soweit sie bisher nur bis zur
Wagen der roten Lune
Moltkesiraße gefahren sind — bis an die Ecke der Licher Straße und der Straß« zur neuen Kaserne fahren zu lassen. Auch eine Nermehrung der Haltestellen ist beabsichtigt.
*• Frauenkonferenz. Dienstag, 11. Jan., findet die 7. Frauenkonferenz des Verbandes evangel'.sch-lirchllcher Frauenvereine int Großherzogtum Hessen zu Darmstadt statt. Frau Pfarrer Schrader-Wiesbaden nnrb über das zeitgemäße Thema: „Die Dienstbo teuf rage" sprechen.
** Folgende gewerbepolizeiliche Revisionen wurden in der Stadt Gießen im 4. Vierteljahr 1909 vorgenommen: (fä wurden revidiert etwa 50 Fabriken und Betriebe hinsichtlich der Einhaltung der Vorschriften unter §§ 163 ff. und § 167; der AusführungSanweise zur Gewerbeordnung, sowie dec Führung von Arbeitsbüchern, Anmeldung der jugendlichen Arbeiter, Arbeitszeit, Plakate und Listen der jugendlichen Arbeiter. In einigen Falten fehlten die auf Grund des § 107 der G. O. zu führenden Arbeitsbücher miiidcrjähriger Personen, sowie die Angabe jugendlicl>cr.Arbeiter, auf dem nach den Vorschriften des § 138 der G.-O. zu führenden Verzeichnissen. 36 Bäckereien in Bezug auf Einhaltung der Polizeiverordnung vom 27. Oktober 190 Z bett, die Reinhaltung der Bäckereien. In 15 Betrieben ergaben sich Beanstandungen wegen Instandhaltung der Arbcitsräumc in Bezug auf Anstrich und bergt 36 Konfektionswerk statten, in denen jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt werden, in Bezug auf Einhaltung der Kaiserlichen Verordnung vom 4. Juli 1909. Aus einigen Werkstätten fehlten die auf Grund des § 107 der G.-O. zu führenden Arbeitsbücher minderjähriger Personen. 17 Verkaufsstellen, in denen Karbid gelagert und verkauft wird^ auf Grund der Verordnung vom 20. Oktober 1905. In einem Falle ergab sich eine Beanstandung. 36 Bar b i e r stu b c n auf Einhaltung der Polizeiverordnung, den Gewerbebetrieb der Barbiere betr., vom 8. August 1909. Beanstandungen ergaben sich keine. Ferner wurde revidiert die Beschäftigung von Gehilfen und Lehrlingen im Handelsgewerbe an Sonntagen auf Grund des Ortsstatuts vom 19. März 1909. In zwei Fällen mußten wegen Uebertretung dieses Statuts Anzeigen erhoben werden. Tie Beichäftigung schulpflichtiger Kinder in gewerblichen Betrieben auf Grund des Kinderfchutzgesetzes vom 30. März 1903, sowie die gewerbliche Nebenbeschäftigung schulpflichtiger Kinder, die verbietet, auch eigene Minber zum Austragen von Backwaren, Milch, Zeitungen und bergt vor 8 Uhr morgens und nach 8 Uhr abends zu verwenden. In einigen Fällen mußte wegen Verstoß gegen diese Verordnung Strafanzeige erhoben werden. Auf Grund des § 139 e der G.-O., nach 9 Uhr abends verbotenen Hausierhandel mit Waren, Südfrüchten und bergt, wegen Uebertretung biefer Bestimmungen wurde in einem Falle Anzeige erhoben. 53 Verkaufsstellen, die M a r g a r i n e und Margarine ähnliche Fabrikate und Knnstspeise- sette verkaufen, in Bezug auf Einhaltung des Gesetzes oom 15. Juni 1897 über den Verkehr mit Margarine, Nunstsveisc- sette und bergt In einer Anzahl Verkaufsstellen., woselbst Margarine ähnliche Fabrikate in neuester Zeit geführt werden, ergaben sich Beanstandungen. In einem Falle mußte wegen wiederholten Verstoßes gegen das betreffende Gesetz Anzeige erhoben werden. R a h r u n g s m i l t e l k o n i r o l l e: Es wurden 103 Nahrungs- und Genußmittelprobcn, sowie VerbrauchSgegenstän.de entnommen und dem bient. Untersuchungsamt, sowie dem Großh. Kreisgesundheitsamt übergeben. In zwei Fällen ergaben fick)
Darmstadt vorgenommenen Verlosung fielen die Gewinne auf folgende Aktiennummern: a) Anrechtscheine: Nr. 402 (500 Mk.), Nr. 34 (400 Mk.), Nr. 556 (300 AU.), Nr. 409, 955 (200 Mk.), Nr. 812, 862 (150 Mk.), Nr. 403, 983, 1429, 1443 (100 Mk.), Nr. 1439, 1467 (60 Mk.), Nr. 226, 776 (50 AU.); b) sonstige Kunstgegenstände: Nr. 36, 49, 60, 79, 85, 92, 160, 162, 267, 287, 300, 335, 341, 803, 816, 954, 1038, 1059, 1079, 1113, 1434, 1461, 1478, 1553, 1556, 1587, 1608. Den Mitgliedern, die Anrechtscheine gewonnen haben, steht das Recht zu, innerhalb eines Jahres sich ein Gemälde auszuwählen, das den Wert des gewonnenen Betrages hat. Die anderen Gewinne werden den Mitgliedern in den ersten Tagen zugestellt.
