Ausgabe 
6.6.1910 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfahr 10 Seilen.

sop. 113). dos o.m vorigen

Aunft, Wiffenfcbaft und Leben

113). dos o,m vorigen Donnerstag auf dem Tonkünstlerfest, besten hat sich irotz lene» ^wlg^ii^knwrd^rwerse kein em- Zürich unter Mitwirkung des Komponisten seine Urausführung zigcs Gedicht der Sammlung zu wirklicher

»btc und auch hier trotz Der allgemeinen Erschlaffung der Zu- gerungen, ^ulius Hammer hat kern einzige^ Gedicht geschas^r,.

von dem man behaupten könnte, daß es imrflid) im Volke lebte., Hammer gab dann noch eütc SammlungUnter dem Halb­mond. Osnianisckws Liederbuch" heraus, das eigene Dichtungen) in orientalischer Färbung enthielt, auch hat er diePsalmen der heiltet en Schrift" übersetzt. Auch als Anreger derSchiller- Stiftung" hat sich Hammer ein Verdienst erworben, das ihm nicht vergessen werden darf. Frühzeitig, am 23. August 1862, starb er in Pillnitz, wo er sich kurz zuvor eine kleine Besitzung gefaurt hatte.Er war ein wahrhaft edles Gemüt, stets mit oll seiner Straft dem Reinen zustrebend", särrieb Berthold, Auerbach unter dem frischen Eindruck von Hammers Tode.

und vom »aoentann^uaneu

gut wiedergegeben wurde. Einen glänzenden Abschluß der kunst- Stunden .^ster

lertschen Genüsse bildete Max Regers Quartett in D-moll!liebe, lebe , BLchlem, die dasselbe Gebiet Kumetst beackern. Jir-

D i e Versteigerung der Mey ersehen Goethe» bibliothek, der berühmtesten Sammlung ihrer Art, fand bei Boerner in Leipzig statt. Das Originalporträt Goethes, von Kiigelgen gezeichnet, brachte 1650 Mark, einige Zeichnungen von, Goethe selbst 1515 Mark. Von Goethes Schriften kamen biei erste und die zweite Berliner Ausgabe auf 670 Mark: die Leipziger, von 1787 und die seltene Wiener auf 650 Mark; die 55 bündiges Ausgabe letzter Hand auf 395 Maik. Die erste Ausgabe des. Faust" von 1790 und ein späteres Exemplar erzielten 10c5 Mark. Großes Interesse erregte die seltene neue Ausgabe vonHermann, und Dorothea", 1822 in Braunschweig erschienen, die nach hartem, Kampfe der Interessenten für 810 Mart wegging. Goethes, DoktordissertationPositiones Javes in einem alten Gold» papierumschlag wurde um den hohen Preis von 2200 Mark verkauft.

Bon dem papuanischen Zwergvolk. Aus ßoito don, 4. Juni, wird uns mitgeteilt: Die Nachrit von der Entdeckung- eines neuen Zwergvolkes durch die Forschungsreise derBritish Ornithologists Union" hat in wissenschaftlichen Steifen ein außer­ordentliches Interesse erregt. In der dieswöchigen Ausgabe von Counti'.- Life" führt Mr. W. R. Ogilvie-Grant in einem längeren Aufsatz aus, oaß die Entdeckung, die im vergangenen April in einer Höhe von 2000 Fuß über dem Meeresspiegel gemacht wurde, die Annahme der Anthropologen umstößt, die Negritos iNegerchen) in dem nördlichen Teil der malahischen Halb­insel und Teilen der Philippinen kennt, aber nicht im Papua- Nischen Landstrichen. Der größte Mann des Stammes, den Mr. W o l l a st o n und Captain Rawling entdeckte, war vier Fuß 6 Zoll hoch, und die Durckschnittsgröße betrug 4 Fuß 3 Zoll. Das merkwürdige Bölkck^n besteht, wie n*r seiner Zeit mitgeteilt haben, aus nomadisierenden Jägern und Fischern: die geistigen Eigenschaften der Leute sind nur gering, aber sie sind fröhlich und gastfrei. Vielweiberei ist unter ihnen fast unbekannt. Die Reise unter Mr. Walter Goodfellow ist eine der wichtigsten Forschungsreisen dieser Art, die seit langen Jahren aus England abgesandt worden find.

