HL 259 Zweites Blatt
160. Jahrgang
Erscheint tLgkich mü Ausnahme de§ Genntsg*.
Die „Gießener LamIliendttMer- werden dem ,91n»etfler* viermal wöchentlich beigelegt, daS „Ureisblatt für den Ureis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Laabwirtlchaftlichei, Lett» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheßen
Steltag, 4- November 19(0
Rotahontbnirf und Verlag der vrühl'fchen UnwerstlälS - Buch- und bieindruckerei.
«.Lange, »ießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: bchul« straße 7. Expedition und Verlag: e^SföL «edatNom^MS 112. LeL-Adru AnzeigerGreß«.
Aus dem Strafprozehausschuh.
:: Berlin, 3. Nov.
Der Strafprozeßausschuß beendete heute zunächst die Beratung des Abschnitts Voruntersuchung". In dem Abschnitt über bie Eröffnung des Hauptverfahrens hatte der Ausschuß in der ersten Lesung eine Bestimmung eingefügt, nach der auch in den vor den Amtsgerichten zu verhandelnden Sachen die Anklageschrift dem Angeklagten unter Bestimmung einer Frist mitzuteilen ist, innerhalb deren er Einwendungen erheben und Beweisanträge stellen kann. Diese neue Bestimmung war recht umstritten. Man griff sie an, weil dadurch das Amts- gerrchtsverfahren bureaukratisiert und verzögert würde. Dagegen wurde geltend gemacht, daß dem Amtsgerichte durch dre neue Strafprozestordnung eine Reihe von schwereren Delikten überwiesen worden seien, bei deren Verfolgungen für den Angeklagten dieselben Garantien eingeführt werden müßten, wie in den übrigen Verfahren. Die Abstimmung ergab eine Mehrheit für die Beseitigung des Beschlusses erster Lesung.
Nach § 197 der Strafprozeßordnung steht der Staatsanwaltschaft die sofortige Beschwerde zu, wenn ein Gericht den Antrag auf Eröffnung des Hauptverfahrens wegen Unzuständigkeit ablehnt. Es war ein Antrag gestellt, dem Angeklagten dasselbe Recht einzuräumen; dre jc^ige Fassung wurde jedoch berbehalten.
Zuni fünften Abschnitt des BucheS über das Verfahren in erster Instanz, der die Vorbereitung der Hauptverhanb- lung regelt, nahm der Ausschuß einen Antrag an, wonach mittellosen Angeklagten bei großer Entfernung des Wohnortes auf ihren Antrag diese Reise zum Gericht durch unentgeltliche Gewährung einer Fahrkarte ermöglicht lver- den kann.
Zum § 232 im Abschnitt „Hauptv erhandlung" lag der Antrag vor, als neuen Absatz die Bestimmung hm- zu^ufügen: „&e Beweisaufnahme ist auf die sämtlichen vorgeladenen Zeugen und Sachverständigen sowie auf die anderen herbeigejchafften Beweismittel zu erstrecken; von der Erhebung einzelner Bewerfe kann jedoch abgesehen werden, „wenn die Prozeßbeteiligteu hiermit eillverstanden sind"— und die Bestimmung zu streichen, daß die Erhebung eines Beweises, falls das Beweismittel zur Stelle ist, nicht deshalb abgelehnt werden kann, weil die unter Beweis gestellte Tatsache für die Entscheidung ohne Bedeutung sei. Von anderer Seite war ein Antrag eingegangen, der das geltende Recht wieder Herstellen will. Dieser § 232 ist einer der wichtigsten der ganzen Prozeßordnung, denn es handelt sich um das Beweisrecht des Angeklagten rn der Hauptverhandlung und um dre Frage, ob oem Angeklagten vor der Verurteilung nrcht wenigstens die volle Freiheit der Beweissührung zugestanden werden muß. Die Aussprache hierüber kam heute noch nicht zu Ende. Weiterberatung Freitag vormittag.
Die „Wahrheit" vor Gericht.
