160. Jahrgang
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General-Anzeiger für Gberhessen
Erster Blatt
STCÄ notaOonrtrafl ent Dtrtog 6a VMCIchkv Unlo..vuch. en» Sitinörttierti ll. langt. Beöaftlon, (ErpeöUloe unö bis vormiuags »iU)t tTPeMtion für Büdingen: vahnhosftrabt (6a. - Celephon Nr. 50.
Nr. 261
Der -letzener TCwylm erscheint täglich, mb« Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich -letzenerFamilienblötter; »wennal w öch en tl^l reit» blatt für den llretr-ietzen (Dienstag und Freitag); zweimal nnmatl. Land» wirlschosttiche Lettfraoe, fternlprech • Anschlüsse: für die Redaktion 118, Verlag u. ExpedUton 61 Adresse für Depeschen:
Anzeiger Lietzen.
Montag, T. Vooember W
VezngSprei-r monatlich7LPs^ vierteljährlich 9JIL 2J3O; durch Abhole- n. Zweigstellen monatlich 66 Pf.; durch diePost Mk.2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf^ auLwärtS 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz, verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für „Feuilleton", „Vermischtes" und »Gerichtssaal^: K. Neu-
Datieret: Zchnlstratze 7. u?b
r u Land^: L.Heß; für den
Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfafet 10 Seiten.
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Die deutsch-türlischeu Verhandlungen über die Anleihe.
Konstantinopel, 6. Nov. Direktor Helsferich ßatte gestern nachmittag eine längere Beratung mit dem Finanzminister. Nach den Erklärungen de§ 'Ministers an den Vertreter de- Korr.-BureauS wurde bereits über die Hauptpunkte der Finanzoperation ein Einvernehmen erzielt. Die Anleihe soll 11 Millionen Pfund betragen; hiervon sollen sechs Millionen für dieses Jahr, der Rest für daS nächste Jahr, der Zinsfuß auf vier Prozent unb der EmissionsvreiS auf 84 festgesetzt sein. Die Banken gruppe gewährt oiS zur Emission der Anleihe je nach Bedürfnis Vorschuß gegen 5t/rprozentige Schahscheine. Morgen wird die Beratung fortgesetzt, worauf der Vertrag dem Ministerrate unterbreitet wird. Die Unterzeichnung deS Vertrages dürste zu Anfang nächster Woche erfolnen.
Der Pariser „Matttr* ist offenbar amtlich angewiesen worden, der türkischen Regierung bange zu machen. Er schreibt u. a.:
Falls die französische Regierung bis zum Verfalltermin der von den österreichischen und deutschen Banken der P'orte gewährten Vorschüsse der Türkei eine Anleihe bewilligen sollte, so ist es für jetzt eine auSgemachte Sach«, daß diese Anleihe nicht, zur Rückzahlung dieser Vorschüsse dienen dürfte. Im Interesse der französischen Sparer ist eS wünschenswert, daß nunmehr auch onbere Länder sich mit Frankreich in die Last der türkischen Geld- bedürfntsse recken. Wir sind ferner zu folgender Erklärung ermächtigt: Fall« d.ie Türket von neuem mit Frankreich in Anleiheverhandlnngen einzutrelen wünsche, so wird bereits jetzt darauf htngewiefeu, daß die kürzlich von der französischen Regierung für die Zulassung der türkischen Anlethe zur Dotierung aufgestellten Bedingungen das Mindestmaß darslellen. Selbstverständlich werden im Falle einer Verschlechterung der türkischen Finanzen die von Frankreich geforderten Bürgschaften noch b e • sttmmter und wirksamer sein müssen.
Der Zarenbesuch.
Neues Palais, 5. Nov. Die beiden Kaiser und die Jagdgesellschaft sind mit dem kaiserlichen Sonder- zuge um 8/<5 Uhr in der Station Wildpark wieder einge- trosfen und begabeu sich nach dem Neuen Palais.
