Nr. 76
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Erstes Blatt
159. Jahrgang
Mittwoch 31. März 1909
General-Anzeiger für Gberhessen
Rotaiionzdnlck und Verlag der Vrühl'schen Univ.-vuch- und Zteindruikerei R. Lange. Redattion, Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7.
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Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; f. Feuilleton und , Vermischtes E K. Neurath; für „(Stabt u.Land" und „Gerichtssaal": E. Heb; für den Auzeigenteu: H. Beck.
Die heutige Nummer umfafct 16 Seiten.
StimmungrbUd aus dem Reichstage.
Eine Blackdebatte. Berlin, 30.März.
In siebenstündiger Verhandlung hat heute der Reichstag die Aussprache geführt über die innere Politik, über die Frage von Sein und Nichtsein des B l o ck s. Eine Aussprache von bisher kamn erreichter Bedeutung, die sich dem letzten entscheidenden Kampi um den Zolltarif in jener Dezembernacht 1903 durchaus ebenbürtig zur Seite stellt, von gleicher Bedeutsamkeit wie die denkwürdige Auslösungssitzung im Dezember 1906 und die Kaisertage vom 11. und 12. November des vorigen Jahres. Auch heute galt es nicht nur die Frage, ob wir vor einem Wendepunkt der inneren Politik des Reiches stehen, sondern auch die Frage nach dem Verbleiben des Kanzlers im Amte. Der Bedeutung der heutigen Sitzung entsprach durchaus das Gepräge der Sitzung. Noch stärker als gestern war der Andrang zu den Tribünen, nocl) andauernder und gespannter das Interesse, mit dem man den Erklärungen nicht nur des Kanzlers, sondern auch aller Parteircdner folgte. Heute befanden sich unter bem Publikum zwei Prinzen des Kaiserlichen Dauses, Prinz Oskar und Prinz August Wilhelm, dieser mit seiner Gemahlin, und volle 5 Stunden folgten sie mit sichtlicher Spannung der Aussprache. Der Reichskanzler war zu Beginn der Sitzung iroch nicht anwesend, er erschien aber noch während der ersten Rede, der des 9tbg. Bassermann, und nun richtete sich die Erwartung aller darauf, ob er die Ausgabe des Sysiphus, den ihm von den Händen geglittenen Block von neuem berganzubringeu, auch dieses' mal wieder versuche,t werde. Heute wartete Fürst Bülow zunächst die Erklärung aller Parteien ab. Um 11 Uhr hatte die Sitzung begonnen, nach I Uhr nahm er das Wort, und als der Kanzler seine Rede beende,, da hatte man allgemein die Empfinbung, das', es iernem Geschick auch diesmal gelingen wird, die parlamentarischen Widerstände zu überwinden, wie er cs offenbar verstanden hat, der höfischen Schwierigkeit Herr zu werden. Es sprachen alle Parteien, herunter bis zur Dreimännerpartei der antisemitischen Reformer. Das Zentrum schickte zwei seiner Hospitanten in die Arena, einen Welsen und einen Elsässer, aber was sie vortrugen, waren lediglich separatistische Schmerzen. Der eine erleichterte fein welsentreues Herz, und der andere stieg hinein in die elsast lothringische Versassungssrage. Das Zentrum aber saß da und schwieg. Nicht als tertius gaudens: diesen ungeschickten UcBereifer üverliest es seinen Freunden auf den Bänken der Genossen. Aber mit gespannten Nerven verfolgten die Herren in der Mitte des Hauses die Vorgänge, lauschten jedem Worte, ohne Zwischenruf in der ganzen siebeustündigen Verhandlung, ohne die geringste Kundgebung, etwa durch Lachen oder Murren, womit ifirc Nachbarn zur Rechten während einzelner Reden bekundeten, wie unbehaglich die (Situation in Wirklichkeit ist. Nur als von der Rednertribüne der Name des Grafen Praschma ertönte, ging eine Bewegung durch ihre Reihen und Herr Trimborn eilte nach vorn und faßte auf der Treppe Posten, die Hand am Ohre.
