8eforbert ^wknnlofe Der 4. Rtoiye v« zum gleichen Mpunkte^ein- 7000 Mk. Ueberschuß. Die endgültige Ab» rechnung für das 29. Mittelrheinische Kreisturnfest in Kreuznach ist jetzt gemacht. Trotz der ganz enormen Ausgaben von über 60 OOO Mk. verbleibt ein Ueberschuß von 7000 Mk. Dem Mittelrheinkreis fallen laut Beschluß IO Prozent am Ueberschuß zu; der Nest verteilt sich je nach der Zeichnung der drei Kreuznacher Turnvereine zum Garantiefonds, und zwar kommen auf den Kreuznacher Turnverein 6/ , den Männer-Turnverein */8 und den Turn- und VolkSspiel^ vereinter Kreuznacher Glashütte */« deS Betrages.
Schweinemarkt. Wir machen darauf aufmerksam, daß der für morgen (Mittwoch) vorgesehene Schweinemarkt in Gießen stattfindet, jedoch mit der Beschränkung, daß Händlerschweine ausgeschlossen sind und nur Schweine von Züchtern des Kreises Gießen zugelasien werden.
**Die Maul-und Klauenseuche ist festoestellt• im Amtsbezirk Landau (Pfalz) in der Gemeinde Ven- nrngen und zn einem Gehöft in der Stadtgemeinde Edenkoben; ferner ist die .Seuche ausgebrochen bei dem Schwein em ä ster Ioh. Forster in Eib ach, Bezirksamt Schwabach, Regierungsbezirk Mittel franken. — Der Ausbruch der Seuche ist ferner gemeldet aus: Wäldchen, Kreis Waldenburg, Regierungsbezirk Breslau; Löbnitz a. d. Linde Saalkreis, Regierungsbezirk Merseburg; Potsdam (Heilanstalt), Regierungsbezirk Potsdam, am 28. Oktober.
Landkreis Gießen.
r. Hungen, 31. Okt. Sicherem Vernehmen nach soll die Wiederaufnahme des seit länger als zivei Jahren ruhenden Betriebes auf dem in der hiesigen Gemarkung gelegenen, der Gewerkschaft Elisenburg gehörigen Eisensteinbergwerks „Vereinigter Wilhelm" von der hiesigen Werkoerwaltung in aller Kürze der Verwirklichung entgegengesührt werden. Dieser Entschluß ist gewiß mit Freuden zu begrüßen; würde doch dadurch in erster Linie einem großen Teil williger Arbeitskräfte hiesiger Gegend Gelegenheit zu lohnendem Verdienst geboten, dann aber auch der in dem Grubenfelde an- erkannt in reichen Maßen anstehende oberhessische Brauneisenstein vorzüglichster Qualität nutzbringende Verwendung finden können.
Kreis Büdingen.
□ Bleichenbach, 31. Okt. Eine reiche Jagdbeute wurde heute bei einem kleinen Watdtreiben zur Strecke gebracht: 17 Stück Rehwild, darunter vier Böcke, vier Füchse und 12 Hasen. Die Füchse treten in diesem Jahre stark auf. Die Jagd hat eine Gröhe Von 1200 Diormalmorgen Feld und 1400 2Lormalmorgen Wald.
Kreis Schotten.
r. S ch o t t e n, 31. Olt. Tie Wiederholung unserer weither bekannten Marienkirche ist unerläßlich und soll nächstes Jahr in Angriff genommen werden; wahrscheinlich wrrd die äußerliche Wiederherstellung in zwei Perioden ge- chehen. Die Stadt ist kürzlich mit der Völligen Abtragung früherer Herstellungskosten fertig geworden und da die jetzt vorgesehenen Arbeiten größeren Umfang mit bedeutenden Kosten annehmen werden, plant man die Veranstaltung einer Schottener Kirchenbau-Lotterie, um au, diese Werse aus dem großen Publikum einen Beitrag zur ferneren Erhaltung dieses wichtigen Baudenkmals zu erhalten. — Im letzten Jahrzehnt hat der Ausbau der inneren und äußeren gemeinheitlichen Anlagen (Straßen, Lbstkulturen, Wiesen- und Waldkulturen usw.) bedeutende Summen Verschlungen, die Vorteile hiervon werden die nachfolgenden Geschlechter zu würdigen wissen. Ein schon lange fühlbarer Mißstand find unsere unzulänglichen und unwürdigen Bahn- hossoerhältnisse,.>die zu Verbessern eine ernste Ausgabe ist.
