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8.10.1910 Erstes Blatt
 
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Samstag 8. Oktober 1910

160. Jahrgang

Erstes Blatt

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ZM General-Anzeiger sur «erhejsen WM tor Rotaflonsta«! und Verlag der vrühl'schea Unio.-Vuch- und Stdnöroderet R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Lchulstratze 7.

Die heutige Nummer umfaßt 18 Seiten.

(Lissabon

normal.

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v d, 7. Olt. Die Lage ist hier wieder __________ Die Straßenbahnen haben den Betrieb teilweise wieder ausgenommen. Die Muniziplagarde und die bürgerliche Polizei sind aufgehoben worden. Neue Polizeikorps werden gebildet werden. Für den Ad­miral Condido des Reis, den Führer der Aufständischen,

Alle sckwebenben politischen Tagesfragen wurden über­tönt durch den dunrpfen Einmarsch der Revolution in Portu­gal. Wie sich in der Nacht zum Menstaa die entscheidenden Vorgänge in Lissabon im einzelnen abgespielt haben, ist bis zur Stunde noch nicht -völlig klar, da die Revolution näre, in der Besorgnis eines auswärtigen Einschreitens, die telegraphischen Verbindungen unterbrochen hatten. Der Umsturz war aut vorbereitet, da Heer und Flotte alsbald sich ihm anschlossen. Nun fehlen zwar aus den Provinzen noch die Nachrichten, aber bei der allgenreinen Unzufrieden­heit im Lande, bei der totalen Unbildung des Volkes 80 Prozent der Portugiesen können nicht schreiben und lesen ist anzunehmen, daß der Schlag geglückt ist und die provisorische Regierung, die in einer Proklamation an das Volk bereits dieHeldentaten" der Befreier lobpreist, das Staatsschiff vorläufig beherrscht. Mit der Flucht der Königssamilie scheint die Dynastie Braganza-Sachsen-Eo- birrg-®otl)a freilich erloschen, das Königtum in Portu­gal dauernd beseitigt zu sein. Eine andere Frage ist es, vb fortan Orbnnng in das Land einziehen werde, das nie­mals aus seinen Wirren herausgekommen ist, und seit dem letzten Königsmord, am 1. Februar 1908, nicht weniger als 6 Ministerien aufgebraucht hat. Die Parteienmißwirtschaft z,ehrt in Portugal schon seit langen Jahren. Finanzielle Klemmen, in denen der Staat steckte, die Unehrlichkeit seiner Beamten bis in die höchsten Spitzen, die nur aus der Stactts- krippe fressen wollten, das waren Zustände, die immer herrschten, ob nunliberale" oderreaktionäre" Minister die Leitung hatten. Es ist mehr als zweifelhaft, ob die republikanischen Elemente die Macht und Fähigkeit besitzen werden, den Augiasstall zu reinigen. Was man von den neuen Ministern weiß, ermutigt nicht zu großen Hoffnungen.

Die provisorische Regierung der Republik sendtt ihren Gruß den Land- und Seetruppen, die gemeinsam mit dem Volke zum Wohl des Vaterlandes die Republik errichtet haben. Sie hat Vertrauen zum Patriotismus aller. Weil die Republik für alle da ist, hofft die Regierung, daß die Offiziere der Armee und der Marine, dieanderrevolutionärenBewegung nicht teilgenommen haben, sich im Hauptquar­tier einfinden werden, um auf Ehrenwort ihre Loyali- tät gegenüber dem neuen Regime zu versichern. Inzwischen werden die Revolutionäre alle ihre Stellungen zur Verteidigung und Befestigung der Republik behalten. General Carvalhaes ist zum Kommandanten der Division von Lissabon ernannt.

Die Flucht de8 König?.

Madrid, 7. Okt. Einer ein getroffenen amtlichen Meldung Ku folge ist an Bord der JachtAmelia", die die portugiesische Nationalflagge führte, die gesamte königliche Familie, also der König, die Königin-Mutter Amelia, die Königin-Witwe Maria Pia und der Herzog von Oporto in Gibraltar eingetroffen. Die Fürstlichkeiten gingen hier an Land, wo ihnen die Bevölkerung einen sympathischen Emp­fang bereitete.

