Ausgabe 
28.12.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 304

Zweites Blatt

150. Jahrgang

Dienstag 28. Dezember 1909

Gießener Anzeiger

erscheint »glich mit Ausnahme beS Sonntag«.

Eeneral-Anzeiger für Oberhejjen

RotottonSbrutf tmb Vertag der Vrüblichen UnwersitLre - Buch- und Eteindruckerei. 9L Lange, Dieben.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« strabe 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion: 112. Tet-Abr^AnzeigerGießen.

T'e ,.«iehener Zamittenblätter- werden dem /Jlnscifler* viermal wöchentlich beigelegt, da« Krtisblfltt für den Krtis Gieren" zweimal wöchentlich. TieLandwirtschaftlichen Zett, fragen" erscheinen monatlich zweimal.

politische Tagesschar«.

Die preußischen Landtagswahlen im Jahre 1908 und in früheren Jahren.

Die im Statistischen LandeSamt fertiggesdellten Heber- Achten über die Ergebnisse der Landtagswahlen im Jahre 1908, verglichen auch mit den Ergebnissen der früheren Wahlen, jwb nunmehr im Druck erschienen. Das gesammelte und trefflich verarbeitete umfangreiche Material wird bei den schwebenden Erörterungen über die Reform des Land­tagswahlrechts in mancher Beziehung schätzenswerte Dunste leisten, es bietet aber, hiervon abgesehen, auch sonst lehrreiche Einblicke in das Wesen und die Wirkungen des bestehenden Dreiklassenwahlrechts -um preußischen Äbgeordneteniiause.

lieber die Wahlein teilu ng und Wah lb erecht i- gung entnehmen wir der B. C. folgende Angaben:

Die llrwahlen finden nach den befteljenben Verordnungen in Urwablbezirken vvn 750 bis 1749 Seelen mit 3, 4, 5 oder 6 Wahlmännern statt. Solche Bezirke waren im Jahre 1908 im ganzen 29 028 gebildet worden, davon 11 989 in den Städten und 17 039 auf dem platten Lande. Aus jeden Urwahlbezirt kamen 1908 rund 1285 Seelen, 265 Urwähler und 4,75 Wahlmänner Die Zahl der Urwähler betrug 7,7 Millionen: auf je 1000 Einwohner kamen 206 Wahlberechtigte, davon 7,87 der I. und 28,56 der II. Abteilung Die Verteilung der Wähler aus die einzelnen Abteilungen gibt den beiden oberen Abteilungen, wie es in der Natur der Dreiklassenwahl begründet ijt, ein außerordentlich starkes Uebecgewicht. doch ist feit 1888 infolge mannigfacher Ab­änderungen des Wahlrecksts und der Beftruerungsgrundfavc in dieser Hinsicht c :e gewisse Abschwächung er folgt. Wahreich nämlich von der gesamten Wählerzahl des Staates im Jahre 1888 ran 14,44 v. v- zu den beiden oberen Abteilungen gehör reu, waren es un Jahre 1908 17,69 v. H. Tie staatlicl-en lRaßnahmen, um einer ,Mutokratisierrmg" des Wahlrechts vorzubcugen, finden in dieser Berschittnmg ihren Ausdruck.

Von den 265 Urwählern, die, wie oben angegeben, im all­gemeinen Durchschnitt auf jeden Urwahlbezirk entfallen, kamen 10,11 auf die I. und 36,70 auf die II. Abteilung. Doch gab es 2214 Urwahlbezirke, in denen in der I. Abteilung, und 95 Bezirke, in denen in der II. Abteilung mir je ein Urwähler vorhanden war. Zivei Urwähler bildeten in 1703 Bezirken die I. und in 136 Be- iufcn die IL Abteilung. Daß auf dem Lande solche Ausnahme»- Verhältnisse viel zahlreicher waren als in den Städten, hängt -nm Teil mit der sozialen Gliederung hier und dort zusammen.

