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3.3.1909 Erstes Blatt
 
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Nr. 52 Erstes Blatt 159.Jahrgang Mittwoch 8. März 1909

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Die heutige Nummer umsatztJ2feiten,___

s Die Ablehnung -er Nachlatzfteuer.

Wie bereits in einem Teil der gestrigen Auflage des Gieß. Anz. mitgeteilt werden tonnte, war die Finanztommission des Reichstages gestern nach mehrtägiger Panse wieder zusammen­getreten, mit den noch ausstehenden Beschluß über den § 1 der Nachlaßsteuer zu fassen. Er wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und des Freisinns abge- ^Mit der Ablehnung des § 1 der Nachlaßsteuer hat sich die Situation aber noch keineswegs geklärt, denn mit dem neuert, noch immer geheim gehaltenen Kompromiß der Subkommission, hat sich die Finanztommission gestern noch nicht besänftigt. Es l;eifct, die Freisinnigen hätten diese .Kvmpromißvorschläge abgc- lehut. Die Versuche, zu einer Verständigung zu gelangen, werden gleichwohl fortgesetzt, und es verlautet, daß sich die Finanz- tommijsion vielleicht schon heute mit diesen neuen Vorschläge befassen werde. Haben nun die gestrigen Verhandlungen der Finanzkommission auch noch keine Entscheidung gebracht, so sind sie doch für hie Beurteilung des zahlenmäßigen Standes der Frage der Nachlaßsteuer von Interesse. Nationalliberale und Reichspartei haben ausdrücklich erklärt, daß ilyre Abstimmung nicht als definitiv anzusehen sei. Wahrscheinlich mitt' man auf die Nachlaßsteuer in irgend einer Form zurückgreiftn, nachdem nun auch die von den Natioiralliberalen beantragte Reichsvermögens­steuer (Antrag Weber) abgelehnt worden ist. Auch die Erklärungen des Staatssekretärs Sydow sind von Interesse, denn sie scheinen anzudeuten, daß eine Verständigung vielleicht Über eine Erb- anfallsteuer möglich ist.

lieber die gestrigen Verhandlungen sei Nachstehendes mit­geteilt :

Dr. Weber erklärte für die Natronalliberalen : ,.Namens meiner Partei möchte ich nochmals konstatieren, daß wir nach wie vor die von Uns beantragte direkte Reichsvermögens­steuer für die bessere Form der direkten Heranziehung -des Besitzes erachten. Wir lehnen daher für diese Lesung unter ausdrück­lichem Vorbehalt unserer Stellungnahme für die zweite Lesung die wir uns nach jeder Richtung hin gewahrt zu wissen wünschen, die Nachlaßsteuer ab." Die Erklärung des Ver­treters der Reichspartei lautete:Meine politischen Freunde haben die Nachlaßsteuer als eine ihnen unsympathische Steuer bezeichnet, der sie nut zustimmen können, wenigstens in ihrer Mehrheit, wenn sich nur auf diesem Wege die Reichsfmanz- rejvrm zustande bringen läßt. Da wir nun einen1 Antrag vor­gelegt haben, der einen Ersatz der Nachlaßsteuer bringt, so werden wir jetzt gegen die Nachlaßsteuer stimmen, ohne daß wir dadurch unsere Stellungnahme für die Zukunft präjudizieren."

Es' standen sodann zur Debatte der Antrag Weber Mit der Forderung einer Reichsvermögenssteuer und die Anträge Gamp unb Herold, die auf ine Heranziehung des Besitzes auf dem Wege durch die Einzelstaaten abzielen. Auf Antrag Weber wurde beschlossen, zunächst über die Reichsvermögenssteuer zu debattieren. Der Vertreter der wirtschaftlichen Vereinigung, der in den letzten Sitzung erklärt hatte, zunächst für den Antrag Weber aus Reichs­vermögenssteuer stimmen zu wollen, erklärte heute, da ihm ein anderer Weg der Verständigung möglich erscheine, vorläufig gegen den Antrag Weber stimmen zu müssen, indem er die Bedenken hervorhob, die gegen eine Reichsvermögenssteuer sprächen, da nickst ledes Vermögen sich in seinem Ertrage gleiche und verschiedene Berufsgruppen ein verschieden hohes Einkommen aus demselben Vermögen zögen. Er erklärte aber seine Bereitwilligkeit, wenn im Lause der Beratung kein anderes positives Resultat zu erzielen sei, fick später wieder auf den Boden des Anttages Weber stellen zu wollen.

