Nr. 298 Zweites Blatt
159. Jahrgang
Montag 20. Dezember 1909
Erich eint tt-Uch mtt Ausnahme b<8 Sonnt «0.
Die ^Steße»er Samtltenblättcr“ kverdev dem „Anzeiger^ oterma! wöchentlich bergetegt, baß „Krtlibltfl f&t bee Kreis -Hetzen" jroeimal Wächenkllch. Tte „Landwinichasiliche» Kett- fragte" ecldjemen nunailid) iroeimaL
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhchen
Rotartcnebrud en* Verl SG bex Br i tzllch« UnwerluLtS - Üud>- unb ßtembrudecek Ä. Beuge. Eietzen.
RedaMon. ErvediNsn *nb Truderet! 6dn* (trabe T. fcpebinon unb Vertag «-«V bL Redaktion:lIL. Tet>-AbraAnzetgerGietzen>
Ins dem HationaHiberakn Verein Eietzen.
.aus dem
hinzuweisen,
kurzem mit die er Frage beschäftigt habe/als iraNonalliberalen Vorstand yeraus" stammend bezeichnet worden sei Dies sei nicht richtig. Ter Vorstand habe mit bcm Artikel nichts zu tun. (Er stammte von einem Vorstandsmitglied. D. Red.). Sodann teilte er mit, daß die
in der letzten Sitzung beschlossenen Maßnahmen aegen die Zuteilung von Wieseck und Heucl)clheim zu dem Landtags» ivahtbczirk Gießen Stadt zur Ausführung gelangt seien, daß außerdem eine Deputation zweier Vorstandsmitglieder in Tarmsdadt bei dem Herrn Staatsminister und der national- liberalen Landtagsfraktion in gleicher Weise und wie die Äbscmrinnng gezeigt habe, erfolgreich vorstellig geworden fei Nach längerer, angeregter Aussprache kam man Lu folgender Entschließung, die einstimmig Annahme fano:
„Tie Vorstände des nationalliberalen Vereins und des Vereins der nationalliberalen Fugend zu Gießen danken zunächst der nach Tarmssladt entsandten Deputation, deren aufkläienden Vorstellungen es gelungen ist, die in erster Lesung beschlossene Zuteilung von Heuchelheim und Wieseck zum L-andtagswaylkreis Gießen-Stadt zu verhindern und trotzdem der Stadt den in oer Regierungsvorlage vorgesehenen zweiten Abgeordneten zu erhalten.
Tie Vorstände sind zu gleicher Zeit überzeugt, daß die narionalliberale Landtagsfraktion unter Führung ihres hochverdienten Vorsitzenden, Abg. Tr. Osann, alles aufgeboten hat, um die so lang ersehnte Umgestaltung des hessiscl-en Land tags Wahlrechts rnliberalernSinn unter ven zur Zeit erreichbar günstigsten Bedingungen dem hessischen Volk zu geben.
Sie sind mit der Landtagsfraktion einig, daß nicht eine Scheinpolitik, die um die Gunst der breiten Masse ringt, zu diesem Ziel führen konnte, sondern nureine praktisch arbeitsame Politik, die sich ihrer Verantwortung und des Ernstes der Lage wohl bewußt war.
Der Gewinn von fünf städtischen Mandaten, sowie ine Herabsetzung der Dauer der Staatsangehörigkeit von drei auf ein Jahr, ganz besonders aber die Erlangung des vom Volk schon allzu lang erstrebten direkten Wahlrechts an Stelle des unseren Zeitverhältnissen übcrhairpt nicyt mehr entsprechenden indirelten sind nach Ansicht der Vorstände so wichtige Faktoren, daß man das in letzter Stunde aufgetauchte Pluralwahlrecht in den Kauf nehmen durfte.
Die Vorstände würden es für unverantwortlich ge- Ijaften haben, hätte man das ganze Gesetz an dieser Bestimmung, ohne die eine Verständigung unter den Mehr- heitsparteien leider nicht möglich war, scheitern lassen und damit auf Jahrzehnte hinaus das neue Wahlgesetz vereitelt, das dem jetzigen gegenüber unleugbar außerordentlich große Vorteile aufweist."
