Gießener Strafkammer.
)( Gießen- 5. April.
Zu schnell gefahren
ist der Shihtvc«. A. E. aus Frankfurt a. M. Er kam zu Bad- Nauheim mit seinem Gefährt zwischen einen Eiswagen und eine Droschke, wobei er von der letzteren ein Stück initnahm. Er bekam wegen Ucbertretung des Polizeistrafgesetzes und einer Bad-Nauheimer Polneivcrordnung einen Strafbefehl über drei Mark, auf dessen Widerspruch das Schöffengericht die Strafe auf eine Mark festsetzte. Seine Berufung wurde zurückgewiescn.
Ein Unverbesserlicher
ist der Dienstknecht P. I. von Lämmerspiel. Kaum aus der Zellenstrasanstalt Butzbach entlassen, stahl er in Homburg, wo er in Arbeit stand, einen: Mitknechte eine Hose und verließ heim lich seinen Dienst. Irr bestritt die Täterschaft; doch hat ihn ein Zeuge bei dem Diebstahl beobachtet, so daß an seiner Schuld kein Zwcrfcl bestand. Unter Versagung mildernder Umstände erkannte das Gericht auf ein Jahr Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust. "Drei Wochen Untersuchungshaft werden auf die Strafe angcreckinet.
Der Wehrpflicht entzogen
haben sich zehn Leute, wie aus den Anzeigen der mit der Kontrolle der Wehrpflichtigen betrauten Behörden hervoryeht. Sie wurden durch Aufforderung in den Zeitungen und Anschlag an die Gerichtstafel öffcnttich geladen, unter der Beschuldigung, als Wehrpflichtige, in der Absicht, sich dem Eintritt in das stehende Heer oder Flotte zu entziehen, das Bundesgebiet verlassen zu haben, bezw. nach erreichtem militärischem Alter nicht zurück- gekehrt zu sein. Da keiner der Geladenen erschien, wurde jeder der Angeklagten zu einer Geldstrafe von 300 Mk. ev. 60 Tagen Gefängnis verurteilt und die Beschlagnahme ihres im Jnlande befindlichen Vermögens, soweit es zur Deckung von Strafen und Kosten nötig ist, verfügt.
Ein schwerer Diebstahl
ist dem Dicnstknecht W. W. aus Worms zur Last gelegt. Der 19 jährige mehrfach bestrafte Angeklagte war auf dem H o f L e u - stadt als Milchkutscher tätig uird wurde nach seiner Ansicht grundlos ohne Kündigung entlassen. Er wollte sich in Ortenberg bei der Gendarmerie über das Dienstverhältnis erkundigen und kam auf dem Weg dorthin an einem Steinbruch vorbei, in dem sich eine Bretterbude befand. Er zwängte die Schrauber: des Fensters ab, stieg ein und nahm ein Paar Filzschuhe und ein Paar Handschuhe mit. Die Tat hat er mit fünf Monaten Gefängnis zu büßen; sechs Wochen Untersuchungshaft werden auf die Strafe in Anrechnung gebracht.
<Berid>tsfaaL
9c e m t) ü r f, 6. April. Ter MineNspekulnnt Barnes wurde vom Kriminalgericht unter der Anklage großen Diebstahls wegen widerrechtlicher Aneignung von 30 000 Dollars aus den Fonds der Cotton Weod Creek Copper-Company für schuldig befunden. Tas Strafmaß wird später bestimmt.
Lustschifsahtt.
Ein neuer Lenkballon.
Biesdorf b. Berlin, 5. April. Ein neuer lenkbarer Luftkreuzer, von den Siemens-Schuckert-Werken fertiggestelll, schwebt, gefüllt und aufgetakelt, in der großen drehbaren Ballonhalle der Firma bei Biesdorf zum Aufstieg bereit. Er mürbe heute nachmittag durch den Inspekteur der Ber- kehrstruppen, Generalleutnant Frhrn. v. L y n ck e r , und den Majoren Groß und Sperling, sowie von mehreren Offizieren des Luftschiffcrbataillmrs besichtigt. Erläuterungen gaben die Erbauer des Luftschiffes, Hauptmann a. D. Krogh und Dberingenieur Titius. 2er Aufstieg des etwa 125 Meter langen, unstarren, mit drei Gondeln versehenen Luftschiffes wird in einigen Tagen erfolgen. Der Antrieb erfolgt durch drei Motore uni) sechs Schrauben. ___________
Ter französische Aeroklub.
