Das Mädchen
vertagt.
Das Erpresser- und Mörderpaar Koppius vor Gericht.
hatte bei dem Ueberfall schwere Verletzungen erlitten, da Fritz Koppius auch von seinem Messer Gebrauch gemacht hatte. Um die Spur von sich abzulenken, schrieb Karl Koppius einen anonymen Brief an das Leipziger Tageblatt, in dem er u. a. von „blödsinnigen Journalisten" spricht. Darauf wurde die Verhandlung auf morgen
zwischen hinzugekommener Bruder die Flucht ergriffen. Auf der Straße trieben sie sich noch eine Zeit lang in der Nähe der Wohnung herum, bis sie den Plan endgültig aufgaben. „.ZI hatte bei dem Ueberfall schwere Verletzungen et"
hatte es durch Gewinne auch schon zu einem Besitz von 14 OOO Mark gebracht, verlor aber alles wieder. Seiner Braut hatte er immer erzählt, daß ihre Zukunft gesichert sei. Sodann wird das Attentat auf die Fabrikantenehefrau Wagner durch gesprochen. Diese ist von dem Angeklagten im Hause Gottsched- sttaße 15 überfallen und durch Messerstiche am Halse verletzt worden. Nur ihre dicke Boa verhinderte es, daß der Angeklagte der Frau den Hals durchschnitt. Karl Koppius behauptet, daß er nicht die Absicht gehabt habe, die Frau etwa zu berauben. Er habe damals wieder 100 Mark im Wetten verloren und sei dadurch so in Wut gekommen, daß er beschloß, den ersten besten Menschen umzubringen.
Der zweite Angeklagte Fritz Koppius bekundet, daß sein Bruder Karl ihm im Volkshause den Ueberfall auf Rübner erzählt habe. Als sie dann später beide kein Geld hatten, sei der Plan zwischen ihnen erwogen worden, wieder einen Briefträger zu ermorden. Karl Koppius bemerkt dazu, sein Bruder sei eine harmlose Natur und kein Verbrecher, er, Karl, habe ihn durch die Erzählung von dem Ueberfall erst auf den Gedanken, wieder ein Verbrechen zu begehen, gebracht. Er habe noch einmal sein Glück im Wetten versucht, nachdem die Mutter das Geld dafür durch Verkauf der gesamten Einrichtung aufgebracht hatte. Er gewann aber wieder nichts und so wurde bei den Eheleuten Friedrich ein Zimmer gemietet und der Geldbriefträger Frohwald durch eine Postanweisung über 8,25 Mk dorthin gelockt. Vorher wurden die beiden alten Leute durch Hammerschläge ermordet. Der Geldbriefträger Frohwald kam zu seinem Glück zusammen mit dem gewöhnlichen Briefträger und entging so dem Tode Die beiden Verbrecher raubten tn der Friedrichschen Wohnung Depositenscheine, Sparkassenbücher, Goldsachen und 50 Mk. bares Geld.
Nach einiger Zeit faßten die beiden Angeklagten, als sie wieder in Not waren, den Plan, eine alte Dame zu berauben. Sie suchten lange nach einem Opfer und beobachteten verschiedene Wohnungen, bis sie auf die der Rentiere Rauher verfielen. Durch Zählen der Brötchen im Frühstücksbeutel überzeugten sie sich, daß nur zwei Personen sich in der Wohnung aufhielten. Fritz Koppius klingelte eines Morgens, mit einem Fliederstrauß in der Hand, an der Wohnung. Als das Dienstmädchen Seiffert öffnete, stürzte er sich auf sie und würgte sie. Das Mädchen schrie aber auf, so daß Fritz Koppius und sein in-
4- Leipzig, 5. Okt.
Vor dem hiesigen Schwurgericht begann heute unter ungeheurem Andrange des Publikums der Prozeß gegen die Brüder Karl und Fritz Koppius, der eine der sensationellsten Kriminal- affären der letzten Jahrzehnte zum Abschluß bringen soll. Die Angeklagten werden des vollendeten und versuchten Raubmordes sowie der versuchten Erpressung an dem bekannten Verleger der „Illustrierten Zeitung", Weber, beschuldigt. Beide Angeklagte werden gefesselt vorgeführt.
