Ausgabe 
8.4.1910 Erstes Blatt
 
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in altert Räumen einen vortrefflichen Eindruck machte. Nach' dem Abendessen begäben sich die Herrschaften wiederholt auf die Veranda, um die erleuchtete Stadt zu betrachten. Heute herrschte schon von ftüh an reges Leben. Vom Gebäude wehten die Standarten des Käisers und der Kaiserin, und die Prinzenstandarte herab, sowie die türkischen, deutschen, preußischen und bayerischen Far­ben. Am Fahnenmast des Pförtnerhauses flattern unterm Heimatwimpel die. Iohanniterstaudarte, die Flagge des Hauses mit dem Oelberglreuz und die Standarte desHerren- meisters. Vor dem Hospiz liegt in Zelten eine türkische Infanterieabteilung als Wache.

Im Laufe des Vormittags besichtigte das Prinzenpaar Eitel Friedrich die mit Blumen bestreute Grabes kirche, wo es außer von den drei Patriarchen vom Custode di Ter- .rejanta empfangen wurde. Auf dem Rückweg zum Oel- berg statteten sie dem Gouverneur Davidsburg einen län­geren Besuch ab. Für den Nachmittag ist ein Spazier­gang nach dem Oelberg beabsichtigt, während dessen die dort belegenen Gebäude, das russische Haus, die Himmel- fahrtsLapelle und die ^gternostertirche besichtigt werden sollen. Für morgen ist ein Ausflug nach Bethlehem und ein Besuch der Templerkolonie in Jerusalem geplant.

Deutsches Reich.

Aus Homburg v. d. H. wird gemeldet: Ter Kaiser unternahm am Tonucrstag vormittag eilten Spaziergang durch den Kurpark. Nachmittags machte der Hof mit Automobilen eine Ausfahrt bis zum Eingang in den Taunuswald und von da einen längeren Spaziergang bis nach Friedrichsdorf. Tie Majestäten kehrten von da über Oberursel im Automobil hierher zurück. Zu bemerken ist, daß das vom Großadmiral von Köster uberreidyte Erinnerungszeichen nicht als Medaille, sondern besser als Pia- kette zu bezeichnen ist.

Unter dem Vorsitz des Staatssekretärs des Reichsschatzamts sand am Donnerstag eine Sitzung des Bundesrats-Aus­schusses sür das Rechnungswesen statt, welcher der überwiegende Teil der bundesstaatlichen Jinanzmmister beuvohnte. Vornehmlich beraten wurde über die Grundsätze, welche bei bei Bemessung der Matrikularbeiträge sür die lausende Finanzperiode zu beobachten sein werden. Nach Schluß der Sitzung folgten die Teilnehmer eurer Einladung des Schatzsekretärs zum Frühstück. Unter anderen nahm für Hessen Finanzmimster Dr. Braun teil.

Die Einnahmen und Ausgaben derAnsiedlungs- k o m m r s s i o n i ü r P o s e n und Westpreußen feit ihrem Bestehen (1886) bis Ende März 1909 sind aus einer dem preuß. Landtage zugegangenen Zusammenstellung zu ersehen. Die Ein­nahmen in den 23 Jahren betrugen 166 304 650 Alk., die Ausgaben 558 563 904 'UZE., so daß 392 259 2ö4 Alk. Unlerbilanz verblieben. Für Grundstückserwerbung wrrrden fast 337 Millionen ausgegeben, für Bauten 52 Millionen, sür Gewährung staatlicher Tarleheir 18 Millionen Mark.

In Stuttgart sind etwa 250 organ. Gipser und Stukka­teure von deii Arbeitgebern ansgesperrl worden. Der Berhand- lungen mit den Arbeitgebern sind vollständig gescheitert.

Ausland.

Der ehemalige italienische Minister T i t t o n i wurde zum italienischen Botschafter in Paris ernannt.

Aus vatikanischer Quelle wird mitgeteilt, der Kar­dinalstaatssekretär Merrh del Val habe von der Bitte des Kölner Männergesangvereins um eine Audienz beim Papste erst Donnerstag ftüh aus den Zeitungen erfahren. Die Bitte sei gewohntermaßen an den päpstlichen Majordomus gerichtet worden, der sie nicht mehr habe berücksichtigen können, weil die Audienz in letzter Stunde für einen zu nahen Zeitpunkt erbeten worden sei. Das Staatssekretariat sei in der Angelegen­heit nicht gefragt worden, weil das Gesuch des Kölner Männer­gesangvereins keinen polittschen Charakter getragen habe.