Gibraltar, 7. Okt. Heute morgen um 8 Uhr flagg­ten die im Hafen liegenden englischen Kriegs­schiffe sowie der amerikanische KreuzerDes Maines" und schossen Königssalut zu Ehren der Königlichen Familie vön Portugal. Ein Offizier vom Stabe des Gou­verneurs begab sich an Bord der portugiesischen Jacht,, um den König Manuel zu begrüßen. Man glaubt, daß die königliche Familie an Land gehen wird.

Nach einer dem Reuterschen Bureau aus Gibraltar von einem Mitglied des Gefolges zugegangenen Nachricht be* sand sich König Manuel, als das Bombardement be­gann, im königlichen Palast. Dann begab sich der König nach Mafra und von dort nach Ericeira, wo er mit den übrigen Mitgliedern der königlichen Familie ^usammentraf. Von Ericeira begab sich die königliche Familie in eitern offenen Boot zu der königlichen JachtAmelia", die dann am Mitt­woch nachmittag 6 Uhr direkt nach Gibraltar in See ging. Das Wetter war ruhig und es wurden während der Fahrt andere Kriegsschiffe weder angetroffen noch gesichtet. Die Königinmutter war bis zur glücklichen Ankunft des Königs in Ericeira äußerst beunruhigt. Wegen der Plötzlichkeit der Unruhen hatte das Gefolge nichts mitgenommen und mußte erst in Gibraltar Kleider einkaufen.

Augenzeugen schildern die Abreise: In Ericeira gingen König Manuel und Königin Amelia an Bord. Der König verabschiedete sich mit Handschlag von der Fischerbevölke­rung. Bewegt, aber doch augenscheinlich froh, mit oem Verlust der Krone davonzukommen. Die Königin Amelia soll zähneknirschend mit Rache bei der Rückkehr gedroht haben.Ich traf bei dem Minister des Aeußern den brasilianischen Präsidenten Marschall Her­mes da Fonfeoa, der vom Bord des KreuzersSao Paulo" den Ausstand mit angesehen hatte. Sein Besuch hatte den Zweck, die Glückwünsche der brasilianischen Regierung dar­zubringen.

Madrid, 7. Okt. Canalejas Äußerte sich heute in einer Unterredung, die spanische Regierung habe von einem kürzlich aus Badajoz eingetroffenen Revolutionär über die Ereignisse in Lissabon verschiedene Einzelheiten erfahren. Nach dessen Mitteilungen seien der König Manuel und die Königin-Mutter Amelia $ur Zeit des Ausbruchs der Revolution nicht in Lissabon gewesen, sie seien aber von einem Führer der republikanischen Bewegung auf­gesucht worden, der ihnen den Schutz ihrer Perfon zuge- sichert und ihnen im Namen des republikanischen Komitees empfohlen habe, sich auf die an der Küste bei Ericeira liegende königliche Jacht zu bogÄben, an deren Bord sie sich wenden könnten, wohin es ihnen beliebe. Die Jesuit ten hätten nach den bei der spanischen Regierung eingelau^. fenen Meldungen in ihrem Gebäude erbitterten^ Widerstand geleistet und einen Soldaten, sowie einen« Republikaner getötet. Trotzdem hätten die Republikaner Nachsicht geübt und ihren Wohnsitz nicht niedergebrannt.

Die Mitteilung an die Machte.

Berlin, 7. Okt. Der portugiesische Geschäfts- träger setzte die d e u t s ch e N e g i e r u n g von dem Regierungs­wechsel in Portugal offiziell in Kenntnis.

Washington, 7. Oft. Daß Staatsdepartement hach die Note des Ministerpräsidenten Braga, in der die Prokla­mierung der Republik mitgeteilt wird, erhalten. Die Regierung hat die Note noch nicht beantwottet, weil sie die Republik in Portugal nicht eher anerkennen will, als bis die Stabilität des neuen Regimes erwiesen lst.

Perpianan, 7. Okt. Ein Teleqramm FigueraS befagtJ daß die Proklamation der Republik Portogal In Kataloniern mit Begeisterung ausgenommen wurde.