gesperrt wird. .. _ ._ 1An

Der Dichter der Konfirmanden. (Zur 100. Wiederkehr von Julius Hammers Geburtstag. Früher galt als einer der beliebtesten Fest-, Konfirmanden-Gescheicken usw. Julius Hammers Sammlung lyrisch-didaktischer GedichteSchau nm dich und schau in dich". In fernem Goldjchnittgewande hat dies Buch Jahrzehnte hindurch mit Elife PolkosDichtergrüßen" und an- deren berühmten Geschenkbucl^m an Beliebtheit gewetteifert, unb mit diesem Derkchen hat sich Hammer als didaktischer Lvriker neben Friedrich Rückert und Leopold Schefer gestellt. Als^Sohn eines Mlitärs und späteren subalternen Beamten ward Julius Hammer am 7. Juni 1810 zu Dresden geboren. 1831 bezog er die Universität Leipzig, um sich, dem Gebote des Vaters fol­gend, der Juristerei zuzmvenden. Bald aber ^nutzte er, da der Vater ihn nicht mehr unterstützen konnte, die Studien ganz auf- qeben und versuchte nun in Dresden von seiner Feder zu leben. Ein LustspielDas seltsame Frühstück" fand lebhaften Beifall und trug ihm das Interesse Ludwig Tiecks ein: unter dessen Einfluß schrieb er dann eine Reihe Dramen, die später alle von ihm selbst verworfen wurden. Er lebte hierauf wieder einige Jahre in Leipzig, wo er einige Bande Novellen, auch em m Alexandrinern geschriebenes LustspielTas Leben ein Tanz" er­scheinen ließ, nebenbei auch als Redakteur tätig war. So redi­gierte er eine Zeitllmg das Feuilleton von Gustav Kühnes Lei­tung für die elegante Welt". Im Jahre 1845 in ferne Geburts­stadt zurückgekehrt, verheiratete er sich dort mit einer Holsteinerin im Jahre 1851, und ihr widmete er auch notier das erwähnte BüchleinSchau um dich und schau in dich". Jene hat später im Vorwort zur 25. Auflage über seine Entstehung berichtet, daß Hammer kurz vor seiner Vermählung, wenn er von feiner Braut ging,noch manch stillen Pfad dahingewandelt sei und hier int Geiste noch lange zur Braut gesprochen habe, was er dann, nach Haufe zurückgekehrr, bei schweigender Nacht, es dich­terisch gestaltend, niedergeschineben habe." Und diese Hochzecks- gabe an seine Malwine war sein größter Erfolg: jährlich mußte eine neue Auflage erscheinen, und die Verleger bestürmten den Dichter um ähnliche Gaben. So entstanden:Zu allen guten

