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seine berufensten Interpreten gefunden, die uns immer neue Schönheiten an ihm entdecken lassen. Sein Klavierkonzert in F-rnoll ist ein echter Chopin, voll all der Eigenart, dem sprühenden Leben, dem Charme, dem Rassigen, wie sie Chopins Klavierwerke sämtlich charakterisieren: man glaubt hier Anklänge an eine Polonaise, da an ein Nocturne zu hören, aber immer sind cs wieder originelle Themen, die er anschlägt, Gedanken, die er ausspinnt. Sehr fein ist auch die Orchejsterstimme behandelt, bald in ihrer Wechselwirkung mit dein Klavier, bald dessen Kantilene untermalend. Das Konzert, hier meines Wissens zum erstenmal gegeben, darf sich den unsterblichen Klavierkonzerten Beethovens, Mozarts u. a. ebenbürtig an die Seite stellen: es läßt den überschwänglichen Jubel verstehen, mit bem es seinerzeit Schumann bei der ersten Aufführung begrüßte: „Dieses zweite Konzert, an das wir sämtlich nicht hinan- Lönnen, oder nur mit den Lippen, den Saum zu küssen." Gespielt wurde es von Wilhelm Backhaus, einem dieser „berufenen Interpreten", Gießens Liebling seit den frühesten Jahren seiner künstlerischen Lausbahn, ^den wir schon so oft wieder unter uns begrüßen durften. So war das geistige Band zwischen Künstler und Hörer von vornherein geknüpft und es ward ein wundervolles Genießen, ein L-ichversenken in Werk und Spiel: und ein so stürmischer,Micht aussetzender, herzlicher Beifall dankte dem schöpferischen Vermittler Chopinschen Geistes, dem glänzenden Virtuosen, Ivie ihn selbst das beifallfrcudige Gießener Konzertpublilum nur selten spendet. Herr Backhaus spielte noch 2 Konzertetüden von Secling, von denen namentlich die zweite weit über ein bloßes Birtuosenstück sich erhebt, sowie die bekannte E-dur-Polonaise von Liszt, vielleicht der Höhepunkt seiner Leistung am heutigen Abend. Eine blendend gespielte Zugabe gab den Dank des Künstlers.
Eingeleitet wurde der Abend durch Mendelssohns lieblich-phantastische Ouvertüre zum Märchen von der schönen Melusine, der glücklich-unglücklichen Meerjungsrau und ihrer Liebe , i Ritter Lusigncm. Die Wasser spielen und mur-
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Deutjch-russische fragen.
Der bekannte Ausruf deutscher Universikätsproscisoren über Finnland, hat, wie wir vorausgesagt haben, keine positive Wirkung gehabt. Dagegen wird den Herren jetzt vom deutschen Botschafter in Petersburg bescheinigt, daß ihr Werk ,^ohne politische Bedeutung" sei:
Petersburg, 6. Febr. Der deutsche Botschafter Gras Pourtales empfing einen Mitarbeiter der „Nomojc Wrenrja", demgegenüber er sich über verschiedene Fragen äußerte. Betreffs der Hellfeldt-Angelegenheit sagte der Botschafter, das ruhige, sachliche Verhalten beider Regierungen in der Streitfrage sei ein beredter Beweis für den beidenritigen! Wunsch, jede ungünstige Einwirkung der Angelegenheit aus div rusfisclj-deutschen Beziehungen zu verhindern. Es sei erfreulich, das oud? die russische Presse jetzt die Sache unparteiisch beurteile. Gleich der Hellfeldt-Angelegenheit sei auch der Aufruf deut- fcb er Professoren für Finnland ohne politische-' B c d e u t u n g. Die Nichteinmischung in innere Angelegenheiten eines anderen Staates sei eines der leitenden Prinzipien dm? deutschen Politik eUber die Grundlagen russisch-deutscher freund- nachbarlicher Beziehungen bemerkte Pourtal<-s, zahllose gegenseitige Interessen zwängen' beide Staaten in Frieden zu leben. Er könne absolut nickt glauben, daß irgendwelcher unversöhnlicher, zu einem bewaffneten Konflikt drängendes Antagonismus zwischen den beiden Rassen bestehe. Er sei gegenteilig überzeugt, daß ein friedliches Zusammenleben und ein gegenseitiger Austausch materieller und geistiger Wohltaten beiden Völkern zum Vorteil gereichen werde.