Die Nationalliberalen kommen zuerst zu,n Wort. Ihr Führer B a s s e r m a n n hielt eine programmatische Rede, knapp im Ausdruck, leben Satz genau überlegt und scktarf pointiert, und jeden Satz begleitet von lautem und einmütigen, Beifall der gesamten bürgc>'lii!’iit Linken. Es war eine meisterliche Rede, die beste, die er ie gehalten, und ihr entsprach der Eindruck auf das Haus'. Basserutaun stellte fest, d a st die R e i ch s f i u a n z r e f o r m z u - ftanbe f omni en m u st und daß sic fein Stückwerk sein darf, denn die Gewerbe könne man nicht noch weiter itn Zustande der Beuun'Innung belassen. Für die nationalliberale Partei ist aber eine allgemeine Besitzsteuer ein notwendiger Bestandteil einer Finanzrejorm, und da eine Reichsvermögenssteuer feine Aussicht auf Annahme hat, bleibt nichts übrig, als ein Ausbaü der Erb- schaftssteuer, eine Teszendentensteuer. Und da must jetzt die ftvagc entschieden werden, ob die Aufgabe der Finanzreform vom Hirn —r- Trr~MTrr~T in i» i iri«n«miW hi bi iimiii ii in
Block gelöst ober — ein Drittes gibt es nicht — die Zentrums- Herrschaft wieder aufgerichtet wird. Und Bassermann stellt diese Frage klipp und klar an die Konservativen und an den Reichskanzler, der soeben seinen Platz an dem Bundesratstische eingenommen hat. Sei der Block gescheitert, wie es fast den Anschein h be nach der Abstimmung der Konservativen über die Liebesgabe, dann werden die Liberalen wieder auf eigenen Füßen stehen, denn der von Naumann erhoffte neue Block der Linken von Bebel zu Bassermann, das Tod bringende Bündnis mit den Sozialdemokraten fei eine Unmöglichkeit. Unter rauschenden Kundgebungen der Linken richtete Bassermann den Appell an den Kanzler, die Festigkeit und Entschiedeulteit zu bekunden, mit der er in der auswärtigen Politik einen so glänzenden Erfolg erzielt hak, und wenn nicht anders bann selbst bas Urteil ber Wähler zu fordern.
Dann gibt es zunächst ein Zwischenspiel. Der Zentrumselsässer Vonberscheer besteigt bie Tribüne unb fragt nach bem Stande b_e r Verfassungsreform für fein engeres Heimatland. Der Stellvertreter des Kanzlers, v. Bethmann-Hollweg, erteilt ihm sofort die Antwort, die ber Interpellant wohl vorausgefehen hatte. Die Arbeiten sinb im Gange, die staatsrechtlichen Schwierigkeiten finb groß, und sie werden nicht gerade gehoben über erleichtert durch die Meinungsverschiedenheiten und den Wechsel der Anschauungen in der Landesvertretung von Elsaß-Lothringen selbst.
Die Worte Basfermanns bekräftigt unb unterstützt bann der Wortführer bet Freisinnigen, Tw. W ieme r. Sein Ton ist sckfärfer, er sieht bie Lage, die Aussichten firn eine Beseitigung ber Blockkrisis offenbar pessimistischer an als der uationaHiberalc Führer. Er appelliert nicht mehr, er greift an und richtet, in Erinnerung an bie Behandlung, die feine Parteifreunde in vor- 'olo etlichen Zeiten von beit konservativen Gegnern sich gefallen lassen ioufjten, den wuchtigen Vorwurf ber Demagogie gegen die vom Bund ber Landwirte beherrschte Fraktion ber Konservativen, bie sich mit lautem Murren und erregten Zurufen wehrt. Dr. Wierner, ber unter dem Hört! hört! ber Linken bie Großblock- 1;offnung seines Freundes Naumann desavouiert, spricht es ohne jeden Rückhalt aus, daß er den Block für erlebigt hält, getötet durch die Herren auf ber Rechten. Erregt verwahrt hiergegen seine Freunde Frhr. v. Niehthofen. Er beklagt sich darüber, daß der freisinnige Redner den rechten Flügel des Blocks reize. Er bestreitet, daß die Rechte den Block gekündigt, baß sie erklärt habe, bie Finanzreform mit dem Zentrum zu machen; aber in den Nachsätzen bestätigt er nur bas, was Dr. Wiemer feinen Freunben zum Vorwurf gemacht hat, nämlich baß bie Koirfer> vativen egoistische Berufs- unb Erwerbsinteressen bem allgemeinen Interesse voranstellen, unb sich, wenn biese gesährbet finb, um bie große nationale Aufgabe, um bie Blockpolitik nicht kümmern. Tenn Frhr. v. Richthofen erklärt ausdrücklich, daß feine Freunde die Interessen der Branntweinproduktion unter allen Umständen wahren müßten und daß sie bas bamit identifizierte Vaterland nicht nur über Parteien, sondern auch über Parteikonstellationen stellen.