Oporto, 7. Okt. Die Proklamierung der Republik erfolgte, hier gestern, nachdem die Nummer des .Diario de Govera", , welche die Bildung der provisorischen Regierung enthielt, etnge- troffen war. Die Ruhe ist vollkommen gesichert. Der ehemalige- , Kriegsminister, General Pimentel Pinta, der Order erhallen hatte, sich beim Hauptquartier in Lissabon zu melden, : wurde verhaftet.

London, 7. Okt. Wie daS Reuter'sche Bureau meldet, wurde in Funchal auf Madeira die republikanische Fahne ohne , Zwischenfall gehißt.

Tic Dynastie Braganza-Sachsen-Coblirg-Golha.

1 beten letzter direkter Abkömmling Dom Manuel II. ist, kann aus keine lange Vergangenheit zurückblicken. Sie dotiert ; eigentlich erst aus dem Jahre 1853, wo ein Coburger als Dom Pedro V. (gest. 1861) nach dem Tode seiner Mutters- Maria da Gloria aus dem Hause Braganza, die mit dem Prinzen Ferdinand aus dem Hause Sachsen-Cobvrg-Goth«

1 vermäht war, den portugiesischen Königsthron bestteg. Ihm folgte Ludwig I. (gesch 1889), besser: Sohn der 1908 er*-

Der provisorische Präsident Theophil Braga soll ein Philosoph und Historiker sein, also kein Mann der Praris, und zwischen den Ministern Costa und Machado soll schon einegewisse Eifersüchtelei" bestehen. Soll aus den Ruinen neues Leben erblühen, so müßte eine sehr feste Hand Ste­greifen, ein lauterer, Unbeirrbarer Wille auch vor den zrößten Anfeindungen und Hetzereien nicht zurückschrecken, jb der liberale Geist einem Lande von so vielen Betrügern und Staatsmarodeuren die Rettung verheißen kann, Darf bestritten werden. Man sagt, der junge König Manuel sei ein willenloses Werkzeug seiner Berater gewesen, habe Vergnügungen den Staatsgeschäften vorgezogen. Es mag ein, daß dies die Revolution gefördert hat. In der Haupt- ache war es aber sicher die erbärmliche Parteiwirtschaft, ne in den wechselnden parlamentarischen Systemen nur eine allgemeine Wetträuberei darstellte, die der Agitation >er Revolutionäre den Erfolg gab. Ob bie neuen Sperren der Lage von besserer Art sind und ob sie sich behaupten können, wird die Zukunft erweisen._____________

Die Einrichtung der Republik in Portugal.

der Selbstmord verübte und für den ermoroeten Irren- hausdirettor Bomparda sollen Lei chen f e i er lich ke i- ten auf Staatskosten veranstaltet werden.

Die Regierung hat mehrere Offiziere angewiesen, sich im Hauptquartier in .Lissabon einzusinden, unter ihnen Vaconcellos, in Oporto ein Führer der Anhänger Francos. Bisher hat sich feine Bewegung zu Gunsten der rüHeren Regierung bemerkbar gemacht. Alle Maß­regeln werden ergriffen, um Ausschreitungen der Bevölke­rung und des Heeres zu verhindern. Die Leichen zweier ranzösischer Priester, deren Gebäude von der Bevölkerung angegriffen wurde, wurden nach einer Kirche gebracht.

Die Partei 'der biffentierenben Progres- iften löste sich auf, und ihr Fübrer Alpoim erklärte sich iir bie Republik. Auch die Truppen in der Provinz gehen mehr und mehr zu den Republikanern über. Als die Mi­nister von der tatsächlichen Macht Besitz ergriffen hatten, stellten sich saft alle früheren Beamten wieder ein. Die Polizei wurde im Augenblick des Revolutionsausbruches aufgelöst und die Polizeiwachen geplündert.

