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7.1.1910 Zweites Blatt
 
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Pottasche Tagesßcha«.

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DieSietzener Lamtlienblüttee" werden dem .Mnjeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das .Kreisblatt fit ben Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen* erscheine« monatlich jroeunaL

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9tti>aftion:e^ll2. Tel.-AdruAnzeigerDtetzen,

Da kommt mm gerade zur rechten Zeit die Schluß­sitzung des Hilfskomitees für Süditalien. Es hat offenbar nicht untersucht, ttrie weit auch deutsche Gelder unterschlagen worden sind. Aber der Staatssekretär v. Schoen, der sonst so sparsam in Worten und Daten ist, legte mit einer längeren Rede los. Sein Appellan das gesamte deutsche Volk" wird mit etwas Bitterkeit ausgenommen werden angesichts der vielen Lässigkeiten, die in unserer Politik vorgetommen sind.

Berlin, 6. Jan. Zu der Schlußsitzung des deutschen Hilfskomitees für die in Süditalien durch das Erdbeben Ge­schädigten, die heute vormittag im Reichstagsgebäude cibge- balten wurde, war auch die Kaiserin als Protektorin des Komitees erschienen. Herzog Adolf Friedrich eröffnete die Sitzung und begrüßte die Kaiserin. Kommerzienrat Sel- berg berichtete über die Bildung eines Sonderkomitees in den Bundesstaaten und den preußischen Provinzen und ge­dachte dankend der Tätigkeit der Großbanken, Vereine, der Presse und der Regierung. Kümmerherr Gersdorff teklte mit, daß um die Trümmer von Messina herum eine neue Barackenstadt im Entstehen begriffen ist, die schon wieder 60000 Einwohner zähle. Staatssekretär von

Der Fall Haß.

Mit der gestern wiedergegebenen Erklärung derNordd. Allgem Ztg." über denFall Haß" sind die Akten dar­über noch keineswegs geschlossen. DieTägl. Rundsch.' be­schäftigt sich von neuem mit dem Fall des beutsch-venezolcv- niscyen Farmers namens Rudolf Haß, der sich zurzeit als gefährlicher Querulant in der Irrenanstalt Dalldorf be­findet. Die Vorgeschichte sei kurz skizziert: Haß soll vor einigen Jahren, als er noch in Venezuela lebte, in einem Rechtsstreit ein obsiegendes Urteil erzielt haben, dessen Voll­streckung ihm jedoch verweigert wurde. Er geriet infolge- dessen mit den venezolanischen Behörden in einen verwickel­ten Konflikt, wobei ihm die deutschen Behörden den Rechts­schutz entbehren ließen, auf den er Anspruch zu haben glaubte. Schließlich blieben seine Eingaben an das Aus­wärtige Amt gänzlich unbeantwortet, und als er durch eine beleidigende Veröffentlichung das Auswärttge Amt zu einem Prozeß zu zwingen versuchte, der die Aufmerksamkeit der Welt auf seinen Fall lenken sollte, erfolgte seine Jnter-

ie indeß von dort wiedergeholt, wenn das Kopenhagener Tribmral ibn offiziell als den Entdecker des Nordpols erklärt hätte, nun aber wird er sie nicht mehr holen. Augenblicklich macht er in Norwegen in strengster Zurückgezogenheit seine Papiere mrecht, um sie noch in Kopenhagen zu unterbreiten. Man wird aber sagen, daß sie zurttht gemacht worden sind, und man wird sie kaum noch als unumstößlichen Beweis gelten lassen. Sein Fehler war, daß er sich überhaupt dem Kopenhagener Tribunal umn warf. Er hätte sich mit seinen Berichten imNewyork Herald" begnügen sollen, was demHerald" 25 000 Dollars kostete, und die Welt hätte ihn mehr oder minder als den Entdecker des Nord­pols anerkannt. Auch von Peary kann man ja nicht ganz zweifellos behaupten, daß etwa er den Nordpol entdeckt habe. Das Urteil der Nationalen Geographischen Gesellschaft ut Washington genügt ja hierfür nicht; sie ist wohl zu sehr Parier für Peary. Er sollte ebenfalls seine Beweise in Kopenhagen vor­legen, dort allein wäre jetzt noch schlechterdings ein unparteiisches Urteil zu erwarten und es würde walnscheinlich gleichfalls lauten: daß auch er nicht den Beweis erbracht habe, wenigstens nicht für wissenschaftliche Autoritäten, daß er am Nordpol war. Vor­läufig und Wohl für immer kann man nur sagen, daß Cook und Peary ganz sicher ganz nahe deni Nordpol waren und vielleickü auch dort gewesen sind.