Wie aus Paris berichtet wird, sei durch die Untersuchung gegen den Liquidator D u e z nunmehr mit Bestimmtheit fest- gestellt worden, daß dieser in vielen Fällen im Einvernehmen mit den aufgelösten Kongregationen borgegangen sei. So habe er mit zwei Aktiengesellschaften, die ihn auf Rück Erstattung zweier Klostergebäude verklagt hatten, einen Vergleich abgeschlossen, obgleich er gewußt habe, daß der größte Teil der Anteilscheine sich int Besitz ehemaliger Kongreganisten befinde und daß diese deshalb auf Grund deö Gesetzes vom Jahre 1901 lediglich als Strohmänner der aufgelösten Kongregationen auzusehen waren.

Wie aus Petersburg gemeldet wird, ist der Minister des Aeußern, Iswolski, zu einem mehrwöchigen Urlaub nach dem Ausland abgereist.

Ter König von Serbien verlieh dem ttirkischen Groß­wesir und dem türkischen Aiinister des Aeußern den Großkordon des Karageorgordens und den übrigen Ministern das Großkreuz des Savaordens.

Wie das Reuter'sche Bureau mitteilt, hat das Londoner Aus­wärtige Amt keinerlei Bestätigung erhalten, daß die Kaiserin Tai tu den Schutz der englischen Gesandtschaft verlangte und daß dieser ihr verweigert worden sei. Es wird erklärt, das Gerücht sei wahrscheinlich auf den bei der englischen Regierung einge- gangenen Bericht zurückzuführen, daß die Kaiserin an das ge

ftorbenm Soldaten befanden sich vier Nichtraucher, vier, die nur wenig rauchten, und bloß ein Raucher. Da die Gelegenheitsraucher zu den Nichtrauchern gezählt werden müssen, ergibt sich das Ver­hältnis, daß von den Erkrankten 74,3 Proz. Nichtraucher, 25,7 Pr-oz. Raucher sind. Hier muß auch bemerkt werden, daß die Zahl der Raucher im 41. Infanterieregiment sehr groß ist, und zwar rauchen 94,4 Ptoz., 5,6 Proz. betragen die Nichtraucher, und gerade diese wurden vornehmlich von der Krankheit befallen. Im Znstftut Pasteur steht man der Theorie des Tr. Kermabon skepttsch gegenüber.

Seltsame Kraf lwagen. Auch im KraftwagensPort findet die Sensationslust der Gelangweilten ein Feld, auf dem sich sonderbare Launen austoben können. So hat sich eine reiche Amerikanerin jetzt einen Kraftwagen bauen lassen, ein reizendes kleines Gefährt, das chus ihre Figur genau abgestimntt ist. Ein anderer Freund, ein Herr aus Kalkutta, hat sich mit einem Kostenaufwand von 50 000 Mark ein seltsames Fahrzeug bauen lassen: das Gehäuse des Wagens Ijot die Form eines riesigen Schwans. In die Augen sind große Linsen vingesetzt, die nachts elektrisch erleuchtet werden. Ter Schnabel ist so gebildet, daß burri ihn die Tärnvse mit einem zische irden Geräusch entweichen, die an das Schnattern des Schwans gemahnen. Wenn man nachts im dunklen Forste diesem daherbrausenden Ungetüm be­gegnet, mögen Abergläubische sich dreimal bekreuzigen. Mcht weniger als abenteuerlich ist der Einfall eines Kanadiers, der seinem Kraftwagen die Gestalt eines Pferdes borgebaut hat, so daß fein Auto rm ganzen wie eine regelrechte Droschke aussieht. Die Huppe mundet im Mund des Pferdes, naMs dienen die Augen als Laternen und erstrahlen in pharftastischjein Grün und Rot. Aber es gibt auch Neuheiten, die mehr praktischer Natur sind. -Ter verstorbene König Leopold hatte sich für 120 000 Mark einen Wagen bauen lassen, der eine Art fürstlichen Zigeunerwagens bar» stellte. Tenn der Wagen enthielt ein entzückendes.Schlafzimmer, einen Salon und ein kleines Zimmer für den Kammerdiener des Königs. Auch der französische Schokoladcnkönig Menier hat sich ein regelrechtes kleines Hotel auf diäbem bauen lassen: fein Wagen beherbergt ein Schlafzimmer mit zusammenklappbaren Bet­ten, das am Tage als Salon dient, ein Ankleidezimmer mit Bad und eine Küche. Aber diese Idee hatte ihm scl>on drei Jahre ftüher der reiche Fabrikant de Fabreques aus Marseille vorweg genommen, der eine Reife durch Europa m feinem tastbaren Kraftwagen machte, das ebenfalls Salon, canaszimmer, Ankleidezimmer und am Hin­teren Teil des Wagens eine vollkommene Küche mit Kochherd und Speisekammer besaß. Sogar bei Spültisch war in dieser rollenden Villa nicht vergessen.