r. Rainrod, 31. Okt. Zur Abrundung eines Gemein bewald di strikt s hat die Gemeinde aus Privat- besrtz eine größere Fläche angekaust .den Quadrat- Qmeter zu 6 Pfg. — Da die Rinderherde nicht mehr wie früher durch den Gemeind ehir len ausg:tricbm wi.d/ist Vom Fiskus das oer Gemeinde auf fiskalischem Gelände zustehende Weiderecht abgelöst worden. — Die Firma I. Nickel in Gießen läßt jetzt bei ihrem BasaltwerkNainrodein Wohnhaus für den Werksleiter errichten.
O Laubach, 31. Okt. Heute sand bei ziemlich lebhafter Beteiligung die Gemeinderatswahl statt, bei der nrcht weniger als 11 Kandidaten ausgestellt waren. Es wurden wredergewählt die seitherigen Gemeinberäte Frredrich Helmich mit 172 Stimmen, Heinrich Christian Jochem mit 146 Stimmen und neugewählt Friedrich Göbel mrt 103 Stimmen. — Gestern hielt Sanitätsrat Dr. Bo gel im Tuberkulose-Museum einen lehrreichen Vortrag Vor einer zahlreichen Versammlung, die hauptsächlich aus auswärtigen Besuchern bestand. Die benachbarten Schulen wie aus Freienseen, Ruppertsburg, Gonterskirchen haben die Ausstelliurg in vergangener Woche besucht.
Kreis Friedberg.
- Friedberg, 31. Okt. Der Kaiser Von Rußland hat zum Besten der örtlichen Wohltätig- kertsa nstalten und der ärmeren Bevölkerung Friedbergs und Bad-Nauheims 10000 Marl gespendet und diesen Geldbetrag durch den Minister deis K'arserlrchen Hauses Baron Zaeedericlsz dem Staatsminister Dr. Ewald zur Verteilung übermitteln lassen.
x Bad-Nauheim, 31. Okt. Das Rhein-Mai- nrsche Verbandstheater gab im hiesigen Volksbildungsverein heute „Maria Stuart". Die Aufführung, die sehr gut verlief, wurde u. a von zwei Klassen des Friedberger Lehrerseminars besucht.
= Bad-Nauheim, 31. Okt. Die beabsichtigt gewesene Abgabe von Wasser auS den Heilquellen an ein zu gründendes Aktien-Hotel zu Bad-Nauheim macht neuerdings wieder von sich reden. Abg. Brei den- bach hat deshalb mit Unterstützung von 32 Abgeordneten aüec Parteien die Anfrage an die Negierung gerichtet, ob die unmer wieder in der Oefsentlichkcit umlaufenden Gerüchte, die Regierung wolle Wasser von den Bad-Nauheimer Heilquellen direkt einem zu gründenden Aktien-Hotel verkaufen lmd abgeben, auf Wahrheit beruht, und ob der Regierung bekannt sei, welche bedeutende Vermögensverluste einem großen Teile der Bad-Nauheimer Bevölkerung und den dort mit Kapital Interessierten durch diese .Gründung" zugefüat werden.
Starkenburg und Rheinhessen.
o Darmstadt, 31. Ott. Nach der am Samstag erfolgten Verhaftung des 19 Jahre alten vorbestraften Martin r i o au£ Ober-Kvinsbach, der geständig ist, einen Einbruch der dem Gemeinderechner Schivinn auf der Spreng ausgesührt zu haben, wurde nun auch am Sonntag der der Bc.yrl,e verdächtige Vater des O. in Reichelsheim E) «W tzMSiMuns ebenfalls verhaftet. Wahrscheiw-
Aur Stadt und Land.