Petersburg, 5. Febr. 28 Professoren der Un irrer fr tat Odessa erließen einen P r»test gegen den JHufruf_ der deutschen Professoren zu Gunsten Finnlands. Sie drücken gleichzeitig ihre hohe Achtung vor der deutschen Wissenschaft und dem deutschen Staalsn-esen, sowie vor dem patriotischen Selbst - bewußtsein des deutschen Volkes aus und betonen, daß weder der finnischen Kultur noch der finnischen Selbstverwaltung Gefahr drohe.
Gieftener Aonzertverein.
Zweiter Orchesterabend.
Gießen, 6. Febr. 1910.
Drei Früh vollendete, die heute in ihren Werken zu uns sprachen, Chopin, Mendelssohn-Bartholdy und Schubert! i'einem war's beschiedcn, die Vollreife des Mannesalters Ü erreichen: aber welche Tiefe eines vollen, reichen Menschenlebens, loelchc Vollendung höchsten Künstlertums offen- Airen uns ihre Schöpfungen, bestrahlt allerdings alle und -urchdrungen von sonnigster Jugend! Jeder von ihnen st auf feinem Gebiet in vollster Eigenart ein Meister, in Vollendeter geworden, Chopin der „Dichter des Kta- äers", Mendelssohn — neben Händel — int Oratorium, I vchubert im Liede. Dieser, wäre nicht seiner überquellen- jtett Schöpferkraft schon im 32. Lebensjahre ein so beklagens- ]®ert frühes Ende gesetzt worden, wäre wohl auch noch auf Tunern andern Gebiet ein Herrscher geworden, auf dem er i 'ins noch wenige Monate vor seinem Tode fein reifstes Werk, f. 5jc C-Dur-Symphonie, beschert hat, auf dem Gebiet der | blymphonie, die so mit Beethovens XI. — oder mit'vielleicht 5 ebensoviel Berechtigung — mit Beethovens V. — noch immer J ifae Krönung erreicht hat. Aber nicht nur diese gleichartige ' ixegit des frühen Todes, diese Gleichartigkeit in der Er- 9 TM(f)niui des höchsten Zieles verbindet sie miteinander: riinc Zeit, eine Periode der Musikgeschichte spricht aus fern Werken zu uns, die das Programm des Konzerts an- ünandergcreilft hatte. Der Uebergang von dem klassischen rml zur blühenden Romantik. Ihn 1830 herum sind sie il-le entstanden, sie atmen einen lhefft.
, . Chopins Gedächtnis galt das Konzert zum ersten, seinem inindertjührigen Geburtstag, den die musikalische ' Welt überall festlich begeht, wie sie 1897 Schuberts, 1909 Mendelssohns gedacht hat. Mcht in dem Sinn, sie uns »ms Gedächtnis zurückzurufen, sondern im Gefühl eines freuten Bekenntnisses zu ihnen und ihrem Schaffen, das die '^hrhuuderte überdauert. Steht doch Chopin -so recht --'endig mitten unter uns, hat er doch gerade heutzutage
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gefalle und zur Abhebung sämtlicher Bezüge aus der Staatskaßc bietet, wegen einer Ersparnis von 25 000 Mk. zu einer Zeit beseitigen will, wo sich in den Städten eine Bewegung für Vereinigung der staatlichen mit den Gemeindehebestellen bemeriüar macht.
