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8.9.1910 Erstes Blatt
 
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160» Jahrgang

Donnerstag 8. September 1910

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Rr. 210 Erstes Blatt

Der «ehener Anzeiger _

erscheint täglich, außer *^flT A BezugSpreiö.

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-EmiOnonor /I ittoiAOfSB

zweimal rnonatl. Land- M ßL W W O M BL W HL M 3fc VaZk W «k, U ZeilerrpreiZ: lokal 15Pf.,

wirtschaftliche Seitftage« Wr B W W Vfr d< W M W< M VVB V Hy auswärts 20 Pfennig.

Fenstprech-Anschlüsse: N M AM JsLjF Chefredakteur: A Goetz,

für die Redaktion 112, I V^F wJy Verantwortlich für den

ZL General-Anzeiger für Gberhessen WM to Ä Aotatiomdrnck mtb Verlag der vrW'schen llnio.-vuch- «nd Zteindruckerei 8. Lauge. Redaktion, Expedition und Druckerei: Lchulftrahe i.

Gewerbliche vettiedsftatistü für die Bundesstaaten.

Band 216 der Statistik des Deutschen Reichs bringt die iCtfje der Tabellen der Gewerbestatistik zum Abschluß, die as amtliche Queltentwerk der Darstellung der Betriebe in ,en Bundesstaaten Fmd Lcrn des teilen des . Reichs widmet. Ler neue Band beha?ndelt die Gewerbebetriebe mit offenen Verkaufsstellen, fern ter die Bedeutung der Benutzung von Notoren und schließlich die Betriebe öffentlicher Körper­haften in den einzelnen Landesteilen (Tabellen 35), während der erste ^Teil der Veröffentlichung der Ergeb- ni))e für die Bundesstaaten, der Band 215, die beiden ersten Tabellen über die .Gewerbebetriebe nach ihrer Zahl und ?.en in ihnen beschäftigten Personen wie über das Haus- | Gewerbe darbot.

Von den 3,65 Millionen Gewerbebetrieben im Reich sind 1,02 Millionen Betriebe mit offenen Verkaufsstellen ver­luden. Die Zahl der Läden und dergl. im Reich beträgt 1 072 612. Nahezu -58 v. H. dieser Verkaufsstellen entfallen ntf Preußen, auf ZZayern etwa 14 v. H., auf Sachsen nicht qantz 7 intb auf Württemberg etwas über 3 v. H. Die Ziffern teilen sich des Näheren folgendermaßen:

Bundes st traten

Zahl der Betriebe mit

Zahl der

offenen Verkaufsstellen

Darunter Betriebe mit einer offenen Verkaufsstelle

Preußen........

591121

621 096

565 934

Bayern.........

141318

152 580

131 059

Königreich Sachsen.....

70 620

71301

70 001

Württemberg.......

35 789

36 127

35 521

^aden.........

37 916

39 023

36 917

Hessen........

19 838

20 522

19 213

Necklenburg-Schirierin . . .

9154

9 4Ö3

8 948

«tzroßherzogtum Sechsen . . .

5 824

6 014

5 699

B?ecklenburg-Strebltz ....

1574

1 607

1 546

Oldenburg........

6 255

6 483

6 075

Braunschweig . ......

9 379

9 779

9 036

^achsen-Meininggßi.....

3 296

3 505

3153

Lachsen-AltenbuiZg.....

2 998

3 089

2 939

Tachsen-Koburg-Hotha . . .

3 218

3 314

3150

.'Inhalt.........

5 699

5 866

5 592

Schwarzburg-Scoidershausen .

1440

1553

1338

O chwarzburg-Rujüolstadt . . .

1 382

1 406

1 361

Waldeck.........

827

895

768

h'eufe älterer Li«re.....

1 193

1 227

1169

Neuß jüngerer -inie ....

2 218

2 273

2180

Lchauinburg-LiHpe.....

536

610

472

2ippe..........

1 974

2 083

1 875

Lübeck .........