Tas Denkmal für Port Arthur. Mit großer Feierlichkeit ist nun in Port Arthur das Denkmal enthüllt wor­den, das den tapferen Söhnen Japans geweiht ist. Das Denkmal erhebt sich auf dem berühmten Vorwerk von Pehjuschan; cs hat eine Höhe von 218 Fuß, so daß der Gipfel des Denkmals 626 Fuß über den Meeres,piegel emporragt. Es führt den Namen Hyochu-to, der Gedächtnisturm der Treue, und hat den 3n panecn rund 430 000 Mark gekostet. Im Innern sind von Ge­neral 4kogi und dldmiral Togo verfaßte Sämsten niebergekgt, die die genaue Zahl der vor Port Arthur gefallenen japa!u,c"-.i Krieger feststellcn. 20 861 Mann des Landheeres unb 1858 Mann der Marine. Bei der Einweihung verlasen General Nogi inib Admiral Togo Adressen; beide Feldherren sprachen mil.Be­wunderung und Rührung von den Opfern, die die gefallenen Söhne Japans freudig ihrem Vaterland dargebracht hätten. Von Lord Kitchener traf eine Glückwunschdevesche ein. Nach den ü ligiöscn Handlungen wurde ein Gartenfest veranstaltet, das mit einem Balle im Armeeklub endete.

der Anschluß an den Allgemeinen deutschen Lehrerverern, um den es sich 'hier handelt, durch die staatliche Gesetzgebung dem freien Ermessen der Lehrer amheimgestellt bleibe."

Der Bischof schließt:Diesen Ausführungen ent­sprechend sehe ich mich veranlaßt, den gegen mich erho­benen Vorwurf eines Eingriffes in den Bereich der staat­lichen Befugnisse zurückzuweisen."

vcciaprure iotdic ara ue.ovujvökliu uilu .<ivu.lu-ch.il ui wänglersMeisterwerken" über eine hervorragende Kenntnis der Monumente verfügt, mit einer ganz verblüffenden ^--bZthese: TasMädchen von Anzio" sei gar nicht weiblichen Ge,chlechts, sondern ein Jüngling, und zwar ein Pr i e |t e r der KNbeie. Wir gestehen offen, daß wir diese Hypothese zwar höchlichst über­raschend, aber durchaus nicht unmöglich finden. Als die so­genanntebarberinische Muse" für einen Apollo erklärt wurde, war man zuerst auch verblüfft. Die Priester der Kybele, deren Kult alsKult der Magna meter" seit dem Ende des 3. Jahr­hunderts v. Ehr. in Rom Aufnahme gefunden hat, waren weibisch und entmannt Sie gingen in üppiger weiblicher Meldung herum, und die römischen Satiriker, vor allem Juvenal, haben Nicht genug verächtliche Worte für die Galli, die entmannten Priester der Kybele, die mit Handpauken durch die Stadt zogen. Nur der oberste Priester, der ArchigalluS, trug die phrygische Mütze, die der Anzioslatuc fehlt. Die Depesche der Times, welche die Hypothese der englischen Archäologin meldet, bringt absolut keine Details. Wir sind also auf SSenniutunigen darüber angewiesen, was Mrs. Strong zu ihrer Hypothese geführt hat: die schvach hervortretende Brust, der verhältnismäßig starke Leib, die starken Znße, Dinge, die uns jetzt auffallen, dazu die Löwentlaue (-rier der ftWle; und die Rolle, welche Mrs. Strong am Ende als dasmoretum (Kräuterkloß-Opfer) der Kybelepriester ansieht Jedenfalls muß die Hypothese registriert werden. Die Statue kann deswegen dennoch ein hellenistisches, in Kleinasien entstandenes Meisterwerk bleiben.

