monatltrt)75'BL,üiertel- iäbdtd) Dkl. 2JO; durch dibbele- u. Brodgftefl« monatlich 65 'LI.; durch die Post Mk.L.-viert el- jäbrl. ausjcht. Benettg. ZeilenpreiS: lokal ausioärls 20 L'ennlq. Eheiredakteur: 41 Goetz. äietantiDortlid) füx den poluilchen Teil: August Doetz, iüt .ixeutUe- ton' und .Beninlwie^ R. 9leuratb, tüt «Stabt ».Land- und.GelichlS»
Nr.8V0 Erstes Blatt ,L5S.Jahrgang Mittwoch «S. Dezember 1909
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WU General-Anzeiger für Oberheffen
te “onoVt^"»"uf£ 8oteflonsöni<f und Verlag der vrühl'sche» Unto.-Bad). and Stmörnderti R. lange. Sedatti-m, ErpedMan und vnickerel: Schulstratze 7. b"'«!T
Die heutige Nummer umfafet 12 Seiten.
Var pluralwahlrecht.
Bon Professor Dr. jur. et phil. M. Diermev.
Es hat den Anschein, daß in Zukunft das Grohherzogtum Hessen Ku denjenigen Staaten gehören wird, in denen die Volksvertreter in geheimer direkter Wahl in Verbindung mit dem Pluralwahlrecht gewählt werden. Die Beratungen Ler Zweiten ftammer der Landstände sind noch vor dem Weih nachts feste zu Ende geführt worden, und nunmehr io nun t die Erste Kammer mit ihrem Votum daran. Es ist nicht bekannt, welche Stimmung dort herrscht. Insbesondere wissen wir nicht, wie die Herren des Oberhauses sich Kum Pluralwahlrecht stellen. Parteien und Partei- »rgane hat die Erste Kammer nicht, und außerdem kam der Antrag Weber-Brauer, der das Pluralwahlrecht vorschlug, ganz unvermittelt und brachte einen Kompromiß zustande, der von den früheren erheblich abweicht. Der mit 35 gegen 9 Stimmen, also mit der erforderlichen zwei Drittel majori tat, angenommene Zusatzantrag lautet: „Jeder Bahtberecl)träte, der das fünfzigste Äbensjahr zurückgelegt bat, ist berechtigt, znxi Stimmen bei der Wahl abzugeben." Tie übrigen Voraussetzungen für das aktive Wahlrecht sind: I Das vollendete fünfundzwanzigste Lebensjahr. 2. Dreijähriger Wohnsitz im Großherzvatum unb einjährige hessische Staatsangehörigkeit und 3. Heranziehung zur direkten I Staats- oder Gemeindesteuer. Die Altersgrenze ist also dieselbe wie die für den Deutschen Reichstag. Auch dort rirb eine einjährige Staatsangehörigkeit verlangt. Dagegen I i'st der dreijährige Wohnsitz nicht erforderlich und ebenso wenig eine direkte Steuerleistung. Sowohl die Wahlen zum Tieickjstag als zum hessischen Landtag werden direkt sein; geheim sind sie schon vor der jüngsten Reform gewesen. In beiden Fallen handelt es sich also um ein allgemeines itnb geheimes Wahlrecht, aber dieses Recht ist in Hessen nicht mehr wie früher ein gleiches. Es ist eine neue Wahl- ; rechtskautele hinzugekommen. Ein Teil der Wähler nämlich wird zwei Stimmen haben, Personen über fünfzig Jahren -rhren eine Alters- oder Zusatz stimme. M»n nimmt an, »ist etwa ein Fünftel der Wahlberechtigten dieser Alters- Nasse angehört. In Gießen ist es ein Drittel.
Das Pluralwahlrecht ist an und für sich nichts Neues. Sir finden es auch in anderen Staaten. In England gilt bei den Kommunalwahlen. T-er Besitz mehrerer Wohn- gälten und Grundbesitz in verschiedenen Grafschaften be- echtigt zur Abgabe mehrerer Stimmen. In Schw-eden steigt . hei den Gemeindewählen die iLtimmenzahl mit der Steuerleistung. Oeisterreich hat seit 1906 neben einer allgemeinen I Wählerklasse, zu der alle Wahlberechtigten gehören, vier t weitere Wählerklassen für Großgrundbesitz, Start, Handels- |iuib Gewerbekümmern. Die höhere akademische Bildung | privilegiert das Wahlrealement für das englische Unter- !>aus. Darnach bilden die Universitäten des Landes be- lonbere Wahlkörper, sie wählen neun Abgeordnete, und wahl- I berechtigt sind diejenigen, die einen akademischen Grad besten. In Großbritannien besteht also eine Art Plural- ivahlrecht nach Maßgabe der Hochschulbildung. Das ist insofern eine Anomalie, als anderswo die Hochschulen ihre z Sitze in der Ersten Kammer haben. An dieser Stelle ist ;■ fron anderer Seite bereits treffend darauf hingewiesen
Gietzener Stadttheater.