2 135

2 360

1998

Bremen .........

5 762

6186

5 587

Hamburg . -......

28 109

28 302

28 097

Elsaß-Lothringsn . . . .__

32 893

36 008

29 959

Deutsches Meid).....

1 022 468 11 072 612

979 587

Die weitaus meisten Betriebe haben nur einen Laden, i Unternehme^' mit 2 Verkaufsstellen wurden im Königreich IPreußen 22850 ermittelt, mit 3 und mehr Läden 2337;

in Bayern Lnd 9606 Betriebe mit 2 und 653 rnit 3 Ver- aufsstellen ^g^ählt. Bei dieser Verteilung der Betriebe nach der Zahl der Läden ist aber zu beachten, daß statistisch Die Zweiggeschäfte als Einzelbetriebe gelten, so daß sich die Besetzung 'brr GruppeBetriebe mit einer Verkaufsstätte" cllvas zu stellt. Die meisten Läden entfallen in der Regel auf die Gewerbeabteilung Handel, in zweiter Linie folgt das Gewerbe. In einigen Staaten aber überragt die Abteilung Industrie mit ihrer Zahl von Verkaufsstätten | die Zahl dew Läden im Handel, so in Württemberg, Mecklen-

Ä-------

Die Zutunft unserer Großstädte.

Angesichts der für den 1. Dezember ds. Js. in Deutschland bevorstehenden Volkszählung lesen sich die Ausführungen, die fb. G. Bourrough in derContemporary Review" über die Wachs­tumsmöglichkeiten der Riesenstädte anstellt, nicht ohne Interesse. Der bekannte Nationalöronom geht von der ziemlich allgemein anerkannt en Annahme aus, daß die täglichen Reisen von der Wohnung bis zum Bureau, Kontor, Fabrik oder sonstigen Ar­beitsplatz die Zeit von zwei Stunden eine für den Hinweg, die andere für den Rückweg nicht überschreiten dürfen, und konstruiert daraus unter Berücksichtigung der zur Verfügung ' stehenden Verkehrsmittel den praktisch möglichen Umfang, den ein einheitlich verwaltetes Gemeinwesen als wirtschaftliches Ganzes a-rnehmen kann, ohne ilt heillose Verwirrung zu geraten.

Für -Städte von Fußgängern, wie es noch heute die chine­sischen Millionenstädte sind und bis zur Mitte des 19. Jahr­hunderts auch die größten europäischen Städte waren, ergibt 'ich boTüitd als weiteste überwindbare Entfernung von den ab- , gelegenstem Wohnvierteln bis zu den Mittelpunkten des Handels und der ^Industrie eine Strecke von 4 bis höchstens! 5 Kilometern, die nur in Städten an großen schiffbaren Flüssen überschritten werden bannten, wo sich die City am Strome in die Länge aus- dchnen konnte nnb die Wohnstadt deshalb wie in Hamburg- Altona und in Lissabon aus der Kreisform in eine langelliptischg Gestalt füberging.

Ansder Zusammettballung der Menschenmassen bringen Eisen- : bahnen jund Dampfschiffe in den ersten Jahren ihres Begehens feine Veränderung hervor. Sie üben auf die Bevölkerung zunächst keine zentrifugale Wirkung aus, sondern wirken noch auf lange hiltaus zentripetal als Zubringer nicht nur von Frachten, son­dern m-h von Mensckien.^Erst später, als die Straßenbahnlinien über däs Weichbild der Stadt auf das benachbarte Land hinaus zu treten beginnen und die ersten Vorortbahnen mit billigem! Tarif 'Ditstehen, wachsen die Möglichkeiten der täglichen Reisen auf 10 bis 20 Kilometer und darüber stadteinwärts und eben­soviel Zär beit Rückweg. Die Großstadt, die früher einem kugel­förmigem Balle glich, nimmt»die Gestalt einer Spinne an, deren Beine sich in der Richtung ker Vorortbahnen ausstrecken. Ties entspricht dem gegenwärtigen Zustande, in dem sich die Per­sone nb Förderung mit den derzeitigen Verkehrsmitteln in Grotz- Londoist nut 7 Millionen, Rewyork mit 41/?, Paris und Grotz- Berlin mit 3*/* Millionen Einwohnern noch gerade bewältigen läßt.

