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7.4.1910 Erstes Blatt
 
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Sonntag in der Ostsee verunglückt in, bevorstehende Ersatz-

derstanden ist, auch nur eine Mehrheit. ergeben, die die fo treibt bie 'Köln. Ztg/, allerhand Mut-

nioüungen Raum. Seit 1874 Hatton die Nationalliberalen.

dunkeln.

die konservativen, die Freisinnigen, wieder die Konservativen, und wieder die Freisinnigen nacheinander den Wahlkreis in

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isüßeFmcht, Dtzd. 0.45 per Pfd. 0.10 10 Pjd.-Eimer 1.90 t per Psd. 0.06

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hegt das Schicksal der preußischen Wahlreform resp. das des konservativ-klerikalen Kompromisses noch sehr int

Die Wiederausnahme der Parlament irischen Arbeiten.

Während sonst das Hauptintere,,e des Zeitungslesers den Arbeiten des deutschen Reichstags gilt, wird es sich diesmal, und zwar weit über die Grenzen Preußens hinaus, dem preußischen Landtag zuwenden, dessen Abgeordneten­haus am 7. April zusammentritt, nm am 12. April dte preußische. Wahlrechtsreform in ihrer Kompromtßfas|ung emer zweiten Abstimmung zu unterziehen. So gibt, da an dem nämlichen Tage sich auch der deutsche Reichstag wieder versammelt, die preußische Wahlreform recht eigentlich das Leitmotiv für die parlamentarische Tagung nach Ostern an. Sion ihrer Losung hängt es im letzten Grunde ab, tote sich das Verhältnis der Parteien zu einander nicht nur in Preußen, sondern auch im Reich gestaltet, ja, man geht wohl nicht fehl mit der Annahme, daß von ihrem Schicksal auch die Tauer des jetzt beginnenden parlamentarischen Leisionsabschnittes in hohem Maße beeinflußt werden wird.

Wenn das Abgeordnetenhaus am 12. April an den Be­schlüssen des 16. März Aenderungcn oornimmt, ist die Vor­lage erst luieber nach 21 Tagen dem Abgeordnetenhause erneut vorzulegen: trifft das Herrenhaus auch nur die ge­ringsten Abänderungen, so geht die Vorlage wieder an das Abgeordnetenhaus zurück, das in zwei durch eine Fräst ötnt 21' Tagen getrennten Beratungen seine Zustimmung iu den Beschlüssen des Herrenhauses geben muß, ehe die Lsthlrechtsvorlage als enbgüttig verab|chiedet gelten kann. 6r ist der Weg, den die preußische Wahlreform zu machen ha:, wenn irgendwelche Ueberraschnngen im Abgeordneten- hause oder Herrenhause eintreten, noch ein recht weiter, ja, es ist gar nicht ausgeschlossen, daß sie am Ende ihrer parla­mentarischen Behandlung überhaupt annulliert wird oder unterwegs stecken bleibt. Tas erste dürfte der Fall fern, Inenn ihr von der preußischen Krone nicht die Sanktion erteilt wird, und das letzte, wenn im Laufe der Verhäng hingen das Kompromiß zwischen Konservativen und Zentrum

NovelliNik eine Rolle Spielt Shakespeare bat den Stoss zu seiner Tragödie einer 9looe(lc des Luigi da Porto entnommen -, wird wahrscheinlich einem mittelalterlichen Muienm dienen. Gastspiel d e u t s ch e r S ch a u s p i e l e r in Südamerika. U» ter dem NamenDeutsches Theater in Süd-Amerika" wurde in Hamburg ein Unternehmen gegründet, das m Südamerika deutsche Stücke aufführen mi(l. Tic Truppe besteht aus 18 Personen von uam- ha'ten deutichen Theatern nnb hat die Reise nach Rio de Janeiro bereits anactreten. Pro Q r o e n i g in Freiburg im Breisgau bat den 'Kni nach Berlin als Nachiolger von volzbausen abge» lehnt. In Nom gab am Dienstag der Kölner 'Dl (inner- gesaugoerein ein zweites Konzert, dem auch der deutsche Bot-

fstrasse 26, 7, Seltersweg 27.

