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Die heutige Nummer umsatzt 12 Seiten.
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Anzeiger Gießen.
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politiiche Tagesicha«.
V. Bethmann Hollweg und die preustsche Wahlrechtssraqe.
Ter Ausfall der Wahlen in Sachsen und Baden hat den Konservativen Anlast gegeben, vor der Reform des Menschen Wahlrechts zu warnen und in einigen Artikeln der „Krcuzztg. sind schon Erörterungen erfolgt, die wie eine Drohung gegen den neuen st^ichSkanzler Hingen. In Grauden z hat am Sonntag bei einer Provinzialversammlung des Bundes der Landwirte für Westpreußen der Provinzialvorsitzende des Bundes, Kammerherr v. Lldenburg-Ianuschau in dieselbe Kerbe gehauen. Er sagte nach dem Bericht der „Teutfto TageSzlg." nach einer Erörterung der
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Ausland
Die von den Landtagen Nieder-Oesterreich, Ober-Oesterreich und Salzburg-Baralberg beschlossenen Gesetzentwürfe über den Gebrauch der Landes- s V r a ch o in den Landtagen, bei autonomen Behörden, ferner über den Gebrauch der Unterrichrssprache in den staatlichen Landes, Lehrer- und Lehrerinnen-Bildungsanstalten und an den Landesreal schulen erhielten die Sanktion des Kaisers^
Tie Räubereien im >süden Persten s nehmen zu. Die Straße von Isfahan nach Schiras ist von mehrer en hundert Räubern besetzt. Vor einigen Tagen zerstörten Räuber den englischen Telegraphen in Deschti Ardjan Tie Telegraph-nverbindung mit Abuschir war vierundzwan-lg stunden unterbrodyen. ^ex Telegraph arbeitet auch heute noch sehr schlecht.
Aus Petersburg wird gemeldet: Die in der Nahe des Kaukasus ansässigen Stämme der Schahseweunen und Ka- radschadagen beschlossen, für den früheren Schah ein- Ku treten. «Sie belagern gegenwärtig Ardebil. Da durch diese Tatsachen dem russischen Bizekonsulat und den dortigen russischen Untertanen zweifellos Gefahr droht, andererseits die aus Täbris und Teheran entsandten persischen Truppen nicht so bald dort eintrefsen, beschloß die russische Regierung, unverzüglich die Schutzwache des Vizekonsulats in Ardebil zu verstärken und zwar durch einen Truppenteil aus dem angrenzenden Militärbezirk des Kaukasus, nicht aber durch einen Teil des in Kaswin oder Täbris stationierten Truppendetache- ments, da der Transport dieser Truppenabteilung nach Ardebil mehr Zeit erfordern würde.
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Deutsche» Reick.
Ter Kreisausschub in Bensheim hat dem m Bürstadt zum Bürgermeister gewählten F a b r i k a r b e t t e r Bhilipp 3ue die Bestätigung versagt. In der Begründung aeaeben daß Ille vvr 19 Jahren wegen Körperverletzung bestraft Nwrd^ sei und außerdem in Verdacht stehe, sozialtznwkrattschenl Gesinnungen zu huldigen. Wie bie sozialdernokratiichc „Maurzer Volkszeitung" erfährt, ist Ille Mitglied der Zentrumspartei.
Tie „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt in- ihrer Blättcrschäu: „Der als Beilage zum „Berliner ^ageblatr auch im Auslande verbreitete „U t f" hat in seiner letzten Nununer eine Karikatur des Königs vonDpanien gebracht, die mit Recht als anstößig empfunden werden must. Skraitige Ausschreitungen des Karikaturenstiftes verraten einen bcdauer- [idxm Mangel an politischem Verantwortungsgefühl.
