Ausgabe 
8.6.1910 Erstes Blatt
 
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in ein Wohnhaus. Es war aber ein kalter Strahl, der nicht zündete.

-r. Angersbach, 7. Juni. Ein schweres, m e h - rere Stunden anhaltendes Gewitter zog gestern Nachmittag über unfern Bezirk. Die in den letzten Jahren gemachte Beobachtung der zunehmenden B'litzaefahr wurde ioud) jetzt wieder augenscheinlich, denn an mehreren Orten geschah durch Blitzschlag schweres Unglück. In Großen­lüder überraschte das Gewitter einen auf dem Felde arbeitenden Landwirt, er wurde nebst seinen beiden Kühen vom Blitz getötet, während seine in der Nähe weilende Enkelin betäubt wurde und sich wieder erholte. In Eiche­nau zündete der Blitz eine Scheuer an und wurde das Gebäude vollständig eingeäscheri. In Niederstoll schlug der Blitz in ein Haus ein, ohne zu gründen. Außer­dem wurde noch verschiedentlich Blitzschaden an Bäumen beobachtet. Gewaltige Regenfluten gingen während dieses Gewitters nieder und brachten unfern durch wochenlange Dürre ausgetrockneten Feldern das langersehnte Naß.

B Marburg, 7. Juni. Im nahen Bauerbach wurde gestern abend durch Blitz der Dachstuhl der Kirche zerstört.

X. Hanau, 7.Juni. Heute mittag entlud sich wiederum in der hiesigen Gegend ein schweres Gewitter, das leibet auch ein Unglück zeitigte. In der Gemarkung Rothenbergen war der Landwirt Friedr. W. Kern, Sohn des Ortsbürger­meisters, mit Pflügen beschäftigt, als ein Blitzstrahl nieder­fuhr und ihn init zwei Kühen tötete.

Auch auswärts kamen größere Schäden vor. Wir er­hielten folgende Drahtnachrichten:

Explosion in der Karbouitfabrik zu Schleebusch.

Durch einen Blitzschlag erfolgte in der Karbomtfabrik zu Schleebusch eine starke Explosion, die mehrfach großen Schaden anrichtete. Folgende Drahtmeldungen gingen uns darüber zu:

Köln, 7. Juni. Die Karbonitfabrikin Schlee­busch ist heute Dienstag nachmittag gegen l1/» Uhr in die Luft geflogen. Die Explosion, die auch in Köln ver­spürt wurde, war fb' heftig, daß in Schleebusch vielfach! Beschädigungen an den Häusern angerichtet wurden. Die Kleinbahn-Zentrale wurde besonders schwer heimgesucht. Der Betrieb ist unterbrochen worden. Soweit bis jetzt festgestellt ist, liegen zwei Personen schwer verletzt im Krankenhaus. Außerdem sollen noch mehrere Personen mehr oder weniger schwere Verwundungen erlitten haben. Da die Explosion vor Arbeitsbeginn stattfand, wurde ein großes Unglück verhütet. Die Fabrik brennt noch und ist abgespcrrt, da weitere Explosionen befürchtet werden.

Schleebusch, 7. Juni. Die Ursache der Explosion ist auf einen Blitzschlag zurückzuführcn. Die Gefahr weiterer Explosionen ist jetzt beseitigt. Von der Fabrik sind nur die Filtrier-, Meng- und Waschanstalten von der Explosion betroffen worden. Ueber die Zahl der Verwundeten konnte bisher keine genaue Feststellung gemacht werden. Der durch die Explosion verursachte Luftdruck hat in der Um­gebung großen Schaden angerichtet. Selbst in Köln und den Vororten, wo man erst ein Erdbeben ver­mietete, erlitten einige alte am Rhein liegende Häuser Risse. In Nippes wurden acht Schaufenster zertrümmert. An der Agneskirche wurde ein großes Fenster zerstört. In Dünnwald wurden von mehreren Rufern die Dächer abgedeckt.

Blitzschlag in eine sächsische Infanterie-Kompanie.

