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20.12.1909 Erstes Blatt
 
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Haiti?

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Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

and) Frankreich und Stufjfanb Beri

Die Deputierlenkammer hatte

der

Temisiion

Der Dreibund wird als Hart Interessen Italiens gepriesen.

des aber

gesährtin nxt weilen ihre

-raschungen gestellt: rs^riebens Und der gleichzeitig erhallen Lcugungen:

Rom, 18. DeF.

Das Programm der neuen italienischen Regierung.

Am Samstag hat der neue italienische Ministerpräsi­dent Sonnino seine Absichten aufgerollt, die man auch über Italiens Grenzen hinaus mit Interesse vernimmt. In den auswärtigen Fragen hat er uns vor keine Ueber-

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n und SnikU. :n Einatnti ä Xadeln.

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Ocurdcbe- ltcid>.

Unter Aufhebung der Kaiserlichen Ordre vom 29. Januar 1896 ist genehmigt worden, daß die Na t i o n a l y a l e r i e in Berlin vom Verbände der Königlichen Museen in Bcrim und damit von deren Generalverwaltung ab­getrennt und wieder unmittelbar dem Minister der geistlichen Angelegenheiten unterstellt to'rb.

Aus Weimar wird gemeldet: 9dach dem Ergebnis der Stichwahlen setzen sich die 23 aus allgemeinen Wahlen hervorgegangen Abgeordneten wie folgt zusammen: 7 Rechtsstehende, Konservative, Bund der Landwirte und Antisemiten, neun Liberale, zwei Vertreter der Kvmpro-i mißparteien, ein Zentrum uno,Dier ^ozial^emokraien.

fanden. Der herzliche Meinungsaustausch, den diese Freundschaftsbeziehungen gestatten, während sie in keiner Weise mit den Bündnisverträgen im Widerspruch stehen, begünstigen deren Zwecke und stellen eine neue Friedens­bürgschaft.

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W l e n, lb. Dez. (b*_- tthr abends.) 'Jiad) locacrer Debatte, in der auch der Abgeordnete Millos namens der Christlich-sozialen und der Abgeordnete Glombinski namens des Pollnklub: iüi die Dringlichkeit eintraten, wurde zur Abstimmung geschritten, welche aus Antrag der Ruthcncn Trylowsky und Dolf nniiiciuhdi erfolgte. Mit 315 gegen 91 Stimmen wurde die DringlichkeU der Anträge betreffend Aendermtg der Geschäftsordnung ange­nommen. , ..

Tas Abgeordnetenhaus nahm das Gesttz bctr. die "lvan- derung der Geschäitsordnung gemäß von den großen Parteien vereinbarten Antrag Kramrcz in allen Lesungen an. Buiatz- antrag Weidcnhosser betr. die Festlegung der deutschen -spräche als Verhandlungssprache deS Hauses wurde in namentlicher ".lb- stimmung gegen die Stimmen der Teutfchfreiheitlichen und Chrrst- lichsozialcn abgelehnt und die Sitzung nach 86 stündiger Dauer gegen 1 Uhr nachts unter lebhaftem Beifall geschlossen.

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Wie aus Petersburg gemeldet wird, wurde I s - wolski zum Mitglied des Reichsrats ernannt unter Bei­behaltung des Postens als Minister des Aeußern.

Aus Stockholm wird berid)tet: Der Verteidigungs­ausschuß schlug der Regierung vor, die Stockholmer Flottenstation von dem letzigen nach einem anderen Orte in der Nähe von Stockholm zu verlegen und empfahl Kak na es als hierzu am besten geeignet. Tie Ko i den der Flottenstalion bei Kalnaes werden aus ungefähr 25 500 000 Kronen veranschlagt, die hauptsächlich durch den Verlauf von dem Staat gehörigen Grund und Boden bei Stockholm gedeckt werden soll.

Klara Ziegler f.

München, 19. Dez. Die ehemalige Hoffchcmspielerin Klara Ziegler ist gestorben.

