Donnerstag 7. Januar 1909
1S9. Jahrgang
Erstes Blatt
gesetzt.
Nr. 5
Ter Lietzener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: vierinal wöchentlich GietzenerFamiliendiälter; aiocunol wockentl.Areir- blatt färben Kreis ®k6en (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche Seitsragen Fernsprech • Anschlüsse: sür die Redaktion 112, Verlag u. Expedüion 51 Adresse tot Depeschen:
Anzeiger Gießen.
Annahme von Anzeigen sür die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr.
Deutsche» Ueich.
— Reise-Dispositionen des Kaisers. Nach den nunmehr für die nächsten Monate ausgestellten Reise-Dispositionen deS Kaisers wird, wie die „B.Z " erfährt, die früher geplante Reise nach dem Mittelmeer mit einem längeren Aufenthalt auf Schloß Achilleion aus Korfu nicht stattfinden. Tie Reisen der kaiserlichen Familie sind für dieses Jahr sehr eingeschränkt worden. Kaisers Geburtstag soll diesmal in einfacherem Rahmen gefeiert werden, obgleich man eine Anzahl Gäste, wie die Könige von Württemberg und Sachsen, erwartet. Das Sparsamkeits-Prinzip soll bei Hofe streng durchgeführt werden.
DieTagungdesDeutschen Flottenvereins findet vom 3. bis 6. Juni in Kiel statt.
Der frühere Präsident des Reichstages, Graf von Ballestrem, hat vor einigen Tagen einen leichten Schlaganfall erlitten, doch gibt sein Befinden zu kernen Besorgnissen Anlaß.
Ungültiges Reichstagsmandat. Nach Meldungen aus Straßburg dürste die Wahlprüfungs-Kommission des Reichstags im Plenum beantragen, dre angefochtene Wahl des Sozialdemokraten Bühle für Straßburg-Stadt im Reichstage für ungültig zu erklären.
Das Befinden C a st r o s ist fett seiner, Operation verhältnismäßig befriedigend. Trotzdem ist bei dem Patienten, wie Professor Israel mitteilt, die Lebensgefahr noch immer nicht ausgeschlossen.
Staatssekretär von Schön hatte gestern vormittag eine Konferenz mit dem Beniner österreia)isch-mrgar. Botschafter Grasen Szögyeny.
Titeländerung. Im Königreich Sachsen werden die Regierungsassessoren in Zukunft den Titel Regre- rungsamtmänner führen. .
KolMjehe Lagesjchau.
Tie verbotene französische Vorstellung in Straßburg.
Tie Mitteilung elsäisiicher und französischer ^cuungen, b(i6 eine ttanzösijche Vorstellung m Straßburg zu Minuten der ep’er des Erdbebens in SüduaUen verboten wurde, ist unrichtig. u» handelt sich um das bereits an'angö Dezember erlassene Verbot einer Iranzösilchen Vorstellung seilens eines Ditellanlenklubs, m der die Regierung eine direkte Propaganda sür das Bordringen der französischen Sprache erblicken mußte. Auch mit dem Bor'all einer Theaterdemonslranon m Dledenhoun, die zeitlich hinter dem verbot liegt, Hal die Angelegenheit nichts zu tun.
England der unversöhnliche Feind Deutschlands.
Es war zu erwarten, daß sich an die Neujahrs- äußerurigen des Kaisers zu den kommandierenden Generälen Kommentare der englischen Presse knüpfen wurden. Die Aeußerungen haben in London tatsächlich großes Aufsehen hervorgerusen, und werden von den Londoner Morgen- blättern in aus, ähnlichen Berichten wiedergegeoen. Am meisten Eindruck macht in England die Erklärung des Grafen Schlieffen, daß England ein unversöhnlicher Feind Dmlsch- lands sei. Die Zustimmung des Kaisers zu dieser Ansicht, meint ein englisches Blatt, wird einen peinlichen Eindruck
parlamcntartfd?«:» aus Heiden.