Eine lange, sehr lange Rede hält dann der Sozialdemokrat David. Er sucht in zum Teil nicht üblen Scherzen die verworrene Lage zu ironisieren. Fürst Hatzfeld gibt dem block treuen Standpunkt der R eichspartei Ausdruck, die sich um die Vermittelung zwischen rechts und links bemü'lyt. Fu ähnlicher Weife fpreckum L i c b e r m a nn v. Sonnenberg und Zimmermann für die kleineren Gruppen und als der Führer einer feit zwei Wochen auf ganze zwei Mann angewachsenen Partei, versucht der Wölfe Götz v. Olenhusen dem Kanzler ein Bein zu stellen, indem er seine Aionarchcntreue verdächtigt, ein Anwurf, oen Fürst Bülow hernach mit gebührender Schärfe abweist. Aber noch kommt der Kanzler nicht zu Wort. Herr Haußmann nimmt als zweiter- Redner der freisinnigen Linken bas Wort unb verschärft unnötig bie Situation burch Ton unb Inhalt seiner Rebe. Als auf der rechten Seite bei Schluß seiner Ausführungen gezischt wird, antwortet kein Beifall seiner Freunde auf der Linken.
(Siebener StadLtheater.
Hamlet.
Bon Shakespeare.
Nun hat die rührige Leitung unseres Theaters kurz *bor Torschluß and) noch Shakespeare zu Wort kommen 'lassen und gar mit seinem Hamlet. Das mar ein Wagnis. Wer es ist' ausgezeichnet gelungen. Es war eine schöne, ■ qlatte Aufführung, die starken und ehrlichen Beifall fand. Lor allem Curt G ü l; n c von dem Ibsen-Ensemble der .Karte Rehosf, der für die nächste Spielzeit unserer Bühne verpflichtet ist, und sich sowohl als Darsteller wie als Spielleiter gut ein führte Besonders als Darsteller. Sein spiel ist vornehm, abgeklärt in jeder Bewegung, frei von jeher uunatürlichen fieberfreibung. Man sieht, bie Rede Hamlets über bie Schauspielkunst wird hier nicht nur gesprochen, sie ist erfaßt und verarbeitet, und gibt dem ganzen spiel Gühnes jene angenehme, wohlige Färbung, bie so ncl vom Leben hat unb so wenig vom Theater. Auch d-as :Organ hat einen schönen runden Klang, manchmal wie • tin voller, klarer Celloton, voll ^Weichheit und Mark, unb :tic Stimme wird von einem starken Willen gebraucht unb ist ihm schmiegsam untertan, so daß feine zarte Saiten »rrllingen. Kurz, Gülme ist ein Künstler, ber einen Gewinn ‘für unsere Bühne bedeutet. Daß er auch Geistesgegenwart kiesitzl, bewies er bei bem Auftritt in dem Gemach seiner Mutter, als er den Degen nicht aus der Scheide brachte Kitb entschlossen uiü> fast unauffällig hinter den Tüübehang Wrang, um „die Ratte" aufzuspießen. Auch als Spielleiter tat sich der Gast gut eiugeführc, und eine feine Beobachtung unb ein scharfes Ange für bühnenwirksame Bilder gezeigt, lieber Einzelheiten ließe sich streiten. Das Zwischenspiel ter Schauspieler z. B. ist au sich nur die Falle, die tarntet feinem Stiefvater stellt, und deshalb muß aller Anteil tes Theaterbesuchers auf dem Königs paar unb seinem Gest Kge ruhen, denn wesentlich ist, wie der kleine Auftritt (ruf diese wirkt; die Mimik des Königs vor allem muß sichtbar sein, wenn auch der Zuschauer schon längst weiß, iwifj er der Täter ist. Bei dem ziemlich ähnlich negenbert Auftritt im Gemach des Königs, war diese innere Notwen br.gfcif betont, denn Per ging der Geist von Hamlets Vater s« über die Bühne, daß der Gesichtsausdruck des Dänen- prinzen genau zu beobachten war. Jur übrigen war bie 2d tun g sehr anerkennenswert, und auch der schwierige Aiveitampf wurde glatt und flott durch gespielt. Rudolf Ziegler, der schon manche treffliche Gestalt geschaffen