__s. .i Öl irr it-i Hort ^KL>npti"

Darmstädter Kammermusikfest. Aus Darrn- stad t, 5. Juni, wird uns geschrieben: Das dritte Darm­städter K a m in e r m u s i k f e st, über dessen, ersten Abend wir bereills berichteten, hat in seinem weiteren Verlauf den Beweis dafür erbracht, daß Hessens Hauptstadt einen ganz besonders fruchtbaren Boden für klassische Musikveranstaltungen bildet <-aal und Galerie des städtischen Saalbaues waren zum zweiten und dritten Mend nahezu ausverkauft. Der zweite Abend brachte an Musikdarbietungen zuerst Mozarts Streichquartett in o-bur, vom Havemannquartett aus Hamburg (den Herren Have- mann, Grötzsch, Grünsfelder und Dr. Sakom) mit ausge­zeichneter Künstlerschaft vorgetragen. Fredenc L a rn o n b-Ber­lin glänzte mit dem meisterhaften Vortrag der Klavier-L-onate in E-dur von Beethoven, und mit besonderem Entzücken laufchten dieKenner" dem herrlichen C-moll-Quartett von I. Brahms für Klavier, Violine, Bratsche und Violoncello, (in dem Prof. Reger das Klavier und Gustav Havemann die Violine spielte. Eine seltene Kunstleistung brachte noch der Schluß des Abends mit dem ungemein schwierigen Oktett von I. S. S v e n d s e n für vier Violinen, zwei Bratschen und zwei Violon­cellos, das vorn Havernann-Quartett und der Tarmstäbter Kammermusik-Bereinigung gemeinschaftlich gespielt wurde. Für die nötige Abwechslung im Programm sorgten wieder mehrere Sieberüorträgic der Konzertsängerinnen Frau La uv recht van L a m m a n^-ranffurt und Frau Durig a-Budapest. Ter dritte und letzte Abend stellte die stärksten Anforderungen an btc Auf­nahmefähigkeit des Zuhörers. Ein Trio für Klavier, Stöhne und Violoncello in D-bur von bem Leipziger Komponisten Stephan K r e h l, von Prof. Reger, Havemann unb Dr. Sakom mit Wucht unb Empfinbung toiebergegeben, leitete die Vorführungen ein; dann fang Frau Durigo aus Pest Lieder von Pfttzner, Reger und Schillings, unb die (Sängerin fand hier Gelegenheit, den günstigen Einbruch ihrer vortrefflichen Stimmittel noch mehr zu vertiefen; auch bie vier Lieder für Sopran, bie Frau Lau­vrecht van Lamman -Frankfurt im zweiten Teil Dortrug, befestigten bie Sympathie unb die Freube der Zuhörer über den süßen Wohllaut und die saubere Schule ihres glockenhellen Organs. Zwei Lieder von Pfttzner, die der Komponist am Flügel be­gleitete, mußten wiederholt werden; weniger Glück hatte der dafür auch mehrfach vom Publikum hervorgerufene Komponist Mit seinem Quintett in C-dur für Klavier, zwei Violinen, Bratsche und Violoncellos: bie außerordentlichen Längen erschienen unbegründet, das Ganze unruhig und ohne feste Struktur. Sehr ansprechend wirkte dagegen das Streichquartett in A-moll von Professor Woyrsch aus Altona, bas heute seine Ur- und Manuskriptaufführung erlebte unb vom Havemann-Quartett lehr

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erlebte unb auch hier trotz ber allgemeinen Erfchlasfung der Zu Hörer minutenlangen Beifall entfesselte.

I m Kampf um bie Wiederherstellung des Heidelberger Schlosses sprach fick die Zwecke Kammer einstimmig gegen den Vorschlag auf teilweise Wiederherstel­lung der Fafsaoe des O t t o - H e i n r i ch - B a u e s aus. iie Regierung hat also trotz ihrer Drohung, bie wir in Nr 126 des G. A mitteilten, nichts erreicht, unb so wird man es denn ichließttch tatsächlich erleben, daß das Schloß durch eine Bretterwand ab-

Nr. 139 Erstes Watt 160» Jahrgang Montag 6. Juni 1910

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bis vormsttags 9 Uhr. 3

Graf v. Aehrenthal läßt diese Herausforderung, c die nur eine Bestätigung der geleugneten russischen Um- } triebe in österreichischen Provinzen ist, nicht auf sich be- ruhen. Vielmehr wendet er sich mit einer auf sehenerregen- j >en Sckstirfe gegen die Aeußerungen des Petersburger all» lawischcn Blattes, indem er durch fein Sprachrohr, das WienerFremden-Blatt", erklären läßt: :

