Ausgabe 
5.10.1910 Zweites Blatt
 
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str. 283

Zweites Blatt

Erscheint «gNch mtt Ausnahme des Sonntag«.

General-Anzeiger für Gberheffen

DieeWttt ^emiltenblättcr'* werden dem ,Unzeige^ viermal wöchentlich beigelegt, da« Kreßblatt fflr den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fra-en" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schub« straße 7. Expedition und Verlag:

Redaktion: 12. Tel.-AdruAnzeigerGießen.

Mittwoch S.Oktober 1910

T Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

> Nachklänge zum nationalliberalen Parteitag.

£ Die Kasseler Tagung hat keine Sensation gemacht. Es

alles so gekommen, wie e8 in den parteiamtlichen Organen n 1 -rauSgesagt worden war, und die Einstimmigkeit, mit der lenthalben die Einheit und Geschloflenheit der Partei betont orden ist, hat manche Erwartungen sogar übertroffen und ikrrascht. Die nationalliberalen Führer bleiben dabei, die te Mittelpartei in ihrer vollen Unabhängigkelt von rechts 7 ib links zu erhalten, und Herr Baffermann, der in red-

«risch glänzender Weise alles Einigende in den Vordergrund , )b und die inneren Meinungsverschiedenheiten außer Gefecht v tzte, hat die Politiker der extremen Linken wohl etwas ent-

uscht, die auS seiner früheren Führung den Schluß gezogen itten, der Nationalliberalismus werde jetzt Wohl entschieden ich links einschwenken. Aus dem Festmahl, das den Partei- 1,1 g am Sonntag abschloß, sind von den Führern nochmals V e Ergebnisse zusammengefaßt worden. Der Abgeordnete

r. Friedderg sprach dabeivon der ganz ungeahnten ? ebenSfrafP, die der nationalliberalen Partei innewohne, und chte nach den Wurzeln dieser Unverwüstlichkeit. Eine davon, sagte er, ist, um ein biologisches Bild zu gebrauchen, die " : npassungSfähigkeit.

), Stets hat bie Partei den richtigen Moment zu erlassen gesucht, - o die geschichtliche Entwicklung danach riet, die Grundsätze den erhältnissen anzupassen. AuS nationalen Gründen haben wir rucken geschlagen, und unter Führung meines Freundes Basier- ann haben wir beim Zolltarif einen energischen Ruck gemacht m Wohle der nationalen Arbeit. Ganz und gar falsch ist es, t, enn unsere Gegner so tun, als umfaßte unsere Partei nur die eren Gesellschastsschichten. Wir wurzeln im Volk, und wenn ich die Volkstümlichkeit wechselt unter veränderten Verhältnissen, I isere Kraft haben wir doch gezogen aus der Masse der Wähler.

uS den höheren Schichten allem kann eine Partei sich nicht krutieren, die anderthalb Millionen Wähler hinter sich hat. Was iS frisch hält, ist die Stütze auf da« Volk im Lande.

Auch Bassermann, der vielfach Geehrte, kam noch- * als zum Wort:

( Unser oberstes Gebot bleibt das Vaterland, seine Stärke, seine cöße, sein Glück. (Stürmischer Beifall.) Es ist ein Verdienst, daß ir nicht eingerostet sind, daß wir uns den Forderungen des Tages cht verschliefen. Aber davon will ich nicht sprechen. Zwei Punkte

. De ich beim Ergebnis unserer Tagung voran: Einmal das Be- * nntnis zu unserer liberalen Weltanschauung. (Lebhafte Zustimmung.) wschen wir uns nicht: in Zeiten der Hochflut des Radikalismus

es schwerer, das deutsche Volk bei der liberalen Fahne zu halten, " eil der Bürger sich, verschüchtert durch jenen Radikalismus, den I altionären Parteien zugewendet, mit denen er an sich nichts zu n hat. Da heißt er, kaltes Blut behalten und festhalten an I n großen liberalen Prinzipien unserer Partei. (Lebhafter Beifall.) tb das zweite, das ist der unerschütterliche feste Wille von gestern, uertreibereien und Jntriguen mögen sie kommen, woher sie ollen, von rechts oder links, oder zum Te,l aus den eigenen - eiben zu verurteilen, der feste energische Wille ztir Einigkeit der Partei.

