Ausgabe 
6.8.1910 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfafjt 12 Seiten.

er am 24. September!

In beit Cafes

ien an.

tg sowohl aus Bassermanns Kundgebung Besprechungen der fortschrittlichen Presse Hamburger Gespräch war ein -setzung in Kassel. Bassermann

er sein Gelübde gegen Gott erfüllt habe. Napoleon wäre wohl durch dieses Attentat nicht so beunruhigt worden, wenn er gewußt hätte, daß er einen Geisteskranken vor sich habe. Sowohl die An­gaben seines Vaters als auch der Eindruck, den das Kriegsgericht hatte, und die weiteren Nachforschungen D^risrnes ließen rernen Zweifel, daß Slepß in einem Anfall von schwach,mn gehandelt hatte. *

Oesterreichs Thronfolger im englischen Lichte.

In derContemporary Review" gibt Graec Ellison, eine eng* lische Dame, die im Auftrage englischer Zeitungen viel m Europa und im Orient reist intb in Beziehungen zu parlamentarischen und diplomatischen Kreisen steht, eine Charakteristik des os^rreichischenf Thronfolgers und seines Milieus. Tas Innenleben franz' Ferdinands scheint allerdings bisher ganz vmchlosfen zu lern; selbst Aristokraten, wie z. B. die Zichy und 9efteticy, Die zu seinen Busenfreunden zählen, wissen über ihn mchts Näheres zu sagen, ja, sie wissen nicht einmal, ob die Bezeichnung ,,-öufen- freuiid" tatsächlich auf sie paßt. Franz Ferdinand erledigt seine offiziellen Geschäfte und tut seine Pflicht in beinahe automaten- hafter Weise; er befleißigt sich, niemals mehr als unbedingt not^ wendig hervorzutreten, um in keiner Richtung den Verdacht zu erwecken, als maße er sich schon jetzt die Zügel der Regierung am Tie Tschechen setzen allerdings große Hoffnungen auf ihn und er­warten, bei seiner Thronbesteigung die langersehnte Autonomie zp erlangen. In der Tat soll Franz Ferdinand nicht abgeneigt sein, nicht nur Böhmen, sondern auch Kroatien und Bosnien eine ^rv Home Rule zu geben und derart aus Oesterreich eine Föderation, von fünf Staaten nach dem Muster der Vereinigten Staaten von Nordamerika zu machen. Diese Maßregel scheint ihvi bic emjigc Möglichkeit, den Nationalitätenhader in Oesterreich zu beseiltgem, Bei den Ungarn ist der Thronfolger sehr unbeliebt Tie Magyaren- können noch immer den geliebten Kronprinzen Rudolf mwt ver­gessen, der ihre Sprache sprach, gern m Ungarn weilte und m ihren Bergen zu jagen pflegte. Sie haben aber schon bcss^lb^^en Fran^ Feidinand eine Wneigung, weil er em Sohn des bigotten Uni- Ludwig ist, der seit jeher bemüht war, Oesterreich unter rolimn>e> Herrschaft zu bringen, und der seinerzeit den Kaiser abhaltew wollte, dem Volk eine Konstitution zu geben.

Tie Jugend Franz Ferdinands, ebenso wie )ene fernes Bruders Otto, war die denkbar düsterste. Erst die dritte Frau ihres Vaters die Prinzessin von Braganza, befreite die beiden «ns ihrer nruiti» scheu Bevormundung, im>em sie sie frühzeitigtn die Armee st

Franz Ferdinand soll ursprünglich fein Freund Deutschlands gewesen sein. Insbesondere war es ihm unbequem, zu sehen, daßj die auswärtige Politik Oesterreichs immer von Deutschland be­einflußt und dirigiert wurde. Graf Aehrenthal hatte denn auch Die Order, im Sinne einer Befreiung von deutscher Beeinflussung zu arbeiten. Bei der Annexion von Bosnien hätte dieser Abfall von Deutschland stark betont werden sollen da machte aber die un­geschickte Politik Sir Edward Greys, die sich auf Sette der Feiudy

politische Wochenschau.

Gießen, 6. August.

