159. Jahrgang
Dienstag 28. Dezember 1909
Nr. 304 /
Dec Siebener Anzeiger f __ — . - - —
WGlehenerAnzeigerW
MS: Senera,-Anzeiger für oberheffen HW
bis vörntittags^uhr^ Botationsbrud und Verlag der vrMfchen llniv.'vuch- und Zleiudruckerei B. Lange. BedaMon. Lrpedttion und Druckerei: Schulfiraße 7. 8n!eigattä?'H^Ve7.
ttück- und 2lusblide zur inneren deutschen politif
2m „Tag" legt der Leipziger Historiker Professor Karl Lamprecht neue Gedanken über die innere Lage vor. Er schildert in dem bemerkenswerten Aufsatz, von dem wir nur vas Gerippe wiedergÄ^n können, die geschichtlichen Grundlagen, auf denen bw Streitfragen unserer Zeit entstanden seien. Seine Betracl)tungen klingen schließlich in einen schönen Optimismus aus und in Die Hoffnung, daß Herr o. Bethmann-Hollweg der „würdige Nach fahr des Reichs freiherrn aus den Tagen freiheitlichen Fortschritts Preußens" werden möge, womit deutlich die Wahlrechtsreform in Preußen gewünscht wird. Im einzelnen bringt Lamprecht folgende Gedanken vor:
Tie Prvlleme, bi* in diesem Jahre unsere innere Politik be- wegen, sind vornehmlich die der Erziehung und der Verfassung Mtt der Mitte des 18. Jahrhunderts hat Lei unS das neue Zeitalter legcnnen, dem auch die Gegenwart noch angehört, denn noch [clai Goethe und Schiller für uns. Dor hmrdert Jahren, als das Empor kommen eines neuen Seelenlebens seit etwa 1750 in den weiteren Konsequenzen, die es mit sich brachte, mich einen neuen Staat forderte, lag eS in der Natur der Drnge, daß man diesen vor allem durch Lösung des Problems einer neuen Erziehung heraufführen wollte. Tenn die Revolution, welche Deutschland in das neue Zeitalter des Subjektivismus hineingesührt hatte, war wesentlich eine geistige gewesen, batte sich aus dem Gebiete der Phantasietütigkeit und ganz an erster Stelle in den Bereichen der Literatur und dessen, was man um 1750 schöne Wissenschaften nannte, vollzogen: Und so war es begreiflich, daß man aus dem Wege der höheren Kultivierung der Individuen den sichersten Weg zur Neubildung auch des Staates cinzuschlagen glaubte, der sich dann aus der neuen Kultur der einzelnen ganz von selbst ergeben wurde: und in Schillers Theorie der ästhetisclien Erziehung wurde der idealste und höchste Ausdruck dieser Richturig gezeitigt.
Aber daneben setzte sich seit bcn neunziger Jahren, klassisch durch den Freiherrn vom Stein vertreten, eine realere Rich, tung. Auf ihrem Boden entstand gegenüber dem alten Naturrecht die Lehre vom organifajen Staate: von jenem Aufbau des Staats lebens, an dessen Ideal der Freiherr vom Stein Zeit seines Lebens gearbeitet und festgehalten bat, in dem sich auf dem soliden Unterbau örtlicher und regionaler Selbstverwaltung und unter Eiw- sdelluna aller Staatsbürger nach ihren besonderen öffentlichen Fähigreiten und Rechten der )taatlid)c Oberbau in einer der Monarchie zur Seite stehenden Bolts Vertretung erheben sollte, die treuer Ausdruck der politischen Fähigkeit und Pflichterfüllung der unteren Gliederungen märe. Es ist jene Lehre Dum organischen Staate, der wir, Minder noch des gleichen großen Zeitalters, auch heute noch nichts wesentlich neues anzufügen ober entgegen# zu stellen haben, deren Verwirklichung auch noch beute keineswegs gelungen ist, und deren Ideal, weil Ausdruck tieffter Eigenschaften des Seelenlebens unseres Zeitalters, uns allen, ohne Unterschied der Parteien, als erstrebenswertes Ziel gelten muß.
