Ausgabe 
1.11.1910 Erstes Blatt
 
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160. Jahrgang

Erster Blatt

politischen Teil: August Goetz; für .Feuille­ton', .Vermischtes' und Gerichtssaal": K. Neu-

RZUZ General-Anzeiger für Oberhessen

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für ore 4,xiyttoHumincc _ 1 1 *r uarw : «.vetz; tur oen

bis oormülagS 9 Uhr. Expedtnon für vüdlngen: vahnhospratze 16a. - Celcpl)on ttr. 60. Anzeigenteil: H. Beck.

Vlenriag, t November 1910 ve»»aspret»r monatlich 76 Ut, viertel- eJk A jährlich Ttt. 120; durch Abhole- u. Zweigstellen W monatlich 66 Pf.; durch M diePost AN. 2. viertel-

jkkhrl. ausschl. Bestellg. ZeilenpreiS: lokal 15Ptz, auSwärtS 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den

Nr. 256

DerI<6<iwt l&ytytT eddKtHt l4uiUt>, aaßer Banntafli. i

viermal wöchentlich OletzrnerFamlliendlätler;

gtvriinal ivöfbenlLKieis« M blatt sürdenKretr Stehen V, (Dienstag und Freitag); jmeunal moimtL Land» wirtschaftliche Lelksraari» Ferulpeech - Aulchlusse:

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

(Ein neuer englisch persischer öwischensall.

Daß sich gtntbe jetzt die Fülle mehren, tvo England in persische Angel eg end eilen einzugr eisen genötigt sein tvill, spricht für die englische Politik sehr deutlich. Dabei wird die englische Stegierung aber von manchen Seiten noch immer auf bedrohliche Folgen in Indien hingerviescn:

Teheran, ÖL £)CL Die persische Regierung richtete 'au den englischen Gesandten eine Note, in welcher die unverzügliche Zurückziehung der 160 Matros en gefordert wird, t«ie der englische KreuzerFox" voi einigen Tagen in Liu geh landete, um die Stadt gegen einen von einem bekannten Räuber der Umgegend an* gedrohten Angriff zu schützen Der englische Gesandte er- wrderre, die Streitmacht würde zurückgezogen, sobald t» die Um stünde gestatten.

Loudon, 8L Ctt Die daS Rcutersche Bureau von zustüiidiger Seite er sich rt, ist die Ausschiffung des englischen D-etachementS vom ikreuzerFox" in Lingeh auf Ersuchen des persischen BizegouverueurS und des eng­lischen Konsuls erjolgt, um die Bürger der Stadl zu schützen; außer den Mauuschasren wurden vier Landmigs- ^eschütze ausgejchifst. .

Aus Schiras werden Unruhen gemeldet. Das Iudenvierlel lourde überfallen. linier den Angreifern be- (iul>en sich LiitgliUrer von Stammen aus Kaischgar.

Dem Reuter-Bureau zufolge ist die persische Regierung von England darauf hmgewieseu worden, daß sie für jede den englischen Untertanen zugesügte -Beleidigung und für jede Schädigung chres Eigen­tums bei Gelegenheit der Unruhen in Schiras verant­wortlich gemacht werde.

Das Londoner Komitee der altindischeu Mo s l emliga nahm folgende Entschließung an:

TuS Komitee ninunt Befüediguirg und Erleichterung Kenrunis von der erneuten Versicherung der Regierung, daß sie nichtbeabsichtige, die Integritätund Unabhängig­keit Persiens anzutaslen. Tas 3lv mitte wülifcht die zuversichtliche Hoffnung auszudrücken, daß nut Rücksicht au| die beüeheiiüL enge Verbindung Perstens Indien, mU Rücksicht ans d n Einsluß PersienS aus die Kultur und die Zünlisation auf das heutige Indien, ferner Rückjicktz aus die Baltdc der Religion und der Bllitsv er wandt schäft, welche die Bevölkerung vereinigen., die brüische Regierung der persischen Sympathie und üntcrslützung barbicten wird zur Erhaltung der llnadhängigleü und Reorgtuufa- tiou der Berioaltung.

Vie türkische Anleihe.

Während aus^nolch^e v<,u erner Stockung der

i>eutsch-turIrschen Anleiheverhandlungett lvtssen wollten und ,ibie BerlinerXägL Ltundsch." schon ausführlich erdrtecte, warum Deutschland gegen die Wrederaninüpsung der Tür­kei Frankreich nichts emzuwenden haben tonne, erfahren aus Berten, baß der Direktor der deutschen Bank, 5£a. Helfferich, bereu» nach Lkonfiauiinopet abgereift ist iuü) baß mau in Bertutec amuichett Krajen annunint, die Ver­handlungen wurden biS Mure vtooember zum Abschluß kommen. Ob Italien sich an der Anleihe beteiligen werde, bezweifle man. Deutschland würde dann */* der Klnleihe übernehmen.