R.B. Darmstadt, 6. Jan. Der Finanzaus- ch u ß der Zweiten Ständekammer ist heute zum Beginn einer Etatsberatungen zusammengetreten. Es wirrde, wie üblich, zuerst eine allgemeine Aussprache über die augenblickliche finanzielle Lage abgehalten und dabei betont, daß das Budget für 1009 keine besonders wesentlichen Veränderungen gegen das Vorjahr enthalte. Man hofft deshalb auch, daß die Beratung des Budgets vom "Ausschuß in kurzer Zeit erledigt werden kann; die Budgetberatung soll in den nächsten Tagen ohne Unterbrechung fortgesetzt werden. Rach Uebergehung der ersten Kapitel deä Etats fand eine eingehende Besprechung über das Kapitel SB ein- baudomäne statt, für das die Einnahme auf 151 754 9)1!. und die Ausgabe auf 150 072 Mt. angesetzt worden ist. Die Einnahme weist eigentlich gegen das Vorjahr ein Mehr von 6712 Mk. auf, der Finanzminister hielt es jedoch für angezeigt, einen sog. Erneuerungsfonds im Betrage von 5737 Mk. zu schaffen, aus dem die Mittel zur Bestreitung der durch Ersatzbauten und Ersatzanschasfungen für größere Jnvenlarstücke entstehenden Kosten entnommen werden können. Im Ausschuß wurden dagegen keine Einwendungen erhoben. Weiter wurde die Frage erörtert, ob der Fiskus noch weitere Ankäufe in dem Weinbaugebret machen solle. Eine größere' Debatte entspann sich auch beim Kapitel Kamera» und Forstdomänen. Im Etat für die staatlichen Forstdomänen ist als Einnahme aus 15 400 Festmetern Holz und Rinde ein Betrag von 157 080 Mark vorgesehen, und die Gesamteinnahme aus diesem Kapitel stellt sich auf 273 847 Mk., während die Gesamtausgabe. 140 705 Mk., d.i. 10067 Mk. mehr als im Vorjahr, beträgt. Bei den Kameral- und Forstdomänen des Großh. Hauses stellt sich die Gesamteinnahme auf 6 0002857 Mark, die Gesamtausgabe auf 5 011485 Mk. Die Gehälter für 83 Oberförster belaufen sich einschl. Wohnuugsgeld- zuschuß auf 428260 Mk. Es wurde hierzu die Frage angeregt, ob sich nicht eine größere Ausnutzung der Waldungen ermöglichen lasse. Dann wurde auch zur Sprache gebracht, ob sich die Organisation vom Jahre 1890 wohl bewährt habe und insbesondere, ob nicht damals die Stellen der Oberförster allzusehr vermehrt worden seien. Auf diese und ähnliche Fragen dürfte die Großh. Regierung erst . gelegentlich der gemeinsamen Etatsberatung mit den Regierungsvertretern eine nähere Antwort erteilen. Die Be- . ratung des Finanzausschusses wird morgen vormittag fort-
in England Hervorrufen. Die „Franks. Ztg." bedeutet denn auch schon in ihrem letzten Abendblatte, daß dre Aeußerungen des Kaisers durch Indiskretion bekannt geworden ind. „Wenn der Kaiser", so schreibt das Blatt, „im Kreise seiner Generäle offen seiner Meinung Ausdruck gcbr, so ollte doch auch dafür gesorgt werden, daß diese Memungs- äußerungen wirklich auf diesen Kreis beschränkt bleiben, und nicht von einzelnen benützt werden, um bte Seffent- ichkeit zu beunruhigen. Eine Beunruhigung der öffentlichen Meinung können wir nun in diesen Aeußerungen beim besten Willen nicht erblicken, selbst dann nicht, wenn die Zustimmung des Kaisers zu den Ausführungen Schliessens in England wirklich Unbehagen Hervorrufen sollte. Wir geben dem Frankfurter Blatte aber darin recht, daß derartige Fälle von Indiskretion doch eigentlich nicht Vorkommen dürsten. Im Kreise seiner Generäle muß der Kaiser unter allen Umständen der Diskretion sicher sein.
Boykottdrohung der schrvcizerischcu Mnller gegen Deutschland.
Eine gestern von dem Juittativkoutttre zur Aowchr der bcut- schcn Baänichleinjuhc nach Olten einberufene Versammlung zahlte <2 schweizerisch Müller. Es wurde beschlofsen, über deutsche Getreide- uitb Mchipwdukte einen Boykott HU verhangen Sollte Der Geteideboykott unwirksam blciuen, so soll das geivaytte tiatirrfomitee Vorschläge unterbreiten, um den Boykott auch auf anoere Artikel auszudehnen.
Oesterreich «ud Serbien.