Der Vertteter derKöln. Ztg." meldet aus Lissabon: Die erste Arbeit der Regierung ist die Herstellung allgemeiner Ordnung; alsdann folgen die Kammerwahlen zur Genehmigung der neuen Versassuna und bie Präsi­dentenwahl. Als Präsidenten glaube ich den Führer der Alttepublikanischen Partei Dr. Bernardino Machado be­zeichnen zu können. Porto und sämtliche portugiesische Städte, soweit bis jetzt Nachrichten von ihnen eingetroffen sind, sollen jubelnd die Verkündigung der Republik be­grüßt haben. Die hiesige deutsche Kolonie ist glück­licherweise unversehrt. Die Landverbindung ist mit allen Städten unterbrochen. Das Mbel wurde soeben freige- gegeben. Wie ich höre, wurden die diplomattschen Ver­tretungen Portugals im Auslande, mit Ausnahme der Ge- andtschast beim Vatikan, bestätigt. Der Führer der auf­ständischen Truppen und republikanische Abgeordnete Can- bibo Reis verübte Selbstmord, als er im kritischen Mo­ment am Gelingen der Revolution zweifelte. Mit ihm verliert bie Republik den fähigsten Marineoffizier. Der Ausbruch der Revolution war ursprünglich aus Ende November.fest gesetzt. Durch bie Ermor­dung Bombarbas sowie ben Marschbefehl für die Kreuzer Don Carlos" undAdmanstor" wurde der Ausbruch der revolutionären Bewegung beschleunigt.

Eine Proklamation der provisorischen Regierung.

Die provisorische Regierung hat nach dem Pariser Temps" folgende Proklamatton erlassen:

An bas portugiesische Volk! Das Volk, die Armee unb die Marine haben bie Republik proklamiett. Die Dynastie der Braganza, die üblen Wollens und mit Absicht ben sozialen Frieden des Landes gestött hat, ist für immer aus Portugal rerbarmt. Diese großartige Heldentat, dieses denkwür­dige Ereignis, das ben Stolz einer kräftigen Rasse versinnbildlicht und die Erlösung der von jeher tapferen Nation bezeichnet, erfüllt das Herz der Patrioten mit Freude und Be- gersterung. Bürger! Der gegenwättige Augenblick ist der Preis und die Belohnung für alle überstandenen Kämpfe. Von allen Schmerzen und Drangsalen, die wir erlitten haben, bleibt nur das eine, daß dieser Tag der Beginn einer Epoche der Ehrlich­keit und unbestechlichen Gerechtigkeit ist. Machen wir aus unserem patriotischen Opfermut ben Grundsatz unseres politischen Programms und aus der Großmut gegen die Besiegten die Grundlage unseres moralischen Programms. Bürger! Nur ein einziges Interesse, das Interesse des Vaterlairdes, soll uns beseelen, und nur ein einziger Wille, der Wille, Großes zu voll­bringen, soll uns einigen! Die Republik Der traut auf das Volk, daß es die soziale Ordnung, die Achtung vor der Gerechtigkeit und die Anhänglichkeit an die gemeinsame Sache der Freiheit erhalten hilft. Befestiget in der Liebe und Opferwilligkeit das Werk, das aus der portugiesischen Republik hervvrgehen wird.

Der neue Zivilgouvern eur von Lissabon, Eusebiv Leao, hat folgende Proklamation erlassen:

An das Volk! Ordnung und Arbeü sind der Wahlspruch des Vaterlandes, das durch die Republik befreit worden ist. Von allen Bürgern Lissabons wird erwartet, daß sie die Ersten sind, um bie öffentliche Ruhe, die Achtung vor Leben und Eigen­tum der Portugiesen und ebenso der Fremden, welches auch ihre Stellung, ihr Beruf, ihre politische oder religiöse Meinung sein mag, aufrecht zu erhalten.

An bie Armee hat der Präsident der Regierung folgende Proklamation gerietet:

politische Wochenschau.

Gießen, 8. Oktober.