Weim der Artikelschreiber behauptet, daß die Mehrzahl der Steuerzahler jährlich nur 6—7 mal mit der Kassestelle in Verkehr zu treten habe, so will ich hier nur einige Kassegcschäfte nennen, die die Landbewohner nötigen, die Kassestelle außerhalb der Steuer- erhebungsmonate aufzusuchen: die Zahlung der Gerichkslosten, der verscl^edenen Arten von Strafen, der Domanialgesälle (iwgm ter Höhe der Beträge oft mehrere Ratenzahlungen', der wöchentlichen oder zweüvöchentlicheit Beiträge zur staatlichen Betriebs- kranken lasse: die Sicherstellung der Dümanialgefälle-SchiUdig- Ix-iten,.bie Abhebung der Bezüge vonseiten der staatlichen Arbeiter (Kulturarb'fter, Holzlsttuer nsw.), die wöchentliche Erhebung der frranfcmguber aus der staatlichen Betriebskranienkasse u. a. m.
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Aus Darmstadt wird uns z-u demselben Gegenstand geschrieben:
Mit im Vordergründe des öffentlichen Jittereßes steht zurzeit der in der Zweiten Kämmer der Landstände gestellte Antrag wegen Aufhebung des Instituts der Untererheber und Hand in .Hand brnnit b^jenigen ber Konttollbeamtcn. Von interessierter Seite wird nun der Beweis dafür zu erbringen versucht, daß die Von fachmännischer Seite berechnete Ersparnis nicht 132 203 Mark, sondern höchstens 20 —25 000 Mark betragen würde. Man kommt dabei zu dem ungeheuerlichen Schlüsse, daß für jeden Crt mit 5000—10 000 Einwohnern eine neue Bezirkstage notwendig^wäre. Geht man tu dieser Lchlußfolgernng aioft nur einen Schritt weiter, so müßten z. B. für Darmstadt mit 90 000 Einwohnern nicht 2, sondern 9, für Mainz mit 100 000 Seelen nicht 3, sondern 10 BezirMassen vorhanden sein. kezw. geschaffen werden. Man kann doch übrigens wohl annehmen, daß die Regierung bei ihrer ^Abneigung gegen die Aufhebung der Unter er heb stellen und der Kon- trollbeantten bei Veranlagung der mnt. neu zu errichtenden Kasse stellen, deren Anzahl mit 24 durchaus nicht zu niedrig gc- grisfen hat, schon um die Berechnung der Kopien für die neuen Stellen nicht zu günstig erscheinen zu lassen.
Die Gehalte für die neuen B-ezirMasse,teilen berechnet die Regierung im Durchschnitt mit 3500 Mark, während die Interessenten auf nur 3300 Mark kommen, beide verfahren aber dabei gegen die bisher geübte Regel und stellen schon eine Gehaltsaufbesserung in Rechnung, die, wer weiß wann, erst noch kommen soll und von der man auch nicht wissen kann, ob sie eine solche Höhe erreicht. Für die neuen Stellen kommen doch auch nur jüngere Beamte mit Gehalten von weniger als 3000 Mark in Frage. Um nun die Mehrkosten möglichst hoch hinaufzuschrauben, macht der Herr Kvntrollbeamte seine Rechnung mit 74 anstatt nur mit 20 oder 24 Stellen .auf und erreich!, dadurch für seine: Zwecke ein Mehr von 22 200—7200 = mindestens 15 000 Mark. Daß auch die Kontrollbeamten einen Gehalt von'7000 Mark und Tagegelder von 9—10 Mark, sowie Uebernachtungsgebühren von 4 Mark, anstatt jetzt 6 Mark 50 Psg. bezw. 3 Mark erstreben, vergißt man anzugeben: ebenso ist verschwiegen oder vergessen!, da,ß doch auch die Kontrollbeamten den Penstonsetat mit 4400 Mark jährlich belasten — oder sind die Kontrollbeamten nicht pensionsberechtigt? — und ferner ist anscheinend nicht daran gedacht worden, daß. die Gebühren der Untererheber alljährlich um einige Taufend Mark in die Höhe gehen.