Die Hosen des Herrn von Bredow.
Schauspiel nach Willibald Alexis von Kory Towsw.
Goethe sagt einmal in seinen Gesprächen mit Ecker - inann am 18. Januar 1825 in bezug auf Byron: „Was da isi, das ist mein! hätte er sagen sollen, und ob ich es aus dmi Leben ober bem Buche genommen, das ist gleichviel, es icm bloß daraus an, daß ich es recht gebrauchte. Walter v Scott benutzte eine Szene meines Egmonts und er hatte ein Reckst dazu, und weil es mit Verstand geschah, so ist er zu loben."
Kory Tvwska, oder Frau Kory Elisabeth Rosen- lib-lum, wie sie im bürgerlichen Leben heißt, könnte sich ruf diese Stelle stützen, um die Berechtigung ihres „Schau- jPieles" nachzuweisen, wenn sie den besten Roman, den Willibald Alexis geschrieben hat, tatsächlich recht und mit Verstand gebraucht hätte. Die hat sich aber so sklavisch an ihr Vorbild gehalten — man könnte auch sagen, )ie war so Qrfurchtsvoll — daß ihre Bühnenbearbeitung notwendiger- loeise verunglücken mußte; allerdings nur insoweit, als es künstlerisch ohne Bedeutung tft Der AllEeinhert wird das „Schauspiel" gefallen, d. h - der von Willibald Alexis gegebene Stoff, und es wird auch kaum merken, daß ine "dramatische Spannung fehlt und lediglich durch die stoffliche ersetzt wird. Sie hat — weniger geiffoou tiä in ihren sonstigen, teilweise zehr achtbarenWerfen die wichtigstmi Teile des Romanes zu Bühnenbildern um- g.estaltet, indem sie einige Gestalten anbere itp
einander verschmolz und die Erzählung des Romane» m Siebe und Antwort übersetzte. ^r ,,Verbiense ift ^so erenso bescheiden wie ihre Arbeit. Dabei rst «ms dem gucken Roman ein mittelmäßiges Bühnenstück geworden, das mit seinen unendlichen Reden, die bei der hiesigen Aussuhrur^ Llerdings recht glücklich gekürzt war'en, über Gebühr a^ gwehnt ist. An Eigenem bleibt 1 ehr wenig unb' dms von besonderer Bedeutung wäre.
ir.e bebeutenbftc Gestalt des Romanes, Wiltin.dvn finden- berg, mißlungen ist, daß die Feinheiien die,es Charatwrs ■ ber Bearbeiterin unter den Fingern zmnonnen sich-
iron dem bedeutenden Roman übrig bleibt, ist eme Zu- sLmmenstellung ber packendsten Bilder zu einem Wchnen- stuck. das jedenfalls wirken wird und geuern auch hier iearten Beifall fand. Am schwächsten sind die beiden ersten LnMge.
k. in Frage;
nicht verglichen werden
telen, die die berühmte liberale Gladstonesche Reform von
Nark. Die dritte und letzte Masse beginnt mit einem Ein
ortnnmfl in ber beschossenen Form
Verschärfung ber Geschäfts- angeregt hatten, und derer.