Karl Koppius ist sorgfältig gekleidet und trägt hochaufgedrehten schwarzen Schnurrbart. Sein Bruder trägt Gefängniskleidung, er scheint von Karl Koppius stark beeinflußt zu werden. Zur Personalfeststellung gibt Karl Koppius an, daß er als Kind wegen Diebstahls zu drei Tagen Gefängnis verurteilt worden sei; sein Bruder ist noch unbestraft.
Auf Befragen des Vorsitzenden schildert Koppius seinen Lebenslauf. Nachdem ich aus der Schule war, wurde ich zunächst Handarbeiter. Ich wollte eigentlich Brauer werden, aber da ich als Hilfsarbeiter mehr verdiente, als ich als Lehrling bekommen hätte, wurde ich Hilfsarbeiter bei einem Brauer. Später wurde ich Flaschenspüler und war als solcher mehrere Jahre in Hallenser Brauereien tätig. Dann kam ich zum Militär und habe 2 Jahre gedient. — Vors.: Während Ihrer Dienstzeit sind Sie auch Offiziersbursche gewesen? — Angekl.: Ja, ein Jahr lang. — Vors.: Sie wurden auch Gesreiter? — Angekl.: Ja. Ich wurde dann zur Reserve entlassen und ging nach Leipzig, um m eine Großbrauerei einzutreten. Ich kam 1904 hierher, die Stellung, die ich jnir wünschte, fand ich aber nicht. Ich ging daher zu einem Stellenoermittler, um als Hausdiener angestellt zu werden. Als solcher arbeitete ich bis Februar 1907. Zuletzt war ich in der Weinstube Taverna. — Bors.: Wie standen Sie sich da? — Angekl.: Ich bekam 13,50 Mk. Wochenlohn und die Trinkgelder. — Vors.: Langte das zum Leben? — Angekl.: Jawohl. — Bors.: Aber später langte es anscheinend nicht mehr, warum nicht? — Angekl.: Mein Vater starb und ich wurde zur Unterstützung meiner Mutter und meiner Geschwister herangezogen. — Vors.: Äe hatten vor Ihrer Militärzeit bereits 500 Mk. auf der Sparkasse? — Angekl.: Ja. — Vors.: Waren die damals noch vorhanden? Angekl.: Ja, ich wollte sie aber nicht angreifen. Meine Absicht war, da ich großen Sinn für Häuslichkeit hatte und das Bestteben verfolgte, mir mit meiner Mutter und den Geschwistern eine gemütliche und bessere Existenz zu schaffen, sie zu mir nach Leipzig kommen zu lassen, um ihnen die Welt auch einmal von einer anderen Seite zu zeigen, nachdem sie bis dahin im tiefsten Elend gelebt hatten. Sie kamen auch herüber, aber ihre paar Sachen hatten sie in chrem entsetzlichen Elend bis auf den letzten Rest verkauft, so daß ich sie neu einrichten mußte; das verschlang viel Geld. Ich wollte ruhig und friedlich leben, fand aber bei Mutter und Geschwistern kein Verständnis dafür.
Dazu kam. daß seinen Verdienst in Sport und Sviel vergeudete, Jo daß er bald vor dem Nichts stand. Auf Grund einer Annonce aufte er sich ein Buch „Wie komme ich vorwärts" für 20 Mark. In diesem Buche hieß es, daß man keine Rücksicht aufseine Nebenmenschen zu nehmen brauch, wenn man vorwärts kommen wolle. Auch enthielt das Buch einige Beiträge zur Psychologie des Gewissens. Gewissen dürfe ein moderner Mensch überhaupt nicht haben, das sei nur eine dumme Einbildung. Er habe einmal in der Zeitung gelesen, daß man einen Geldbriesträger überfallen habe, und da fei ihm der Gedanke gekommen, es auch so zu machen.
Der Angeklagte schildert dann, wie er den Ueberfall auf den Geldbriefträger Rübner aussührte, wobei er 8000 Mark erbeutete. Damit fing er wieder zu wetten an. Er
----Rinderbügen, 5. Oft. Aus dem Fürstlich Isen- burglschen Hofgut Rinderbügen sind dem erst vor wenigen Wochen von Rodheim v. d. H. zugezogenen Pächter Bär mehrere Stück Rindvieh eingegangen. Dieser Tage mußte wieder ein Stück wegen plötzlicher Erkrankung abgeschlachtet werden. Der damit beauftragte, im 19. Lebensjahre stehende Metzger Wilh. Fetzberger erkrankte kutz darauf an Blutvergiftung und starb heute. Auch der Pächter Bär liegt an Blutvergiftung schwer darnieder. Beide sind bei dem Abschlachten der anscheinend an Milzbrand erkrankten Kuh infiziert worden.
