Vic wahlrechtzknn-gebungen.
Berlin, h. Mär;. Infolge des von den Sozialdemokraten ongcli'mdigten Wahlrechtsspazier- q a n g s fluteten Tausende nach dem Treptower Park, der aber durch eine starke Polizciniacht zu Fuß und zu Pferde vollständig ab gesperrt war. Die Menge brachte Hochrufe ans da,- freie Wahlrecht aus und sang die Arbeiter- marseitlaise. Die Nordringziige und die Straßenbahn brachten immer neue Menschenmassen herbei. Zu ernsten Konflikten .isr c>3 bis 2 Uhr nirgends gekommen.
Berlin, 6. Mär;. Durch die Bekanntmachung des Berliner Polizeipräsidenten war die Sozialdemokratie vor dem Massenspaziergmig nach dem Treptower Park gewarnt worden: cs begab sich ein großer Teil von vornherein nach dem Tiergraten, wo man sich nach der an den Zahlstellen ausgegebenen Parole „am großen Stern" treffen sollte. Immerhin fanden sich in Treptow etwa 6000 Personen ein; am Bahnhöfe Treptow wurde die Menschenmenge wiederholt von der Schupmannschaft und der Gendarmerie mit blanker Waffe au S c i u a u d e r g e tr i e b e n , wobei einige 40 Beteiligte sistiert wurden und ein Schutzmann durch einen Steinwurf am Kopfe erhheblich verletzt tvurde. Bei der Räumung von .Schanklokalen tvurden auch einige Personen verletzt. Als die Menge die Unmöglichkeit der Kundgebung im Treptower Park erkannt, begab sic sich größtenteils mir der Stadt oder Hochbahn nach dem Tiergarten, wo inzwischen, trotz der erfolgreichen Bemühung der Schutzmannschaft, einzelne Trupps abzndrängen, große Men- schenmassen sich zusammcugcfunden hatten; im ganzen .dürften 300 0 0 Pe r s o n c n im Tiergarten berg' ammeltgewese n s e i n. Mehrfach tvurden rote Fahnen Tntfaltet und Hochrufe auf das allgemeine Wahlrecht ausgebracht; auch sang man .Arbeiterlieder und trug Plakate mit den Aufschriften: „Hoch das allgemeine Wahlrecht." Wiederholt kam es zu einem Einschreiten der berittenen Schutzmannschaft; es wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. In der .Siegesallee versuchte ein Mann, eine .Ansprache zu halten, wurde aber sistiert. Mehrere Versuche, zu reden, wurden verhindert, an verschiedenen anderen Stellen aber trotzdem Reden gehalten. Auch auf den Rampen des Reichstagsgebäudes wurden unter Entfaltung einer roten Fahne Hochrufe auf das allgemeine Wahlrecht ausgebracht und eine kurze Ansprache gehalten. Dann zog die Menge durch die Torotheeußraße. Ein anderer Teil war durch Charlottenburg nach dem Grünewald abgezogen.
Von anderer Seite erhalten wir aus Berlin noch folgende Mitteilungen:
Der Treptower Part war durch eilten Polizeikordon, an dem sich auch die gesamte Gendarmerie des Kreises Teltow und die Kammunälpolizei der östlichen Vororte bis Köpenick beteiligten, vollständig abgefperrt. Auf der, Südseite des Parkes waren in einer Laubenkolonie mehrere Kompagnien des 3. Gardcrcgim ent s für alle Fälle in Bereitfcha ft gehalten. Trotzdem konnten die Zehntauseitde von Protestlern, die mit den Stadt- und Ringbahnzügen auf dem Bahnhof Treptow an lauten, natürlich nicht von der Polizei zurückgehaltcn werden. Es galt nun hauptsächlich, diese Menge, die gegen 2 Uhr, wohl 100 000 an Zahl, die Zugänge zum Parke besetzt hielt, zu zer- .streuen intb nach Berlin uirüäzuwerfen. Dies gelang nur unter Anwendung von Gewalt. Die Polizei ritt verschiedene Attacken, io daß es auch zu Blutvergießen