Ausgabe 
6.7.1910 Zweites Blatt
 
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Verantwortlich für den Politischen Teil L SS.: N. Lange.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gietzen.

Juli

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Wetter

1910

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Sonnenschein

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18,5 °a.

10,7 °U,

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K

Betheny, 5. Juli. Während der heute hier ausgeführten Flüge schlug der Flieger Leblanc den Wettsieg über 100 Kilo­meter, die er in einer Stunde, elf Minuten und elf Sekunden zurücklegte, und Moräne den über 20 Kilometer, die er in 13 Minuten und ß Sekunden durchflog.

Übungsplätze 3'eitfjaut auszurühren. 'Hier würbe ^cr Balls'n morgens gegen 5 Uhr gesichtet und ging herunter. Von den dort übenden Regimentern war sofort eine große Anzahl Soldaten ver­fügbar, die den Ballmr festhielten. Man wollte mit dem von Gotha nach Zeithain beorderten Gas die Nachfüllung vornehmen und dann die Weiterfcchrt nach Gotha antreten. Allein das Wetter wurde immer schlimmer Mrd der Wind nahm zeitweise einen fturrn- artigen Charakter an. Infolgedessen wurde das Luftschiff in der Mitte eingeknickt. Als am Horizont sich überall Gcwitter- bildungen zeigten, beschloß man, den Ballon zu entleeren. Man begann nachmittags 1/26 Uhr mit der Abrüstung, eine Stunde später war sie beendet. Die Gondel mit dem maschinellen Inhalt und die Stoffhülle wurden verpackt, um nach Berlin verladen zu werden. Die Manövrierfähigkeit des Ballons hat in keiner Weise gelitten, die Beschädigungen sind nur ganz geringer Natur. Man hatte bei der Leerung des Militärballons am besten Gelegenheit zu beobachten, wie eine Böe einen Ballon in die Höhe zu reißen vermag, um ihn dann mit furchtbarer Gewalt wieder zum Boden niederzudrücken.

fc. Wiesbaden, 5. Juli. Das hiesige Schöffengericht ver­urteilte heute den Installateur Hermann Meier aus G i e ß e n, der sich in Rainbach bei Wiesbaden einlogierte und den Leuten Gegen.stäude jeglicher An, sowie einer armen Witwe 10 DU. ent- reenbetc, wegen Diebstahls zu z iv e i Wochen Gefängnis.

Für bie Relle mit Säuglingen ist als zweckmäßigste Nahrung ,-K u f c t c zu empfehlen. Cs ist leicht zuzubereiten, lange haltbar, macht die Kuhmilch leichter verdaulich und schützt vor den gefürchteten Darmerkrankungen. ^v14

handel.

Au s beutevon Di amantenminen. Wie dem,Deut» fchen Kolouialkomptoit G. m. b. H. jm Hamburg gemeldet wirb, förderten im Juni die Bereinigten Diamantmines 3475 Karat gegen 3470 Karat im Vormonat und White de Mlllion 1200 Karat gegen 1180 Karat.

Berlin, 5. Juli. Die Bctricbsroheinnahmcn der S ch a n - t u tl g - E i s e n b a h n betrugen im Monat Juni 1910 193 000 mexikanische Dollars gegen 217 000 mexikanische Dollars im Vor­jahr und vom 1-. Januar bis 30. Juni 1912 000 mexikanische! Dollars gegen 1 559 000 mexikanische Dollars im gleichen Zeit raum des Vorjahres. Die Mehreinnahme beträgt somit 353000 mexikanische Dollars oder 22,64 Proz.

LandwsrtsHaft.