Als sich, nach einigen Jahrzehnten der Ermattung, ün Laufe her dreißiger und vierziger Jahre Anfänge unserer politischen Parteien stärker bildeten, standen komervative wie liberale Tenler zunächst gleich entschieden auf dem Boden der organischen Staats- tbee. Aber in der Frage, wie diese zu verwirklichen sei, schieden sich ihre Anschauungen sehr bald. ES kam darauf an, in welchem Shute man baut den einzelnen Staatsbürger als Mikrokosmos m den neuen Aufbau einstellen sollte. Tas neuere deutsche Wirtschaftsleben und mit chm die soziale Umschiclstung unter seiner Einwirkung hatten um diese Zeit in Teutschtanb noch so geringe Fortschritte gamacht, daß von einem Aufbau nach den modernen sozialen Kategorien etwa von Unternehmer und Arbeiter neben bet Heranziehung der älteren Kategorien von Bauer, Bürger, Edelmann keineswegs schon die Rebe sein Bannte. Und so geschah, was Baum zu vermeiden war: die Konservativen wollten den neuen Staat auf der noch bestehenden, wenngleich veralteten sozialen Schichtung von Bauer, Bürger und Edelmann aufbauen und kamen damit zu dem Wunsche, den ständischen Staat der Vergangenheit unter irgendwelchen Abänderungen wieder aufleben zu lassen; die L i be raten, die auf den Flügeln des Gebankens
trotz mangelnder sozialer Voraussetzungen nach vorwärts strebten, bretten sich an die individualistischen, dem AuSgange des veralteten Naturrechts an gehörigen Erfahrungen der französischen Revolution und erwar leien daS Sxü von einer den Individuen meckmnisch entnommenen, allenfalls noch mit einigen plutokratischen Motiven durchwirkten Volksvertretung.
Was ist nun seitdem geschehen?
Eins ist vor allem evident: der Rückstand, in dem sich die Nation in der Entwickirmg ihres Wittschasts- und Gesellschosts- lebonS befand, ist inzwischen gründlich beseitigt worden: ökonomische und soziale Entwicklung haben sich mit ihren Riesenschritten sogar an die Spitze des nationalen Fortschritte gestellt. Und so ist die Turchbildung des Idealstaales unserer Groswäter und Ahnen, natürlich unter den durch den inzwisdicn verflossenen Zeitverlaus bedingten Aenderungen, in der Tat nur noch eine Frage der Zeit.
Es ist eine der vielen vorteilhaften Seiten einer Föderativ' verschsung in dem Leben der großen Nationen der Gegenwart, daß sie in den Bundesstaaten des großen öianzen ein um bcträdjrtidyc Grade voneinander abiveicl^endes staatlickrcs Leben zuläßt. Tiefe Eigcnsd-aft des Föderativsvaatcs erlaubt im Deutschen Reid)e die Fortt:ildmig der Verfassungsprobleme nicht so sehr im Reiche als in den Einzelstaaten; und längst schon ist dieser Umitmtb für die ruhige Entwickelung der inneren deutschen Politik von Bo- deutung gewesen, hat insbesondere Baden saft ständig und mit Erfolg als Erperimentierstaat für neue politische Absichten gedient. In diesem Augenblick aber ist diese Bewegung bis zu ihrem ersten entfcheibenben Ziele, bis zur inneren Vicubilbung des führenden Einzel staats. Preustm, fortgef dritten: und die Frage, ob und wie diese Umbildung erfolgen wird, beherrscht die deutsd-c politische Lage der Gegenwart.
‘ Wie aber die Tinge jetzt liegen, ist diese Frage zugleich auch eine Personalfrage. Lorn historischen Standpunkte aus darf man es aussprechen: die T i n g e s i n d r e i f, die Ernte wogt im Halme, und cs bedarf nur des krustigen Schnitters, der sie schreibe und einführe. Ein Staatsmann alw ist nötig, von großem Zu- sdpritt, von unverbrüchlid/em Ernste unb von innerlich wärmender, womöglich aud) nach außen züudenber Leidenschast. Wird er erstehen, oder ist er schon am Werke? In diesem Zusammenhänge wendet sich der Mick vieler vatcrlandliebcnber deutscher Männer dem neuen Reichskanzler zu. Wird es ihm gelingen, ein später, aber um so würdigerer Nachsabr des Neichsfreiherrn aus den Tagen freiheitlichen Fortschritts Preußens zu werben ? Wir hoffen und wünschen es von Herzen; und nichts in dec bisherigen Art des 9lustretens des neuen Kanzlers verbietet, gar sehr vieles dagegen ermutigt, mit Grund zu hoffen.
