sich nach her Villa Lieguitz Ai bem ^Ttn^-cnp-aar August Wilhelm Hub fuhr bann nach Glienicke bei b-em Prinzen- paar Friedrich Leopold. Außerdem wurde das Marmor- palais besucht, wo dos Kronprinzenpaar mit ihren Kindern die Gäste empfing und begab sich dann über die Orangerie und Belvedere nach der Villa Ingenheim, wo bei dem Prinzenpaar Eitel Friedrich der Tee genommen wurde. Die Königin von Belgien machte dann mit dem Kronprinzenpaar und den Prinzensöhnen einen Spazierritt. Der König machte dem Kaiser in dessen Gemächern einen Besuch und verweilte dort eine Sbtnbc bis unmittelbar vor der Tafel.
Der Besuch des italienischen Ministers des Auswärtigen.
Das Wolff'sche Bureau schreibt in einer amtlichen Notiz, die sich in ziemlich verschwommenen Redewendungen bewegt: Der Besuch des italienischen Ministers des Aeußcrn hat die erwünschte Gelegenheit geboten, die zwischen dem Reichskanzler und dem Marquis di San Giuliano in Florenz geführte Aussprache sortzusetzen. Wie schon damals beide Staatsmänner sich in dem festen Entschlüsse begegneten, an der Sicherung und Befestigung des gegenwärtigen Zustandes als das Ziel ihrer Politik uiwerändert fcstzuhalten, so hat auch der jetzt gepflogene eingehende vertrauensvolle Meinungsaustausch erneut ergeben, daß in der hierauf begründeten zuversichtlichen Auffassung der politischen Gesamtlage, wie sie den fortdauernd befriedigenden Beziehungen unter den europäischen Mächten entspricht, eine Aenderung nicht ein getreten i st. Die Besprechungen kräftigten den Willen der beiden verbündeten Negierungen, im Einklang mit dem Wiener Kabinett auch fernerhin Die auf die Erhaltung des Friedens gerichteten Grundsätze zur Geltung zu bringen, von denen die Politik der Dreibundmächte getragen ist.
Warum wirb nicht klipp und klar ein erneuter Vertrag geschlossen? Antwort: Weil keine Handhaben da sind und keine volle Sicherheit herrscht.
Eine Maßregelung.
Der linksliberale Politiker Oberlehrer 2r. Strecker in Bad-Nauheim hac von seiner vorgesetzten Behörde einen scharfen Verweis erhalten. Er hätte in einer Versammlung in Rheinhessen in Bezug auf den Katholizismus Bemerkungen gemacht, die ein katholischer Geistlicher später öfsent- lich zurückwies. Darauf kam auch Dr. Strecker in einer Zeitung auf die Sache zurück und erörterte folgende Stelle int katholischen Katechismus:
„Hüte Dich sorgfältig vor solchen Menschen und Büchern, welche Dich im wahren Glauben oder in der Tugend wankend machen könnten."
Dr. Strecker erklärte u. a. dazu:
Wenn ich einen Sohn hätte, der vielleicht eben das Vaterhaus verließe, um sich draußen in der Welt sein eignes Heim zu bauen, oder wenn ich an junge Freunde dieses Alters deute — und ich habe deren zu meiner herzlichen Freude recht viele! — bann würde ich zu solchen jungen Geistern sprechen: „Verstockt Euch nicht in den Glauben, den Ihr bisher als ben vorwiegenden, vielleicht gar als den einzigen habt kennen lernen. .Verkehrt mit allen -- die Euren Glauben gefährden können! Denn nur so tonnt Ihr geistig mündig werden!
Zum Schluß gab er noch die direkte Aufforderung: „Darum meine Heben jungen Freunde, halte ich es für richtig, wenn Ihr hingeht und tut das Gegenteil von dem, was Euch der katholische Schuliätechismus lehrt."
Auf eine darauf vom katholischen Ktrchenvorstand zu Bad-Nauheim erhobene Beschwerde hat die Abteilung für Schulangelegenheiten in Darmstadt den erwähnten Verweis an Dr. Strecker erteilt unter der gleichzeitigen Androhung, baß sie die „unvermeidlichen und ihm in Aussicht gestellten Maßregeln" ergreifen werde, falls er.LU solchen Beschwerden, tote die der Maßregelung zugrunde liegenden, weiterhin Anlaß geben sollte.