Unterjochtes Russenland" mit diesem kräftigen Ausdruck : ist nichts anderes als Ostgalizien und die Bukowina gemeint, mit ber Aenderung ber Verhältnisse aber ist auf jene Maßregeln ber österreichischen Regierung angespielt, bie altslawischen Gennnungs- genossen wie Parteigängern so gar nicht gefallen -astr wist en sticht, was bieNowoje Wremja" mit ihrer dunklen Drohung meint unb auf welche Weise sie bie Regierung Sr. Maiestat ab­halten will, ben österreichischen Staatsgedanken auch in Galizien unb ber Bukowina ebenso entschieden und ebenso unbekümmert um fremden Einspruch aufrecht zu erhalten, wie, bie russische Regierung den russischen Staatsgedanken. Was lagt aber die Rossija" zu dieser unerhört offenen Sprechweise des größten russischen Blattes ? Wird sie sich damit begnügen diesen Artikel auch nur als eineEinmischung" zu tadeln, wo doch schon beträcht­lich mehr als bloß eine solche, wo ganz einfach die Aufforderung zur Losreißung zweier Provinzen vom öster­reichischen Staatsgebiete vorliegt? Wenn bieNowofe Wremia' mit ihren Zügellosigkeiten gegen uns fortfahren, msbefonbere aber, wenn ihre Aufreizungen in ber ruffifajen öffentlichen Mei­nung einen wahrnehmbaren Widerhall finden sollten, bann werden wir "noch qan; anders zu antworten und abzuwehren wiften, als dieRossija" es gegen die fremden Anrempelungen tn der sinn ländischen Angelegenheit getan hat. Wir werden ihren all­slawischen Gesinnungsgenossen die Lust benehmen. Helfe mit uns auf solche Weise zu befassen, und es soll uns auf bie starte der Schlage nicht ankommen, mit denen wir freche Hande von der Klinke unserer Türe vertreiben.

Diese halbamtliche russische Sprache beweist, daß tn Wien eine starte und furchtlose Regierung sitzt, die ziel- bewußt alle offenen unb versteckten Treibereien gegen ihre Absichten zurückweist. Wir sind entfernt davon, solche ge­druckten Worte in ihrer Bedeutung zu übcrschcihen. Aber als Beweis von nationaler Tatkraft und festem Willen würden wir eine solche Sprache bei ähnlichen Fällen, die Deutschland angehen, offen begrüßt haben.

Sorticbiitte des deutsche!'. Handels in Argentinien.

£ London, 4. Juni.

liebet die Fortschritte des deutschen Handelsverkehrs mit Atgenrinien gibt dem Washingtoner Korrespondenten ber Times" zufolge ein Bericht des amerikanischen Kon­suls Barlt em an in Buenos Aires Aufschluß. Der Be­richt befaßt sich zunächst mit der Gründung des Deutsch- argentinischen Zentral-Verbandes in Berlin, und fährt bann fort: .. .

lieber die Schaffung einer derartigen Institution braucht man sich nicht zu rounbern, wenn man bas ungewöhnliche Wachsen bes deutschen Handels mit Argentinien berücksichtigt oder bic stetige Zunahme der Prosperität ber großen deutschen Firmen in Buenos Aires und anderen großen Städten dieses Landes in Erwägung zieht. Die folgenden Ziffern zeigen, wie der beutfebe Handel mit Argentinien sich während eines Jahrzehntes entwickelt hat: Einfuhren aus Deutschland im Jahre 1908 108 522 950 2/0ll., ober eine Zunahme um 74 457 450 Toll, im Vergleich zu bem Jahre 1898; Ausfuhr von Argentinien nach Deuttchlanb im ^ahre 1908 35 768 700 Doll, ober eine Zunahme um 2o ool OoO Doll, gegenüber bem Jahre 1898.

