Ausgabe 
6.4.1910 Erstes Blatt
 
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rzunehmen. Der Name Bismarck laßt jedes deutsche Herz Yöyer scWagen. Ick bin überzeugt, daß Ihr Appell überall lebhaften Widerhall finden wird."

Geh. Iustizrat Tr. Porsch in Breslau, einer der stell­vertretenden Präsidenten, hat 500 Mark gezeichnet.

Jin Landesausschuß für Elsaß-Lothringen wurde anr Dienstag das Lottericgesetz, das die Gn- beziehung Elsaß-Lothringens in die preußische Klassen- lotteric vorsieht, in erster Lesung beraten und einem acht- ^ehngliedrigen Ausschuß überwiesen. Tas Schicksal des Ge­setzes ist ungewiß. Tie liberal-demokratische Fraktion er­klärte sich einstimmig dagegen, während das Zentrum es seinen Mitgliedern überlassen hat, nach persönlicher Ueber- zeugung zu stimmen. Ter Lothringer Block gab keine Er­kürung ab, und ebensowenig ist zu ersehen, wie die Mehr­heit der Unabhängigen stimmen wird.

Tie Blätter melden aus Berlin: Die vom Reichs­schatzsekretär für den 7. April angeregte Zusammen­kunft von Vertretern der Bundes staaten soll Veranlassung geben, über einige wichtige Fragen zu beraten, die mit der Finanzierung der nächstjährigen Haushalts »in Zusammenaaug stehen, insbesondere über aas Verhältnis der Matrikularbciträge zu den übrigen Einnahmen des Reiches.

Der Berliner Polizeipräsidentv. Jago w ver­bot die für nächsten Sonntag öon der demokratischen Ver­einigung geplante Versammlung unter freiem Himmel int Humboldhain.

Aus Gera (Rcuß- wird gemeldet: In der neuesten ,Nummer der Gesetzessammlung gibt das fürstliche Mini­sterium betannt, daß der Erbprinz infolge eingetretener dauernder Verhinderung des Fürsten in der Führung der Regierung sich genötigt gesehen habe, die Regentschaft des Fürstentums gu übernehmen. Hierzu bemerkt dieGeraer Zeitung": Die bekannt gegebene Uebernahmc Her Regentschaft ist nur von formeller Bedeutung, da der Erbprinz die Regierung schon bisher, wenn auch in anderer Eigenschaft, nämlich als beoollmäck)tigter Stellvertreter des Fürsten geführt hat; aber für das fürstliche Haus ist sie insofern von großer Wichtigkeit, als erst durch sie der Erb­prinz in den Stand gesetzt woroen ist, die Befugnisse eines Oberhauptes des fürstlichen Hauses in rechtsverbindlicher Weise auszuüben.

Zu den Preßmeldungen über den Ankauf eines neuen ^Zeppelin" usw. erfährt dieInf.": Von der Heeresver­waltung werden zum Erwerb eines neuen Zeppe- lin-Lustschiffes ganz bestimmte Bedingungen vorgeschrieben, deretwegen mit der Lustschifsbaugesellschaft in Friedrichshafen unterhandelt werden wird. Ein bereits ffertiggestelltes oder im Bau befindliches Luftschiff dieses 'Systems dürfte nach beit letzten Mitteilungen aber nicht in Frage kommen. Ter Grund dafür ist darin zu suchen, daß die neuen Zeppelin-Luftschiffe in der Hauptsache dem 'Verkehr dienen sollen. Es sollen vor allem besondere An­forderungen an die Eigengeschwindigkeit dec lenkbaren Luft- stchisfe gestellt werden. Außer einem neu zu konstruierenden Zeppelin" kommt zunächst noch der Neubau eines Luft­schiffes nach dem S y st e mC lout h" in Frage, zu welchem Zweck gleichfalls Unterhandlungen eingelcitct sind. Es handelt sich hierbei aber nicht um die Lieferung eines kleinen Luftschiffes dieses Systems, die bekannt sind, son­dern es soll ein größerer Typ gewählt werden.

