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9lv. 234 Erstes Blatt 160. Jahrgang Donnerstag 6.Oktober 1910
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Gletzener Anzelger
Ferniprech - Anschlüsse r N M ~ Chefredakteur: A Goetz,
für die Redaktion 118, Verantwortlich für den
Verlag u. Expedition bl /V . A f politischen Teil: August
MA Seneral-Anzelger für Oberhessen MM m oonnittofl# 9 Uh" Rotattonrdruck mid Verlag -er vrühl'schen Unio.-Vuch- und Steindruckerei R. rangt. Redaltio«, Expedition und Druckerei: Schulftrahe 1. ®;ef[e5:$ü’®beecf
Die heutige Nummer umfafet 10 Seiten.
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tatsächlich der Keim des Stückes, und es wirkt recht er-
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Vie Revolution in Portugal.
, das fick soeben erst von -er Bluttat erholte, bruar 1908 in Lisscwon an der Ecke der Praca
ft werden, weil nach den Neu- v , .es Jahres über die Gültigkeit )ber Ungültigkeit zahlreicher Mandate erst das Gericht ent- cheiden mußte.
patriotische Geist im Heere erstarkt. Endlich erklärte der Kriegs- minister, daß er mit einer Reorganisation des Heeres und Der Manne in patriotischem Sinne beschäftigt sei. Im Kriegsrnini- sterium finden schon seit einiger Zeit Konferenzen mit einflufr»
*
Ernst v. Leyden
Berlin, 5. Okt. Wirk!. Geheimrat Professor v. Lev den gestorben.
da Lommercio und der Rua do Arsenal den König und den Kronprinzen dahinraffte, ist schon wieder Mm einer neuen revolutionären Bewegung beunruhigt.
Seit dem letzten Känigsmord hat die revolutionäre Bewegung in Portugal unstreitig weiteren Boden gewonnen. Denn wenn auch Joao Franco gestürzt wurde, so war es bei der Zerklüftung des portugiesischen Parteilebens in siebzehn einander mehr ober minder befehlende Parteien dem jugendlichen König Dom Manuel II. nicht möglich, dem Lande vie durchgreifenden Reformen zu geben, die ihm die Schrecken einer Revolution erspart hätten. Kabinett folgte auf Kabinett, und auch ,bas jetzige unter Texeira de S o u z a rar weder imstande, dem Anwachsen der Republikaner einen
emeinsame Sache gemacht haben sollen. Auch scheinen ie das könial. Schloß bombardiert und dort ihre grünblaue flagge gehißt zu haben, wahrend es noch einigermaßen un- ewiß ist, ob es dem 'Wnig Manuel gekungen ist, aus dem Schlosse, vielleicht nach Cintra, wo sich seine Mutter und
götzlich, wenn der arme, ermüdete Boullais beständig aus dem Bett geholt und wegen seiner Liebesgeschichten zur Rede gestellt wird.
Rudolf Goll zeigte sich in der tragenden Rolle des unentschlossenen Boullais wieder von seiner besten Seite und brachte die liebenswürdige, treuherzige Art des vielgeliebten Mannes mit feinem Humor brillant hervor. Karl Marx, der sich in glücklichster Entwicklung befindet, gab dem Lucien eine schlichte Wärme des Gefühls und des Ausdrucks, doch hätte neben der vornehmen Lebensart des Weltmannes die des weitherzigen Lebemannes etwas mehr betont werden dürfen. Hilde Engel offenbarte als Micheline eine weit stärkere Begabung für das zeitgenössische Drama als vorgestern für das klassische, und wenn sie im letzten Auszuge auch etwas geziert schien, die ungestümen Regungen des impulsiven Mädchens gelangen ihr recht gut. Mit Hilfe der Regisseure wird sie sich wohl rasch zu einer schätzbaren Kraft im modernen Schauspiel entwickeln. Auch Olga Rietzschmann hinterließ als Fernande einen günstigeren Eindruck als bei ihrem ersten Auftreten, aber eine größere Sorgfalt in der Behandlung der Sprache dürfte unerläßlich sein. Lore Scholz, die schon manche köstliche Gestalt geschaffen hat, tat gestern des guten etwas zu viel. Wenn auch der Diener an dem Gebaren der Chansonettensängerin Anstoß nimmt, weise Mäßigung soll den schönen Schein der Bühne wahren. Franzi K o ch gab der unbedeutenden Rolle der Heinen Odette ein gefälliges Aeußere. Auch die übrigen Mitwirkenden, die unter Rudolf Golls Leitung an der erfolgreichen Aufführung beteiligt waren, entledigten sich ihrer kleinen Ausgaben in anerkennenswerter Weise. N.