Kaiser Nikolaus fuhr im späteren Nachmittag im Automobil nach dem Mausoleum, um an den Sarkophagen deS Kaisers und der Kaiserin Friedrich Kränze niederzulegen. Den Tee nahm der Zur bei der Kaiserin. Um 8 Uhr sand in der Jaspisgalerie deS Neuen Palais eine Tasel beim Kcrijerpaar statt, bei welcher an einzelnen Tischen gespeist wurde. Dann fand eine Lichibitder- vorführung im Theatersaal des Neuen Palais ftatt Das Programm war folgendes: L Danziger Festtage, 2. Bilder während deS Aufenthalts des Kaiser- in Ungarn, 3. Nordlan d s reis e des Kaisers, 4. Ehavez Flug über die Alpen, 5. Steingutsabrikation und Kunsttöpferei in Ungarn, 6. Empfang des Kaisers Nikolaus.
Wildpark, 6. Nov. Der Zar ist um 11 Uhr 15 Min. vb gereist. Der Kaiser und die Prinzensöhne geleiteten ihn zur Bahn. Der Abschied der Kaiser war sehr herzlich.
Berlin, 6. Nov. Der Reichs kanzler empfing heute nachmittag den Verweser des russischen Ministeriums deS Aeußern, Sasonow und hatte eine Unterredung mit ihm.
Wien, 5. Nov. In Besprechung des Zarenbesuches führt daS ,,F r e m d e n b l a t t" aus:
Wir befinden uns mitten auf dem Boden unserer Politik, wenn wir die Kaiferzusammenkunft in Potsdam mit aufrichtiger freudiger Genugtuung im Interesse der von uns gewünschten und jederzeit geförderten Konsolidierung der allgemeinen europäischen
Lage begrüßen. Bei unseren so innigen Beziehungen zu Deutschland Tarnt es unS nur höchst willkommen sein, wenn die Entrevue für die Gegenwart und die Zukunft eine Handhabe bietet, die bei der vielfältigen Durchdringung der verschiedenartigen weltpolitischen Interessen -wischen Deutschland und Rußland immerhin möglich wären, in fteundschaftlicher und kulanter Weise auszugleichen. Darüber hinaus erachten wir die Entrevue als ein auch im all gemeineren Sinn durchaus erfreuliches Ereignis, von welchem die wohltätigsten Wirkungen ausgehen werden.
m btefen Sitzungen Beschluß über einzubringende Anfragen gefaßt werden, die auch bald zur Besprechung gestellt werden sollen, weil die erste Dezemberhälfte für die erste Etcttslesung und die erste Lesung des Schiffahrtsabgabengesetzes Vorbehalten bleiben soll.
Eine Anfrage über das Weilburger Zeppelin-Un- glücf dürfte nicht mehr eingebracht werden, wie kurz vor der Vertagung beabsichtigt war, da die Regierung über die Ursachen dieses Unglücks und die Schuldfrage dem Reichstage eine Denkschrift zugehen lassen will.