Wir halten diesen Verweis für durchaus berechtigt.
Aus dem SttasprozetzausMH des Reichstags.
:: Berlin, 31. Mai.
Der Strafprozeßausschuß führte die Beratungen des § 110 über die Voraussetzungen der Untersuchungshaft fort. Sämtliche Anträge des Zentrums, der Volkspartei, der Sozialdemo traten und der Polen, die auf Einschränkung der lAntersuchungShast gingen, wurden abgelehnt unb die Regierungsvorlage angenommen.
§ 110 lautet:
„Dia Untersuchungshaft darf gegen den Verdächtigen nur verhängt werden, wenn der Verdacht dringend ist und Tat- fadjen vorliegen, welche die Gefahr begründen, daß er sich dem Verfahren durch die Flucht entziehen oder durch Vernichtung von Spuren der Tat ober durch Beeinflussung von Zeugen ober Mitschuldigen die Ermittlung der Wahrheit erschweren würde. Zur Begründung der F luclügefahr genügt, wenn nach den Umstanden anzunehmen ist, daß wegen der Tat auf Todesstrafe, Zuchthaus oder auf Freiheitsstrafe anderer Art von mehr als einem Jahr erkennt werden wird."
Ebenso wurden die von denselben Parteien gestellten Anträge zu 111 abgelehnt unb § 111 nach der Regierungsvorlage mit folgendem Wortlaut angenommen:
„Bei ftrafbaren Handlungen, die mit keiner schwereren Strafe als mit Gefängnis bis zu drei Monaten oder Geldstrafe bis zu 3000 Mark, allein oder in Verbindung miteinander oder mit N-cbenstrasen, bedroht sind, darf die Untersuchungshaft nur wegen Fluchtgefahr verhängt werden. Zur Begründung der Fliuljtgefahr muß fcstgestelll sein, daß der Verdächtige sich dem Verfahren durch die Flucht bereits entzogen oder Anstalten dazu getroffen hat oder baß er int Inland keinen dauerndes Aufenthalt hat oder unter 'Polizeiaufsicht steht oder daß kein Ausweis über seine Person zu erlangen ist. Auch bei anderen strafbaren Handlungen soll nur unter diesen Voraussetzungen die Untersuchungshaft verhängt werben, wenn nach den Umständen anzunehmen ist, daß gegen den Verdächtigen wohl feine schwerere Strafe als Gefängnis von einem Monat ober Haft oder 3000 Mark Geldstrafe, allein oder in Verbindung mitemanber oder mit Nebenstrafcn, erkannt werden wird^ Diese Vorschriften finden bei den nach § 361, Nr. 3—8 des L>taats- gesetzbuchs ftrafbaren llcbertretungen keine Anwendung."
Aris
Zur Ersatzwahl in Friedberg-Büdingen. Die Bedingungen des Handwerkerbundes, die vom Kandidaten des Bundes der Landwirte angenommen worden sind, sollen u. a. nach schriftlicher Vereinbarung! wörtlich lauten:
„Auch verlangen wir in Steuerfragen, baß mit Rücksicht auf die große Belastung bes Mittelstandes bei Einführung neuer Steuern die Zustimmung zu Verbrauchssteuern zu versagen und n u r die Besteuerung, des Besitzes zu verlangen ist. Sollte die E r b a n f a l l st e u e r wiederum b c an - tragt werden, sv ist neben dieser auch zugleich eine erhöhte Besteuerung des mobilen Kapitals, wie Wertpapiere steuer usw., zu fordern."________________
Detttsehes ttsreh.
Dem vom Amt uirüdgelretcnen Unterstaatssekretär Weve r im preußischen Kultusmini st eri u m wurden die Brillanten zum Stern des ftroneitorbcns erster Klasse verliehen An seiner Stelle wurde Piinisterialdirektor Schwartzkopsf zum Unterstaatssekretär ernannt. In die Stelle Schwartzlopfss rückt Wirkt. Geh. Ober-Rcg.-Rat Bremen.