Der Anteil der Urwähler am Wahlrecht wird Übrigens genauer als durch ihre rechneriick-e Verteilung auf die Abteilungen dadurch sestgestellt, daß die Berechnung auf je einen Wahlmann erfolgt, also: wieviel Urwähler haben das Recht aus einen WahLmann? Die Antwort Lautet nach der Statistik: im Durchschnitt je 55,69, wenn jedoch die Wähler nach Abteilungen zusammengefaßt werden, so genügen zum Anspruch auf einen Wahümrnn in der I. Abteilung jdjon 6,43 Wähler, in ber IL Ab» teihmg müssen eS 22,8 sein und in der III. Abteilung gar 138,6 Wähler. Zwischen Stadt und Land bestehen, solange die großen Durchschnitte allein maßgebend sind, keine beträchtlichen Unter* schiede.

Die Beziehungen zwischen den Steuerleistungen der Urwähler und ihrem Anteil am Wahl­recht werden in vier Tabellen das Statistischen Werkes klar- zulegen gesucht.

Am gesamten Steuerbetrage (unter Einschluß der nur an* gerechneten, aber nicht erhobenen Dreimarb-Steuer) in Höhe von 599,o Millionen Tiarf sind die Städte mit 412 und das Land mit 187 Millionen Mark beteiligt. Vvn dieser Gesamtsumme entfielen auf die I. Abteilung 221, IL Abteilung 192 und III. Abteilung 186 Millionen Mark. Sehr interessant ist dec Einsluß der einkommensteuerfreien Wähler, ber sogenannten Dreimark-Wähler, auf das Wahlreclst. Für diese Wähler bekamen insgesamt 10,8 Millionen Ntark m Anrechnung, davon 3,3 Millionen in den Städten und 7,5 Millionen auf bcm Lande. Don diesen Wähler.: formten trotz ihrer Befreiung von

der Entrichtung der Einkommensteuer 8993 in der L Abteilung und 128 709 in der II. Abteilung wählen, während 3,4 Millionen von ihnen in der III. Abteilung verblieben.

Tie Verteilung der Urwähler auf die drei WahlaktesKmaen nach der Löhe ihrer Steuerleistungen (unter Einrechnung der Ticimarffttucr) war für den gesamten Staat an folgende Durch, icknittsziffern gebunden: I. Abteilung 755 Mark, 11. Abteilung 180 Mark und III. Abteilung 29,5 Mark. Im Durchschnitt tüt alle Abteilungen lag der Ausübung des Wahlrechts ein Steuersatz von 78 Mark zugrunde, gegen 66 Mark, die sich aus den Wahlen deS Jahres 1903 ergaben.

'Jhin hat aber die Höhe der Stcuerleistunaen als Kri­terium für die Bewertung eines Wahlrechts doch immer nur eine beschränkte Bedeutung, zumal wenn diese Leistungen so beträchtlichen Schwanlurtgen unterliegen, wie das bei den angeführten Beispielen der Fall ist. Wickstiger ist die Beteiligung der sozialen Schichten an der K l a s s e n s ch e ich u n g:

Es ist festzustellen, daß weit über die Hälfte ber 11989 städtischen Urfoahlbezicke an der Spitze ihrer III. Abteilung Ur» roähler mit einer gesamten Steuerleistung von höckKens 125 Mark und weiter herunter bis zu 5 bis 10 Mark) haben. Dieselbe 'Jladftocifung gilt auch für die Wahlen vvn 1898 und 1903, nur ist die angedeutete Dtehrheit jetzt nod) größer als damals. Damit ist erwiesen, daß in der Mehrheit ber städtischen Urwahlbezirke die II. Abteilung fefon dem bescheidenen Bttttelstande, teilweise Ivgar noch tieferen Schichten zugänglich ist. Terbessere Mittel- l'tanb" aber rückt auch in der Mehrzahl ber übrigen Urwahlbezirke noch mit in die IL Abteilung eilt Durch diese Untersuchung er- fahren wir aber nur, inwiefern die II. Abteilung den einzelnen Steucrgruppen zugänglich ist- Wollen wir ein Bild davon erhalten, welche Schichten diese Tlbteilung beherrschen, so müssen die Steuerleistungen auch nach oben hin, in ihrer Ab- grenzung zur I. Abteilung, ermittelt werden. An- der Spitze der 11. Abteilung finden wir in 7 städtischen Bezirken Urwähler mit nur 20 bis 30 Mark, in 28 Bezirken mit 30 bis 40 Aiark, in 37 weiteren Bezirken mit 40 bi» 50 Mark Steuern. In über der Hälfte der städtischen Hrwahlbezirke entrichtet der erste Wähler der II. Abteilung höchstens bis 500 Mark Steuern. Dieselbe Grenze wurde bei den Wahlen ber Jahre 1898 und 1903 ermittelt. Bei 500 Mark Gesanttstcuor, wovon etwa 153 Mark Staats^ cinBommcnfteuer, würde das Einfommen auf 6000 bis 6500 Mari zu veranschlagen fein.