Giegen, L ALovember 1910.
rnlerheiliaerr.
r Henke ist Allerheiligen, der Tag Killer Wehmut, banger Erinnerungen im Herzen der Menschen und in der Natur. Leise zitternder Nebel über Flur und Heide, Berg und Tal, im Getriebe unserer Straßen und auf dem stillen ^Gottesacker versetzt uns in die rechte, wehmutsvolle Stimmung. Tausende und Abertausende, arm und reich, sorgen- jvoll unb sorgenfrei pilgern gedankenschwer an die Stätte, wo teure Tote den ewigen Schlaf tun. Fesllich schmücken sBlumen, von Liebe getragen, die nebelfeuchten Hügel, die sdes Himmels Tranen genetzt. Eine innere Stimme ae- tmahnt uns, das Gute, das unsere lieben Toten gewollt, M pflegen und Wetter zu fördern Das ist die Erkenntnis, Die uiis die Nähe des Todes bringt, lins erfüllt, was auch Die lieben Entschlafenen erfüllte, das yttngen des Guten fmit dem Bösen, wir werden liebevoller untereinander; denn es gibt keinen größeren Schmerz am Grabe einas, foen wir kannten, ja liebten, als den, zu wissen, daß wir jihm einstmals weh getan Und es Hingt die herrliche Mahnung des Dichters: O lieb, so lang du lieben kannst, o Lieb, so lang du lieben magst^ die Stunde kommt, die Stunde kommt, wo du an Gräbern stehst und Lagst! . . . kAllerheiligen ist gleichsam die Zugangstür zum Winter. lZwar bleiben selten noch einige schone Tage um diese Zeit wus, aber gerade in diesem Jahre ist auch in der Natur »richtige Herbststimmung eingekehrt, Regenwetter, das das Letzte Laub von den Bäumen entfernt und damtt den Winter xrnkündigt. .,
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** TageSkalenderfür Dienstag, 1. November. Stadttheater: »Jugendfreunde.- Anfang 8 Uhr.
Deutschnatwnaler Handlungsgehilfen-Berband: Lichtbild e r- Vortrag von Joachim Harms: Fünfte Reife um die Welt. Abends 8e/4 Uhr in Steins Garten.
Kolo fseum: Programmwechfel. ä
- Ordensverleihung. Der Großherzog hat dem Oberpfarrer Herrn. Bern deck zu Michelstadt aus Anlaß der Einweihung der Kirche zu Michelstadt das Ritterkreuz erster Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen ver- liehen.
** Auf der Durchreise. Im „Großherzog von Hessen" sind gestern Reichstagsabg. Freiherr Hehl zu Herrnsheim, Graf .Arthur zu Erbach-Erbach und dessen beiden Söhne ..Alexander und Eberhard abgelegen, die an den Jagden des Fürsten zu Solms-Hohen- solms-Lich teilgenommen hatten.
** Lehrerpersonalien. Heb ertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Karl Klippel aus Wendelsheim eine Lehr er stelle an der Gemeindeschule zu Nieder-Wiesen. In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der Gemeindeschule Ku Bad-9tauheim, Ang. Wagner, auf sein Nachsuchen, unter .Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, und ihm aus diesem Anlaß das Silberne Kreuz des Verdienstordens Ph-ttipps des. Großmütigen mit der Krone verliehen.
- Hygienische Vorsicht. Das Ministerium hat an sämtliche Kreisämter eine Verfügung erlaffen, durch eine Besichtigung der Wasserwerke, Brunnen rc. in den einzelnen Ottschasten des Kreises sestzustellen, daß die Anlagen nach jeder Richtung gesundheitlich ohne Bedenken sind. Em Ausschuß, dem auch der Kreisarzt Medizinalrat Dr. Haberkorn angehört, ist jetzt mit der Ausführung der Kontrolle beschäf- tigt. Er hat in dec vergangenen Woche die Wasser- ioersorgungS-Anlagen der Stadt Gießen besichtigt und zu Erinnerungen keine Veranlassung gefunden.
** Stad11heater. Da von auswärts zahlreiche Bestellungen zu der Schulervorstellung von „Sappbo" am Samst^ 5. Novenü-n, nachmittags 3-//Uhr, eintauto ju ’jüljern. l®e Reflektanten gut tun, flch bei Zeit Plätze I 1 " ^tnem“to9t£lP^ erfreut sich der neue Spiel. xl°n eines lebhaflen Beifalles unb alt unb jung folgen ben fpannenben ober humoristischen Silbern mit unverhohlener Genugtuung. In der schönen, abwechslungsreichen Spielsolae 9J a ef)C8ma bhC?et‘DOtIe • Stüc£ 0118 »em Morgenland MUS Sklavin wohl mit am meisten. In hübschen, malerit&en gruppen entroictelt sich da em grausiges Geschick, das durch ^ie entschlossene Treue der Sklavin zu lauterem Glück verkehu ^,rd Groge Heiterkeit erregen: Der unberufene Drahtseil.