Die Einigungsverhanolungen im Baugewerbe wurden am Dienstag im Reichstage zu Ende geführt. Ein positives Ergebnis wurde nicht erzielt. Es wurde jedock) ein Hauptvertrag aufgesetzt, zu dem beide Parteien sich bis zum 6. Juni beim Reichsamt bes Innern zu äußern haben. Im Falle der Annahme haben sofort die örtlichen Verhandlungen zu beginnen, die bis zum 13. Juni abzuschließen sind. Soweit örtlich keine Einigung zustande kommt, sollen die Verträge durch ein Schiedsgericht, welches ebenfalls am 13. Juni in Dresden zusammentreten würde, endgültig erledigt werden unter Ausschluß der Berufung. Die Aussperrung ist spätestens am 1 5. Juni aufzuheben. Die getroffenen Schiedssprüche bewegen sich in mittlerer Linie, und es ist zu erwarten, daß beide Parteien den Vertragsentwurf annehmen.
Der Staatssekretär des Reichsschatzamts hat eine Anhörung von Vertretern der deutschen Müller ci-Berbän be im Beisein von Beamten der beteiligten Behörden herbeigeführt/
Im Gebäude der Berliner Handelskammer fand Dienstag nachmittag der Empfang der Turiner Industriellen statt, die sich aus einer Studienreise durch Deutschland befinden. Der deutsche Handelstag, die Handelskammer Berlin, die Aeltesten der Kaufmannschaft, die Potsdamer Handelskammer und die ständige Ausstellungskommission waren durch ihre Präsidenten und zahlreiche Mitglieder vertreten. Geheimrat Herz hieß die Gäste willkommen und sprach die Hoffnung aus, das; sie reiche Anregung aus ihrem Besuch schöpfen möchten. Ter Präsident der Turiner Handelskammer, Kommendatore B o ec a, sprach den Tank der Turiner Herren für den Empfang unb die tu ihren Ehren geplanten Besichtigungen und Festlichkeiten aus und überreichte dem Präsidenten der Handelskammer als Andenken an den Besuch eine künstlerisch ausgeführte Bronze.
AusLnnd
Aus Paris wird gemeldet: Ten Offizieren und Mannschaften des „P l u v i o s e" ist der nächst höhere Dienstgrad verliehen worden. Die Berechtigung dieser Beförderungen ist im Grunde nicht recht einzusehen.
Ans Stadt Uttd Land.
Gießen, 1. Juni 1910.
Tageskalender für Mittwoch, 1. Juni: Zigeuner-Konzert des österr.-ungar. Orchesters „Rakoczi". Abends 8';1 Uhr in Steins Garten.
F o r t s ch r. -- p o l. B i l d n n g s v e r e i n. Vortrag von cand. Ai aier - Marburg : Tie Parteien der Rechten. Abends 8l,2 Uhr im Hotel Sctmt;.
31 r f u Charles: Zwei Vorstellungen. Anfang 4 Uhr und 8'A Uhr.
*
** Orden sangelegen heil. Der Kaiser hat dem Hauplm. Frhrn. v. Beust (Thilo) im 1. Bad. Leib-Gren.-- Jicgt Nr. 109 die Erlaubnis zur Anlegung des Ritterkreuzes zweiter Klasse des Hessischen Verdienst-Ordens Philipps des Großmütigen erteilt.
** Pfarrpersonalien. Der Großherzog hat dem Pfarrverwalter Will). Mayer zu Wackernheim die evang. PfarrsteNe zu Dorn-Türtheim übertragen und den von dem Frhrn. Gustav Löw von und zu Steinfurth auf die evang. Pfarrstelle zu Steinfurth präsentierten Pfarrverwaltcr Adolf Weck daselbst bestätigt.
LehrerPersonalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Ludw. Schanz aus Niedernhausen eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Schaafheim. — Best ätigt wurde der von betn Grafen zu Erbach-Fürstenau auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Momart präsentierte Schulamtsaspirant Karl Strack aus Villingen. — Erledigt ist eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ockenheim. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde- schule-zu Frei-Weinheim. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.
•* An Kursen der Jnfanterie-Schießschule in Spandau, die bis zum 8. Juni dauern, nehmen von der hessischen Division teil: Major v. Westernhaaen vom Leib- garbe-Jnsanterft-Regiment Nr. 115, Major Lübbe und Hauptmann Baither vom Infanterie-Regiment Nr. 118 und Hauptmann Henrici vom Leib-Jnfanterie-Regiment Nr. 117.