4 Berlin, 3. Nov.
Zu Beginn der heutigen Sitzung erscheint der gestern Der» schwuirdene Zeuge Journalist Kleb Inder, genannt Binder, und entschuldigt feine gelinge Abwesenheit mit Krankheit und schwerer seeliicher Depression. Seine Vernehmung gestaltet sich, weil der aufgeregte Zeuge fortwährend auf andere Thematas zu konmien sucht, äußerst charakteristisch und temperamentvoll. Er schildert einen „Klavierhandel" zwischen der Redattrice Frau Mary Berg- Lrubemami und dem Klavierhändler Hintze, der einen Großhandel mit alten Instrumenten der größeren Klavierfirmen Deutschlands betreibt. Noch seiner Darstellung, die aus Angaben von Hintze beruhen soll, hat Fran Berg-Lindemann Herrn Hintze eingeladen, sie zu besuchen. Sie habe eine elegant eingerichtete Wohnung und wolle ein Klavier kaufen. In der Wohnung der Dame sei es dann zu einigen Zärtlichkeiten gekommen, und Herr Hintze lieferte einige Zeit später als Aequivalent em Klavier, das eine alte bekannte Firma trug. Frau Berg-Lindemann will nun die Entdeckung gemacht haben, daß das Klavier durchaus wertlos sei. Sie schrieb deshalb an Hintze und sprach dabei von Betrug und Schweigegeldern. Aus dieses Schreiben hin lud Hintze die Dame zu sich ein, steckte aber vorher vorsichtshalber eilten Lehrjungen unter das Kanapee und seinen Geschäftsführer ins Nebenzimmer. Als Frau Berg-Lindemann erschien, begannen unter Zeugenschaft der beiden Versteckten die Verhandlungen über ein Schweigegeld. Frau Berg-Zindemann erfiäiie stch mit 3000 Mark einverstanden, als ihr Herr Hintze die drei Tausendmarkscheine von weitem zeigte. Als er das Einverständnis hatte, steckte er die Scheine wieder ein und verklagte Frau Berg-Lindemann wegen Erpressung. Die Untersuchung in der Sache schwebt noch. Tie „Wahrheit" hat sich dann des Falles bemächtigt und verschiedene Artikel gebracht. Der Zeuge erklärt, daß der Angeklagte Bruhn in dieser Angelegenheit seine Hiebe gleichmäßig nach rechts und links verteilt habe.
Es wird dann In der Erörterung des Falles Wertheim sortgefahren und zunächst die Verlesung der hierzu vorliegenden Artikel der „Wahrheit" zu Ende geführt. Zunächst wird der Warenhausbesitzer Wolf Wertheim vernommen, der zunächst mit seinen drei älteren Brüdern das alte Stammhaus in der Leipziger Straße leitete, dann aber mit diesen in Differenzen geriet und das Passagekaufhaus eröffnete. Der Zeuge behauptet unter großem Staunen Von Gericht, Zeugen und Zuhörer- schaft, daß die in der „Wahrheit" erschienenen Artikel gegen das Warenhaus Wertheim sich speziell gegen seine Person gerichtet hatten, da seine persönlichm Verhältnisse in den Vordergrund gerückt gewesen seien. Er habe Inserate an die „Wahrheck" gegeben, um diese feindseligen Artikel zu verhindern.
Der Vorsitzende mackst den Zeugen darauf aufmerksam, daß seine Darstellung sehr seltsam sei, Bruhn habe ihn, den Besitzer des Passagekaushauses. im Gegenteil immer günstig behandelt, die Angriffe hätten sich nur gegen die alte Firma gerichtet. Die günstigen Artikel über das Passagekaufhaus seien sogar fortgesetzt worden, als er, der Zeuge, keine Inserate mehr aufgegeben habe. Ter Zeuge erklärt dies damit, man habe sich den Anschein geben wollen, als ärgere man sich darüber nicht. Dem Zeugen werden verschiedene Umstände vorgehalten, aus denen heraus seine Anschauung eine irrige sein müsse, er bleibt aber bet seiner Darstellung und gibt schließlich zu, daß er seinen Bruder Georg für den Hintermann der „Wahrheit" halte, der dieser das Material über seine, des Zeugen, persönliche Verhältnisse geliefert habe.