R.B. Friedberg, 5. Okt. Prinz Sigismund von Preußen, der zweitälteste Sohn des Prinzen .Heinrich von Preußen, ist heute morgen von Kiel kommend, im hiesigen Schloß etngetroffni. — Eine schöne Handlung unserer Großherzogin wird hier vielfach besprochen. Die Großherzogin kaufte bei der Firma E. Kolb eine gestickte Bettdecke für den Preis von 30 Mk. Weil ihr die Decke sehr gefiel, fragte sie, wo sie gearbeitet wäre. Es wurde ihr mitgeteilt, daß zwei taubstumme Geschwister (namens Spier) die Decke angefertigt hätten. Beide Schwestern unterstützten mit ihrer Arbeit ihren annähernd 90 Jahre alten, erblindeten Vater. Daraufhin schickte die Großherzogin den beiden Geschwistern 50 Mark und eine größere Bestellung.
Darmstadt, 6. Okt. Die Ergänzungswahlen für die Stadtverordneten finden am 7. November statt. 18 Stadträte sind neu zu wählen.
Darmstadt, 6. Okt. Die Klage der Stadt Offenbach wegen Schadenersatzes für die fahrlässig übernommenen Kaiserhofaktien gegen den Oberbürgermeister Dr. Tulio wurde von der hiesigen Zivilkammer auf den 24. November vertagt, da der Besagte augenblicklich abwesend und sein Rechtsbeistand nicht genügend unterrichtet ist.
-o. Mainz, 5. Oktober. Die Stadtverwaltung Mainz hat nach Genehmigung der Stadtverordnetenversammlung vor längerer Zeit von der hessischen Regierung die Erlaubnis erbeten, zur Deckung von in der nächsten Zeit an die Stadt herantrelenden Verpflichtungen eine Gesamtanleihe von 1 500 000 Mk. ausnehmen zu können. Die Genehmigung ist bis heute noch nicht erteilt worden. Kürzlich wandte sich deshalb die Stadtverwaltung an den Vorstand des Verbandes deutscher Städte (Sitz Düsseldorf), der vor einigen Monaten zum Zweck der gegenseitigen Unterstützung gegründet wurde, mit dem Antrag, ein kurzfristiges Darlehen zu gewähren. Durch Vermittlung des genannten Vorstandes wurde nun ein A b k o m - men. zwischen den Städten Mannheim und Mainz getroffen, nach, dem Mannheim der Stadt Mainz ein mit i1/*6/» zu verzinsendes Darlehen von 80 0 000 Mk. gewährt, das am 1. April 1911 zurückgezahlt werden muß.
? Ehringshausen a. d. Dill, 5. Okt. Hier herrscht seit Frühjahr eine äußerst rege Bautätigkeit. Am Bahnhof wird eine Ueberführung für Fuhrwerke angelegt und das Stationsgebäude wird durch einen Anbau wesentlich vergrößert. Das nach Plänen des Regierungsbaumeister Mayer-Steglitz stn Auftrag der Kaiserin erbaute Krankenhaus ist im Rohbau vollendet. Auch viele Privathäuser sind im Laufe dieses Sommers entstanden, so daß sich unser Ort sichtbar vergrößert.
x Waldgirmes, 5. Okt Der bei der Firma Rinn & Cloos beschäftigte Werkführer Ruhl blickt auf eine 25- jährige Tätigkeit tn dem hiesigen Betrieb der Firma zurück.
Frankfurt a. M., 5. Okt. Der 25jährige Bankbeamte Georg Röder, der unlängst eine Frankfurter Bank um '9860 Mk. beschwindelte, wurde verhaftet. Die Kriminalpolizei nimmt an, daß auch frühere ähnliche Schwindeleien bei anderen Banken Röder zur Last fallen.
Gerichtrsaal.