** Stadttheater. Wegen Erkrankung des Frl. Koch wird in der morgigen Dienstag-Abonnementsoorstellung von „Romeo und Julia" Frl. Neubke vom Frankfurter Schauspielhaus die Julia spielen. Das Gastspiel ist um so interessanter, als Frl. Reubke, die vom Münchener Hoftheater kam, bei ihrem Probegastspiel in Frankfurt gerade als Julia s. Z. einen großen Erfolg errang. — Der Krankheitsfall macht auch wettere Repertoireveränderungen nötig. So wird zunächst am Mittwoch statt „Flottenmanöver" der lustige Schwank „Der selige Toupinel" gegeben werben.
*' Van der Straßenbahn. Die beiden von der Stadtverordneten-Versammlung nachträglich bestellten Straßenbahnwagen iverden spätestens Mitte März geliefert werben. Für den Sommerfahrplan ist in Aussicht genommen, die
Ausland.
Nach einer Meldung au:' , c u v c ft erklärte Justh in einer Konferenz mit dem Ministerpräsidenten Lukacs auf dessen Frage, ob seine Partei ein zweimonatliches Budgetprovisorium bewillige, daß seine Partei ein Provisorium nur der Regierung votieren könne, deren Programm ihr bekannt sei und zu der sie Vertrauen hege.
Der französische Botschafter verlangte bei der Pforte die Zurückziehung der türkischen Truppen aus bem strittigen tu nesisch-tripolitani scheu Grenzgebiet. Außerdem verlangt er die entgüllige Festlegung de r Grenze. Die Pforte, welche dieses bisher zurückwies, weil die Anerkennung eine Besetzung Tunis bedeuten würde, erklärte nunmehr ihre Bereitwilligkeit zu einer Grenzregulierung, wenn einige Formfragen erledigt würden.
Aus Paris meldet man: Am Sonntag nachmittag veranstalteten Angestellte von Kolonialwarenge- schäften eine Kundgebung und versuchten, einen Laden dieser Branche zu plündern; sie wurden von der Polizei auseinandergetrieben, die drei Verhaftungen vornahm.
Wie in Konstantinopeler jungtürkischen Kreisen verlautet, soll das Kriegsportefeuille dem Berliner Botschafter Nisami Pascha angebolen werden, weil der Generallissimus Schewtet Pascha bezüglich der Annahme keine bestimmte Antwort erteilte.
letzter Jnstaitz in allen kolonialen Streitsachen Recht zu sprechen berufen ist. Ebenso steht die Vorlage eines Gesetzes über die Regelung der Rechtsverhältnisse der Kolonialbeamten bevor.
Eine B ü n d l e r - V e r s a m m l u n g in Eisenach beschloß einstimmig die Unterstützung des deutsch-sozialen Kandidaten Hä brich.