Während die nationalliberale Preffe über den Verlauf r r Raffeier Tage sich sehr befriedigt auSspricht, fehlt etz tlürlich, namentlich in der demokratischen Preffe, nicht an i adel und Vorwürfen. Besonderes Interesse haben die Aus- ' hrungen der Hauptparteiblatter auf der Rechten und der *1 nten. DieFreisinnige Zeitung" schreibt:

Am meisten interessiert die Fortschrittliche Volkspartei natur- ' t), waS auf dem Kasseler Delegiertentage über die Stellung der monaniberalen Partei zum entschiedenen Liberalismus gesagt orden ist. Und nicht allein dies, sondern auch die Auseinander- tzungen mit den Konservativen. Denn das eine bedingt das 'dere; die Nationalliberalen können nicht gleichzeitig mit der echten und mit der bürgerlichen Linken zufamniengehen. Die irarische Richtung hat in der konservativen Partei, nachdem die nabhängigen, durch den letzten Berliner Delegiertentag mutlos ' ?macht, die Flinte inS Korn geiuoden haben, vollkommen Cber- ' asser und daß die Junker a la Heydedrand jetzt ihre Liaison mit

Zentrum ausgeben sollten, der zuliebe sie sich bei der Beth»

mamischen Wtihlre-orm in Preußen wgar mtt den eigenen Panei- flenofien im Herrenhause in Konflikt gebracht haben, das liegt doch außer dem Bereiche politischer Svekulationen. Wenn also die nmerpolitische Lage im nächsten,Abschnitt der Reichstagssession so bleiben tollte, wie sie jetzt ist, wird die nalionalliberale Partei ihre vollständige Selbständigkeit nach rechts*, von der Abg. Basser- mann in seiner Rede sprach, wohl sehr deutlich dokumentieren müssen. Nun hat der nalionalliberale Partei'ührer allerdings in demselben Atem auch die vollständige Selbständigkeit seiner Partei nach links betont. DaS ist sein gutes Recht eine Aufgabe dieser Selbständigkeit wird den Nationalliberalen auch von niemand zugemutet. Anders dagegen steht es nut der Frage einer taktischen nicht programmatischen Einigung mit der Fortschrittlichen Volks Partei. Aba. Bassermann empfahl diese ebenso, in Kassel, wie er es bereits früher getan. hatte. Der nationalliberale Führer glaubte sich frei­lich darüber beklagen zu können, daß die Freisinnigen eine taktische Einigung in vielen Provinzen dadurchungeheuer schwer" machten, daß sie selbst da eigene Kandidaten awstell'ten, wo wenige 100 frei­sinnige Stimmeii vorhanden sind. Zu dieser Bemerkung ließe sich allerlei sagen, vor allem fönnten wir auch auf Grund unserer ge­nauen Kenntnis der Dinge nachweisen, daß die Fortschrittliche Volkspartei mit viel mehr Recht den Spieß nmfebren und den obigen Vorwurf an die Nationalliberalen zurückgebeii könnte. Aber im Interesse des Gesamtliberalismus halten wir solche Erörter­ungen in der Oeffentlichkeit für wenig ersprießlich und verzichten daraiif, sie weiter auszusplnuen. Im ganzen genommen ist also das Fazit des Kasseler Parteitages: es bleibt vorläufig alles beim alten.

DieKreuzig.* läßt sich also vernehmen:

Unmöglich ist ja in bei Politik nichts oder wenigstens nicht viel: eher aber glauben wir mit Rebmann an die Übertragung des Großblocks. auf das Reich, vielleicht schon vor Ablauf eines Menschenalters, als an einen neuen Bülowblock: dieser könnte erst zustande kommen, wenn von den Heutigen in den drei Par­teien keiner mehr etwas zu sagen hat, auch Herr Bassermann nicht. Ter Bund der Landwirte wurde kaum erwähnt, dagegen bekannte sich der Parteitag, wie es scheint einmütig, zu Hansa- bund unb Bauernbund. In der Betonung der positiven Pro­grammforderungen war Sberrn Bassermaims Rede am glücklich­sten. Wer diesen Teil seiner Rede ausmerksam liest, der begreift am Schluß nur schwer, weshalb der Redner so überaus freundlich gegen den Freisinn und so beleidigend schroff gegen die Konsn> vatrvcn sprach, so daß das Wort von dermittleren Linie" eine bloße Redensart wurde. Tas Programm ist nämlich eher kon­servativ als freisinnig. Tie Erklärung liegt aber in der Rede selber: sie appelliert an die Regierung, den Liberalismus die ihm gebührende Stellung (nämlich die ausschlaggebende!) einzuräu­men und den Konservativen den Laufpaß zu geben. Warten wir ab, was die Liberalen nach den Wahlen zu bieten haben werden.