Drohbriefe zum Moabiter ttrawallprozek-
Man sckweibt uns aus Berlin:
Der Moabiter Krawallprvzeß, der am Mittwoch dieser Woche vor der dritten Strafkammer des Berliner Landgerichts I unter dem Vorsitz des Landaerichtsdirektors Lieber seinen Anfang nimmt, hat ein bemerkenswertes Vorspiel gezeigt. Der Riesenprozeß kommt vor die 3. Strafkammer, wo Landgerichtsdirettor Lieber als ein fogenatrnfer schneidiger Richter bekannt ist und auch die Beisitzer seiner Kammer immer scharfe Urteile zu fallen pflegen. In den letzten Tagen erst hat Herr Lieber dadurch von sich reden gemacht, daß er einen Ausdruck deS Rechtsanwalts Alsberg in dem von ihm geleiteten Schieberprozeß Glaser und Genossen als unangemessen rügte und mit 50 Mark Ordnungsstrafe bedachte, worauf der Verteidiger sein Amt niederlegte. Wie wir erfahren, find Herrn Lieber in den letzten Tagen zahlreiche Drohbrrefe ^gegangen. Die Briese sprechen sich übereinstimmend dahin aus, daß Herr Lieber mit der Uebernahme des Moabiter Krawallprozesses sein Leben aufs Spiel setzen würde. Man werde, wenn er nicht vorher zurücktrete, das Krtminalgerichtsgebäude demolieren, bezw. sogar in die Luft sprengen. Landgerichtsdirektor Lieber hat sämtliche Briese sofort dem Königlichen Polizeipräsidium übermittelt und die Polizei hat daraufhin folgende Vorkehrungen getroffen:
Vom ersten Tage der Verhandlungen des Moabiter Prozesses ab wird das neue Kriminalgerichtsgebäude in seiner ganzen Ausdehnung durch Polizei abgesperrt werden. Alle 8 Portale des imposanten Baues werden mit je 3 Schutzleuten in Uniform und mehreren Kriminalbeamten in Zivil besetzt werden. Der Eintritt zu den Verhandlungen ist nur den Richtern, Staatsanwälten und Verteidigern oder den mit Zeugenladungen oder besonderen Eintrittskarten versehenen Personen aeftattet Eine besondere Aufmerksamkeit wird die Polizei außerdem den 4 2 6 Zeugen zuwenden, die zu dem Prozeß geladen sind und unter denen viele bisher unentdeckt gebliebene Teilnehmer cm den Krawallen vermutet Werdern
(Eine Reichstags-Ersatzwahl.
Posen, 5. Nov. Nach dem vorläufigen amtlichen Wahlergebnis wurden bei der gestrigen Reichstags-Ersatzwahl im 4. Posener Wa hl kreis (Neutomischel-Grätz, Kosten- Schmiegel) im ganzen 22 178 Stimmen abgegeben; davon entfielen auf v. M orawski (Pole) 16 476, Schwartzkopff (Deutschkonservativ) 5648 und Sremski (Soz.) 43 Stimmen; zersplittert waren elf Stinnnen. v. M orawsk ist gewählt.
Neue Reichstagsvarlagen.
Dem Reichstage sind drei kleine Gesetzentwürfe zugegangen: 1. ein Entwurf betreffend die durch die neue Straßprozeßordnung veranlaßten Aenderungen der Gebührenordnung (der Entwurf regelt die Gebühren für Vormundschafts- und Jugendgerichte),
2. ein Entwurf betreffend den Schutz desfürReichsbank- noten verwendeten Papiers (seine Bestimmungen sollen die Nachahmung falscher Banknoten erschweren),
3. ein Entwurf betreffend die Be s e i t i g u n g von Tier- kadavern (der Entwurf will die bisher zutage getretenen Mißstände beseitigen).
Die nächste Sitzung des Reichstaas ist vom Präsidenten Dr. Grasen Schwerin-Löwitz auf den 22. November 1910, nachmittags 2 Uhr, angesetzt worden. Auf der Tagesordnung stehen die ersten Lesungen der drei oben genannten kleinen Vorlagen. — Die Fraktionen des Reichstages werden, wie wir hören, am 22. und 23. d. M. ihre ersten Sitzungen abhalten. Voraussichtlich wird
Aus Hessen.
Eine Wahlkreiskonferenz der fortschrittlichen Volkspartei in Offenbach, die, wie man uns schreibt, am Sonntag vormittag in Offenbach abgehalten wurde und zu der sämtliche im Wahlkreis bestehenden Organisationen Vertreter gesandt hatten, faßte nach eingehender Erörterung der politischen Lage, sowie auch der Finanzfrage einstimmig den Beschluß, selbständig in den bevorstehenden Reichstagswahlkampf einzutreten. Als Kandidat wurde ebenfalls einstimmig Rechtsanwalt Carrier-Seligenstadt ausgestellt. Das vom Vorsitzenden, Rechtsanwalt Dr. Eulau-Ofsenbach, ausgearbeitete Organisationsstatut wurde gleichfalls einstimmig en bloc angenommen. Nach diesem Statut ist in jedem Orte des Wahlkreises, in dem sich zehn Anhänger der Fortschrttttichen Volkspartei befinden, ein Verein zu bilden.