G e m e i n s a m e r B e z u g von D b ft b ä n m e n. Ter Landwirtschaftskammer-Ausschuß für Ober Hessen veranstaltet auch in diesem Jahre einen gemeinschaftlichen Baumbezug aus den Baumschulen, mit denen die Landwirlschaitskammer vorteilhafte ^ieferuugsbediiigungen vereinbart hat. Die Auswahl und das Plombiererl der ausgesuchten Bäume tn den Baumschulen erfolgt durch Sachverständige der 2audwirtichaflskammer, so daß für gute Qualität lmd Cortenechlheit des Pflaiizeumaterials die benfbar größte Sicherheit geboten ist. Neben Hochstämmen können allch Halbstä'nime, sowie Buschbäume nnb Pyramiden in den gangbareii Kern- uni) Steinobstsorlen bezogen werden. Der Laiibivirlschasts- kammer-Ausschuß bestreitet die sämtlichen allgemeinen Kosten des Ankaufs, der Verpackung nnb des Transportes und berechnet den Bestellern die Bäume zum Selbstkostenpreis. Außerbem wird, so- iveit die vorhandenen Äsittel reichen, ent Teil des Ankaufspreises, und zwar bis zu 20 Proz., nachgelassen werden; der Preisnachlaß kann iedoch bei größeren Bestellungen nie über 50 Mk. betragen und nicht Wiederverkäusern gewährt werden. Um die Bäume rechtzeitig und in tadellosen Exemplaren liefern zu fönnen, ist es notwendig, die Beyellimgen bis spätestens deii 1. September münd­lich oder schriftlich 511 bewirken.

Kircbc rind Schule.

* Eine erschütternde Nachricht kommt aus Palä­stina. Der Vorstanb des Syrischen Waisenhauses in Jerusalem erhielt, als er am Montag gerade zu einer Sitzung verfamvtelL war, ein Telegramm mit der erschütternden Nachricht, daß durch eine entsetzliche Feuersbrunst am 12. Juni abends ein großer Teil des Syrischen Waisenhauses vernichtet worden sei. Diese größte evangelische Missionsanstalt des Orients hat erst vor einigen Wochen in Gegenwart des Prinzen Eitel Friedrich und unter großer Teilnahme vom Morgen- und Abendlande ihr 50jähriges Jubiläum gefeiert. Der Turm ist abgebrannt, die .Anstaltskirche zerstört, zahlreiche Wohnungen und Räume total ausgebrannt, die Bewohner zum Teil obdachlos, aber fein Menschenleben verloren. Feuerversicherung ist in Palästina un­möglich. Löschen aus Mangel an Wasser und Feuerwehr aus­geschlossen. Der Schaden beträgt mindestens 150 000 Mark. Die vielen. Tausende, die sich mit dem Syrischen Waisenhause an seinem Ehrentage gefreut haben, merbeit jetzt mit ihm trauern. Der Kaiser^ schickte alsbald unter Hinzufügung von 4000 Mark folgendes Telegramm: ,Potsdam, den 14. Juni 1910. Pastor D. Ludwig Schneller: Aufs schmerzlichste berührt durch Ihre Meldung von dem schweren Brandunglück, welches das Syrische Waisenhaus in Jerusalem betroffen hat, spreche ich dem Vorstände' des Waisenhauses meine herzliche Teilnahme aus. Möge es mit Gottes Hilfe her treuen Arbeit des Vorstandes und der Opferwilligkeit christlicher Nächstenliebe, bald gelingen, die großen Schäden zu beseitigen und die Fortführung des segensreichen Werkes im bisherigen Umfange zu sichern. Wilhelm I. R." Möchte dieser kaiserliche Wunsch in Erfüllung gehen und die Gaden zur Hilfeleistung und zum Wiederaufbau der verunglückten Anstalten, die 50 Jahre lang ein Segen für Jerusalem und dos Heilige £anb gewesen sind, reichlich fließen. Auck) hier in Gießen fehlt es nickst an Freunden dieser Arbeit. Dafür hat die immer be­sonders reiche Kollekte, die alljährlich bei uns zu Karfreitag erhoben wurde, den Beweis geliefert. Tie Pfarrer unserer evange- 1*11 Gemeinden und auch die Geschäftsstelle dieses Blattes sind bereit, Spenden entgegenzunehmcn.

Sport.