hat, schien sich in der Rolle des Königs nicht wohl zu fühlen und verlieh ihr auch keinen irgendwie beachtenswerten Zug. Die Sterbeszene dagegen führte er ausgezeichnet durch. Eine prächtige Greisengestalt schuf Willibald Vö Icker als Polonius, der den geschwätzigen Alten auch in ber Maske vorzüglich wiebergab. Dhibotf Goll als Horatio war nicht ganz auf seiner sonstigen Höhe. Mit feinem Anstand und edlem Feuer spielte Clemens Roden den Laertes. Max Kronerk als Totengräber spielte geschmackvollerweise recht unaufdringlich. Clemens W r e b e war in der Rolle des Güldenstern sehr hübsch, und auch Karl Vo'lck als 1. Schauspieler war durchaus lobenswert. Grete Höcker bemühte sich redlich und mit Erfolg, der Königin eine persönliche Note zu geben, obschon der Dichter dazu nur wenig Gelegenheit gibt. Eine rührende Ophelia war Jo Hoven und besonders als Geisteskranke war sie von holder Anmut. Den Geist von Hamlets Vater sprach Hermann Bakof mit ber gewohnten Umsicht und Würde, die er im Laufe ber Spielzeit nicht eben selten gezeigt hat. Auch die übrigen Mitwirkenden reihten sich gut in das Gesamtspiel ein, so baß, wie schon erwähnt, eine durchweg gute unb wirkungsvolle Aufführung zu verzeichnen ist.
Karl Neurath. *
— „S f«n in freigegeben". Ms vor fast 5 Monaten die einzig autorisierte, bei Georg Müller Verlag in München erschienene Uebersetzung von Ar tzi b a sche w s Roman „2 s a n i n", tzer in Rußland eine sexuelle Revolution ausgelöst unb in Teutsch- lanb als Kulturdokume.it bedeutendes Aufsehen erregt hatte, von benr Amtsgericht München I als unzüchtige Schrift beschlagnahmt wurde, standen alle Verständigen dieser Maßnahme mit Kopf- schüttcln, wenn nicht mit Entrüstung, gegenüber. Obwohl etwa 100 zum Teil sehr bekannte Kritiker in den Zeitungen und Zcit- schriften aller Richtungen den kulturhistorischen Wert des Romans rühmend hervorgehoberr hatten, wieS das Gericht die Beschwerde gegen die Konfiskation mir der Begründung ab, daß „der Roman Ssauin in der deutschen Uebersetzung nach seinem Gcsamtcharakteü und nach einzelnen Stellen geeignet sei, das normale im deutsckien Volk herrschende Scham- und Sittlichkeitsgefühl in geschlechtlickwr Beziehung gröblich zu verletzen, der Inhalt des Romans also unzüchtig fei." Uni> mm kam nach fast 5 monatiger Ueberlegungs- frist dasselbe Landgericht München I zu dem Schlüsse, daß „nicht davon gesprock>cn werben könne, daß der Roman „Ssanin" eine unzüchtige Schrift im Sinne des § 184 R.Str.G.B. sei." Hätte die maßgebende Behörde nicht von vornherein diese Weisheit finden Eömten ?