Die chinesische Marine-Studienkommif- sio n machte, wie aus Kiel gemeldet wird, Samstag mittag nach der Besichtigung der Germaniawerft an Bord des neuen Linienschiffes „Westfalen" eine Fahrt in die See. Sie ist mit dem Schiff „Westfalen" kurz nach 4 Uhr wieder im Hafen eingetroffen. Sie begab sich alsbald an Land nach dem königlichen Schloß zur Vorstellung bei der Prinzessin Heinrich von Preußen. Die Kommission ist Sonntag vormittag um 10.45 Uhr mittels Sonderzuges nach Essen ao- g er eist.
aller Zeiten und Nationen, die Kellers Statistik berücksichtigt, sind nur 6 vor dem 30., nur 22 vor dem 40., nur 40 vordem 50. Lebensjahr gestorben. Auch im 6. Jahrzehnt bewegt sich die Anzahl der Todesfälle noch in sehr niedrigen Ziffern, die höchsten Zahlen werden erst im 8. Jahrzehnt erreicht, also zwischen dem 70. und 80. Lebensjahr. In dieser Alterszone starben u. a. Händel, Scarlatti, Gretry, Haydn, Gluck, Clementi, Paesiello, Zelter, Spohr, Rossini, Meyerbeer, Gounod, Liszt, Joh. Strauß, Robert Franz, Klara Schumann, Anton Bruckner, Ferdinand von Hiller, Karl Löwe, Josef Joachim. Aelter als 80 wurden Heinrich Schütz, Hasse, Rameau, Cherubim, Ambroise Thomas, Auber, Franz und Vincenz Lachner, Ed. Grell, Verdi. Auch die Zahl der älter als mit 90 verstorbenen Musiker ist verhältnismäßig erheblich — das höchste Atter unter ihnen erreichte der 1906 mit 101 Jahren gestorbene Sänger Manuel Garcia.
. — Der Ursprung amerikanischer Namen. Europäische Städte- und Ländernamen sind vielfach in Amerika vertreten, und die „Berlin", „Paris", „Petersburg" usw. finden sich drüben zu Dutzenden. Immerhin gibt es natürlich auch sehr viele geographische Namen die echt amerikanischen Stammes sind, also auch nicht der englischen Sprache angehören, und von denen der Turchschnfttsarnerikaner selbst nicht weiß, was sie bedeuten. Sprachforscher haben sich viel Mühe mit ihrer Erklärung gegeben und nicht immer ist es ihnen gelungen. Die meisten der Namm flammen von Indianern her. So leitet Alabama seinen Namen von dem Stamme her, den die Franzosen in Louisiana die „Alibamons" nannten. Mississippi, ein Name, den auch ein Fluß in Kanada trägt, bedeutet Großer (Michi) Strom (Sipi). Arkansas nannten die Algonquin den Jndianerstamm der Qneppos. Kentucky und Connecticut bedeuten dasselbe wie Mississippi „großer Fluß". Der Name, den sich die rothäutigen Bewohner von Illinois gaben, und der soviel besagte als „wir sind Menschen" ist ihrem Lande verblieben. Wisconsin ist eine Verballhornung von Miscosi (rot) und Missouri ist soviel wie Kanoe. Ans dem Worte Ajawa,^d. h. jenseits, nämlich jenseits des Stronres, ist der Name des Staates Iowa entstanden. Endlich gab das Bündnis mehrerer Stämme dem Staate Texas seinen Namen; es ist nämlich durch die Verdrehung eines Wortes, entstanden, das bedeutet: „Wir sind Freunde".