Dresden, 7. Juni. Beim Einmarsch des 177. In­fanterie-Regiments nach dem neuen Lager in der Nähe des Steinborner Gutes bei Königsbrück traf ein Blitzstrahl die zweite und die dritte Gruppe der dritten Kom­panie und warf achtzehn Mann zu Boden. Drei Mann sind tot, zehn wurden schwer und fünf leicht perletzt. Tot sind der Gefreite Klintricht, Soldat Boden und Soldat Hornickel. Verletzt wurde der Leutnant der Reserve Weiß wage, drei Unteroffiziere und elf Soldaten. Sieben der Schwerverletzten wurden in das Königsbrücker 'Garnisonlazarett überführt.

Königsbrück, 7. Juni. Durch amtliche Feststellung wird bestätigt, daß vom Infanterieregiment 177 durch einen Blitzschlag drei Soldaten getötet wurden. Ein Unter­offizier und zwei Soldaten liegen noch schwer verletzt im Lazarett, die übrigen Verletzten erholten sich wieder.

In dem luxemburgischen Dorfe Wilwerritz schlug her Blitz in einen Zirkus und zerstörte ihn vollständig.

Verluste von Menschenleben durch den Blitz liegen Meldungen aus Düsseldorf, Torisdorf, Bedburg und Brüssel vor.

Seit 5 Uhr nachmittags sind bei Ahrweilerheftige Gewitter niedergegangen. Zahlreiche Blitzschäden sind zu melden aus Wulportzheim, AhrweUer und Dernau. In Vettclhof hat der Blitz einen Gärtner mit seinem Sohn getroffen. Der Sohn ist tot, der Vater verletzt. Auch hat Hag el s ch lag großen Schaden in den Weinbergen und an den Feldfrüchten verursacht. Der Tunnel bei Mayschoß ist infolge der starken Wassermassen einge- ^stür z t. Die Arbeiter konnten sich noch rechtzeitig in Sicher- cheit bringen.

Bei dem schweren Gewitter, das gestern abend über die Duisburger Gegend niederging, wurden drei Gras­mäher auf dem Felde vom Blitze getroffen. Einer war sofort tot, während die anderen betäubt wurden, aber keine Verletzungen erlitten.

Eine Anzahl schwerer Gewitter richtete im südlichen Teil Englands schweren Schaden an. Ein Blitzschlag straf ein Fischerboot und spaltete den Mast. Die ganze Mannschaft wurde bewußtlos, erholte sich aber wieder.

Aus Stafct unb Land.

Gießen, 8. Juni 1910.

** Die Verkehrs-Einnahmen aus dem Per­son en--und Güterverkehr betragen nach vorläufiger .Feststellung für die Eisenbahndirektionsbezirke Frankfurt n. M. und Mainz int April 10.343000 Mk. oder gegen das Vorjahr mehr 547 000 Mk. = 5,6%; für die Preußisch-Hes­sischen Eisenbahngemeinschaft int April 157147 000 Mk. oder gegen das Vorjahr mehr 8323 000 Mk.5,6%.

** Verkehrsstatistik der Station Gießen für 1908. Die Zahl der verkauften Fahrkarten betrug 807 333 (gegen 822 438 und 702 983). Der Güterverkehr gestaltete sich in Stückgut, Eilgut und Expreßgut Empfang 20 152 (21 969 und 16 640) Tonnen. Versand: 25 275 (25 122 und 20 897). Wagenladungen. Empfang: 148 381 (157 237 und 149 149), Versand: 155 510 (247 221 und 224 499). Viehveckehr in Stück Großvieh: Empfang:

22 989 (21 243 und 11 642), Versand: 25 987 (24 854 und 15 423). Kleinvieh: Empfang: 21 476 (21 638 und 4971), Versand: 14 881 (13 857 und 6292). Im Ganzen ab­gefertigte Frachtbriefe: Empfang: 236 605 (243 023 und 175 854), Versand: 356 403 (340 538 und 243 097).

