Tlcufecm. Tie5 steht int Widerspruch zu dem Vertrage von Turkmentschaisk und beeiuträchtigtdcn.Handclmrt Rußland. Tic Agenten des persischen Munsters des Aeußeru zu Urmia und Täbris berufen sich auf diesen Befehl inib verweigern die Bestätigung gesetzmäßiger Kauf- tontralte mit russischen Untertanen.
Wie die Petersburger Telegraphen-Agentur aus Scknras berichtet, schlossen einige Serdars im Süden des Landes, nämlich Goulcd cd Daulch, der Scheich Gasal und der Bali von Puschtikuh ein Schutz- und Trutzbündnrs zur Stärkung der konstitutionellenOrdnung und zur Unterstützung und zum Schutz der Medschlis, dessen Tätigkeit zu kontrollieren sic sich Vorbehalten. Auch vcr- v«lichten sich die Verbündeten, die Heimat zu schützen und für allgemeine Ordnung zu sorgen. An die Führer der 9tachbar- stämme erging die Aufforderung zum Anschluß an das Bündnis, das, luic man glaubt, gegen Serdar Assad ge- richtct ist.
Äur den Reichstagrausschüssen.
:: Berlin, 4. Mai.
Ter Budgetausschuß des Reichstages verhandelte zunächst über Bittschriften, hierauf trat der Ausschuß in die Beratung der Vortage über die Diäten für die beiden Sommer- ausschüsse ein. Es wird beschlo'sen, dreißig Mark für den Sitzungstag olv Außvandsentsck)ädigung zu gewähren, aus der auch die Reisekosten und die AufcMhattstostcn für die sitzungs- freicn Tage zu bestreiten finb.
Der aI i o us s chu ß des Reichstages begann heute die zweite Lesung und erledigte heute vormittag eine Reihe von Paragraphen, bei denen es erhebliche Differenzpuntte nicht gab. Auf Antrag d er Sozialdemokraten wurde eine Bestimmung ausgenommen, wonach die Verträge über dieLohn- und Arbeitsbedingungen keine Bestimmungen enthalten dürfen, die das Vereinigungsrecht der Arbeiter behindern oder verbieten.
3it einer Abendsitzung führte der Ausschuß die zweite Lesung des Gesetzes zu Ende. Der Entwurf des Berichterstatters Dr. Bärwinkel (Natl.) enthielt die Inlandspreise nach den Vorschlägen des ursprünalichen Entwurfs Damm-Kölle, die durch die Beschlüsse erster Lesung eine Herabsetzung um je einen halben Psemtig für alle Salze er» fahren hatten. Ter Ausschuß steltte aber letzt in der zlveiten Lesung auf AMrag Tr. Leim «Ztr.) die Beschlüsse cr)ter Lesung wieder her, mtb zwar wurde dieser Beschluß einstimmig gefaßt, nachdem ein freisinniger Antrag auf erhebliche weitere Herabsetzung der Preise abgelchnt worden war. Tie zweite Haupt- bestimmuirg des Emtwurfs, die in der Abendsitzung zur Entscheidung laut, betrifft den sogenannten S ch m i d t m a n n n p a r a g r a - p h c n, d. h. die Abgabe für die Ueberschreitung der dem Hali» wertbesitzer zustehenden Absatzmenge. In erster Lesung hatte der Ausschuß unter Ablehnung einer weitgehenden Staffelung nach dem Prozcntgehalt der ealje eine einheitliche Abgabe von 16 Mark für den Doppelzentner reines Kali beschlossen. In zweiter Lesung wurde eine Staffelung beschlossen. 'Danach beträgt die Abgabe bei Carnallit und Rohsalzen 10 Mark. Düngesalze mit 20 bis 22 Prozent reines Kali (K20) 13 Mark, mit 30 bis 32 Prozent 14 Mark, mit 40 bis 42 Prozent 15 Mark; bei Eblortalium unb schwefelsaurem Kali 17 Mark.