Aus dem Strasprozetzausschutz.

:: Berlin, 4. Okt.

Ter Strafprozeßausschuß trat am Dienstag in die Beratung des § 143 des Gerichtsversassungsaesetzes ein, der die Ausübung des Amtes der Staatsanwaltschaft regelt. Tazu lag eine Entschließung vor, die eine Reorganisation der Staatsanwalt- schast in dem Sinne wünscht, daß, soweit es möglich, nur j u- ristisch vorgebildete Kräfte zu diesem Amt zugelassen werden. Tiefe Entschließung wurde damit begründet, daß der Amtsanwaltschast durch die neue Strafprozeßordnung sehr weit­gehende Befugnisse eingeräumt werden und damit ihre Berant- wortung auch in juristischer Beziehung eine viel größere sei. Ein anderer Antrag wollte dem § 143 die Bestimmung hinzu­fügen, daß zur Anstellung als Amtsanwalt die Ablegung der ersten luristischen Prüfung erforderlich ist. ^Tiefer Antrag wurde abgelehnt, die Entschließung dagegen angenommen. Zu dem dann behandelten § 172 (Ausschluß der Oeffentlichkeit) lagen mehrere Anträge vor. Nach der Regierungsvorlage soll das Gericht nach freiem Ermessen die O eff entlichkeit für die Verhandlung ausschließen, wenn das Verfahren eine Be­leidigung betrifft und einer der Prozeßbeteiligten die Aus­schließung beantragt. Ein fortschrittl i cher Antrag will die Ausschließung nur zulassen, wenn alle Prozeßbeteiligten damit einverstanden sind. Ein sozialdemokratischer Antrag wollte die Worte ,,nach freiem Ermessen" streichen und in dem Verfahren gegen Jugendliche den Ausschluß der Oeffentlichkeit nur zulassen, wenn der Beistand oder Verteidiger des Jugendlichen

sich damit einverstanden erklärt, in den übrigen Verfahren nur, wenn der Angeklagte die Ausschließung beantragt. Rach längerer Aussprache wurde die Regierurmsvorlage mit der Ab­änderung angenommen, daß statt der Wortenach freiem Er­messen" die Wortesofern nicht ein öffentliches Interesse ent­gegensteht" eingesetzt wurden.

Dann wurde die Frage der Bestrafung jene« Personen er­örtert, die öffentlich Mitteilungen über Vorgänge in gehernen Verhandlungen machen.

Ein Antrag wünschte eine Aenderung des § 184 b des Straf­gesetzbuches dahin, daß die letzten Worte dieses Paragraphen gestrichen metben und damit eine Bestrafung dessen eintritt, der aus Gerichtsverhandlungen, für welche die Oeffentlichkeit ausge­schlossen war, oder aus den diesen Verhandlungen zugrunde lis- genben amtlichen Schriftstücken öffentlich Mitteilungen macht, so ba§ also das jetzige Erfordernis derErregung von Acrgernis" fortfällt. Tiefer Antrag wurde angenommen, alle übrigen abgelehnt. Ein Antrag zum § 179, dahingehend, daß als Ord­nungsstrafe für eine Ungebühr vor Gericht nicht Haftstrafe fest­gesetzt werden darf, fonbern lediglich Geldstrafe, wurde ahge- lehnt. Tie Weiterberatung wurde sodann auf morgen (Mitt- woch- vertagt.

Vie Neichsversicherungrorünung.

: :B e r 11 n , 4. Okt.