laut. In der Elsenstraße wehrte sich die Menge gegen einen derartigen Reiterung riss durch einen Steinhagel, mit dem sie dü Gendarmen begrüßte, wodurch einer der Berittenen durch). Schemverden des Pferdes abgeworfen und nur mit Wt lutb Miche wieder in den Sattel gesetzt werden konnte. Tie Gendarmerie ging dapcntfhin rücksichtslos "vor. Sie säuberte die Straßen, räumte die Vorgärten der benachbarten 'Bierlokale rmd wies sogar die Gäste unter dem Protest dec ^okal- inhober aus den Inneuräuuien der Wirtschaften. Auf der Straße gab es für die, die nicht sso schnell icü die galoppierenden Gendarmen laufen Sonntet, Püffe und etäfec, flache und scharie "Säbelhiebe, -so daß die Sanitätsmannschaften verschiedentlich eingreifen mußten. ■Ein Manu würde dal>ei durch erneu Säbelst.ich schwer verletzt. Gtner Frau sollen zwei Finger abgeschlagen worden fein. Tie (ÄesamtzaKl der Verwundungen läßt sich natürlich nickt ftststellen, da viele aus verständlichen Gründen die Verletzungen nicht zur sAnzeige brütgen. Eine ganze Anzahl Verhaftungen wurde. vor- 'genommen. Tie Polizei würde, wo sie erschien, von der erregten Menge mit st ü r in i s ch e n Pfuirufen und dem Ruf „B Tut Hunde!" begrüßt Um 4 Uhr war es den Polizeiorganen endlich gelungen, die Massen so weit zu zerstreuen, daß, die Absperrung^- nrannschasteu truppweise abrücket und die Absperrungen nach tutb «nach aufgehoben werdet lomchep.
Verl in, 7. März. Die Berliner Mcorgenblätter beziffern die Zahl der Teilnehmer an den gestrigen Wahlrechts- lundgebungeu in Berlin auf mindestens 150 000. Am großen Stern sah mau die Rcichstagsabgeordnetcn Ledebon.rn.nd Stadthagen sowie den Landtagsabge- ordneten Liebknecht. Dckm „Vorwärts" zusolge schlug lein berittener Schutzmann mit einem Säbel gegen Stadthagen und traf ihn am Paletot. Durch das Pferd tzes hinterher galoppierenden Schutzmanns wurde Stadthagen zu Boden geworfen. Gegen 7 Uhr abends kam es am Schlesischen Tor noch einmal zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen etwa 200 Schutzleuten zu Fuß, 30 berittenen und Ruhestörern. Da dem Gebot des leitenden Polizeihaüptmanns, auseinanderzugehen, feine Iolge geleistet wurde, zogen die ^Beamten blank und hieben auf die Nächststehenden ein, von denen etwa 10 Kopf- und Armwunden erhielten.
Die Mahlrechtskundgebungen in der Provinz sind infolge der Zurückhaltung der Polizei und der Tätigkeit der sozialdemokratischen Ordner fast sämtlich ohne Zwischenfälle rrrtsnfen.
ftoYiJ-r 6. März. Die für heute angetündigte Wahlrechts-Ku n d g ebun g auf dem Sportplatz ist ruhig ver- lar.fen. Nach Beendigung der Versammlung gingen die Teilnehmer, bereu Zahl etwa 15000 betrug, auseinander, ohne daß ein Eingreifen der Polizei nötig gewesen wäre.
Solingen, 6. März. Heute fanden hier Wahlrechts- t undgebungen statt, bei denen rote Fahnen im Zuge getragen wurden. Vor dem Rathause tarn es zu einem Zu - j a m m c n ft o ß mit der Polizei, die von der Waffe Gebrauch machte. E i n e P e r s o n wurde schwer,mehrere andere k i d) t verletzt, viele verhaftet.
geführt, daß der Staat nach den jetzigen Berechnungen einen mehr wie doppelt so hohen Betrag von den Städten einziehen würde, als ihn dre Revision selbst kostet.
Deutsches Neich.
Der Kai s er ist am Sonntag abend um 11 Uhr 15 Min. vom Lehrter Bahnhof nach Oldenburg ab gereist.