In Bezug auf den Fr-achtenausgleich erklärte Handelsministcr Shdow, daß unter die Ausganasstationen Salzungen ausgenommen werde. Es wurde protokolliert, daß auch für den Süden .Elsaß) bei weiterer Entwickelung der Werke dte Etnrtchtung einer Ausgangsstation möglich ist, desgleichen auch für den Osten. An den Abstimmungen beteiligten sich auch die Sozialdemokraten im vosittven Sinne. Sie ftimniten auch für die heute beschlossenen Inlandspreise mit der ausdrücklickren Begründung, daß durch manche Bestimmungen dieses Gesetzes der Kali-Industrie schwere Lasten auferlegt würden und man sie daher in den Preisen nicht zu schlecht stellen dürfe. Mit Rücksicht hierauf lehnten ste dte tret» sinnigen Anträge, die den inländischen Verbrauchern, erheblich nichtigere Preise verschaffen wollten, ab. Tic zweite Lesung wird in der Vollversammlung schon am Montag erfolgen können.
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Ter Reichstagsausschuß für das Hausarbeitsgcsetz lehnte die sozialdemokratischen Anträge über Lohnämter für die Hausindustrie «$ 16a) ab. Angenommen wurde eine Entschließung, wonach bei Vergebung von Aufträgen des Reiches diejenigen Hausindustriebezirke, in denen Tarifverträge bestehen, in erster Linie berücksichtigt werden sollen. Die zweite Leiung des Gesetzes wurde bann erledigt, wobei nur noch geringe redaktionelle Aenderungen erfolgten.
Deutsches Atü eh.
Ter auf der Durchreise in Berlin eingetroffene russische Minister des Aeußern Iswolski stattete dem Staarssckwetär Frhr. v. Schön einen Besuch ab._______
Ans Stadt und Land.
Gießen, 6. Mai 1910.
"Der Taschen fahr plan des Gießener Anzeigers liegt der Stadtauflage der heutigen Nummer bei, während die Abonnenten der Landauflage ihn in den nächsten Tagen erhalten. Der Fahrplan ist für das ganze nächste Jahr eingerichtet; am 1. Oktober werden nur, soweit es notwendig ist, Tekturen auLgegcben. Neu aufgenommen ist der Fahrplan der städtischen elektrischen Straßenbahn, sowie der neu eröffneten Strecken Butzbach—Bad-Nauheim und Butzbach—Oberkleen.
* * Lehrerperson alien. Ucb ertragen wurde dem Schulaintsaspirantcn Daniel Reising aus Lorsch die Lehrerstelle an der Gerneindeschulc zu Kocherbach. Erledigt sind: Eine Lehrerftelle an der evang. Schule zu Dieburg. Biit der Stelle kann Organistendienst verbunden werden. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Neu-Isenburg. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde- schulc zu Bischofsheim. Eine mit einer kath. Lehrerin zu Klein-Auheim.
* * Berufung nach Preuß en Als Oberlehrer in Görlitz bestätigt wurde vom preußischen Unterrichtsminister in Berlin der Lehramlsassefsor Dr. E. Henninger, zurz-eit am Großh. Real-Gymnasium in Mainz.
" Erledigt ist die Stelle des Forstwarts der Forst- wartei Thomashüttc.
* * L a n d w i r t s ch a f t § f a m m c r. Die 53. Vorstandssitzung hatte sich zunächst mit geschäftlichen Mitteilungen zu befassen. Es fanden Aussprachen statt wegen des Ueber- schusses der Jubiläums-Ausstellung in Mainz, wegen der Beschaffung von Medaillen für Pferdeschauen, Teiegierten» wähl zum Deutschen Landwirtschaftsrat, bctr. dteuwalsten zur Landwirtschaftskammer ufw. Tann wurde beschloßen, die Regierung zu ersuchen, weitere Maßnahmen gegen die Schweinepest zu treffen. Für Sortenvcrfuche in Weiten und Hafer wurden dem landw. Institut in Gießen 400 Mk. bewilligt und dementsprechende "Ausführ-ungsbcstanmungen zum Grundplau für Bodenkultur gutgeheißen. Tie Bestimmungen, betr. Abhaltung von Ob ftp Juck-, Verwertungs- unb Verpackungs-Kursen, wurden genehmigt. Bei dam Bezug vdn Gemüsesamen wird beschlossen, die einheimischen Samenzüchter mehr ,yt unterstützen. Bezüglich der Be- lämpfung von Rcbschädliugen wird nach einer Mitteilung des Ministeriums entgegen früheren Ausführungen in der
Kammer der L-andwirtschaftskammer das Recht cingerthimt, sich aus diesem Gebiete zu betätigen. Bezügl. der Schulen behält die Regierung das Vorrecht.