9h n“ QrUf Telephondrähle flüchtet, unb
§etr Ängstmeier, ber sich erst in der gut verwahrten Helle K5Ä* «"» ÄS ber Loie!ur‘d.^e' ber' W.‘Lo'tker.e ‘mu^.nS'"?
Kfcben Landtages wurde in der Nacht zum jum 2 Uhr geschlossen; die nächste Sitzung ftnöet am Don-
erhafkuna beS ehernallgen Diktators franco wird auS Lissabon gemeldet: Nach den Angaben deS Untersuchungsrichters setzte Franco während seiner Ämt^att als Münsterpräsident 70 Dekrete in Kraft, jn denen die Vorschriften über die gesetzgeberische Gewatt ab geändert toorbat sind. Durch den Erlaß der Dekrete habe er die Ausübung von Landesgesetzen verhindert, ferner yabe er die .Schulden deS Königs Carlos in Hohe von 465 Contos mit Krongütern, nicht mit Gütern aus dem persön- jlichen Besch des Königs, unter der Bezeichnung „Erhöhung der Zivilliste" beglick-en. Franco besttettet die Kompetenz des Untersuchungsrichters. Der Richter setzte eine Kaution stn Höhe von einer Atillion Franks fest, die sofort hinter- Ejt wurde. W Franco dos Tribunal Verließ, kam es feindlichen Kundgebungen der Menge.
Wie dem „Neuen Wiener Tagblatt" aus Balarad meldet wird, stehe in Serbien eine große politische 'Ilmgestaltung bevor, so daß die jetzigen Regierungsparteien, die .Alt-Radikalen und die Jung-Radikalen, sichl an eine Partei zusammenschließen. Ebenso finit) cn Verhandlungen zwischen den Oppositionsparteien, den Mationalisden und den Fortschrtttlern zur Verschmelzung Dieser Parteien statt. Falls diese Verhandlungen zum Ziele fführen, sollen Neuwahlen ausgeschrieben werden.
funneit erBTh'bto eS gtltargen TJt.Me WerTnber FrvK U MeinungSverschr edenherten zum
Teil auszugleichen. Beide Finanzminrster mnintebT sofort persönlich mit dan leitender! Stellen SeS»™« treten, um
vriwvipielle Grundlage ^si^^bllen.
En" Brünn wird gemewet: Die fett Donnerstag brTwnth mit Unterbrechungen andauernde Sitzung des m ä h - - vx. N.Ä tmrrh* 4-n k.-r ----, Montag
llch ftnd beide auch Vie Tater der äbnlichen Vergehen (tul der letzten Zeit, auch werden durch Die, Staatsanwaltschaft Ennittelungen über ihre etwaige Beteiligung an der Dorn- dieler Mordtat angestellt, da die Vermutung sehr nahe liegt, daß Sie 0. auch hier ihre Hand im Spiele haben, zudem der junge O. verdächtige Aeußerungen getan und u. et. erklärt hat, daß er jeden, der ihn bei der Arbeit in Ober- Kainsbach gestört hätte, mit dem Revolver niedergeknallt hätte.
Hessen-Nassau.
a. Rodheim a. d. Bieber, 31. Oft Heute nachmittag fand die Haupt Übung unserer freiwilligen Feuerwehr statt, wobei auch die Fellingshäuser Sanitätskolonne mitwirkte. Die Üebungen nahmen in der Hauptstraße mit Schulübungen ihren Anfang und es war deutlich ein Fortschritt der Wehr *u bemerken. Im Anschluß hieran fand die Uebung an oer Nollschen Zigarren- fabrik ihre Fortsetzung. Trotz des unaufhörlichen Regenwetters hatten sich aus der Umgegend viele Zuschauer eingefunden, auch hatte die Gießener Gattsche Feuerwehr eine Abordnung zu der Uebung entsandt.
W Grob-Seelheim bei Marburg, 31. Okt. Hier siel der zweijährige Knabe des Landwirtes Müller in einen offenstehenden Jauchebehälter und fand den Tod durch Ertrinken.