Siebener Stadttheater.
Buridans Esel.
Von R. de Flers und ßfc A. de Caillttvet.
Gießen, 6. Okt.
Tie beiden Lustspietdichter Flers und Caillavet sind eine unbekannten Größen mehr, seit ihr anmutiges Lust- Piel „Die Liebe wacht"', das sogar von der Pariser Akademie neisgekrönt worden ist, seinen Siegeszug über die deut- chen Bühnen gemacht hat. Das neue Werk mit dem 'sinnigen" Titel: Buridans Esel, unter dem sich wohl rur wenige Leute etwas greifbares vorstellen können, ist licht nur der Vaterschaft nach mit dem früheren Stück, das oir im vorigen Jahre hier sal)en, eng verwandt, sondern auch n jedem einzelnen .Zug. Die Jacqueline in „Die Liebe pacht", die gutmütige, etwas unbesonnene kleine Person, >ie wilde Hummel, wie wir wohl sagen, die seit Dumas des jüngeren Francillon eine beliebte Schwankfigur geworden ist, wird hier Micheline genannt; das ist der Interschied. Neben ihr finden wir den verhältnismäßig reuen Typus des Unentschlossenen, den Tristan Bernard in einem „Triplepatte" beschworen hat und der seitdem eine ttoße Anzahl von Doppelgängern gesunden hat. Er gibt >em neuen Stück den Namen, Denn er ist unentschlossen wie üuridans, des scholastischen Philosophen, Esel, der zwischen Avei Bündeln Heu — oder, wie es in dem Stücke heißt: fischen Heu und Wasser — zugrunde geht, weil er ich nicht entschließen kann, welches er zuerst verzehren oll. So müßte auch Georges Boullais im Zweifel zwischen Odette und Fernanoc schließlich leer ausgehen, wenn ocr olle, fixundsertige Schlingel von Micheline, ihn nicht W erlösen und schließlich für sich zu ergattern verstünde.
Mit Geschmack und Geschick ist die vielfach verästelte Handlung erfunden und durchgeführt, der Dialog ist flott and witzig, und das mit kundiger Hand eingestreute Quentchen Sentimentalität, die raffiniert glückliche Verwendung ?er Musik täuschen angenehm und unterhaltend über die ^eere des dritten .Aufzuges hinweg, der die drei Neben- ouhlerinnen zu einer vergnüglichen Szene zusammen führt. Am besten unb humorvollsten ist der auf die Schadenfreude De$ Zuschauers berechnete zweite Auszug, anscheinend auch
Großmutter befinden, zu entkommen, oder ob ex in die )ände der Revolutionäre gefallen ist. — Köni^Manuel int nur zwei Jahre und acht Monate die Königskrone ge- ragen. Am 1. Februar 1908 wurden sein Vater, der König, tnb der Kronprinz ermordet und auf ihn, den jüngeren vvroß des Königlichen Hauses, ging die königliche Würde loer. Die ganze königliche Familie war Ende Januar nach »em Lustschlosse Villa Vicosa an der spanischen Grenze geeist und kehrte am ersten Tage des Februar nach Lissabon urück. Auf der Fahrt vom Hafen nach dem Schlosse wurde »er Wagen, in dem sich das König s paar ^und die beiden
Damm entgegenzusetzen, noch sie durch eine Reformära zu lersöhnen. Denn die Deputiertenkammer, in der Texeira voyl unter Umständen trotz der Vermehrung der revubli- 'anischen Mandate um das Doppelte eine Majorität gehabt hätte, mußte gleich nach ihrem Zusammentritt wieder nif unbestimmte .......
occhlen vom 28.