• • Die deutsche Bunsengesellschast hält gegenwärtig hier ihre 17. Generalversammlung ab. Die Tagung begann gestern mit einem BegrüßungSabend in SteinS Garten, während heute und morgen geschäftliche Sitzungen stattflnden. Am Samstag Nachmittag findet ein Ausflug nach Wetzlar zur Besichtigung der Leitz'schen Fabrik und am Sonntag ein solcher nach Bad-Nauheim statt.
* * Der 5. Kursus für V olksschullehrer im Landwirtschaftlichen Institut unserer Landesuniversität wurde am Dienstag nachmittag in Anwesenheit des Provinzialdirektors Dr. Usinger als Vertreter des Landwirtschaftlichen Bezirksvereins Gießen und des Kreisschulinspektors Schulrat Kleinschmidt von Prof. Tr. Gisevius eröffnet. Es handelt sich bei diesen Kursen darum, die Hörer nach einer bestimmten Methode in die ländliche Naturkunde eiuzusühren, um sie zu befähigen, in den ländlichen Fortbildungsschulen darin Unterricht erteilen zu können. Für den diesmaligen Kursus hat das österreichische Ministerium wieder 7 Lehrer aus verschiedenen 'Kronlän- bern zu uns geschickt, zu denen "ferner 5 Lehrer aus dem Kreise Gießen sich eingefunden haben, so daß das Auditorium aus 12 Hörern besteht. Der Kursus wird 30 Nachmittage in Anspruch nehmen und in etwa 2 Monaten beendet sein.
* * Hebammenwesen. Der Kreis-Hebammen-Ver- ein von Dieburg ist dem Verband der hessischen Hcbammen-Vereine beigetreten; dasselbe wird der demnächst zu gründende Hebammcu-Berein in Alsfeld tun.
" Stadtheater. Bestellungen auf Abonnements für die Operetten-Gastspiele werden möglichst frühzeitig erwünscht, da die Zusammenstellung der Abonnementsblocks Zeit erfordert, so daß bestellte Abonnements immer erst am nächsten Tage abgeholt werden können.
* • Der Zirkus Schumann hatte gestern sowohl zur Nachmittags-, als auch zur Abendvorstellung zwei sehr schöne Programme zusammengestellt, die sich des unemgeschränkten BelfalleS der zahlreichen Besucher zu erfreuen hatten. Von den neuen Vorführungen erwähnen wir das vierfache Tandem auf ostpreußischen Fuchshcngslen, die Ernst Schumann in allen Gangarten der hohen Schule mit bestem Erfolg vor- führte, die hübsche Stierkamps-Parodie des Elown Manolo und des August Fips, die Vorführung des Hans durch Willy Schumann jr., em sehr schönes und vergnügliches Dreffur- stückchen und besonders noch den goldenen Ritter, em Reiterstück Ernst Schumanns, der das prächtige, goldfarbige Pferd „Gold" im zischenden Funkenregen vorführte. Sehr schön mar auch die Vorführung des Springpferdes durch Oskar Schumann, und sehr viel Heiterkeit weiften die Spässe der Clowns Pippo, Theodor, Helfen, Siccard u. a.
• • Der gestrige Himmelfahrttag hatte trotz der kühlen Witterung einen regen Verkehr aufzuweisen. Der Zustrom der ländlichen Bevölkerung nach unserer Stadt war recht erheblich, und da das Theater gegenwärtig geschloffen ist, so hatte der Zirkus Schumann einen großen Zuspruch aufzuweisen. Aber auch die Wanderlust der städtischen Bevölkerung war recht rege und die beliebten Ausflugspunkte in unserer Gegend waren größtenteils recht gut besucht.