Der Ansatz mit 60 000 Mark für. Gehalle der neuen Bezirkskassierer steht unwiderlegbar fest, ebenso auch der Ansatz des Wohnungsgeldes mit 4800 Mark, der Stellvertretungskosten mit 3830 Mart und der Pensionslast mit 12 000 Mark. Die Schreibhilfe- Losten sind für die verhältnismäßig kleinen Kassen mit 16 000 Mark mehr als reichlich in Ansatz gebracht. Jedenfalls aber wird bei Aushebung der Untererhebstellen das heute von diesen verursachte ganz enorm vermehrte Schreibwerk der Bezirkskassen, Finanzämter, Amtsgerichte, Oberförstereien nsw. abnehmen und eine ganz bedeutende Ersparnis an Schreib kosten bei fast allen Behörden erzielt werden, geschweige denn, daß. ffie veranschlagten 16 000 Mark überhaupt notwendig werden ober nicht ausreichen würden.
Die als Ersparnis benannten Posten mit 183 000 Mark Hebgebühren der Unterer beb er, 34 080 Mark Kosten der Kontrollbeamten und 17 000 Mark Beitrag zur Fürsorgekasse für die Untererheb er sind dem Hauptstaatsvoranschlag entnommen und können daher mit keiner Rabuliftik aus der Dell geschafft, oder als unzutreffend diskreditiert werden. _____________________
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Die heutige Nummer umsatzi 10 Seiten.
3m Umgestaltung des hessischen Lokallasiewesenr.
Zu den Meinungsverschiedenheiten über die Untererheb- itellen sind uns wieder Mei Zuschriften ^gegangen. Die ;rftc stammt von einem Sachverständigen aus Gießen:
Zu den unter obigem Titel in Nr. 28 des Gießener Anzeigers cMhaffimen Ausführungen möchte ich kurz das Wort ergreifen, ter Verfasser des an erster Stelle stehenden, klein gedruckten Artikels scheint mit seinem Nachweis, daß an Stelle der aup aiM'enbcn 375 Untererhebstellen 30 neue Bezirkskassen errichtet werten müssen, das Richtige getroffen zu haben. An Stelle der im Jahre 1900 aufgehobenen 11 Rentämter und 18 Bezirks- taffen traten 375 Untererbebftellen, es dürfte daher wohl gänzlich ausgeschlossen sein, das bei einer Reorganisation 20 Bezirkstasse u als Ersatz für diese 375 Untererhebstellen ans reichen. Auch ist tswohl zutreffend, wenn der Artikelschreiber einerseits die Wieder- fcrfMlung der 18 im Jahre 1900 aufgehobenen Bezirkskassen iür nötig erachtet — denn es kann Städten toie Hungen, Lau- tadi uiro., die vor 1900 eine Bezirkskasse besaßen und zurzeit eine DitererHebstelle haben, nicht zugemutet worden, daß sie künfkig- Hl nur jede staatliche Kajsestelle verzichten — und andererseits in genannten Gemeinden mit einer Einwohnerzahl von 5000 U 10 000 Seelen die Errichtung von 12 Bezirks fassen für er- 'Merlich hält. Die Errichtung und Vermehrung der Bezirkskassen Mgt aber allerdings trotz der gegenteiligen Ansicht des anderen klftikelschreibers in der .Hauptsache von der Bevölkerungszahl ber £rte ab. Ter vorgebrachte Vergleisch mit den Städten hinkt ganz tüt affig, in den Städten verursacht die Bevölkerungszunahme i.ine Vermehrung der Bezirkskassen, sondern eine stetige Ver- r.i chrung der Arbeitskräfte bei den bestehenden Bezirkskassen. — lurch die Ausführung der toit beit Untererhebstellen und Bezirks- kstsen gehaltenen baren Kassevorräte ist dem ersten Artikelschreiber — mag er den baren Kafsevorrat auch Betriebskapital nennen', ras hier ganz nebensächlich ist — der Beweis gelungen, daß den Untererbebftenen eine Erhöhung des Betriebskapitals der Großh. -mwtstaatskasse um 1 Million — deren Ursache der Verfasser des Artikels in Nr. 18 des Gießener Anzeigers früher richtiger harte ergründen sollen — nicht zur Last gesetzt werden kann. Die hid.iigTeit dieser Beweisführung