Die Schachzüge im Orient, und besonders um den Padischah, waren für den gewöhnlichen Sterblichen in Mittel- und Westeuropa immer in ein ungewisses Zwielicht eingehüllt, und in den letzten zwei Jahren war bei dem beständigen Wechsel in der Führung der türkischen Staats- qeschäfte eine bestimmte und stetige Entwicklung kaum zu erkennen. Nur das eine steht fest: die Losbröckelung von Bosnien und der Herzegowina hat den türkischen Staats­männern die Stärkung der nationalen Macht und Wacht zur Pflicht gemacht, die türkische öffentliche Meinung verlangte danach D-aneben hat die ständige Sorge um die griechischen Gelüste gleichfalls einen patriotischen Hochdruck erzeugt. Wir haben vor ein paar Monaten wiedergegeben, wie General vom der Goltz das Neuerwachen des militärischen Geistes geschildert hat, wie er Griechenland und die Westmächte vor einer Ueberspannung des Bogens gewarnt hat. Wer aber in dem internationalen diplomatischen Spiel am Goldenen Horn schließlich als Sieger hervorgehen werde, wem es gelingen würde, das erwachte Osmanenreich für bestimmte Ziele in der internationalen Politik ins Schlepp­tau zu ziehen, war immer ungewiß. Im Augenblick herrscht in Konstantinopel Flottenbegeisterung. Kreta soll der Türkei nicht verloren sein, und man träumt darum von Flotten­kundgebungen. Die türkische Wehmnacht zur See ver­fügte aber bisher über zwar sehr ehrwürdige, aber leider auch nicht einmal halbwegs brauchbare Schiffe. Seit dem Wiedererwachen ihres militärischen Geistes haben die Türken nur einige Unterseeboote und zwar erfreulicherweise aus Deutschland bezogen. . An der Spille ihres Marinewesens steht ein englischer General; wie weit seine Macht und fern Einfluß auch auf Neubestellungen sich erstreckt, weiß man nicht. In diesen Tagen aber hat sich zu den ungewissen und unkontrollierbaren Gerüchten von einer Annäherung der Türkei an den Dreibund ein Ereignis gesellt, an dem mehr ist als bloß sGerede und Versicherungen. Es ist ein sehr interessanter, nüchterner Handel, der zwischen der Türkei und Deutschland abgeschlossen worden ist, nämlich die Er­werbung zweier unserer Panzerschi^e aus der Branden­burg-Klasse durch die Türkei. Bisher unbestätigten Nach­richten zufolge handelt es sich umKurfürst Friedrich Wil­helm" undBrandenburg", Schiffe, die ein Dienstalter von etwa 16 Jahren hinter sich haben und nun, nachdem sie die gesetzliche Altersgrenze erreicht haben und ausgemustert werden müssen, dem Reiche noch je 10 Millionen ..rarf zurückgebracht haben sollen. Wie dieMünchener Neuesten Nachrichten" (und andere Blätter), offenbar halbamtlich aus Berlin meldeten, ist durch den Verkaufdie starte Friedens­garantie im nahen Orient" geschaffen worden. Die beiden Schiffe würden demnach also der Türkei die Möglichkeit geben sollen, den Kretern und Griechen etwas vor der Nase herumzufuchtetn, und da sie mit etwa 10000 Tonn en- gehalt eine starke Panzerung und Armierung besitzen, die verhältnismäßig geringe Geschwindigkeit aber hon nur etwa 15 Knoten in den kretischen Gewässern nicht lehr in tftage kommt, so ist das Geschäft gut, und zwar für beide Teile.

lassen.

Als Stepß bann am 12. Oktober mittags den Schloßhof in Schönbrunn betrat, war der Kaiser eben bie große L-chloNtreppe hinabgeftiegen, an deren Enbe verwundete Offiziere mit Bitt­gesuchen und neben der Garbe, den Adjutanten usw drei ver- rounbete badische Solbaten warteten. Napoleon blieb bei den brei Babensern stehen, bann ließ er bie gruppen einige Be­wegungen ausführen und sprach mit Offizieren der ^ager zu Pferbe, als Stepß bis auf zwei Schritte in feine Nahe trat, sauber gekleidet, in einem neuen olivenfarbiqen Ueberrock mit grünem ' Kragen und grünen Aufschlägen, einen sranzosifchen Chapeau claque mit ber französischen Kokarde ans dem Kopfe. Napoleon bemerkte ihn nicht, aber Ber;! r hielt ben Aor tret enden zurück: er glaubte es mit einem Bittsteller zu tun zu haben, weil Stepß die Hand in den oben geöfineten Mantel huiem- gesteckt hatte, als wolle er eine Bittschrift hcrvorzlehen Als der Jüngling sich loSreißen wollte, rief der Marschall ben General Repp herbei, ber ihn ben Gendarmen übergab. Nun sand man bet ihm den großen Dolch, den er in einem Mit Bindfaden ver­schnürten Bogen Papier wie tn eine Scheide gesteckt hatte. Als er verhört wurde, blieb ber Gefangene habet, er wolle dem Kaiser allein sein Geheimnis mitteilen. Vor Napoleon geführt, gestand er in einer halbstündigen Unterredung mit dem Kaiser, öaü er ihn habe töten wollen. Auf die Frage des Herrschers:

Würden Sie es mir danken, wenn ich Sie begnadigte?" ver­harrte Stepß bei seiner Absicht:Ich würbe Sie bennoch zu töten suchen." Er war vollkommen ruhig, sein Puls zeigte keinerlei Erregung. Er erFlärtc auch, seinen Plan ganz kalt­blütig angelegt zu haben. Die ©träfe, die ihn tre.se, kenne er wohl, er ersehne bie Nähe des Todes und erhoße für den beabsichtigten Mord eine Belohnung vom höchsten Wesen, weil er die Erbe von einem Fürsten befreien wollte, der die erste^llr- sache des Krieges sei. Stepß wurde vom Kriegsgericht zum ^ode verurteilt und am 16. Oktober 1809 in der Morgensruhe erschossen. Er starb mit der festen Zuversicht, zum Himmel einzugehen, da

Es wäre äußerst interessant, zu wissen, von wem der prat- i tische und feine Handel eingefädelt worden ist, denn das ist 1 doch einmal eine Tat, die auf mehr als nur Worte hinaus- i kam und für die deutsch-türkische diplomatische Arbeit ein ! nicht übles Zeugnis ablegt, ftumal die Sache einen ge- wissen Humor hat. Wer wollte es dem Bedürftigen, der nur über bescheidene Mittel verfügt, verargen, wenn er 1 getragene Kleider sich erwirbt? Der kranke Mann besitzt solch 'falschen Stolz nicht, und wo er sich zeigen muß, kann er mit seinem neuen Besitztum sich ruhig sehen lassen. Wer innen Frack rasch (braucht und nicht hat, kauft oder borgt sich wohl einen alten. Auch der kranke Mann will einen Besuch machen können; warum sollten wir nicht schleu­nigst sein brennendes Verlangen nach derFriedens­garantie" stillen? Ob England, das erst kürzlich zwei der Brandenburg-Klasse ähnliche Schisse sür zusammen noch nicht eine Million Mark als altes Eisen verkauft hat, die Türkei augenblicklich weniger als eine befreundete Macht schätzt? Und ob unsere eigne Gescbästsverbindung mit Kon­stantinopel so fest geknüpft ist, daß sie vielleicht noch über den angeblich bevorstehenden Kaufabschluß, bei dem es sich um die zwei andern Schiffe der Brandenburg-K.asse handeln soll, hinausreichen wird zu weltpolitischen Zielen? Hier hüllt sich das Orientproblem für uns einstweilen noch in den alten Nebel, und wir verachten darauf, den Phantasien von der Stärkung des Dreibundes nachzuhängeu. die unsere westlichen Nachbarn anscheinend schon in große Unruhe ver­eint haben. Für den Ersatz der an die Türkei verkauften Schiffe werden schon im Jahre 1911 die ersten Bauraten verlangt werden. Wie übrigens dieKreuzztg." gehört haben will, soll bei dem Verlauf vornehmlich auch die Er­wägung maßgebend gewesen sein, unseren Werften Beschäf­tigung zu geben. Darnach würoe mit den Ersatzoauten vielleicht schon sofort begonnen werden.

Noch mehr Stofs zu Betrachtungen lieferte der unver- sieqliche.Quell unserer inneren Parteischiebungen, und zwar dreht sich die Unterhaltung wieder einmal um das, was der nationalliberale Parteiführer Bassermann für gut und recht hält. Er hat, wie wir ausführlich berichteten, endlich selbst den Mund geöffnet, und wenn man auch nicht gerade sagen kann, daß etwas Neues und Ueberraschendes dabei herausgelommeii sei, so konnte doch die in der stillen Zeit VA-c viele Blätter doppelt willkommene politische Steru- deuterei in alter Leb Hastigkeit'wieder ausgenommen werden. Heber das, was künftig geschieht, hat Bassermann aber vorsichtig geschwiegen; er hat die Blättermeldungen die von einem vielleicht bevorstehenden Ausscheiden des Führers aus politischen Gründen nichts wissen wollten, nut einem Kopfnicken bestätigt, das aber vielfach nut einem Kopf schütteln beantwortet werden mag. Wir vernahmen nur Bassermanns Meinung, hörten aber keine Verstche- rung, daß er den nationalliberalen Kurs tatkräftig werde weiter steuern können. Diese Entscheidung liegt im Schoße des bevorstehenden Kasseler Parteitages. Darum klangen die Ausführungen des Mannheimer Strategen auch so un­bestimmt, darum ließ er die Möglichkeit seines Rücktrittes aus Gesundheitsrücksichten offen, darum erklärte er wieder, der Partei volle Selbständialeit gegenüber der Rechten wie der Linken wahren zu wollen, darum bekamen zwar die Konservativen vom Schlage Heydebrcmds eine Ohrfeige, ohne

Neue; vom Schönbrunner Attentat aus Hapokon.