Tbk. Der Ver l e g e r e in b an d. Die eigentliche Liebe zum Buch ist literarischer und nicht kunstgewerblicher Art. Ter rechte Leser tauft sich em Werk, weil er sich mit dem Inhalt aus- einandersetzen rnöckste, nid't aber wegen ber Ausstattung. Tas gute Buch in einer schönen Aufmachung zu besitzen, ist die Absicht, die Freude am Inhalt >oll geiteigert iuciuen durch ein dem Ange
gespendetes geschmackliches Behagen, döeben ber typographischen Gestaltung ist es der Einband, der dem Bücherfreund solch Ergötzen bereitet. Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein kümmerte sich der Verleger kaum nm den Einband. Er verkaufte das Buch broschiert und überließ es dem Erstehcr, das Werk dem Buchbinder zu überantworten. Erst die Jmitationsperiode der Prachtwerkzeft führte zur Grvßbuckchinderei. Der Verleger wollte für weniges Geld eine Nack-ahmung des Kunsthandbandes liefern. Eine holz- papierne Lederfälschung wurde gepreßt und geprägt. Und das Publikum hatte für ein paar Groschen etwas, was so ähnlich aussah wie der teuere Ledercinband. Gewiß eine niedrige Absicht. Schließlich ist sie aber doch der 2lnlaß zu recht erfreulichen Leistungen gewesen. Tenn als die neue Kunstgcwerberefvrm-Be- iregung den Streitruf: Materialechtheit, Qualität und Gediegenheit erschallen ließ, war dieser so ganz und gar nickst prächtige Prachtband das bequemste Gegenbesipiel, das immer wieder angeführt werden konnte. Er verschwand auch ziemlich schnell von der Bildfläche und wurde ersetzt durch einen Manencinband, der selbst und für sich etwas war, ohne den Kunstbuchoinder überflüssig machen zu wollen. Wer Leder nicht bezahlen kann, soll eben auf das Leder verzichten. Es gibt ja genug andere, billigere Stoffe, die ebenfalls ihre Schönheft haben. Tas war die erste der Erwägungen, die der Besserung entgegenführten. In England hatte man gute Wirkungen erzielt mit Leinen und Kaliko; selbst ber einfache Pappband gab eine angenehme Hülle ab und die Buntpapiere, deren Herstellung man mit Fleiß und Geschick wieder auf genommen hatte, waren sowohl als Vorsatz wie für die äußere Hüfte ein trefflicher Schmuck. Auch kostbare Stoffe: Leder, sogar das Pergament wurden wieder verwendet, aber verständig materialgereckst. Tie Großbuchbindereien sahen sich mehr und mehr genötigt, auf die so hochentwickelte Fälscherkunstfertigkeit zu verzichten. Tie Verleger, gedrängt von dem Verlangen des Publi- lums, lassen sich von tüchtigen Künstlern beraten, bemühen sich um gediegene, geschmackvolle Entwürfe. Ta steht eine frische Zeichnung, ein feines Ornament, ein kräftiges Signet neben bem schön geschriebenen ober gut gesetzten Titel. Trotz manck-er Entgleisung im einzelnen, wie sie bei einer solchen Menge von Erscheinungen immer mit unterlaufen werden, Eann man auf diese Entwicklung mit Genugtuung zurückblicftn. Tas Buch hat zweifellos einen Mehrwert bekommen, der bedeutungsvoll ist für die vielen, die nicht beliebig viel für Bücher ausgeben können. Der Handband wird daneben immer seine Stellung behalten. Er hat als Lieb- haberwert seine eigene Gesetzlichkeit, die nichts gemein hat mit bem Verlegereinband, der nur Mert hat, solange er demokratisch, solange er Massenerscheinung bleiben will. Paul W oft beim.
Die Pforte übersandte den Schutzmächten Kretas eine Note, in welcher gegen die Eidesleistung 1 der neuen Kretaregierung und gegen den Beschluß der kre- . tischen Kammern betreffend die Anwendung der Gesetze des Königreichs Griechenlands auf der Insel protestiert wird.
Ha kkiB ey ist in Konstantinopel cingetroffen. Er würbe unterwegs auf allen Stationen sowie auf dem Bahnhofe Konstantinopel festlich empfangen und von ber Volksmenge stürmisch begrüßt. Der Sultan empfing ihn nachmittags in Audienz und übertrug ihm die Bildung des Kabinetts.
Aus Helfingfors wird gemeldet: Nachdem die hiesigen Rechtsanwälte beschlossen haben, das Reichs- st e m pelst cu er g es e tz nicht zu beobachten oder notgedrungen entrichtete Stempelsteuer auf gerichtlichem Wege zurückzufordern, beginnen nunmehr das Hosgericht und andere finische Behörden die Dokumente ohne Stempclmarken entgegenzunehmen. „Nyapressen" schreibt zu diesem Anlaß: Der Konflikt gibt dem finischen Volte und seinen gesetzmäßigen Cbrigleiten Anlaß, auf gesetzlichem Boden den energi-schsten Widerstand zu leisten. Es ist Pflicht der finischen -Obrigkeiten und Privatpersonen, die dem Volke gewährten gesetzmäßigen Rechte unbeugsam zu beobachten.
Aus New York wird gemeldet: General Fornos Diaz, der unterwegs nach Managua War, um als Vertreter Eftradas mit dem Präsidenten Madriz den Frieden zu vereinbaren, ist infolge Kenterns des Bootes bet der Barre von Greytown ertrunken.