und mit Kugeln überschüttet. König Carlos und der Kronprinz Louis Philipp wurden tödlich getroffen ins Marien- hospital gebracht, auch Prinz Marmel blutete aus mehreren Streifwunden; nur die Königin Amalie, eine geborene Prinzessin von Orleans, blieb unverletzt. Der ganze Vorgang spielte sich, obwohl auf offener Straße und am Hellen Tage, so schnell ab, daß die Attentäter unbekannt geblieben sind. Die Untersuchung konnte später keine genauen Anhaltspunkte bieten, trotzdem gewisse Persönlichkeiten von der öffentlichen Meinung der Anstiftung zu dem Attentat beschuldigt wurden. Was zunächst erwartet wurde, blieb aus. Auf den Königs- mord folgte keine allgemeine Erhebung. Der sofortige Rücktritt des bestgehaßten Mannes des Landes, des Diktators Franco, der zwei Jahre als Ministerpräsident mit eiserner Faust in die verworrenen Verhältnisse des Landes und in seine zerrütteten Finanzen Ordnung zu bringen versucht hatte, schien die (Erregung zu beruhigen. Franco verließ Portugal und am 3. Februar erließ der neunzehnjährige König Manuel eine Proklamation, in der er feinen Regierungsantritt anzeigte. Am folgenden Tage wurde ein neues Ministerium unter Ferreira do Ama- r a l gebildet, das die Aufgabe hatte, eine Versöhnung der Parteien herbeizuführen. Verfügungen über die Beschränkung der Preßfreiheit unb gewisse .Härten des Untersuchungs- Prozesses wurden aufgehoben. Die Beisetzung des ermorl deteu Königs und des Kronprinzen fand am 8. Februar ohne Störung statt und am 5. April ergaben die Kammerwahlen eine Mehrheit für die Partei der monarchischen Konzentration, worauf die Cortes am 29 April vom Könige eröffnet wurden. Am 6. Mai leistete König Manuel den Ecd aus die Versassung.
Der portugiesische Kriegsminister über das revolutionäre Heer.
Die portugiesische Zeitung „Diario de Notizias" bringt in einer ihrer letzten Nummern eine Unterredung mit dem portugiesischen Kinegsminister über die revolutionäre Stimmung des portugiesischen Heeres. Der Minister sagte ungefähr folgendes:
Der einzige Truppenteil, auf den die Monarchie sich unter allen Umständen verlassen kann, ist die portugiesische G u a r b a munizipale, die sich bisher stets als köniastreu erwiesen hat. Die Gnarda munizipale erhält als königliche Leibgendarmerie einen höheren Sold als die übrigen Truppen. Die anderen Truppenteile dagegen erscheinen stark mit revolutionärem Geiste durchsetzt. Wenn es sich nur um einzelne Truppenteile handeln wurde, dann würde ich nicht zögern, die betreffenben Truppen nach den Kolonien zu senden, um sie von dem Lande fern zu halten. Es scheint aber, als ob die Bande der Disziplin in einem sehr gefährlichen großen Umfange stark gelockert sind. Der Kriegsminister forderte zugleich auf, in den Zeitungen und im persönlichen Verkehr für die monarchistische Gesinnung der Truppen zu werben. Er bezeichnete es als eine Schmach, daß mehrere Kommandeure zur Zeit der Ermordung des Königs erflärt hätten, im Falle eines energischen Vorgehens der Truppen nicht sicher zu sein. Das revolutionäre Gift wird schon den jungen Leuten einyeimpft, bevor sie zum Militär kommen. Es ist traurig, wenn in der Hauptstadt des Landes die revolutionäre Partei so große Macht hat, daß die ganze Stadtverwaltung revolutionär gesinnt sei. Er verwies daraus, baß eine Feier und eine festliche Ausschmückung des Rathauses am Geburtstage des Königs von der Stadtverwaltung beharrlich abgelehnt wurde unb erst auf gewaltsamem Wege erzwungen werden mußte. Heber die Marine muß das Urteil ganz ähnlich lauten. Hier sind die unzuverlässigen Elemente noch einflußreicher als im Heere. Eine Gesundung der Monarchie kann nur dann eintreten, wenn der