Tas Attentat des deutschen Pfarrerssohnes Friedrich Stepß, der am 12. Oktober 1809 einen Mordanschlag auf Napoleon mi Schloßhof von Schönbrunn unternahm, hat weitgehende politische Folgen gehabt. Tie Tat machte auf den Franzosenkaner solchen Eindruck, daß er rasch Frieden schloß. Zugleich begann von nun an eine systematische Verfolgung des Tugendbundes und anderer deutschpatriotischer Vereinigungen durch die tt'anzosischen Behörden, während bis dahin nur gelegentliche Beobachtungen der deutschen Ideologen stattgefunden hatten. Tie eeelc deS Jünglings 1 cd och, der den Dolch gegen die Brust des großen Korsen zuaen wollte, war bisher noci) von einem, psychologischen Geheimnis umgeven; man wußte wenig von seiner Entwicklung, von ber Entstehung des Plans in seinem Geiste, von den Motiven, bie ihn dazu getrieben.

In einem Aufsatz der Grenzboten sucht nun Pros. 2beobür Bitter auf dieses Rätsel aus Grund ber Akten des Kriegs­gerichts zu lösen, die sich im Pariser Nationalarchiv befinden.. Besonders bie von dem Intendanten von Erfurt Derismes im Auftrage des Herzogs von Friaul vorgenommenen Hntersuchnngen wenen ein klares Licht auf bie von Phantasien und Hirngespinsten umdunkelte Seele des Kaufmannslehrlings, ber sich rum Retter Deutschlands berufen glaubte. Friedrich Steptz war Lehrling in der Nankinfabrik von Rothstein, Lentin und Eie. in C?urt. Sein stilles, bescheidenes Wesen erwarb ihm bie Siebe JethCd Prinzipale und seiner Freunde; Sanftmut war in ihm mit Ein­falt gepaart, und er erschien als ein guter, heiterer Mensch, bem nichts Schlimmes zuzutrauen war. Als Napoleon I. in Erfurt mar, »befanb sich Stepß unter benjentgen, bie ihm am begeistertsten zujubelten Nach bem Ausbruch bes Krieges von 1800 horte er aber in Erfurt in den CafäS, Napoleon führe Krieg nur um sich zum Herrn von Europa zu machen. Ta schwand all der Ent- lmsiasmus dahin, ben er dem Kaiser so lebhaft entgegengebracbt hatte- seine Liebe verwanbelte sich in Haß, und er laute den Entschluß, ihn im ersten günstigen Augenblick nmS Leben zu bringen. Nun bildete sich in ihm cm krankhafter Ehrgeiz und eine große Vorliebe für bas Militär heraus -Ur Eiwall bei Franzosen in Tentschlanb dünkte ihm bas größte, Unglück für bie Welt, und er hoffte, nach dem Tode ihres Kauers würben die Franzosen aus Tentschlanb vertrieben, die Voller wieber gllw sich werden, und ber Hanbel werbe wieder ausleben. er seinen Freunben von biesen Ideen erzählte, erklärten sie ihn für einen Narren" oberfür beinahe verrückt . Diese Ueber- zeugung wuchs noch, als ihnen ^tepß von einer Vision erzählte, bie ihn zum Helbcn von Deutschland bestimmte^

Solche Träume waren cm Erbteil ferner Mutter. Auch des des meitnen hatte er noch solche Visionen. In semevi ^chieb^brief an die Eltern erzählt er, er habe Gott gebeten, ihm bie Mittel zum Vollbringen feiner Tat zu gewähren: da fei ihm Gott mjemer Majestät erschienen und habe mit donnerähnlichen Worten zu

ihm gesprochen:Gehe hin und tue, was du dir vorgenommen hast." Seinen Freunden gegenüber zeigte er sich, als sie ihn von seinen Phantasien abzubringen suchten, m ber letzten Zeit ganz verschlossen, betrieb aber heimlich desto eifriger bie Aus- Ührung des Planes. Nachdem er sich einen Paß, ©eW jmo einen Wagen verschafft hatte, verließ Erfurt. Am 7. Oktober kam er in All------- . .