Mit Klara Ziegler ist eine der bedeutendsten deutschen Schau­spielerinnen von der Bühne deS Lebens abgetreten. Sie war ot 27. April 1844 als Tochter eines Seidenfärbereibesitzers

Münä)en geboren und erhielt im banse ihres Vaters eine 'sorgfältige Ausbildung durch deutsche Erzieherinnen. Am 22. Febr. 1862 betrat sie unter dem Namen Herzfeld in Bamberg zum erstenmal die Bühne: am 27. April 1904 an ihrem 60. Ge- fartdtagc trat sie zum letzten iDäale auf. Von Bamberg war sie nach lllm gekommen, nnrrfee 1865 an das neue Volls- tleater in München verpflichtet, ging dann nach Leipzig, das sic nach einem Knappen Jahre verließ, um in den Serbanb -feg Münchener Hostl-caters einzutreten, dem sie bis 1874 an- zchörte. Zwei Jahre später vermählte sie sich mit ihrem ehe- «aligen Lehrer Ad. Christen, der schon im Jahre 1883 gestorben i<L Gastspiele führten sie an fast alle deutsche Buhnen und auch in Lolland, Ungarn, Böhmen und Rutzland feierte ue gwße Triumphe. -ri ,, e. ___.

Von ihren Rollen, die sie mit Meisterschaft verkörperte, säen nur Riacbeth, Iphigenie, Sappho, Jungfrau von Orleans und Judith erwähnt. Auch als Bühnen,chrrftltellerm ist Klara Ziegler hervorgetreten. Sie verfaßte die EinakterFlirten , .Furcht vor der Schwiegermutter undD er Sürtner von St. Peter", sowie ,,0'a.lf che r V erda ch t , , M ucki" u. a. Auch jvurnali,tisch hat sich die y5

tätigt. Sie wurde häufig ausgezeichnet: namentlich Wilhelm L, unser jetziger Kaiser, Alexander II. von Rußland und Ludwig II, ruhen ihr Gnadenbeweise. Sie war auch Ehrenmitglied des frankfurter Hochstiftes.

- Der Tod eines berühmten tzlers, George Saltinq, toirb aus i5onS?n lemchtet. ^n dm jmet JUumen des Thatched House Cl'uls, die er leit 19 ^-ahre". bewohnte, ist enc so wundervolle Sammlung von Porzellan und Jtobei. T speichert worden, wie sie wohl niemals rwrher wst w 3 ll.cmm zusammen war. Tie Kun spachen und Gemälde, die ausben Leinen Zimmern ein reichausgestattetes Musemn snnchm, - aus einen Wert von mehr als 20 Millionen gematzt, i^cht n-bm- enanber hängt da an den ko,Rarsten allen -uapeten Bild Sich, die nur seinen intimsten Freunden '"Mar txncanbte fern Einkommen von etwa 600 000 Mattk iahrluh auf feine Sammelleidenschaft; sonst war dieser onspruchsdosestL Mensch, fuhr im Lmnüms und,gmg m , ansach gekleidet. Zuerst hatte er Haupt,achlich chmeinches Po s

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Die Hauptversammlung des landwirtschastl. Vereins für die Provinz Goerhefsen.

Tie Harttwversammlüng fand, wie anaekündigt, am Samstag statt. Der B)rsitzende eröffnete sie um 2»/« Uhr, indem er die cms-ervrdenüich zahlreichen Mitglieder begrüßte und seine J-rende darüber aussprach, daß die alte Anhänglichkeit der Mitglieder air den i'eit ca. 80 Jahren bestehenden Provinzialverein zum Ausdruck komme, auch durch den starten Besuch der heutigen Tagung.