Die Verstimmung >ue|tertiiü)S nngui oer Rebe des serbischen Ministers des Aeußern nimmt immer mehr zu Der DÜerreia)t|ü^ ungarische Gesandte in Belgrad, Gras Forgach hat neue 3nftcut ttonen erhalten und wird feine Intervention svrtietzen, da das Wiener Kabinett die bisherige Erklärung Mtlowanowttich s Tur ungenügeno halt. Wie verlautet, hat Gras Forgach den Austrag, auf sofortiger Beantwortung seiner Anfrage zu bestehen. In Serbien setzt man inzwischen leine Rüstungen gegen Oesterreich eifrig fort. Der Direktor der belgiichen Wüsten,aorik tn verstal bestätigte einem Mitarbeiter des Petit bleu, daß Serbien dort Munition bestellt habe. Es handle sich aber nicht um 2^ Million, sondern um 25 Millionen Patronen für die / Milttmeter-Mauier-- gewehre, mit denen die serbische* Armee bewafsnet tlt
Ausruhr in Persien.
Teprschetr aus Teheran i/Ciagen, day ^spahan in vollem Aut- CTf'gre ist. Die Lage sei sehr er^t. Es herrsche vollständige Anarchie. Soldaten Hutten die Haupt-Karawansereien uitb Basare geplündert. Der Gouverneur und andere Beamte hätten im brr- lischen Konsulat, hervorragende Bürger im ruf|i|a)en Konsulat Unterkunft gesucht. Prinz Ferman Ferma hat nun den Beseht erholten, sich als Gouverneur nach Jspayan zu begeben.
Oileans verbreileie Nachricht, daß Truppen aus Guatemala mit iolchen aus Honduras und Nicaragua bei Arnopala gegen. ticara- gua zusamnieiigezogen worden 'eien, unzutreffend.
2lu$lan3.
Friedeusk »nferenz. In Brüssel tritt heute das aus. kührende Komitee der interparlamentarischen Fiiedeuskonstrenz zu° sammen, um in Ausführung der m Berlin gelabten Beschliche die Organijationslragen der Vereinigung zu regeln. "
Aus Portugal. Tie m den Blattern verbreitete Nachricht, König 'Manuel jci brustkrank, entbehrt Der Begründung. Ter Ge- iundheitsuistand der Königin Mana P'a dagegen ift foUflcW jchlecht; sie leidet an häuftgeu nervösen Anfallen; ihr Nierenleiden hat sich verschlimmert. „ . , ~
Buhamara. Dem ^Daily Expreß wird ans Alcazar gemeldet, daß Buhamara, der eine Zeitlang als Prätendent iur den Thron von Marokko eine Roste spielte, ans dem Lande gefluchtet 4ei. Muley Hasid hat so'on Schritte getan, um die nun als Buhamara-Gebiei gellende Provinz im Dlovöen Alarokkos zu besetzen. Es sollen sich dort reiche Aimeu besiuden, sur deren Aus' Deutung französische und - spanische Unternehmer hohe Abgaben 5at)lg[‘ach dem Sturze Jilanschikais. Ter englische und oer amerikanische Gesandte sind der Ansicht, daß Die Entlassung Zncuuchikuls eine vage schul, die eine feile Haltung der Alachie er» wrdere, und ivarnen den Regenten vor Regierungsmatznahmen, die die Ruhe im Innern Ehinas ge'ährden könnten.
Jur vage in M i 11 e l a m e r l k a. Nach einer Mitteilung des Generalkonsulats von Guatemala in Brüssel ist die aus New-
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Verantwortlich
-. —- _ w für den politischen Teil,
General-Anzeiger für Gberheffen
«oiaiionsdruck und Verlag 6er Brüheschen Univ.-Such- und Steinöruderei «. Lange, «edattian, Lkpedttian und Druckerei: Schulstrahe 7. Anzeigenteil'. H. Beck.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 7. Januar 1909.
Gedenket der hungernden Vögel!
• * Tageskale n der für Doniierstag, 7. Jan.: 4. Vortag der Gesellschaft üir Erd- und Bölkerkunde: Dtexi k a ntsch e Altertümer von Frau Pros. Seler in Bonn. Abends « Uhr in der groben Untversitätsaula.
Freidenker - Bereinigung: Vortrag von p'tau öenriette Fürth tu Frankfurt a. Al.; Mutterschaft und Berus. Abetids 81/, Uhr in Steins Garten.
• • Landtagsnachwahl in Bee rseldett. Im Wahlkreise Beerfelden wird der Gutsbesitzer Breitner, den die nationalliberale Partei als Kandidaten für die Ersatzwahl ausgestellt hatte, nicht kandidieren. LS besteht die Absicht, nunmehr den Oberamtsrichter 2B ü n 5 e r in Ä)ald-Michelbach aufzustcllen.