Der jetzige Leiter des großen Wertheimschen Warenhauses in der Leipziger Straße Georg Wertheim bekundet als Zeuge zu dieser Sache, daß er weder direkt noch indirekt durch Mittelspersonen die „Wahrheit' über persönliche Verhältnisse seines Bruders informiert habe, um etwa einen Truck auf diesen auszuüben. Der Angeklagte Bruhn habe ihm auch niemals das
Angebot gemacht, in der „Wahrheit" zu inserieren Auf die Frage, was er zu den Erklärungen seines Bruders Wolf zu sagen habe, zuckt der Zeuge schweigend die Achseln. Wolf Wertheim erklärt auf Befragen, daß er seine Ansicht, Bruhn habe mit seinen Artikeln erpresserisch Zwecke verfolgt, nunmehr nicht länger aufrecht erhalten könne.
Darauf resümiert der Staatsanwalt, daß er kaum noch die Anklage im Falle Wertheim werde aufrecht erhalten können. Nach Verlesung einiger Artikel über den Spielklub Berolina werden die Verhandlungen auf morgen vertagt.
Au- Stafct und Land.
Gießen, 4. November 1910.
Von der Edertalsperre.
Die «Edertalsperre wird nach ihrer voraussichtlichen Vollendung 1914 eine Wassermenge von 2 2 0 Millionen Kubikmeter fassen und damit das größte Staubecken Europas sein. Die Wasserfläche wird sich zwischen Herzhausen im ehemaligen hessendarmstädtischen Kreis Vöhl bis nach Hemfurth im waldeckischen Kreis Eder erstrecken. Die Orte, die vollständig verschwinden, sind Asel, Bringhausen und Berich, ferner die Gehölfte Bornhagen, Stollmühle, Bericherhütte und einige Mühlen an der Werbe und dem Aselbach. Von den Dörfern Herzhausen und Nieder-Werbe bleiben nur einige Hochliegende Häuser stehen. Vielfach sieht man in den Dörfern schon verlassene Hofreiten, ja sogar abgebrochene Anwesen. Die Bewohner werden sich meist in der preußischen und waldeckischen Umgebung ansiedeln, nur wenige gehen nach Posen. Die große Mauer wird kurz oberhalb Hemfurth, da wo steile Höhen dicht an die Edor herantreten, errichtet. In den' letzten Wochen sind die Arbeiten dank des günstigen Wetters gut fortgeschritten. Etwa 500 Arbeiter waren beschäftigt, darunter über 300 Erdarbeiter, etwa 75 Maurer und etwa 100 Personen bei den Maschinen, in den Stkinbrüchen, Bureaus usw. Alle möglichen Sprachen hört man unter den Arbeitern, die aus Deutsck)eii, Italienern, Bosniaken Kroaten und Polen bestehen. Die Mauer erhält eine Länge von etwa 400 Meter und eine Höhe von 50 Meter, die Mauerftärke beträgt an der Sohle 35 Meter, auf der oberen Plattform 5 Meter. Sie wird ein Mauerwerk von 280—300 000 Kubikmeter umfassen. Während in der Mitte und am Westrande des Tales Baggermaschinen die Erdarbeiten besorgen, wird am Ostrande schon an der Mauer gearbeitet. Eine Betonschicht ist hier treppenförmig und metertief in die Felsen eingelassen, die Felsen an der Seitenwand werden zuerst mit Zementmilch verdichtet. Die untere Mauer ist drainiert. In der 35 Meter starken Grundmauer bleiben etwa 2—3 Meter breite Durchlässe, die vorläufig mit Pfropfen ausgemauert werden, später aber Turbinen für Kraftzwecke aufnehmen können. 40 pferdige Motore sind fortgesetzt in Tätigkeit, um das Grundwasser aufzusaugen. Als Baumaterial zur Sperrmauer dienen Grauwacke und Trassekalkmörtel. Bei Vringhausen ist ein großer Steinbruch geplant. Die Baggermaschinen sollen bis Frühjahr mit dem Ab heb en des Mutterbodens bis auf die Felsen fertig sein. Bis dahin ist auch die Ostseite der Mauer bis auf etwa 12 Meter gediehen. Ein neues Flußbett ist bereits vor der Mauer entlang gegraben, um nächstes Jahr die Eder nach der Ostseite zu leiten. Alsdann wird die Mauer an der Westseite begonnen. Zur Herbeischaffung des Baumaterials dienen Feldbahnen, auch hat man dazu eine Eisenbetonbrücke über die Eder gelegt. Eine Drahtseilbahn führt in einer Höhe von etwa 80 Fuß über die Mauer von einem Ufer zum andern, diese soll ebenfalls zur Beförderung von Baumaterial bienen. Man hat berechnet, daß die Eder bei Hochwasser in der Sekunde 500 Kubikmeter Wasser gibt, und daß damit, wenn gar nichts abfließen würde, die Talsperre in acht Tagen gefüllt wäre. Das Gelände der Edertalsperre und das Baugelände der Sperrmauer sind im Herbst von Wanderern fortgesetzt stark besucht worden.