Tch Zurunft hängt von der Ausvlldung rascherer und beyer entsprechender Verkehrsmittel, also im wesentlichen von dem Bau

burg-Schwerin, in einigen der thüringischen Staaten, in An­halt und den beiden Lippe. Auch der Anteil der Größen­klassen der Betriebe ist in der Tabelle berücksichtigt. Im Gesamtgewerbe zeigen in allen Bundesstaaten die Klein­betriebe mit bis 3 Personen^ eine reichere Zahl von Läden als die dabei an zweiter Stelle stehenden Zwergbetriebe (die sogenannten Allein betriebe) und die sodann an Zahl folgenden Betriebe mit 4 und 5 Personen.

Die Tabelle, welche die Benutzung von Motoren dar- stellt, gliedert ebenso wie die vorhergehende die Verteilung der Betriebe und der von ihnen verwandten Kräfte auf die einzelnen Staaten und Landesteile nach Gewerbeabteilungen und -gruppen, Gewerbe klassen und -arten. Im Deutschen Reich sind 1907 271 Tausend Betriebe, die motorische Kraft benutzen, ermittelt worden und die Kraft, die sie in regel­mäßigem Betriebe verbrauchten, betrug 8,83 Millionen Pferdekräfte und 1,545 Millionen Kilowatt: dabei sind ge­wisse, in der Vorbemerkung zu dieser Tabelle 4 aufgeführte Kraftmaschinen, wie durch Wind bewegte Triebwerke, Dampf­schiffe und dergl., nicht nach dem Kraftmaße berücksichtigt. Auf Preußen treffen davon 153 877 Unternehmungen mit 5197 375 Pferdestärken (von biejen entfallen 4,467 Mill, auf Dampfmotore) und 1087 095,6 Kilowatt. Bayern mit 32 411 Betrieben verzeichnet die nächsthöchste Zahl von Kilo­watt, nämlich 91 823,4, steht aber bem Königreich Sachsen, in dem 25 222 Betriebe Motore verwenben. bezüglich bet Pferdestärken nach. Sachsen weist 809 682 Pferdestärken auf; Bayern nimmt den dritten Platz mit 642067 Pferdestärken ein. Sachsen steht mit 88 889,1 Kilowatt an dritter Stelle. Nach der Zahl der Pferdestärken folgen bann Bremen mit 623 799, Elsaß-Lothringen mit 431330, Baden mit 244372 und Württemberg mit 228821 Pferdestärken. Hinsichtlich der elektrischen Kraft reihen sich an Sachsen an in erster Linie Baden (mit 53 835), dann Elsaß-Lothringen (mit 52 550,1 Kilowatt); sodann folgt Württemberg (mit 39 743,8), Hessen (mit 29 657,6) und Hamburg (mit 23 833,3 Kilo­watt).

In den Bundesstaaten sind 22 427 Betriebe öffentlicher Körperschaften gezählt, davon sind 8694 in Preußen und 7403 in Bayern gelegen. Von der Gesamtzahl der öffentlichen Betriebe sind 1013 Reichs- und 4514 Staatsbetriebe; 14 762 im Reich ermittelte derartige Betriebe gehörenpolitischen Gemeinden und anderen politischen Selbstverwaltungskör­pern" und 2138 Betriebeanderen öffentlichen Körper­schaften". Es handelt sich hier nicht um reine Gewerbe­unternehmen, sondern auch nicht gewerbsmäßige Betriebe sind hier miteingeschlossen; schlechthin die Tatsache des Be­stehens eines Betriebes entscheidet. So sind z. B auch botanische und zoologische Gärten, Bau- und Vermessungs- ämter, Eichanstalten, Sparkassen, die Krankenkassen der reichsgesetzlichen Arbeiterversich-ernng in den Ziffern ent­halten und in einer, Schluß gruppe sind Betriebe wie Kranken- chäuser, Heilanstalten, Museen und dergl. crufgenommen, die in das sonst in der Betriebsstatistik gebräuchliche System der Gewerbearten nicht einzuordnen sind.

