Ausgabe 
5.3.1910 Erstes Blatt
 
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160. Jahrgang

Samstag 5. März 1910

Die heutige Nummer umfaht 18 Seiten.

Glück, Pfarrer.

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Me Hauptfigur, Maria in goldenem Gewände, das Jesuskind auf den Armen, steht auf einem Halbmond (Attribut) und tritt einem Mohren (Attribut) auf die Stirn, versinnbildlichend den Sieg des Christentums über den Unglauben.

Die 4 Reineren Schnitzereien stellen dar: 1. die Verkündigung der Geburt, 2. die Geburt im Stall zu Bethlehem, 3. die An­betung der drei Weisen, 4. der Tod der Maria und die Be­weinung durch die Apostel.

Die Besiä)tigung des Altarschreins ist gerne gestattet. Sowohl im Pfarrhause wie.bei Äirctiendiener Ruppert ist der Schlüssel zur

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Ein alter Maricnaltar in Heuchelheim.

Die Heuchelheimer Kirche besitzt in dem wieder hergestellten Maricnaltar ein wertvolles Altertum. Früher hielt man ihn Wchlich für einen Gertrudisaltar, weil unsere Kirche, abhängig tont Kloster zu Altenberg bei Wetzlar, von Gertrudis, der Tochter der heiligen Climbeth und dritten Priorin des genannten Klosters erbaut worden fein soll. Man nahm an, daß der Altarschrein dieser heiligen Gcrtrnbis zu Ehren ausgestellt worden sei: aber nichts an demselben red-i fertigt diese Annahme. Die Hauptfigur i*t der Mitte: Maria mit dem Jesuskinde, sowie die übrigen tSruvven der wertvollen .Holzschnitzereien, welche sämtlich Dark- Wellungen aus dem Leben der Maria enthalten, kennzeichnen den Mtar als Marienaltar.

lieber das Alter des Kunstwerkes sind keine Angaben vov- Händen, doch wird man es, nach Ansicht der Sachverständigen, in die Mitte des L\ Jahrhunderts verlegen dürfen, da die Mcklercien bereits Spuren d.r Neugotik verraten.

Auf den beiden Flügeln des Altarschreins, der geöffnet ca. 31/s Meter Breite hat, befinden sich innen und außen fünf Bilder von Heiligen uird die Kreuzigung Christi.

Die Bilder, auf Leinwand gemalt und aufgezogen, stellen bar: links die heilige Katharina mit der heiligen Vlargarete, rechts die heilige Barbara mit der heiligen Elisabeth.

Auf dem linten Flügel befindet sich außen die Kreuzigung, auf dem rechten der heilige Martinns. Sämtliche Heiligen sind mit einem oder auch mehreren ihrer Attribute dargestellt, woran man sie erkennt.

Die heilige Katharina hat zu ihren Füßen ein Rad und in ihren Händen ein Schivert: sie wurde nach), der Legende im 4. Jahrhundert von Kaiser Mariminus, dem Dacier, nm ihres Glaubens willen gerädert und enthauptet. Die neben ihr stehende heilige Margarete 1297 , eine Büßerin, hat als Attribut zu ihrer Linken eine kleine Tenfelsfigur, dessen Versuchamgen sie sowohl in der Zeit ihrer Sünde, wie in der Zeit ihrer Bekehrung au's stärkste ausgesetzt gewesen sein soll.

Auf dem red ten Flügel sehen wir zuerst das Bild der hetligen Barbara v 235 mit ihrem Attribut, einem Turm, in welchen sie ihr Vater geworfen batte, der sie auch wegen ihres Chriften- Äaubens selbst getötet haben soll. Sie hat noch ein zweites. Attribut in ihrer Hand, nämlich einen Abendmahlskelch.

Ihr zur Seite stehl, die heilige Elisabeth von Thüringen (t 1231) tmb neben ihr, als Attribut ihrer Barmherzigkeit, ein nacktes Kind mit einem Körbchen. (Attribut. >

An, der Außenseite des rechten Flügels befindet sich das Bild des heiligen Martinns > 400 zu Pferd, mit eingm halbnackten Krüppel Attribitt den Mantel teilend.

Unter dem Kreuze Christi auf dem linken Außenflügel er­blicken wir die Mutter des Herrn und Maria Magdalena.

Die im Attarschrein stehenden Holzschnitzereien, jede «us einem Stück gearbeitet, sind Darstellungen aus dem Leben der -^aria.