* * Zur Kellnerinnen frage. Im großen Hörsaal der Universität hielt am 4. Mai auf Veranlassung des hiesigen Gemeindefrauenvereins, des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins, Ortsgruppe Gießen, des Vereins der Freundinnen junger Mädchen und des Bezirksvereins Gießen gegen den Mißbrauch geistiger Getränke Frau Camilla I e l l i n e k von Heidelberg einen gutbesuchten Vortrag, in dem sic unter eingehender Begründung den Beitritt zu einer Massencingabe deutscher Frauen an den Bundesrat und den Reichstag empfahl, mit der das Verbot weiblicher Bedienung in Schank- und Gasllvirtschaften in größeren Orten erstrebt werden soll. In beredten Worten schilderte die Rednerin vom Standpunkte der Würde der Frau aus die Schmach und Erniedrigung, die für ein weibliches Wesen in der wirtschaftlichen Ausbeutung seiner Reize im Kcllnerinnenberufe enthalten sei, und bat zu den bereits vorhandenen 130 000 Unterschrift en der Eingabe noch weitere hinzuzusügen, selbst wenn dieses Vorgehen nicht einen vollen Erfolg zeitige, sondern nur einen Schritt vorwärts in der Kellncrinnenbewegung bedeute.
• • lieber Reichs-Wertzuwachs st euer läßt der Verein der Hausbesitzer am Samstagabend im „Hotel Schützt dllrch den Verbandsredner des Zentralverbandes der städtischen HauS- und Grundbesitzervereine Deutschlands, Stadtverordneten Pa ulig aus Frankfurt a. d. Oder, einen Vortrag halten. Es ist damit Gelegenheit geboten, sich über die Hauptpunkte dcS Gesetzentwurfs, der zurzeit in den ReichstagS- ausschußsitzungen beraten wird, zu unterrichten.
* • Radfahrer und Straßenbahn. In letzter Zeit häufen sich die Fälle, daß Radfahrer ihre Räder direkt neben das Straßenbahnglcls an den Bordstein stellen und sie dort längere Zeit ohne Aufsicht stehen (offen, so daß der Wagenführer eines herankommenden Motorwagens gezwungen ist, anzuhalten und das Rad beiseite zu setzen. Im Interesse eines sicheren Betriebes ist die Stcaßenbahnverwaltung gezwungen, die betreffenden Fahrrad- besitzer zur Anzeige zu bringen. Nach § 11 der „Vorschriften zum Schutz des Bahnbetriebes" dürfen Fahrzeuge jeglicher Art nur in einer solchen Entfernung vom Straßenbahngleis sichen gelassen werden, daß der Bahnbetrieb nicht gefährdet wird.
**VondenWandernden. In der Herberge zur .Heimat kehrten im April 1390 Gäste (gegen 1310 im April 1909) ein. Davon nahmen 665 (570) Herberge gegen Arbeitsleistung an und 725 (740) waren Sclbftzahlcr. Der Arbeitsnachweis hatte 127 offene Stellen zu besetzen, von denen 43 wegen Zurücknahme oder Fristablauf ausschieden. Auf den besetzten 84 Stellen wurden 35 Handwerker unb 49 ungelernte Arbeiter untergebracht.
△ Allendorf a. d. Lahn, 5. Mai. Schon längere Zeit wird am alten Steindruck) nach Kleinlinden zu nach Wasser gegraben, um eine Gemeindewasserleitung anzulegen. Der Erfolg ist bis jetzt gering gewesen, bei der letzten Messung waren nur 37 Kubikmeter Wasser täglich vorhanden. Tie Gemeinde will jedoch ein Tagesquantum von 70 Kubikmetern haben. Es wurde daher beschlossen, jetzt tiefere Bohrungen vorzunehmeu. Falls auch diese nicht den gewünschten Erfolg zelligen, wird das Wasserleitungsprojekt sehr in Frage gestellt.