K o a st a u l i u o p e l, 3L Okt. Sämtliche in der Presse ver- breiletcn vlachrichtcn über die Bedingungen bes Furanzgcfchäsies, das die türkische biegiermrg eurer Gruppe demfcher kiantea abzufchließen beabsichtigt, sind als verfrüht -u bezeichnen.

Weder über die Form des Geschäfts, noch über die Höhe des Kapitals noch Über die Hoche der Verzinsung wurden endgültige Abmackmnaen bisher getroffen, da die offiziellen Unterhandlungen iroch nicht begonnen haben. Diese werden namenS der deutschen Bankgruppe von dem Direktor der Deutschen Bank, Dr. Helfferich, ge­führt, der morgen hier erwartet wird. Die in der aus­ländischen Presse verbreiteten Meldungen, die von einem Stocken der Beratungen wisfen wollen, sind daher ebenfalls durchaus und egründet.

Konstantinopel, 3L Okt. In türkischen Kreisen sind Gerüchte verbratet, daß vor ober gleich nach der am 14. November erfolgenden Eröffnung des Parlaments die Umbildung des Kabinetts bevorstehe, wobei der Präsident des Oberrechnungshoses den Fi- nan-Minister ersetzen soll. Nach einer anderen Ver- sion soll der Kriegsminister das neue Kabinett buben, in oem Pen Haiti das Portefeuille des Aeußern erhalten iverde. Weiter heißt es, daß der Wali von Bagdad Nazim hierher beruf en wurde, um das Kriegsportejeuüle zu über­nehmen.

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Saloniki, 31. Okt. Der Führer der AüSlader und Boots­leute teilte diesen mit, daß die Sperre gegen Griechen­land aufgehoben ist. Die Maßnahme wird auf den Be­schluß des i u n g t ü r ki sch e n Komitees für Einheit und Fortschritt zurückgeführt.

Eetiuje, 31. Okt. Gegenüber den Meldungen aus Salo­niki über die Ängrifse von M o n t c n e g r i n e r n auf t ü r k i s ch e Grenzwachen wird von zuständiger Seite erklärt, daß alle Ruhestörungen an der Grenze türkifcherfeits hervorgecufen wurden. ES wird betont, datz Montenegro seinerseits auf stteugste Ord­nung an der Grenze halte und die aus der Türkei tlnitmenixm Einwanderer entwaffne, sowie daß die täglich bei der hiesigen tür­kischen Gesandtschaft erhobenen Proteste erfolglos sind.

£olitifd?e Lagesjcharr.

Zur Enleignuugöfrage in der Ostmark.

Aus Berlin wird uns geschrieben:

Wte wir hören, liegt tatsächlich beim Staats Ministerium ein Antrag der Posener Ansiedlungskom Mis­sion vor, die vorbereitenden Schritte für die Enteig­nung polnischen Besitzes in Angriff nehmen zu dürfen, damit die Arbeiten der Kommission in späteren Fahren feinen Aufschub erleiden, denn die Parzellierungs­arbeiten für die deutschen Güter, die die Kommission be­sitzt, sind im allgemeinen beendet unD deutscher Besitz steht einerseits nicht mehr zur Versagung, während pvlliischer Besitz, der für die Anjieotu»gsiommi;,wn zur Ai^ondicrimg notwendig wäre, freihändig nicht zu erlangen ist.

Die Staalsregieruiig dürste aber, wie wir weiter hören, dem Anträge keine Folge leisten. Sie wird sich den Gründen des AnsiedtungspräsidentenGwohl nicht ver­schließen, aus wahltaktischen Gründen es aoer für angezeigt halten, eine Enteignungsalliou vorläufig picht ui die Wege zu leiten,

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Mg. » Oldellbllrg'Zanuschau im Widerspruch

mit feinen Elbmger Partetgenoisea.