Ten Mitgliedern der Hauptversammlung wurde alsdann Kenntnis gegeben von den Beschlüssen der unmittelbar aoraus- gegangenen Ausschußsitzung, welche auch die Zustimmung der Haupt- oerfammlung fanden. Erne Aenderung der Tättgkeit des Pro- vinzialvereins soll vom 1. April 1910 in der Weise stattsindm, daß [eiter mit dem Landwirtschastskammer-Ausschuß für Oberhesscn Ausgaben, die die Landwirtschaft in der Pwvinz fördern sollen, gemeinsam unternimmt, soweit das die Verhältnisse auf einzelnen Gebieten gestatten. Ter freie Verein, das ist der landwirt­schaftliche Provinzialverein, trägt selbstverständlich aus seinen Mit-

wohl dürste die Behauptung, daß sich die Famillenmitglicdep im Hause Rostand untereinander überhaupt nur noch in gereimten Versen unterhalten, etwas übertrieben sein. Was freilich werben soll, wenn nun auch Rostand junior sich eine Tichterin zur Lebcns- .blt, darüber mögen unsere Teszendenztheoretiker einstz» Mutmaßungen anstellen.

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aktisel ts-Gesdti If Riel: litrahc 21A.

Korb-, in-Wäret $rämme, ferledet, orlageul ;rötzterLÄ

Die Regierung werde, so fuhr Sonnino fort, immer die Staatssouveränität in der redftlichen Bezielping zwilchen den Bürgern hodchalten auf wir. schafi sichern und zivilrecht' lidjem Gebiet, wie auf dem Gebiet des Familienrechts, unter peinlicher Wahrung der Gewissensfreiheit und der Freiheit des Gedankens, soweit dessen Aeußerung kein fremdes Recht verletzt und die öffentliche Ordnung nid)t störe. Der Minister schloß, indem er die Kammer auffor- derte, daß das Ministerium seiner Zeit nach den Leistungen zu beruteilen sei. Der Ministerpräsident ersuchte '"dann darum, den Gesetzentwurf über die Reorganisativ.. der Ministerien an die Budgetkommission zu verweisen Die Kammer stimmte dem Vorschläge des Ministerpräsidenten zu, für den auch Givlitti ein trat. Danach teilte der Vize­präsident mit, daß Präsident Marcora fein A m t nie- julegen gedenke. Sonnino bat die Kammer, die ission wiarcoras nickst anzunchmen. Dem Er,uchen ent-

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D ie Stadt des Kyros. Während die deutschen Asshriohogen unter Professor Kvldewey seit Jahren an der Stätte des alten Babylon systematische Ausgrabungen unternehmen, sind auch bie französischen bei der Aufdechmig des allen Susa nicht müßig, dieuerdinas wurden von chnen auf dem Durghügel die unter- einanbciliegenben Reste dreier Städte gesunden, deren unterste, die älteste, in das fünfte Jahrtausend vor Christus zrrrückgehen soll. Unter dieser Ansiedelung wurden noch Spuren aus vor- aeschickstlicher Zeit entdeckt. Von den einzelnen Funden sind be- wnders wichtig drei Pfeiler aus hartem, schwarzem Stein, die König HcrmMurabis Gesetze tragen. Ter Name des allen Susa kehrt in der Geschichte der allorienralischen Völker immer wieder. Tie Stadt war bis 2800 v. <Lhr. im Besitz der Babylonier, spaier in Dem der Elarniter. Nachdem sie verschiedenemal von Grund aus zerstört worden war, wurde sie von Kyws und den aus ihn sob. genben Perserkönigen zur Winterresidenz erwählt. Aus Inschriften, die leit 1850 hier gefunden wurden, geht hervor, daß Darius, Lerxes und andere Grvßkönige die Reiidenz durch den Bau- waltiger Säle und Befestigungen erweiterten und int Innersten 8er Burg eine Hauptschatzkammer errichteten. Von ihrem In hall hat man indes so gut wie nichts gesunden.