Die Vorstände der beiden nationalliberalen Vereine zu Kießen hielten am gestrigen Sonntag eine gut besuchte Sitzung ab, die sich mit der hessischen jPahlrechtsvor- läge und ihrer Gestaltung durch die 2. Kammer beschäftigte. Der Vorsitzende nahm zunächst Gelegenheit, daraus hinzuweisen, da'; ein Artikel im Greß. Anz., der sich vor
Das Sinigungsprogtamm der Linien.
"Ta an dem in seinen Grundzügen bereits mitgeteilten Programm der geeinigten Linken wohl kaum viel geändert werden wird, mag hier der volle Wortlaut des Programms folgen:
Tie drei Parteien: Freisinnige Volkspartei, Freisinnige Vereinigung und Deutsche Bolkspartei haben sich zu einer einheit- lichen Partei unter dem Namen
„Deutsche freisinnige Dvlkspartei" zusammengeschlossen.
Die Partei tritt ein für Schutz und Stärkung des Reiches und die Aufrechterhaltung seiner bundesstaatlichen Grundlagen.
Forderungen:
l.
rechts.
n.
fähigkeit.
III.
Sicherung der vollen Wehrkraft des Reichs, aber Vermeidung aller nicht unbedingt gebotenen Aufwendungen und Beseitigung aller Luxusausgaben. Ausgestaltung der Armee ju einem wirklichen Volksheere unter Beseitigung jeder Begünstigung einzelner Klassen, Stände oder Konfessionen. Volle Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht bei möglichster Abkürzung der Dienstzeit. Reform des Offiziervensionswesens, keine Verabschiedung wegen Nichtbeförderung. Rücksichtslose Verfolgung aller Soldatenmch- handlungen. Beschränkung der Militärgerichtsbarkeit auf militärische Vergehen. Reform des militärischen Straf- unb Beschwerderechts : Sicherung der Oefsenttichkeit und Mündlichkeit des militärischen Strafgerichtsverfahrens.
Die Partei fordert die gleichberechtigte Mitwirkung aller Staatsbürger in Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung zur Förderung des pvlttischen unb sozialen Fortschritts, sie bekämpft alle Sonderbestrebungen, die dein Gemeiitwohl zuwiderlaufen, und erstrebt den friedlichen Ausgleich der sozialen Gegensätze in einer die Freiheit deS Einzelnen verbürgenden Gesellschaftsordnung.
Tie Partei verpflichtet ihre Mitglieder zu politischer Mitarbeit auf allen Gebieten des ösfenllichen Lebens unb erwartet von diesem gemeinsamen und planmäßigen Wirken die für bü Gesamtheit unentbehrliche Steigerung des berechtigten Einslusies des deutschen Bürgertums.
Aus dieser Grundlage erhebt die Partei vor allem folgende
Volle Gewissens- und Rekiaionsfreiheit. Freiheit bet Wissenschaft, ihrer Forschung und Lehre. Förderung der Kunst, Schutz des künstlerischen Schaffens gegen polizeiliche und kirchliche Bevormundung. .
Gleichberechtigung aller religiösen Bekenntnisse und Religions- geseNschaften.
Beseitigung der vom Staat den Kirchen gewahrten Vorrechte. Anerkennung der staatlichen Oberhoheit. Keine Einmischung der Kirchen in staatliche Angelegenheit. Unabhängigkeit des Unterrichts von der Kirche. Beseitigung der geistlichen Schulaufsicht.
Mlgemeine Volksschule ohne konfessionelle Trennung. Gesetzliche Regelung des Volksschulwesens. Unentgeltlichkeit des Volkssckmlunterrichts.
Zeitgemäße Entwicklung aller Lehranstalten unter Be,eitt- gung veralteter Formen und Einrichtungen. Förderung des staatsbürgerlichen Unterrichts. Verbesserung der körperlichen Ausbildung der Jugend zum Besten der Volksgesundheit und der Wehr-
Volle Gleichberechtigung aller Staatsbürger vor dem Gesetz, in der Reck>tsprechung und in der Verwaltung. Besetzung aller Stellen in Zivil- unb Militärdienst nur auf Grund persönlicher Tüchtigkeit.