** Lahnkanalisation. Die Beratungen wegen der Wirtschaftlichkeit der Lahnkanalisation, die hier stattfanden, waren vertraulicher Art. Die voin Lahnkanalverein mit Hilfe der beteiligten Handelskammern aufgestellten Transportzahlen, die den Wasserweg benutzen würden, mußten sich von den preußischen Negierungsbeamten eine wesentliche Reduktion ge­fallen lassen. Der Montan-Jndustrie an der Lahn, tute überhaupt für Schwergüter wurde von berufener Seite eine erhebliche Tarifverbilligung für Eisenbahnfrachten in Aussicht gestellt und damit die Hinausschiebung der Durch­führung des Lahnkanal-Projektes gerechtfertigt. Die In­teressenten an der Schaffung eines geeigneten Wasserweges von Lahnstein bis Gießen zogen aus den Verhandlungen den Schluß, daß die preußische Regierung vorerst nicht daran denkt, den durch den Lahnkanalverein vorbereiteten Gedanken einer Kanalisation des Flusses zur Verwirklichung zu bringen. Trotzdem wird seitens berufener Vertreter von Handel, In­dustrie und Landivirtschaft längs der Lahn immer wieder auf die Nützlichkeit eines Wasserweges von Gießen zum Rhem hingewiesen werden müssen. Es iväre entschieden falsch, wenn man die Hande in den Schoß legen wollte.

** Landesverein hessischer technischer Lehrerinnen. Am letzten Samstag fand im hessischen Lehrerinnenheim zu Dar mst ad l eine Versammlung technischer Lehrerinnen statt. Es wurde ein Landes- Verein hessischer technischer Lehrerinnen ge­gründet, dem sofort über 50 Mitglieder beitraten. Der Sitz des neugegründeten Vereins ist Darmstadt; er schließt sich dem Landesverein hessischer Lehrerimten an.

** Kolonialvortrag. Die vor kurzem hier gegründete Abteilung des Frauenbundes der Deutschen Kolo­nialgesellschaft hielt gestern im kleinen Saal von Steins Garten ihren ersten Vortragsabend. Frau Geheimrat Lehmann aus Marburg sprach über Zweck und Ziele des Frauenbundes. Sie verstand es, die zahlreich anwesende Zuhörerschaft, meist Damen, für die einschlägigen kolonialen Fragen zu interessieren und schilderte unter Einflechtung vieler sinniger und ihren Ein­druck auf das leicht empfängliche Frauengemüt nicht verfehlenden Einzelheiten die Lage der deutschen Frauen und Mädchen in den Kolonien. Auch gegen die Mischehen zwischen Schwarzen oder Mischlingen und Weißen nahm sie Stellung und forderte zur Fraueneinwanderung aus. Die Vorsitzende der Abteilung, Frau Professor Bötticher, dankte der Rednerin. Die beachtens­werten Bestrebungen der Abteilung des Frauenbundes, die gestern eine namhafte Zahl neuer Mitglieder gewann, werden, wie man uns schreibt, durch die für Herbst l. I. in Aussicht genommene Gründung einer Abteilung der Deutschen Kolonial­gesellschaft eine weitere Stütze erfahren. Die Vorträge und sonstigen Veranstaltungen der beiden Abteilungen sollen alsdann in engem Anschluß an die der Gesellschaft für Erd- und Völker­kunde stattfinden.

** Schülerwetturnen. Der geschäftsführende Aus­schuß hat in seiner gestrigen Sitzung einstimmig beschlossen, allen Schülern, die an dem Schülerwetturnen oder den Freiübungen teilnehmen, mit Rücksicht aus die Ausgaben für Turnhemd und Gürtel freien Eintritt für das ganze Fest zu gewähren. Die Eintrittskarten werden nach der heutigen Hebung auf dem Trieb ausgeteilt.

"Die Maul- und Klauenseuche ist ausge­brochen im Vorwerk Sk oll men, Kreis Preußisch-Holland, Regierungsbezirk Königsberg, am 4. Juni.

Lollar, 7. Juni. Aus der ganzen Umgebung waren Verehrer Kümmels und seiner Knnst herbeigeeilt, um den Künstler imSaalban zur Linde" wieder einmal zu hören. Vom stürmischen Bestall zu berichten, bleibt eigentlich überflüssig, da diese Erscheinung beim Austreten Kümmels in seiner Heimat selbst- verständlich war. Aber Rummel bietet nicht mir seinen persön­lichen Freunden und etwa besonderen Verehrern seines Instruments nur etwas. In jedem Ton seines Vortrages verrät sich der Musiker im besten Sinne, mott möchte sagen,trotz" geradezu fabelhafter Technik. Zu Ehren Kümmels sei gesagt, daß er seine Knnst in un­eigennützigster Weiseseiner Liedertafel", deren Ehrenmitglied und Mitgründer er ist, zur Beringung stellte. Für reichliche Abwechslung ivar Sorge getragen durch die Vorträge derLiedertafel", die sich bester Ausnahme erfreuten. Wie immer, sprachen auch diesmal die Volkslieder besonders an. Auch ein Geigen-Solo des Solo­geigers der Gießener Regimentskapelle, Herrn Heinig, saitd großen Beifall. Von den Orchester-Borträgen gefiel besonders gut die Carmen"-Jautasie. Einige frohe Stunden der Geselligkeit und ein Tänzchen für die Jugend bildeten den Abschluß des schönen Tages.