Augenscheinlich ist die Ermordung eines hervorragenden 1 Mrers der Republikaner, des berühmten Psychiaters B o m- )arba, durch einen, wie die Republikaner sagen, von der Regierung gedungenen, nach anderen Meinungen irrsin- ligen Offizier am Montag für die Republikaner und Pro- pessisten das Signal zum Aufruhr gewesen, der, wie die rleußerunb eines in Paris lebenden Republikaners, Ma- plhaes Sima, in der Nacht zum Dienstag: „Was kommen mißte, ist geschehen!" beweist, von den Revolutionären vohl vorbereitet war. 21m Dienstag früh hatten die Revo- utionäre jedenfalls schon alle Telegraphenleitungen durch- chnitten, um den Kampf gegen die Anhänger der Monarchie rufnehmen zu können, ohne ihre Unterstützung von den Provinzen aus befürchten zu müssen. TLas sich dann an Ereignissen in Lissabon abgespielt hat, entzieht sich in den lmzelheiten, da wir diese Nachrichten recht auseinander- lehenden Meldungen zu verdanken haben, vorläufig aller maueren Kenntnis. Man weiß nur, daß es in Lissabon u blutigen Straßenkämpfen gekommen ist, flotte und zum Tell auch das Heer mit der
Ernst v. Leyden, einer,der bedeutendsten Aerzte auf dem Gebiete der inneren Medizin, ist über 78 Jahre alt geworden. Er flammte aud Danzig, studierte auf der Militärakademie in Berlin, trat 1854 als Militärärzten die Armee ein, kam 1857 als Oberarzt unb Stabsarzt ins Fricdrich-Wilhelm-Institut nach Berlin und war in dieser Stellung von 1860 bis 1862 Assistenzarzt Trau des, Er wurde daun BataillonAarzt. nahm am Kriege
reichen Politikern unb Generälen statt, die barauf fyinarbeiteit, ein Programm für die Förberung des nationalen Geistes in Heer und Marine auszuarbeüen.
Die Kampfe.
Lissabon, 5. Okt. Während der Nacht dauerte ba£ Gewehr- unb Geschützfeuer nnausaesetzt fort unb verstärkte sich mit Tagesanbruch noch mehr. Alle Zugänge zur inneren Stadt sind gesperrt. Die Ausständischen, welche in der Nähe der Avenida de Liberdade gelagert hatten unb benen man die Zugänge zum Innern der Stadt durch die Avenida ab schnitt, nahmen einem anderen Weg. Die aufständischen Schiffe beschießen andauernd bestimmte staatliche Gebäude, besonders das Marinearsenat. Die Zahl ber Toten aus der Nack^ ist groß. Allenthalben werden Rufe: „Es lebe die Repu- blick!" laut. Nachrichten aus der Provinz kommen nicht in die Stadt. .
Lissabon, 5. Okt. (12,5 Uhr früh.) Vom Balkon des Rathauses hielt der republikanische Führer Rnsebie Leao eine Ansprache, in der er der Bürgerwehr die Polizei unb bie Aufrechterhaltung der Ordnung anvertraute. „Schon t," so rief der Redner, „das öffentliche unb private Eigentum; schont das Leben eines jeden, wer er auch sei. Ich wiederholie, wer er auch sei. Die Republik ist großmütig unb großherzig." Eine gewaltige Menge stimmte ihm stürmisch bei.
Lissabon, 5. Okt. (12,20 Uhr früh.) Um 11 Uhr versuchten bie Aufständischen, welche oben in der Avenida de Liberdade lagerten, in die innere Stadt einzubringen, wurden aber von königstreuen Truppen zurückgewiesen. Abenbs herrschte üt der Stadt Ruhe. Man hört aber andauernd Geschütz- und Gewehrschüsse. Die elektrische Beleuchtung ist unterbrochen. — Der verabschiedeteAdmiral Carlos Reis befehligt die Aufständischen. Die Kreuzer „Wa- mastar" und „Sao Rafael", sowie die Matrosenkaseme Alcantara: habm noch immer eine roteFahnegehißt. Wagen vom roten Kreuz und von der Feuerwehr sammeln allenthalben Verwundete und Tote.
Die Volksmenge hißte auf den Gebäuden des Arsenales unb dem Rathause die republikanische Flagge; die meuternden Kriegsschiffe schossen Salut.
Tie Nachrichten über die Königsfamilie.
London, 5. Okt Wie die Blätter aus Paris melden, erhielt die dortige brasilianische Gesandtschaft die Nachricht, daß König Manuel sich an Bord des brasilia- nischen Kriegsschiffes „Sao Paulo" befinde.