Deutscber lldd>»
Der Kronprinz und die Kronprinzessin von Schweden sind Sonntag vormittag in Berlin eingetroffen und begaben sich nach Potsdam. Sie wurden bei ihrer Ankunft auf der Station Wildpark vom Kaiser, der Prinzessin Vittoria Luise, den Prinzen Adalbert, Oskar und Joachim empfangen und nach herzlicher Begrüßung nach dem Neuen'Palais geleitet
Die „Voss. Ztg." meldet aus P f o r z h e i m: In den meisten hiesigen Kettensabriken kündigten sämtliche im Deutschen MetallarbeiterverbandorganisiertenArbeiter. Teilweise legten auch Nichtorganisierte Arbeiterinnen die Arbeit nieder. Der Metallarbeiterverband erklärt sich bereit, in Verhandlungen mit den Arbeitgebern zu treten.
Die „Norddeutsche Allg. Zeitung" antwortet aus nn Rechtsgutachten des RechtslehrerS Profesior La band über den Verkauf des Tempelhofer Feldes mit einem längeren Artikel und erklärt: Labands Beweisführung beruhe auf dem Außerachtlassen entscheidender Momente und tatsächlichen Irrtümer. Die „Norddeutsche Allg. Zeitung" weist daraus hin, daß die gesetzgebenden Körperschaften von den im Etat nicht vorgesehenen Verkäufen zum erften Male erst mit der Haushalts- Übersicht Kenntnis erhalten haben. Die Genehmigung der Grund- stücksverkäufe würde also mindestens ein Jahr, meist aber viel langer auf sich »barten lassen. Wetter macht die „Norddeutsche Allg. Zeitung" darauf aufmerksam, daß, solange das Deutsche Reich besteht, auch nicht zu einem einzigen, von den nach Hunderten zählenden Grundstucksverkäufen des Deutschen Reiche- die Genehmigung des Reichstags für erforderlich gehalten oder nad>- gesucht worden sei. Die „Norddeutsche Allg. Zeitung" schließt den Artikel mtt einem Beispiel aus neuester Zett. Von dem Tempelhofer Feld sei ein Tett an die Stadt gemeinde Berlin verkauft worden, ohne daß der Reichstag bisher seine Zustimmung dazu erklärt habe. Was Berlin recht ift, dürfte aber Tempelhof billig fein.
Die badische Regierung gestattete, der „Allgemeinen Fleischerzeitung" zuftlge, unter Zustimmung des Reichskanzlers die kontingentierte Einfuhr von Rindvieh und Schweinen aus Frankreich nach den Schlachthöfen von Karlsruhe, Mannheim und Heidelberg zur sosorttgen Abschlag tung. Tie „Karlsruher Zeitung" bemerkt dazu: Die Nachricht ist richttg. Die Maßnahme kann aber erst vollzogen werden, wenn Elsaß-Lothringen, dessen Gebiet der Transport durchlaufen muß, zugestimmt hat. Da diese Zustimmung noch aussteht, tonnte die Nachricht bisher amtlich mcht veröffentlicht werden.
Die „Karlsruher Zeitung" schreibt: Außerbadische Blätter haben in den letzten Tagen in sensationellem Tone Maßnahmen der Regierung in Sachen der Reichs - und Handelspolitik auf außerhalb der Regierung stehende Einflüsse zurück- geführt. Diese Artikel entsprechen nicht den Tatsachen. Derartige Einflüsse haben nicht stattgefunden. Uebrigens sind auch die
(Siebener Aonzertvercln.
