammlung ab, in der sie sich verpflichteten, auf das Signal des Streikausschusses sofort die Arbeit niederzulegen. Wenn die Regierung nicht für eine Besserung der Lage eintrete, soll der Ausstand innerhalb der nächsten acht Tage ausbrechen.
Die Revolution in Portugal.
Lissabon, 8. Okt. Gestern wurde ein Erlaß veröffentlicht, nach dem sämtliche Jesuitenklöster aufgehoben werden. Das Jesuitenklo ft er Quelhas im Eftralloviertel wurde von Artillerie beschossen, weil aus ihm Flintenschüsse gefallen waren, durch die drei Soldaten getötet wurden.
Paris, 8. Okt. Magelhaes Lima soll mehreren Berichterstattern erklärt haben, daß die Revolution ein Ergebnis des letzten Republikanischen Kongresses sei, und daß London und Paris unterrichtet gewesen seien. Man habe also unter der moralischen Mitwirkung dieser beiden gehandelt. Diese N^richken werden von den Pariser Blättern entschieden widersprochen.
X. Han«u, 8. Okt. (Prrvattelearamm.) Das Be- kleidunasamt für das 18. Armeekorps, für das auch Hanau in Frage kam, wird in Mainz errichtet werden.
Madrid, 8. Okt. Ezguerdo, der kürzlich eine politische Reise nach Lissabon unternommen hatte, teilt mit, daß durch die Ermordung Bombardos, das liebere in kommen der pm> giesischen und spanischen Republikaner gestört worden sei, nach dem am 13. Oktober, dem Jahrestag der Hinrichtung Ferrers, in beiden Ländern die Erklärung der Republik in Aussicht genommen gewesen ser. Die provisorische Regierung werde höchstens drei Monate dauern. Der geistliche Unterricht werde sofort aufgehoben.
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