Ein Elbinger Blatt teilt mit, daß der konservative Verein zu Elbing aus eine schriftliche Anfrage der tonjcrualiuen Parteileitung in Berlut solgendes Schreiben dorthin abgesaudt habe:

Ter bonservative Verein zu Elbing hält fest daran, daß die toniervauven i-pruno.a^e uno U^iiu^uaunuen mit irriolg un Volke nur vertreteir werden können durch eine selbständige, von der Hingabe an diese AnschauungLn und Grundsätze erfüllten Partei. Der Verem hat daher von vornherem Lui ^)chl daraus gemacht, baß er in dem Vui|treten des Bundes der Land­wirte seinem rücksichtslos eigennützigen, demagogischen

Charakter eine Gefahr für die konservative Partei erblickt. WaS wrr befürchtet haben, hat sich leider erfüllt. Den Anschluß an die neu konservative Richtung, die ihre einzige Ausgabe darin erblickt, dem Buride der Landwirte dienstbar zu sein, lehnt der Konservative Verein zu Elbing ab. Er lehnt eS deshalb auch ab, in der Wahlagitation für einen Kandidaten tätig zu sein, der dem Bunde der Landwirte angehört. Er hält es vielmehr für seine Pflicht, einen Kandidaten dieses Bundes, der als Müglieder Angehörige aller Parteien aufnünnü, UM der konservativen Gcundsäve willen und im Interesse deS inneren Friedens zu bekämpfen. Der Konservative Verein wirkt deshalb an der Sammlung aller national gesinnten Elemente im Wahlkreise zum Kampfe gegen das Temagogentum des Bundes, der Landwitte und der Sozialdemokratie.

DaS Reichslagsmandat des Herrn v. Olderrbnrg wird diesem danach vielleicht verloren gehen.

Die Ruhestörungen imWedding".

Die Krawalle imWedding" lösten die in Moabit ad, nur mit dem Unterschiede, daß der Wedding, der im höch­sten dkorden Berlins gelegen ist, zum großen Dell ein licht­scheues Gesindel beherbergt, und daß die Zuhälter und Verbrecher Berlins hier ihre eigentlichen Wohnstätten Haden. 5)ier spielen sich die nächtlichen Orgien ab, wo unheimliche Gesellen ihre unheimlichen Pläne schmieden, und wo das Leben in jeinen Untiefen brodelt. Das Laster jeder Ge­stalt hat hier seine Stätte. Die Ursache der gemeldeten Ruhestörungen war, um eS nochmals hervorzuheben, darin zu erblicken, daß einrückfälliger" Blaumacher von seinem Arbeitgeber entlassen wurde, worcnis das ,^8olk" für ihn Partei ergriff. Auch demVottvärts" scheint der Vorfall nicht geeignet gewesen zu fein, die kochende Volksseele zu entfesseln; er schlägt ein anderes Verfahren ein alS bei den Moabiter Vorgängen und warnte vor neuem Radau. Und siehe da, der Erfolg stellte sich prompt ein, und am gestrigen Montag abend war es in dem gefährlichen Stadt- uiertel verhältnismäßig ruhig. Wir erhielten folgende Mel­dungen:

Berlin, 3L DTt In bat Straßen am Wedding ttnrrbt abends eine Extraausgabe desVorwärts" verteilt, in der unter scharfen Ausfällen gegen angebliche verbreche^ rische Pläne des Scharfmacherturns die Parole ausgegeben wird: Kein Arbeiter und keine Arbeiterfrau be- teüige sich aus Neugierde an einer Ansammlung; jeder Partei- geiiojje und jede Parteigenossin suche die Indifferenten zu ver- cuükkssen, sich gleichfalls von der Straße fernzuhalten.

Wegen der genügen Ausschreitungen am Wedding wurden dreizehn Personen der Staatsanwaltschaft und eine Person dem Amtsamvalt vorgeführt.

Vor der Schlächterei von Morgenstern wurden gestern gegen mittag zwei Frauen, die dort eingekauft hatten, von einigen bunbert Frauen beschimpft und bedroht. Die Po­lizei schütt ein und nahm zwei Frauen fest.

Berlin, 1. Okt. Der gestrige Abend ist am Wedding erheblich ruyiger verlausen als an den Vortagen. Um 8 Uhr abends sammelten sich in der Scherrerstraße etwa ÖUO Menschen, die sich vor dem Geschaftslokal von Morgenstern stauten. D« Aufforderung, auseinander tu gehen, wurde sofort entsprochen. In der zehiuen Abendstunde verlies sich die Menge aus den Sttaßen, etwa 3U0 Personen gingen noch auf und ab.

Zu einer sck>iveren Ausschreitung kam es in der Nacht aus Montag in der Umgebung des am Akordbahnhofe gelegenen Exer­zierplatzes. Zwei Schutzmänner mutzten sich blanker Wasse der Angüsse einer Rotte junger Burschen er wehren, von denen eurer, aus mehreren Wunden blutend, der Rettungswache zugefühtt wurde.

Ausland.