die das Einjährig-Freiwilligen-Zeugnis Haden. Analog ist ' eorbnet; hier
worden, daß im übrigen das englische Wahlrecht mit dem freisten aller Wahlrechtssysteme, dem des Deutschen Reichs
die liberale Gesinnung wird einem abgesprochen, Pluto- tratische Meinungen und Bildungshochmut werden dem Widersacher imputiert. Solche Kritiken und Anzapfungen sind billig wie Brombeeren, aber sie treffen nicht den Kernpunkt ber Sache. Wer es freilich für richtig hält, daß unsere blühenden Großstädte mir durch radikale Ar-i beitervertreter vertreten sind, wer es für erlaubt hält, daß Städte wie Berlin und Homburg eine rein sozialdemokratische Repräsentation haben, der muß allerdings auch noch einen Schritt weiter gehen und das Reichstagswahl- recht auch für die Einzelstaaten befürworten. Dem wirklich fortschrittlichen Gedanken wird damit aber jedenfalls nicht gedient. Es ist ein selbstmöroerisches Vorgehen, das der leider unausrottbare deutsche Doktrinarismus empfiehlt. Die poetischen Leistungen der Demokratie sind keineswegs so großartige, wie man sich und anderen einzureden sucht. Das gilt namentlich auf sozialpolitischem Gebiete. Hier hat die Denivtratiie fast immer versagt. Direkt fragwürdig sind aber ihre staa tswirischa f 11 i ch en Leistungen. Man vergleiche z. B. Preußen mit anderen liberal regierten Ländern. —
1884 zwar erheblich gemildert, aber bestehen gelassen hat A----- --------- ................—-
Die lehrreichen Zahlen, die ber „Gießener Anz." in seiner ommensoll von mehr als 2800 Mk.,^ bezw. 2500 Ml. Nummer vom 18. d. Mts. gebracht hat, stammen aus bem bezw. 2200 Mk. T'
schied wird aber erst deutlich, wenn man sich vergegen toärtigt, daß bei den letzten Reichstagswahlen im Deutsche, Reiche 3ist Millionen sozialbemolralijche Stimmen abge geben worben sinb. Ich schätze also, baß in Englanb nur r;afb soviel Arbeiter wahlberechtigt sinb, roie in Deutschland
Das Pluralwahlrecht in den genannten Staaten i, nur leise und ^al)m angebeutet. Die typischen Länder dieses Wahlsystems sind dagegen zwei ausgesprochene Industrie- staaten, nämlich Belgien und bas Königreich Sachsen. Da heute gültiae belgische Wahlrecht stammt aus dem Jahr, 1893. Nach ungemein lebhaften Kämpfen kam der neue code Slectoral front 28. Ium 1894 zur Berobschiebung. Ur sprünglich bestaub bie Zensusmahl, d. h. die Wahlberechtigung nach der Steuerzahlung. 1881 wurde das Alter für bas aktive Wahlrecht auf 21 Jahre herabgesetzt. Unle dem Kabinett Beernaert. bem die neue Wahlreform gelang, würbe bas Wahlrecht, wie folgt, geordnet: Eine Stimme Hai jeder Belgier, wenn er 25 Jahre alt ist, eine zweite weiter- bekommt derjenige, ber entroeoer das 35. Lebensjahr vollendet hat ober über ein bestimmtes Grundvermögen verfügt Zwei weitere Stimmen, also im ganzen drei Stimmen, er halten solche Personen zugesichert, bie eine bestimmte Bi bung (Hochschuldiploine, Äbiturientenzeuguis, öffentliches Amt unb bergt) Nachweisen können. Mehr als drei Stimmen hat niemand.
Die belgische Wahlreforrn ist eine der durchgreifendsten bie wir überhaupt kennen, denn die Zahl der Wahlbereck)- tigten bat sich mit einem Schlage verzehnfacht. 916 000 Wähler hatten nach den Wahllisten von 1901 je eine Stimme, 318000 je zwei unb 239 000 je drei Stimmen. ES waren also 1473 000 Wahlberechtigte vorhanden mit zusammen 2ist Million Stimmen. Wir sehen also in Belgien eine Kombination des Mehrstiimnenwahlrechts auf Grund von Lebensalter, Besitz unb Bilbung. Die sächsische Wahlreform stammt aus bem VLai dieses Jahres. Auch hier ist das fünfundzwanzigste Lebensjahr grunblegend. Außerdem den zweijährige Staatsangehörigkeit unb ein halbjähriger Wohnsitz am Orte ber Listetiaufstellung gefordert Zu diesem Normalwahlrecht kommt bann bas Pluralwahlrecht, das in ziemlich komplizierter Weise gearbnet ist
Es besteht eine Zensur in brei Klassen. Zwei Stimmen haben nämlich Personen mit einem Jahreseinkommen von mehr als 1600 Mk. Ihnen stehen gleich gewisse Grundbesitzer mit niedrigerem Einkommen und alle Personen,