Die auswärtige Politik in der französischen Kammer.
Der französische Minister des Auswärtigen, P i ch o n, hat sich in der sranzöiischen Kammer wieder einmal die Erfolge feiner Politik bestätigen lassen.
Paris, 27 Dez. Dir Kammer setzte die Beratiina des Budgets des Ministeriums des Aeußern fort. Paul Meunier fragte die Regierung wegen der Mitwirkung, die sie dem Werke der intet» parlamentarischen Konferenzen für den Frieden und die Schieds- gend)te angedeihen lassen werde. Minister Pichon erwiderte: Infolge der letzten Haager Konferenz brachte er zwölf Gesetzes- Vorlagen ein betreffend die Genehmigung von Schiedsgerichtsoerträgen; er werde es sich angelegen sein lassen, den zukünfttgen Verträgen die Bestimniung einzusügen, daß die Inanspruchnahme der Schiedsgerichte obligatorisch sein solle. Minister Pichon sprach sich dann anerkennend aus über die Initiative der interparlamentarischen Konferenzen und erklärte sich mit der Bewilligung einer Subvention für das Bureau in Brüssel einverstanden, bemerkte aber, daß es notwendig sei, daß der Verband der interparlamentarischen Konferenzen volle Unabhängigkeit und Bewegungsfreiheit bewahre.
Auf die verschiedenen Anfragen über die auswärtige Politik erwidernd, legte Pichon dar, Frankreich leiste, indem es seine Verteidigungsmittel vermehre, der Erhaltung des Friedens einen dauernden und nützlichen Dienst. Frankreich habe seinem Bündnis mit Rußland Ententen und Freundschaftsbündnisse hinzugefügt, durch die sein Ansehen sich vermehrt habe. Die eng
lisch-rusiiichc Aiutäherung sei ein Faktor von größter Wirksam-- tciu Eine äußerst lwrzlichc Entente Frankreichs mit England unb ein Einvcrstänbnis zwtschm Rußland und Italien habe sich ebenfalls burch die Begegnung der Staatsoberhäupter tunbgegebeji Pichon stellte sc st, baß bie Schwierigkeiten mit Deutschland bezüglich Marokkos bcsettigt seien. Das deutsch-französistlx' Abkomnicn, daS für beide Teile loyal und zweckentsprechend fei, habe ein sofortiges Nachlassen der Spannung zwischen beiden Völkern und eine Besserung der diplomatischen Lage m Europa zur Folge gehabt. Das Abkommen erstrecke sich jedoch nur aut die marokkanische Frage. Es sei falsch, wenn man sage, daß es auch auf die Bagdad-Eisenbahn- oder österreichische Frage Bezug habe. Der Minister gab der Sympathie Frankreichi für die Häupter der neuen Türkei Ausdruck, die aus der französischen Verfassung Anregungen geschöpft hätten. Pickwn stellte weiterhin fest, daß die Regierung in ißonstantinopel alle Anilrrngungcn mache, um die Ordnung in Armenien wieder herzu stellen.
hierauf wurde eine Tagesordnung, welche bie Erklärungen ber Regierung billigt, durch Handauf- heben nahezu einstimmig angenommen.
Die beiden Zrerndenmorde in der Türkei.