**Ser Schießverein deutscher Jäger (Haupt­verein) hält sein 11. Preisschießeu am 21., 22., 23. und 24. Juli zu Köln-Brück auf dem Kaiser-Wilhelm-Schießplatz des Kölner Schießplatzvereins ab. Gelegentlich dieser für Deutsch- land größten Veranstaltung dieses Jahres, jagdliches Schießen zu fördern, wird am 21. Juli die Meisterschaft im Wurf- 1 a u b e n s ch i e ß e u für Deutschland und am 22. Jnli die Meisterschaft im K u g e l s ch i e ß e u auf lausende Wild- scheiben für Deutschland ans geschossen. Für die viertägige Ber- anilaltung sind an Ehrenpreisen ca. 240 im Gesamtwerte von mindestens 12 000 Ml. garantiert; Zahl und Preishöhe werden jedoch erfahrungsmäßig stets wesentlich überschritten.

Luftschiffahrt.

M. III" stark beschädigt.

Der niedliche, aber auch empfindlicheM. III" hat seine Reise nach Gotha nicht vollendet. Er mußte wegen des Sturmes bei Riesa niedergehen und erlitt nach der Landung so schwere -Beschädigungen, daß er obgerüstet werden mußte. Wir erhielten folgende Drahtnachrichten.-

Riesa, 5. Juli. Das LuftschiffM. III" traf bei Torgau überlegenen Wind an und landete um 5 Uhr vormittags glatt auf dem Truppenübungsplatz. Die Weiterfahrt nach Gotha soll morgen stattfinden.

M. III" erlitt abends gegen 6 Uhr durch den heftigen Sturm nicht unerhebliche Beschädigungen. Die Draht­seile, dir die 'Goitdel mit dem Ballon verbanden, rissen iitiolgc der heftigen Windstöße und die stählernen , V e r st e i - jungen zerbrachen. Der Ballon konnte nur mit großer Mühe von zahlreichen Soldaten festgehalten werden.

Zeithain, 5. Juli. DaS heute früh auf dem Truppen- Übungsplatz gelandete LuftschiffM 3" wurde heute nachmittag abgerüstct und nach Berlin zurückbefördert.

Ans Dresden wird der ,,Frft. Ztg." hierzru noch gemeldet:

M. III" rühr nachts 2 Uhr von Berlin ab. Es gelang ihm nicht, in dem Lichtmecr von Berlin die richtige Liute nach Halle zu verfolgen. Irrtümlicherweise wurde die Bahnlinie nach Dresden tür die nach Holle an.gesehen und man fuhr an chr entlang. Als mon den Irrtum gewahr und der Wind inune* böiger muwc, beschloß man, Äc Landung auf dem Truppen­

ViLchettisch.

Karte vom S ch w arzwald. Maßstab 1:400000. Ctto Webers Verlag, Heilbronn a. N. 50 Pfennig. Die handliche Karte in Taschenformat erweist sich als ein praktischer und zuver­lässiger Uebersichtsplan des gesamten Schwarzwaldgebiets, der bei Fuß-, Rad- und Wagentouren dem Schwarzivaldreisenden gute Dienste leistet, umsomehr als die klare Zeichnung der Karte auch dem ini Karlenlesen weniger Geübten eine leichte Orientierung er­möglicht.

Griebens Reiseführer. Band 19. München und die- Königsschlösser. (1 Mark). Verlag von Albert Goldschmidt, Berlin W. Die Vorzüge dieses ebenso beliebten als bewährten Führers sind seit langen Jahren allbekannt. Die soeben erschienene 28. Auslage hat in allen Teilen eine sorgsame Durchsicht erfahren nnb alle Veränderungen, die seit Erscheiiten der letzter: Atiflage (int Jahre 1908) eingetreten sind, gewissenhaft nachgetragen. Ter Führer enthält neben genauesten Angaben über Verkehrs- und Unterkunftsverhältnisse em systematisch gesichtetes Verzeichnis aller Sehenswürdigkeiten, Vergrtügungs- nnb Erholungsstätten, ferner bie Kataloge sämtlicher Galerien unb (Sammlungen. Sehr praktisch ist derRrmbgang", burch ben bev Besucher schnell einen Ueber- blick über Münchert erhält. Eirtgehenb berücksichtigt sinb bie Aus­flüge in bie nähere nnb weitere Umgebung, besonbers bie Königs- schlösser Herritchiemsee, Hoheiischwangan, Sleuschwanstein und Linder- host Auch das in diesem Jahre so viel besuchte Oberammergau i\ c-rwähnt.