Liederabend von Fran SusanneDessoir -Berlin.
Gießen, 6. Nov. 1910.
Duch hn letzten Winter hatte der Konzertverein einen Liederabend veranstaltet; es war ein schöner Abend, mit einem kunstvollen und interessanten Programm, mit einer ausgezeichneten Künstlerin, und der gewissenhafte Chronist konnte ehrlich berichten, was, unv loben, wie es gewesen sei. So komme ich heute der Sache nicht bei; da will ich lieber versuchen, ein Märchen zu erzählen.
Es war einmal eine schöne, gütiae, kluge Frau, die trat ttnter die Menschen und sagte zu rhnen, sie wolle ihnen einmal sagen und singen von allem, was auf der Erde und im Himmel und zwischen Erde und Himmel sei, und vor allem von den Menschen, ihrem Sehnen und Hoffen, ihrer Lust und ihrem Leid, ihrem Leben und ihrem Tode; vom Walde und vom Meere, von der Rosenzeit und der Juninacht, Von dem Jesukind in der Wiege und seiner Mutter, der Jungfrau Maria mit ihrer schlohengelwnßen Hand. Und sie begann: es war einmal . Lieder aus alter Zeit, mtt leiser Uiü) doch so süßer Stimme, und die Menschen lauschten atemlos und traurig hörten sie die trostlose K.age vom Verblühen des Lenzes und der Schönheit und dem Entfliehen des Lebens. Da lächelte sie mit einer weichen, vornehmen Geberde, vnd streifte alle Traurigkeit ab und sang ein schalkhaftes Menuett sur le sujet des amourS. Noch einmal ein Aed vom irdischen Entsagen, dann aber heller Frohsinn und Scherzen. Und immer weiter fang sie, Lied auf Lied, ernste vnd heitere, zartinnig und „jetzt wie zornige Brandung grollend wächst die Flut des Liedes kühn"; kunitvolle Weisen und schlichte Melodien, Volksweisen, des Volkes Seele weisend. Jedes Lied ein Kleinod in seiner Art, die restlos in dem Gesang sich gibt; ohne Kunst und doch höchste Kunst. Und die Menschen lassen sich von dem Gesang führen, wohin die schöne, gütige, kluge Frau sie führt, sie sind ganz in ihrem Banne, nur Auge und Ohr und Träumen. Ein
uraltes, man meint fast abaesungenes Volkslied: „Ach, wie ist's möglich dann . . .!"; ist das wirklich dasselbe Lied? Und dann steht man auf der Straße und das Märchen ist aus.
Ja, nun sott ich, ja — ich wollte es ja auch — von Frau Susanne Dessoir sprechen, von ihrer Stimme, ihrer Technik, ihrer glänzenden Aussprache, ihrer Kunst. Und von Johann.Wraham Peter Schulz, von Padre Martini, von Luise Reichardt, der Tochter des berühmten Vaters und all detl anderen. Von der Liederkvnrposition in „alter Zeit", im 18. Jahrhundert, vom modernen Lied und von Volksweisen. Nein, es geht heute wirklich nicht; Frau Susanne Dessoir hat's zu verantworten. Und auch das, wenn ich ihres unermüdlichen Begleiters, des Herrn Bruno HinzEeinhold aus Berlin, nur ganz burz gedenke, so sehr er für seine hervorragende Leistung als Solist und feine feinfinnige unübertreffliche Begleitung eine eingehende Besprechung beanspruchen könnte. Ich will's lieber offen gestehen, daß ich seinen Vorträgen nur mit halbem Ohr gelauscht habe; der Bann war zu stark, um andres daneben auftommen zu lassen.
Es war einmal . . m.
♦
Lritz Heulers hundertster Geburtstag.