Berlin, 6. Okt. Der ,^okalanz." meldet aus Siffa* * bon: Außer dem König Manuel begab sich auch bie Königin-Mutter Amalie an Borb des brasilianischen Kriegsschiffes „Sao Paulo". Es heißt, baß bas Revoli> tionskomitee diese Flucht stillschweigend billigte. Mit bem heutigen Mittagszuge verließen der portugiesrsche Gesandte und zahlreiche Mitglieder der portugiesischen Kolonie Paris. Dias Bombardement des königlichen Palastes war gestern nachmittag 3 Uhr zu Ende. Der König, die Königin und deren Umgebung hielten sich inzwischen in den Kellerräumen auf. Von den königlichen Gebäuden Lissabons wurden außer dem königlichen Palast keine beschädigt.
Lissabon, 5. Okt. (3 Uhr 22 Min. nachm) Der König sowie die Königinnen Amalie und Pia haben sich in aller Eile nach Masra begeben. Auf allen öffentlichen und auf vielen Privatgebäuden, ebenso auf der Bank vcm Portugal weht bie r epublikanische Fahne. Der spanische Gesandte hat in Uniform und in Begleitung eines Sekretärs den republikanischen Führern im Rathause einen Besuch abgestattet.
Paris, 5. Okt. Aus Nachrichten, bie im Ministerium des Aeußern eingetrossen sind, ergibt sich, daß sich der Herzog von Oporto mit der königlichen Fa-
von 1864 teil, wurde 1865 o. Professor der Pathologie und Therapie unb Direktor der meb. Klinik in Königsberg, stellte sich im Kriege von 1870 in den Dienst der Krankenpflege, ging 1872» nach Sttaßburg unb wurde 1876 als Nachfolger Traub es o. Professor unb Direktor der propädeutischen Klinik in Berlin. 1885 Übernahm Leyden die Direktion der ersten medizinischen Klinik an der Berliner Universität. Im Jahre 1907 trat er in den. Ruhestand und wurde zur Exzellenz ernannt. Die Arbeiten Leydens behandeln die Nerven- unb Rückenmarks-, sowie Herz- unb Nierenkrankheiten. Sie finb vielfach in Zeitschriften, vor allem in bet 1879 von ihm mit Frerichs gegründeten „Zeitschrift für klinische Medizin", in der „Deutschen Medizimschett Wochenschrift" unb der „Zeitschrift für Tuberkulose" niedergelegü. Von Leydens größten Werken sind zu nennen: „Die graue Degeneration der hinteren Rückenmarksstränge" (63), „Klinik der Rückenmarkskranlheiten" (72—76). In den letzten Jahren widmete Leyden seine Kraft der Tuberkulose- und Krebsbekämpfuns unb veröffentlichte mit Peter Vergelt zahlreiche Arbeüen über die Heilung des Krebses.
— Ein kaiserlicher Prinz als Asket. Prinz Kitashirakawa Teruhisa, ein naher Verwandter des Vtikado, ist in diesem Sommer mit aller Feierlichkeit auf seinen Wunsch seines Ranges als Prinz entkleidet worden. Der Prinz hatte es vor einigen Jahren allen Hindernissen zum Trotz durch- gesetzt, daß er die Erlaubnis zum Eintritt in die von Marquis Jnouye gegründete Schule Jishusha in Tokio erhielt. Diese Anstalt wird nach denselben Grundsätzen geleitet, die gegenwärtig in Japan auch eine größere Zahl von Schüler- und Studentenvereinen befolgt. Tie Mitglieder verpflichten sich zu strengstem, asketischstem Leben, stehen früh auf, arbeiten hart, essen mäßig, fahren nie in einer Jinrikisha ober Straßenbahn und benutzen aus der Eisenbahn stets die dritte Wagenklasse. Sie müssen auch mit sehr geringem
Taschengeld haushalten. Diesen Grundsätzen ist der kaiserliche Prinz treu geblieben, als er in die Marmeakademie eintrat und sich dann auf dem Schulschiffsgeschwader einschiffte. Da er von seiner Rangstellung als kaiserlicher Prinz zu große Hinderniffe für seine sittlichen Grundsätze fürchtete, hat er es jetzt erreicht, daß er\ von einer einfachen Familie an Kindesstatt angenommen und a us- dem kaiserlichen Haus entlassen wurde.
— Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Der 4. intcrnationalefiongrefe zur Fürsorge für\ Geisteskranke wurde am Mittwoch Abend im Berliner Rathaus festlich empfangen.