hat der letztgenannte Arttkel- r reiber auch eingesehen, denn er setzt in seinen Einwendungen r Nr. 28 des Gießener Anzeigers die 35 000 Mk. Zinsen des ahöhteu Betriebstapitäls, mit denen er früher das Institut der ntererheb stet len belastete, als angeblich? strittigen Posten außer mg. Naiv ist es nun, wenn derselbe diese ausfallenden 000 Ml. Zinsen jetzt „durch die von uns nicht berechnete Er- arnis an Schreib Hilfe kosten, Porto, Papier und Bureaukosten ehr als auswiegen" will. Richtig war es jedenfalls, daß keine ksparnis an Schreibhilfekosten, Porto, Papf er und Bureaukostm zeit in di? Berechnung eingestellt worden ist, denn es wird lmch die Aufhebung der Untererhebstellen deine solche erzielt, ttr Schreibhilfekosten .werden vermutlich höher werden, indem M einzelnen der bestehenden BezirMassen nach Aufhebung der Untererl-ebstillen durch die vermehrte Arbeitslast die Annahme einer Schreibhilfe oder die Verstärkung des vorhandenen Schreib-- -iststieupersouals erforderlich- wird. Das Porto, das der Verkehr mit den Untererhebstellen, erforderte, wird nach deren. Aufhebung hrrd-. den viel regeren Verkehr ber Bezirkstchssen mit den Bürger- mtifiereien der einzelnen Orte verschlungen werden, auf die Bureau- dsten der Bezirkskaisen aber endlich hat die Aufhebung der Unllr- 'chebstellen kaum einen Einfluß.
Ter Verfasser der Einwendungen in Nr. 28 des Gießener Anzeigers überschätzt das Interesse der fünf Kontvollbeamten an äem Fortbestehen der Untererhebstellen gewaltig, ein derartiges Unterene besteht bei diesen absolut wich'. Soweit die Kontroll- teamtenstei len duvrp eine etwaige Aufhebung ber Untererhebftellen entbehrlich werden sollten, dürfen deren Inhaber wohl zu Re- dierung und Landständen das Vertrauen haben, daß sie in gleich- löertigcn Stellen ber Finanzverwaltung — deren Dienst sick>er- !ich bequemer ist als ber Kontrollbeamtendienst — untergebracht j verden. Des Hauptiitteressenten an dem Fortbestehen der Unter- crhLstellen, nämlich der Landbevölkerung, vergißt der Artikel- chreiber bei Anftühruirg der Interessenten Erwähnung zu tun t-ie ländliche Bevölkerung wird es mit Recht nicht verstehen, daß itan bei ihr die Vereinigung der staatlichen Kassestelle mit der Gemeindestelle, eine bereits eingelebte Kasseorganisation, die ihr ine äußerst bequeme Möglichkeit zum Zahlen sämtlicher Staats-
9h?. 31 erstes Blatt 160. Jahrgang Montag 7. Februar 1910
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W Böta«6n$tni(f unb Verlag »er vrühl'schen Univ.-Viich- UN» Sletetnideret 8. Lange. Reöattion, Lxpe»iti»n UN» Bnideref: Schnlftratze 7. ^"‘eigenie^61^^
Vie Spannung auf dem Balkan.
Die Kriegsgefahr scheint durch die Beschwichtigung der Großmächte vorläufig in den Hintergrund getreten zu fein. Die gric chischen Pläne Müssen auf internationales Gebot wieder einmal vertagt werden:
Kvnstantinvpe'l, 5. Febr. Der griechische Gesandt.' Gr y p a r i s gab dem Minister des Aeußeren die v j f r z i e l l e Erklärung ab, daß die Befürchtungen in betreff der griechischen Nation al Versammlung unbegründet seien. Die Einberufung derselben ist zurückzuführen auf die Gründe der Wiederherstellung der Ordoruirg und der Ruhe im Eimern, sowie auf den Wunsch, auswärtige Schwierigkeiten zu vermeiden und die frommer- mahlen auszuschieben, die im September 1910 und im Januar 1911 stattfinden. Die hellenische Regierung Ipffe, die Pforte werde dm Bedeutustg dieseo-'Maßname würdigen, welche Zeugnis ablege vvro dem auftichtigen Wunsche, die guten Beziehungen zur Türke, aufrecht zu erhMen.