? Hungen, 5. Mcu. In nicht geringen Schrecken wurden gestern nachmittag die Bewohner der Unterstadt versetzt. Kinder hatten in einem Hofe einen großen Haufen Fichtenreiser beim Spielen mit Feuerzeug angezündet
und die hoch emporlr-dernden Flammen hatten schon das Gebälk einer Scheuer angekohlt. Ein Glück war es, daß das Feuer gleich bemerkt wurde und von herbeieilenden Leuten gelöscht werden konnte, denn an dieser Stelle sind mehrere Hofreiten zusammengebaut, so daß ein ausbrechender Brand schlimme Folgen gehabt hätte.
X Ruppertenrod, 4. Mai. Ein reizendes Vogelidyll besitzt ein hiesiger Landwirt in einem Blutfinkenpaar (Dompfaffen). Dieses besteht ans einem Männchen und Weibchen. Beide Vöglein hat der Besitzer aufgezogen und fingen gelehrt. Beide Vögel waren gelehrige Schüler und lernten das Lied: „Sah ein Knab ein Röslein". Das aber ist das Auffallende, daß nicht nur das Männchen, sondern auch das Weibchen trefflich fingen lernte.
§ Grebenhain, 4. Mai. Am 12. und 13. Juni begeht der hiesige Gesangverein fein 30jähriges Stis- tungSfeft, verbunden mit Fahnenweihe. Da gegen 50 Vereine ihr Erscheinen zugesagt haben, dürfte das Fest, wenn die Witterung günstig, ein ziemlich umfangreiches werden.
)( Stockheim,. 5. Mai. Ter Besitzer des Dampf- sägewerks S. Ger lach brachte einen schlveren Buch en - stamm zum Sägewerk. 'Ter Stamm ergriff beim Fortrollen das Ende eines dicken Hebcbaumes, das andere Ende schnellle in die Höhe und traf Gerlach dermaßen am Kopf, daß er mehrere Meter über die Straße geschleudert wurde, besinnungslos und blutüberströmt liegen blieb. Die Verletzungen jinb bedeutend.
+ Bad-Nauheim, 5. Mai Ihren besten Tag seit ihrem Bestehen hatte heute die neue Bahn nach Rockenberg, das „Lieschen", wie's schon allgemein in der Bevölkerung genannt wird. Sämtliche 'üer Züge nach beiden Richtungen hin mären bis zum letzten Platz besetzt. 'Tic Nachmittagszüge konnten die Ausflügler nicht alle fassen.
R. B. Darmstadt, 6. Mai. (Tel). Prinz Otto zu Schaumburg-Lippe hat das große Grundstück des Parkhotels und des Löttingcrjchcn Felsenkellers an den Hirschlöpfen erworben, um darauf einen Herrschaftssitz zu errichten.
X. Offenbach, 5. Mai. Einen größeren Raum der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten nahm die Beratung der Rechnung der Stadtiasse für 1908, sowie des Voranschlags für 1910 in Anspruch. Das späte Fertigstellen der Rechnung für 1908 wurde in scharfen Worten bemängelt und der Verwaltung anempfohlen, gegen den säumigen Beamten vorzugehen. Bei der Beratung des Voranschlags pro 1910, der teilt besonders anmutendes Bild trägt, waren die Stadtverordneten Feistmann (bürgerL) und Ulrich (Soz.) die Hauptredner. Aus der in dem Voranschläge enthaltenen Uebersicht kann man feststellen, daß sich das Gesamtvermögen der Stadt auf rund 43 595 765 Mk. beläuft, während die Schulden rund 29 818 813 Mk. betragen. Für 1910 ist eine S t euer e r h ö hun g um 12 Pr oz., von 177 auf 189 Proz., erforderlich.
w. Main z. 4. Mai. Ter Kassierer des hiesigen Hafenarbeiterverbandes Anton Vlasbeck, der sich wegen einer Unterschlagung von VerbandSgeldern heute vor dem Schöffengericht verantworten sollte, hat sich heute früh erschossen.