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Auskunft gibt.

Ein deutsches technisches Zentralmuseum. schaster beiwohnte.

3a einer nationalen Zentrale des technischen Anschauungsuntev->

richts soll dieMaschincnlehrausstetlung" gemacht werden, die zunächst unter sinanzieller Beihilfe der sächsischen Regie­rung, später wohl auch anderer Bundesstaaten und sicher des Deutschen Reichs, bei Dresden ins Leben gerufen werden soll. Als Baugelände ist ein Grundstück von 40 ÖOO Quadratmetern in der Nähe der Maschinenlabocatorien der Dresdener Tech­nischen Hochschule vorgesehen. Erhebliche Gründungszuschüsse sind aus den Kreisen der deutschen Industrie und Finanz zugesagt. Die Einzelheiten der endgültigen Gestaltung des Planes dieses technischen Museums, das mit einem Jahressatz von lOOOOO Marl arbeiten wird, liegen in der Hand des Professors Hund­hausen von der Technischen Hochschule in Dresden.

Ein Watteau-Fund iin Zarenschloß. Im Zarenschloß zu Zarskoje-Selo ist jetzt ein kleines entzückendes Werk von Antoine Watteau zum Vorschein aetominen,, das seit langer Zeit in einem Saal ein verkanntes Dasein fristete. Ta führten die Vorarbeiten zu der Ausstellung alter Meister, welche die ZeitschriftStarvje Goiw" veranstaltete, zur Entdeckung. Es ist ein reizendes Frauenbild, die sog. F c m m c^p o l o n a i s e, beglaubigt durch den Stich, den Boucher mit Fortlassung des Hintergrunds für das Watteau-Werk Juliennes herstellte. Tie Polin" wurde der Gemäldegalerie der Kaiserlichen Eremitage überwiesen, die bereits aus dem Besitz der Kaiserin Katharina eine ganze Reihe von Watteaus ihr eigen nennt und zu deren Zierden das Bild nun gehören wird.

Kleine Chronik aus Ku n st u nb Wissenschaft. Das angebliche (Elternhaus der Giulia EapuletG z u Verona in der Via Eoppello ist für 14 5 0 Lire von der totabt Verona erworben worden. Das Gebäude, das in der alten

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D. 0.40 per M. 1.60 per Psd. 0.20 per Psd. 0.25 per Psd. 0.58 per Psd. 0.20 per Psd. 0.45 per Psd. 0.85

politische Tagesschau.

Reichstagsersitzwahlen.

Wie dieVoss. Ztq." hört, hat die Fortschrittliche Volks­partei für die Nachwahl im Wahlkreise Landest) nt-Janer- Bolkenhain anstelle des verstorbenen Abgeordneten Dr. Hermes einstimmig den früheren Oberbürgermeister von Görlitz, Landlagsabgeordneten Büchtemann als Kandidaten aufgestellt. Es handelt sich hier um einen Wahlkreis, an dem neben den Sozialdemokraten die Freisinnigen, die Kon. servatwen und dos Zentrum ungefähr gleichmäßig interessierl sind, da die StärkeoerHältnisse dec drei Parteien bisher an­nähernd gleich waren. Einfangs schien es, als ob man den Konservativen günstige Wahlaussiehten Voraussagen könnte, nachdem ein vorsichtig auSgestreckler Fühler, ob das Zentrum nicht vielleicht zugunsten der Konservativen auf eine eigene Kandidatur verzichten wollte, in bet Zentrumspresse eine wohl­wollende Aufnahme gefunden hatte. Allerdings haben diese Hoffnungen der Konservativen wieder einen kleinen Stoß er­litten, da das örtliche Wahlkomitee des Zentrums nun doch mit einem eigenen Kandidaten heraustreten wird. Außerdem haben zum Leidwesen der Konservativen auch die Ehrisllich- Sozialen es für nötig befunden, ihren starken Anhang im Wahlkreise sie brachten bei der letzten Wahl 70 bis 80 Stimmen auf in aller Oeffentlichleit vorzuführen. Man darf also wohl dem bevorstehenden Wahlkampfe, dessen Ergebnis noch in keiner Weise vorauszusehen ist, mit einigem Interesse entgegensetzen.