. Abgesehen von bem Handelsverkehr machen sich aber viele , Anzeichen b e u t s ch e n Einflusses unb deutscher U n t e r - neh münzen in Argentinien geltend. Deutsche Osiiziere haben

eine hervorragende Rolle in der Ausbildung dor argentinischen Armee gespielt. Gewisse deutfche Unterrichtsmethoden smb in den argentinischen- Universitäten eingeführt worben, btc einen großen Teil ihrer wissenschaftlichen ultrumente au» beziehen z. B. bas neue Fernrohr ber La Plata Sternwarte Tas Z u s a rn rn e n h a l t e >i ber Deutsche n ist überall ins Auge fallenb; bic 30 000 Deutschen tn ber Republik haben Klubs unb Vereine, wo immer nur eine deutsche Gemeinde vorhanden ist, und der neue deutsche Klub in Buenos Aires soll der s ch ö n st e a u s l ä n d i l ch e K l u b_ in ganz Subamenta sein. Es gibt viele deutsche Kirchen und schulen und ctngroBe-» deutsches Hospital in Buenos Aires. Die moderne Kutsche Han- delserziehung trägt hier reiche Früchte. Lie Deutschen ftnd ge­naue und eifrige Beobachter jedes Zweiges des argentinifchen Handels unb ber argentinischen Jnbustric, und es gwt nur wenige Zweige, in denen ihr Einfluß nicht in stärkerem ober geringerem Grade sich fühlbar macht.

ift ein stets anwesender Faktor, mit dem man in den wachfenden Märkten von La Plata rechnen muß. Ihre TranSporttmttel von ihren Fabriken nach den Märkten sind sehr gut; große deutsche Tainpftchisfahrtslinien lassen häufig Dampfer zwischen vamourg und anderen deutschen Häfen und Buenos Aires verkehren Diese Linien wachsen stetig und in gefunber Weise jmb Wb«t ,ctn weiteres Aktivum in dem ruhigen fortschrittlichen -^anbelseldzug.

Der Korrespondent derTimes" fügt htn^u:Dieselbe Anerkennung Tann man nach allen hier vorltegeiiden Be­richten dem britischen Untcrnehmungsgeiste nicht mehr zollen. Hier herrscht das Gefühl, das; die Briten Gefahr­laufen, ihren gerechten Anteil an der Ernte der Prosperität in Südamerika zu verlieren, die sie besonders in Argentrmm säten Man bemerkt, daß englische Kaufleute und Geschäfts- männer geneigt sind, in ultraionservatrver Weise an ver­alteten Methoden sestzuhalten, und daß englische Dampfe schiffeLinien, die so lange ein Monopol in dem Verkehr nach Südamerika hatten, sich der schnell wachsenden und gefähr­lichen Konkurrenz gegenüber merkwürdig apatchsch Der-» h alten."____________

Die sremdenseindlichen Unruhen in Nanking.

£ London, 4 Juni.

Ein Telegramm derTimes" von ihrem ständigen Korrespondenten in Shanghai bestätigt, daß den letzten Nachrichten aus -Nanking zufolge dort Unruhen erwartet werden. Ter britische Konsul fordert alle britischew Untertanen aus, ,die Stadt zu verlassen und such rn die Vorstadt Hsiakwau zwischen der Stadtimruer und dem Fluß zu begeben, wo sie unter dem Schutz eines ausländi­schen Kriegsschiffes stehen werden. Der .Korrespondent, hält es aber für richtig, hinzuzufügen, daß der .Haß gegen dre Ausländer nicht bie eigentliche Ursache der Unzufriedenheit ist, sondern daß die Bewegung in erster Linie gegen tue; Beamten gerichtet ist. Tie in Nanking erscheinenden chine­sischen Zeitungen werfen den Beamten vor, große Sum­men Geldes gelegentlich der Vorder er tungeu für die Ausstellung unterschlagen zu haben. Es fei noch nicht bestimmt, ob man es wagen werde, btc Ausstellung am Sonntag morgen zu eröffnen, das sei viel­mehr sehr unwahrscheinlich. Der Vizekönig sei angeblich - schon seit mehreren Tagen in seinem Yamen bnchstäLlrch;

ein geschlossen.