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DiePetersb. Ztg." hat aus einer Unterredung dieses Mi­nisters folgende Aeußerungen wiedergegeben:

Ter Unwille der mazedonischen Bulgaren findet naturgemäß ein Echo im freien Bulgarien, und di? Erbitterung der ganzen bul- garisch en Bevölkerung gegen die Türkei paralvsiert in bedeutendem Maße das Streben der bulgariid?n Regierung und Herstellung freundschaftlicher Beziehungen zwischen der Türkei und Bulgarien Ter bulgarische Minister so heißt es weiter im Bericht spricht auch von der durchaus nicht glänzenden Lage der Türkei, von den Klagen 6ir Christen, von dem Zunehmen der Reaktion, von der Rebellion der Araber und der Befürchtung neuer Umwälzungen, un­erklärt, daß Bulgarien kein gleichgültiger Sufdxiuer der Ereignisse in der Türkei sein könne und sich vielleicht genötigt sehen werde, aktiven Anteil an denlaufenden Ereignissen" zu nehmen. Schließ­lich spricht er von der dringenden Notwendigkeit entschie­dener Maßnahmen."

Die Petersburger Staatsmänner scheinen ab­weichender Meinung gewesen zu sein. Ferdinand kehrt trotz überschwänglicher Freundscha,tsworte mit leeren Taschen zurück. Auch in Belgrad scheint man begriffen zu haben, daß int kranken Manne sich neues Leben regt, denn der bekannte serbische Säbelrassler Milovanowitsch reist nach Konstantinopel, um einer Aufforderung der Pforte gemäß beruhigende Aufklärungen" zu geben. Es handelt sich da bei um einen vorangegangenen Besuch des Thronfolgers Alexander in Sofia, also um das Verhalten Serbiens zu Bulgarien, und ferner um angebliche Sympathiekundgebun­gen Serbiens den Griechen gegenüber. Welch eine Wen düng seit anderthalb Jahren, als man von der Aufteilung der' Türkei gesprochen und die Gründung eines Balkan­bundes ins Auge gefaßt hatte!

Oesterreichs Abwehr der Libschistahrtrabgaben

Man hatte gemunkelt, daß bei dem Besuch des Grafen Aehrenthal in Berlin Herr v. Bethmann-Hollweg für Preußen wirtschaftliche Zugeständnisse Oesterreichs in der Schiffahrtsabgabenfrage herausgeschlagen habe, als Kom­pensationen für die Unterstützung der Politik Oesterreichs. In einer auffallend bestimmten Rede hat der österreichische Handelsminister diese Träume zerstört:

Wien, 4. März. Tas Abgeordnetenhaus beendet heute die erste Lesung des Budgets und überwies den Staats Voranschlag dem Budgctaussä?. Das Haus verhandelte bann über den Dringlich keitsantrag, betreffend die Elbeschiffahrtsabgaben.

Zur Begründung des Dinnglichkcrtsantrags vctr. die uonj Deutschen Reiche beabsichtigte Einführung von.Schiffahrtsvbgaben auf ter Elbe führte der Abgeordnete S tnrcef aus, daß Oester­reichs alter Feind sich bereit mache, ihm den Zutritt zum Meere und dadurch auch zum englischen Markte zu verwehren. Durch den unlündbaren Vertrag .von 1870 fei der öfterreid:isch-ungarisches Monarchie der Zutritt zum Meere gesichert worden. Preußen habe Lesterreich als Sekundanten immer brauchen können, wirt­schaftlich sei aber Preußen, bezw. Deutschland mit Oesterreich immer in gespannten, sogar in Kriegsverhälmiisen gewesen. Ter Redner will dem Handelsminister glauben, daß er zur Preisgabe der freien Schiffahrt aus der Elbe seine Zustimmung n i e e r - teile, und er hoffe, daß Oesterreich die für seine ökonomischen Interessen so Hochwichtige Frage so beantworten werde, wie seine Völker es verlangen, daß es seine völkerrechtliche Würde zu wahren wisse und daß Oesterreickrs Volkswirtschaft nicht Preußen auf Gnade oder Ungnade ausgeliefert werde. Er beantragte schließlich folgende Entschließung:

Die Regierung wird aufgefordert, mit allem dkachdruck dahin zu wirken, daß unter keiner Bedingung die Auslassung der

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Oeffentlichkeit gelaugten statistischen Feststellungen sind weit interessanter alle die Heilmittelvorschläge, die zur Lösung der Frauenfrage vorgebracht wurden:

Tie Zahl der erwerbstätigen Frauen nahm seit der Berufs­zahlung von 1895 um rund 3 Millionen (2 979 106) zu. Rach der Berufszählung von 1907 waren rund 8Vi Millionen (8 243 498) Frauen im Hauptberuf erwerbstätig. Tagegen nahm der Frauenüberschuß in der Beoölkerungsziffer seit 1895 um 153 633 Personen ab. 18tz2 tarnen auf 1000 Männer noch 1042 Frauen, 1907 nur noch 1026. Ta Staats- und Privat dienst eine ständig wachsende Anzahl lediger Frauen in Anspruch nehmen, bebauter der noch vorhandene zahlenmäßige Ueberschuß von 798 300 Frauen gegenüber den Anforderungen von Volks- und Familianwirtschaft tatsächlich bereits einen Frauenmangel. Dieser Tatbestand muß dahin führen, Frauenleben und -fräfte höher zu werten als bisher. Tie Zunahme der erwerbstätigen Frauen betrifft sämtliche Berufsabteilungen. Am stärksten ist sie in der Landwirtschaft, am zweitstärksten in der In­dustrie.

Als weitere bemerkenswerte Welle der F-rauentätigkeit hat noch eine große Versammlung von Schauspielerinnen in der Reichsbauphstadt Aufsehen erregt. Tausende von Künstlerinnen klagten über ihre Not, über die Gefahren, denen ihr Beruf ausgesetzt sei. Diese Klagen sind nicht neu, aber der Notschrei kann nicht oft genug wiederholt werden, daß zuviete weibliche Wesen sich der Bühnenkunst widmen. Wer es in reinlicher Absicht dennoch tut, mag sich die Augen darüber öffnen lassen, daß neben dem äußeren Glanz und Flimmer die bitterste Gefahr der Prostitution lauert. Ein Reichstheatergesetz kann die Uebekstände nur zum Teil be­seitigen. Tas übrige müssen die Direktoren und die Künstler selbst tun. Frauen und Künstlerinnen, die unter so schwie­rigen Verhältnissen sich durchringen und ihren Stolz be­wahren, sind im bürgerlichen Leben einer doppelten Hoch­schätzung wert.

In der Balkanpolitik sind wieder neue Schritte geschehen. Ferdrnand, König der Bulgaren, hat mit seinem Minister der auswärtigen Angelegenheiten dem Zaren einen Besuch abgeplattet, und es ist auffällig aller Welk verkündet worden, daß dieser Besuch einen politischen Zweck und Erfolg gehabt hat. Dicke Freundschaft, das ist der Inhalt der gestern ver­öffentlichten amilichen Betau., machung. Wiederum bewährt sich die feste deutsch-österreickusche Haltung in bezug auf die Unterstützung einer friedlichen Entwickelung in der Türkei. Tenn was hätte näher gelegen, als daß die bulgarischen Besucher in Petersburg im Hinblick aus die neuesten türkisch- bulgarischen Grenzscharmützel das Messer hätten wetzen mögen! Heute wäre die Gelegenheit vielleicht noch günstig, dem Jranfen Manne den Todesstoß zu versetzen, in der Zukunft wird er sich vielleicht wieder erholt Habern denn übereinstimmend wird ja von den verschiedensten Stellen berichtet, daß der alte türkische Schlendrian beseitigt und insbesondere, die nationale Wehrmacht am Goldnen Horn neu gekräftigt wird. Tie türkischen Staatsmänner werden der deutschen Freundschaft für so tatkräftige Unterstützung in gefahrvollen Tagen nicht dankbar genug fein können. Die auffällige Betonung der freundschaftlichen Beziehungen zu der Türkei in den Abmachungen bei dem bulgarischen Königsbesuch wiegt umso schwerer, als der bulgarische Mi­nister des Auswärtigen, Paprikow, vor ein paar Tagen, gleichfalls bei seinem Besuch in der russischen Hauptstadt, Worte von etwas anderer Klangfarbe gesprochen haben soll.

politische Wochenschau.

Gießen, 5. März.