Auch die in dem pornlnerschen Wahlkreise Ücker­münde - U s e d om - W o l 1 i n, dessen Mandatsträger am

Kleine» Feuilleton.

Direkt >r Gregvrunddie FranksurterStadt- lk ea te r. In Ergänzung unserer Meldung, daß Direktor Gregor He Verhandlungen mit dem Aussichtsrat der Frankfurter Stadl- theoter abgcbrccheu habe, wird demTag" noch folgendes mit- stellt: Herr Gregor glaubte auf Grund der mehrmonatigen Kon- ßcenzcu in Berlin und Frankfurt a. M. befürworten zu müssen, tt werde als Geueraliuteudaul, in Frankfurt dem Aussichtsrat gegen- : über in künstlerischer Hinsicht nicht hinreichend freie Hand haben, tzs feien ihm auch einige für das Gedeihen der beiden Themen i ttierläßlicl ? Forderungen abgelehnt worden. Bestimmend fei ferner 16 Mißtrauen geire-en, das man in seine Hnmanität gegenüber feinen künftigeu Angestellten setzte. Da er (Direktor Gregor, weiter Präsiteilt des Bühnenvereins sei, der gegenwärtig mit der 'hnengenoiseusckaft in Konflikt lebe, befürchtete man nämlich, tt werde in 'Halen Fragen seine Schauspieler fühlen lassen, er prinzipiell den Stairdpunkt des Vereins vertrete und nickt btn der Gencssenschast güustigeil, der in Frankfurt besouders int Punkte der Slreilka'se -- bisher eingenommen wurde. Herr s-rlgor meint hierzu, 'chon die Tatsache, daß er Präsident des ÄLHneuliubs sei, dem zu 90 v. H. BühnenangeUellte angehören, toiCetlvgc dieses Mißtrauen gegen ihn. Schließlich habe es ihn noch verstimmt, bar man ihn im Brieswechsel alsBewerber" hingestellt habe, Wäbreub int Gegenteil nicht er sich beworben habe, sondern irantrurt an ihn herangetteten sei.

Preisanssckreibe it. Aus der Dr. Elsa Neu - w llinn-S t i s t u u g ist am 18. Februar 1911 abermals ein Preis von 1000 M ark durch die Philosophische Fakultät ber Kömglichen Universität zn Berlin zu vergeben. Er soll der kwborragendstcu Arbeit ans vhysikalisä)em oder matbemcitifchent (te biete zugewendet werden, die inuerhalb des Jahres 1910 der Mlosophischen Fakultät eingereicht worden ist. Zur Bewerbung uns den Preis ist jeder, gleichviel ob Mann oder Frau oder welckier Religion er angehört, zugelassen, der an der Universität Berlin die- Doktorprüsung bestanden oder wenigstens zwei Se­in «st er an dieser Universität studiert und das 30. IMensiahc nicht überschritten hat. Auch die Toktordissertatiou lann als Bewcrbungsschrift verwendet werden. Bewerbungen sind biÄ zum 1. Januar' 1911 bei dem Dekan der Philosophischen Fa- lulllät einzureichen, der auch über die näheren Bestimmungen

ihrem Besitz; der jetzt verstorbene Dr. Delbrück hatte ihn nn Jahre 1907, allerdings erst in dec Stichwahl und mit Hilfe der Sozialdemokraten, erworben, nachdem er im Hanpt- lange hinter dem Konservativen um 1800 Stimmen zurück­geblieben war und nur 200 Stimmen mehr erhalten hatte, als sein sozialdemokratischer Mitbewerber. Auch hier wird e§ also voraussichtlich einen heißen Kamps geben.