Gefolgschaft" bestanden habe und bezeichnet bie Katalonier als liberal-radikale Leute, Ferrer ut nach Bernstein- Memung cm Anarchist und „wildge w or de n c r Sep ata ist go wesen. Am Schlüsse des Bernstein',cken Artikels hecht es
Den Ferrer-Kultus aber kann und wird bie deutsche Sozialdemokratie nicht mitmachen. Ferrer istmann^ift für I«ne Uebcrocugung gestorben; das haben fedoch Taufende vor ihm W M w-rk-n wohl'noch vtze nach ihm tun. Es ist vom politischen Gesichtspunkt aus nicht gerechtfertigt, den Mut der letzten Stunde so hoch einzuschätzen, daß man auf ihn hm Straßen benennt und Denkmäler baut, xte graste Jrultur- bewegung der Arbeiterklasse hat andere Maßstube für die Wertung von Vorkämpfern. Sie hat lern ^ntereste daran, das kulturelle Niveau ihrer Kampfe auf das früherer Epochen zu rütkzustelleu. Tas Dynamit und der Revolver haben als politische Kampfmethoden überall Bankrott ge-
Nun müßte eigentlich ein wütend«: Kampf der Ferrer-freunb- lichen „entschieden liberalen" Presse gegen Bernstein entbttnnen, denn bie neueste, mit so viel Aufwand ins Werk gcsetztt bewegung gegen den spanischen Greuel durfte doch nicht fo jämmerlich, im Sande versickern. __________________
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zu umfassen, da trifft ihn ein Backenstreich> der unklugen J-rau, die ihre „Rache", die Untreue, für so leicht hielt. Aber er findet sich und steht ihr bei, um den Gatten von ihrer Schuld -u überzeugen, damit er in sich gehe, aber da 1 acht man, lacht man. Die Frau und e r . Armer Auguste. Ihm blüht das Glück nur in der Enge und so findet denn auch er Kuletzt einen Zug, mit dem er fahren darf, wahrend das junge Weibchen, über dessen Tugend die Liebe als Schutzengel wachte, ihre Nebenbuhlerin überwindet und dem reuigen Gatten lächelnd verzeiht.
Es wäre eine nicht aanz uninteressante Doktorarbeit, Francitlon mit diesem Lustspiel zu vergleichen, das an Geist und Witz sein Vorbild weit überragt. Auch die ganze, blendende Kunst der Rede, die den Erfolg des Stuckes bedingt, ist das unbestrittene Eigentum der beiden Verfasser, die es sogar wagen durften, einen an fich überflüssigen Aufzug zu schreiben, den ersten. Man erfährt darin gar nichts, was zum Verständnis der folgenden drei nötig wäre, aber er fesselt durch die außerordentlich geistreiche Führung, durch den prächtigen Dialog, in dem es schillert von tausend Farben. Und tadellos wurde gespielt, im Ganzen Kurt Gühne, als der Privatgelehrte Auguste im Mittelpunkt, schuf diesen Mann mit der lachenden Träne aus dem Vollen heraus, und fand, ohne jede Uebertteibung, den richtigen Weg zwisckien der weltfremden Art des Stubengelehrten und des gebildeten Mannes, aus der besten Gesellschaft; eine lebenswahre, prächtige Gestalt. Gustt Ney, anfangs etwas l-astig stattete die schwierige Rolle der wilden Jacqueline nicht nur mit dem Zauber einer liebreizenden Madchenfigur aus sondern bemühte sich mit vollem Erfolg, em leibhaftiges Menschenbild darzustellen, und wurde denn auch durch besonders starken Beifall ausgezeichnet. Tie glückliche Liebesszene im zweiten Aufzug gelang ihr besonders gut. Rudolf Goll war ein „musterhafter" Ehemann, der seine Haltung ausgezeichnet zu wahren wußte. Herzlich und nicht ohne Lebenskunde war die alte, lüsterne Marquise der jyrau Elly Gühne, schillernd und verführerisch Franzi Koch als leichtlebige Lucienne. Etwas mehr herzlichen, welttundigen Smnwr hätte ich von Karl Volck als Abbe erwartet, der seine Rolle doch wohl zu ernst auffaßte. Ein wenig Freude mehr iCt hier wohl nicht unangebracht. Auch im übrigen war die durch prächtige, neue Ausstattung überraschende . Aufführung unter Kurt Gühnes geschmackvoller Leitung
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dieser Vorschläge wirken. Je mehr diese durchireuzt wurden, desto mehr mürbe darüber bebattiert werden und mit defto größerer Entschlossenheit werde das englische Volk darauf sehen, daß diese Vorschläge auch angewandt würden. Ihre Anwendung konnte dann in den Formen geschehen, die bei den Unwwsten Bedauern Hervorrufen würden, das Budget opponiert zu haben.