Erhaltung des Reichstagswahlrechts. Berücksichtigung der Minderheiten bei den Wahlen. Sicherung der Wahlfreiheit durch Gesetz unb Verwalttingsmaßnahmen. Allgemeines, gleiches, birektes unb geheimes Wahlrecht für bie Volksvertretungen der Einzel floaten. Reform des Kommunalwahlrechts unter Beseitigung der Klassenwahlen und der öffentlichen Stimmabgabe. Gerechte Einteilung der Wahlkreise in Reich unb Staat.
Freiheitlick-er Ausbau der Reichsverfassung in konstitutionellem Sinne: Verantwortliches kollegiales Reichs Ministerium. Festigung unb Ausnutzung bcr Rechte der Volksvertretung, Stärkung ihrer Initiativrechte.
Freiheitliche Ausgestaltung und Handhabung des Vererns-, Bersammlungs- unb Preßrechts.
Schutz unb Ausdehnung der Selbstverwaltung, Vereinsachung des Verwaltungsapparates in Reich. Staat unb Gmeinbe.
Reichsgesetzliche Reform des Fremden- und AuSlicferungs-
fähigkeit der Steuerzahler. Sparsamkeit im Staats- unb Ge- meinbehaushalt.
Schrittweise Herabsetzung der Lebensmittel- wie der Jndustrie- zöllc, Entlastung unentbehrlicher Verbrauchsgegenstätide unb Zioh- slvffe von Steuern und Abgaben.
Progressive Besteuerung von Einkommen, Vermögen und Erbschaften. Beseitigung aller Steuerprivilegien, insbesondere der toten Hand. Kerne Zoll-, Steuer- unb Verkehrspvlitil im Dienste von Sonderinteressen.
Einheitlichkeit in der Verwaltung der deutschen Eisenbahn«.
VI.
Zusammenwirken von Gesetzgebung, Verwaltung unb Selbsthilfe zur Hebung bcr Lcbensl-altung der Lohnarbeiter unb An- ,estellten. Sicherstellung unb Ausdehnung des Kvalittonsrechts, cciMgcfeblidx Regelung der Rechtsverhältnisse der in Haus- und Landwirtschaft beschäftigten Personen.
Anerketiirung der rechtlichen Stellung der Bumstwererne durch Rcichsgesetz. m
Ausbau des Arbeiterschutzes, vor allem zu gunsten der ö-rauen und Kinder, sowie für die Hausindustrie. Unterftii&ima der Gf werbeaufsicht durch Hilfskräfte auß den Reihen der Arbeiter und Arbeiterinnen. Förderung der Tarifverträge. Einsetzung paritätischer Einigungsämter und Arbeitsnachweise. Nechtsgleichpeit lür Arbeitgeber unb Arbeitnehmer, Unparteilichkeit der önaiHüben Gewalt bei wirtschaftlichen Streitigkeiten. Unabhängigkeit der Arbeitnehmer au^rhalb des Arveitsvertrags.
Vereinfachung und Verbesserung der ReichSverfichrrung-gefetz- gebung unter Wahrung der Selbstverwaltung^ Ausdchmmg der jvzialen Fürsorge aus die Privatangestellten. Sieheruivg der Freizügigkeit der Arbeiter und Angestellten. Maßnahmen zur Sicherung gegen unverschuldete Arbeitslosigkeit. Förderung der Ge- iundheitspslege, vor allem durch Beseitigung der Mißständr im Wohnungswesen.
Gestaltung der öffentlichen Betriebe zu sozial« Mnsbao- anstaltcn.
Förderung internationaler Vereinbarungen zum Schutze oer Arbeitnehmer und zur Hebung dcS heimischen Wirtschaftslebens.
VII.
Gleichberechtigung aller Erwerbsstände in Gesetzgebung und Verwaltung.