Fritz Reuters, des gemütvollen plattdeutschen Dichters hundertster Geburtstag, wird heute allerorten festlich begangen Alles, was mit Reuter zusammenhängt, hat einen eigenen Ton, der tief im .verzen naanXingt. Trs.e, warme (impiinbung umgibt alles Reutersche mit goldenem Schimmer. Unb p ist es nicht verwunderlich, daß selbst aus einigen feiner zahlreichen Denkmäler etwas von jenem Gemütston zu uns spricht, der ihm zu Lebzeiten eigen war. Drei sind es besonders, die durch ihre Sinnigkett „Fritzings" Herz erfreut haben würden, hätte er sie noch gesehen
Man entfümt sich jener eindrucksvollen Stelle in der „Festungstrd", die davon erzähtt, wie Fritz Reuter seine Freihett wieder gewann. Sieben schwere Jahre lagen hinter ihm, als er das rosige Licht wieder atmen durste; aber für ihn war die Luft nicht roffg. Die Wett war ohne ihn ihren alten „scheiwen Gang gähn", und er, sand sich nicht mehr m chr zurecht. Ohne i-lnssicht, ohne Mittel sieht er sich in eine trjflofe Gsgend verbannt r— ringsum eanb und TanneiwüMe uno aue Heroe. Getzemist wirft
er sich ajn den Grabenrand . . . viele Wege sind vor ihm, ,Lwer weker was de reckfte?" Diesen Augenblick im Leben des Dichters hält ein Denkmal von schlichter, imposanter Größe feft Es steht an derselben Stelle, wo Fritz Rcuter jene Worte gesprochen hat, hinter der Fengirschen Mühle bei der Festung Dömitz. Auf einer hoch aufgeschichteten Gruppe unbehauener Feldsteine erhebt sich ein mächtiger Block, auf dessen Vorderseite die Worte stehen;
Je, äwer weker Weg was de rechte?
Und auf der Rückseite: „Fritz Reuter, 25. August 1840.*
Noch lange tönte in dem Unglücklichen die bange Frage nach, „wat nu ?" Mer er, dessen ganzes Wesen auf Freundschaft und Liebe gestimmt war, fanb treue Freunde, die ihm sein Leid tragen halsen. Unter ihnen war vor allen Fritz Peters, Pächter von Thalberg, derselbe, dem der erste Band der „Läuschen un Rimels" gewidmet ist. Bei ihm und seiner trefflichen Frau Marie Peters hat Reuter in der Uebergangszeit zwischen der Festungshaft und der Vermählung oft Wochen- und monatelang gewellt, hier ist er allmählich gesundet; und auch als Peters nach Siedenbollerttin als Gutsherr übersiedelte, hat ihn der Freund dott oft besucht. Im Park Don Siedenbollentin steht eine kleine Grotte aus Feldsteinen In den größten Stein ist eine Tafel aus weißem Marmor eingelassen mit den Worten:
„Dem lieben Freunde Fritz Regter .
von
M. und F. P eterD Juli 12. 74."
Tas Datum ist das von Reuters Todestag.
Tas drttte Denkzeichen führt uns nach Thüringen Reuters Grab. Mit schier fürstliche Ehren war Reuter zu Grabe getragen worden, ein äßalb von Kränzen zierte die Gruft, Schriftsteller hatten seinen Sarg getragen. Wenige Wochen spater, als die Pracht der Blumen vermodert war, fand man eines Morgens einen Kranz aus Buchenlaub, vom deutschen Walde ftisch gepllücft„ ßuf dem Grabe liegen, daran hing ein Zettel:
„En armen Handwerksbnr^eu is hier weseo^
Dei hell Tinen Hanne 9Üitie lesen"
Ter Kranz ist längft zerfallen, aber der Zettel totrb ftoch pietätvoll bewahrt im Reuterhause in Eisenach, wo der Dichter und sein Lowismg chren Lebensabend in Liebe uni) Gluck genossen haben.
Am hündettsten Gebuttstage Fritz Reuters mag auch die ^ürneuuifl bauui aufgesrllM MrchM, &r bpAfrrjfe