Eine Verordnung der baherischen Regierung verfügt, irric wir der „F. Z." entnehmen, daß im bayerischen Justiz- und Verwaltungsdienst künftig nur diejenigen Kandidaten, welche die zweite Staatsprüfung mit )er Gesamtnote.„Eins" ober „Zwei" bestanden haben, die Fähigkeit zum Amte eines Richters, Staatsanwalts, Notars owie zur Rechtsanwaltschaft erlangen. Kandidaten mit 5 er Gesamtnote „drei" können höchstens noch zu Gcrichts- chreiberm ernannt werden.
Wie Straßburger Blätter melden, hat der Bund land- wirtsdiaftlicher Korporationen in Elsaß- Lothringen in einer am Freitag abgehaltenen Versammlung, die sehr stark besucht war, und in der Interessenten aller für die Oktroitarifsatzc in Betracht kommenden Waren vertreten waren, einstimmig beschlossen, für gänzliche Abschaffung des Oktroi vom 1. April 1910 ab einzu- treten und biesbezüglid)c Schritte sofort einzuleiten. Eine öffentliche Versammlung wirb in der nächsten Woche stattfinden.
Ausland.
Ans Wien wird gemeldet: Der König und die K ö n i g i n von Bulgarien sind am Samstag nachmittag aus Petersburg hier ein getrosten.
Der f r a n z v s i s ch e M i u i ft e r des A e u ß c r n P i chon und El Mokri haben am Freitag das fanzösisch-maroka- ntickc Abkommen unterzeichnet.
In der russischen R e i ch s d u m a bestätigte bei her Beratung des Haushalts des Ministeriums des Innern der Direktor des Polizeidepartements, die von mehreren Rednern ausgesprochene Ansicht, es sei unwahr, daß die Regierung ihr Versprechen betreffend die .administrative Verbannung nicht erfüllt habe. Am 1. Februar 1902 habe die Zahl der nach den entfernt liegenden Gouvernements Verschickten 17 120 betragen, am 1. Februar 1910 12 200. Im Jahre 1906 waren 7 677, im vorigen Jahre 1 991 und in den ersten zwei Monaten des Jahres 1910 171 Personen verbannt worden. Gegen die ersten zwei Monate des Vorjahres beträgt die Abnahme 50 Prozent.
Aus London wird gemeldet: König Eduard ist am Sonntag abend abgereist, um sich über Paris nach Biarritz zu begeben.
Der serbische Kr i e g s m i n i st e r Mariuovie, der in letzter Zeit wiederholt darüber klagte, daß der Ministerrat eine, auf Heeresangelegenheiten bezüglichen Forderungen nicht die nötige Beachttmg schenkte, hat um Enthebung von feinem Amte nackgcsucht.
Aus K o n st a n t i n o p c q wird gemeldet: Der Sultan empfing am Samstag den serbischen Minister des Aeußern, Dr. Milow auowit s ch, der nachher längere Unterredungen mit dem türkischen Ministre des Aeußern und dem Großwesir hatte.
Aus Philadelphia wird gemeldet: Die Streikend en haben sich bereit erklärt, sich einem Schiedsgericht zu unterwerfen, wenn sie vorher wieder eingestellt werben. Es ist aber unwahrscheinlich, daß die Arbeitgeber diese Bedingung annehmen werden. Es geht das Gerücht, Vie Streikenden bc- abjichtigten, beu Präsidenten Taft nm seine Vermittelung zu bitten. Bei den Tumulten am Samstag bewarfen Männer, Kranen und Kinder die Straßenbahnwagen und die Polizei mit steinen. Die Schutzleute machten von ihren Stöcken Gebrauch, wobei zahlreiche Personen verletzt wurden.
keichsragrabgeordneter vr. Slresemann in Wetzlar.