In der allgemeinen Wahlrechtsbewegung spielen trotz der eifrigen Bemühungen der Sozialdemokratie die Frauen nur eine winzige Rolle. Obgleich die Erwerbstätigkeit der Frauen in den mannigfachsten Berufsarten erheblich zu­genommen hat, ist es in ihrem Kreise politisch stille ge­blieben. Wenn beute die Sozialdemokratie auch für das weibliche Geschlecht Platz an der Wahlurne schaffen möchte, so wird diese Wahlrechtsforderung am allerwenigsten von sich reden machen: die deutsche Frau will glücklicher­weise von der Politik, die heute mehr denn je von Parteihaß und Massenblendung beherrscht wird, wenig wissen (Kewiß, die Politik ist nötig, und unter allen fünften ist sie wahrlich nicht die unbedeutendste, aber ihre Wirkung wird nicht er­freulicher, wenn sie lvie eine unedle Wucherblume endlose Gefilde bedeckt und andere, gleichberechtigte Lebensregungen hemmt und bedrückt. Nun sind in der abgelanfenen Woche einige Knospen gedrungen, um ihren Blütenkelch hem Auge darzubieten und uns zu neuen Erwartungen zu berauschen; aber es war nichts Rühmenswertes dabei. Die Frauen­bewegung für Mutterschutz, die in Halle an der Saale eine Hauptabrechuung abhielt, hat nur einen mageren Flor ent­hüllt, und der Blutenstaub, den die Winde davontrugen, wird wahrscheinlich wenig neues Leben ersprießen lassen. Frl. Dr. Helene Stoecker wurde durch die Verlegung des Borstandssitzes unsanft genötigt, tfjren Hirtenstab nieder- n'.legen, und man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, ils ob all die "Persönlichkeiten, die an der Spitze der Mutter­schutzbestrebungen standen, der hohen Einsicht und Lauter- teif. der Gesinnung mangelten, ohne die eine gute Sache nicht geführt werden kann. Eitelkeit und Hochmut, Neid und Gehässigkeit bfieien auf der Hallenser Versammlung arge Mißt länge. Nachdem die Oeffentlichkeit erfahren hat, daß cs mit der Führung der Kasse und der Vorstandsgeschäfte so bedenklich haperte, wird der Bund für die nächste Zu fünft schwerlich einen großen Zulauf haben. Mutterschutz ist ein gutes Wort.Und wenn dich einer schmähen will, so ;eig ihm Ttumm dein schönes Kind . . ." Wer die rührenden Worte Hebbels um die Verlassenen mitempfindet, lvird auch das gemeinnützige Ziel, die Not armer Mütter und ihrer Mürber zu lindern, gerne billigen. Aberzwischen Lipp und j Kelchesrand schwebt der finsteren Mächte Hand", besonders wenn in dem Kelch die Mischung nicht immer in der gleichen Klarheit blinkt Und das angepriesene Lockmittel der freien Liebe nicht nach jedermanns Geschmack ist. Tie Elemente, die sich heute der Pdutterfchutzbewegung angeschlosten haben, sind gar zu verschiedenarttg; soll die milde und hilfsbereite Frau, der es widerstrebt, sich die Disteln der Politik ins Haar zu flechten, aus die Dauer geduldig neben denen sitzen, die,drehend die Spindel mit purpurfarbener Wolle", einen ganz anderen Ehrgeiz im Herzen tragen? Wer sich der Armen und Verlassenen annehmen will, hat in seinem I nächsten Umtreis reichlich Gelegenheit dazu. Wirke aus I der 9Läh', nicht aus der Ferne!

Auch dieZweite deutsche Konferenz zur Förderung der | Arbeiterinneninteressen", die soeben in Berlin getagt hat, I wird niete Anregungen in Umlauf bringen. Die dabei in die

und Sie und ich würden uns dann weder über Kometen nacht über etwas anderes zu unterhalten Gelegenheit haben. Ich hoffe, dieser Bries wird Ihnen die Beruhigung geben, die Sie brauchen. Soweit ich es übersehen kann, werden wir uns um den 12. Mai in dem Schweif des Haileyschen >bometen befinden und ich hoffe sehr, baß wir es werden. Ich erinnere mich, daß der berühmte John Herschel irgendwo einmal gesagt bat, ein ganzer Komet könne zufammengequctscht in einer Manteltasche untergebracht werben." Herschel spricht auch einmal davon, daß der Schweif eines großen Kometen nur aus sehr wenigen Pfund Materie bestehen könne. Da der Schweif eines Kometen durchsichtig ist, muß er ja aus einem sehr dünnen Stoff bestehen, denn wenn er au ch nur die Dichte der Lust besäße, könnte er bei seiner kilometerweiten Tiefe nicht mehr durchsichtig sein.