.** Justizpersonalien. S. K. H. der Gro ßherzog haben den Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen, Geh. Justizrat Dr. Will;. Schäfer auf sein Rachsuchen unter Anerteunung seiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß das Ehrenkreuz des Verdienstordens Philipps des Groß- mütigen verliehen! den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen, AmtSgertchtsrat Friedr. Schnitzspahn, zum Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Friedberg, Adolf Strack, zum Amtsrichter bei dem Amtsgertcht Gießen, den Amtsrichter bei dem.Amtsgericht Herbstein, Ernst Gramer, zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen und den Gerichtsassessor Karl Pückel in Taimstadt zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Friedberg ernannt.
• • Ordensangelegenheiten. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben dem Vernarb Sauerwein zu Riadrid und dem Reglerungsrat Dr. Phil. Böeber, Mitglied der Elsenbahndirettion zu Elberfeld, die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihnen vom König von Preußen verliehenen Kronenordens 4. Klasse, bezw. Roten Adler-Ordens 4. Klasse erteilt.
* • Bestätigter Beigeordneter. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben die am 16. Dezbr. 1908 durch die Stadtverordnelen-Vetfammlung erfolgte Wiederwahl des Bau- iats Fnedr. Jaeger zum besoldeten Beigeordneten der Haupt- und Residenzstadt Darmstadt und zwar auf Lebenszeit bestätigt.
* * Italienischer Konsul. Der zum König!, ital. Generaltonful mit dem Amtssitze in Frankfurt a. M. ernannte Herr Camillo Berlola, dem das Reichserequatur erteilt
Blättern. , B
Die ,N. Allg. Ztg.- schreibt letzt in einem zweiten Artikel. Tie .Germania" hatte in einem Artikel vom 5. Jan. über Die eummimg m Wien eine ihr angeblich von Uitterrichieter Sette zngegangene Znfchrlst vciösieiulicht, in der eZ u. a. heißt: am Berlin
vertraut, hat auf Sand gebaut". Diese Empfindung gelangt bei-- fpiel^weise offen zum Ausdruck in der christtich-sozialen „Netchs- vost" vorn 1. Januar durch eine von einem österreichitchen Diplomaten herrährende Zuschrilt, welche Die Forderung erheb., Dais Deutschland mehr als bisher in Konstantinopel iur das Jutereye Oesterreichs - Ungarns wirken solle. Wie wir hören, erklärte der hiesige österreichiich-ungarische Botschaster diese Behauptung amtlich für eine absurde und böswillige Ersindung. . . .
Tie „(Germania* wendet sich nun gegen die scharfe Kritik, Die üjre Zuschrilten aus Wien gelunben haben und bemerkt lolgendes: Wir sind nach wie vor Der Ueberzeugung, daß untere Zuschrilten die Stimmung und Auffassung, Die in hohen Wiener Kreisen herrschen oder doch bis in Die letzte Zeil geherrscht haben, richtig wiedergecen. Dian wird das auch m der Wilhelmstraße recht gut wissen. Daß das oifiziöie Wiener Blatt so schreibt, wie es ,etzl tut, ist eigentlich selbstverständlich. Es schildert eben die ^.mge so, wie man in Wien wünscht, daß sie sein sollten. Biellercht auch so, wie man m Berlin wünschte, daß man sie in Wien schildere. Vermutlich sind sie auch neuestens ziemlich so geworden, was aber nicht hindert, daß man eine Zeit lang berechtigten Grimd zu haben glaubte, an der aufrichtigen Unterstützung des Lerbundeten zu zweifeln, und daß diese Zwerlel noch eine Zett lang nachwirkten. Unfern Artikel auf das Zentrum zuruckzuluhren und ihn als Vorstoß gegen den Fürsten Butow und die Blockyoltttk auszulegen, ist bequem, aber töricht. Wir hatten bei der Veröffentlichung lediglich die Absicht, davor zu ivarnen, daß durch lässige und zwei'elhaste diplomatische Unterstütziing unseres „briflanten Sekundanten" von Algecnas bei Dietern der Glaube an die unbedingte Lündinstreus Deutschlands erschüttert werde und die Neigung, ja Slotwendigkeit entstehe, 'sich nach ander-n Stützpunkten umznsehen. Wenn die Verhältnisse sich nunmehr zum besseren wenden, so ist das geschehen, was toir allem wünschen. An dem Sturz des Fürsten Bülow Haden roir, wie schon so und so olt gesagt, gar fein Interesse, zumal bei der gegenwärtigen innerpolitischen Lage. Wir müssen aber auch Verwahrung dagegen einlegen, daß uns das zur Enthaltung von jeDer Kritik der Bäkowschen Politck verpflichte und jede fern Verhalten nicht lobende Aeußerung als versuchte Kanzlerstürzerei des Zemrums ausgelegt werde. Was würde die Blockpresse, Die sich wahrend der LirrstS so scharf über den Rotier ausgelassen hat, wohl jagen, wenn wir ihr vorwer^n wollten, sie habe damtt den Kaiser stürzen wollen? , , c = . .