Aus Wetzlar wird uns berichtet:
Nachdem der Laudtagsabgcordiieti vom Rat seinen Wählern über beit Stand der Wahlrschtsvorlagc in Preußen Bericht erstattet hatte, sprach am Samstag der Reickstagsabgeordnet«^ Tr. Stresemann vor einer zahlreichen Zuhörerschaft im saale des Schützen gattens in nahezu zweistündigenc Vortrag über die Ziele und Aufgaben der imtumalLiberalen Partei. Zunächst wies der Redner die Ansicht zurück, als ob sick die Ideen, die zur Gründung der Nation alliberaleu Partei geführt haben, überlebt hätten. Tie zwei großen Weltanschauungen, die konservative und die liberale, seien im Verlauf der.Jahre infolge stärkerer.Betonung wirtschaftlicher Interessen und konfessioneller Absonderungen vielfach durchlöchert worden. An Werbekratt habe deshalb der national- liberale Gedanke nichts verloren, er müsse nur noch mehr Ins Volk getragen und Gemeingut her Natron werden. Welch ungeheuer wichtige nationale Aufgaben sind, so führte der Redner aus, itod; ui erfüllen. Zunächst auf dem Gebiet der Weltwittschaft. Urtiere Zukunft liegt in Kleina s i e n und C1} i u a. Es muß uns daran gelegen sein, diese zur Kultur früher ober später auf- wachenden Völker zu unseren AbnelMern zu haben. Tas ist aber nur baiut möglich, wenn wir als Volk geachtet bastelten, wenn hinter der wirstchastlichen Entwickelung eine politische Macht steht, gestützt auf Heer und Flotte, lederzeit bereit, dem Mort die Tat folgen zu lassen. Von ähnlicher Bedeutung für unser wirtschaftliches Vorwärts kommen sind unsere viel- ge schmäht en Kolonien. Ein großer Teil des deutschen Volkes, besonders die Arbeiterschaft — allen voran die Textilindustrie — hangt von der Entwickelung unserer Kolonien ab, die unter zielbewußter, kaufmännischer Leitung sicher ebenso ertragreich werden als beispielsweise auch die englischen'sind. Ter Arbeiter in 50 Jahren werde nicht verstehen, wie man gegen Kolonien sein konnte. Saturn muß auch der geschützt werden, der als Pionier hinauszieht und den deutschen 'Namen durch deutschen Fleiß und klugen, kaufmännischen Geist hochbringt. Was aber der Nationalliberalismus nicht will, bas ist, so fuhr der Redner fort, die Liebdrenerei fremden Nationen gegenüber, die leicht als Schwäche ausgelegt wird, wie per Fall Mannesmann zeigt. Ferner kann es unmöglick) im Interesse einer wirksamen Vertretung der äußeren Angelegenheiten deS deutschen Volkes liegen, wenn die diplomatischen 91cm ter einzig und allein in den Händen des Adels liegen. Nicht Abstammung, sondern die geistige und moralische Tüchtigkeit macht den Mcwchen und befähigt ihn, unser Ansehen zu heben. So habe die nationalliberale Partei jederzeit, zuletzt auch bei der Reichsfinanzreform, bewiesen, daß sic in Abwägung aller berechtigten yjrbennigeit sich nur von dem Gesichtspunkt der Gerechtigkeit und edlen Menschlichkeit leiten läßt. Sie habe ihre Anhänger in allen Schichten des Volks und weise es wett von sich, Klassen- oder Interessenvartei zu sein, sie arbeitete stets mft an ‘einer- gesunden Sozialpolitik und lucke jedem der deutschen Staatsbürger die Stellung erringen zu helfen, Vie ihm gebührt.
Nach einem Hock auf das deutsche Vaterland und dein Gesang des Liedes: „Deutschland, Deutschland über alles", schloß der Vorsitzende die Versammlung, an die sich feine Aussprache anschloß.
Aus Hesse«.
— Gegen den Beschluß des Landtags, die .stoncn bei Revision burd) die Oberrechnnngskammer den Gemeinden cutfzuerlegeii, wollen, mic man uns aus D a r m stabt berichtet, auf Anregung des Bürgermeisters Dr. Dullo-Osfenbach die größeren Städte des Landes gemeinsam Widerspruck) erheben und dahin arbeiten, daß man die Oberrechnungskammer überhaupt „los wird" und die Rechnungen, wie in Preußen, burd) einen selbstgewählten Sachverständigen vornehmen lasse. Als Grund wirb an
2lus Stadt und Land.
Gießen, 7. Mürz 1910.
** TageSkalender für Montag, 7. März: Oeff. Vortrag von Tr. Bruno Wille aus Fricdrichshagen: Wie uns die Kunst befreit. Abends 8,/2 Uhr im Einhornsaal.
Kolossen m. Hegtet Tag des Gastspiels von Otto Rentier (ermäßigte Preise).