Aus Ofenpest wiro Qemcu>et: Das ungarische Kvr- respondenz-Bureou meldet aus Wien: Die beidersetttgen Ministerpräsidenten und Finanzminister hielten am Dteauag nachmittag eine Beratung in der Frage der Barzah-

Gicjzencv ^tadithcatee.

Die Schlastänzeri» Madeleine Trilbtz.

Gießen, L Nov.

Der Tanz ist wie jede Deußerung eines gesteigerten Gebens tarr eui Bruchstück von einem großen, überschwenglichen Gaiizen, daä alles Lebeubige durchflutet unD erfüllt, ist ein Teil der ge­waltigen, lebenichasjeuben Kraft, die das All belebt und erhält, lst ein Teil unb eine Geburt der Freude.

Freude ist der machtigjte Tüeb aücS Lebendigen, dessen Pnls- Mag der VihythmuS ist. <

Die Freude ist Lebenstrieb-, ist gesteigetteS Leben. Die Freude amUrsache-!em" ist die Erziehung zur jkultur. Die Freude ist so alt wie die Welt, unb io alt wie daS lebendige Lebeu äst per uuierlichjte, naivste Ausdruck der Freube: bei Tanz.

Tanz ist Lust . . . ist Gamß. Taiiz ist gesunde sülche Sinn­lichkeit. Tauz ist plastische Uiiuuertiuig unb DarsteUung beS Ge­fühls. Unb auch das ist der Tanz: eui Rausch, der Schöpjerkrast pt sich trägt, wie alles aridere künstleüsche Schaffen." i Mit diesen, hier im Auszug luicbergegebcnfii Br orten habe ich pleine vor drei Jahren erschienene ,Fulturgcschichte des Taiizes'^ üngeleitct unb auf Gcuiid dieser BegriNsbestillunuaig habe ich auch fdie Schlaftänzerin Rkadeleine von vornherein aus meiner Dur- 'ftellung ausgeschlossen, denn trotz aller Aiuntu unb Schöul- ihrer Botsührungim, fehlt ihrer Kunst eben die 1 e b e n b i g e Kraft, toeiui anders die Hypnofe nicht nur ui dem Sinne gilt, daß sie eine Steigerung der geistigen Sammlung, eine Erhöhung unb Er­weiterung jener Setbstsuggestion ist, ohne die eui künstlerisches Schassen nicht möglich ist.

Zch glaube must, batz Madeleine Trilb y dieselbe Made­leine ist, die int März 1303 in München großes Aufsehen erregte, dieselbe Riadeleine, deren Vorsührungeii auf BeraMassung mim- Hasler Aerzte polizeilich verboten wurden, dieselbe MadekÜne, bie ihren mystischen Reiz scylletzlich nach allerlei Vortomnutifsen Stück Um Stück schwinben sah. Aber das ist bed.utuugSlos. WefeMlich Ist, daß dort wte hier behauptet wurde, bau Die Dame ohne Hypnose Mhezu talentlos fei. Daß alfo ihre Kuntz lediglich umvilllürlühe Meutzerungeil der Infrinüe seien! Damü war Die Bedeutmig bi cf er Schaustellung gegeben, beim in einer Zeü, in der alles aus eine Unterdrückung uno Verheimlichung der Gelüste hiltausläust, müfeti eine derartige instinktive Kuntz nicht nur sür den bilbcm>en Künst­ler, sondern auch sur den Gelehrten unb den Schauspictec eine mi- geheuere Bedeutung gewinnen! Die,es Ltttß itz aber nickst «rjüllt

worben. Wohl wirb gestern niemanb Oen Emornck einer ho Hai I Schonheü der Bervegungen vermißt Haden, aber wann unb wo > ging sie über das Matz des üblicheti hiliauS, tour sie eigai- artig, überraschend? Ja, die Mimü tour Mitunter sogar stellen­weise übertrieben, in der Art der Hysteiifchen, stellemoeife ban Vortrag voraus, hin und toieber kam bie Gebärde zn spar. Aber feldst davon abgesehen; wie kommk es, daß sich bieSchlafenbc" genau im Rahniat der Bühne bewegt, daß sie stets hochsteiiS dis hart an die Seüenwände geriet. In Rtünchen war es ausge- 1 all en, daß die Kmistlerm memals bau Zuschauerrauui den Ruaen kehrte daraus hatte man hier eine Lehre gezogen unb man vermied diese Klippe. Die Münchener Küniüerm hreü sogar Proben ab unb bei einer Aufftihrmtg steckte sie sich in bei vypnose den Zops sorglich wieder aus, der sich gelöst hatte. Turck) solche unb anbere Beobachtung ar lourde bad Puotüum miß­trauisch, aber die Aerzte km ml en sich lrotz nuuuiigsacher Unier­suchungen nicht einigen unb blieben m zwei Becrlager gefpalkai. Beibe waren sich aber darin einig, daß solche Vorführungen eigem- lich untersagt ro erben müßten, weil Die sortgefetzten Sag gestio uen einen außergewöhnlichen Verbrauch von Nervenkraft bebmgen.