** Alldeutscher Verband. Man schreibt uns: Wie aus der Anzeige im Inseratenteil zu ersehen ist, wird Professor Dr. Sievers am Freitag den 3. Juni abends in Steins Garten einen Vortrag über seine Reise in Peru und Eenador halten. Bekanntlich war Professor Sievers während des größten Teils des Jahres 1909 von seinem Lehramte beurlaubt, um seine in früheren Jahren begonnenen Untersuchungen über die Cordilleren Südamerikas sortznsetzen. Er widmete sich besonders dem Studium der Vergletscherung des höchsten Hochgebirges von Nord-Peru. Die den Vortrag begleitenden Lichtbilder werden daher zum Teil wertvolle und jedenfalls völlig neue, in eigenen Aufnahmen erzielte Landschaftsbilder aus den 5000 bis 6700 Meter hohen Schneegebirgen im Quellgebiete des Amazonenstromes zeigen.
•• Biebertalbahn. Von zuständiger Seite werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß die nach Zeitungsberichten in der letzten Stadtverordnetensitzung mitgeteilte Angabe, wonach es in Hessen nicht möglich sei, die Biebertalbahn unter gewissen Voraussetzungen durch den Staat zu übernehmen, unzutreffend ist. Nach der im Hessischen Regierungsblatt Nr. 18 von 1897 veröffentlichten Konzessionsurkunde hat der hessische Staat sich ausdrücklich das Recht vorbehalten, die Bahn unter bestimmten Bedingungen zu erwerben. Die Abtretung der Bahn kann bereits nach Ablauf von 15 Jahren vom Tage der Betriebseröffnung an vom Staat gefordert werden. Das Erwerbsrecht deS Staates kann nur dergestalt ausgeübt werden, daß die ganze Bahnstrecke abgekauft ivird, d. I). vom hessischen Staat allein nach Verständigung mit der preußischen Regierung oder gleichzeitig von beiden beteiligten Staaten für die in ihrem Gebiet gelegenen Strecken.
•• Verunglückt. Der Student Friedr. Vogel auZ Darmstadt erlitt heute morgen beim Baden in der Lahn einen Herzschlag. Die Leiche wurde nach der Leichenhalle am neuen Friedhof verbracht.
'* ®ic Maul- und Klauenseuche ist ausgebrochen im Schlachtviehhof zu Chemnitz am 30. Mai.
ÄLich, 31. Mai. Das 50jährige Jubiläum unseres Turnvereins ist nun endgültig auf den 2 4. Juli festgclegt worden, und zwar soll mit Rücksicht auf viele derartige Feste im Gau „Hessen" die Feier nur in kleinerem Maßstabe ftattfinben, das ursprünglich geplante Musterriegenturnen fällt weg. Mit dem Fest verbunden ist Fahnenweihe. Tie Bürgerschaft bot für ein neues Banner, das die hiesige. Firma Hisgen liefern wird, mehrere hundert Mark gciöenbit. Größere Beträge gaben dazu auch Fürst Karl und Prinz Louis zu Solm-Lich.
ßj Ai nnzenbcrg, 31. Mai. Ter gestrige zweite Tag der mit der Gausahrt des Gaues Hessen verbundenen Fahncn- 'weihe unseres Turnvereins war hont Wetter besser be
günstig! als der Sonntag. Es entwickelte sich daher ^auf dem icbönen nordwestlich der Stadt gelegenen Fe st platz bei Tanz und Musik, die die Garde-Dragoner Nr. 23 aus Darmstadt stellten, sowie bei allerlei Unterhaltung durch Darbietungen hiesiger Vereine noch ein recht belebtes Volksfest, das auch aus der Umgebung noch gut besucht war. Die großen Festzelte sind von der Brauerei Jhring-Lich gestellt moröen.
X Butzbach, 31. Mai. Der Kirchenvorstanb, dem die Verwaltung des für Schulzwecke bestehenden ft ugelhaus - fonds untersteht, beschloß dem Schulhans in der Langgasse einen Stock aufzubauen. — Im Vorschnßverein hat inan pie Einführung von Heimatsparkassen erwogen.