** In Audienz empfangen mürbe vom Groß- Herzog am Samstag u. a. Kreisrat Dr. Heinrichs von
Alsfeld und Professor Dr. von Franque, Direktor der Universitäts-Frauenklinik in Gießen. — Es wirb batan erinnert, daß für die Audienzen bet dem Großherzog im Darm- stad ter Schloß die Zeit von 9 Uhr 30 Min. bis 11 Uhr festgesetzt ist.
*• Bundesratsbevollmächtigter. Der Groß - Herzog hat den bisherigen stellv. Bevollmächtigten zum BundeSrat, außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am Preußischen Hose, Wirkt. Gcheimcrat Maximilian Freiherrn v. Gagern in Berlin, zum Bevollmächtigten zum Bundesrat des Deutschen Reiches ernannt, sowie die Erteilung des Kommissoriums als stellvertretender Bevollmächtigter zum Bundesrat an den Minister des Innern Friedrich v. Hombergk zu Vach genehmigt.
** Territorialkommissär. Der Groß Herzog hat dem zum Provinzialdirektor der Provinz Rheinhessen und Kreisrat des KreiseS Dtainz ernannten Provinzialdirektor der Provinz Oberhesien und Kreisrat des Kreises Gießcn, (3c- heimerat Dr. Breideri den Auftrag zur Vcrsehung der Funktionen eines landesherrlichen Tcrritorialkommissars bei der Festung Riainz erteilt.
"Aus dem Militär-Wochenblatt. Der Pottepee- Unteroffizier v. Grolmann, Ablturient der Hauptkadettenanstalt, wurde im Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116 als Fähnrich angeslellt.
" Justizperson al re n. Durch Entschließung des Ministeriums der Justiz wurden die Referendare Dr. Hans Andres aus Darmstadt, Otto Böck n er aus Heuchelheim, Wilh. Clemm aus Bübingen, Jak. Ernst Günther au$ Mainz, Karl Korn aus Atzet), Aug. Nuß aus Gernsheim, Ebuarb Rompf aus Lang-Göns, Ernst Seid aus Gießen, Otto Steiner aus Schwanheim unb Dr. Gottl. Storck au§ Mainz zu Gerichtsassessoren ernannt. — In bcn Rttl hesta nd versetzt würbe am 2. Aiärz ber Oberaufsehec an der Zcttenstrafanstalt Butzbach Ebuarb Moritz auf sein Nachsuchcn unter Slnerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, bis zur Wieberherstellung seiner Gesnnbheit, unb unter Verleihung bes Silbernen Kreuzes bcS VerdienstorbenS Philipps des Großmütigen.
** Postpersonalnachrichtcn. Versetzt wurden die Telegraphengehilsinncn Heß von Bad Nauheim nad) Darmstadt unb Schmidt von Darmstadt nach Bad Nauheim.
** Erledigt ist eine mit einem kathol. Lehrer zu be« setzende Lehrerstelle an der Gcmcmbeschule zu Heusclist a m m.
" Eine Polizeikonferenz ber hessischen Poli- zeiverwaltungS -Vorstände findet am Dienstag in Frankfurt a. M. statt.
"Die hessische L a n d e s f y n o d e wirb vom Donnerstag, 10. b. Mts., an eine voraussichtlich fünf Tage bauerubc Beratung abhalien.
" Sta btt he ater. 9iochmals sei auf bas morgige Benefiz des Negisftnrs Hermann Norden hingewiefen. Do Herr Baumeister vom Darmstädter Hofthcater erst für Mittwoch, 16. März, zu einer „TantriS^-AiZfführung hier frei ist, so war die Direktion genötigt, „Kl«in Doritt" für kom- menbeii Mittwoch als Abonnements-Vorstellung anzusetzen, was ursprünglich nicht beabsichtigt war. Die Niittwochs- Abonnenten, die „Klein Doritt" bei bei Bcnefizoorstcllung füi Herrn Bakos besucht haben, erhalten deshalb auf Wunsch für kommenden Mittwoch einen Gutschein umsonst.