famte diplomatische Korps in Addis Abeba appellierte, zu ihren Gunsten einzutreten und daß alle Mttglieder dies abgelehnt hakten.

Aus Teheran wird über Petersburg gemeldet: Die Lage des Kabinetts ist erschüttert. 'Der MinisterbesAeußern hat seinen Abschied eingereicht.

Aus Kairo wird gemeldet: Der gesetzgebende Rat sprach sich nach längerer Aussprache mit 66 gegen 1 Stimme gegen eine Erneuerung der Wirtschaftsrechte der Suezkanal- Gesellschaft aus. Die Entscheidung wurde von der draußen stehenden Volksmenge mit großer Begeisterung auf genommen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 8. April 1910.

Aus der Sitzung der Stadtverordneten.

Unsere Stadtväter waren gesternt in ungewöhnlich großer Zahl versammelt und erledigten nicht nur den Voran­schlag für das laufende Verwaltungsjahr, sondern auch noch zahlreiche übrige Gegenstände. Dennoch kann von einer Turchpeitschung" des Voranschlags nicht die Rede sein, denn seine Beratung dauerte nahezu drei Stunden. Trotz­dem wurde an den Zahlen des Voranschlags von der Versammlung nichts geändert. Es wurden nur zahlreiche Wünsche und Beschwerden vorgebracht, wozu die vielen Titel (Unterabteilungen) des Voranschlags förmlich an­reizen. Man kann nicht sagen, daß, dabei besonders große Geftchtspunkte zutage'traten, wie es ja bei einer ordnungs­mäßig geführten modernen Stadtverwaltung und bei dem weitgehenden staatlichen Aufsichtsrecht nicht anders sein kann. Auch die den breitesten Raum einnehmende Aus- sprache über die Entlohnung und Behandlung der städt. Arbeiter, die vom Stadtv. Krumm eingeleitet wurde, entbehrte des großen Zuges. Tas lag wohl daran, daß Herr Krumm seine Ausführungen durchaus auf die ein- feitigen Darstellungen ber jicl) beschwert fühlenden Arbeiter aufbaute, und es war dem Stadtbaumeister Braubach mög­lich, alle vorgebrachten Einzelsälle befriedigend auszuklären. Besser schnitt Herr Svrumm mit seiner Bemängelung des neuen Lehrplans der höheren Töchterschule ab, in der er die Erhöhung der Pflichtstundenzahl von 30 auf 33 Stunden wöchentlich als Ueberbürbuitg bezeichnete und bedauerte, daß der Besuch des Handarbeitsunterrichts in das Belieben der Schülerinnen bezw. ihrer Eltern gestellt sei. Eine Neuheit für Gießen bübete schließlich noch die Erklärung des Stadtv. Krumm, daß er bei der Vornahme einer Schlußabftimmung über den gesamten Voranschlag gegen die Annahme gestimmt haben wurde. Außer der Voranschlagsberatung, ^die, wie unsere Leser schon wissen, erfreulicherweise ohne Steuererhöhung abschlc^, beschästtgte sich die Versammlung hauptsächlich mit dem Sommer- sahrp lan der elektrischen Straßenbahn. Er bringt neben ber Einführung von zwei Standwageu an dem Bahnhof noch verschiedene andere Verbesserungen, B. einen frü­heren Beginn des Betriebes und die Ausdehnung der Fahr­ten zum neuen Friedhof bis 7 Uhr abends, allerdings unter Fortfall des Vormittagsverkehrs dorthin. Für die rote Linie wurde fast allseitig gewünscht, daß alle Wagen bis zum Schützenhaus, mindestens aber bis zur Siechenanftalk ge­führt werden sollen. Ein dahingehender Beschluß, der die Anschaffung von einem oder Mei neuen Wagen erforderlich macht, wuroe nahezu einstimmig gefaßt. Erst gegen 8 Uhr war'die Sitzung beendet.