Stockheim, RLtrstsdt uslv. Ferner ist aftgenteut d-ekmrnt, duft rui s ben Obeckhess. Linien durch (Anlegen vmr Westleven Personen- und Eil>ügen (5 auf der Linie GießenFulda, 3 auf der Linie GießenGelnhausen >, sowie von weiteren Güterzügen die Verkehrsverhaltnisse gegen früher sich sehr wescutlich verbessert haben. Auch die Stationen.der Main- Weser-Bahn in -Obebhessen, wie 'Friedberg, Nauheim, Butz­bach, Langgöns, Großen Minden, EÜeßen, Lollar, sind mit vieler Millionen betragenden Mitteln bedeutend vergrößert morden, außerdem sind seit Einführung der Preuß.-Hess. Etsendahngemeinschaft auf dieser Linie außer einer großen Anzahl von GüterMgen 19 neue Personenzüge und 9 neue Schnell' und Eilzüge eingelegt worden. Auf der Nebenbahn GrünbergLollar w-nrden ferner etwa ein Jahr nach der Betriebseröffnung drei weitere Personenzüge eingelegt. Es kann daher doch wohl anerkannt werden, daß die Preuß.- Hess. Verwaltung für Hessen im allgemeinen und im be­sonderen für Oberhessen nur segensreich gewirkt Hal. Be­stehende Wünsche sind seither stets von den berufenen Or­ganen, Ei.sendahndirektion, Handelskammer, Eisenbahnrat, Hess. Ministerium, sehr oft mit Erfolg vertreten worden und es darf wohl angenommen werden, daß diese Organe durch­aus gewillt und besorgt sind, auch fernerhin in gleicher Weise zu wirken' 'Alle Wünsche zu erfüllen ist selbstredend weder der Hessischen noch der Preußischen Verwaltung möglich.

Mantel, Brille, Schleier und Hut wirb jede verständige Tarne auf die Autofahrt mitnchmeti, "uch noch eine hochwichtige Mleuitgteif: eine Schachtel oavs achter Sodener Mineral Pastillen. In her staubigen Lust unb in dem scharfen Zugwind sind bie kleinen Sodener imskitützbare Helfer gegen hrc Gefahr ber Erkaltmtg unb gegen Reizungen der Schleimhäute hrA 'valscs. Dm schachtel kostet 85Psg.und ist überall zmhaben.

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VeVmischtes.

* Ueberlegter Text. Schon seit zwei Jahrzehnten etwa werden bie Leichen bei unsüberführt" stattübergeführt". Das war eine Neuerung, bie entschieden nachgeahmt werben mußte, und so ist es jetzt .auch z. B. Brauch geworben, baß Gesangtexte überlegt" werben. Leiber gilt ber Ausbruck nun nicht etwa von ben Tonsetzern, von benen das ja recht wohl zu verstehcit nnb wenigstens zu wünschen wäre, fonbern von Leuten, bie ein Gesang- slück für Klavier zweihänbig bearbeiten, es auf bie zwei Klavier- zeilen znsammenziehen unb nun ben Text barüberschreiben. Der Text ist bann aber doch nicht als überlegt zu bezeichnen, so gut er eS auch sein mag, fonbern höchstens als übergclegt. Unb berselbe Fehler wirb auch schon auf bemselbeu Gebiete mit bent Zeitworte unterlegen gemacht; früher sagte man: mit imtergelegtem Text, heute heißt es schon: mit unterlegtem Text. Wie haben wir's boch in ber Well so herrlich weit gebrachst! Rechlerhaub, Itnfer- baifb, alles vertauscht baS gilt nicht allein hier, soubern auf immer weiteren Gebieten bev Sprachlehre, wie bas ja bet Wust- mann unb anbeten, bie für gutes Deutsch ins Treffen reiten, nach- zulesen ist.