Auch von anderer Seite wird bestätigt, daß alle aus-- ländischen Konsuln die Angehörigen ihrer Länder aufsorder^ > ten, die Stadt zu verlassen. Die Lage wird durchweg afö, : ernst angesehen.

Anfragen im preuhischen Abgeordnetenhaus wegen des päpstlichen Hirtenbriefes.

Aus Berlin wird uns berichtet:

Die nationalliberale Fraktion des Abgeord­netenhauses hat in Sachen des BorromauS-HirtenbriefeS durch Dr. Hackenberg eine Anfrage eingebracht, die folgenden Wortlaut hat:

Die in dem »Ofseroatore RomanoE veröffentlichte Boiromäus- Enzyklika enthält Schmähungen ber evangelischen Kirche, ihrer Reformatoren unb ber der Reformation zugetanen deutschen Fürsten unb Volker. Welche Maßnahmen gedenkt die Staatsregiernng zu ergreifen, um ben durch die Ver- offentlichung bedrohten konfefsionellen Frieden in Preußen zu sichern?

Eine ähnliche Anfrage haben die Konservativen etn- gebracht:

Was gedenkt bic Königliche Staatsregierung zu tun, um durch die preußische Gesanbtschaft beim Vatikan ober auf anberem Wege solchen Beschimpfungen ber evanaelischen Kirche, wie sie in der Enzyklika des Papstes vom 26. Mai ent­halten sind unb die ben konfessionellen Frieben ernstlich ge- f ähr ben, wirksam entgegenzutreten?"

Auch die Freikonseroatiocn brachten im Abgeord­netenhause eine Anfrage ein, welche fragt, was die Negierung zu tun gedenkt, nm dem öffentlichen Aergernis zu steuern und für die Zukunft derartigen Störungen des konfessioncUen Friedens innerhalb der preußischen Machtgrenzen vorzubeugen.

Der Zentraloorstand des Evangelischen Bundes erließ in der deutsch-evangelischen Korrespondenz eine Kundgebung, in der zum Widerspruch gegen den päpstlichen Hirtenbrief auf­gefordert wird.

Rom, 5. Juni.Osservatore Romano" gibt die aus Anlaß des päpstlichen Hirtenbriefes im preußischen Abgeord­netenbause eingebrachten Anfragen wieder und bemerkt dazu:

Wir wissen nickt, ob ber Wortlaut ber im Preußischen Abge- orbnetenhaüse eingebrachten Interpellationen richtig nachteleara- phierl worben ist. Wenn bas der Fall sein sollte, bann mußten wir erklären, baß bic Interpellationen auf ernsten Unge­nau i g f e i t e n beruhen, ba sie ben päpstlichen Worten eine Be­deutung beilegen, die nicht der Walirheit entsprechen.

Die Bedeutung wirb man sich \a verschieden groß zurecht legen können, aber die Tatsache des Hirtenbriefes? Daran läßt sich schwer deuteln.________________________

Gesterreichisch russische Auseinandersetzungen.

In der letzten Zeit war öfter von Schließungen national­russischer Vereine in Galizien und in der Bukowina durch die österreichische Regierung berichtet worden und von den Erörterungen, die sich darüber im Abgeordnetenhaus in Wien entspannen. DieN o w o j e -W r e m j a" gab dann mit Beziehung auf die Auslösungen dem Bedauern darüber ^Ausdruck, daß die Kaiserin Katharinaes seinerzeit nicht verstanden habe, Ostgalizien und die Bukowina mit Ruß­land zu vereinigen", und fügte drohend hinzu:

Solange unsere Brüder jenseits ber Grenze gleich den übrigen Slawen in Oesterreich auch nur einigermaßen bürgerliche Freiheit genoHciU konnte das russische nationale Gewisten mehr ober weniger ruhig sein. Aendern sich die Verhältnisfeimunter-' jochten R u s s e n l a n b c , so muß sich auch das Verhalten des russisafen Reiches zu diesem nnbern."