Vie Uarsermanöver.

Preußisch-Holland, 8. Sept. Bei den diesjähri­gen Kaisermanövern wird ein Kampf um eine mit allen Mitteln der Technik befestigte Stellung zur Darstellung gebracht, ohne dabei die Entschlußfreiheit der Führer wesentlich zu beschränken. Aus Ersparrlisrücksichten wurden nur zwei Armeekorps her an gezogen. Die Manöver werden so kriegsmäßig wie möglich durchgefübrt. Die Kämpfe werden auch nachts' fortgesetzt, wie auch der Kaiser als oberster Schiedsrichter sich bereit erklärt, jederzeit Mit­

arbeiten zu wollen. Die allgemeine Lage ist folgende: Eine rote Annee ist vor der blauen über die Weichsel zurück- gegangen. Die blaue Armee ist ihr über die Weichsel ge­folgt und zieht in einer Linie vorwärts auf Marienburg- Riesenburg. Die rote Armee hat Verstärkungen zu er­warten und will nach deren Eintreffen erneut Widerstand leisten, wozu die Gegend des oberländischen Kanals und die anschließenden Seen einladen. Das rote erste Armeekorps einerseits und das blaue 17. Korps andererseits sind nur, nördliche Flügel von nach Süden sich beiderseits anschließen­den größeren Truppenmassen, die angenommen sind. Von. Neuerungen seien erwähnt: lieber Abtransporte sind noch keine Bestimmungen getroffen. Verluste werden durch Ent­fernung aus der Gefechtslinie praktisch bargestellt. Die gesamte Bagage nebst Begleitmannschaften wirb nick)t mehr als neutral betrachtet. Beim I. Korps wirbP. II", beim! XVII.M. III" arbeiten, beibc Lenkballons mit brahtloser Telegraphie. Die blaue Kavalleriebivision hat leichte draht­lose Stationen, Lichtsignale und Laftkraft-Kolonnen, die In­fanterie hat Scheinwerfer, die Pioniere haben einen neuen leichten Divisionsbrücktrain.

Die Portsmouther Spionage-Affäre.

& London, 7. Sept.

Die Angaben über die angebliche Spionage-Affäre von Ports­mouth gehen noch immer sehr weit auseinander, denn tvährenb gestern morgen mit aller Bestimmtheit behauptet wurde, daß die ganze Geschichte erfunden sei, Bleibt dieEvening News" auf Grund angeblicher weiterer Forschungen dabei, daß wirklich ein deutscher Leutnant namens Helm beim Zeichnen eines Forl-^ Dort Portsmouth verhaftet wurde, und zwar soll er dem 21. Pionier-, Bataillon angehören. Das Merkwürdige ist, daß behauptet wurde, daß behauptet wurde, der Offizier sei beim Zeichnen des Forts, Widley erwischt worden, das feit 50 Jahren unverändert ge­blieben und natürlich vollständig wertlos und veraltet ist. Es! seien aber andere wichtige Pläne bei ihm gefunden worden.

Heute morgen veröffentlichen einige der Hetzblätter wieder sehr fantastisch ausgeschmückte Berichte über die Verhaftung und behaupten sogar, daß das Kriegsministerium den kommandierenden General des südlichen Distriktes, General Trotter, wegen dieser Affäre sofort vom Urlaub zurückgerufen habe.