* Ein Geschäftskniff. In Kopenhagen erzählt man sich aus einer ostjütiäu0ifchm Hafenstadt folgende Geschichte von einem vfiffigeu Modehäudler. Zu feinem großen Aerger Ix> merkte der Inhaber etttes Damimhutlabens der Stadt, der bisher die beste Gesellschaft zu Jeittem Kundenkreis rechnete, daß ihm neuerdings ein junger Konkurrent, mein: und mehr den Rang ablaufc. Tie Hüte des neuen Geschäfts Maren nämlich ent- (hieben größer und moderner, und die Tarnen der Stadt tauften nur noch in diesem Lade.nl, so daß das alte Geschäft mit !dem' ganzen Lager an zwar schönen, aber weniger umfangreichen Damen­hüten sitzen blieb. Da verfiel der durch den 1 reuen Konkurrenten geplagte Geschäftsinhaber auf eine List. Durch die Vermittlmrg eines Freundes kaufte er beim Konkurrenten einige zlvanzig der größten Hüte und schenkte sie ebenso vielen Marktweibern, die den prächtigen Schutz gegen die Sonne gern amtalstnen. Die Folge war, daß auf eimual der große Darnenhiit in ber ganzeft Stadtuirrnodern" wurde, deim seitdem jedes Fisch- und Grürn metb täglich mit solchem Hute stolzierte, wollte keine Dame mehr denselben Hut tragen! Die Frauen schenkten darum wie auf Kommando ihre neuen großen Prachthüte ihren Dienstmädchen und kauften sich! in dem älteren Mvdegeschäft andere, und zwar kleinere Hüte. So florierte auf einmal wieder baS alte Ge­schäft, und der Inhaber erhielt die Unkosten des von ihm an- gewendeten Geschäftskniffes burch ben großen Umsatz reichlich ersetzt. Die Damenhutmode .aber ist, wenn dieVoss. Ztg." recht unterrichtet ist, seit jenem Tage in ber glücklichen Stadt umgekehrt".

* Gefahren der Entenjagd. Am 1. Juli begann in allen deutschen Staaten die Jagd auf Enten und anderes Wasser­geflügel, und so hohen Genuß sie auch dem echten Weidmann gewährt, so birgt sie andererseits leider sehr große Gefahren in ich denn auf keiner Jagd rächt sich jede Vorelligkeit, Unvorsichtig­keit und Unkenntnis so schwer, wie gerade auf der Wasserjagd; es ist daher angebracht, wenn man sich diese Gefahren gerade jetzt iiis Gedächtnis zurückrust. Niemals soll der Jager,, selbst wenn er ganz allein jagt, auf niedrig über das Schilf streichende Enten schießen, denn er sieht und weiß nicht, wohin die Schrote liegen, die sehr leickst Rohrschneider oder andere in ber Nähe des Wassers arbeitende Menschen gefährden können. Auch soll man nicht auf schwimmende Enten im Schilf schießen, da hierdiipch außer Menschen vor allem die braven Hunde gefährdet werden, denn es kommt in jedem Sommer immer wieder vor, daß ein hitziger Schütze, in der Meinung, eine Ente vor sich zu haben, einen Hund erschießt, der schlvimmend den Kops zum Wasser ber' ausstreckt. Wenn mehrere Schützen sich in einem Kahne befinden, ift äußerste Vorsicht dringend nötig, die kleinste falsche Bewegung mrt gespanntem Gewehr kann die Kameraden in Gefahr bringen ober ihnen doch bestenfalls zn einem unfreiwilligen kalten Bade verhelfen. Bei der Jagd auf moorigem Boden muß man sich sehr normen; ist der Boden ohne feste Stellen, auf die man jprmge.i rann, bann ist ein Betreten zu widerraten, denn die so friedlich wie ein saftiggrüner Pflanzenteppich baliegcnbe Fläche ist voller Tücke, bie Oberfläche bebt unb schwankt bei ber Berührung mit dem Futze bebenklich, tritt mau fester auf, bann sinkt sie ein nnb luncht schließlich burch, das schwarze Wasser gurgelt aus der Tiefe empor, und ehe der Jägep M zu Sicherheit hrchgen fann.

sinkt er "tut in den schwarzen Schlamm, oft gleich bis unter die Arme, so baß er sich allein gor nicht hcroushelstn I'artn, ionbern bei jeder Bewegung immer tiefer sinkt. Man soll daher derartige Jagdgründe nur in Gesellschaft von Kameraden betreten.