P a r i s , 5. April. Der Aeroklub von Frankreich wies in einer Zeitungsnotiz auf die Verstimmung hin, die die unfreundliche Ausnahme deutscher Luftschiffer, bei ihrem Landen auf französischem Boden in Deutschland hervorgerufen habe und betont, daß die französinben Luftschiffer in Teutschland niemals irgendwelche Behelligung < erfahren hätten. Um den unangenehmen Folgen Vorzug . . , die derartige weitere chauvimstische Aufreizungen haben tonnten, beschloß der Aeroklub, sich mit den Bürgermeistern der Departements der Ost grenze in Verbindung zu setzen.
„Ville de Pau".
Pau, 5. April. Der Lenkballon „Ville de Pau" unternahm mit zehn Personen einen 3/i stündigen Flug. Bleriot begleitete hierbei das Luftschiff auf seiner Flugmaschine.
Verunglückte Flieger.
Berlin, 5. April. Auf dem Flugfelde Johannisthal ereignete:: sich heute morgen zwei, glücklicherweise nur lerchte Unfälle. Behrend, der die Fliegerprüfung ablegen will, kam nach einigen Probeslügen mit seinem Schultze-Herford-Apparat bei einer scharfen Kurve schräg zu Boden, so daß das Fahrzeug sehr erheblich be)d)äbigt wurde; dasselbe Unglück hatte Brun- Huber mit einem Autoinette-Apparat nach mehreren tadellosen Runden. Die Flügel und der Hauptkörver, sowie die Maschine und die Schrauben wurden ernstlich beschädigt.
N e w v o r k, 5. April. M a x i m i r o stürzte mit einer neuen Flugmaschine aus einer Höhe von 30 Fuß zu Boden; er erlitt starke Quetschungen und Erschütterungen. Die Maschine wurde teilweise zerstört.
Zu dem Unfall des Ballon Pommern.
Stettin, 5. April. Die Leichenschau bei dem Stadtbaurat B e n d u h n stellte tiefe Kopfwunden uitb einen komplizierten Beinbruch fest, wobei die zersplitterten Knochen durch! das Fleisch gedrungen sind, einen kon:plizierten Oberarnöbruch und einen Bruch der Handgelenke. Die Leichen der beiden Gefundenen werden heute nachmittag nach Stettin befördert und Henle abend dort eintreffen. Am Donnerstag erfolgt dort die Beisetzung.
Handel.
** Süddeuts che I mntio b il ie n - Gc se l l s ch a ft Mainz. Die Generalversammlung von: 5. April beschloß dem Anttage der Verballung entsprechend die Verteilung einer sofort zahlbaren Dividende von 5 Prozent nnb wählte das ausscheidende Mitglied des Aufsichtsrates Dr. C. Sulzbach wieder.
Markte.
tlj. Gießen, 5. April. Ter heutige R i n d v ie hmar kt hatte einen Auftrieb von ca. 1100 Stück Großvieh, 150 Jungtieren und 250 Kälbern. Tas Milchviehgeschäft wär, obschon der Dorhandel sich in mäßigen Grenze:: hielt, bei den alten hohen Preisen sehr gut. Außer der Kundschast von Rhein, Main und Nahe und Mosel griffen Einkäufer aus Baden und der Rhön kräftig in den Handel ein. Für Jungvieh zur Mast und Zucht war starke Nachfrage bei schwachem Angebot, so daß die Preise anzvgen. Tie Tendenz des Fettviehmarktes war die alte. Nachfrage und Angebot glichen sich bei den Preisen der letzten Märkte aus. Ter Kälberb nudel bewegte sich langsamer als vor Ostern. Reflektanten aus den Provinzstädten Ware?: ferngeblieben, auch die Gießener Metzger kauften nur schwach, so daß die frankfurter und Wiesbadener Einkäufer freies Feld hatten und ftch bei erheblichem Preisabschlag deckten, der ca. 6—8 Mark für den Zentner ausmachte. Fettvieh war nur in wenigen Paaren zu Haden, so daß sich ein preisbildender Handel nicht entwickeln konnte. Bezahlt wurden für das Stück: Milchkühe I. Qual. 475—530 Alk. (einzelne sehr schwere Stücke bis 575 Mk.), 2. Qual. 400—460 Mk., 3. Qual. 530—3b0 Mk., jnnge Rinder und Stiere ^jährig 13 >—160 Di., 3 4—1 jährig 170—220 Mk., je nach Form und Qualität. Ver- faiül wurde der Zentner Schlachtgeivicht: Fette Rinder 1. Qnal.
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