A Bübingen, 5. Okt. Der Professor am hiesigen Gymnasium Haacke hatte gegen einige hiesige Einwohner Privatklage wegen Beleidigung erhoben, weil sie ihm nachgesagt hatten, er habe sich der Weiblichkeit Büdingens mehr gewidmet, als sich mit seinem Amt als Religionslehrer vertrage und mehrfach an Frauen und Mädchen unsittliche Anträge gestellt. Die Schöffen^ gerichtsverhandlung über diese Sache am letzten Montag, die für den Privatkläger nicht sehr günstig verlief, mußte unterbrochen werden, da eine Hauptzeugin fehlte und zwangsweise von Berlin geholt werden mußte. Jedoch kam es *u keiner weiteren Verhandlung, da Rechtsanwalt Keil im Auftrag des Klägers vor Eintritt in den auf Mittwoch angesetzten Termin mit Rücksicht auf dessen geistigen und seelischen Zustand, der ihn verhandlungsunfähig mache, die Privatklage zurückzog. Den Verhandlungen wohnte im Auftrag der Regierung Regierungsrat Hechler bei, da die Angelegenheit voraussichtlich noch ein Disziplinarverfahren zeitigen wird.
Vie Cholera.
R o m 5. Okt. In Neapel sind in den letzten 24 Stunden 16 Erkrankungen und fünf Todesfälle an Cholera vorgekommen, in der Provinz Neapel 15 Erkrankungen. Aus Apulien wurden weder Neuerkrankungen noch Todesfälle gemeldet.
Parisi 5. Okt. In Marseille wurde bei drei Reifenden, die zu Schiss aus dem Orient eintrafen, Cholera festgestellt. Die mit den Kranken in Berührung Gekommenen wurden unverzüglich isoliert und alle Desinfektionsmaßregeln getroffen. Es handelt sich einzig und allein um eingeschleppte Fälle. Die Stadt Marseille kann nicht als verseucht betrachtet werden. Die getroffenen Maßregeln sind derart, „bafe bie Möglichkeit einer Verbreitung der .Krankheit ausgeschlossen erscheint.____________________________________________
Dcrinncbtes.
*DirekteBahnverbinbungzwischenParisunb Tokio. Der Präsident der japanischen Eisenbahnen, Baron Hirai, weilt gegenwärtig in Paris, um wegen eines Planes zu verhandeln, oer binnen kurzem Wirklichkeit sein wirb: die direkte Bahnverbindung Paris — Tokio. Im Anschluß an bie trans- ^oirische Bahn baut Japan eine Zweiglinie von Mukben zur toreanischen Küste. In Tusan wird der Zug durch ein Traiekt in 9 Stunden nach Simonosaki überführt und erreicht einen Tag später "Tokio. Durch die neue Bahnverbindung soll man in höchstens elf Tagen vom Pariser Nordbahnhof bis nach Tokio reifen können.
* Die Zahl der Fremden in Korea. Der japanische Generalrestdent von Korea hat soeben eine Statistik herausgegeben, die interessante Einblicke in das koreanische Erwerbsleben und vor allem das Anwachsen der Fremdenkolonie bietet. Ende Juni zählte man in Korea insgesamt 13 3*2 Fremde. Die weitaus größere Mehrzahl davon sind die Chinesen, zusammen 11533. Von den weißen Rassen sieben die Amerikaner mit 490 an der Spitze; es folgen England mit 183, Frankreich mit 89, Deutschland mit 48 Rußland mit 21, Griechenland mit 12, Italien mit 3 Köpfen. Ihrem Stand und ihrer Beschäftigung nach verteilen sich die in Korea lebenden Ausländer wie folgt: 99 sind Beamte, 453 Missionare, 3757 Kaufleute, 335 Fabrikanten, 989 beschäftigen sich mit Landwirtschaft, 138 mit Mmenbau, einer mit Fifcherei und 6611 mit anderen Gewerben. Die in Korea lebenden Chinesen sind gewöhnlich Kaufleute, Fabrikanten oder Bauern. Von den 138 Bergwerkbesitzern oder Vergwerkbeamten sind 104 Amerikaner. Auch unter den Missionaren sieben die Amerikaner an der Spitze. Sle stellen 306 Verkünder der christlichen Religion, während die Engländer 90, die Franzosen 50, die Russen 4 und Deutschland 3 Missionare ent sandt haben.