studierte er eifrig bie Zeitungen nnb überzeugte sich, daß der Frieden, von bessern baldigen Abschluß er gehört hatte, noch nicht geschlossen worden sei und daß auch wenig Aussicht dafür vor­handen wäre. So erschien ihm bie Ausführung seines Vorsatzes notwendig. Er wollte sich bei ber Parade in Schönbrunn bem Kaiser nähern und ihn mit ben Worten ansprechen.Werden wir Frieden bekommen ober nicht?" Wenn er keine ober eine abschlägige Antwort erhielt, wollte er ihm ben Dolch ms Herz stoßen, -den er sich gekauft und an ber Spitze hatte doppelt scharfen

daß aber der feste Wille zum Anschluß an die Linke erklärt Mur de, was freilich ja auch einen parteipolitischen Selbst­mord bedeuten würbe. Von der Regierung erwartet Herr Bassermann anscheinend die nächsten Taten, mit der Fortschrittlichen Volkspartei sollen Wahlverständigungen ge­sucht werden. Daß darüber aber einige Schwierigkeiten^ent- stehen werden, llan' selbst wie auch aus f ,, heraus. Im ganzen: das l

Vorspiel zu der Auseinandersetzung t

weiß, daß er in der eignen Partei, trotz der letzten, nicht sehr geschickten Fraktionserklärung, Gegner hat; es wird ihm' bei der Tatsache, daß auch in Kassel niemand die Einheit der Partei ernstlich wird gefährden wollen, gelingen, fein poli­tisches Leben weiter zu fristen, und im übrigen bie Zeit heilt Wunden. Ob die Zeit der Bülow-Politik, die Basser­mann im Geiste wieder kommen sieht, wirilich so nahe ist, und ob er über den kommenden Schwierigkeiten nicht doch viel­leicht langsam und müde den Feldherrnstab aus der Hand, legen wird? Niemand weiß es, und niemand wird im ^arteilager nach plötzlichen Konflikten und Entscheidungen drängen Aber bei den nächsten Reichstagswahlen wird über die Frage Bassermann das letzte Wort gesprochen werden.

Ans der L a u s i tz kommt, so lesen wir in berNatt. Korresp. ', die befremdliche Meldung von filtern Beschluß for tschritt- licher Vertrauensmänner, dahingehend, bei ben fonv men ben Reichstagswahlen seine Bündnisse mit den Na 11 o - nalliber allen möglichst zu vermeiden.Tas kamt nur bedeuten, daß bie Fortschrittliche Volkspartei 1 ich mit ben* Gedanken trägt, ber nationalliberalen Partei in den.Rucken zur fallen. Es wäre zu wünschen, baß bie Leitung der Fortschrittlichem Vottspartei im Königreich Sachsen zu em em solchen Beschluß ,o- bald als möglich das Notwendige verlauten laßt, der umfo nur^ mürbiger erscheint, als die Partei eben im Kampfe um Zmwpau- Marienberg bie uneingeschränkte Unterstü^ng der Nationalliberalemi Hübet Auch aus anb-eren Teilen des Reichs liegen Melbungew vor wonach es bie Fortschrittliche Volkspartei mit der Aufstellung von Kanbibateu gegen die Nationalliberalen ziemlich eilig hat. Wir möchten vor solchem Tun bringenb warnen, da bie Forgchritt- liche Volkspartei gerade am wenigsten Vorteil davon haverv könnte."

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Lin amtlicher Bericht über die Ermordung Bret- schneiders.

B e r l i n, 5. Aug- Mit der letzten Post ist ein amtlicher Bericht über das vorläufige Ergebnis der Unter- su'chung über die Ermordung des Kaufmanns Brctschneider-Südkamerun eingegangen. Dar­nach verließ Bretschneider am 9. Mai Abong-Mbang am oberen Npang, um durch das Makkagebiet nach den Ngele- lnendutä- und Nanga-Eboko-Landschaften, die von Dume" aus in nordwestlicher Richtung liegen zum Anwerben von Arbeitern zu gehen. Am folgenden Tage bog er von der großen Straße Dume-Akonolinga nach Norden ab, in der Richtung auf Sef. Unterwegs wurde er von den Häupt­lingen vor den Markas mehrfach gewarnt, setzte aber m der Meinung, die Malkas würden ihm nichts tun, da er in^ friedlicher Absicht komme, den Marsch fort. Von der Ort­schaft Nangabctun ab begleiteten ihn bewaffnete Einge­borene, denen sich beim Orte Sef Sef- und Wondo-^.eute anschlossen. Im Sumpfe zwischen Sef und Ngamba wur-

Nr. 182 Erstes Blatt 160» Jahrgang Samstag 6. Angnft 1910

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