Vieldemokratischer" ist die Verteilung auf dem Lande. Zwar gab es auch hier eine Reihe von Bezirken, in denen die I. und sogar die II. Abteilung nur sehr reichen Leuten zugänglich war, umgekehrt aber auch solche, in denen ein Anrecht aus die II. Ab­teilung schon gegeben war, wenn überhaupt eine Steuerleistung erfolgte. Bei der gvoßrn Mehrheit der Urwahlbezirke inämlid; 11616 von 17 039) genügte eine Steuerleistung von höchstens 75 fDtarf, um an die Grenze der II. Abteilung, und in 9687 Be­zirken eine solche von höchstens 200 SDiarf, um an die Grenze der I. Abteilung zu gelangen. 9tad) demselben Rechmmgsverfahren wie bei den Städten wurden sich hier (Surft)mmen Vvn 13o0 bis 1500 Mark ober Vvn 2700 bis 3000 Mark ergeben.

lieber die Teilnahme an der Wahl und die Par- teistellnng der Urwähler ist zu bemerken:

Von den wahlberechtigten Urtvühlern nahmen 1908 an ber Wahl teil: in den Städten 88,8 und auf dem Lande 27,5 v. $).. zusammen 32,8 v. £>. Die Wahlbeteiligung ist diesmal ungleich reger als in den früheren Wahljahren gewesen, was wohl aus ber steigenden Anteilnahme ber Sozialdemokratie zu erklären ist. Es ist nach möglichster Ausschaltung ber Unklarheiten versucht worden, über die Partei st ellung ber Urwähler eine lieber* sicht zu gewinnen. Lnernach kamen auf: die Sozialdemokraten 23,8 v. £>., daS Zentrum 19,9 v. £>., die Konservativen 14,1 v. Nationalliberalen 12,7 v. tz., Polen, Dänen usw. 9,0 o. £)., Frei­sinnige Volkspartei 3.9 v. V-. Freikonservative 2,5 v. £)., Frei­sinnige Vereinigung 0,88 v. D., Bund ber Landwirte 0,6 v. $)., Anttsemüen und dergleichen 0,36 v. $).

Während die Zbonfervativen 1903 noch an erster Stelle standen, sind sie 1908 von den Sozialdemokraten und selbst vom Zentrum

weit überholt worden, obgleich ihre absolute Stimmenzahl eben­falls zugenommen hat. Auf dem Lande haben sie zivar ungleich mehr Wähler als die Sozialdemokratie, aber etwas weniger als das Zentrum um sich versammelt. Die Nationalliberalen er­scheinen in den Städten und auch noch auf bcm platten Lande nut ganz ansehnlichen Bruchteilen. Die Gefolgschaft der Leiben freisinnigen Richtungen zusammen erreicht auch in den Städten nur wenig über 7, auf dem Lande noch nicht 2 v. 6. Bon beit Angehörigen ber gemischten Gruppe (Polen, Dänen, Litauer, Welsen) haben nur bie Polen eine nennenswerte Bedeutung.

lieber die Wahlen zum Abgeordneten Hause lesen wir in der erwähnten amtlichen lvorresp. folgende >:

Durch das Gesetz vom 28. Juni 1906 ist die Zahl ber Ab­geordneten bekanntlich von 433 auf 443 erhöht worben; zugleich hat eine Nenabgrenzung einzelner Wahlbezirke stattgefundcn. Bei den Wahlen 1908 waren 276 (früher 256) Wahlbezirke vor­handen, von denen 132 je einen, 124 je zwei und 23 je drei Abgeordnete zu wählen hatten. Im Durcknchnitt kamen auf einen Abgeordneten 84 184 Seelen und 17 342 Urwähler.