Die „Nordd. Mg. Zta." schreibt: Heber btt Ermordung beS deutschen Reisenden Burckhardt unb bes früheren italienischen Koniularagcntcn Benzoni liegen genauere Nodfrichten noch nicht vor. Nach Mitteilung ber türltschcn Behürben würben btc beibat Reisenden auf dem Wege von «-ans nach Rlokka bei Tais von Ausständischen ermordet. Einige Gendarmen ber Begleitung wurden verwundet. Wo die Leichen sich gegenwärtig befinden, ist noch unbeFannt Die deutsche Regierung tat al-balb in Kvnstvn- tinopel die erforderlichen Schritte zur Verfolgung ber Schulbigen. Die Pforte teilte mit bcm Ausbruck beS Bedauerns mit, daß die streng st e Untersuchung telegraphisch angeordnet roorben sei. Die Reisenden waren vvm italienischen Konsul in Hodeida vor dem Reiseantritt auf das Gefährliche des Unternehmens hm- gtioiefen worden. Burckhardt war fdjon int Jahre 1907 bei feinet letzten Anwesenheit im Pemen von dem kaiserlid)en Botschafter in Konstantinopel schriftlich darauf aufmerksam gemacht worden, daß angesichts der dort herrschenden Zustände keinerlei Garantie für seine Sicherheit bestehe. Gegenüber anders lautenden fUietbungcii wird sestgestellt, daß Bnrckl)ardt keinerlei amtlidfe Beziehungen oder Aufträge gehabt hat unb ün Keinen lediglich als Privatmann gereift ist.
Konstantinopel, 27. Dez. Wie der Wali vom Kcmcn telegraphifd) mitteilt, ist ein Sergeant unb ein Genbarm ber türh|d>cn Eskorte des ermordeten Deutschen Forschers Burckhardt und des Italieners Benzoni verwundet worden. Zur Perfol gung der Mörder sind türkische Truppen entsandt worden.
Der Sturz des Grotzwestrs der Türkei.
Konstantinopel. 27. Dez. Verbürgten Nachrichteü zufolge hat die jungtürkische Kammerpartei infolge der Aufregung, welche die Lynch-Affäre int Lande hervorgerufen hat, beschlossst, einen Wechsel in der Person des Großwesirs zu verlangen. Der Führer der Partei, $>alt, wird den Beschluß unverzügiich dem Großwesir Mitteilen mit der Aufforderung, zu demissionieren, wenn er seinen Sturz in offener Kammersitzung vermeiden wolle. Ter Botschafter in Rom, fcafti Bey, welchen die Partei zum Großwesir ausersehen hat, erklärte sich unter gewissen Bedingungen bereit, den Großwesirrat anzunehmen. Gerüchtweise verlautet dagegen, daß ber Botschafter in Lonbon, Tcwftk Pascha, bet hierher berufen werden soll, Großwesir wird. Nach einer anderen Version soll Tewfik Pascha zum Botschafter in Paris ausersehen sein.
Deutsches Reich.
Man schreibt uns aus Ber (in: Die Bestrebungen der konservativen Partei auf Schaffung eines großen deutschen konservativen Volks-Organs, das gleichzeitig die Interessen
Gietzener Stadttheater.
Preciosa.
Schauspiel von P. A. Wo l s f. Musik von K. M. v. W e b e r.
Die sentimentale Zigeunerromantik, dic von mehr oder minder begabten Schriftstellern in allen nur erdenklichen Tonarten immer aufs neue behandelt wird, hat der Pre- ciofa keinen Abbruch tun können. Wie das Werk mit der feinen Musik Karl Rtaria von Webers vor nahezu 90 Jahren die Welt begeisterte, fand es auch gestern hier wieder eine überaus freundliche Aufnahme, obschon Heute Mißstände und widrige Zufälligkeiten den reinen Gewiß erheblich beeinträchtigten. Dadurch ging z. B. der holde Reiz bes zweiten Aufzuges fast vollständig verloren. Der nahezu ununterbrochene Lärin hinter ber Bühne zerstörte jede tiefere Wirkung und der mißglückte Aufbau des Wasserfalles, der das ganze Gerüst sehen ließ, er|tufte alle Einbildungskraft schon im Keime, obwohl gerade hier ein besonders prächtiges Bühnenbild hergenchtet worden war. Vielleicht empfiehlt es sich, vor diesem Autzug euie größere Pause mntreten zu taffen, um bie verwickelte Buhnenetn- richtung in aller Stahe Herstellen zu. können, bamü eine vollkommen ausgeglichene, durch feine äußerlichen Um* stände gettiibte Vorstellung möglich ta
Sieht man von diesen, für Die Stimmung ,o ungemein wichtigen, Nebensächlichkeiten ab, so ist nrtt den hier zur Verfügung stehenden Mitteln alles Erdenkliche geleistet wor- den, wenn auch über den rein künstlerischen Erfolg des wet- 1 ter eit zu reden wäre. . , .