Wie dem aber auch sei, bas eine steht fest, baß Madeleine (diese oder jene), was Sck)önheü unb Klarheü der Gebärde betrifft, nicht so leicht übertroffen werben kann, wenn man sich auch nicht verhehlt, daß hier Studien und fortgefeßte Uebung einen glück­lichen Bund Miteinander eingegangen fuib.

Eines nur störte, und das war in München nicht der Fall: Madeleine Trildy vollsührt alle ihre bewuiidernswerien Darsiel- Lungai mit geschlossenen Äugen und verdeckte so den Spiegel der Seele, den lebaibigen Blick. Ader wie die Lttmsllcrm in Bewegung unb Geb er de von dem schon erwähnten abgesehen Ton unb Kern der Darstellung traf, das gavährte einen künstlerischen Genuß. Liebe und Haß, Entsetzen und Eiüzücken, Schmerz mit» Freude, sie alle sanden m dem lelchtbeweglichen, lebhasten Mienen­spiel der Frau einen aufs höchste gesteigerten Ausdruck. Dabei war nameuüich der schnelle Wechsel der einzelnen Geftihlsäuße- rungen bemerkcnswerc, im besoubercn bei WüDenbruchs Hexemied, in Dem sie die veischiedenen Personen nicht nur charakteristisch erfaßt halte, sondern auch in ptatzischen, sinnvollen Posen wiedcrgab. Auch ChopülS Trauermarfch, Blumerigeilützer, Dollarprmzeslin waren von hoher Sawnheü, ob aber bet wirklichen Kuntz, die um ihre Erfolge darben und ringen nmß, mit solchen um daS schauerliche Fremdwort zu geb rau Uten kitzel ndeii Attrattio - nen gebient ist, das mag füglicy bezweifelt werden. Zwischen Madeleine unb. den bekannten Tänzerinnen wie Isadooe Dunkan

Rita Sacchetto, Irene ^ouoeii, öüba Iaeco unb ben Geschwistern Wiesenthal, liegt ein breiter, unüberbrückbarer Strom: der Strom bes Lebens.

Wo aber hört das Leben auf und too beginnt der Traum, der auch ein Leben ist? Alles fließt; auch die Begriffe. In hundert Jahren vielleickst lacht man über und, Daß wir noch so ungläubig waren, oder und bad ist schlimmer man spottet über uns, daß wir noch so abergläubig loaren. Mer so oder so: man wirb bann immer noch von der Kuntz verlangen, daß sie wahres, voll- safliges. Leben jet Und darauf kommt eS schließlich an, Ä- 9L

An Friedrich Haasts

Zum 1. Rovemver.

Ich bitte dich, ben heben Alten, Ter füninudachtzig Fahr gehalten: Steh' teil tm VebeiisuurmgebiauS UnO halt' noch sünizehn Jahre au8. Du immer Frischer, immer Reger, Steh' fest, du wackrer Fahnenträger, 9h< war dein Banner, iuij|en wir, TeS Hasen welibctaiint Panier.

Geh' durch bie buntberoegte Menge Roch oft im sestlichen Gedränge, Aus Den sich Ehr' um Ehre häukt, Daß wir berouiiDernD Blicke tauschen Und ostinals noch daS Wort erlauschen: »Run seht mal, wie der Haase lauftP (Kladderadatsch).

Ausstellung für schöne Künste in Florenz. Die Vereinigung der italienischen Künstler, bie in Florenz ihren Sitz hat, veranstaltet bort in der Zeü vorn 1. November 1910 bis 30. Juni 1911 ihre sechste Ausstellung für schöne SÜlnfte. Anfragen sind -u ricktzen an bieDirezwne bell' Associazvone begli. Attisti Jtaliani. Firenze, Italien" unter Beifügung des Porkobetrages für die Antwort. Tort sind auch bie Ausltellnngs- drucksachen erhältlich.

KnrzeNachrichtenans Kunst u. Wissenschaft. Fuldas neues SchauspielHerr unb Diener" würbe im Deutschen Theater zu Berlin mit einem starken Erfolg gegeben, in den die KrüÜ teboch nicht em stimmt.