Der französische Senat nahm den Gesetzentwurf, wo­nach die Ermächtigung erteilt wird, in diesem Jahre zwei Panzerschiffe auf Stapel zu legen, einstimmig an. Sodann verhandelte der Senat über das Finanzgesetz. Senator Touron bekämpfte den von der Kammer angenommenen Artikel, welcher die Erbschaftssteuer erhöht. Er zeigte, daß diese iErhöhung, welche 106 Millionen erreicht, einen Aufschlag Won 40 Prozent auf die bestehenden Steuern bedeuten und Frankreich in dieser Beziehung an die Spitze aller Nationen stellen würde. Touron brachte ein Amendement ein, welches weniger erhöhte Sätze oder eine neue Einschätzung forderte. Finanz- minister Cochery wies auf die Notwendigkeit hin, das Gleich- «gewicht des Budgets herzustellen, und verpflichtete sich, im Monat Juni eine neue Basis für die Einschätzung in Vor­schlag zu bringen. Aber er verlangte das Amendement von der Tagesordnung abzufetzen. Der Senat setzte das Amendement ab. Die Sitzung wurde sodann geschlossen.

Die russische Reichsduma strich gegen die Stimme der Nationalisten und Rechten aus dem Haushalt des Marine­ministeriums einen Kredit von elf Millionen Rubel zum Bau neuer Schiffe.

Den Blättern in Konstantinopel zufolge amnestierte König Peter aus Anlaß seines Besuches in Konstantinopel , sämtliche in Serbien verurteilte Muselmanen. Der Sultan verlieh dem serbischen Ministerpräsidenten P a s ch i t s ch den Medschidie-Orden in Brillanten und dem Minister des Aeußern Milowanowitsch den Osmanie-Orden in Brillanten.

Wie aus Saloniki gemeldet wird, werden in Ober­at b a n i e n , insbesondere im Bezirk Prischtina, wegen der kriti- i schen Lage umfassende militärische Maßnahmen unter dem Befehle. Sch esket Paschas, dem Nachfolger Dschavid Paschas, eingeleitet. Der Ärnautenstamm Hassis, der sich in vollem Aufruhr befindet, be­setzte alle festen Gehöfte und richtete sie zur Verteidigung ein. Die Truppen sind bereits mit den Arnauten in Kamps geraten, jtoobei Artillerie Verwendung fand. Die Arnauten besetzten die günstigsten Positionen. Von Saloniki, Serres und Monaftir sind sechs Bataillone zur Verstärkung nach Oberalbanien abgegangen. Man beabsichtigt, den Belagerungszustand auch über Prischtina zu verhängen.

DieAg. Stefani" meldet aus Adis Abeba: Zwischen Ras W o l i e, dem Generalgouverneur von I e d s ch u, und Ras Mikael, dem Generalgouverneur von W o l l o, kam es '8u schweren Streitigkeiten, die, wie man glaubt, in nächster Zeit zu bewaffneten Erhebungen führen werden. Die äthiopische Regierung traf Maßnahmen, um Ras Mikael mit einer Truppenmacht zur Hilfe eilen zu können.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 6. April 1910.

Der Kaiser kommt! Nach einer beim hiesigen Regimentskommando eingegangenen Nachricht wird der Kaiser demnächst zur Besichtigung seines Negiments von Homburg v. d. H. hierherkommen. Der Besuch ist in der Zeit bis zum 1 8. April bestimmt zu erwarten. Wir sind überzeugt, daß die Beölkerung von Gießen und Um­gegend den kaiserlichen Besucher auch bei seinem dritten Be­suche unserer Stadt einen ebenso herzlichen Empfang bereiten wird, rote es bei den früheren Gießener Kaisertagen der Fall war.

** Pfarrpersonalien. Der Grobherzog hat den eoang. Pfarrer Emil Schneider zu Oberau auf sein Nach­suchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt.

Ordensangelegenheit. Der König von Preußen hat dem Oberstlt. z. D. Frhrn. Gedult v. Jungenfeld, Pferdevormusterungs-Kommissar in Berlin, die Erlaubnis zum Tragen des Ehrenkreuzes des Hesi. Verdienstordens Philipps des Großmütigen erteilt.