Der Nordpol-Streit, lieber Dr. Cook erfährt man endlich die reine Wahrheit. Einer seiner besten Freunde äußerte sich dem Lroocklyner Mitarbeiter des Berl, Börs.-Cour. hierüber folgendermaßen: Cook fuhr in der Tat zugleich mit seinem Sekretär Lonsdale, der seine Dokumente nach Kopenhagen brachte, nach Europa Es ist nicht in Abrede zu stellen, daß diese Dokumente keinen streng wissenschaftlichen Charakter haben, also nicht wissen­schaftlich beweiskräftig sind, daß Cook den Nordpol wirklich er­reicht habe. Auch Cook ist im klaren darüber. Darum wollte er sie nicht selbst in Kopenhagen vorlegen, sondern dort erst er­scheinen, wenn jie trotzdem als beweiskräftig erklärt würden. Er rechnet stark auf das Wohlwollen der Kopenhagener Autori­täten. Darin hat er sich aber verrechnet, denn ihre Unparteilich­keit und wifsenschaftlickic Gewissenhaftigkeit sind durch nichts zu beeinflussen. Cook glaubt ausrichtig, den Nordpol erreicht zu haben: er hat's vielleicht auch, doch wird er es, das steht nun I Instrumente. Er hat sie ja wohlweislich in Etha zurückgelassen.

lleberttl'ebene deutsche hilssbereitschaft.

In der Presse hat der folgende Artikel derRhein.- ZLestf. Ztg." mit Recht viel Beachtung gefunden:

, den Deihnachtstagen sind die am Douro in Po r t ug al liegenden Ortschaften durch lieberschwemm migen und die tm Hasen Don Oporto liegende Handelsflotte durch stürmisches Unwetter von furchtbarer Heftigkeit heimgesucht worden. Axt Schaden wird aus einige Millionen geschützt, die natürlich von hier aus nicht nactz- qeprüst werden können. An Menschenleben ist glücklicherweise nur der Tod von tapferen vier deutschen Matrosen und dem Kapitän des deutschen DampfersCintra" zu beklagen. Kaum ist die Nachricht von dem Unglück in Deutschland beramtt genwrben, so hat sich Mich sckwn einDeutscher Hcks^Ausschuß gebildet, der zur Sammlung für die notleidende Bevölkerung m Portugal ausruft. Nicht etwa für die Hinterbliebenen der fun, Deutschen. Als im Juli 1903 die Provinz Schlesien dem riesen­haften Unheil einer- Wolkenbruch- und .Hochwasserbatastrvphe auf­gesetzt war, hat sich im Ausland keine Hand gerührt, die für die ihrer Habe beraubten deutschen Bauern, Arbeiter und HcmdErkew auch nur einen Pfennig hergegeben hätte. Der Schadest belief sich damals an die fünfzig Millionen. Und als im »origen Jahre MitteldeutschlMid von einer neuen großen Hvchwanerkatastrophe heimgesucht wurde, zeitigte selbst die in Deutschland angestellte Sammlung im Vergleich zu den nach Kalabrien gewanderten Sunünren ein beschämendes Ergebnis. Es handefte sich eben nur um Deutsche . . . Das alte Lied. Ereignet sich irgendwo mst dem weiten Erdenrund ein großes Unglück, so greift der deutsche Mickicl voll Mitleid als erster recht tief in seine Tasche, andren, Aalesund, Kalabrien, Messina: das sind die letzten^Etappen deut­scher Mildtätigkeit. Wir hätten auch noch für ean Franzisko gesammelt, wenn nicht Roosevelt den Stolz hätte haben dunen, im 9öamen des anreribanischen Volkes jede Geldsammlung abzu- lehivcn. Im übrigen haben wir für unser gutes Herz noch rnmnal 'Dank geerntet. Das schreiendste Beispiel in dieser Bezrehmro bvt im vorigen Jahre Italien, wo die deutsche Sammlung, obwohl sie die gröfjte ausländische Sammlung luar, aus politischen Motiven möglichst verschwiegen, aus egoistischen Motiven von den italie- ntschlm Nobili der verschiedenen Verteilungsräte nacy Möglichkeit unterschlagen wurde. Genau so, wie wirs zu Beginn der -Lamm- Timgen vv rausgesagt haben. Wir haben auch ebensowenig Grund, für Portugal zu fambneln und wieder unserenwahrhaft großp mutigen Sinn" selbst zu betoimbem. Portugal steht eben politisch un Begriffe, durch seine chichutzzü>llbewegung, die tzöchpstehende in der ganzen Welt, den deutschen Handel emHsrnLlich zu schädigen. Es ist ein paar Wochen her, daß bei Beratung des deutsch-portu- giesiscksn Handelsvertrages zwei Tage lang im Reichstag alle Schleusen der Bevedtsamkeit geöffnet, zwei Wochen lang Strome von Tinte vergossen wurden, um nachzuweisen, datz Portugal die deutsche Volkswirtschaft um zwanzig, dreißig Millwnen im Jahre sck>ädlgen wird, also jährlich um1 soviel, was jetzt Unwetter und Sturm in dem Heinen, englischem Einfluß unterstehenden Pyrenäen- float zerstört haben sollen. Mögen die Portugiesen selbst und die ihnen so innig befreundeten (Svtglänber ihre Geldsäckel öffnen. Wir haben keine Ursache dazu. Wir wollen für die Hinterbliebenen der fünf deutschen Seeleute sorgen, die in Oporto in deutscher Seemannstreue ihren Tod gefunden hoben, und wir wollen^untere Börsen recht weit aurntaeheit, wenn wieder einmal das Schicksal deutsche Gaue mit einem schweren Unglück heimsuchen sollte."