F. C. C a s s e l, 31. Okt. Hier fand eine von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft einberufene Besprechung statt zur Vorbereitung der Ausstellung derDeutschenLand-» Wirtschafts-Gesellschaft in Cassel 1911. An ihr nahmen teil der Regierungspräsident Graf von Bernstorfs-Cassel, der Oberpräsidialrat, der Vorsitzende der Landwirtschafts-Kammer für den Regierungsbettrk Cassel von Stockhausen-Abgunst, Land- wirtschafts-Jnspettor Keiser-Wiesbaden, als Vertreter der Land- wittschasts-Känimer für den Regierungsbezirk Wiesbaden, der Vorsitzende des Vorstcnrdes der Deutschen Landwirtsä)asts-Gesellschaft> Ritterschastsrat von Freier-Berlin und De Eonomietat Dr. Wiese- Berlin. Es wurde festgestellt, daß em großes Interesse für die Ausstellung in allen Teilen des Reichs vorl-andcn und mit einem starken Besuch (V* Millionen Besucher) zu rechnen ist. Es werdeu Maßnahmen gettoffen, um die zahlreichen Besucher unterzubringen.
4Öcrid)t^iaaL
? Büdingen, 31. Okt. Schöffengericht. Der Milchhändler H. G. von Wolf hatte gegen einen Strafbefehl des Amtsgerichtes wegen Uebertretung des § 369, 2 St.-G.-B. Einbruch erhoben. Nach der Beweisaufnahme wurde die Verhandlung, um weitere Ermittlungen anzustellen, auf Montag, 28. Nov., vertagt. — Der Friseurgehilfe F. R. in Büdingen ist angeklagt der öffentlichen Beleidigung nach §§ 185, 196, 200 Str.-G.-B., begangen am 19. Juli l. I. zu Diebach a. Hg. Er wird zu einer Geldstrafe von 60 Mk., die im Uneinbringlichkeits^ falle mit 20 Tagen Gefängnis zu verbüßen ist, verurteilt und mit den Kosten des Verfahrens belastet. Zugleich wird dem beleidigten Polizeidiener Jeckel von Diebach o. H. die Publikationsbefugnis des Urteile zuerkannt. — Der Maurermeister Ph W. Z. von Haingründau hatte gegen einen Strafbefehl des Amtsgerichts wegen Uebertretung des § 367, 15 Str.-G.-B. Einspruch erhoben. Vor Beginn der Verhandlung nahm er den Einspruch zurück und wurde mit den weiter entstandenen Kosten belastet. — Der Karussellbesitzer Gg. H. von Sck>otten hatte gegen einen Strafbefehl des Amtsgerichts wegen Uebertretung der Gewerbeordnung Einspruch erhoben. Auch er nahm seinen Einspruch zurück und wurde mit den entstandenen Kosten belastet. — In der Privatklage des K. Br. IV. in Haingründau gegen den Jhs. W. XV. daselbst wegen Beleidigung nahm der Privatlläger nach der Beweisaufnahme die erhobene Klage zurück und wurde mit den Kosten des Verfahrens belastet. — Nächltes Schöffengericht fmdet am 7. November 1910 statt.