Jin Vordergrund des Interesses und amh^der gesamten Ausführung stand natürlich Fränzt Ko ch ata 4^10)0- Anfangs etwas deklamatorisch, erl)ov sic sich im ^,aufe der Dor- stellunq zu einer Höhe, die 191er anmutigen -Schönheit und ihrer lieblichen Darstellungskunft emen^vollen Erfolg brachte, obwohl der Lärm hinter der Buhne ^^sellor> auä) die Künstlerin ungünstig beeinflussen mußte. D^U tie trotzdem wacker aushtett, fei besonders anerkannt. 3Zielleicht wäre es empfehlenslvcrt, wenn sie dL> un Aufzuge (Einsam bin ich) nicht ans dem Fell en 1 ingcn roui be, wenn man auch dadurch auf das ntalemsche Bild Verzicht müßte. Die Stimme klänge dann zweifellos besser ins Haus. Don den übrigen, nur kleinen Rotten ist nicta Dtul zu sägen. Karl Marx ata. Alonzo war nicht ganz aus
der Höhe; er skandierte die Verse gar zu sehr. Ada Pauly kam als Zigeunermutter mitunter zu stark ins Keifen. Biel Beifall fand der derbe Schloßvogt, den Hermann Norden mit spaßhafter Würde umgab. Eine hübsche Gestatt machte Karl Volck aus dem Eugenio unb auch Kurt Gühne als Francesko unb Hermann Bakof als Ferdinando spietten beide mit gewohnter Kunst. Bon den übrigen wären in erster Linie Ferry Daubal als Räuber- hauplmann und Elly G ü h n e als Clara, bann noch Edgar Pauly als Contrerar zu nennen. Recht hübsch war der Ziaeunertanz. Die Chöre, die durch den Maschinenbauergesangverein unb mehrere hiesige Damen verstärkt waren, hielten sickf, ebenso wie das Orchester unter Hermann Weinacks sicherer Leitung recht tüchtig. K. N.
♦
— Der Darmstädter Richard Wagner-Verei,, hat in dem zu Ende gegangenen Jahre wieder eine lebhafte Tätigkeit entfaltet. 16 Pereinsabende haben fiailgchmben. Seinem Zweck, aufstrebende Tonjetzec vor die Oeffemlichkeil zu bringen, Hal der Verein diesmal nur einen Abend geweiht, der bcn Schweizer Emil Frey voriichrte. Auch ber junge Wiener Friedrich 'Mayer führte sich sehr günstig em. Ten vier liieberabenben ber Tarnen Cahier, Culb, Tebogis unb Tessoir steht das gesprochene Wort von drei Veranstaltungen gegenüber: Thobe, Possart, Wolzogen. Tie Pstege ber Jnsiritiiicntalmusil kam nicht zu kurz: wir hörten (zum eiftenmale) bas Seocik- und baß Posi-Quarletl, be» Pianisten L'amonb, die Geigerm Stefi Geyer unb bas Meininger Hoiorchefler unter Berger. Feiner ist der hislorijche Abend des Ehepaares Kuhn-Vruniicr zu nennen : Deutsche Romantik im Liebe. Ter Slorm- Mörikc - Abenb halte bie Wirkung eines planlos zusammengewürfelten Haufens von Liebern. Tas 5tonzert des Wietzbabener Bach - Vereins, der geschlossen hernberkam, brachte Bad) als Hnmoristen. Die Zahl ber Mitglieder hat die 1000 zuweilen er* reicht und überschritten.