Zweifellos scheint allerdings zu sein, daß irgend jemand! verhaftet wurde, weil er im Verdacht stand, Zeichnungen von Forts zu machen, aber die Forts, in deren Nähe der Mann ge­funden wurde, sind wie gesagt ganz wertlos und heißen in Portsmouth allgemein Palmerstons Narrheit, weil sie von Lord Palmerston während der Furcht vor einem französischen Ein­fall in aller Eile errichtet wurden und dazu dienen sollten, Ports­mouth von der Landseite gegen den Angriff einer Armee zu verteidigen, der es erst gelungen sein mußte, an einer anderen; Stelle zu landen. Der Verhaftete machte keinerlei Anstaltert zu entfliehen, als er sich beobachtet sah. Er wurde mit ver­bundenen Augen in die Festung gebracht, nahm aber im Kasino, an den Mahlzeiten der Offiziere teil, nur daß ein Posten mit gezogenem Sntengewehr hinter ihm stand. Das Kriegsministerium hat noch keine weiteren Anordnungen getroffen. In Portsmouth selbst scheint die Sache, wie sie es ja auch verdient, von der humoristischen Seite auf gefaßt zu werden. Die Demünftigen Zer­rungen weisen darauf hin, daß die von dem Verhafteten auf­genommenen Zeichnungen von keinerlei Wert sein können.

London, 7. Sept. Wie das Reuter'sche Bureau meldet, ist gegen den int Fort Tur brock bei Portsmouth in Haft gehaltenen Leutnant Helm ein förmlicher Haftbefehl ausgefertigt worden, kraft dessen er den Zivilbehörden zu übergeben ist. Leut­nant Helm soll noch heute dem Polizeigerichtshof vorgeführt werden.

London, 7. Sdpt. Die Angelegenheit des Leutnant Helm wurde heute nachmittag von dem Polizeigerichtshof in, Farcham auf eine Woche zurückgestellt. Der Polizeioffizier, der

zahlreicher, wirklicher Schnellbahnen ab, von denen unsere Hoch­bahnen und Untergrundbahnen nur die ersten, tastenden Versuck>e darstellen. Durch Schaffung zahlreicher Radialbahnen und Ring­bahnen mit entsprechenden Uebergangsstationen mit einheitlichem Betriebe, wobei die Lösung neuer Fahrkarten wegfällt, erweitert sich der Stundenkreis der täglich zurückzulegenden Strecken auf radiale Zufahrtswege von 40 bis 50 Kilometer, die einer Stadt­oberfläche von 5000 bis 8000 Quadratkilometer entsprechen. Daß ein so großes Areal aber eine Bevölkerung von 10, ja selbst von 20 Millionen ein ungleich angenehmeres Wohnen ermöglichen würde als die kärglichen 63 Quadratkilometer den 2100 000 Bewohnern des heutigen Berlins (ohne Vororte), bedarf keines weiteren Beweises. Mit diesen und ähnlichen Rechnungen will Bourrough noch keineswegs gesagt haben, daß unsere Großstädte selbst in einer sehr fernen Zukunft diesen gigantischen Umfang annehmen werden.

Selbst weim beim Versagen der Landwirtschaft die künftige Produktion künstlicher Nahrungsmittel einen brauchbaren Ersatz zur Ernährung so großer Menschenmengen liefern sollte, ist für jede Stadt aus anderen Gründen eine nicht überschreitbare Grenze der Bevölkerungszunahme anzunehmen, )ie nicht nur von den dort gebotenen Verdienstmöglichkeiten, sondern noch enger da­durch gezogen wird, daß nur ein geringer Bruchteil der Be­völkerung sich die Ausgaben für Jahres- und Monatsabonnements auf den weiteren Schnellbahnstrecken leisten kann, die nicht wesent­lich unter die Selbstkosten der Verwaltung herabgeschraubt werden können. Hier aber tritt nach Bourrough der Moment ent, wo die Zehn- oder Zwanzig-Millionenstadt in kleinere Bestandteile zerfallen muß. Der Autor glaubt auch nicht an die Möglichkeit von Gartenstädten, wo Hunderttausende und Millionen im eignen Hause wohnen könnten, das immer nur ein für die meisten unerreichbares Ideal bleiben werde, das nur denen Vorbehalten sei, die zur Not als Rentner vielleicht mit einem mäßigen Nebenverdienst leben können.