— TageSkalendrr für Freitag, 4. Novbr.: Stadt- t h e a t e r: .Jugendfreunde.- Anfang 8 Uhr.
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• • Fahrpreisermäßigung für Arbeitnehmer und Handwerker zum Besuch der Brüsseler Weltausstellung. Die Weltausstellung in Brüssel wird am 7. November geschloßen. Die Fahrpreisermäßigung für die Rückfahrt wird von den Fahrkartenausgaben der deutfch- velgifchen Uebergangsstatlonen nur noch big zum 10. November (einfchl.) gewährt.
• • Der Turnverein veranstaltet morgen abend in seiner Turnhalle am OSwaldß Garten sein Winterfest, für vaS ein sehr gewähltes Programm aufgestellt worden ist. U. a. wird die Kapelle des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm unter der Leitung des Obermusikmeisters Löber Mitwirken und außerdem werden turnerische Darbietungen der verschiedensten Art und Gesanqsvorträge geboten. An das Unterhaltüngsprogramm wird sich der herkömmliche Ball an- schließen.
* * Das hessische Tuberkulose-Wander- Museum war in den letzten Wochen im Kreise Friedberg (Gamb ach, Bad-Nauheim und Vilbel) ausgestellt und von über 2200 Personen besucht. Hieran mrgereiht haben sich die Orte Gedern mit 900 und Laubach mit über 1200 Besuchern, zusammen im Streife Schotten 2100 Personen. Gegenwärtig befindet sich die Ausstellung im Streife Lauterbach, in dem Schlitz und Herbstein in Frage kommen. Demnächst geht sie in den Kreis Gießen und von da auf einige Wochen nach Straffet Bis jetzt wurden insgesamt 320 000 Besucher gezählt.
* * Billige Briefe nach Nordamerika. Die nachstehend verzeichneten Dampfer befördern Briefe zu dem ermäßigten Portosatz vvn 10 Pfg. für 20 Gr. zu den angegebenen Zeiten nach Den Bereinigten Staaten von Nordamerika. „George Washington" ab Bremen 8. Nov.; „Kronprinz Wilhelm" ab Bremen 15. Nov. ; , Kais er in Auauste Viktoria" ab Hamburg 19. Nov.; „Kaiser Äilhelm der Große" ab Bremen 29. Nov.; „Rhein" ab Bremen 3. Dez.; „Amerika" ab Hamburg 10. Dez.; „George Washington" ab Bremen 13. Dez. Alle diese Schiffe außer „Rhein" und „George Washington", bei der Fahrt ab Bremen am 3. Dezember und 13. Dezember sind Schnelldampfer oder solche, die für eine bestimmte Zeit vor dem Abgang die schnellste Besördernngs- gelegenheit bieten.
Kreis Schotten.
-r. Schotten, 3. 91 oo. Zur Erinnerung an die Anwesenheit des GroßherzogH und deS Kaisers von Rußland auf Dem Taufstein soll daselbst eine Linde gepflanzt werden. Mit der Einweihung wird eine kleine Feier verbunden.