Nach den statistischen Uebersichten erhielten von den 413 Ab­geordneten 271, das wären also/», drei Viertel von den Wahl­männerstimmen ber I. und II. Abteilung. Von ihnen erhielten nur 16 weniger als bie Hälfte und nur 8 weniger als ein Viertel der Wahlmännerstimmen ber III. Abt«-ilmig. Die Mehrheit der Wahlmänner ber II. Abteilung führte in 435 Fällen und die der III. Abteilung auch noch in 356 Fällen ihre Kanbidatcn ans ZieL Auch diese Ergebnisse bestätigen, daß die U. Abteilung auf den Ausgang ber Wahlen einen Harten Einfluß ausübt und daß die III. Abteilung verhältnismäßig selten mit ber L und 11. Ab­teilung nicht in Uebereinfthnmung sich befindet. DaS ist um so bedeutungsvoller, als bie einflußreiche II. SCbteilung Überwiegend durch den Mittelstand und soziale Schichten, die noch tiefer hinab­reichen, repräsentiert wirb.

Unter den 271 Abgeordneten, auf die mehr als/< der Stimmen ber L und II. Abteilung entfielen, sind alle größeren Parteien in beträchtlicher Stärke vertreten, hingegen Sozialdemo­kraten, Polen usw. sowieWilde" gar nicht. Für die ölvnscr- vativen und bas Zentrum war in solchen fallen, wo die beiden oberen Abteilungen zu ihren Gunsten entschiedet, auch in der unteren Abteilung eine Majorität vorhanden. Zwiespältiger war bas Verhältnis bei den Nationalliberalen, von denen 7 Abgeord­nete, bie in ber I. und II. Abteilung die starke Mehrl)eit auf sich vereinigt hatten, in der III. Abteilung noch nicht bie Lälste und zwei weniger als V« ber Wahlmännerstimmen erlangten. Bei den beiden freisinnigen Parteien war diese Stimmenabgabe nach den Abteilungen noch mehr gespalten.

Als charakteristische Einzelheit sei schließlich ein Ueber> blick Über die Wohnsitze der Abgeordneten er­wähnt. Von den Abgeordneten hatten 138 (--- 31 v. H.) ihren Wohnsitz außerhalb ihres Wahlbezirks und 66 (= 15 v. H.) in Berlin und Vororten. Am meisten bodenständig waren in dieser Beziehung die Vertreter der äußersten Rechten.

Em deutsch-englisches Flottenabkommru?

Eine Mitteilung der Deutsch-Aslütlschen K-orrespoud^uz, die in verschiedene Bbätter übergegangen ist, erhebt bittere Klage über die zugunsten der englischen LhnchgeseNschaft erfolgte Regelung der Schiffahrtskonzesfion auf dem Euphrat und Tigris und behauptet, daß den letzten Ausschlag für die Stellungnahme der türkischen Re­gierung in dieser Angelegenheit die Kennttiis über die deutsch-englische Verständigung über die F-lottenrüstttngs- frage gegeben habe. Diese Verständigung sei eine Tatsache und zwar in dem Sinne, daß der Ämsbau unserer Flotte, wie er nach dem bestehenden Flottengesetz vor­gesehen sei, nicht zur Ausführung gelangen werde, weil man an leitender Stelle unter allen Umftänben eine Erleichterung der Lage England gegenüber !)erbciführerr wolle.

Briefe aus Japan.

Von Tr. Fritz Wertheimer.

XI.