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Vom Großh. Hofe. Prinz Heinrich von Preußen hat sich gestern vormittag von Darmstadt im Automobil nach Kiel zurückbegeben. Die Prinzessin Heinrich von Preußen reist am Abend ebenfalls dorthin zurück.

** Ernannt wurde Kart Friedr. Vogel aus Vilbel zum Obergärtner bei der Badeanstalt Bad-Nauheim.

** Lehramtspersonalien. Der Grosi­tz er z o g tzat den von dem Fürsten zu Isenburg und Büdingen in Birstein präsentierten Leyramts- assessor Dr. Rud. Wagner zu Offenbach als Oberlehrer an der Oberrealschule zu Offenbach bestätigt und zu Ober­lehrern ernannt den Lehramtsasiessor Friedr. Bender an der Oberrealschule zu Alsfeld, den Lehramtsassessor s2Q)am Dörr an der höh. Bürgerschule zu Neu-Isenburg, den Lehramtsassessor Karl Ens grab er an der Real­schule und dem Progymnasium zu Bingen, den Lehramts­assessor Friedr. Fischer an dem Gymnasium zu Offen­bach, den Lehramtsassessor Wilh. Ko ch an der höh. Bürger­schule zu Rimbach, den Lehramtsassessor Dr. Eug. Mann­heimer an der Oberrealschule zu Mainz, den Lehramts­assessor Fritz Mnlcy an der Oberrealschule zu Alsfeld, den Lehramtsasiessor Karl Naumann an der höh. Bürger­schule zu Dieburg, den Lehramtsassessor Hch. Pröscher an der Oberrealschule zu Mainz, den Lehraintsassessor Jak. Rodri an an der höh. Bürgerschule zu Dieburg, den Lehr- amtsassesior Alex. Weide an der höheren Bürgerschule zu Groß-Gerau, den Lehramtsasiessor Gg. Zimmermann an der höheren Bürgerschule zu Schotten. Inder Darm­städter Zeitung ist halbamtlich zu diesen Ernennungen zu lesen: Angesichts der schwebenden Frage, ob uni) wie etwa in der Staatsverwaltung künftighin mit einer vermin­derten Anzahl von Beamten auszukommen wäre, hat die Regierung anfangs Bedenken getragen, die frag­lichen Stellen jetzt schon zu besetzen. Doch mußten diese Bedenken hinter folgenden Erwägungen zurücktreteu: Bis zum Augenblick sind 469 mit akademisch gebildeten Lehrern zu besetzende Stetten an den staatlichen höheren Lehr­anstalten als dauernd notwendig anerkannt. Von diesen 469 Stellen sind auch nach den jetzt vollzogenen Ernen­nungen nur 409 mit Oberlehrer besetzt, während 60 auch weiterhin von Lehramtsassessoren provisorisch verwaltet werden müssen. Sollte man daher wirklich demnächst zu der Ansicht gelangen, daß die Gesamtzahl der akademisch gebildeten Lehrer ohne Schaden für den Dienst vermindert werden könne, so böte das Vorhandensein dieser verhältnis­mäßig sehr großen Zahl nur provisorisch besetzter Stetten ausreichende Freiheit der Entschließung. Zieht man vollends die akademisch gebildeten Lehrer an den höheren Bürger­schulen mit in Rechnung (wo die Zahl der provisorischen Stellen reichlich ein Drittel der Gesamtheit beträgt), so springt in die Augen, daß die Möglichkeit etwa als er­forderlich erkannter Verminderung in weitem Umfang ge­wahrt bleibt. Uebrigend mußte bei den Entschließung^! der Regierung auch in Betracht gezogen werden, daß seit den letzten Jahren eine stetig zunehmende Abwanderung tüchtiger junger Lehrkräfte in andere Bundesstaaten statt- ftndet, die je länger, je mehr auf den Schulbett ieb nach­teilig einwirken muß. Zu dieser Abwanderung würde man, nicht zum Vorteil des Dienstes, verstärkten Antrieb geben, wenn man Oberlehrerstellen, für welche die Mittel bewilligt sind und bereit liegen, dauernd unbesetzt lassen wollte.