Darmstadt, 31. Okt. Eine umfangreiche Anklage wegen öffentlicher Beleidigung hat heute vor betf hiesigen Strafkammer gespielt. Sie richtet sich gegen zehn Ortsbürger von Biblis. Dieser Ort wird zumeist von Katholiken! bewohnt und war durch die um die Weihnachtszeit vor. Jahres erfolgte Disziplinierung des Dortigen Kaplans Kriegsheim' in große Aufregung versetzt worden, der sich dott trotz seiner nur kurzen Wirkungszeit eines großen Anhangs erfreute. Man glaubte, daß diese durch das bischöfliche Ordinariat in Mainz erfolgte Maßregelung auf Betteiben des Pfarrers Thomas gefchehen sei und hielt den Kaplan für einen unschuldig Verfolgten. Der ganze Zorn vieler dortiger Einwohner richtete sich deshalb gegen den Pfarrer Thomas, gegen den die schwersten Angriffe erhoben wurden. Die Erregung gegen den Pfarrer giny so weit, daß man chm in seiner Wohnung die Fensterscheiben einwarf uiid das Kreisamt einschreiten mußte, indem es öffentliche, gegen ihn gerichtete Versammlungen verbot. Als die Hanptverbteiter dieser Beleidigungen wurden die zehn Einwohner ermittelt, meist rul)ige Handwerker und Kleinbesitzer, und gegen sie die Offizialklage eingeleitet, die Staatsanwalt Maurer vertritt. Die Angeklagüenj haben inzwischen schon selber eingesehen, daß sie sich durch das ganze Auftreten des Kaplans Kriegsheim blenden ließen, der ihre Sympathien nicht verdiente, und auch ihre Eingriffe auf den Pfarrer Thomas nicht am Platze waren. Sie elitären jetzt, daß sie im besten Glauben an die Unschuld des Kaplans gegen den Psarreu Stellung genommen hätten und sie seien in ihrer falschen Auffassung bestärkt worden, well man ihnen in Mainz keinerlei Aufschlüsse gegeben hätte. Der schwer beleidigte Pfarrer Thomas hat sich ber öffentlichen Anklage als Nebenkläger angeschlossen. Die Angeklagten werden durch Justizrat H a l l w a ch s und Rechtsanwalt Bender vertreten. Die Verhandlung ließ den 33jährigen Kaplan, der in Offenbad) geboren ist, in einem sehr seltsamen Licht erscheinen. Er wurde 1903 zum Priester geweiht und wirkte kurze Zeit in Abenheim und Finthen. Im folgenden Jahre kam er nach Ober-Adtsteinach, wo er unerlaubte Beziehungen zu einem! Mädchen in Ober-Roden anknüpfte und mit ihr häufig in Hotels übernachtete. Während dieser Zeit entlockte er dem Mädchen 6000 Mark. Er wurde dann nach Herbstein versetzt und von da sttasversetzt nack). Dieburg. Er kam dann nach Biblis, wo er mit einer Lehrerin und der 16jährigen Tollster eines Bahnbeamten Beziehungen anknüpfte. Pfarrer Thomas sah sich dadurch gezwungen, bei dem bischöflichen Ordinariat in Mainz Anzeige zu erheben, worauf der Kaplan von dem geistlichen Gerichtshof in Mainz auf ein Jahr in das Kapuzinertloster nach Krefeld verwiesen wurde. Hierdurch wurde fast ganz Biblis gegen Pen! Pfarrer aufgebracht, daß er sich versetzen lassen mußte.
In der heutigen Verhandlung, bei ber die Oeffentlichkell ausgeschlossen war, kam ein Vergleich zustande, da die An-, geklagten erklären, daß sie die Vorwürfe nur gemacht hätten, well sie geglaubt hätten, daß der Kaplan im Rocht gewesen fest Sie bUten den Pfarrer um Verzeihung und nehmen ihre Schmähungen mit Bedauern zurück. Ter Vergleich wird auf Kosten der Angeklagten in der Presse veröffentlicht
vermischtes.
fteere 2k u t o m o b i l u n s äl l e, die auch ein Menschen eben kosteten, ereigneten sich gestern in Wannsee. (Sine Motordroschke, die von P o t s d a m nach Berlin fuhr und mit rasender Geschwindigkeit den Berg zwischen Wannsee unb Beelitzhof hinunterraste, rannte durch einen Drahtzaun unb überschlug sich. Die sechs Jnsass verletzt und erhielten ans dem Bahnhof i
u d e r i O) i u g \ i m Die sechs Insassen wurden schwer verletzt mll> erhielten auf dem Bahnhof Wannsee Notverbände und begaben sich dann nach Berlin. Der Lenker irrte den ganzen ■^rrnmun Grünewald herum, lehrte erst gegen Mittag zurück. c, ^benb ereignete sich ein zweites Unglück. Ein Automobll des profeslor Sonnenberg fuhr, als es einem Betrunkenen auswich, einen ujm in den Weg lau]eilten Mann an unb Verletzte ihn schwer. Dn Lenker nahm ben Verunglückten in sein Fahrzeug-, hatte aber t 4 n Ö \ vck, m der Dunkelheit an einen Zaun zu fahren, o daß das Automobil zertrümmert und der schon V e r- icßte b t n a us g e iM l e u d e r t wurde; Vieler starb aus bem Wege nach heyi fcajittnfauje, ‘ *