L. Bad-Nauheim, 31. Mai. Heute morgen wurde mit dem BahnhofSumbau durch die Firma Reuß begonnen. Zunächst wird der südliche Flügel hergestellt werden, dem dann das übrige Gebäude folgen wird. Im Herbst wird man mit den Unterführungsarbeiten anfangen. — Durch die Baufirma Mörschel wurde heute nachmittag mit den Arbeiten zur Herstellung des Beneke-D en km als der Anfang gemacht. Das Denkmal kommt neben die große Usabrücke zu stehen und soll noch in dieser Saison ausgestellt werden. — Die zwei Fürstenbadezimmer im Badehaus III und VII sind jetzt vollständig eingerichtet und bieten einen sehr guten Eindruck dem Besucher. — In diesen Tagen kam der Sultan von Sansibar mit Gefolge zum Kur- gebrauch hier an und stieg im Kaiserhof ab. Dem Gaste war die vorjährige Kur sehr gut bekommen.
FC. Hochheim a. M., 30. Mai. Die 245 Hektar umfassende Domäne Mechtildshausen bei Hochheim, die schönste Domäne im Nassauer Land, wurde auf 18 Jahre neuvervachtet und zwar für 28 500 Mark jährliche Pacht, ohne 620 Mark Jagdpacht, an die seitherigen Pächter, Amtsrat Güngerich. und Octonom Heinrich Weber.
x Atzbach, 30. Mai. Die Kreisst aus h al ts lehr erin Müller aus Wetzlar hält in diesen Tagen eine Revision des Handarbeitsunterrichts in den Schulen der Bürgermeisterei Ätzbach-Launsbach ab. Die Prüfungen für das laufende Sommerhalbjahr erstrecken sich aus die Bürgermeistereien Hohensolms, Ehringshausen, Krofdorf und Großrcchtenbach. Während des Winterhalbjahres pflegt die vom Kreis berufene Lehrerin regelmäßig drei sechswöchentliche Haus- haltungskurse abzuhalten. Die letzten derartigen Kurse wurden zu Launsbach, Leun und Hohensolms abgehalten und die nächsten werden in Kölschstausen und Niederkleen eingerichtet.
X. Schlüchtern, 31. Mai. In der Nähe des Weinberges ist auf dem Eisenbahngleise die verstümmelte Leiche des Taglöhners Wirth von hier aufgefunben worden. Der Kops war ihm zur Hälfte abgefahren. Ob ein Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, ist noch nicht bekannt.
w. Frankfurt a. M., 31. Mai. Nach lebhafter Erörterung beschloß die Stadtverordnetenversammlung gegen eine beträchtliche Minderheit, der Deutschen Luftschiffs- Aktiengesellschaft ein größeres 63 c f ä n b c östlich des Rebstöckerwalbes zur Errichtung einer Luftfchiffhalle zur Verfügung zu stellen, stellte aber die Bedingung, daß der Magistrat den mit der Gesellschaft abzuschlicßenden Vertrag den Stadtverordneten zur Genehmigung vorlcgc.
F. C. Wiesbaden, 30. Mai. 'Die Tomäncn-Vor-» werke Untergladbacher Hof und Obcrgladbachcr Hof in der Gemarkung Villmar, Kreis Weilburg gelegen, wurden heute für die Zeit von Johamri 1911 bis 1. Juli 1929 der pachtet. Der erste hat eine Größe von 50 Hektar, seither für 2055,75 Mark jährlich verpachtet, der zweite ist 43 Hektar groß und der jährliche Pachtzins beträgt 1933,70 Mark. Verschiedene Interessenten waren anwesend, doch legten nur die seitherigen Pächter: Peter Rosbach V, Untergladbacher Hof, und Otto Nafziger, Obcrgladbachcr .Hof, Gebote von 2055 Mark bezw. 2000 Mark ein. Den Zuschlag erteilt demnächst der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.
Gießener Strafkammer.
) ( Gießen, 31. Mai.