= Atzbach, 4. Mai. Am 1. Mai waren 2 5 Jahre verflossen, seitdem Hauptlehrer Köster seine hiesige Stelle antrat. Dieser Tag wurde nun von der Gemeinde festlich begangen. Am Nachmittag versammelten sich in dem mit Kränzen geschmückten .Lehrsaal die Schüler der Oberllasse, der Kirchen-, Gemeinde- und Schulvorstand, der hiesige Gesangverein und Freunde und Gelaunte des Jubilars. Pfarrer Schnins hiell eine längere Ansprache. Der Gesangverein trug ein Festlied vor, ein zwelles Lied, auch unter Leitung des Lehrers Mutz, sangen die Schüler. Dann überreichte Gemeindevorsteher Veite als. Geschenk der Zivilgemeinde eine goldene Uhr mit Kette, Pfarrer Schnins namens des Kirchenoorstandes ein Tee» service und einen Blumenständer als Gescheut der Kllrder. Sämtlichen SckMern hatte der Jubilar Brezeln beschafft. In der Wohnung des Lehrers folgte dann der gemütliche Teil der .Feier.
s. Rodheim a. d. B., 5. Mai. Unter der „dicken Eiche" im Waldgirmeser Wald wurde heute nachmittag wieder ein erhebendes Missionsfest abgehalten. Trotz der ungünstigen Witterung war eine große airdächtige Gemeinde zusammengekommen, um das Himmelfahrtsfest würdig zu begehen, Nach cütcr Begrüßung durch Pfarrer V ö m e l - Rodyeim hielten die Herren A n t hes - Waldgirnres , Martin-Königsberg, B rache s- Blasbach und Vörnel Ansprachen. Dazwischen wurden Lieder der gemischten Chöre von Dorlar, Rodheim und Waldgirmes gesungen. Auch die Posauiuntchöre von Dorlar und Rodhcim. ließen sich wieder hören. 'Tic Kollekte war für die Heidelunijsion bestimmt.
s. Bieber b. Rodhcim, 5. Mai. Ter 16jährige Sohn eines hiesigen Erwvohners, der ui einem Kalksteinbruchc beschäftigt war, ist heute nackst freiwillig aus dem Leben geschieden. Er entfernte sich gestern abend aus dem elterlichen Hause und murb: heute morgen in einem Wassertümpel unweit der Steinmühü tot gefunden. Mütze und Portemonnaie hatte der Lebensmüde am User niedergelegt.
w. Frankfurt a. M., 5. Mai. Hcntc mittag fand die Eröffnung der im Städtischen Schlacht- und Vieh- Hof untergebrachten Schlacht- und Mastvieh-Aus ft eIIun g statt. Tic Eröffnungsrede hielt Stadtrat Levin. Vorn Landwirtschaftsministcrium waren Ministerialdirektor Schröder und Regierungs- und Landcsökonomierat Thomsen aus Berlin anwesend. Ferner waren vertreten, die Landwirtschaftskammer, der Landw. Verein Frankfurt a. M. durch ihre Vorsitzenden, der Polizeipräsident, zahlreiche Stadträte und Stadtverordnete, sowie die Vertreter der Fleischerinnungen und der Viehhändlervereinigungen. Die vom Kaiser gelüftete silberne Medaille erhielt eine Kalbin, gezüchtet von Freiherrn von Rotenhan, ausgestellt von der Geschäftsstelle des Bayerischen Landlvirtschastsrates für Schlachtviehverkauf in München.
GcrichtssacrU
w. Leipzig, 4. Mai Das Reichsgericht verwarf die Revision des Hausdieners Franz S e l z e r, der vom Schwm- gericht in Mainz am 12. März zum Tode verurteilt wurde, well er in der Nacht zum 11. November in W orms den Lehrer Christian Crugcr aus Anstiftung der inzwischen gestorbenen mit- beschuldigtcn Witwe Scheit ermordet hat.
w. Kiel, 5. Mai. Vor vber Strafkamm er mürbe gestern gegen zehn Angeklagte, unter denen sich zwei Frauen befanden, wegen der Wahlrechtskundgebungen in Neumünster am 13. Februar, bet denen es zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei kam, verhandelt 58 Zeugen waren geladen. Sämtliche Angellagten wurden verurteilt wegen Auslaufs, zum Teck auch wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Beleidigung, und zwar von 50 Mark Geldstrafe an bis zu einem Monat Gefängnis und zehn Tagen Haft. Von den angcklagten Frauen, wurde eine zu 50 Mark Geldstrafe, die andere zu einem Monat Gefängnis verurteilt.