Erledigte Stellen. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Fränkisch-Crumbach. Die Stelle C.ncS Revisions­kontrolleurs bei Großh. Hauptsteueramt Mainz. Die Stelle eines Steuereinnehmers zu Pfungstadt. Die Stelle je eines Hauptsteueramtsassistenten bei den Großherzogl. Hauptsteuerämtern Darmstadt, Mainz und Bingen.

Ve rbesserung der Waldstraßen. Das Schmerzenskind unserer Kreisstraßenverivaltung roar seit Jahren die Landstraße durch den Stadtroald. Man roalzte ständig Kleinschlag auf die Fahrbahn, ohne damit etwas Gründliches zu erreichen. Im vergangenen Jahre machte man den An­fang mit Kleinpflaster. In diesem Jahre wird nun das 1909 liegen gebliebene, vor ca. 3 Jahren neu eingeroalzte Straßenstück mit Klcinpflaster gedeckt und dieses bis zur 8. Schneise fortgeführt, so daß dann die Fahrbahn dec Licher Straße von der Irrenanstalt bis unterhalb des Forsthauses Hochroart mit Klempflaster hergestellt ist, wodurch eine wesent­liche Verbesserung für den Verkehr geschaften wird. Auch die Stadt ist bestrebt, die Verkehrswege im Stadtwald zu bessern. Der alte Schiffenberger Weg wird noch in diesem Jahr von der 3. bis 5. Schneise, wo die Fahrbahn für die Holzfuhren stets grundlos war, gründlich ausgebaut und im Anschluß daran wird auch die Mittelschneise neu befestigt. Leider wurden unsere Waldschneisen bei dem langen Sperren der Licher Straße durch die Umlenkung des Fährverkehrs stets sehr schlecht und es wird sich dies auch in diesem Jahre nicht ganz vermeiden lassen.

"Von den Wandernden. In der Herberge zur Heimat kehrten im März 1505 Wanderer ein, darunter 803, die Verpflegung gegen Arbeitsleistung annahmen und 702, die Selbstzahler waren. Die Zahl der Beherbergten im März des Vorjahres betrug 1704 bei 1062 gegen Arbeitsleistung verpflegten Herbergsgästen. Die Benutziing der Herberge im 1. Viertel des Jahres betrug 4703 Gäste (in 1909 5184), darunter waren 2735 (in 1900 3416)

gegen Arbeit und 1968 (in 1909 1768 Selbstzahler. Im Arbeitsnachweis waren 87 Stellen als offen gemeldet, von denen 63 und zwar 22 mit Handwerkern und 41 mit un­gelernten Arbeitern besetzt wurden.

Trais-Horloff, 5. April. Gestern nachmittag gegen 6 Uhr ereignete sich bei der Grube Friedrich ein oeoauevlicher Ungtückssall, der ein Menichenleben forderte. Zwei Zimmerleute stürzten infolge Bruchs eines Brettes bet der Arbeit etwa neun Dieter tief ab. Ter eine perseloen erlitt so schwere Verletzungen, daß er kurze Zeit darauf verstarb, während der andere mit gering­fügigen Verletzungen davon kam.

(.) Bellersheim, 5. April. Unser Bahnhof ist unter Aufwendung hoher Kästen im letzten Winter bedeutend erweitert worden. Ein mehrere hundert Meter langes neues Gleis ist jetzt fertiggestellt. Es ist zunächst dazu bestimmt, als Ueberholungsgteis den sich aus der Strecke Friedberg- Hungen immer mehr steigernden Güterverkehr zu er­leichtern, ist aber als solches auch schon mit Rücksicht auf die vom 1. Oktober d. I. ab zwischen Mücke-Laubach und Fried­berg verkehrenden Triebwagen angelegt worden. Mit Einführung der Triebwagen werden vier der Personenzüge auf der Strecke ausfallen.

X Lauterbach, 5. April. Da neue Scharlachfälle gemeldet wurden, ist die Wiederaufnahme des Schulunter­richts bis auf weiteres verschoben worden. Auch in den Dörfern Maar und Angerbach hält die Krankheit noch an. Der Gehilfe des verstorbenen Sparkasserechners Relidanten Wahl, Herr Konrad Peter von hier, wurde vom Vorstand und Aufsichtsrat der Kasse mit der Versetzung der Kaffengeschäfte bis zur nächsten Generalversammlung betraut.