* M odernes Gepa cf. Der zunehmende Reiseluxus hat auch aus die Ausstattung des Gepäcks einen starken Einfluß aus- geübt. Der Reisekorb unb der schwere hölzerne Koffer verschwmden: mehr unb mehr, unb der praktische Reisende führt alles in Be­hältern mit sich, die bas Ein- und Aiispackcn erleichtern. Am besten bewähren sich noch ben verschiedenen Bedürf nisten gesonderte Koffer, die aus Leder, Rohrplatten ober leichtem, aber widerstands­fähigem Pappclholz hergestellt werben. Um fick unb die Mll- reiünben nicht mit überflüssigem Handgepäck zu belästigen, führt man im Abteil nur nie eleganteeingerichtete" Tasche mit dem Toilettebesteck und dem Notwendigsten für bie Fahrt mit sich, bazu benGladstone" mit Decke und Kissen und den Teekorb mit Thermosflaschen für kalte und warme Getränke. Die Frau benötigt alsgroßes Gepäck" ben Koffer für Kleider unb Leibn>äsehe, ben Blusenkoffer, ber jede Bluse, aus Bügeln Hängend, in sich fliifntmmf, den der Heutigen Mode entsprechenden riesigen Hutkoffer, den Schirmkasten, ben Stiefelkofser, in dem jeder Stiefel auf Blöcken: sein besonderes Fach Hat. Für kurze Reisen ober Ausflüge ver­vollständigt das Gepäck derdreß suit. cosc", (!) in dem dasNot­wendigste" beguem verstaut werden kann. Doru kommt her Wäsche­sack für die getragene Wäsche. Für Herren kommt in erster Linie ebenfalls dos praktisch ansgestattete Reisebesteck in Betracht. Außer­dem braucht er einen Kleiderkoffer, der so lang fein muß, daß die Beinkleider gestreckt darin liegen können und so breit, daß ber Frack keine Falten bekommen kann, einen Koffer Tür Hemden und Leibwäsche, einen für Stiesel und statt der früher gebräuchlichen Zylinderschachtel einen Koffer für verschiedene Hute. _Sehr beliebt sind auch für Damen und Herren Schiebladcn- oder Schrankkoffer in verschiedenen Größen und Arten. Man kann darin die gesamte Kleidung nebst Wäsche, Stiefel usw. unterbrmgen. Man hat nur nötig, den Koffer zu öffnen, braucht nicht auszupacken, fonbern kann aus den verschließbaren Fächern ober von ben Kleiberbügeln das Gewünschte bequem herausnehmen. Ein Nachteil dieser Koffer ist allerbings die Größe und das Hobe Gewicht, wodurch die Be­förderung auf Droschke ober Aut erschwert wirb. Aber das ist schließlich eine Kostenfrage, bie beu Reisenben, ber Luxus unb Bequemlichkeit liebt, wenig kümmert; einige 100 Kilogramm Uebergcwicht bürten ihn nicht aus ber Fassung bringen.