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Zum Schaufpielerelend. Wie jammervoll die pekuniären Verhältnisse an den kleinen Theatern tn der Provinz sind, zeigt wiederum folgendem Inserat in der neuesten Nummer desTheater- donrier*: Ab Weihnachten, Eintreffen 20. 12., find. Eng. mimt. Liebhaberin, jgdl. Liebbaber und Chargensoieler, der auch Zettel trägt. Gage bis zu 75 Mk. u. Benei. Cff. tu d. Theaterdireklion i. Freinsheim (Pfalz). Herbert Eulenbergs »Der natür­licheBaier* wurde bei der Uraufführung im Düsseldorfer Lustsoielhaus entschieden abgelehnt. Tie Direktion des Sladttheaters in Jena wurde dem jetzigen Leiter Viktor Horwitz vom Magistrat mit bedeutender Er­mäßigung der Pachtsumme au* fernere zwei Jahre übertragen. Tie Darmstädter Künstlerkolonie beabsichtigt, im Jahre 1911 eine neue Ausstellung auf der Mathildenhöhe zu ver­anstalten. Im nächsten Jahre findet eine Ausstellung deS deutschen Künstlerbundes statt, für die der Grobherzog gut gesagt hat. Tie 50jährige Toktorfeier begeht am 22. Dezember der Proleffor der Kunstgeschichte an der Bonner UniverstrEt, Geh. Reglerungsral Dr. phil. Karl I u st i. Ter be­kannte Kunsthistoriker ist am 2. August 183/ zu Marburg, wo er sich 1860 auch habilitierte, als Sohn des Orientalisten ProiefforS K. W. Justi geboren.

gesammelt und wimbervolle Seltenheften Mammengebrackst, dann wandte er sich englischen Möbeln zu und zuletzt erst kaufte er Miniaturen, Bilder und Zeichnungen. Sein Ehrgeiz war es nicht, bie Werke mit allerersten Meisternamen hoch zu bezahlen, sondern cfts ein wirklicher Kenner kaufte er Sachen, deren hohen Kunstwert er wohl zu beurteilen wußte, auch wenn er nicht durch einen berühmten Namen beglaubigt mar. Bei den Auktionen von Christte, in dessen Mhe er feine Wohnung aufgeschlagen hatte, war er eine bekannte und allgemein vespellierte Persönlichkeft. Wollte er ein Kunstwerk besitzen, dann nahm er.auch fübn den Kampf gegen die amerikanischen Millionäre auf. Die Säur er für bie Soniwner Musern Eroten nicht gegen Scckting, weil sw wußten, bau er seine Sammlungen dem Staate vermachen würde. Auck) bei Lebzeiten hatte er schon einen Teil seiner Boftbarften eadjen bem South' Kensington-DLuseum geliehen, die Mehrzahl seiner ftalienisd-en Bilder hing in der Rational Gallery, aber nun, da er gestorben ist, wird sich erst ein Ueberbtid gewinnen lasten über bie Fülle von künstlerischen Herrlichkeiten, die in feiner winzigen Junggesellenwohnung angehäuft waren.

Maeterlinck bei den Kindern. Maeterlinck, der vor nicht langer Zeit seine Gemeinde noch unter den Aestheten und den lfterarischen Feinschmeckern besaß, ist zmn Lieblingsdichter Lar englischen Kinder geworden. Sein Märchenspiel ..Der blaut Bogel" ist bie erfolgreichste Weihnachtspanlomime ber .diesjährigen Londoner Saison. In Hellen Haufen kommen die Kleinen zu dem .Haymarket-Theater, um den mystisclren sckwnen Bogel zu selzen; fd)cn jetzt finden dreimal wöchentlich s)Lachrnittag^-Vor- Ütilungen statt und in ber Weihnachtswoche wirb berblaue Pvgel" jeden Tag nachmittags und abends gespielt werden. In den Kinderstuben ist der Ncrme des Dichters vonAglavaine und Selysette" bekannter als der irgend eines anderen modernen Poeten, und die allgemeine Ansicht lautet dahin, daß er einentzückender Gcschichtemnacher" ist. So hat sich 5JMeterHncf mft der innigen Schlichtheit des alten Märchenzaubers, der in seinem Werke lebt, die Herzen der Kleinen wie der Großen erobert