Hebung der Fachausbildung für Handwerk und Landwrrt- schast durch Fvrtbildungs- und Fachschulen. Plmimäßlge Nutz- barmachuna der technischen Fortschritte und Hilfsmittel für Handwerk mrd Landwirtschaft. Förderung des geiverblichen und landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens, auch zur Erleichterung des gewerblichen und bäuerlichen Kredits.
Aufrechterhaltung der Gewerbefreiheit. _ .Pflege des Kunst- aewerbes. Beseitigung der durch die Gefängnisarbeit und die Militärwerkstätten dem freien Gewerbe entstehenden Schäden.
Hebung des wirtschaftlichen Verkehrs durch Tarif- unb* Handelsverträge mit dem Ausland und durch Ausbau des Bahn- Verkehrs unb der Wasserstraßen. Tarifreformen zur Erleichterung des Verkehrs. Bekämpfung der schädlichen Auswüchse des Kai teil - wesens, des unlauteren Wettbewerbs, der Borgwirtsck)aft und des Submissionswesens. _
Stärkung der Produktionskraft der Landwirtsckmlt, vor allem durch Vermehrung des kleineren und mittleren Besitzes, durch sSe- seitigung der Familienfideikommisse und durch Ernschcänkung des Besitzes der toten Hand, sowie durch innere Kolonisation und, Melioration. Schaffung leistungsfähiger Gemeinde- und Kommunalverbände unter Beseitigung der komm,malen und staatlichen Privilegien des Großgrundbesitzes.
vm.
Erweiterung der Rechte der Frauen und ihres Erwerbs- gebietes, Erleichterung der Frauenbildung und Reformen im staatlichen Berechtigungswesen zugunsten der Frauen. Verstärkte Mitwirkung bcr Frauen auf dem Gebiet der sozialen Fürsorge unö des Bildungswesens. Heranziehung der Frauen zur Kvmmunal-
IV.
Unparteiische, gleichmäßige Rechtsprechung, Strafverfolgung und Strafvollstreckung. Verstärkte Mitwirkung des Volkes bei der Rechtsprechung; Schwurgerichte für politische und Preßvergehen. Zeitgemäße Reform des Strafrechts, humanes Strafsystem. Bekämpfung der Straffälligkeit der Jugend durch Matz- nahmen der Gesetzgebung unb Verwaltung. Völlige Trennung von Justiz unb Verwaltung; volle Durchführung der Verwaltungsgerichtsbarkeit. v
Gerechte Verteilung der Staatslastrn nach der Leiibungs-
verwaltung.
Förderung der Bestrebungen auf Annäherung der Völker zu! genieinsamer Kulturarbeit und zur gleichmäßigen Erleichterung der Rüstungslast. Ausbau des Völkerrechts und der internationalen Schiedsgerichtseinrichtungen zum friedlichen Ausgleich entstehender Streitigkeiten. *
Der Parteitag, so heißt es in den Beschlüssen weiter, ist das oberste Organ der Partei. Er stellt Programm und Organisationsstatut der Partei fest; Abänderungen bedürfen )einer
Lin hessischer Heldenbuch.