Die führenden japanischen Blätter sprechen sich dagegen aus, daß Japan den Vorschlag Amerikas, die m ftu d f churilcye uis c n ba h n ourcy Verkauf an China zu neutralisieren, annehme. Allgemein kommt die Meinung zum Ausdruck, daß der Plan undurchführbar fei. Die Blätter sind der Ansicht, Japan werde keine dem zugemuteten Opfer entsprechende Vergütung erhalten; auch- würden die Interessen der iapanischeu Ansiedler in der Südmandschuxei durch ein solches Arrangement nicht geschützt.
Deutsches Reich.
Der Kaiser hat auf den Neujahrswunsch des Berliner Magistrats folgendes Antwortschreiben gesandt:
Für die ftemtdlichen Glückwünsche, mit denen der Magistrat meiner Haupt- und Residenzstadt Berlin mich in das neue Jahr geleitet hat, und für den Ausdruck treuer Anhänglichkeit spreche ich dem Magistrat meinen wärmsten Tank aus. Mit besonderer Freude bin ich in der Adresse der Erwähnung ber bevorstehenden Hundertjahrfeier der Begründung der Friedrich Wilhelms-Un- versität begegnet als eines Lichtblickes in den ernsten Erinnerungen an das Jahr 1810. Zeugt dieses Werk meines Ahnen doch von dem auch in der Zeit schwerster Bedrängnis nicht erschütterten Vertrauen zu der Kraft des preußischen Volkes und seiner Wiedergeburt durch ernste geiftige Arbeit. Daß die städtischen Behörden Berlins in dem Geiste, welcher dieser großen Schöpfung zum Leben verhalf, auch an ihrem Teil an der geistigen Fürsorge für die Heranwachsende Jugend rüstig und verständnisvoll roeüerarbeiten, habe ich erst kürzlich gelegentlich der Einweihung der 300. Gemeindeschule dankbar anerkennen können. Möge auch im neuen Jahre ber Arbeit der Berliner Stabtberwaltung der Erfolg nicht fehlen.
Ter Kaiser nahm Samstag vormittag, im Neuen Palais die Vorträge des Staatssekretärs des Reichsmarine- amts und des Chefs des Marinetabinetts entgegen.
Wie nach der Nationalzeitung verlautet, sind die Abmachungen über den Besuch des Reichskanzlers in Rom nunmehr endgültig getroffen. Herr von Beth- mann-Hollweg wird such während der Osterferien des Reichstages nach der italienischen Hauptstadt begeben.
Nach bem Wiederzusammentritt des Reichstags wird nach einer Blättermeldung das Auswärtige Amt ein Weißbuch mit den diplomatischen ^itenfrücfen über die Mannesmann-Angelegenheit vorlegen. Unmittelbar nach Zusammentrift des Reichstags wiru" oce,em au per einer Denkschrift über die Diamanten frage in Teutsch- Südwest ein Gesetz über die Schaffung eines Kolonialgerichtshofes' vorgelegt werden, der in dritter und
weg über eine für unsere Verhältnisse erstaunlich geringe Beamtenzahl verfügen, und bereit Verwaltung doch weit prompter und für bas Publikum zufri^enstellenber arbeitet. Es wäre eine dankbare Aufgabe für unsere Nationalökonomen, sich einmal recht eingehend mft der Oekonomie der Staatsverwaltung zu beschäftigen und (Erhebungen und Vergleiche über die Kosten und die Art der Verwaltung im In- und Ausland weiteren Kreisen zur Verfügung zu stellen. Man wird sich bann vielleicht mehr als jetzt die Erfahrungen anderer Länder zunutze machen. Meines Erachtens ist es ein fundamentaler Fehler des deutschen Systems, daß die Auswahl ber Beamten auf eine kleine Kaste vorschriftsmäßig ausgebildeter, oft mit „Berechtigungsschein" versehener Bewerber beschränkt ist, die bestimmte, vorwiegend juristische Examina absolvftrt haben müssen, so daß sie aus ben ihnen anerzogenen Normen gar nicht mehr herauskönnen. Leider zieht dies System weitere Kreise, indem es auch für die Provinzial- und Kommunalverwaltungen vorbildlich ist. Kein Wunder, daß bei diesen der Apparat ebenso schwerfällig und kostspielig wird wie bei der Staatsverwaltung. Lernen wir aus dem Beispiel Englands und feiner so erfolgreichen Kolonialverwaltung, daß die beste Befähigung für wichtige Zweige des Staatsdienstes nicht nur akademische Semester und Examina, sondern vor allem praktischer Blick und kaufmännischer Geist sind. Nehmen wir die tüchtigen Leute da, wo wir sie finden, ohne Rücksicht auf ihren Bildungsgang; dann werden wir über die Promptheft und die Kosten unserer Verwaltung weniger zu klagen haben, dann werden wir auch hoffen dürfen, daß unsere Beamten mehr als bisher von dem Gefühl sich durchdringen lassen, daß sie, wie der Staatssekretär v. Stephan einmal gesagt hat, für das Publikum da sind und nicht das Publikum für die Beamten!