Snowden (Arbeit er Partei) erklärte, das Budget fei nur ein wenig sozialistisch, aber nicht revolutionär; denn es würde einer Revolution vorbeugen. Es müsse von diesem Parlament etwas geschehen, um die g r o ß e n U n g l e i ch h e i t e n z w i s ch e n dem Reichtum und der Armut, zwilchen Luxus und N o t zu beseitigen. Im weiteren Verlaufe seiner Auswhrungen gegen die Tarifreform erwähnte Snowdcn die letzt e n Wahlen in Deutschland, die ausschließlich unter dem Eindrücke der jüngsten Stenergesetze ausgefochten wurden. Alle deutschen Sozialisten seien auf Grund einer schmerzlichen Erfahrung Freihändler. Wenn es möglich sei, durch die Besteueruna des Auslandes Einkünfte zu erzielen, warum tue es Deuttchland nicht?
Gieszcner
Die Liebe wacht.
Lustspiel von G. W de Caillavet und Robert de Flers.
Meder einmal ein voller, unbestrittener Erfolg, der d-llrch nichts getrübt wird. Ein Lustspiel, das m semer Srfindunq nicht neu, aber von solch liebenswürdiger, geist- r ücher Art ist, daß es noch oft volle Häuser und mit semem imtziqen Geist Menschen froh und freudig machen wird.
Solche Lustspiele werden selten geschrieben, bei uns hi Deutschland schon gar nicht, und es ist deshalb lem Wunder, daß es von der Akademie mit eurem Preise gehont wurde, was bei uns auch nicht immer der Fall KU {•ein pflegt. Dafür ist Ernst Hardts ^.antrrs, der Narr ein offensichtlicher Beweis. Anders in der freien Republik unserer westlichen Nachbarn, die uns an Geist und GraZ^ »on jeher überlegen waren. Bemerkenswert ist aber, daß sowohl Hardts Dichtung, als auch das Lustspiel der Franzosen nicht im vollen Sinne Original ift, sondern beide auf frühere Werke zurückgehen, wie die meisten deutschen Dramen in den letzten Jahren.
In ihrem neuesten Werk greifen die beiden Pariser, bie in ihrer Heimat beliebte Lustspieldichter^smd, auf des jiingeren Dumas ziemlich bekanntes stuck jzirancillon jtttnui, dem sie allerdings nur den Grundgedanken ent» Ühnt lstiben, um ihr Werk mit Geist und Gluck darauf 1 eii erbauen. Nicht einmal besondere Mittel gebrauchen sie. sie verwenden all die bekannten Schwankfiguren, nur dasz j siie manche mit Glück zum Charakter vertieft haben. So kkommt es eigentlick) von selbst, daß der stille, weltfremde Stubengelehrte hier im Vordergrund des Stuckes steht, wähnend er bei Dumas nur am Schluß flüchtig auftritt. Cr klommt sich selbst vor wie ein Stationsvorsteher, der all Sie Züge in die weite, schöne Ferne fahren läßt, ohne fe- mals selbst darin fahren zu dürfen, oder wie der ^ogen- ßchließer, der ztvar den Beifall hört, aber nichts von dem, roas auf der Bühne vor sich geht. Auguste ist nur ein Zauw «ast des Lebens. Man braucht ihn wohl, man freut sich ßeiner, aber er ist. . . nur der Zaungast. An ihn wendet ßich Jacqueline, um ihren ungetreuen Gatten so zu sttafen, Die sie es ihm geschworen hat, utid er steht, hilflos da, Das reiche unerwartete Glück, das er so lang ersehnt, macht . chn verwirrt — und als er sich auf raff en will, es liebend
letzten Reichsfinanz-Kämpfe: .,
„Nun liegt dieser schwere Kampf hinter uns, aber ich glaube auch, daß ein s e h r s ch w e r e r n o ch v o r u n s l i e g t. Die Erbschaft, die Fürst Bülow seinem Nachfolger hinterlassen hat, ist nicht leicht. Herr von B e t h m a n n - H o l l w e g hat die ganze Gesetzgebung mit Bülow zusammen gemacht, er hat die ganze Sache mit entriert, phne eine andere Rückzugslinie zu kennen, als über die Leichen der Konservativen. Fürst Bülow hat Zentrum und Konservative untertariert. Es gab ja Zeiten, wo man mit dem Zentrum paktieren mußte, weil ohne Zugeständnisse von ihm nichts zu erlangen roar; aber diesmal war es staatsmännisch genug, ohne Zugeständnisse zu bewilligen. Die Konservativen hat er gleichfalls untertaxiert, und das hat Bethmann auch getan. Hoffentlich hat er aus dieser Erfahrung gelernt, daß es für bie Konservativen Augenblicke gibt, wo sie lediglich ihrer Ueberzeugung folgen und bei den größten Fragen des Vaterlandes Glück über die eigenen Interessen stellen $>en Liberalismus U er über tariert- der gibt nichts ohne Zugeständnisse. Sich selbst hat Fürst' Bülow übrdarier'., durch ou Macht seiner Persönlichkeit glaubte er, das ungefüge Gebilde des Blocks meistern zu können. Auch darin hat cr sich geirrt. Unb da Herr von Bethmann alle Wege mit ihm gegangen ist, jo ift Jem Stand heute sehr schwer, und- es wird ihm außerordentlich schwer werden, das einzulösen, was die preutzische Thronrede ver-
gro6=8 Unglück für d°S Reich, wenn in di- Zersplitterung der Parteien ein schwacher Reichskanzler gestellt worden wäre. Hoftentlich stellt Herr von Btthmann-Hollweg seinen Mann, der die Gegensätze mit festem Willen zu überbrücken weiß! *
Genofie Bernstein gegen den Ferrer Kultus.