In der für den 8. d. Mts. bevorstehenden Ersatzwahl in Pose n wird es nach einer Mitteilung derBoss. Ztg." zu der erwarteten Stellung der Polen nicht kommen, nach­dem der von der demokratischen Gruppe in Aussicht ge­nommene Kandidat eine Erklärung dahin abgegeben hat, daß cr em Sondermandat nicht entgegennehmen werde, sondern hoffe, daß alle Wähler der Anweisung des WahlkomiteeS folgen würden. Am 14. wird üch in Oletzko-Lyck-Johannis- bürg zeigen, ob anstelle des verstorbenen Grafen v. Stolberg wieder ein Konservativer gewählt wird.

Das Prinzenpaar (Eitel Menrich in Jerusalem.

Jaffa, 6. April. Tas Prinzenpaar Eitel Friedrich! von Preußen ist hier ring etc offen und nack einer Ausfahrt nach der schwäbischen Kclonie Sarona nach Jerusalem gereist.

Jerusalem, 6. April. Das Prinzenpaar Eitel Friedrich von Preußen traf heute nach mittag aus Jaffa ein. Aus der Umgebung war die Bevölkerung aller Bekenntnisse massenhaft zusammengeströint; sie begrüßte bas Prinzenpaar mit großer Be­geisterung. Konsul Schmidt und die deutsche Kolonie der Stadt hatten sich zum Empfange am Bahn'-;; eingefunden: por dem Hotel wär eine Ehrenpforte errichtet. Alle Straßen 'ind mit Flaggen geschmückt. Nach herzlicher Erwiderung der Be­grüßung ging die Fahrt durch, die stabt n a ch dem Hospiz au f b em O elber g , no die Johanniter, sowie das Kuratorium! her Stiftung das Prinzenpaar erwarteten und begrüßten.

Außerdem ist aus Jerusalem »ach folgende ausführliche Meldung eingelaufen: Seit früher Morgenstunde besetzten Tau­sende die fteil auffteigenbe Fahrstraße, ireiche i»nt Bahnhof zur stabt führt, sowie die Abhänge rvckts und links nnd erwarteten' geduldig im heißen Sonnenbrände die Ankunft des Prinzen und der Prinzessin Eitel Friedrich'. Kurz vor der An­kunft des Zuges erschien FrHr. v. Mirbach nnb die Angehörigen, der deutschen Kolonie, und die dichtgedrängten Juschaner brachen in taute Hochrufe aus. Prinz Eitet J-riedrich ichrttt lodanu die Front der trefflich ausiehenden Ehrenkoiupaguie ab und begrüßte den Kommandeur. Konsul Schmidt richtete hieraus eine längere Anspiacke an die Königlichen Hoheiten, in welcher er die leb­hafte Beteiligung der deutschen Bevölkerung an der Entwickelung Paläslinias hcrcorlwb. Tas die Rede abschließende Hoch auf den Prinzen und die Prinzessin wurde mit Begeisterung aufgenomlnen. Sodann bestiegen die Königlichen Hoheiten, der >eit Mairo m ihrer Begleitung befindlicke Vot'chafter Freiherr von Marfckall, Hosmarsckall von Lettow Vorbeck, Oberhosmenttr Freiherr von Mirbach und das übrige Gefolge die bereitstehenden Wagen und fuhren auf her Javastcape nach dem Oelber^'.