• Warum brauchten bie alten Völker Bronze st a 11 Eisen? Etwa um das Jahr 5000 vor Begmn unserer Zeitrechnung finden wir zum ersten Male die Verwendung von Metallen vor, doch mar das erste Metall nicht, wie man wohl meinen sollte, das Eisen, sondern Kupfer und Zinn und die aus diesen beiben Metallen durch Legierung gewonnene Bronze. Und zwar waren es, wie uns eine der neuesten Nummern der »Tech- Nischen Monatshefte" (Stuttgart, Franckh'sche Derlagshandlung) erzählt, bie uralten Kulturvölker West- und Ostasiens, ferner das älteste afrckanifche Kulturvolk, die Aegypter, bei denen wir die ersten Anfänge der Metalltechnik vorfinden. Kupferne und später bronzene Geräte und Waffen, ferner Schmuckgegenstände, die alle bereits eine ganz erhebliche Kunstfertigkeit ihrer Erzeuger verraten, sind die Erzeugnisse der Metallindustrie jener ältesten Kulturvölker. Erst wesentlich später, etwa um das Jahr 1600 vor Beginn unserer Zeitrechnung, finden wir, und zwar im wesentlichen bei denselben Völkern, auch die ersten Anfänge der Gewinnung und Verarbeittmg des Eisens. Verschiedene Ursachen mögen dieses immerhin ganz erheblich spätere Auftreten des Eisens bewirkt haben. Außer dem natürlichen Umstand, daß gerade in jenen Ländern Kupfer und Zinn verhältnismäßig häufig vorkommen, trug wohl auch das glänzendere und schönere Aeußere dieser Metalle zu dieser jahrtausendelangen Bevorzrtgung vor dem Elsen bet, vor allem aber der Umstand, daß Kupfer nnb Zinn und noch mehr die aus beiden
gewonnene Bronze viel leichter aus ihren Grzen zu gewinnen und noch leichter zu bearbeiten waren als das spröde Eisen. Kupfer und Zinn sind, aus den Erzen gewonnen, sofort zur weitere,'. Verarbeitung fertig, sind leicht schmelz- und hämmerbar, in hohem Grade geschmeidig uud bieten dem Schmied ein viel willigeres Arbeitsstück dar. Nachdem aber eine höhere Stufe der Arbeitstechnik erreicht war, wurde das Eisen gerade durch seine Härte und Festigkeit, bann vor allem aber auch durch seine weite Berbreitung, die großen Mengen, in denen es sich den Menschen barbot, zu dem für die praktischen Gebrauchszwecke in Krieg und Frieden bald am meisten verwandten Metall, das an praktischer Bedeutung bald alle anderen Metalle überragt.
Kleine TageSchronik.
Professor Deck er t von der Königlichen Maschinenbauschule in Görlitz, der seit dem 17. September vermißt wird, ist als Leiche aus der Neisse gezogen worben. Es ist noch zweifelhaft, ob ein Selbstmord oder Unfall oorliegt.
Wegen mehrfachen versuchten Giftmordes wurde in Wilenack das 16 jährige Dienstmädchen Berta Fenling verhaftet. Sie gestand ein, in Kafiee Karbol und in Rotkraut Lysol geschüttet zu haben. Glücklicherweise wurde beides öot dem Genuß der Speisen bemerkt.
Die Rettungsstation Wustrow zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphiert: Von dem hier gesttandeten deutschenSchooner „Sturmvogel", mit Gerste von Hamburg nach Kolberg unterwegs,, wurden vier Personen durch den Raketenapparat der Sta- tton gerettet
Aus Panama wird gemeldet, daß infolge Kesselexplosioul der Dampfer Chirigui unter gegangen ist. Alle Passagiere und die gesamte Mannschaft, mit Ausnahme eines Hefters, wurden gerettet.
Handel.
Dortmund, 5. Okt. In der heutigen Versammlung der Gläubiger der Niederdeutschen Bank teilte der Konkursverwalter mit, daß er an Aktiven 5 365 229 Mk. und an lPassiven 27 197 365 Mk. ermittelt habe. Die Unterbilanz beträgt 21832136 Mk. In der Masse liegen 19’/* Proz.
Verlauf der Witterung feit gestern früh: Die östliche Zyklone ist nordwärts nach der Ostsee gezogen, wobei strichweise geftenr geringe Regen fielen. Auch heute steht Mittel- und Norddeutschland noch unter ihrem Einstuß, so daß noch Regen zu erwartew ist. Das Hochdruckgebiet über England rückt nur langsam vor, so daß die Bewölkung bestehen bleibt. Im hohen Norden tauchen neue Polarzyklonen auf.
Wetteraussichten in Hessen am Freitag dem 7. Oktober 1910: Wolkig und kühl, geringer Regen.