Ein AuSfkug ins Wildengebiet von No rdfor Mosa. Taipeh, Mitte döovember 1909.

Durch die ganje Geschichte ber Insel gorrnosa zieht sich bie ständige Schilderung von Kämpfen mit benWilden". Tiefe Wilden, das ist durch neuere ethnologische Forschungen und ins­besondere durch Sprachvergleicl-ungcn sicher festgestellt, sind ma- laischen Ursprungs. Sie tarnen jedenfalls auf großen Erobeinngs- zügen aus ben fVtalahenftartten ober den südlichen Jnfeln und ließen sich auf der reichen und fruchtbaren bis dahin unbewohnte Fvrrnosainsel häuslich nieder. Es waren schon damals Leute aus verschiedenen Stämmen und bie Abgeschlossenheit in ben bergigen unb waldigen Gründen der Ostküste, in die fremde Er­oberer diese ursprünglichen Bewohner allmählich zuQickdrangten, hat es mit sich gebracht, baß sich in Sprache und Levensg«voHo­heiten ziemlich ftarte Differenzierungen herausbildcten. _ ^avvn berichten schon die (fiten Bücl>er der yuerft vom nahen Festtemd herüber gekommenen Chinesen und dann später auchdie Reporte der Vvlländer, bie ja auf gvrmosa im 17. Jahrhundert einige^fiedzig Jahre lang eine blühende Kolonie besaßen, nachdem ,ie emanier und Portugiesen, bie schon vor ihnen da waren, verdrängt hatten. Dmm kam der Ervberungszug emes.der intere,langten ^»«rMg» reichten aller Seeräuber, des Gbutewt ftofeinga, be< <>oW eine8 chinesischen Sckmeiders und einer Japanerin, ber bie vor den Mandl chueroderungen flücistende chi^ifche Mmg^a^ eme Zttd lang kraftvoll schützte unb nach dem ^bi)ch!agen feiner Pläne auf dem besten Wege war, sich tn Fvrmo,a eme eigene a,ynaftte zu gründen, als ihn in Der Blüte feiner Jahre der «tob fwgran». Seine schwäclstichen Nack)solger erlagen dem Anftürm der Chine,cn, die vor dm auer einen veiben^fpekt Mgtmund sich im

der fruchtbaren Westebene 5x)ntwja» d^

Wilden ziemlich Ruhe, bis nach dem chinensch-fckpanifcten Kriege das kraftvollere Regiment der .die ^o^rteMwwirt- schafl der Chinesen ablöfte. Freilich, eifrigen Draufgänger sanken fchnell. Unter enormen Verlusten Ben sie Ln'^Wilden aus den sÄuchterneichen B^^ zurü^ geschlagen, in denen ihre Gegner trefflich raube, über mannshobc Fvrnwf^as machte müitarr ^ U>e TGtionen schwer und gab dem F-emde Schutz-, -^ann überlegte man sich das Problem, und heute werd man, baß e» eurer schweren ukb verlustreichen Arbeit ^^^i« Wttden, derm nur wenig über 100 000 betragt, ausnnenr ^m:ain zu vett^ibm oder besser, sie bann zu da-ifiziereil, das ub« ?r ganz^i

Jm'Ä heute noch ausmacht. Mehr als K macht 'ich geltens, ^!ß dte Wild^^mZn hundert venclnedenen stehen, und daß es auch in engerer ZusmnEfa,,unsacht Onipt^t verschiedener Sprache, verschiedener ^^V»Mcrten und r^r schiedensten Charakters sind. An manchen stellen, w ,un. Sudor mslesondere, sind es die guttnüttgen, hormlofen und leicht zu