Eine dichtende Familie. In ber Familie bes Tochters Ebrnond Rostand scheint das poetische Talent sozusagen Fideiiommiß geworden zu sein. Außer bem FamÄienhaupt, dessen mit ebcnfoDid Spannung als Reklame erwartete Tierbvmödie Chantecler" nun endlich bestimmt am 24. Januar bas Licht der Rampen erblicken soll, ist auch seine Gattin unter ihrem Mädchen­namen Rosemonde Gerard ccks lyrische Tichteinn tätig und der Cefientlidrfeü seit Jahren bekannt. Und nun tritt auch schon ber älteste Sproß dieser Künstlerehe, ber achtzehnjährige Herr Mauri« Rostand, mit den Ellern in Wettbewerb und beglückt die Well mit ausfallend formvollendeten Versen, um bie sich bie französischen Zeitschrift^ bereits zu reißen beginnen. Ter junge Mauri« njar ein literarisches Wunderkind: er durfte sich schon vor fünf Jahren, als Trerzehnjähriger also, in denArmales" gedruckt sehen. Er börroltigt heute auch die schvierigstzen mettischen Formen spLllnd und mft der Leichftgkeft des geborenen Verstalents. Gleich.

Nr. 898 Erstes Blatt 159. Jahrgang Montag 20. Dezember 1909

erscheint täglich, außer JfctfVÜF w rnonatlich75Pt..viertel-

General-Anzeiger für Gberhefsen MM

Nvnahme Hn Änzetge« V I fc f I u. Vanb" unb©cvirtue.-

bi DonmtiQflTU9nub Uotatlonrdruck und Verlag der vrühl'fchen Untv.-Vuch. und Steindruckeret B. Lange. Bedattlon, Lrpedition und vruckerel: Zchulftratze 7. 8°ze,'^nstb^v^Bech

heut« einen großen Tag. Der Saal und bie Tribünen sind stark besetzt. Alle Minister und etwa 400 Abgeordnete sind z-ugogen. Der Ministerpräsident Sonnino crllärt: Die Regierung werde demnächst mit bestimmten GefeheSvvrfchlägen hervortreten. Für heute beabsichtige er, die ALsicbten ber Regierung in den wichtigsten Punkten und Fragen der allgemeinen politischen Richtung darzulegen. Die Regierung beabsichtige, einen dringenden Gesetzentwurf vorzulegen, ber jetzt die aus verschiedene Ministerien ver­teilten Angelegenheiten der Handelsmarine und der dazu gehörigen Jndu.strren in ein Marine Ministerium ver­einigen werde. Weiter sollen der Ackerbau, die Forsten unb die Bergwerke von bem Ministerium für Arbeit, In­dustrie und Handel losgelöst werden, das sich künftighin auch mit den Handelsverträgen und dem Versicherungs­wesen usw. zu besck)äfligen haben wird. Sodann soll ein besonderes Eisenbahnministerium gesck>affen wer­den, um die Verwaltung zu vereinfachen unb bereu Ver­antwortlichkeit aegenüber ber Regierung zu verstärken, ohne ihre unerläßliche Autonomie zu beeinträchtigen.

Im weiteren Verlauf seiner Rede kündigte der Minister­präsident an, daß die Regierung die Gesetze über den ob­ligatorischen Unterricht, die sozialen Reformen, die allmähliche Wiederherstellung der Staatsforsten, und die ernsthafte Anwendung der Gesetze zugunsten der süd­lichen Provinzen nachdrücklich fördern werde, ebenso wie fyie Arbeit an der Beseitigung der Folgen der furchtbaren Katastrophe von Reggio und Messina. Angesichts dieser mannigfaltigen, schwerwiegenden Anforderungen sei ber Augenblick für Steuererleichterungen wenig geeignet. Die .Hauptaufgabe sei jetzt der Schutz von Arbeit und Kapital, der beiden stärtdigen Quellen nationalen Wohlstandes. Das militärische Programm zu Wasser und zu Lande wird weiter burd)gefül)rt werden mit Eifer und Vertrauen, entsprechend dem Willen des Landes und Den Anforderungen der nationalen Verteidigung. Der Ministerpräsident fuhr wörtlich fort:

Die Beziehungen zu den verbündeten DLächten waren nie so vertrauensvoll wie in letzter Zeit. Der Dreibund bedeutet nach wie vor nicht allein einen mächtigen Fak­tor tm Dienste des Frizens, sondern auch die Garantie unserer Interessen. Die schon lange Zeit bestehenden Freundschaftsbeziehungen mit England und Frankreich fügen sich den aus der italienisch-russischen Annäherung hervorgegangenen an, die in der jüngsten Unterhaltung des Königs mit dem russischen Kaiser ihren Ausdruck

sprad) die Kammer.

Rom, 18. Dez. Im Senat gab der Ministerpräsi­dent Sonnino eine gleichlautende Er klarung wie in der Kammer ab.

Bus dem österreichischen Abgeordnetenhaus.

Wien,18. Dez. Nachdem bie Abgeorbncttn Krek unb Kramarsch im Abgeordnetenhaus die Dringlichkeit ihres A n - träges begründet hatten, wonach u. a. jur Fernhaltung jeder Störung unb eines Mißbrauches burch bie Geschäftsorbnung ber Präsident ermächtigt sein soll, bie Mitteilung und Verlesung des Einlaufes, sowie bie Verhand­lung von Tringlichkeitsanttägen nach Ermessen im Verlaufe oder am Schlüsse einer Sitzung vornehmen und über bie zur formalen Geschäftsordnung eingebrachten Anttäge nur mittels einfacher Ab- sttmmung absttmmen zu lassen, erklärte ber Ministerpräsibent, es sei sehr erfreulich, baß bie Reform ber Geschäftsord­nung aus der Jnftiattve des Hauses selbst her vor gegangen sei. Tie Regierung werde ein rasches Zustandekommen der Reform tunlichst fördern und hoffe, daß sie den Ausgangspunkt einer reichen, fruchtbaren Tättgkeit bes Hauses bilden werde. (Beifall.)

Abgeordneter Wolf erklärte bie Aenderung ber Geschäfts- orbnung für einen neuen, wohlberechneten Vorstoß ber slawischen Majorität gegen bas Deutschtum und bekämpfte den Arttrag unter heftigen Ausfällen gegen Kramrez. Im Namen der Italiener sprach sich Conri für bie Aenberung aus, weil sie dre Her­stellung verfassungsmäßiger Zustände wünschten.

In ber Aussprache über den Dringlichkeitsantrag Krek- KraMrcz erörterte Redlich eingehend die rmnstischen und ffir- formellen Bedenken gegen die Aenderung ber Gei chaftsordnmrg auf dringlichem Wege und erklärte, bie Deutschen stimmten für eine Reform der Geschäftsordnung, aber auf gefetzlrchem Wege, be­sonders nach den Erfahrungen, bie sich hinftchllid) der Vergewal­tigung der Fraktionen durch bie slawische Mehrheft im öster­reichischen Parlament bereits an sich 'zu spüren bekommen hätten. Weidenhoffer und Ivo erklärten bie Tringlidckeftsanträae für absolut gesetzwidrig und unheilvoll für das deutsche Volk, das auf Gnade und Ungnade der slawischen Mehrheit ausgeftefett werdm solle. Adler erklärte, die Sozialdemokraten würben für eine befristete Aenberung der Geschästsorbnunb stimmen, trotzdem sie ihnen große Opfer auferlege und eigenllich gegen sie gerichtet fei, aber das einzige Mittel sei, um aus der gegenwättigen Notlage herauszukommen.

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