Vergehen gegen das Patentgesetz
ist dem Schlossermeister H. S. hier zur Last gelegt. Er hat eine Abbildung einer noch nicht geprüften Erfindung für eifern® Fenster auf Briefbogen aufbruden unb darüber die Bezeichnung D. R. P. A. setzen lassen. Von ben 'Briefbogen hat er eine Anzahl verwändet, ben Rest aber beseitigt, als bic Bezeichnung beanftanbet worben war. Tas Schöffengericht nahm an, bic Bc zeichnnng sci geeignet, bas Publikum irre zu führen, ba angenommen werben konnte, .es hanble sich um einen patentierten Gegenstanb. Er hatte zwar bic Ersinbnng bei dem Patentamt angcmelbct unb obige Bezeichnung sollte nach seiner Angabe „Deutsches Reichs-Patent angemefbet" bcbcutcn: bic Patentierung ist ftbocb inzwischen abgelehnt worben, ba ein fast gleicher Gegen- stanb bereits angerneldet war unb man Verbucht hatte, es banNe sich um eine Nachahmung. Der Angeklagle behauptet aber, es handle sich um eine Grfinbung von ihm, bic bebrütend von ben unbern abweiche, llebrigcnä fei er nicht der Urheber der Bezeichnung, vielmehr habe es der Drucker selbständig getan. Das Gericht verwarf die von dem Angeklagten eingelegte Berufung, der freigcsprochen sein wollte, wie auch die der Staatsanwaltschaft, bie eine höhere Straft erstrebte, inbent es hervorhob, baß durch bic Bezeichnung ein Schutz der Erfindung bezweckt werden sollte, auf die der Angeklagte keinen Anfpruch hatte unb er infolge bes häufigen Vcrtehrs mit bem Patcittamte wissen mußte, baß er bie Bezeichnung nicht anroenben dürft. Zur Erhöhung der Strafe lag kein Anlaß vor.
Auf schiefe Bahn geraten
ist ein 21 jähriger Handlungsgehilfe F. G. aus Heuchelheim, bet in einem hiesigen Geschäfte tätig war. Er war vielfach im Laden beschäftigt, wo er bic cingcgangcncn Gclbbcträge am einem Notizblock notieren unb bas Gelb in bic Kasse legen sollte. Er unten ließ vielfach bie Notizen unb eignete sich bas Gelb an, audi zog er Rechnungen aus, setzte ben Firmenstempel barunter und auittiertc „int Austragc". Ferner hat er einen Geldbetrag von 60 Mark, der ihm zur Ablieferung an bie Ortskrankenkasse übergeben worben war, unterschlagen: auch hat er Gelb aus ber Kasse entivenbet unb ein im Laben verlorenes Zwaitzigmarkstück, bas er zu suchen beauftragt war, sich ungeeignet. Als sein Pnn zipal Verbacht gegen ihn hatte, entlarvte er ihn burd) Einlegen gezeichneten Gelbes in bic Kasse. 2er Angeklagte will etwa 150 Mark veruntreut haben, bagegen schätzt sein Prinzipal den Schaben auf mehrere taufenb Mark. Der Angeklagte, beffen Eltern früh starben, hat nicht bic beste Erziehung genossen: sein Vormunb schilderte ihn als einen leichtsinnigen Mens dien, bei viel Gelb vergcubctc. Tas veruntreute Gelb im Dorliegcnben Fall hat er größtenteils in schlechter Gesellschaft burdigcbradyt. Seine frühere Stelle mußte er auch wegen Unredlichkeiten, auf geben. Sogar nach feiner Entlassung verwendete er noch Formulare der Firma, nm sich in Besitz von Geld zu setzen, woraus seine Verhaftung erfolgte. 2er Angeklagte wurde wegen fort gesetzter Untreue im einheitlichen Zusammentreffen mit Unter schlagung, wegen drei Fällen des Diebstahls, worunter einer in fortgesetzter Täterschaft, sowie wegen fortgesetzten Betrugs und Bctrugsversuchs, zu 1 Jahr unb 3 Monaten Gefängnis Der urteilt, worauf 3 Monate Untersuchungshaft in Anrechnung gebracht werben.
Als Diplom-Ingenieur,
ber in Rcklamesachcu reift, gab iidi ber Reisende R. K. St. aus Jägembors in Oesterreich aus. Er traf in Fulba einen Ziegelei-