Der Reichsversicherunasausschuß beriet am Dienstag nadp mittag zunächst über den Maßstab für die Beiträge zur land- wirtschaftlichen Berufsgenossenschaft. Ein kon­servatives Mitglied wandte sich entschieden gegen der Grund­steuermaßstab. Die gegenwärtige Grundsteuerveranlagung ist Preußen sei ein Unfug. Eine Umlage nach Arbeitstagen ser durchführbar. Die Grundsteuer als Maßstab führe zu steuer- technischen Ungeheuerlichkeiten. Tie Grundsteuerveraiüagung sei in Preußen und Bayern vollständig veraltet. Ein Regie- rungsvertreter erklärte, man wolle den Berufsgenossen­schaften möglichst freie Hand lassen in der Wahl des Maßstabes. Die Einfachheit des Prinzips erleichtere die Durchführbarkeit der Veranlagung. Es können auch andere geeignete direkte Staats- unb Kommunalsteuern als Grunblage gewählt werben. Ein Zentrumsredner stellte sich im ganzen auf den Stand­punkt der Regierung. Die Berufsgenossenschaft müsse möglichste Freiheit in der Veranlagung haben. Die Sozialdemo­kraten traten für die Vorschläge des konservativen Redners ein. Auch für die Landwirtschaft müssen Gefahrenklassen ein­gerichtet werden, zumal die Maschine auch in der Landwirtschaft mehr und mehr in Gebrauch kommt. Ein anderer k o n s e r ; b a t i b e r Redner führte aus, daß gerade die kleinsten Betriebe wegen des hauswirtschaftlichen Risikos die Berufsgenossenschaften am meisten belasten. Daß der Großgrundbesitz von der Veran­lagung nach der Grundsteuer besondere Vorteste habe, sei irrig. Regierungsseitig wurde noch mehrfach die Aufrechterhal­tung des gegenwärtigen Zustandes befürwortet, ebenso seitens eines Nationalliberalen. Schließlich wurden die SS 997 bis 1001 (Maßstab des Steuerfußes) in ber Fassung der Vorlage angenommen. Außerdem wurde auf Antrag des Zentrums ein neuer 8 1001a eingeschaltet, wonach durch bie Satzung für bie Verteilung der Lasten ein anderer Maßstab be­stimmt werden kann, welcher einen Anhalt für den Arbeitsauf­wand gibt, z. B. die Fläche in Verbindung mit der Grundsteuer, bie Kulturart. Der früher ausaesetzte § 964 betr. bie Satzung und die §§ 968 bis 976 und 980 bis §96 werden unverändert angenommen, die §§ 977 bis 979 (Aufficht) auf Grund früherer Beschlüsse gestrichen. Weiterberatung Mittwoch.

21ms Stadt und Land.

Gießen, 5. Oktober 1910.

** Zigarettensteuer. Im Interesse der zahlreichen, mtt der Zigaretten st euer unterliegenden Waren Handel treibenden Geschäftsleute sei auf die einschneidende Bestimmung in § 15 des Zigaretten steuergesetzes aufmerksam gemacht, wo­nach der, der sich gewerbsmäßig mit dem Verkauf Dort Zigarette:,, Zigarettentabak, Zigarettenhülsen und -Blättchen befassen wstl, dies vorher der Steuerbehörde anzuzeigen hat. Die Anmeldung hat im Bezirk eines Steueramts bei diesem, im -brigen aber unmittelbar bei dem zuständigen Hauptsteueramt zu erfolgen. Tie Beachtung dürste umsomehr erforderlich sein, als Zuwsder- handlungen gegen die gesetzlichen Vorschristen mit Strafen bis zu 300 Mark geahndet werden.

_ ** M i t teldentsch er Arbeitsnachweisverband. In Kaffel findet am Samstag den 8. Oktober vormittags 10 Uhr

vom deutschen Schillerbund.