— Schöneberg gegen die Schundliteratu r. Einer Anregung der SchörrÄerger Rekdorenkonferenz und des Lrtzrer-
Später sendet diese den Abg. Mommsen auf die Tribüne, um in aller Form zum Ausdruck zu bringen, daß Haußmann nicht bat Partcistandpunkt vertreten hat.
Nach Haußmann erhebt sich der Kanzler, und nach feinen ersten Sätzen schon spürt man, daß er sich seinen Humor nicht hat rauben lassen. Noch ist es ungewiß, ob cs Galgenhumor ist oöer ein Ausdruck ber Zuversicht auf Uebetwinbung der Schwierigkeiten. Sehr bald ind.s löst sich die Spannung: Fürst Bülow erklärt, parlamentarischen Schwicrigkeitennicht zu weichen unb so lange im Amt zu bleiben, als er das Ver- rrauen des Kaisers besitze unb es vor seinem Gewissen verantworten könne, unb mit erfreulicher Entschiedenheit bekundet er das Fesh- (jaltcn der Regierung an bem Programm ber Heranziehung des Besitzes auf dem Wege der Erbanfallsteuer. Den Vorwurf oer mangelnden Fühlung ber Regierung mit den Parteien und des Fehlens einer Fühlung gibt er den Parteien zurück, und scharf klagt er den Reickfstag unb bie Fiuanzkbmmission ber Verschleppung an. In prägnanten Sätzen, jebes 2Lort vointierenb, erklärt er bie Reiclfssinanzreform für di? wichtigste soziale Aufgabe, die gelöst werden müsse unb schnell gelöst werben müsse, wenn ber Reick-stag nicht selber abdanken wolle. Unter großer Bewegung endet die Aussprache und werden 'die Resolutionen Zum Reichskanzlerctat erledigt. Morgen wirb man in einer Dauersitzung noch unmittelbar vor Toresschluß ben Etat in britter Lesung verabschieben und in bie Osterferien gehtzn.
Deutsches Reich.
Der „R e i ch s a n z e i g e r" veröffentlicht eine Bekanntmachung betr. die Fassung des Doppelsteuergesetzes, das am 1. April 1909 in Kraft tritt.
Der früh ere langjährige Zentrurnsabg. Major a. D. Szmula ist gestern früh auf seinem Rittergut Friedewalde bei Grottkau gestorben.
Die Kommission des Abgeordnetenhauses für das Stempel st euergesetz nahm die Stempel- sätze für Standeserhöhungen an. Die Sätze betragen: für die Herzogswürde 10 000 Mr., für die Fürftenwürde 6000 M, für die (■ rajentoürbe 3600 Mk., für die Freiherrnwürbe 2400 Mark, für die Abelserhebung 1200 Mk., für den Geheimen Kommerzienratstitel 5000 Mk., für den Kommerzienratstitel 3000 Mk., für den Geheimen Kommissionsratstitel 1000 Mk. und für den Kommissionsratstitel 500 Mk. Der Betrag für die Naturalisationsurkunbe wurde von 50 Mk. auf 150 Mk. erhöht.
Die W a h l p r ü f u n g s k o m m i s s. o n des Reichstags hat die Wahl des Abg. v. Schubert (Hosp. d'. Natt. G Trier) beanstandet und Beweiserhebungen be- sch lösten.
Zum Fall Tremel. Dem „Tageblatt" Altfolge hat der Erzbischof die über Pfarrer Trcmel verhängte suspensio a divinis aufgehoben und den für ihn eingesetzten Verweser zurückberufen.
Bei der gestrigen Reichstagserfatzwahl im Wahlkreise Cochem-Ade nau-Zell erhielt von 13 493 abgegebenen Stimmen Pauli; (Ztr.) 12407, David (SozZ 483 und Mässer (Richtung unbcstiminl) 153 Stimmen. Die übrigen Stimmen waren zersplittert.
Ausland.