Original» IDrafyhnclöungen.
Eine Darstellung über die Ereigniffe in Liffabon.
Madrid, 5. Okt. Ministerpräsident Canalejas empfing am Abend die Journalisten und gab ihnen an Hanl? der bei der spanischen Regierung eingelaufenen Berichte folgende Darstellung von Den Ereignissen in Lissabon: Gestern nacht gegen I1/2 Uhr wurde die Bevölkerung- Lissabons durch 21 Kanonenschüsse aufgeweckt. Alles eilte auf die Straße oder stürzte zum Fenster, um zu sehen, was los sei. Man sah nach allen Richtungen Menschen laufen, während Trompeter zur Sammlung bliesen. Die Revolution war aus gebrochen, 21 Kanonenschüsse waren das Signal. Die sofort mobil gemachte Polizei warf sich auf die Aufständischen, wurde aber von diesen mit Bomben empfangen. Nunmehr wurden die Truppen zu Hilfe gerufen, aber von ihnen ging ein Teil sofort zu den Revolutionären über, während der andere seiner Pflicht und der Monarchie treu blieb. Es entspann sich ein erbitterter Kampf, b-ald fielen Tote und Verwundete, besonders die Artillerie forderte zahlreiche Opfer. Den Revolutionären gelang es, sich des Soldatenviertels irr der Nähe des Schlosses Necessidades zu bemächtigen. Als der König sah, was vorging, verließ er auf den Rat von vier seiner Vertrauten das Schloß, begab sich mit ihnen an einen sichern Ort, wahrend der Kampf in den Straßen weiter tobte. Die Revolutionäre errichteten Barrikaden und schickten Abteilungen aus, welche die Brücken sperren und die Telegraphenleitungen ab schnei den sollten. Im Laufe des Tages trafen dann aus verschiedenen Provinz--, garnisonen Truppen in Lissabon ein, die sich mit den tceu> Gebliebenen vereinigten, so daß sich die beiden Parteien ungefähr das Gleichgewicht hielten. Ich glaube, so fügte Canalegas hinzu, daß die Königin Amalie ihr Schloß, in Cintra nicht verlassen hat, ich weiß, daß die aufständische Bewegung in der Provinz- nicht unterstützt wurde. Das spanische Kriegsschiff „Numancia" ist nach Lissabon in See gegangen.
London, 6. Okt. Der hiesige portugiesische Gesandte hat eine beunruhigende Depesche des Königs! erhalten, worauf er die englische Regierung um die Entsendung eines Kriegsschiffes bat, um die königliche Familie zu retten.
Paris, 6. Okt. Von der spanischen Gesandtschaft in Lissabon ist die Nachricht hier eingetroffen- daß der Admiral Danaezan an der Spitze der revolutionären Bewegung stehe.
Paris, 6. Okt. Der heutige Ministerrat wird sich mit den Ereignissen in Portugal beschäftigen, besonders mit der Frage, ob Kriegsschiffe dorthin entsendet werden sollen.
Paris, 6. Okt. Nach einer Meldung aus Rom ist man im Vatikan sehr beunruhigt über den Ausbruch der Revolution in Portugal, da man wegen des antiklerikalen Charakters der Bewegung deren Uebergreifen auf Spanien befürchtet.
L i s s a b 0 n , 6. Okt. Die königlicheJacht „Arnalia" ist gestern abend mit dem Herzog von Oporto an Bord von Cascaes in See gegangen. Man vermutet, daß die übrigen Mitglieder der Königsfamilie sich in benachbarten Häfen ebenfalls einschiffen werden.
Sevilla, 6. Okt. Die hiesige Garnison macht sich marschbereit, um an die portugiesische Grenze abzumarschieren.
Vigo, 6. Okt. Der Dampfer Cape Bianco ist hierher zurückgekehrt, ohne die für Lissabon bestimmten Passagiere gelandet zu haben. Am Dienstag nachmittag beschossen 2 Kriegsschiffe den königlichen Palast, (ftn drittes! Kriegsschiff führte noch die königliche Flagge, wurde aber durch das Feuer der aufständischen Truppen gezwungen, sie niederzuholen. Der Onkeldes Königs, der Herzog vonOpono, warf si dttm die Spitze der Gebirgsartillerie den Revolutionären entgegen. Die Artillerie wurde aber gezwungen, sich zurückzuziehm, worauf der Palast eingenommen wurde.
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