Die Hauptversammürng des deutschen Schillerbundes, ie am Sonntag in Weimar im Beisein des nahezu voll- ihlig erschienenen NationctlaussckMsses des Schilleroundes attfanb, hörte Kunächst Finen fesselnden Vortrag des Herrn , t. v. Oettingen, Kurators des Goethe-Nationab- kuseums über dieses Museum. Der Redner führte etwa 1 »lgendes aus:

\ Dieser Vortrag soll nicht eine Beschreibung des Goethe- aston al-Museums, auch iricht dessen Geschichte geben, sondern ) soll gezeigt werden, nach welchen Gesichtspunkten etwa, vor- üdlich für auch andere Besucher, die Lehrer, die ihre Schiller- Lnd-Gruppen nach Weimar führen, das Goethe-Haus und seine } cmnnlungen der Jugend erklären und schon womöglich in vor- neitenbe Besprechungen vertraut machen. Ja, wir müffeir emp- tzden, daß in unserer Zeit gewaltiger und gewaltsamer Ent- ufhmg der Industrie, der Wissenschaften, der Presse, des Ber- hrs, der Politik, in dieser Zeit ästhetischer Anarchie und Lhner euschöpfunaen aller Art, Goethe noch in voller Kraft steht, well - als ein Mensch von noch nicht absehbarer Wirkungsdauer so ttrlich in sich tragt und so mächtig ausstrahlt, was mitten jn ller Verworrenheit das Gesunde, das Treibende und Frucht­ringende auch heute noch ist. Bei manchen menschlichen Irrtümern, n vielen Fehlern seiner großen Tugenden war Goethe ein voll- Htiger Mann: ein tapferer Bekenner jeder erkannten Wahr-

. Ht, ein unerschöpflicher Erschaffer, ein rastloser Arbeiter, em bischer und Gelehrter, ein im Tiefsten frommer Bewunderer!

| $ Unerforscht ich en. Und wenn er uns in diesem Sinne Vor- vd bleibt und mit Fähigkeiten, die in diesem Verein kaum ein vriter hatte, uns Meiste, Offenbarungen, hinterließ, zu deren ohe totr nur aufblicken können, so wird seine irdische Umgebung, ;e er sich bildete und die gleichsam wie ein Gewand ihm diente,

vs ebenfalls Aufschluß über Aufschluß geben. Das ist die auptbedeutunv her Kunst- und der Naturaliensanunlungen im 'oethe-Hause; wir sehen in ihnen die Werkzeuge von Goethes nermeßlicher Geistesarbeit und haben an ihnen für sehr viele iner Gedanken die besten Illustrationen. Das Goethe-Hans knau kennen, in ihm leben, heißt, in gewissem Sinne, mit Goethe krkehren wie einer jener Vertrauten seines Atters; aber auch flüchtigerer und dem Begreifen der Jugend entsprechender snblick in seinen Reichtum, der auf das Wesentliche gelenkt 'ttb, muß reiferen und frischen jungen Geistern die tiefe und Ahhollige Anregung bringen, die wir ihnen wünschen.

. , Bürgermeister Dr. Donndorf erstattete hierauf den ' e s ch ä f t s b e r i ch t, dem mir folgendes entnehmen: Das bgeschlojsene Geschäftsjahr konnte vor allem dem weiteren

Ausbau des SchiLler-Bunbes gewidmet werden, da die Kräfte der Geschäftsleitung diesmal nicht durch die Vorbereitung und Veranstaltung von Festspielen in Anspruch genommen waren. Es fand eine Sichtttng der vielen Briese und Druck­sachen statt, ein Postscheckkonto wurde eingerichtet, eine neue geschmackvolle Mltglleoskarte wurde hergestellt und die Pro­paganda wurde gepflegt. Die von Pros. Bartels heraus- aegebenen Berichte führender Lehrer" wurden an etwa 1000 höhere Schulen in allen Gegenden Deutschlands ver­sendet mit einem Anschreiben, in dem zur Begründung von Schülerortsgruppen aufgefordert wurde. Die Ortsgruppe Hamburg koimte aus den !Erträgnissen einer im Deut­schen Schauspielhaus veranstaltetenRäuber"-Vorstellung 1000 Mk. überweisen.

Der Mitgliederbestand hat sich im vergangenen Jahre zum mindesten auf der alten Höhe erhalten; am Jahres­ende macht sich sogar ein AufwärtAgehen der Mitglieder­zahlen bemerkbar.