Dieser merkwürdige Rechtfertigungsversuch des Zentrums wird schwerlich den schlechten Emdiuck verwstchen, den Die bisherige Haliung des Zemrums in Der Politik des Reiches hervorgeruien hat.
Zentrumr-Lamariita.
In welcher Weise das Zentrum gegen den Reichskanzler und seine Blockpolitik agitiert, hat jetzt die „Nordd. Alla. Ztg. in chrer letzten Wocheiirundschau aufgeöedt. Tas olst^ose Blatt wendet sich i» {charter Weise gegen unlautere Machenschaften dec 3entruni§- prene, die unser Perhaltms zu Oesterreich-Ungarn betrepen. Es roub zunächst Bezug genommen ans eine Wiener Korrewondenz, die die .Germania" am 29 Dezember angeblich .von einem bekannten österreichischen Politiker* erhalten haben mi-t. ^arm wird der deutschen Politik der Vorwurf gemacht, sie stehe mäst lest genug zu Oesterreich-Ungarn, uiib Fürst Bülow lasse sich durch gewisse Alockeinflusse, die vor allem von der Großlndiistrie und vochstnanz ausgingen, am tatkräftigen, konsequenten Handeln hindern. *.ci Wochenschauer des oisiziösen Blattes hübet in biesen Gebanken. qänaen eine auffallende Aehnlichkeit mit den Gebaukengangen deutscher Zentrumsblätter. Eine /Berliner Korrespondenz , bte am 29. Tezember in der Wiener /ReichSpost* er,chle.ion ist und die- fclben Ausführungen wie die ,Wiener Korreip/ bringt, bestätigt, daß hier Fäden hinüber und herüber gesponnen werden. -Lie Nordd. Alla. Ztg.' schreibt dann: »Wenn wir dem Zusamnien- hana ,,vüchcn Den beiden Artikeln genauer nachgegangeii sind, als ihr sachlicher Inhalt öerDient, so geschieht dies aus zwei Gründen: einmal, weil sich daraus der Nachroeis ergibt, wie die Zentruins. Publizistik m ihrem Haß gegen den Reichskanzler es nicht oer- schmäht, das Vertrauen zu untergraben, das P.urst Bulow u, der verbündeten österreichisch - ungarischen Monarchie besitzt, sodann, wett unsere osterreichstch - ungarischen oreunbe an diesem Beilpiele zu erkennen vermögen, was von dem Gerede einer schwankenden Politik Deutschlands zu hatten ist. E» aibt in unserer amtlichen Politik Oesterreich - Ungarn gegenüber tanächlich nicht die mmdeslen Schwankungen. Wohl aber glaubt das Zentrum m einigen semec fanatischsten Anhänger em ^nterene daran zu haben, diese Mar zu verbreiten, um damtt dw Position des Rerttislanzlers auch nach außen und von außen zu erscbwerei'.. Es ist nötig, diese Takick ausiudecken, um nicht latsche Vorstellungi-n Über den Charakter und Die Zuverlässigkeit der deutschen Politik auskommen zu lasten." Diese entscbledene Lprache zeigt wieder einmal, wie Die Uluamontanen alle Hebel in Bewemmg letzen, um übet Wien Zentrum wieder zum Trumps in Teutjchland zu machen, Dann aber, daß der Reichskanzler willens und mächtig genug ist, Dieien Rankünen entgegenzuireten. Hub Da schreibt Die Zentrumspresse unentwegt, eS gäbe feine Zeittrumskamarilla. In Wien hat man übrigens ebenso wie bei uns die wahren Absichten des Zentrums duichschaul. Das erfährt man aus den Wiener