— Dem Erwerber ber Florabüste, Geheimrat Dr. Bvbe, hat eine Anzahl von Aunstfreunb-en fvlgenbe Abress > geschickt: „Sehr geehrter Lxrrr Gchnmrai! In bcm Streit um die F-lorobuste bes üaiser-Friedrich-L'iufeums, der ausschließlich vor ein Fvinim von Kmrsthilwrikeru gehört, jinb gegen Sie unb Ihr Wirken böswillige und unverständige 'Jingrifje gerichtet worden; es sind Behauptungen gefallen,bie so sehr mit dem, was wir im langfährigen Verkehr mit Ihnen erlebt und gesehen haben, m Widerspruch stehen, daß wir uns gedrungen fühlen, das Wort an Sic zu richten. Aus Ihrer wissen,chaittia>en Tätigkeit haben wir mit Freude und Genuß immer von neuem Belehrung geschöpft unb vielfältige Anregung genommen. Sie hobst uns iu das
Verständnis der allen Kumt unseres Vaterlandes eingcführt. Sie hoben uns das Werk Rembrandts vor Augen gestellt, das Gebier der Majolikn und der alt-orienlalischen Teppiche uns erschlossen und unsern Blick für die Schöpfungen der italienischen Plastik geschürft. Mit wachsender Bewunderung haben wir die Entwicklung der Berliner Museen verfolgt, in die Sie seit mehr als einem Menschenalter an versdsiebenen Stellen machtvoll förbernb emgeguffen haben, bis Sie sich heute anschicken, in einem groß angelegten Plan bcm ganzen Organismus eine einheitliche Gestattung zu gebgr Am Imueitcn aber zeugen für Ihre schöpferische Tätigkeit die jetzt im Kaiser-Fricbrich-Muscum vereinigten Saimn- lungen; uisbefvndere ist es bie plastische Abteilung, oie Sie aus kümmcrlidxn SLnrängen unb mit äußerst geringen Mitteln, mir vermöge Ihrer überlegenen Kennerschaft unb Ihres tief ern- drrngenben Verständnisses, bis zu einem Umfang imb auf eine Löhe gebracht haben, bie ihr bcn Platz neben dem Florentineo Nationalmuseum anweist. Ihr sicherer Blick und die rasche 6ni> schtosfenheit des Zugreifens l-aben Ihnen zu mancher Eroberung' für die itonigL Museen ver^rlfen. Zu groß denkend, um am Amtlichen zu hasten, haben Sie, das Vorbild eines Sammlers, den Deut)eben Sammler angeregt und gefördert. Und sind nicht auch in solchem Wirten für bcn Privotbesitz Ihre beherrfdxmde KennMiS des Morst cs, Ihre scharfe Kritik, Jl/rc weitverzweigten Beziehungen ber Bereicherung txs nationalen Eigentum an Werten oller üunst zugute gekonrmcn? Wenn heute von mancher Seile l’iiügunü zu Worte gelangt, so möajten wir Ihnen sagen, baß wir Ihnen bankbar finb. Dankbar für das, was Sie geleistet haben, unb für bad, was Sic uns i'inb." Unter ben Unten» Zeichnern ber Abressc bemcctat nxir aus Köln oie Herren: Am. 0. Guilleaume, Th. v. Guilleaume, Louis Hagen, Mb. Freiherr v. Oppenheüu.
— Schienthers neues Rücktrittsgesuch. Hofrat Schlenlher überreichte dem Oberst Hofmeister Fürflen Monteiiuovo abermals, unb zwar bieämal schriftlich, (em EntlasjungSgejlich, in bem er seine sofortige Emhedimg von der Burglheaterbiietiion verlangt. Der Oberflhoimeister behielt sich die Entscheidung vor. Schlenlher Dürfte bis Ostern, vielleicht auch bis Ende ber Spielzeit, die Geschäfte noch führen. Es ist, wie das ,B. T.' mittetlr, nicht ausgeschlossen, daß nach dem Weggang Schtemhers ein Provisorium eintritt, in bcm bie Regisseure Thimig und parlmann die Amtsgeschäste des Hoitheaters fuhren, wie feii»erzeil Sonnen- thal nach beni Rücktritt Wübrandts,
— Sdit Dahn, ber am 9. Februar sein 75. Lebensjahr tollenbet, imrrbe auf fernen Antrag, wie man aus Breslau rnclbet, mit Rücklicht out sein Alter ton feinen Amtsp lichtsi als Professor ber Rechte an ber Universität Breslau vorn ciu>e des Monats März ab entbunden unb erhielt ben Stern zmp Krvnenorben zweiter Klaffe.