Später wurde in die Beratung der Anträge ein­getreten. Die wichtigste Erledigung war die, wie sich in diesem Jahre die Nationalfest spiele im Großherzog- lichen Hoftheater gestalten sollten. Der Nationalausschuß legte folgenden Antrag vor:

Die zweiten Weimarer Nationalsestspiele für bie deutsche Jugend finden im Sommer des Jahres 1911 zwischen dem 19. Juli und dem 14. August drei Wochen lang statt. Die Ein­ladung zu den Festspielen soll Anfang 1911 erfolgen und die Anmeldungen der Schüler müssen bis 15- Mai geschehen sein. Es werden wieder 600 Schüler in der Woche zugelassen."

Welche drei Wochen in dem genannten Zeitraum gewählt werden, blerbt weiteren Entschließungen Vorbehalten, viel­leicht wählt man die letzte Julüvoche und die ersten beiden Augustwochen. Die Stückeauswahl war eine Mißerordentlich schwierige, lange hat der iNationalausschuß darüber ver­handelt, da auch allerlei theatertechnische Fragen in Er­scheinung traten, die vor allem verboten, denGötz von Berlichingen" mit auf den L>pielplmi Hu setzen, wie das von verschiedenen Seiten gewünscht wurde. Auch Wildenbruchs Quitzows" mußten wegsallen. Nach [angen Beratungen, in denen Intendant v. Schirach> wiederhott seinen sachver­ständigen Rat erteilte, beschloß man, folgende Stücke zur Aufführung bei den nächsten Nationalfestspielen vorLuschla- gen:Die Nibelungen" (Trilogie) von Hebbel; das Lust­

spielWie es Euch gefällt" von Shakespeare und Schillers JugenddramaDie Räuber". Ohne weiteres wurde die Zustimmung der Hauptversammlung erteilt, so daß nun­mehr die nächstjährigen Nationalfestspiele greifbare Gestalt gewonnen haben.

DicEröffnung der ersten bayerischen Handelshochschule.

Die erste bayerische Handelshochschule wurde aw Dienstag in .München durch rin Fest in Anwesenheit des ^nr^.eit Ludwig und der Minister eröffnet. Die bayerischen Uni­versitäten und die Handelshochschulen Leidig, Drannhrim, Köln und Frankfurt a. M. hatten Vertreter entsandt.

Prinz Ludwig drückte seine Freude aus, daß nunmehr auch Bayern eine Handelshochschule besitze und wünschte, daß sie mit der Universität gemeinsam für die Hebung der Budung wirke. Examina seien notwendig, aber man solledie Exarnennoten nicht überschätzen, da manchmal Leute mit guten Examennoten tm Leben sich unpraktisch zeigten, während Leute mit minder guten Noten im Leben Tüchtiges leisteten. Nie­mand könne genug lernen und wissen, aber er müsse dieses Wissen auch anzuwenden suchen. Der HandelsstaTid bringe neben dem Gewerbe den meisten Reichtum ins Land. München habe für die Entwicklung des Handels geographisch eine ungünstige Lage, sei aber ttotzdem auf diesem Gebiete vorwärts gekommen. Ka^isinännische Bildung tue auch jedem Produzenten not.

Minister v. Podewils begrüßte die Schaffung der Hoch- schule als eine aMckverheißende Tat zur Hebung der wittschaft- ltchen Schaffenskraft.

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77 Eine Gesamtausstellung der deutschen Me­daillen- und Plakettenkunst wurde am vergangenen Sonntag von der Wiesbadener Gesellschaft für bil­dende Ku n ft in dem dortigen Kunstsalon Luisenstr. 9 er- öffnet. Wie die Gesellschaft in dem ausgegebenen Führer, dem ein vollständiges Preisverzeichnis brigegeben ist, hervorhebt, möchte sie durch die sehr reichhaltige Ausstellung den Beweis er bringen, daß die deutsche^ Plaketten- und Mebaillenkunst ihre vielgerühmte französische Schwester an künstlerischer BebeutunM vor allem burch bie weit stilgerechtere großzügigere Orn»- mentik bereits heute entschieden überflügelt hat und ihr da­durch zugleich zu einer gerechteren Würdigung in Sammlern kreisen verhelfen.

Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Jil Köln ist am 1. bs. der orbentliche Professor der Mathematik an der Universität Greifswald, Geh Rea-Rat Tr. Wilhelm T h o m 6, im 70. Lebensjahre g e fto XKek