Schoen führte dann in einer Ansprache au§, als dte deutsche Hilfsaktion zusummeutrat, habe er sich beeilt, diese auch seinerseits nach Kräften zu fördern. Es gereiche ihm zur besonderen $emigtuun$, aus den Ausführungen der Vorredner entnehmen zu dürfen, daß seine Mitaroert freundlick)c Anerkennung gesunden habe. Durch die reichen von Deutschland aufgebrachten Mittel und die vortreffliche Organisation des Komitees sei es möglich geworden, im wei­testen Matze unserer Schutzpflicht gegenüber unjtren verun» glückten Landsleuten zu genügen und darüber hinaus dem Mitgefühl gegenüber der 'schwer betroffenen Bevölkerung tatkräftig Ausdruck zu verleihen. Der Redner sprach dann der Kaiserin den Dank für das Interesse und die Förderung aus, die sie als Protektorin dem Unternehmen angedeihen ließ.Lassen Sie," so schloß Staatssekretär v. Schoen ferne Rede,meine Worte ausklingen in den warmen Dank an das gesamte deutsche Volk, das keinen Augenblick zögerte, dem von einer beispiellosen Katastrophe heimgesuchten Italien werktätige .Hilfe zu leisten und ihm so einen Beweis ferner herzlichen Freundschaft zu geben." Geheimrat Scholler er­stattete sodann den Kassenbericht, nach welchem die Gesamt- eirmabmen ca. 2 700 000 Mk. in bar und 2 300 000 Mck. in Materialien betrugen. Im weiteren Verlaus der Sitzung, sprach der italienische Botschafter Pansa den Dank des italienischen Volkes und der italienischen Regierung aus.

nierung in Dalldorf.

Der erwähnten amtlichen Notiz setzt mtn dieTagt. Rundsch." folgende Feststellungen entgegen:

In dem Sachverständ i gen-Gutachten, das un Auftrage des deutschen Konsulats von einem Valenzianer Titularadvokaten am 27. März 1908 in der Sache Haß er­stattet ist, heißt es: , , ..

Seit 14 Monaten liegt die Sache brach wegen Ursachen, die mir dem hiesigen Gerichte zugeschrieben werden können. axS letzte Dekret ordnet an: 1. Vollstreckung de» Urteils, 2. #ort> führung des Prozesses, 3. Abschrifterteilung in L-achen gegen Blanch, 4. Vorladung des Richters Dr. Blanck. Bon dreien vier Anordnungen ist keine aasgeführt tootben trotz wiederholter Bitten von {eiten der Haßschen Advoraten. Angesichts beiien hat der Advokat sein Mandat nieder legen müssen, weil bisher^ jeber Ver­such, Gerechtigkeit zu erlangen, vergeblich gewesen ist."