* Gegen ben Flaschen mißbrauch! Die Flaschen, die zu Getränken in größeren Mengen verwendet werden, kosten beii Geschäftsinhabern, die sie anschaffen, viel, sehr viel Geld., Leider wird der Wert der Flaschen in ben breiten Bevölkerungs- schichten nicht viel höher eingeschützt als ein Stück Papier, in bcirt vielleicht ein wertvoller Gegen staub verpackt ioor, trotzdem bei Selters, Limonaden, Bier usw. der Wert ber Flasche stets größer ist als ber bes Inhalts. Obschon ber Begriff von Mein und 'Dein ui unserem Volke im großen unb ganzen so vorzüglich ausgeprägt ist, im Betreff ber Mineralwasser- nnb Bierflaschen versagt er vollständig. Man hat sichZ'o in den völlig irrigen Gedanken hmeingelebt, baß beim Kauf des Inhalts die Flasche auch gleich miterworben wird. Aber es muß immer wieder ber Versuch ge­macht werben, das Publikum barüber aufzuklären, daß nur ber Inhalt verkauft wirb, die Flasche dagegen Eigentum des Lieferers bleibt. Wer geliehene ober wider rechtlich ungeeignete Flaschen für sich verwendet, macht sich nach £ 246 des R. Str. G. her Unterschlagung strafbar. Es ist verboten, Flaschen, bie nur zur Aufnahme^voii Nahrungs- unb Genußwllteln bestimmt sind, mit Benzin, Salmiakgeist, Oel, Lack unb ähnlichen unappetitlichen unb ekelerregenden Flüssigkeiten zu füllen, welche die Verwendung ber Flaschen zu ihrem ursprünglichen Zweck noch Reinigung der Flaschen mit Wasser unmöglich machen. Ist ferner die in der Flasche eingegossene Firma als Warenzeichen in die Zeichenrolle des Kaiserlichen Patentamtes eingetragen, so tritt gegebenenfalls nach § 14 des Gesetzes vom 12. Mai 1894 noch eine Geldstrafe von 1505000 Mark hinzu.

Negerhetze in Amerika.

Zur Feier des amerikanischen Unabhüngigkeitsfestes, das gewöhnlich eine aanze Reihe von erheblichen Ruhestörungen im Gefolge hat, touroc in Ren 0 in Newaba ein großer Box­kampf um die Weltmeistersstaft veranstaltet, bei dem ber Neger Johnson ben Weißen Ieffries besiegte. Infolge bieses Steges kam es unter der erbitterten Bevölkerung zu ernsten A u s s ch r e i tu n g e n , bei denen eine ganze Anzahl von Leuten getötet ober schlver verwundet wurde. Wir erhielten seither folgende Drahtderrchte:

Newy 0 rk, 5. Juli. Infolge des Sieges des schlvarzen Preisboxer-> Johnson über den Weißen Jefsties zu Reno in Newada ist es gesdern abend in tofielen Städten im ganzes Laiüw zu ernsten Zusammenstößen zwischen Negern und Weißen gekommen. Zahlreiche Ne ge r wurden schw er v e r l e tz t. Hier wurde ein Neger tot geschlagen und ein von Negern be­wohntes Haus in Brand gesetzt. In Ne w 0 r l e a n s wurden zwei Neger erschossen. In Mounde (Illinois) wurde ein schwarzer Konstabler erschlagen, ein anderer tödlich verwundet. Auck) in Pittsburg, Philaixllphia, St. LouiS und anderen Städten änben Ruhestörungen statt; die Weißen Touren überall die An­greifer.

Newyork, 5. Juli. Die negerfeindliche Bewegung fordert zahlreiche Opfer. Die schwersten Unruhen zeigten sich int Süden. Taus end c von Weißen unb Schwarzen wurden ver- w niibet In Newyork versuchte die rasende Volksmenge ben Neger Nelson Furner durch Aufhängen art einen Laternenpfahl zu ermorden, doch wurde er von Polizisten gerettet: ein anderer Neger wurde dabei zu Tode geprügelt. In ieder Straße standen vier Polizisten; diese verstärkte Mackü reichte aber nicht aus, um die Ruhe aufrecht zu erhalten. Erst mit dem Aufgebot ber gesamten Reserven gelang es, in geschlossener Phalanx gegen die Menge vorzugehen, bie von Steinen und Revolvern, ohne Stocken reichlichen Gebrauch machte.

Newyork, 5. Jirll. Bvi den Zusammenstößen zwischen Weißen und Negern sind 14 Personen getötet und über 100 ver-' letzt worben. Beim Äbbrennen von Feuerwerk bei dem Unabhängigl'eitsfest sinb gestern im ganzen Lande 28 Personen getötet und 1758 verwundet worden.

5.

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