— Hessisches Heldenbnch. Hessische Fürsten- Föfme als Helden und Heerführer in ihrem Leben und Dirken bargeftelTt von Alfred Börckel. Mit 20 Abbildungen. Verlag vvn Emil Roth in Gießen. Als wir noch Kruder waren, die der Mutter cm der Schürze hingen, erzählte man uns liebe Märchen, dann hörten wir von Kriegen und Scl-lach'ten, von Königen und Helden ... .aus allen Ländern, nur nicht aus dem Vaterland. Mr wußten genau, wie der Schilt) des Achill aussah, von deutichen Selben tonnten wir kaum bie Namen. Das Altertum wurde bis in die Müllgruben untersucht, von unseren Helden körten wir Namen — lernten wir Zahlen. Erst als wir gereifter und deshalb weniger begeisterungsfahig waren, wurden wir mit der deutschen Geschichte genauer bekannt. Da sahen wir, daß nicht nur die Per, er und die Meder, fcte Griechen unb die Römer unb Die Bumer Helden geboren hatten, sondern auch wir Deutsche, die wir imfere eigenen Volksgenossen durch bie Vermittlung ihres Bedrückers, bes gepriesenen Casars, betrachten tn^^en. Als rb wir gar nichts wären, als ob wir nur beachtenswert wären, weil die Römer nach unserem Boden lüstern waren. Srme deutsche Jugend! Run sind fett -^^ren eifrige Sände am Werk, liachdrücklich auf unsere Ruhmes- taten hinzuweisen, und dazu hat yvi) nuu autj ttlfr» Börckel ndt seinem hessischen yeldenbuche gesellt, das rachdrncklicher Beachtung wert ist. Allerdings
Börckel nur auf die hessischen Fürstensohne beschrankt, Dielleicht weil das Buch sonst g« zu umfangreich geworden wäre. Es ist so schon über 200 edierJtarf 0«mben imb behaiidett die Ruhmestaten von nahezu bO üe in fast allen Staaten Europas wacker gestritten^Haden, Dis echte Kattensöhne. Ein solches•
ton selbst. Es gibt Bück und Gefühl ^r vaterlandyches Lesen und jur deutsche Art. ,^urrah^triottsmus ist etwas Läck>erliches, aber der gerechte Stolz auf die ^aten mserer Vorfahren, bie Liebe zu unserem BoA dA sind — um mtt Schiller zu reben — die s^en^^lu - Irrer Kraft, und wenn wir ihrer gedenken, bann hebt sich tnrfere Brust in freudigem Stotze. tlnier neuie3 Hess , Iast nur ein Fleckchen auf der Weltkarte, hat doch Großes
geleistet. Schade, daß Nicht auch die Helden aus dem Volke berücksichtigt sind, es gibt viele (ich selbst habe schon eine ganze Masse von Material gesammelt), aber auch so ist es ein erfreuliches Buch, dem ich einen recht «roßen Leserkreis wünsche, vor allem bei unserer Jugend, obwohl es keine eigentliche Jugendschrist ish. K. N.
•
Zugendschriften.
Seit einigen Jahren bat sich der altbekannte Mainzer Verlag von I. Scholz, dessen Kindertheater und Papiersoldaten längst berühmt sind, zu einem unserer bedeutendsten Verleger von Kinderbüchern entwickelt. Im vorigen Jahre haben wir in einem längeren Aufsatz unserer gnmilienbläller die vielfachen Erscheinungen ausführlich besprochen und teilen im folgenden bie neueiten Werke mit, die in der bekannten guten Ausstattung kürzlich erschienen sind. Eino allerliebste Geschichte ist So n ne n s chein che ns erste Reise, von Clara Heppner. Mit Bildern von Hans Sck-rödter. Die Reiseerlebnisse eines als Englern uir Erde gehenden Sonnenstrahles. Ter Abschied von Mutter Sonne, seine erste Rast aus hohem vereisten Berggipfel, Sonnenschernchens Derweilen aus grüner Matte bei werdenden Kühen und der Sennerin, sein Spaziergang dem plätschernden, glitzernden Gebirgsbächlein nach, b<Bä alles und noch viel mehr ist lieblich und anziehend geschildett und von Hans Schrödter in großen vielfarbigen Zeichnungen prächtig verbildlickU worden.
Eine zeitgemäße Neuheit ist„FritzundKlas,einNord- polspaß". Es ist ein keckes, lustiges Buch, sv recht geeignet, die Jugend und die Kleinen zu entzücken, während die älteren, die weiter sehen, neben dem tollen Heber mut auch die leichte Satire auf die jüngsten Polarcreionisse erkennen und fröblich belachen worden. Alle bie vielen Erlebnisse schildert Arpao Schmidt- Hammers Mcisterstist mit urwüchsigem Humor, in farbenfrohen Bildern, zu denen Georg BöllicherS Verse voll Mtz und Hebermut nähere Erläuterung geben.