Sogar innerhalb der Sozialdemokratie glaubt man nicht daran, daß infolge der Verurteilung Ferrers bte Freibenker: sich zu Kundgebungen erheben mußten. In den „Soz. Monatsheften beschäftigt sich Genosse Eduard Bernstein mit bem <yerrer» Kultus. Er hält es für sehr oerftdnbig, daß bie Sozialdemokratie diesen Kultus nur in befäränftem 3»^:.mügemaibt babc^ 3ern- ftein wendet sich dann gegen die Auffassung daß du Umgebung Ferrers ans „unwissenden Geistlichen und ihrer abergläubischen
Die dritte Beratung des englischen Manzgesetzes.
DaS Ringen zwischen den Liberalen und Konservativen i um die Gestaltung der neuen Steuern hat gestern im eng- chen Unterhause wieder begonnen:
London, 2. Nov. Im Unterhaus begann We bie I b ritte Lesung der Finanz bi II, für die drei Tage in lussickU genomm.n sind. Austen Chamberlain beantragte ; b -? Ablehnung der Vorlage. Er erklärte, daß zwar manche Mangel ciiis tx-in Gesetz aus gemerzt, aber die Vorwürfe der Opposition . tgen seine .^auptgrundsätzc dieselben feien. Er wiederholte seine critif an bin Grundsteuern und der Konze,, ivus> ir-euer und erklärte, der Hauptnachteil deS Budgets sei, daß es l gefaßt sei mit der anerkannten Absicht, besondere Lasten auf k.'sondere Vollskreise zu legen. Tie Opposition glaube, daß cs iwd) andere Wege ;.ebe, den finanzi'llen Ersorderm; ^n zu bo- i^nen. Chamberlain schloß mit den Worten: Laßt uns aus den r fabrungen unserer Kolonien und fremder Länder lernen (wo» isicher Beifall bei den Liberalen), laßt den Luxus der Reichen ^incn Anteil an den Steuern tragen, laßt die große Menge der . Einfuhrgüter aus dem Auslande ebeiiso ihren Anteil tragen. Ihr E Jtifi trägt zmn Vorteil des Viarktes bei, von dem sie profitieren.
In Erwiderung des Vorredners sagte Attorney, daß der Regierung bei der Erweiterung der, Steuergrundlagen brtn Weye üfien gestanden hätten, darunter sei die Wahl nicht schwierig ■ieroefen. Einmal die Steuer auf den unverdienten, oft völlig .^erwarteten Wertzuwachs, dann die. Besteuerung der I n - b u ft r i e und schließlich die der Arbeit in Form einer Steuer mf den allgemeinen Konsum. Die Regierung ent,chied sich dafür, boß das geeignetste Stenerobjekt der Wertzuwachs sei. Es ei itn klar, daß Chamberlain Handel und Arbeit besteuern wolle. Er bestreite entschieden, daß das vorliegende Budget cm sozia- 2 Tisches sei. Das vorliegende Gesetz hob die Finanzen m eine höhere Sphäre. England h a b e d e n W e g d es . F or t- (drittes betreten ,hinweg von den bösen Zeiten, in denen ö ic Armen belastet wurden, um dem beaünftigten Teil Nutzen in verschaffen. Gegen diese Art Politik seien die Vorschläge b.tf Budgets gerichtet. Die Opposition möge für die Vereitelung
Die Stichwahlen in Sachsen.
l ilen demnach noch 11. .