= Da n bringen, 7. Juni. Auch in diesem Jahre hatte der Turnverein sehr schöne Erfolge bei der Gauturn­fahrt des Gaues Hessen in Münzenberg. Die von dem Verein entsandten Turner errangen sämtlich Preise. Den 4. H. Grölz mit 81V« Punkten, den 18. H. Braun mit 71 Punkten, den 46. Wilh. Erb mit 06V3 Punkten und den 58. Karl Dort mit 50 Punkten.

Lehrbach (Kreis Alsfeld), 6. Juni. Der 18jährige Sohn des Fuhrunternehmers K. Lenz wollte an einen schwer beladenen Holzwagen einen leeren Waren anhängen. Als er die Anhängekette unter ersterem Wagen befestigen wollte, zogen die Pferde an und das Hinterrad des schweren Holzwagens überfuhr die Brust des bedauernswerten jungen Mannes. Nach 2 Stunden ist er seinen inneren Ver­letzungen erlegen. Es mahnt dieser Fall wieder alle Fuhrwerksbesitzer zur Vorsicht.

X Mücke, 7. Juni. Gestern suchte man durch einen Polizeihund aus Gießen die Spur des Einbrechers in dem Baistschen Metzgerladen zu ermitteln. Der Hund ver­folgte eine Spur, die in das Wärterhäuschen auf der Holz­industrie führte. Ob der Insasse dieses Häuschens als Täter in Betracht kommen kann, bleibt dahingestellt, wird aber bezweifelt.

* Bad-Nauheim, 7. Juni. Der höchste russische Geistliche Deutschlands, Propst von Maltzan, zugleich Geistlicher beH der russischen Gesandtschaft in Berlin, ist heute morgen hier angekommen und bei dem Vorsitzenden des hiesigen Kur- und Verschönertingsvereins, Lehrer Ang. Wagner, abgestiegen. Der anläßlich des Geburtstages der Kaiserin von Rußland, der Protektorin der hiesigen russischen Gemeinde und Kirche, abgehaltene Festgottesdienst erfreute sich eines sehr starken Besuches, mich von nicht der russischen Gemeinde angehörenden Kurgästen. Die von Herrn von Maltzan in seiner Ansprache auf die Bedeutung des Tages Bezug habenden Ausführungen wurden mit großer Andacht ausgenommen. Die Gesänge wurden von dem russischen Kirchenchor der Gewerbeakademie in Friedberg ausgefiihpt. Herr von Maltzan wird trächsten Donnerstag einen Gottes­dienst in Homburg v. d.H. abhalten._

Darmstadt,.?. Juni. Bei dem Russischen Minifterresidenten Wirkt. Staatsrat Baron von Knorring fand zur Feier des Ge bu r tsf est e s der Kaiserin Alexandra Feodorowna von Rußland gefreut mittag eine Frühstückstafel statt, an der

nach derDarmst. Ztg" der Großherzog und die Groß­herzogin teilnaInnen. Außerdem waren u. a. der Einladung gefolgt: Staatsminister Dr. Ävald nebst Gemahlin, der Preußische Gesandte Freiherr von Jenisch, der Großbritaimisch? Geschäfts- träger Mr. Harford, Oberstallmeister Riedefel Freiheun zu Eisen- bad), Oberhofmeisterin Freiin von Senarclens-Grancy, General- adjutant Hahn, Generalmajor ä la suite Freiherr von Hehl, Gelteimerat Römheld, Kammerherr Freiherr von Leonhardi, nebst Gemahlinnen, Graf und Gräfin Belewsky.