deutsche Reichstagswahlrecht, so müßte es nach seiner Be- völkerunaszahl 2 Millionen Wähler mehr haben, als e-: tatsächlich aufweist. Diese 2 Millionen kämen unzweiselhas in erster Linie auf die lohnarbeitenbe Klasse. Der Unter
Tas Werk "bet/aribeti., wie allgemein bekannt sein dürfte, den Kampf des jungen Kurfürsten Joachim Nescor mit den märkischen Raubritteru, die dem Fürsten nad) dem Leben trachten, als er einen der ihren zum Tode verurteilt Durch bie Kühnheit des jungen Hans Jürgen wirb der Kurfürst aber gerettet
Die Aufführung, bie nahezu 31/2 Stunden dauerte, war ganz im allgemeinen wohl gut, aber man hatte sich im Ton vergriffen. Ein Lustspiel ijt dieses Stück doch wohl nicht Im Grunde ist es ernst und mußte auch notwendigerweise ernst dargeistctlt werden. Der vermittelnde Heber gang zwischen Ernst und Sckierz wurde nicht gefunden und dadurch wurde denn bie Darstellung erheblich beeinträchtigt Die stummen Personen hätte ich mir etwas beweglicher und findiger gewünscht Der heißblütige, mannhafte Kurfürst wurde von Karl Marx mü schöner Beredsamkeit unb edler Lebhaftigkeit gegeben, wenn ich mir auch seine Gesten hin und wieder etwas ruhiger gewünscht hätte. Kurt Gü hn e, der auch bie Leitung hatte, gefiel mir diesmal als Darsteller weniger, was zum großen Teil an dem verzeichneten Charakter dieses Geheimrats liegen mag. Auch übernahm er sich stimmlich nicht eben selten. Groß war er aber in dem Auftritt als Gefangener. Ein erfreulicher, tüchtiger Bredow war Hermann B a k 0 f, und auch Hermann Norden als Schweinichen gefiel mir. Eine scheuerwütige Ehefrau voller humorvoller Behendigkeit, aber sehr übertrieben, war Lore Scho 1z als Brigitte, die in ihrem holden Töchterlein Eva, das von Fränzi Koch allerliebst gespielt wurde, eine treffliche Stütze fand. Recht nett war Kurt Goldberg als Hans Jürgen, aber etwas weniger Salbung und Frierlichkeit wäre wünschenswert gewesen. Rudolf Goll überraschte als Otterstedt durch die mannhafte Selbstverleugnung, mit der er bie ihm so wenig „liegende"' Rolle durchzuführen versuchte. Ferry Dau dal als goldgepanzerter Graf Giech von glück- (idjfter Erscheinung, war sehr ansprechend in der schlichten Wärme seines Vortrages. Lobenswert war auch lDgar Pauly als geriebener Krämer, aber er übertrieb mich etwas, wie denn die ganze Aufführung auf einen ernsteren Ton gestimmt sein sollte. Eine hübsche Leistuna bot Karl V 0 l ck als Rupprecht. Bon den übrigen Mitwirkenden sind noch -u nennen: Wolfgang Leßler, Franz Wiederhold, Paul Urban. — Daß die Hosen des Herrn von Bredow auch als Süljnenftütf einen großen Erfolg haben werden, ist nach der 2lufnähme, die sie hier rme anderwärts fanden, wohl kaum zweifelhaft. K. N.
Dl: Weiterarbeit im österreichischen Abgeordnetenhaus.
Am 18. Dezember wurde im Wiener Abgeordnetenhaus nach <S6ftünbiget Obstruktions-Dauersitzung Die Obstruktion! der Tschechen aufgegeben. Der Geschäftsorbnungsantrag, ber angenommen worden ist, stammt von der Slawischen Union selbst und sollte für die deutschen Parteien vielleicht eine Falle fein. Hat die Revision der Geschäftsordnung die Wirkung, daß fortan im österreichischen Abgeordnetenhause jede Obstruktion unrnöglick) ist, bann würbe sie ein Ereignis darstellen, das in )einen inneren unb äußeren Wirkungen kaum überschätzt werden könnte. Durch bie Einführung bes allgemeinen gleichen Wahlrechtes sinb bie Deutschen im Abgeorbnetenyause dauernd in bie mimerische