** Bei der land- und forst wir tschaftl. Be­rn f s g e n o s s e n s ch a f t für Hessen sind im 1. Viertel­jahr des lausenden Jahres 727 Unfallanzeigen eingegangen. In 456 Fällen wurde erstmalig eine Entscheidung festge­

setzt, darunter in 18 Fällen das gesetzliche Sterbegeld ober eine Angehörigenrente gewährt, weil die Verletzung den Tod zur Folge gehabt hatte. Von dem Recht der Üeber- nabme einer Kranlenhausbehanblung wurde in 60 Fällen Gebrauch gemacht und diese llnfallvcrtetzten einem Kranken- hause oder einer für die Nam: Handlung eingerichteten Privatanstalt überwiesen. Die der Berufsgenossenschaft an- gegliederte Haftversickierungsansialt weist zurzeit bereits 55 000 Mark als Reserve nach.

"Eine Mahnung an Spaziergänger. Jetzt, wo die Schönheit der Natur und der Sonnenschein Jung und Alt ins Freie lockt, scheint die Mahnung am Platze zu sein: Schont die Wiesen und Fruchtfelder! Das un. befugte Betreten ist verboten und mit Recht sieht das Straf, gesetzbuch eine erhebliche Strafe vor. Mancher Landwirt muß in jedem Frühjahr immer wieder Klage führen, bafc ihm infolge Betretens der Grundstücke durch Unbefugte, die auf den Wiesen und Feldern ohne Bedenken rneue* Wege anlegen, ein empfindlicher Schaben zugefugt wirb. Möge dieser Hinweis die Spaziergänger zum Nachdenken anregen darüber, baß es nicht schicklich ist, anderen Menschen aus Gedankenlosigkeit oder Bequemlichkeit Nachteil und Schaben zuzufügen.

" Ueberfahren. Die Unsitte der Kinder, sich an fahrende Wagen hinten anzuhängen, mußte gestern ein 7jäh. riger Junge in der Kaiser-Allee schwer büßen. Er hatte sich an einen Milchwagen angehängt und als er abjprang, lies er einem aus der entgegengesetzten Richtung kommenden Radfahrer direkt in das Rad und wurde überfahren. Er erlitt dabei Verletzungen im Gesicht und mußte in ärzt­liche Behandlung genommen werden. Auch der Radfahrer, den keinerlei Verschulden trifft, kam zu Fall und beschädigte sich, auch wurde das Fahrrad beschädigt.

** Unfall. Der Landwirt Scv.neidmüller .aus Leihgestern fuhr heute vormittag mit einem mit einem Pferde bespannten und mit Treber beladenen Wagen durch die Ost-Anlage. Als er auf den im Gang befindlichen Wagen steigen wollte, glitt er aus und kam unter die Rüden Er erlitt einen Beinbruch und wurde, nachdem ihm ein Notverband angelegt worden toar, von Mannschaften der Sanitätskolonue in die chirurg. Klinik gebracht.

Die Riaul- und Klauenseuche war am 1.April überall in Deutschland bis auf einen Fall in dem west- preußischen Regierungsbezirk Marienwerder erloschen.

-l. Garbenteich, 7. April. Schwere Unglücksfälle trafen die Familie Hepding. Der ältesten Sohn verunglückte kürzlich un Bergwerk bei Gießen, so daß er heute noch in der Klinik liegt. Tie elijäljrige Tochter erlitt heute schwere Brandwunden, so daß sosott ärztliche Hilfe gerufen werden mußte.