Der lange Wagen>ug wurde durch eine Eskorte .(Kavallerie eSkoiti>rt, die vom Sultan aus Konstantinopel aitfaubt warben war. Tie stabt Ivar überall reich beflaggt. Auf dec^anze Fahrt 1 irschb. überall musterhafte Ordnung, obwohl die strafen zeit' u eilig so gedrängt voll waren, daß die Wagen kaum passieren Lunten. öWn 6 Uhr trafen Ihre Königlichen Hoheiten auf dem Oe t berg ein, wo sie von den anwesenden Mitaliebern der Kurie und Johannitern begrüßt nurben. Ein großer Teil dec offiziellen Protestanti'cken Persönlichkeiten mtb Johanniter ist noch nickt eingetroffen, weil sich der DamipferAmphitrite" infolge, schleckten Wetters auf dem Adriatiscken Meer u m 2 4 stunden verspätet haä. Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich z-ogen sich alsbald in ihre Gemächer zurück, erschienen jedoch kurze Zeit ear-aui auf b er Veranda, um das herrliche Panorama von Jerukätem zu beWmtbern, über dem soeben tie Sonne unterging, llnniittcibar darauf stiegen die gestern mit den katholischen Fest- gäflcu angekommenen Prinzen Konrad und Arnulf von Bayern ein und statteten den prinzlichen Herrschaften einen Besuch ab.

Das neue .Hospiz ist vollständig beseht. Mehr als 10 OOO Perwuen dürsten heute hier anwescnb fein. Auch bei der Ankunst in Jaffa war die Haltung der Berölkermtg eine außerordentti'ch herzliche. Tie deutschen Kolonisten zeigten überall eine lebhafte Anhänglichkeit an bi c alte H eimo t. Zum' Ehrendienst bei dem Prinzen Eitel Friedrich sind der JBrigadegeneral Gou- r-cmcirr Abullahim Pascha, Brigabegeneral Sugeimäu Fock Pascha und die Kapttäne Muhameb Ali Beb und Ehevid> Beb tomnmnbiert.

in die Brüche geht.

Wie man weiß, macht die preußische Regierung ihre Hiptimmung zum Wahlrechtskompromiß von einer erheb- idjcn Majorität abhängig, die ihm zustimmt. Ta man als old)c aber die 36 Stimmen Mehrheit, die es am 16. März, m Abgcordnetenhause fand, kaum wird ansehen können, so jnimt alles darauf an, nne sich Freikonsevvative und ? ,i t i o n a i 1 i 6 c. r a l e am 12. April zur Wahlreform ver­hören. Bleiben sie bei ihrer ablehnenden Haltung, so wird D e preußische Regierung schwerlich dem lonsermitiv-klerikalen Loinpromis beitreten, und die ganze Wahlrechtsakiion wäre biirit gescheitert. Gewinnen dagegen die Vermittelungs- stcömungcn, wie sie während der Osterferien zutage traten, Oll! 12. April die Oberhand, wird also von den Kompromiß- Parteien vor allem die Forderung der Freitonservativen und Nationalliberalen auf Ersetzung der Trittelung in den llrwahlbczii len durch eine solche innerhalb der ganzen Wahl- heife bewilligt, so würde die Wahlrcform in dieser Gestalt, da sie dann die ert>ebliche Majorität aufzuweifen hätte, »ivmfcllos mit iöniglicher Sanktion Gesetz werden. Da aber bis jetzt das Zentrum in dieser Drittclungsfrage eine durch- . aus ablehnende Haltung einnimmt, ist, wenn es nicht wieder cur die Butterseile fällt, eine solche Mcrjoritätsbildung nicht möglich, und eine andere Konstellation: Konservative, Frer- klm'servative, Nationalliberale gegen Zenirum, Fortschritt­liche Voltspartei, Polen und Sozialbemotraten dürfte, da ein großer Teil der Nationalliberalen, wie der Freikonfer-i brtiven mit den Grundlagen des Kompromisses nicht ein-

Die elsah lsthringische versafiungsfrage.