behandelnden Malayen, an anderen, so insbesondere im Norden unb an ber Ostküste aber hat die stete Bekämpfung' und Verfolgung durch Jahrhunderte ein Kriegervölkchen erstehen lassen, daß auch an Grausamteit nichts zu wünschen übrig laßt. Die haben rasch erkannt, daß ein Nkassenkampf für sie aus­sichtslos wäre und verlegen sich nun auf ben Kamps Mann gegen Mann. Unb da sie auch wissen, daß selbst beim Chinesen im Kopse der Verstand sitzt, sind sie zu ben berüchtigten Kopfjägern ge­worden, deren Geschicklichkeit unb Gefährlichkeit heute auch den Japanern unangenehm wird, vier herrschen jene wilden Sitten, die man zu Unrecht auf ganz Z^rmosa verallgemeinert. Kein Jüngling wird als mannbar erklärt, der nicht einmal einen Kopf mit nach Lxruse gebracht hat, so wie der Jager einen Lasen mit» bringt Und so wie westliche Schönen von ihrem Galan verlangten, er solle ihnen einen Handschuh aus einem Löwenzwinger holen, so bitten die Jungfrauen dieser Wilden um bas Vorzeichen eines selbfterlegten" Chinesenfopfes und kein Mädchen wird einen Mann ohne solche Trophäe heiraten es sei beim, daß sie alt unb sitzen geblieben ist und in diesem Falle, toui oamme djej nous, el»en alles nimmt. Bei Beleibigungen hoher Personen gilt ber zu erlegende Kopf als Sühne, unb bei Pest und Cholera soll bad helfen: Man umsteckt die Ansiedlung mit Hohen Bambusstäben, auf denenfrische Ware"' prangt, ganz blutige, neu abgeschlagene Chinesenköpfe. Dazu geht man auf die J-agb, wie man innen und Luhnem nach­stellt, nur daß man bei bie) er Jagd das Wildbret nicht auch beim vandler kaufen Emm, sondern wirklich selbst erlegen muß. Manch­mal sind diese ölopse and) Objekte schöner Sammlungen Die Ata hals im Gebiet des Manxaifumanber ged, die besonders wild find, besitzen Schädel s a nrm hing en von über 500 Exemplaren Sie sind es, die auch die schöne Sitte haben, wonach Ncuvermahtte ihren Honigmonat und ihre Flitterwochen in einer Hütte auf 20 Fuß hohen Pfä^en ungestört verbringen: Nalnning wird ihnen hinaus- gezogen, unb das Waschen ist ja so wie so unbekannter Luiws. Weniger rabiate Wdde, die schon eingesehen Haven, daß bas Liopfjagen unter der Japaner her rsclja ft auch viel eigene Köpfe Lostet, begnügen sich mit ben Köpfen von Tieren. Sie feiern auch bie ^itte des Bruberschasts trinkens mit Tier köpfen, die wist Derc Leute mit Menschen köpf en vollziehen, indem sie durch den iNund emes frisch erlegten Chincsenfopses ihren Wein gießen, um bann die Flüssigkeit, die zum Schlunde herausläuft, in einer Schale zu sammeln unb gemeinsam zu trinken. Wieber andere Wilde sind im jahrzehntelangen Verkehr mit ben Chinesen auch verhÄtnismäßig zivilisiert geworden unb haben sich in Kleidung und Lebensart chinesifchen Vorbildern angepaßl.

Es braucht wohl kaum erwähnt au werden, daß ich in das Gebiet der ganz Wilden unter ben Wilden nicht gekommen bin. Einmal habe ich recht wenig Lust, aus den Muskeln meines Kopses eine, wenn auch noch so sa-mackhaste Suppe bereiten zu lassen bie Wilden in Nordostsormosa sollen diese Kochkünste verstehen, während sonst alle Wilden auf Formosa durchweg keine Menschew freifer sind unb bann ist auch bie japanische Regierung für solche Experimente nicht zu haben. Tie Erfahrungen sind recht wenig entlabenb. Obgleich man nun seit ein paar Jahren das ganze Silben gebiet mit einem stark elektrisch geladenen Trahtzaun