Athen, 5. Febr. Bonizelos (der betanntc tretische Agi tatör), ist heute von hier abgereist, um sich nach Kreta zurück-^ zubegeben.
Paris, 5. Febr. Im Mi nist er rat erfifarte fucunfrer Pichon, die Vorschläge, welche er in Petersburg, London und Rom gemacht habe, um die griechisch-türkischen B e r - Wickelungen zu verhindern, hätten zu einer Einigung geführt und würden von den vier Schutzmächten dem kretischen Execut-v- komitce offiziell mitgeteilt. Die von den Regierungen in Konstanti nopel und Athen abgegebenen Erklärungen ließen die Ansicht zu, daß feine Schw ierigke iten mehr zu befürchten seien.
Konstantinopel, 6. .Febr. Ter Su (_tan stiftete» dem F'lottenverein ein Zwölftel der Zivilliste, rund 23 000 Pfund, für Flotten zwecke. Die Leitung „Z kd am" dankl namens der o 11 o m an ische n ö s se nt li ch e n Meinung der Presse Deutschlands, Oesterreichs, Englands und Frankreichs für die Unterstützung, die sie der Türkei in der frrctafragc erwiesen haben.
Die türkische Kammer nahm nach Längerer Tebatte den. Handelsvertrag zwischen .der Türkei und Montenegro an, der auf der Meistbcgünstigungsllauset beruht. Gegen über der Forderung der Deputterten von SEutari, daß die 'Debatte- zur Regelung der Grenzftage vertagt werde, kündigten der Grost- Wesir und der Minister deS Aeußeren die baldige Vorlage eines mein, sie schlagen ans Ufer und ebben zurück; und aus ihnen heraus, über ihnen singt mit süßer Stimme die Meerjungfrau, antwortet stolz der Ritter, klagt schließlich tottraurig die schöne Verlassene: aber nur das immer gleiche Spiel ber Wellen läßt sich noch vernehmen. Es ist eine der schönsten Ouvertüren Mendelssohns, voller Melodie und Farbe, eine der schönsten Blüten der Romantik.
Den Schluß des Konzerts bildete die C-dur-Symphonie Schuberts, neben der hier schon ost gehörten unvollendeten H-Moll seine eigentlich einzige wirklich bekannte Symphonie^ zeitlich die letzte. Erst 10 Jahre nach seinem Tode überhaupt (von Schumanns in seinem Nachlasse entdeckt, unter Mendelssohn zum erstenmal aufgeführt hat sie seitdem ihren Platz neben Beethovens Spmphonien sich bewahrt. Ein wundervoll sonniges, klar und fließend geschriebenes Werk, nicht voll schwerer, tiefer Gedanken, aber von einer mitsichreißenden Freudigkeit und Frische, die einen trotz aller Länge bis zuletzt beherrscht der letzte Satz vermag die Fülle der Melodien kaum zu fassen, überall drängte und guillts, und es will kein Enk c werdens
Das Orchester des Palmengartens zu Frankfurt a. M. unter Prof. Trautmanns Leitung gab mit beiben Tonbichtungen eine prächtige Leistung, ber herzlich dankbare Anerkennung gespendet sei. Es war ein flottes, sauberes und klangstarkes Spiel vom ersten bis zum letzten Ton, das die Schönheit und Eigenart jedes Teils glücklich herausarbeitetc. Auch die Begleitung zum Chopinschen Konzert wurde in feinem Mitempfinden mit dem Werk und seinem Vermittler durchgesül)rt; im zweiten Satz schien vorübergehend einmal eine kleine Unexaktheit vorhanden zu sein, ohne baß sie jedoch sonderlich merklich wurde. Die Akustik im Theater war heute, vielleicht auch mir infolge der Art der Aufstellung des Orchesters, sehr befriedigend, wenn auch aus den einzelnen Plätzen nicht gleich gut: am besten dürfte sie — vielleicht verrate ich da manchem zu Nutz unb Frommen das Ergebnis mehrfach angestellter Versuche, — auf den Mittel-
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