** Feldbergsest-Tnrutag. Gestern vormittag 10 Uhr sand in der Turnhalle des S a ch s e n h ä u f e r Turnvereins der 71. Feldbergfest-Tumtag statt. Nach den üblichen Berichten unb verschiedenen Beschwerden und Mitteilungen erfolgte die Entlastung der Rechner; inan vci> fügt jetzt über etwa 916 Mk. Vermögen. Nachdem die Anwesenheitsliste 106 Vereinsvertretei und 7 Aus schuß Mitglied er, insgesamt 113 Stimmen festgestellt hatte, würbe bas biesjährige Fest auf bcn 19. Juni gelegt; es findet toieberum ein Fünfkampf statt, beftchenb in Scabhoch, Frei weithoch, Steinstoßen, 100 Meter Lauf (diesmal bergan) unb einer Freiübung; diese wurde in namentlicher Äl>- ftinnnung nur mit 59 gegen 54 Stimmen genehmigt. Ilm oic zu große Beteiligung sowie besonders and) die Sicgcr- zahl zu vermindern, wurde dem Wunsche des Ausschusses Rechnung getragen und die Puntlzahl, die zum Siege berechtigt, "nut großer Mehrheit von 31 auf 56 erhöht, nach' dem weitergehende Anträge Mainzer und Frankfurter Vereine auf Erhöhung auf 60 bz-w. 58 Punkte zurückgezogen ober abgelehnt worben waren. Weitere Mainzer Anträge betreffend Sporthosen unb Nagelschuhe fanden keinen An klang. Von allen Seiten würbe es als wünschenswert bezeichnet, den Verkauf der offiziellen Festtarten zu heben; es sind von diesen nur 2000 Stück ab gesetzt worden bei einer Gesamtcmslage bei ber Post von 35 000 Stück. Nach dem Ausschuß unb Rechner burch Zuruf einstimmig wieber gewählt Wvrden waren, konnte die Verfmumlungum Uhr geschlossen werden.
Otto Reutter, Deutschlands boltStünttichfter und be liebteftcr Humorist, dessen origüiclle, geiftwruhende Vortrags- kunft seit Jahren überall außerordenttiche Triiuupl>e feiert, ist seit Samstag auch wieder einmal bei uns eckigelchrt. Im Kolosseum gibt der beliebte Künstler ein brcitägigcs Gastspiel, das eine große Anziehungskraft ausübt und dem Vortragenden ftürmiidjcii Beifall sichert. Mau kennt die außerordentliche Vor tragskunst Rcutters, die bcn Hörer so angenehm unterhält und die doch des tieferen Gedankens nicht entbehrt. Lächelnd, nachlässig fast erscheint die Art seiner Gestaltung, die ihm seit Jahren weniger beanadetc Kollegen vergeblich uaehzumad;en versuckt haben, aber alles Leben drängt sich in dem jovialen Gesicht zusam men und schleudert seine Witze mit unnachahmlicher Grazie in das Publikum, das mit ofsencn Augen und Ohren wie seftgebanm. lauscht. Von der großen Anzahl ber von ihm mngetragenen Stücke ist wohl: Immer korrekt und auch In dem Moment am originellsten, aber auch ber Geburt stagsoiikel mit seiner großen Anzahl ulkiger Gesd-enke, und die vielen an deren Vorträge fanden sehr aufnahmefähige Zuhörer und sdftugen mächtig ein. Wohl mancher hätte gern noch weiter zugehört aber alles hat eben ein Ende. Von dem übrigen Programm, das wir ja bereits ausführlid) besprochen haben, siiid als neu die beiden Wiels und Steowas zu nennen, die sich als außerordentlich geschickte Turner erweisen, wobei es nicht das geringste ist, daß beide ohne jede Stütze einander aus dem Kopl flehen, und dabei uod) allerhand Kunststücke machen, die höchlich erstaunen.
" Silberne Hochzeit feiern heute Bäckermeister Balthascr Schombcr und Fran Margarethe, geb. Stohr.
— Wicscch, 7. März. In der am SamStag abgehaltencu Versammlung des Kriegervereins wurde beschlossen, an dem im Sommer d. I. in Londorf ftattfiubttldeu Jubiläums fest des dortigen Kciegervereins teilzuuetmeu. Außerdem gelangte ein Antrag zur Aimabme, wonach ieoeu Montag abend in der Wrrl- schaft des .Herrn Adam Ziegler eine xwangloft Zniag-in iisnnfl der
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