X Landenhausen, 5. April. Zum Nachfolger des nach Lauterbach versetzten Lehrers Dörr wurde Schuloerwalter Schmelz von Nieder-Moos bestimmt.

X Wallenrod, 5. April. Dieser Tage wurde Lehrer Loch von hier von bettelnden Zigeunern aus seiner Wohnung eine Geige entwendet. Bis er den Diebstahl entdeckte, war die Bande über alle Berge.

0 Laubach, 5. April. Mit einer kleinen Feierlichkeit wurde gestern das Alumnat eröffnet. Von dem Gym­nasium aus wurden der Anstalt 11 Zöglinge überwiesen, weitere Slnmelbungen stehen noch in Aussicht. Im ganzen wurden 30 Schüler in das Gymnasium neu ausgenommen, somit hat die Schülerzahl wieder bedeutend zugenommen.

xBad--Nauheim,5. April. Amweißen" Sonntag sind in der Dankeskirche 89 ev. Knaben und Mädchen kon­firmiert worden, ausschließlich der Konfirmanden der vom hiesigen Pfarramt mitverwalieten Filialgemeinde Ober- Mörlen, wo nur wenig Evangelische wohnen. Mit Beginn des neuen Schuljahres sind in die.hiesige Volksschule 120 Kinder ausgenommen worden, die' durch das Entgegen» kommen unserer Stadtverwaltung in drei Parallelrlalfen geteilt werden können. 20 Kinder des Jahrgangs 1903/04 find inzwischen gestorben.

= Bad-Nauheim, 5. April. Im Dezember 1909 sahen sich nach der Deutsch. Mus.-Ztg. die Dtitglieder des W ind er­st ein-Orchefters genötigt, zwecks Besserung ihrer Lage die Hilfe des Verbandspräsidmms anzurufen, welches daraufhin für Bad-Nauheim einen Tarif festsetzte, Herrn W. aber an­heim gab, seiirerseits eine entsprechende Erhöhung seines Pauschal- Etats bei der hessischen Regierung nachzusuchen. Dem Entgegen­kommen dieses ist es denn auch zu danken, daß trotz des mit W. bis 1915 laufenden Vertrages die Mittel beschafft wurden, die das Nauheimer Kurorchester für folgende Neuordnung benötigte: 170 Mark gleich 1112 erste Stimmen, 160 Mark gleich 1718 zweite Stimmen, 150 Mark gleich 1415 dritte Stimmen (darunter bis zu vier Volontären mit Mindestgage 135 Mark); Altersprämie monatlich 10 Mark nach dem 3. Dienstjahre bei dem W.-Orchester (wird von der Kurverwaltung bezahlt), Vergütung für Operettenvorstellungen mit oder ohne Probei 3 Mark (wurde seither nicht bezahlt), Reise 3. Kl. ab Leipzig und zurück, sowie Transport der Instrumente und sonstigen Gepäcks für den eigenen Gebrauch frei. Im Einverständnis mit der Regierung hat Herr W. mit dem Präsidium pes A. D. M.-V. unter Zugrunde­legung obiger Bedingungen einen erstmalig aus 6 Jahre (künftig­hin 5 Jahve) lautenden Tarifvertrag abgeschlossen, nach dem Herr W. gehalten ist, bei Musikergesuchen sich des Verbands- Stellenvermitttungs-Bureaus oder derTeutscheu Musiker- Zeitung" zu bebienen. lieber die Bezüge, die Herr W. von der Regierung außer für seine Aufwendungen für die Konzerte er­halten soll, ist eine besondere Vereinbarung zwischen der Regierung und ihm vorgesehen. Mit Einführung dieses Tarifvertrags ^unseres Wissens der erste in der Muükerbranche) ist durch die Aufhebung

vier Monaten Gefängnis verurteilt.