Deutsche Kolonien.
— Dic Schutztruppeu, Tie „91orbb. Allg. Ztg." behandelt in einem längeren Artikel die Ersatzfrage unserer Schutztruppe in Deutsch-Afrika (Kamerun) und kommt unter Hinweis auf das von Frankreich eingeführte System ber Prämienzahlung an oie_ Eingeborenensoldaten bei längerer Dienstzeit zu bem Schluß, daß es eine Unterlassung bedeuten würde, wenn wir aus Scheu vor momentanen Ausgaben uns nicht dazu entschließen könnten, den zweifellos sichersten und aussichtsreichsten Weg zu dauernder Gewinnung ber farbigen ^liannschaften cinzuschlagen, also auch unseren Eriatz durch ähnlickM Prämien- unb Pensionszahlungen länger als bisher an die Truppe unb bereu Erziehung zu fesseln. Die Mehrausgaben, fügt bas Blatt hinzu, werden «ich bezahlt machen, nickft allein durch die Awvehr wertcvernicy- tenber Unruhen, sondern auch durch positive Leistungen eines zu Ordnung und Verdienen erzogenen Eleinentes, das mit ben entlassenen Mannschaften in die farbige Bevölkerung ber ganzen Kolonie hineingetragen wirb.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 10. Januar 1910.
** In Audienz empfangen wurden vom Groß- herzog am Samstag u. a. der Erbprinz Ferdinand zu Nfenburg-Büdingen-Wächtersbach, Leutnant int Regiment ber Gardes du Eorps, der Direktor der Augustiner- chule zu Friedberg Ritsert, der Postdirektor Schäfer von Gießen und die Kanzleiräte Jäger und Schiff nie von Gießen und in besonderer Audienz der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Freiherr von Schön und Sohn, Gesandtschaftsattache.
** Erledigt ist eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende S ch u l st e 11 e zu Bingen.
*' Für sorge lasse für Beamte und Bedienstete der Landgemeinden und Kommunaloerbände. Dem Großh. OberrechnungSrevisor Hch. Erb wurde, nachdem er mit Wuk- ung vom 1. Januar seine Entlassung aus dem Staatsdienst erhalten hat, oom gleichen Tage ab die Stelle des Rechners im Hauptamt übertragen.
** Zum Studium der Volksschullehrer. Den Universitäten Leipzig, Gießen und Jena hat sich jetzr auch eine preußische Hochschule angeschlosien, die solche Volks- schullehrer, die ihre Prüfungen gut bestanden flohen, zum Studium zuKulassen gedenkt. Es ist die Universität Gör- tingen, die auf das Betreiben des Geh. Regierungsrats Prof. Dr. Klein hin, der die Universität im Herrenhaufe vertritt, den Volksschullehrern ein zweijähriges Studium in den Fächern Deutsch, Geschichte, Englftch, Französisch, Physik, Geographie, Botanik und Zoologie, Chemie und Mineralogie und vor allem in Philosophie und Pädagogik ermöglichen will. Als Abschluß des Studiums ist eine Tiplomprü,ung in Aussicht genommen, die dem preußischen Mittelschullehrer- und Reltoralsexamen entsprechen soll. Auch an der Akademie in Posen können Bolksschullehrer nach 6-semestrigem Besuch seit vergangenem Jahr eine ähnliche Prüfung, die 511 r Verwendung im Seminar- und Schulverwaltungsdienst berclötigt, ablegen.
" Kunstverein. Bei der am 29. Dezember in