-r. Ulrichstein, 3. Nov. Mit den Arbeiten auf dem Felde mußte jetzt Schluß gemacht werden, denn feit gestern fallt Schnee. Es ist kälter geworden.
Laubach, 3. Nov. Die vom 26.—31. Oktober 1910 hier im Gasthaus „Zur Traube" gezeigte Tuberkulo- en-Ausstelluug wurde gut besucht. Die Zahl der Besucher betrug 1225. In der aufgehängten Sammelbüchse befanden sich am Schluffe 16.50 Mk. Von beiden hiesigen Aerzten wurde an Wochentagen je ein Vortrag, am Sonntage zwei Vorträge gehalten.
Kreis Friedberg.
L. Friedberg, 3. Nov. Das gern besuchte Ziel vielen Touristen und Schulen, auch der Nauheimer Kurgäste, ist «den Wntterstein. Stille Wege lühren zum Forsthans Winterstein. Der alte, nun in den Ruhestand versetzte Förster weiß uns auf Grund alter Erfahrungen genauen Bericht über die kommende Witterung 'zu geben. Die Großherzoglichcn und Rusfischen Herrschaften waren in diesem Sommer auf dem Forsthaus Winterstein gewesen. Die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich, die oft als Kurgast m Nauheim lebte, weilte öfters hier und unter den vielen Kränzen, die ihren Sarkophag schmückten, lag auch ein einfacher; Kranz aus Heideblumen des Wintersteins.
l. B u tz d a ch, 3. Nov. Nachdem die hiesige Bürger- mei st erwähl auch in letzttnslanzlicher Entscheidung des Ministeriums des Innern die Bestättgnng nicht gesunden hat, findet demnächst die Neuwahl eines Bürgermeisters statt. Für die Wahl wird die Liste der Stimmberechtigten, die bei der letzten Gemeinderatswahl benutzt worden ist, ohne nochmalige Offenlegung, zu Grunde gelegt und nur die Personen sind stimmberechtigt, die in dieser Liste stehen. Die bayerischen Staatsangehörigen sind nicht stimmoerech- tigt. — Kirchenrat Schrimpf und dessen verstorbene Ehefrau Emilie, geb. Schudt, haben dem hiesigen Armenfonds eine Stiftung von 400 M k. vermacht, wovon die Zinsen zu Weihnachten jeden Jahres an arme Hospitaliten zur Anschaffung von Weihnachtsgeschenken verwendet werden sollen. Sind in einem Jahre keine unterstützungsbedürftigen Hospitaliten vorhanden, so sollen die Zinsen kapitalisiert werden. Die Armenkommijjion hat diese Schenkung für den Armenfonds dankend angenommen. Die Stiftung soll den Namen fuhren: „Skirchenrat Schrimpf- Stiftung für arme Hospitaliten".
X Steinfurth, 3. Nov. Bis in die letzten Tage hinein wurden noch täglich Rosen geerntet und versand, besonders nach Berlin. Die Rosenpakete werden abends in Bad-Nauheim zur Post gegeben und am nächsten Morgen stehen die Ro|en schon auf dem Berliner Markt zum Verkauf aus. Erst die letzten Regentage und einige falte Nächte haben die Emie, die sich noch nie so lange hm aus dehnte wie in diesem Herbst, ein plötzliches Ende bereitet. An Stelle des Blumenversandes tritt jetzt der Versand cum Stecklingen und Ablegern, besonders der ferneren Sorten^ die in diesen Wochen massenhaft nach allen Tellen Deutschlands und des Auslandes verschickt werden. — Die „Rosenbauern" sind jetzt fleißig mit der Bearbeitung und Bestellung ihrer Rosenfelder beschäfttgt. _
X Bad-N anheim, 3 Nov. Mit dem 1. November ist Lehrer Wagner nach bald 50jähriger Amtstätigfeü, wovm er 41 Jahre an der hiesigen Volksschule verbrachte, in den w)hl- verdienten Ruhestand getreten. Neben seiner Wirksamkeü an der Stadtschule, die sich in den 41 Jahren aus einer 4klassigen in eine 17klassige Schule umgewcrndelt hat, hat sich Lehrer Wagner als Vorsitzender desKur-undVerschönernngsvereins auch um die Entwickelung des Bades mrd vor allem bei doi Gründung des MU itär kur Hauses große Verdienste erworben. Lehrest Wagner war auch lange Jahre 1. Sprecher des Tnrnvereins> der si-ck) unter seiner Leitung einer günstigen Entwickelung »erfreuen konnte. . w ~
W Bad-Nauheim, 3. Nov. Der langjährige Besitzer der hiesigen Sprudelapotheke, Apotheker Werner, ist heute gei st o r b e n.