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* Kun ft frevel.. Wir hatten schon gestern mitgeteilt, daß in dem Park von Sanssouci Mehrere Marmorbänke von böswilliger Hand schwer besä-ädigt worden sind. Nach neuerlichen Nachrichten wurden dort in ter vorigen Nacht wiederum zwei Kunstwerke stark verstümmelt. Einer Nymphe, die das Wasser darstellt, ist ein großer Teil des Netzes ausgeschlagen worden; die gegenüber stehende Gruppe, ein Sinnbild des Feuers, ist ebenfalls beschädigt worden; die beiden Bildwerke sind von dem Bildhauer Adam in Paris her gestellt und von Friedrich dem Großen m ben Jahren 1749 und 1755 angetan st worden. Gestern wurde ein Polizeihund auf die Fährte gesept; die von ihm1 aufgenommene Spur erwies fidj; aber als falsch.

* Einem seltsamen Diebstahl ist man in Köln auf die Spur gekommen. In einem Straßenbahnwagen entdeckten Angestellte eine Aschenu r nc mit verletzter Plombe. Eine kleine Metailkapsel ließ erkennen, daß die Urne die Asche eines ver­storbenen Neuwieder Schreinermeisters enthielt. Sie sollte von den Angehörigen von Mainz nach N c uw i e d über führt werden und wurde auf der Eisenbahnfahrt gestohlen. Ter Dieb fcheint später zur Erkenntnis gekommen zu sein, welchen Wert er sich angeeignet hatte und setzte dann die Urne in einen Straßenbahiv- wagen.

* Eine Legende vont Aetna. Mit unzähligen Legenden und Sagen hat die Lolläphantasie den Vulkan- könig von Sizilien umsponnen; ivie die Alten den Aetna zum Gefängnis der Zyklopen machten, so ließ später die Sage den König Artus im Aetna eine Zuflucht finden, wo er heute noch leben soll. Von einer anderen mittelalterlichen Legende, die Stefano di Borbone im 13. Jahrhundert auf- gezeichnet hat, erzählt der Corriere d'Italia Der Chronist berichtet auf Grund der Aussage eines Mönches von Puglia von einem Manne, der auf der Suche nach dem entlaufene« Pferde seines Herrn zum Vulkan emporstieg,roo das Fege­feuer sein soll, nahe bei der Stadt Catania". Der Man« kam dann zu einer großen Stadt, die durch eine eiserne Pforte von der Umwelt abgeschlossen ivar. Er fragte den Pförtner nach dem Pferde; der antwortete ihm, er solle in die Stadt an den Hof der Fürsten gehen, aber öeileibä, keine der Speisen essen, die man ihm anbieten würde. In der Stadt waren viele, viele Menschen.Er durchschritt viele Säle und kam schließlich an einen, aus dem ihm der Fürst mit seinem Gefolge entgegentrat. Man bot ihm viele Leckerbissen, aber er nichts. Dann zeigte man ihm vier Betten, eines davon sollte für seinen Herrn, die anderen drei für drei berüchtigte Wucherer bereit stehen. Dann sagte ihm der Fürst, daß er seinem Herrn und den Wucherern einen Tag bestimme, an dem sie zu ihm kommen müßten, freiwillig oder durch Getoalt. Man gab ihm ein goldenes Trinkgefäß mit goldenem Teckel, er dürfe es nicht öffnen; das solle er seinem Herrn als Zeichen der Vorladung über­geben. Dann händigte man ihm das Pferd aus und der iWann kehrte zurück. Als sein Herr den Trinkbecher öffnete, schoß eine Flamme empor. Man warf den Becher in das Meer: da brannten die Fluten. Die vier Uebeltäter gingen zur Beichte (nicht aus Reue, sondern aus Angst), aber an? dem bezeichneten Tage wurden.sie alle durch vier schvarzp Pferde entführt jinb. nie Wiedergesetzen,." ?

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Friedberg, 5. April. Heute morgen 81/, Uhr fand in der Turnhalle der Augustinerschule die Eröffnung des neuen Schuljahres statt, wozu sich außer dem gesamten Lehrkörper die Schüler des Gymnasiums und der Realschule (dieses Jahr über 550, darunter 8 Mädchen) einfanden. Nach Gesang des Sängerchors hielt Direktor Dr. Ritsert eine An­sprache. Ein zweiter Gesang schloß die würdige Feier. Auch in der Taubstummenanstalt fand heute eine Er­öffnungsfeier statt. Die neue Eisenbahnbauabteilung hat in der verlängerten Bismarckstraße ein ganzes Haus ge­mietet und heute ihre Tätigkeit begonnen.