Der Zar geht aus Reisen. Wie zuverlässig verlautet, tritt der Zar Mitte Mai eine große Auslandsreise an, auf der er zahlreiche europäisaw Höfe besuchen wird, und. zwar Stockholm, Kopenhagen, Christiania und London, ferner wird während kurzen Aufenthalts in einem sranKöfifchen
Vereins folgegebend, hat bie bortige Schuldepntation sich entschlossen, der Verbreittrng ber Schunbliteratur unter, ber schulpflichtigen Jugend energisch cntgeg^mzutreten. Es ist an bie Eltern ein Rundschreiben gerichtet w"rben, in dem sie darauf aufmerksam gemacht werden, eilten wie wichtigen Einfluß bie richtige Auswahl der Lektüre auf die Kinder acisübt, unb wie es vor allem bavauf an» kommt, ihnen alles bas fern zu halten, was ber Phantasie eine Richtung auf bas Wenteucrliche. bcs Verbrechertums geben kann. Gleichzeitig finb bie Buchhänbler durch eine Zuschrift gewarnt worben, solche Literatur in ihren Schaufenstern auszulegcn und an Schulkinder zu vertreiben. Auch positive Maßregeln sind ht bie Wege geleitet worben. So hat sich ber Lehrerverein bereit erklärt, bie Eltern bei der Auswahl von Gescheukltteratur zu unterstützen unb eine Liste empfehlenswerter Jugenbsckmften bereit» zuhalten. Um bie Weilmachtszeit Ijeriim soll alljährlich eine Ausstellung von Büchern veranstaltet werben, die geeignet erscheinen, bic geistige unb sittliche Entwickelung der Kinder zu förbevn. (Sollte cs feinen Erfolg haben, wenn das kaufende Publikum! alle Geschäfte miede, in denen literarischer Schund verkauft wird? D. kR.)
-- Die Romane der Saison. Das „Literarische Echo" hat durch Umfrage bei den Leihbibliotheken festgcstellt, welche Romane im Jahre 1908 am meisten begehrt würben. ES wurden am häufigsten verlangt: in 71 Bibliotheken Subermann „Das hohe Sieb", in 5 V Georg Hermann „Henriette Jacoby", in 47 Klara Viebig „Kreuz im SBenn", in 46 Georg Hermann „Fett- chen Gebert", in 41 Heer „Laubgcwind", in 38 Otto Ernst „Send- per der Jüngling", in 35 Ru.bolf Herzog „Der 9Lbcnteurer", in 35 Stilgebaucr „Das Liebesnest", in 33 Rudolf Stratz „Herzblut", m 32 Sckmitzler „Weg ins Freie", iw 27 Ompteda „Minni", in 22 Zahn „Die da kommen uni> gehen". Die meist gelefeneni Autoren waren demnach; Sudermann (71), Hermann 61), Viebig (58 , Herzog 52), Heer i47), Zahn 40), Ernst (39), Sttl- gebauer (38), Stratz <33), Schnitzler (32), Ompkeba (31).
Das neue Messina. Tic Freunde des alten Messinas werben bic neue Stadt wohl kaum wiebcrcrkennen, wenn die Rekons.ruktionspl-änc bcS italienischen Ingenieurs Cannizzari, die jenseits der M;>en lebhaftes Auffehcn erregen, angenommen werden. Nach einer genauen llntcrfuchung der Ruinen und ber Einsturz- urfachen 1jat Emuuizzari den Plan entworfen, in ber neuen Stadt nur niedrige, höchstens zweistöckige Häuser zu crrichlcu. Die neuen Häuser sollen vitlenartig gebaut werben, d. h. alle üoneinanberf getrennt bleiben unb zwar soll ber Zwischenraum von .Haus zu Haus wenigstens so groß Wie die doppelte Höhe des Bauwerkcsl sein. Nach diesem Vorschlag foürde jedes Haus seinen großen umfangreichen eigenen Garten haben, in dem unter der südlichen Sonne Siziliens in turzer Zeit schattenspendendc Zitronen- und Apfelsinendämue erblühen loürden. Mcsfina aber würde vielleicht das vierfache der bisherigen Stadtflädw einnehmen und stundenweit würden aus dem Grün ber Gärten längs ber Meeresküste bie Dächer aufleuchten.