Auch eine Kritik, kürzlich wurde im Deutschen Theater zu Berlin Hebbels Judith gegeben, lieber die Dar­stellung der Judith durch Tilla Turieux urteilt Alfred Kerr imTag":Die Turieux. Reizvoll! lAber wenig Hebbels- Teilchen aneinandergefetzt. Ohne -Strom. Als Psyck>e nicht voll genug. Ebvli-Arien, worin sie csgibt", am Aktschluß, glänzend. Aber ein gemachtes Visionärtum. Empfindungen, die nicht ge­wachsen traren, sondern geleistet wurden. Eine seltene Sprecherin. Ein Anblick. Eine Kultur. Alles: bald Hirschkuh (die Paprika gegessen hat), bald int Zelt berückend, fast als Bauchtänzerin, farbig-leuchtend: bloß ohne das Wittern des Mystischen, mal wie eine Jeanne d'Arc, nicht zu groß, lieblich, eplsst; eine tragisch fesche Judith. Jeanne d'Arc hatte noch iüe~i ige Halb­heit der katholischen Mythik intb bie heiter-gemäßigte Sonne Frank­reichs zum Trost; etliä-e Naivhcit in ihrem (schick; Jeannes Schmerzen waren gewissermaßen von Joseph Haydn komponiert , bie Durieur könnte das, wenn sie nicht so elegant wäre: doch die Urtiesen der Tochter eines Urvolks, allein auf ihre Seele gestellt, am ihre Verlassenheit im All, auf ihr Wollen, brauend umwittert? Nein." Meschugge! Komplett! Worte! Mystisch (wie eine Grabkapelle dos Quattrocento).

Das vergeßliche Theaterbureau. Ein bei Breslau lebender Rittergutsbesitzer und Theater-Schriftsteller erhielt dieser Tage ein kleines Paket ntit dem Aust)ruck einet Breslauer Theaterdirektion. Neugierig öffnete er bie Senbung unb fanb barin ein Exemplar eines von ihm versaßten Theater stückes mit folgerrdem Anschreiben:Zehr geehrter Herr! Anbei Ihr Merk " zurück, ba für unsere Bühne ungeeignet. Hoch achtungsvoll bas Sekretariat bes -" Soweit wäre an her Sache nichts Besonderes. Nun kommt aber bie Pointe: Das als ungeeignet" zureckgcsenbete Stück ist, wie bieBresl. Morg. Ztg." hinzusügt, vor zwei Jahren an dem betreffenden Theater unter der gleichen Direktüon irtit Erfolg aus­geführt worden. Daß ein bereits von einet Bühne auf geführtes Stück von dieser nachträglichabgelehnt" wirb, bas dürfte selbst in unserer an Kuriositäten reichen Theatergeschichte noch nicht dagewcsen fein.

Kirche unentgeltlich zu haben.

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Eine unbekannte Jugendarbeit Adolf M tz n z e l s veröffentlicht Ernst Schulz-Besser in der nächsten Nummer desKunstmarkt". Das Blatt stammt aus dem

Jahre 1838 und ist mit der Feder lithographiert. Es ist eine Karte zum Stiftungsfest desVereins der jüngeren Künstler". Von prachtvoller Schlagkraft ist hier, wie durch die weitaufgerissene Flügeltür, über der die Ankündigung des Festes prangt, die Künstlerschar lärmend ins Zimmer stürzt. Ein Stuhl fliegt zur Seite, Ungeschickte geraten ins Stolpern. Tste Vorderinänner aber stutzen vor dem Licht, das die friderizianisch ausstaffierten Diener ihnen entgegenhalten Im kleinen vollendete Komposition, sichere Beherrschung der Feder, scharse Charakteristik zeichnet dies Werk des dreiundzwanzigjährigen Menzel aus.

Ein neuer Komet, vermutlich 1910b, ist der Umschau" zufolge, auf der Genfer Sternwarte von dem Astronomen Pidoux entdeckt worden. Der neue Komet, der sich langsam nach Südosten bewegt, steht gegenwärtig im Sternbilde der Fische.

Komet und N as hvr n. Durch unvorsichtige Ver- ösfeMlichungen einiger Zeitungen hat sich mancher Leute eine, große Furcht vor den Kometen bemächtigt, bie ihnen sowieso schon im Blute sitzt. In ihrer Angst haben sich viele Menschen an Den volkstümlichsten Himmelsforscher Englanbs, ben berühmten Robert Ball gewenbet, imb um genaue Auskunft über das Drohende Unheil gebeten. Ball veröffentlicht nun in derTimes" folgende nicht gerade fünfte Erklärung:Mein verehrter Ein Rhinozeros in vollem Sauf würde den Zusammenstoß mit einem Spinn web nicht fürchten, und die Erde hat es ebensowenig nötig. Den Zusammenstoß mit einem Kometen zu fürchten. Im Jahre 1861 reisten wir durch den Schweif eines Konieten und niemand hat damals irgendwas davon gemerkt. Für etwa hundert Mil­lionen Jahre hat das Leben auf dieser Erde ohne Unterbrechung bestanden, obgleich- unser Welttörper in dieser Zeit wohl von mindestens fünf Kometen in jedem Jahr Besuch empfangen hat. Wenn Kometen der Erde überhaupt Schaden zufügen könnten, so würde das wohl schon vor langer Zeit einmal geschehen fein.

Nr. 54 Erstes Blatt

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