!! Steinfurth, 7. April. Auf der neueröffneten Mettertalbahn machen sich verschiedene Mißstände bemerkbar, die für die Reisenden sehr unangenehm sind Die Anschlußverbiudungen mit der Main-Weser-Bahn sind gerade bei den Hauptzügen sehr schlecht und der Zeitraum zwischen der Anttmft auf der Station Bad-Nauheim und der Abfahrt von der sog. Haltestelle der Wettertalbahu ist so knapp, daß es nicht möglich ist, direkt Anschluß zu er­halten und so ost stundenlanges Warten nötig ist. Dabei sind die Reisenden Wind und Wetter ausgesetzt, da noch nicht einmal eine Schutzhülle, viel weniger ein Warteraum rorhanden ist. Auf freiem Felde muß eingestiegen werden und wer Gluck hat und ortskundig ist, fann in schnellstem Lauf vom Bahnhof in 5 Minuten nach dem Abfahrtspla^ der neuen Bahn gelangen, vorausgesetzt, daß ein vorhan­dener Privorweg offen ist. Ist er aber gesperrt, so muß man die Frankfurter Chaussee entlang gehen. Außerdem ist ber Absahrtplatz nur mit einer einzigen Laterne versehen und ist es ein Glück, daß die Signal-Laternen am Rödger Weg> und die Beleuchtung der Jrnber'schen Wirtschaft es er­möglichen, ftemden Leuten den Weg zur neuen Bahn zu zeigen. Wie es heißt, soll erst Abhilfe geschaffen werden, wenn eine Einigung der Staatsbahn mit ber Gesellschafts­bahn bezüglich der Unterführung der Maiu-Weser-Bahn paitgefunbeu und diese fertig gestellt ist. Aber diese Fertig­stellung wird nicht eher erfolgen, bis der neue Güterbahn- Hof in Bad-Nauheim vollendet ist und bis dahin können noch zwei bis drei Jahre ins Land gehen. So lange kann nun unmöglich dieser Zustand dauern; kein richtiger Weg nach der neuen Bahn, ein gefahrvoller Uebergang über dic M ain-W es er-Bahn und schließlich noch nicht einmal einen Aufenthaltsraum für die Reisenden, wenn diese es nicht vor- ziehen, in eine Wirtschaft eiuzukehreu. Man kann doch wohl verlangen, daß auch eine Privatgesellschaft zum Schutz ihrer Reisenden die notwendigsten Schutzmaßregeln trifft. Im übrigen läßt sich der Per,onenverkehr auf ber neuen Strecke besser an, als man erwartet hatte.

!! Friedberg, 7. April. DerVerein der Hunbe- freunde Wetterau" (Sitz Friebberg), welcher im Januar d. I. eine 5Zundeschau abhielt, veal'sichtigt, im Laufe des Sommers wiederum eine Huudeschau für Hunde des Kreises, Fried­berg abzuhalten.

L. Friedberg, 7. April. Vom 1. April au verkehrt in der Richtung FriedbergRamstabt vier meist starkbesetzte Kraft- wagen-Piosten, dic auch viermal zurückfahrcn. Tie morgen statt­findende Sitzung ber Friedberger Handelskammer wird sich triebet mit dein schon lauge geplanten Projekt einer Eisenbahn Verbindung Fr icd ber g - Ra m sta dl befassen und cs ist wohl anzunehmen, daß bie Bahn gebaut wird, zumal bas Eiu- fahrge'leiie in dem Plane des neuen Bahnhofs schon festgelegt ist Die Automiobilpvst FriebbergOckstadt geht vom 1. April dreimal am Tage hin und zurück.

Wetzlar, 7. April. Ein Unfall, ber auf Unvorsichtig­keit zurückzuführen ist, hat sich n. d. »Wetzl. Anz.* heute morgen hier ereignet. Der Lehrling Liehm von hier hatte, als er mittels eines Rades Brätchen ausfuhr, ein ge­ladenes Terzerol in ber Tasche. Durch irgenb einen Zu­fall ging bie Waffe los unb bie Kugel brang bem Burschen in ben Unterleib. Trotz seiner schweren Verletzung tonnte Diehm noch absteigen unb bas Rab von ber Unfallstelle (Babeanstalt Hausertor) bis zum Etsenmarkt drücken. Dort brach er zusammen. Der sofort hinzugezogene Arzt orbnete die Ueberführung des Verletzten in bie Gießener Klinik an.

[] Marburg, 7. April. In Warzcnbach brannte gestern Nacht bas Gehöfte bes Lanbivirts Schlosser unb die Scheuer bes Landwirts Belte nieder. Nur ein geringer Teil des Viehes tonnte gerettet werden. Ein geistesgestörter Mann, der seit bem Branbe vermißt wirb, soll in ben Flammen um gekommen sein.

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** Das Standgericht bes Jnfantcrie-Regi" rnentsKaiserWilhelrn verhatldelie in der gestrigen Sitzung gegen den R e sc r v i ft« n Schw. aus Lüdenscheid und den Wehr-- mann Sch. aus Hülsäwttcii. Ersterer war angeklagt, die Herbst^ tontrollvcrsarnmluuL 1909 vorsätzlich versäumt zu haben. !TeV

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