n. Offenbach, 5. April. Gestern abend hielt der hiesige Zweigverein vom Vogelsberger Höhen-Club seine erste Hauptversammlung ab. Im letzten Mai mit 15 Mitgliedern gegründet, ist die Sektion jetzt bereits auf 103 Mitglieder angewachsen, ein Beweis, daß die Gründung für die hier ansässigen Oberhessen ein Bedürfnis gewesen ist. Da Zweigvereine mit mehr als 100 Mitgliedern Sitz und Stimme im Vorstand des Gejamtvereins haben, so wurde der erste Vorsitzende, Lehrer Ludwig Dern, als Vertreter in den Gesamtvorstand geivählt. Am 21. Mai feiert der Zweigverein fein erstes Stiftungsfest.

Gerichrstzcral.

Da8 Griesheimer Automobilunglück.

R.B. Darmstadt, 5. April. Das am Sonntag, 31. Okt. v. I., aus der Griesheimer Landstraße vorgefallene Automobil­unglück stand heute vor der Strafkammer zur Verhand­lung. .Der einzige Ueberlebende der vier Insassen des Kraft­wagens, der 26 lährige Chauffeur Oskar Schmidt aus Aiünchen, seit 1907 in Diensten der Adlerwerke Frankfurt a. M., war der fahrlässigen Tötung und Eisenbahntransport­gefährdung beschuldigt. Ter Angeklagte trägt im Gesicht Spuren damals erlittener Brandwunden und macht auch sonst einen sehr angegriffenen Eindruck. Er lenkte damals das den Adlerwerken gehörige 25 pferdige Automobil, das auf einer Strecke von 100 Kilometern bezüglich feiner Schnelligkeit geprüft werden sollte und von den Ingenieuren Emil Grünig und Karl Müller aus Frankfurt, sowie der Witwe Wolfsturm von hier besetzt war. Es fuhr, wie der Angellagte früher zugegeben hat, mit 80 Kilo­meter und wie er jetzt zugibt mit 65 Kilometer Geschwindigkeit, so rasch, daß er trotz der Warnungssignale des Nebenbahnzugs bei dessen Ueberkreuzung der Straße nicht mehr rechtzeitig an­halten konnte. Das abgelenkte Automobil rutschte weiter und stteß mit größter Wucht auf die Lokomotive. Frau Wolfsturm und Ingenieur Müller erlitten sofort den Tod, Grünig starb bald darauf im Krankenhause, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Der Staatsanwalt beantragte im Sinne der Anklage 4 Monate Gefängnis, weil der Angeklagte allein verantwortlick sei und ein etwa vorhandenes Warnungsplakat, das bei solcher Schnelligkeit zwecklos sei, übersehen haben würde. Der Verteidiger maß der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft die alleinige Schuld bei und sprach sich für Freisprechung aus. Tas Gericht konnte nicht zu der Heber Beugung gelangen, daß der Angeklagte fahr­lässigerweise das Unglück verursacht habe. Zwar sei er übermäßig schnell gefahren und habe dadurch gegen die Verordnung von 1906 verstoßen, doch konnte er nicht mit der unvermuteten Kreuzung der Landstraße durch das Schienengeleis rechnen, durste viel­mehr die Warnungssignale aufi einen anderen Gegenstand beziehen, zumal er von dem mit den örtlichen Verhältnissen bekannten In­genieur Grünig noch zum raschen Fahren aufgefordert worden war. 'Der Angeklagte wurde wegen Übertretung der Verordnung von 1906 zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt und von der Anklage der fahrlässigen Tötung und Eisenbahngefährdimg frei- gesprochen. 'Die Kosten fallen der Staatskasse zur Last. Tie zahlreiche Zuhörerschaft nahm das Urteil mit lp.it ten Beifalls^ äußerungen auf.

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fc. Wiesbaden, 5. April. Eine teure Zigarre leistete sich der 46jährige Tagelöhner Karl Deike. von hier. Beim Betteln in einem Zigarrengeichäst versuchte er eine Ha­vanna-Ausschuß verschwinden zu lassen. Hierbei wurde er ertappt und von der Wiesbadener Strafkammer als rückfälliger Dieb zu