Im elsässischen Landesausschuß ging es wieder arg drunter und drüber:

Stcaßb-urg i. E, 6. April. In der heutigens-itzung des L a n de s a u s s ch u s s e s für Elsaß-Lothringen wurde beim Beginn der dritten Lesung des Haushalts noch ein* mal eine Aussprache über die Berfassungsfragc in Anknüpfung an die Erklärung des Reichslanzlers im Reichs­tage eröffnet, die die ganze Sitzung in Anspruch nahuu. Der Liberale Georg Wolf begrüßte es, das; die Sache jetzt vorwärts ging, verlangte aber von der Regierung, daß sie dafür Torge trüge, daß die drei Minbestsordernn- gen oes Landes erfüllt würden: Gleichstellung des Landes mit den übrigen Bundesstaaten, Ausschließung des Bundes­rats und des Reichstags und Verleihung des allgemeinen» Wahlrechts zum Landesausschuß.

Der Demokrat Blumenthal wiederholte seine For derung nach einer republikanischen Verfassung, ^wenn an der Spitze ettvas geändert werde. "Mit dieser Forderung deckten sich im wesentlichen die übrigen Zentrumsredner, Ter Abgeordnete Preis; (Zentr.), der neulich erst einen Zusammenstoß mit dem Staatssekretär Zorn von Bul- l a ch hatte, richtete wieder einige U u f r e u u d l i ch l e i t e ih an dessen Adresse. Man solle sich von dieser Regierung nichts erhoffen, denn Zoru von Bullach habe, was noch, lein Alldeutscher int Landesausschuß gewagt hätte, erklärt, das Deutsche Reich sei Elfaß-Lolhrtngeu überhaupt nicht schuldig, eine Verfassung zu geben.

Im deutschen Reichstag durste mau diesmal früher als sonst Sommerferien machen, indem man sich bis zum Herbst vertagt. Es Hegt das daran, daß an dte Ver­abschiedung von Gesetzentwürfen, wie dte Strasprozetzord- nung, Strafprozeßnovelle und Reichsversicheruugsresorm, nicht gedacht werden kann, wenn nitrit nicht überhaupt zu - ammeubleibcn will. Diese Entwürfe sollen einem während )cr Ferien tagenden Ausschuß anücrtraut bleiben resp. nach der ersten Lesung anvertraut werden, dem möglicherweise auch Gesestesentwürfe, wie derjenige zur Gut Lu tim g des Reichsgerichts, uni) der zu erwartende vezuglt. der Errich­tung i . . .. obersten Konsulargerichtshofes in Berlin uber- anliLot.c- werden sollen. Ta nun weiterhin Arbeitskammer- aesetz, Fernsprechgebührenordnung und Reichskaligesetz so geiährdet sind, daß sich für sie keine Mehrheit finden durfre, denkt man diese Gesetze vorläufig v m Arbeitsprogramm les Reichstags abzusetzen, das übrigens auch das Gesetz über die Schilfahrtsabgabcn nicht zu enthalten scheint. So bleiben nur der Handelsvertrag mit Schweden, der Eiitwurs über das Urheberrecht, das Reichsbesteuerungsgesetz, das .Hausarbeits­gesetz, die Gewerbeordnungsnovelle (Lohnbücher', das Stellenvermittelungsgesetz und das Beamlenhastpflichtgesetz zu erledigen, Arbeiten, mit denen der Reichstag etwa bis zum .Himmelfahrtslage (5. Mai) zustande kommen kann, da es sich dabei um keine schwierigen oder strittigen Materialien handelt. An diese wird er erst nach seiner Vertagung im Herbst treten, wodurch das Schwergewicht unseres parlamen­tarischen Lebens, das augenblicklich beim preußischen Land­tag ruht, wieder in den deutschen Reichstag zurückverlegt wird. .

Nr. 80 Erstes Blatt 160. Jahrgang Donnerstag 7. April « 010

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