Nach venezolanischenr Recht ist der Staat dafür .haftbar, wenn einem Rechtsuchenden durch unterlassene Maßnahmen von Richtern, oder Beamten schaden zugefügt wird Hatz verlangte nun, baß die deutsche Gesandtschaü. in Caracas diesen seinen Schadenersatz­anspruch zunächst grundsätzlül, vertritt, was sie bisher abaeteynt hat: die Festsetzung des wirklich entstandenen Verlustes überlaßt er Gutachtern, besteht also durchaus nicht auf trgenbeiner toili- lürlichen Forderung. Sein erster Appell an bas Äuswärügc Amt, nadjhem ut Caracas alles vergeblich gewesen war, erfoigte am 13 August 1906. Die erste Anüvvrt erhieü er unter dem 24 Dezember 1907. Sie ging auf den Kem seiner Forderungen nicht ein, aber die Angelegenheit wurde wenigstenswieder aus­genommen". In den folgenden Monaten veriuchto die Gesandfichaft m Caracas sich aus der unangenehmen Lage herauszuwinden, ver­suchte das Auswärtige Amt die Gesandtschaft nach außen hm zu decken Nun greifen aber auch dritte Penonrn ein, und endlich, unter dem 26. August 1909, nachdem die Referenten an Aus - märtigen Amt immer wieder gewechselt und die neuen sich immer wieder erst wochenlangcir.gearbeitet" haben, erhält Haß von dem letzten Referenten, Dr. Strube, eine amtliche Zustellung, in der es heißt: t

Mit der Durcharbeitung der Angelegenheü bat ich unter der Leitung des Vortragenden Rates im Auswärtigen Amte, Ge Heimen Legationsrats Lentze, betraut worden. Ich beabsichtig'?. Die demnächst cinzuladcn, sich zu einer. Besprechung im Auswärtigen Amte einzusinden. Für die Besprechung, die in Gegenwart des Geheimen Legationsrats Lentze stattfinden svürde, wäre es er­wünscht, noch je ein weiteres Exemplar. Ihres .vauptbenchtes Teil 2, 3 und 4 zu erhalten."

Das ist das letzte Schriftstück vom Auswärtigen Amte, das Haß zu Gesicht bekommen hat. Er wartete weitere vier Monate auf die versprochene Einladung in die Rechtsabteilung des Aus­wärtigen Amtes und bekam statt dessen nach Ablauf der vier Äionatc im Auftrage des Auswärtigen Amtes freies Geleit nach Dalldorf. Wenn die Regierung, so schließt dieTägl. Rundsch.", auch nur ein Wort dieser unserer Darstellung widerlegen kann, stellen wir ihr anheim, wider uns vvrzugehen; anderenfalls aber

Die Erwiderung des Bischofs Dr. Fritzen.

Der Bischof von Straßburg Dr. Fritzen veröffentlicht auf den Einspruchsbrief des Staatssekretärs Zorn v. Bulach in der Frage des Anschlusses der Lehrerschaft an den Ml- gemeinen deutschen Lehrerverein ein längeres Schreiben. Es oipselt in der Behauptung, die Bischöfe seien zu ihrem Vor­gehen berechtigt gewesen, da sie sich nicht an die Lehrer als solche, sondern an die Lehrer als Katholiken gewandt hatten.

Es war zu meiner Kenntnis gelangt, daß eine eitrige Agitation eingesetzt hatte, um die Lehrer des Landes zu be­wegen, sich dem Allgemeinen deutschen Lehrerverein anzu­schließen. Ich hielt es für meine Pflicht, die katholischen Lehrer vor diesem Schritte zu warnen, da zahlreiche Kund­gebungen des Allgemeinen deutschen Lehrervereins auf dem relioiösen Gebiete Tendenzen zutage treten ließen, dte den Grundsätzen der katholischen Kirche widersprechen. Dre^e Warnung erfolgte dadurch, daß ich den katholischen Leh­rern einen Artikel des vom Prälaten Nigetiet redigierten Schulfreundes" einfach zur Kenntnisnahme zugeben uetz.