DerBassermwm-Dag" in Massel wird an tem toei­teren Anwachsen derroten" Flut nichts ändern, wenn der i nationalliberale Führer auch Bebels Mitteilungen bestätigte nnd die Kampfparole gegen die Umstürzler ausgab. An- aesichts mancher Verluste wurde zum Sammeln geblasen, und es ist in Her Tat ein Anblick von würdigem Ernst, daß auch bie Erwartung künftiger düsterer Tage nicht ver­mocht hat, Unfrieden und Meinungsverschiedenheiten unter bie Versammelten zu säen, daß man vielmehr trotz allem zu den ruhigen Aufgaben einer Mittelpartei zurückkehren wird. Herr Bassermann wünscht die Rückkehr des Bülow- Blockes, aber er mvchte sich wohl selber sagendas Schöne ist doch hin, das kehrt nicht wieder"', und in der Fordes nmg an die Regierung, jetzt endlich Taten sehen zu lassen, liegt bie wahre Avsung. Von blinder Leidenschaft darf sich bie Partei nicht führen lassen, die an des Reiches Einigung unb Festigung so tatkräftig mitgearbeitet hat, und man vernimmt es als eine verständige allgemeine Parole: weder links noch rechts geht der Weg. Selbst bie freisinnigeWeserzeitung" stimmt zu:Die Nationallibe­rale Partei hat getan, was ihrem Charakter, ihrem Zustanbe entsprach. Nach vernünftigem Urteil konnte sie gar nicht anders handeln, als in Kafsel geschehen. Sie hat eine große Aufgabe, die natürliche Aufgabe einer Mittelpartei. Wird sie dieser untreu, so erleiden auch wir einen Verlust. Es ist undenkbar, daß die ganze Wählerschaft mitgeht. Wendet sie sich offiziell nach links, so fallen große Scharen in die Arme der Rechten. Marschiert sie nach rechts ab, so schwellen unzweifelhaft die Cadres der Linken an, aber solchem Gewinn der engeren Parteipolitik steht ein schwerer Verlust gegenüber: die Sck)wächung des Gesamtliberalis­mus. Wir wollen lieber 80 Freisinnige und 100 National- | liberale im Reichstag sehen, «als 100 Freisinnige und 50 Nationalliberale." Natürlich wurde, wir haben darüber berichtet, aus demselben Kager auch Mißbilligung laut. Aber es ist doch zweifellos richtig, daß die erneut ver­kündete mittlere Stellung der nationalliberalen Partei die positive Arbett in den Parlamenten fördert, vorausgesetzt, daß jetzt die Regierung wirklich bie Notwenbigkeit erk. unt, gleichfalls kräftig mitzuarbeiten. Dann werben bie Kon­servativen, bie in ihrer Mehrheit im sttllen wohl wünschen, manches Vergangene wäre ungeschehen aeblieben, gegen neue Reformen in der Steuer- und Wahlgesetzgebung lich nicht länger sperren können.

Der seit Wochen gefürchtete Riesenausstand in der Metallinbustrie ist vermieden worben durch ein besonnenes Nacl)geben der Arbeitgeber (in der Werftinbustrie. Dort hatte bekanntlich die Bewegung ihren Ausgang genommen, tnbem die Arbeitgeber ihren Gesamtverbanb auf den Kampf­platz entboten und btinrit gedroht hatten, im Falle des Aus­standes der Werftarbeiter sechzig Prozent der Arbeiter in der gesamten Metallindustrie auszusperren. Die Zugeständ- msse der Arbeitgeber sind ziemlich erheblich, so daß sogar derVorwärts" diesiegreichen" Arbeiter beglückwünscht. Aus den drei strittigen Gebieten haben die Werftarbeiter Vorteile erlangt: dre Stundenlöhne wurden erhöht, bie Arbeitszeit würbe gekürzt, und enblich ließen bie Arbeit­geber auch ihren Widerstand fallen gegen die geforderte Zusammensetzung der Arbeiterausschüsse. Das überraschende Einlenken ist wohl dem dringenden Bedürfnis der Werften zuzuschreiben, ihre bisher immer unglückliche Geschäftslage zu heben und die Anfänge zu einer besseren Konjunktur auszunützen. Hoffenllich dauert diesmal der Friede länger als nach der letzten friedlichen Abmachung. DerVor­wärts" hat in seinem großen Siegesartikel bisher noch keine neuen Zukunftsfvrderungen genannt, und bie Arbeiter scheinen eingesehen zu haben, baß ihre ursprünglichen An- spttiche doch etwas zu weit gegangen waren.