*

. Das Verschwinden der Alpenseen. Es ist eine wenig bekannte Tatsache, daß, abgesehen von den großen und tiefen ©een, die im Mittel stück der Alpen, vom Genfer See be­ginnend und mit dem Traunsee endigend, die Alpenkette be­gleiten und noch Hunderttausende von Jahren bestehen werden, alle anderen Seebecken, besonders die in den Hochtälern ge­legenen, entsprechend schnell verschwinden. Daß die Seen in Trockengebieten wie in Westsibirien und Turkestan und in den amerikanischen Felsengebirgen an Abzehrung zugrunde gehen, ist längst bekannt. Aber auch in niederschlagsreichen Gegenden her

Tiefebene und der Mittelgebirge, z. B. in der märkisä)en Tief­ebene, ist ihre Zahl im Abnehmen, in Thüringen sind im Laufe der letzten Menschenalter viele Seen, darunter auch der einst recht beträchtliche Schwanensee, 12 Kilometer nördlich von Erfurt, gänzlich verschwunden. In Tirol sind innerhalb eines Jahr­hunderts nicht weniger als 118 Seen verschwunden und in einigen Jahrzehnten wird voraussichtlich auch von dem Kazer See und von dem reizenden Lago Ghedina bei Cortina nichts mehr übrig sein. Nach August von Böhm hat sich in hundert Jahren die Zahl der kleinen Hochseen im Gebiete der Ostalpen, vom Splügen an betrachtet, von 3278 auf 2466 verringert. Ein gleiches gilt endlich auch von den Hochseen des Riesengebirges (Teiche" genannt), denjenigen des Böhmerwaldes und den Meeraugen" der Tatra. Es handelt sich also um eine geophysi­kalische Erscheinung, bei der mehrere Ursachen Zusammenwirken. Zunächst kommt hier die Kraft des im Seebecken aufgeftauten Wassers in Betracht, das sich, dem Gesetze der Schwere folgend, den kürzesten Weg zum Tale zu bahnen sucht und seine Abfluß­rinne immer tiefer eingräbt, bis durch die entstehende Schlucht sämtliches Wasser abläuft und der ehemalige ©eeboben trocken! gelegt ist. An anderen Stellen sucht sich das Wasser im Wege einer künstlichen Drainage unterirdische Abflußwege, dazu kommen die Gesteine, die von den Gebirgswänden her von dem den See speisenden Bach mitgeführt und im See abgelagert werden und endlich auch noch in tieferen Lagen mit reicher Vegetation die Pflanzenreste, von denen sich wenigstens ein Teil in Gestalt unlöslicher Verbindungen absetzt. Selbst große Seen am Fuße der Hochgebirge sind von diesem Schicksal nicht auf immer ver­schont und es läßt sich besonders bei manchen ob erb ayeri scheu Seen, wie dem Chienffee, deutlich erkennen, um wieviel der See sich seit historischen Zeiten verkleinert hat. Das ganze durch das Viereck Jrschen-Staudach-Bergen-Grabepstätt begrenzte Ge­biet gehörte bis auf geringe aus Urgestein bestehenden Erhöhungen einstmals zum See. Auch die künstlichen Talsperren im Mittel­gebirge und Hügelland sind der Gefahr der allmählichen Aus­füllung ausgesetzt und werden früher oder später bei Niedrig­wasser ausgeräumt werden müssen, wenn man ihren Fassungs­raum dauernd erhalten will:

Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Der internationale Jagdkongreß in Wien wurde am Mittwoch geschlossen und zum nächsten Kongreßort Berlin bestimmt. Der Schriftsteller und Jesuirenpater Alexander Baumgartner ist in Luxemburg gestorben. Der Maley Holman Hunt ist in London gestorben.