Ich hrcke mich nur an die katholischen Lehrer gewandt, woraus zur Genüge erhellt, daß ich,nur ihre Eigenschaft als Katholiken, nicht aber ihre Eigenschaft als Lehrer ins Auge gefaßt habe. Die Amtstätigkeit der Zehrer wurde weder im Artikel des Schulfreundes, noch in meinem Begleitschreiben berührt. Den einzigen Gegenstand des Ar­tikels bildete der Anschluß an einen rein privaten Verein, dessen Tenden'en ich vom religiösen Standpunkte aus verurteilen muß. Wie ich hierin meine Befugnisse überschritten haben sollte, vermag ich nicht einzusehen. Die Frage, um die es sich hier handelt, ist in evster Linie eine Gewissensfrage für einen Teil meiner Diözesanen. Dem Bischof als dem ordentlichen Träger der kirchlichen Hirten- und Lehrgewalt liegt die Pflicht ob und steht das Recht zu, seine Diözesanen auf die Verpflichtungeii des christ- licheti Sittengesetzes hinzuweisen, die sich aus den Verhält­nissen des Lebens für sie ergeben können. Durch den Um­stand, daß diese Diözesenangehörigen als Beamte oder Lehrer einer staatlichen Behörde unterstellt sind, kann das Verhält­nis nicht abgeschwächt werden, in dem sie inbezug auf Glaubens- und Gewisfensfragen zur kirchlichen Hirten- und Lehrgewält stehen. . . . Außer den staatlichen Gesetzen haben die katholischen Beamten und Lehrer Glaubens- und Ge­wissenspflichten zu erfüllen, inbezug auf welche sie nächst Gott ihren ttrchlichen Vorgesetzten unterstehen. Wie id) eine diese Gewissenspflichten betreffende Mitteilung auf dem Dienstwege und durch staatliche Vorgesetzte an die Lehrer gelangen lassen könnte, ist mir nicht verständlich, um so weniger, als der kaiserliche Oberschulrat selbst erklärt, daß

Nr. 5 Zweites Blatt 160. Jahrgang Freitag 7. Januar 1810

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Seneral-Anzeiger für Gderhchen

IClehtes Lcnsttcton.

Das Darmstädter Ho f theater feiert im laufen­den Jahre den Gedenftag seines 1 00 j übrigen Bestehens. Am! 23. Mai 1810 würbe das Krebssche Privattheater, nachdem e5 von Großberzog Ludewig I. übernommen worden war, zum GroßherzoglülMr Theater" erklärt. Das Theater war damals in der alten Post untergebracht, siedelte aber schon am 26. Ok­tober 1810 in das neu hergerichtete alte Operrrbaus über. Es darf Wohl vorausgesetzt werden, daß der 23. Mai d. J.^durch eine würdige Feier begangen werden >oird. Die Feier des 50 jährigen Bestehens am 23. Mai 1860 bildete damals den Schluß des Spstljahres.

Das riesenha fte Anwa chsen der dranta- tischen Werke in Frankreich wird in dem Verzeichms scher die von 1899 bis 1909 zur Aufführung gelangten neuen Bühnenwerke scharf hervvrtreten, den der B üynens chr i st stell verband demnächst veröffentlichen wird. Nicht weniger als 10 000 neue Werke sind während dieser zehn Sabre. auf geführt worden: in dem vorangegangenen Jahrzehnt war die Zahl kaum halb so groß gewesen.

Ein Preisauss.chreiben König Leopolds. Durch einen Beschluß vom 14. Dezember 1874 hatte König Loopold II. ein jährliches Preisausschreiben erlassen, daS dem Verfasser des besten Werkes über ein gestelltes Thema 25 000 Francs aussetzte. Wahrend dieses Preisausschreiben bisher national war, ist für das Jahr 1911 auch die Beteiligung von Ausländem zugelassen. Das Thema tautet:lieber den Fort­schritt dec Lu f tschif fahrt unb die wirksamsten Mittel zu ihrer Förderung." Die Arbeiten müssen bis zum 1. März 1911 dem Ministerstrm der Wissenschaften und Künste in Brüssel ein- gereicht werden.

* Das Mädchen von Anziio ein Mann? Der archäologische Mitarbeiter der Franks. Ztg. schreibt: 2k berühmte Neuerwerbung des r ö mis che n ThermenimcheumS. das sogenamrte Mädchen von A nz i, kömmt nicht zur Ruhe. Nachdem jüngst Eomparetti die Ansicht geäußert hatte, die herrliche Statue stelle die Kassandra der Tragödie vor eine Ansicht, die von dec wissenschaftlichen Archäologie sofvtt energisch Mrückgewiesen wurde. kommt jetzt eine Autorität ersten Ranges, Mrs. Eugenie Strong, die zur Zeit als Mitglied der British archaeological Schv-ol in Stent weilt und die als Verfasserin des BuchesRoman einmal fest, nicht strikt beweisen können. Auch nicht durch seine