Dresden, ,2. Nov. .Bei den heute zur zweiten Stande--
,7t "vT i 8unb her Landwirt-, l M.tt-lyandz- Partei, 2 4 N a 11 o n a l l i bera l e, L Frei, inm ge,
En^T-'resden wiirden drei Nationalliberale und ein Frei- ,Niger und in dem großstädtischen Wahlkreise Plauen em Frei- U17Clc ?etzten^erforderlichen Endstichwahlen Hnben morgen unb .itermorgen statt. Daran sind beteiligt o Konservative 1 Bund üerr Landwirte, 6 Naiionalliberale und 10 SoMldemokraten
Wir verzeichnen noch folgende Meldung der „Frist. Ztg. .
Dresden, 2. Nov. D ie Freisinnigen scheinen die arn dem Vorsitzenden des Landesvercins der freisinnigen Volks- jjrtei, dem Abg. Günther, gegebene Wahlparole, stets für den .-rationalen Kandidaten" zu stimmen, im allgemeinen mÄt be- ’algt zu haben. Die noch ausstehenden Wahlkreise sind besonders lünftin für die Nationalliberalen, bie sedenfalls in ihrer 'lien Stärke von 31 Mandaten wieder emziehen werden. Die A-zialdemokraten werden vielleicht noch zwei oder drei Mandate
I gewinnen.
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durchaus lobenswert. Zu erwähnen wären noch nament- ich: Edgar Pauly (Carteret). Hermine Gilzinger (Baronin), Erna Güldener (Ursule) undAda Pauly (Rosa). K. N.
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— Geheimrat Ehrlich, der bekannte Frankfurter Gelehtte, berichtete gestern abend bei einem Vortrage inBerlin über Experimente, die er gemeinsam mit seinem Assistenten aus Japan an Kaninchen gemacht hat. Es wurden mittels syphilitischen Giftes Geschwüre an dem Versuchstiere erzeugt, die mit Hülfe eines neuen von Ehrlich gefundenen Mittels in wenigen Tagen wieder zur Ausheilung gebracht wurden, wer Gelehrte drückte sich hinsichtlich der Uebertragung dieses höchst bedeutungsvollen Ergebnisses auf bie Behanblmig ber Syphilis beim Menschen mit großer Zurückhaltung aus unb erklärte, daß an eine Verwendung des neuen Mittels zur Verhinderung der menschlichen Syphilis selbstverständlich nicht eher gedacht werden könne, als bis weitere sehr sorgfältige Versuche in Krankenhäusern zu näherem Aufschluß geführt haben.
— Gerhart Hauptmann und fein Interviewer. Ein Herr Martin Feuchtwanger schickte in diesen -tagen ben verschiedenen Zeitungen ein Hauptmann-Interview, das auch von einigen, fo von dem „Berliner Tageblatt" abgedruckt wurde. Ter LchriftsteNer teilt im Jnterviewbericht nut, daß er den Dichter in Halle besucht habe, und erzählt dann, was Hauptmann angeblich zu ihm geäußert habe. Wir haben den Bericht nicht veröffentlicht, weil wir aus verschiedenen Bemerkungen em Mißverständnis des Schreibers vermuteten, das stch^ietzt logar als grobe Täuschung des Publikums darstellt, denn Gerhart Hauptmann sendet dem „Berl. Tagebl." ein Telegramm folgenden Inhalts: „Ern Herr aus Halle hat sich eine Unterredung mit mir dadurch erschlichen, daß er sich als zweiter Vorfitzender eines Luccarischen Vereins in Münck>en einsührte unb i'einejour» nali'tische Mission verschwieg. Ich hielt ihn für einen Studenten in Gewissensnöten und suchte ihn durch energischen Zuspruch aufzurichten. Daraus hat er einen lächer- lichei'. Artikel: „Gerhart Hauptmann und die Kritik" gemacht, aus dem hervorgeht, wie er zwar nicht imstande ist, Gespvoch^ies richtig wicderzugebcn, dafür aber eine höchst respektable Erfindungsgabe besitzt." Tas dürfte genügen.
— Das Berliner Mommsen-Denkmal, das am Montag im Vorgarten der Universität enthüllt wurde, ist eine Sckovfung von Prof. Adolf Br ü tt in Weimar, dem holsteinischen Lands mann des Gelehrten. Brütt war aus dem engeren Wettbewerbe unter sieben Bildhauern als Sieger hernorgegangen. Ber-
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Erstes Blatt 159. Jahrgang Mittwoch 3. November 1909
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Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'fchen Univ.-Vuch- und 5teiudruüerei H. Lange. Redattion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. !£^e;flenteVv Beck.
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