umgeben hat, um Ausfälle zu verhüten, gelingt es ben Wilden doch, oiefen Draht, ohne sich zu verletzen, zu zerschncidm, unb von ben Zahlreichen Militär- unb Polizeiposten Ptannschaften zu töten. Im letzten halben Jahre sind über 500 Japaner in Wilden kämpfen gefallen! Tenn bie Wilden sind gar nickst jb schleckst bewasjnet, lie schießen mit ihren Bogen sehr tteffsicher, und profitlustige Chinesen schmuggeln ihnen sogar Mausergewehve zu. Gegen bicfcit Öainb die Trahtzaungrenze langsam vorzuschieben, erfordert eine nid?t gering zu schätzende Arbeit, unb wenn auch einmal eine starke gefchlossene Jnspetturnstruppc das Gebiet ohne Anfeck-tungen burriv- stteift hat, so bedcittet d<u> noch lange nicht, daß es auch wirklich für einzelne Polizisten pazifiziert gatug ist. In ein wirklich pazisizierteS Gebiet einen Ausflug zu unternehmen, ist freilich bei ber Schönheit der Geaend cm herrlicher Genuß, ben man sogar von ber Hauptstadt Taipeh aus nicht allzuschwer sich ver­schaffen karm. Es ist natürlich, baß man bieWildengrenze" z.ierst möglichst weit von der Lauplstabt wegzuschieben suchte, insbesondere, ba auch hinten in den Bergen das Elektrizitätswerk liegt, das Tapeh mit Lickt versorgt. Aber obgleich feit fünf Jahren alles schon ganz ruhig ist, bedarf es zum Ausflug immer noch einer fpeziellcn Erlaubnis oes Gouvernements imb begleiten einen Bedeckungsmann­schaften der Polizei, die nun außer Tolmetscherbien sven gottlob nichts zu tun bekommen. So ausgerüstet, ist das kühne Wagnis eine entzückende Tagestvur.

Ganz früh am Dlorgen fuhr ich mit meinem Regierungs- dolmetsckfer auf einem der niedlichsten Bähnchen, bie es wohl gibt, aus Taipeh ab. Man hat es gebaut, um ins Wildengeöict unb zum Elektrizitätswerk rasch Material schassen zu können, kaum fünfzig Zentimeter liegen bie Sckstenen auseinander mit- bie Wagen find die reinsten Embryonm, bei deren Anblick man schönen Ge­danken über die Entwickelung des Wagenbau» unb Eisenbahnwesens nachhängen kann: Auf zwei Achsen vier Räber unb darüber cm Bretterboden, den eine Stifte als Sitzgelegenheit ziert. In feder Eck steckt ein Lolzpfahl, bemt die keibenbe Straft ist weder Dampf noch Elektrizität, sondern ein Chinese schiebt an den Pfählen. So geht es fast zwei Stunden lang auf und ab (denn Nivellierung-'^ arbeiten konnte man für den Bahnbau nicht erst vornehmen- und sobald es abwärts geht, benutzt dietreibende Straft" aud> schon die Gelegenheit und sitzt Hütten auf. Es ist ein ganz verwegenes Bähnckre-u, und wenn es einmal über einen Bach aus einer Lwl>- brütte lustigster Balkenkonstruktion fährt oder hart an einem wasnr- bestandenen Reisfeld vorbeirennt, tn bcm Chinesen mit Wasser­büffeln jetzt Pflügen, so kann man ordentlich Angst befommen. Ader es geht alles gut, und wir gelangen heil in das erste oUbtdyrit Sh inten. Es hat völlig chinesisches Aussehen, wie ja aller- cutt der Insel, die nur einige 70 000 Japaner bei drei Millionen Chineseneinwohnern zählt. Temgemäy sind die Straßen eng unb fdjmußig und von so Denetranten Tütten erfültt, daß man richtig trotz ist, nun in bie trete Natur zu kommen. Mein Tolmetscl>e'r benutzt eine der chinesischen Kvrbsänften, bie cn nvei lang-n Bambusrohren von Chincsenlulis getragen wird. Ich. weigerte mich entschieden, dieses Beförderungsmittel zu benutzen, bemt ab­gesehen davon, bar> lange Beine nur kunstvoll verschlungen darin Platz haben, und baß ick) den ganzen Tag gebückt in bcm Kasten