Das neue hessische Pluralwahlrecht knüpft also an eine einzelne Bestimmung des sächsischen Gesetzes vom 5. Mai 1909 an. Seine Urheber begründen seine Berechtigung damit, daß in einem gewissen Lebensalter eine größere volitische Reife und Mäßigung vorauszusetzen fei. Ein anderer Mitunterzeichner des Antrags des l^esiischen Sauernbundes, der aber der Fraktion nicht mehr anae- jört, erklärte seine Haltung damit, daß bie ländliche Beoöl kerung im Durchschnitt älter würbe als bie stäbtiscbe mb gewerbliche, unb es sei berechtigt, bem platten Lanoe diesen Vorsprung in dem wichtigsten politischen ?Scdit gegenüber den Städtern zu gewähren. Sta- istisch betrachtet, hat dieser Mgeordnete rechts unb so werden wohl in der Tat auf bemi Lande mehr Doppelstimmenmänner sein als in den Städten. Auf dieses interessante, aber noch nicht geklärte statistisch« Problem kann aber hier nicht eiiiaegangcn werden. Roch schwieriger wird es sein, fesriustellen, in welchem Lebensalter bie sogenannte politische Vollreife" erreicht wird. Daß sie wirklich erst mit bem fünfzigsten Lebensjahr erlangt werden kann, wird im Ernste niemand zu behaupten •vagen. Wollte man von der Alt er szusatz stimme nicht absehen, so hätte man die Grenze erheblich tiefer ansetzen nüssen. Es hätte nichts geschadet, wenn man etwa dii belgische Norm gewählt hätte, aber bann wäre ber von den Befürwortern bes Pluralwahlrechts gewollte partei- polMsche Effekt hinfällig geworben. In ganz mechanischer :.\nfe sollen jetzt die Wähler in zwei Klassen geteilt werden, in erstklassige unb zweiklaisige. Will man dafür Sorge tragen, daß bie verschiedenen Bevölkecungsgruppen iridjt nur nach ihrer K'opftahl, sonbern nach ihrer sonstigen Bedeutung für das wirtschaftliche unb staatsbürgerliche Leben zur Mitwirkung in politischen Angelegenheiten berechtigt erscheinen unb demgemäß im Parlamente vertreten sind, mit anderen Worten, soll das ParlameTtt ein möglichst getreues Spiegelbild ber im Kulturleben einer Nation wirksamen Kräfte fein, so gibt es jedenfalls ganz andere Mttel, diesen grundsätzlich berechtigten Wunsch zu Der* wirklichen. Ich gebe zu, baß bas belgische und sächsische Verfahren für Hessen nicht unbedingt passen dürfte, weil es sich dort um reine Industriestaaten handelt. Aber ein gewisser Zensus, und namentlich auch bie Berücksichtigung ber Bildung, stellen eine tiefere Erfassung des Problems bar. Häufig fehlt es leider an dem Mut, bas auszusprechen. Wer mitten im bürgerlichen Leben steht, weiß, wie verschieden demokratische Wahlrechte in Volksversammlungen und Parlamenten beurteilt werden gegenüber demjenigen, was man von den gleichen Leuten über bas allgemeine gleiche Wahlrecht hinter den Külissen hört. Ich gestehe ganz offen, daß ich die Wahlrechte nach ihren Früchten bemesse und beurteile, und da komme ich als Realpolitiker zu ganz anderen Anschauungen wie unsere prinzipienstolzen; Doktrinäre. Man wird dafür als Reaktionär gescholten.
Minderheit gedrängt worden. Die Stärkung bes Parlaments durch bie neue Geschäftsorbnung würbe also gleichzeitig auch bie sJJlad)t ber lleberzahl der slawischen Stimmen im Abgeordnetenhause erhöhen. Heber diese Gefahr wird der „Deutschen Tagesztg." von einem beuy^österreichischen Abgeordneten geschrieben: Die xxnUHtorge berer, bie bie
bie zweite Nasse, bie drei" Stimmen hat,' gei
__.a_______________ Ein bestimmter Grundstücks kommt ein Einkommen von mehr als"2200 M „ .
besitz, bzw. ein bestimmter Mietswcrt ber Wohnungen, sink Beamte, Aerzte, Rechtsmiwälte, Ingenieure, Künstler und bie Voraussetzungen ber englischen Wahlberechtigung, Kau Schriftsteller gehören hierher schon bei einem Einkommen
....... ■' — - ~ ' von 1900 Mk., Grundbesitzer mit einem solchen von 1600
. Ohne Rücksickit auf Zemüs, Dienswer- Jahre 1901. Dort wurden"^/? Millionen Wahlberechtigt. \ 'lältnis, Bildung und Grundbesitz haben alle Wahlberech« angegeben. Diese Ziffern haben sich inzivischen freilich er 1 tigten, bie bas fünfzigste Lebensjahr vollendet haben, eine heblich verschoben. Bei den letzten allgemeinen Parlaments- j Zusatz stimme, bie sogenannte „Altersstimme". Mehr als wählen im Jahre 1906 waren in den Wählerlisten ?i/2 Mill 6 oier Stimmen dars kein Wähler haben.
Wähler eingetragen. Hätte aber Großbritannien das Das neue hessische Pluralwahlrecht knüpft ~