-e-. Erda, 7. Ium. Der Kreisausschuß hat beschloßen, den Lehrern Kirchhoff-Tiefenbach und Red-Erda für ihre Leistungen auf dem Gebiete des Fortbildungsschulunter­richts eine besondere Anerkennung von je 30 Mk. aus Kreismitteln zuteil werden zu lasten.

X Biedenkopf, 7. Juni. Auf der Grube Storch und Schöneberg bei Gosenbach verunglückten gestern vier Arbeiter dadurch, daß der Förderkvrb ein Gerüst lun- riß. Während drei von ihnen sich retten konnten und nur gering verletzt wurden, verschwand der letzte, ein junger Mann namens Bäumer aus Oberscheld, in dem 800 Meter tiefen Schacht. Seine Leiche war kaum erkennbar.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den! Nachbarstaaten. Die Kaiserschleife soll der Kriegerverein- Feldlrücken aus Anlaß seines 25 jähr. Bestehens erhalten Kreis­rat Geheimrat Schönfeld-Schotten wird das Geschenk des Kaisers an einem der ttächsten Sonntage überreichen. Der Gräflich Schlitz'sche erste Kammersekretär Fr. Jen sch in Schlitz ist zum Kammerrat ernannt worden. Kammer rat Jensch ist 40 Jahre im Dienst und somit einer der ältesten Beamten der Standes- Herrschaft. Der im Haftlokal in Lauterbach wegen Mord» Versuchs untergebrachte H. Fink von Dirlammen, der am 26. Mai seine Frau mit der Axt erschlagen wollte, versuchte sich gestern den Hals abzuschneiden: er wurde schwer verletzt in die Jrrenklinik nach Gie ßen gebracht.

Universitäts-Nachrichten.

sd. Darmstadt, 7. Juni. Nack) dem Personalverzeichnis der Technischen Hochschule für das Sommersemester 1910 ist eine Gesamtbesucherzahl von 1407 gemeldet, darunter 43 Da­men. Im letzten Wintersemester betrug die Zahl 1682, darunter 132 Damen. Die Besucher sind 1042 Deutsche und 365 Ausländer. Preußen stellt 503, Hessen 337, Bayern 58, Elsaß-Lothringen 25, Baden 23 Besucher usw. Von den Ausländern sind 277 Russen, 25 Oesterreicher, 20 Norweger, 8 Schweizer, 7 Engländer, 5 Italiener usw. An der Hochschule bestehen 41 Sttidentenvereini-' gungen und Verbindungen.________________________

Die Prinz-Heinnch-Zahrt.

Die zweite Schnelligkeitsprüfung.

Auf dem fünften Abschnitt der Fahrt(StraßburgMetz) wurde zwischen Heiligkreuz und Maienheim die zweite Schnellig­keitsprüfung abgehalten. Ueber das Ergebnis erhalten wir die folgende Drahtnachricht:

M a i e n h e i m , 7. Juni. Die Fahrzeiten bet dem Rennen bewegten sich für die 85 Kilometer lauge Strecke zwischen 2 Mi­nuten 30 Sekunden und 3 Minuten 31 Sekunden. Die beste Fahrzeit (nad) der Stärke des Motors gerechnet) hat Nr. 16, Edm. T i s s 0 t - Mannheim, mit 2 Minuten 30 Sekunden gefahren.

Metz, 7. Juni. Bis 4 Uhr 2 Minuten waren in ziemlich schneller Folge 35 Wagen am Ziel eingetroffen, von da an erfolgte die Ankunft in mehr oder minder bedeutenden Zwischen­räumen. Gegen Vs6 Uhr kam ein schweres Gewitter mit starkem Regen auf, das gegen 8 Uhr noch undatierte. Bis kurz nach 7 Uhr waren 70 Wagen angekommen. Der von dem Prinzen Heinrich gesteuerte Wagen langte um 6 Uhr 27 Minuten an und wurde von den trotz des Regens ausharrenden Mengen mit brausenden Hochrufen begrüßt. Der Prinz unterhielt sich am Ziel längere Zeit mit einem Herrn des Empfangsausschusses und fuhr dann nach dem Generalkommando, wo er Wohnung nahm. Unfälle sind nicht mehr vorgekommen. Morgen früh um 7 Uhr beginnt am Deutschen Tor der Start für die letzte Strecke MetzKoblenzLimburg a. d. LahnHomburg, rund 350 Km.

Unfälle.