A Nieder-Weisel, 3. Nov. Ein Bursche schoß mit einem alten Flobert Spatzen. Ter Lauf platzte und die Stücke Verletztenden Schützen so schwer, daß er ins Johanniterhospital gebracht werden mußte.
Starkenburg und Rheinhessen.
ch. Aus Rh einh ess en, 3. Nov. DasObstgeschäf k' war vis in die letzte Zeit hinein durchweg lebhaft. Sowohl' in Rheinhessen selbst wie auch an der Nahe, am Mittelrhein und im Ryeingau herrscht fortgesetzt Leben. Besonders kommt dieser flotte Betrieb von der starken Nachfrage durch die Wirte, die infolge der geringen Traubenernte erhebliche Mengen Mostäpfel keltern. Die Preise für Kelter- obst find denn auch fortwährend gesttegen. Für den Zentner wurden in der letzten Zeit 7—8 Mark befahlt.
-o. Mainz, 3. Nov. In Alzey hatte man sich bedeutend verspekuliert, als man nach der Neufestsetzung des Ortsbauplanes, die 1896 zum Zwecke der Stabterwette- rung erfolgte, gewaltig in die Höhe getriebene Bodsn- preije zahlte. Der heutigen Verhandlung des Provinzial- Ausschusses wurde von vielen Besitzern in 'Alzey mit Spannung entgegengesehen, denn nach deren Ausgang werden sich künsttg die Grundstückspreise richten müssen. Der Eisenbahnarbeiter Lothhammer aus Mzey faufte bald nach der beschlossenen Stadterweiterung Gelände um 16 Mark das Quadratklafter. Man rechnete mit einem großen Aufschwung der Bautätigkeit und das ehemalige Ackerland war nun Baugelände. Der Aufschwung blieb aus und bald erfuhr man, daß der Boden zu teuer bezahlt sei. Die Stadt braucht das Gelände Lothhammers zu Straßenzwecken, konnte sich mü dem Besitzer aber nicht einigen, obwohl er bereit war, schon wett billiger zu verkaufen, als er selbst gekauft hatte. Die Stadl bat ihm für das Quadrat- ftafter 6 Mark, er verlangte 10 Mark. Die Lokalkommission schätzte 8 Mark, das Ortsgericht setzte 7,80 Mk. an. Nachdem in der heuttgen Verhandlung vor dem Provinzial- ausschuß Justizrat Callmann als Vertreter der Stadl A^zey bargetan hatte, daß die Gemeinde nicht mehr zahlen könne, als den Preis, den der Boden als Ackerland wert war, entschied der Provinzialausschuß dahin, daß für das Qua-, dratttaster 7 Mark zu zahlen sei.
Hesien-Nassau.
Allendorf a. d. Eder, 3. Nov. Die Eisenbahndirektton Kassel teilt mit: Am 17. November d. I. wird die normalspurige Bahnstrecke Allendorf (Eder)—t Hatzfeld (Teilstrecke der Neubaustrecke Mendorf—Raumland) als Nebenbahn mit den Bahnhöfen 4 Klasse Battenberg, Dodenau, Reddighausen, Holzhairsen (Eder- und Hatzfeld sowie dem Haltepunkt Eifa für den Personen-, Gnter- und Gepäckverkehr sowie für bic Abfertigung von Leichen und lebenden Tieren eröffnet Der Haltepunkt Eifa bient