Zivu wettere, sehr nette Neuheiten sind: Wie ist doch die Erde so schön! Verse von Robert Reinick, Silber von Hans Schrödter. Die Herzen auf! Ausgewählle Gedichte von Hoffmann v. Fallersleben, Silber von Lene Baurnfeind. Tie beiden vorgenannten Bücher sind unter dem Titel Iugedland auch vereinigt erschienen. Lebensfreude spiegeln die Dichtungen imb Lieder und auch die schönen Bilder wieder. Mtt den Kindern zusammen genossen, bedeuten diese beiden Büchlein einen Schatz von Anregungen und einen Jungbrunnen zugleich.
Der Verlag von Schaff stein in Köln, in dem bie beiben rasch beliebt gewordenen Bücher von Kreidolf, die Wresea-
zwer gc und die schlafenden Bä u me erschienen sind, bringt diesmal ein lustiges Buch von Otto Julius BierbaumZäpfel Kerus Abenteuer, eine deutsche Kafperlegesänchte nach der italienisck)en Puppenhisüorie Pinooonio von Evllodi. Das mit 65 Zeichnungc'.i von Arpad Schmidhammer geschmückte Wertsten, bas bereits im 5—10 Tausenb vorliegt, hat schon so starken Beifall gefunbcn, baß c5 eines besonderen Hinweises kaum noch bodarf.
N.
— Ter Hamburger Senat gegen den Schmutz in Wort und Bild. Aus Hamburg schreibt unser Mitarbeiter untcrm 17. d. M.: Der Hamburger Senat, der sich schm seit längerer Zeit als Freund guter Werke in Schrift und Bild betätigt, seinerzeit Gustav Falke und Detlev von L i l i e n c r o n einen Ehren soll) ausgesetzt und in seiner oestrigen Sitzung ben Hinterbliebenen Liliencrvns eine Ehrengcroe Don 10 000 Mark bewilligte, bat sich in der gleichen Sitzung ncit der Prüfung der Frage beschäftigt, durch welche Maßregeln die Jugend aus öffentlichen Sttaßen vor Schrift- und Bildwerken, bie bie Sittlichkeit gefährden, bewahrt werden kann. Der Ausschuß stellte einstimmig die folgenden Anträge: 1. Die Bürgerschaft beschließt unb ersucht den Senat um seine Mttgenebmigung dazu, daß in bie Hamburgische Strastenordnung folgender Abschnitt eingefügt werde: Schrift«, 2lbbÜbungen ober Darstellungen, die in sittlicher Beziehung Äerger- nis zu geben oder durch Heoerreiz-ung der Phantasie die güunds Entwickelung der Jugend zu gefährden geeignet sind, dürfen weder auf öffentlicher Stratze noch m Schaufenstern ober sonstigen Auslagen an öffentlicher Strafe ausgelem werden. Eine Schrift, Abbildung ober Darstellung kann nicht toegen ihres politischen, religiösen aber tonfeffioneUen Charakters als unter diese Bestimmung fallend angesehen werden. 2. Die Bürgerschaft ersucht den Senat veranlassen zu wollen: a) daß durch Vermittelung der Oberschutbehörd? alljährlich allen Zöglingen hamburgischer Schulen Merkblätter mtt einer eindringlichen Warnung vor Schmutz- und Schundliteratur zur Weitergabe an die Eltern ausgehLnoigt werden, bi das, die Schüler-Bibliotbeken vermehtt und reicher aus- gestafet werden, c, daß allen Illingen hamburgischer Lcknlrn mindestens einmal während der schulpflichtigeii Zeu eine Fugmd- särift coei ein sonstiges autcs Bach als Eigentum :iberrelcht h-eibe, b) daß txm Hamburger Jugendschriftcn-Ausschuß jür He von ihm veranstalteten Sonntagsunlehailangen für Arbeiter unb ihre Familien öffentliche Räume, speziell die Aulen der höheren Schulen möglichst olt kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die Anträge ttZeitigen nunmehr vie Bürger'chack. Ihre 2üuial)me erscheint sichert