Leider ereigneten sich bei der Fahrt mehrere bedeutende Un­fälle, bei denen auch mehrere Menschen getötet wurden.

Schle11ftadt, 7. Juni. Als heute morgen 6 Uhr 55 Min. bei der Weiterfahrt drei Wagen zu nahe aneinander fuhren, stieß der Wagen Nr. 5 (Henry Ninaud-MannhemO, der einem Fuhrwerk ausweichen wollte, gegen einen Akazienbaum, der um­brach. Der Rennwagen ist schwer beschädigt und mußte die Teil­nahme an der Fahrt aufgegeben. Wagen Nr. 25 (Otto Rose- Magdeburg) hatte an derselben Stelle einen Schlauchschaden. Nach viertelstündiger Rast setzte der Wagen die Fahrt fort.

Straßburg, 17. Juni. Bei der Ausfahrt zum Start mußte der Wagen Nr. 71 H. G. (Heilmann, Töpchin) Benzin einnehmen. Plötzlich geriet der Wagen in Brand und brannte dis auf die Metallteile nieder. Wie Iber Besitzer versichert, ist der Brand durck) Unachtsamkeit eines Zuschauers entstanden, der ein brennendes Zündholz wegwarf. Verletzt wurde niemand dabei.

Tödlicher Unfall.

Oberonzen, 7. Juni. Heute vormittag ereignete sich ein beklagenswerter Unfall. Gegenüber der großen Tribüne des Automobilklubs K 0 l m a r fuhr der Wagen Nr. 57 (Franz Heine- Hannover) mit voller Wucht gegen einen Baum. Der Wagen wurde vollständig zertrümmert. Zwei Insassen sind tot, der dritte ist schwer verletzt. Auch ein Zuschauer wurde verletzt. Das Rennen ist vorläufig eingestellt.

K 0 l m a r , 7. Juni. Prinz Heinrich ließ durck) den Grafen S i e r st 0 r f f einem Vertreter derNeuen Badischen Landes­zeitung" in Mannheim amtlich erklären, daß der heutige Unfall auf einen Mangel an der Steuerung zurück­zuführen sei. Der Chauffeur Brunner und der Unbarteiifröe Allenstedt aus Siegburg sind tot, der Lenker des Wagens, Herr Heine, wurde schwer verletzt.

Kolmar, 7. Juni. Der schwer verunglückte Rennwagen­besitzer Franz Heine, Direktor der Frankfurter Adlerwerke in Hannover, befindet sich hier int Diakonissenhaus in Pflege. Er hat einen Schenkelbruch, mehrere Rippenbrüche, einen Armbruch, eine Schulterverrenkuna, sowie eine schwere Quetschwunde am Kopf erlitten.

*

Straßburg, 7. Ium. Zu den bereits gemeldeten Un*< fällen ist noch ein weiterer zu verzeichnen. Nr. 17 (Edmond Tissot- Mannheim) erlitt gestern abend beim Einfahren in den Schuppen einen Radbruch, ebenso hat Nr. 95 (Emil Quaas^ Meerane) am späten Nachmittag wegen Kolbenlagerschadens bei Schwäbisch-Gmünd die Fahrt aufgeben müssen.

Erdbeben in Süöitalien.

In Süditalicn hat ein neues Erdbeben die Einwohner wieder erschreckt. Eine Hrvße Anzahl von Häusern stürzte ein, mehrere Menschen wurden getötet. Seither sind uns folgende Drahtmeldungen zugegangen:

Foggia, 7. Juni. Ein heftiger Erdstoß, dem ein 19 Sekunden andauerndes Beben folgte, wurde gegen 3 Uhr nachts hier und in der Provinz verspürt. Die Bevöl­kerung übernachtete im Freien. Die Mauern des alten Domes in Revine weifen Risse aus.

Neapel, 7. Juni. Ein wellenförmiger, mehrere Se­kunden anhaltender Erdstoß wurde nack)ts kurz nach bret Uhr hier, namentlich in den höher gelegenen Stadtteilen, verspürt. Biele Einwohner verließen die Häuser. Auch in Benevento, Cosenza, C aste Nam ar e di Sta- bia, P 0 t e n za und Catanzaro wurde der Erdstoß wahr- genommen. In Avellino war der Stoß so stark, daß

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