Bon feiten der Freisinnigen wurde unter Zustimmung zum nationalliberalen Anträge das Zentrum an seine frühere Stellungnahme zugunsten einer Erbschaftssteuer sowie überhaupt einer direkten Besteuerung des Besitzes erinnert und hervor gehoben, daß die Gründe für die veränderte Stellungnahme nur politischer Natur seien. Es wurde besonders in dem Anträge Weber die Be­stimmung über die Quotisierung der Steuer begrüßt, die als ein wichtiges konstitutionelles Recht einer alten Forderung der frei­sinnigen Parteien entspräche.

Die Reichspartei sowie das Zentrum lehnten wie schon früher den Gedanken einer Reichsvermögenssteuer ab, da sie keinen Eingriff in die Finanzhoheit der Einzelstaaten zu tun wünschten. Für die Nationalliberalen wandte sich Dr. Weber gegen die neulichen Darlegungen des Finanzministers von Rheinbaben, der aus dem Antrag« Weber eine Erhöhung der preußischen Vermögens­steuer um 200 Prozent herausgereckmet hatte, Dr. Weber wies nach, daß einer Belastung Preußens mit 6/i0 des Neichsbedarfs die preußisckie Vermögenssteuer nur um zirka 140 Prozent ge­steigert zu werden braudje. Er erklärte, daß gerade lvegen des Nichivorliandenseins einer Mehrheit für die Nachlaßsteuer die Nationalliberalen von Anfang an bemüht gewesen wären, einen praktischen Weg der Verständigung über die Heranziehueng des Besitzes zu finden, die man in einer Reichsvermögenssteuer ge­sunden zu haben hoffe. Gegenüber einem Vertreter der Sozial­demokratie', der an sich dem Antrag Weber zuzustimmen erklärte, ober daneben eine Heranziehung des Einkommens verlangte, wies Dr. Weder auf die jetzige Belastung des Eintommens der Einzel­staaten und Kommunen hin und verwies darauf, daß gerade in dem Staate des sozialdemokratischen Redners, in Hessen, die Kvpfbelasluna durch Einkommensteuer mit 9 Mk. gegenüber 6,44 Mk. in Preußen und 45 Mk. in den thüringischen Staaten außer Sachsen die höchste in Deutschland sei. Er wies nach, daß, wenn nach dem sozialdemokratischen Vorschläge der Gesamtbedarf durch eine Reichseinkommensteuer geschaffen werden sollte, He s se n sta tt der bisherigen 10Millionen Mark'37 Millionen M a r k aus der Einkommensteuer zu ziehen haben werde, was eine weitere Pflege der großen kulturellen Aufgaben des Einzel­staates unmöglich machen würde. Er bedauerte lebhaft den Umfall des Vertreters der wirtschaftlichen Vereinigung.

Der Schatzsekretär erklärte, nach der heutigen Ablehnung per Nachlaßsteuer nicht weiter über diese Steuer debattieren zu wollen; behielt sich aber ausdrücklich vor, später wieder darauf zurückzukommen. Wenn es seitens eitles KvmMissionsmitgliedes bedauert worden sei, daß er- in der letzten Sitzung eine Ncichs- vermögenssteuer als unannehmbar bezeichnet habe, dann stelle er fest, daß er wälhrend der ganzen Beratungen sehr vorsichtig mit diesem Worte gewesen sei und daß er darum in vollem Bewußtsein jenes Wort gesprochen habe. Er könne foinsufügen, daß die ver­bündeten Regierungen fest auf diesem Standpunkt stehen bleiben würden.

Ein Vertreter bei Konservativen lehnte dann gleichfalls den Antrag Weber ab, unabhängig von der Stellungnahme der verbündeten Regierungen, aus prinzipiellen Gründen gegen jede Schaffung einer Reichseinkommen- oder Vermögenssteuer. Aus eine Bemerkung eines sozialdemokratischen Mitgliedes erklärte ein bayerischer Bundesbevollmächtigter, daß die Bundesstaaten sich bis­her noch nicht mit einer definitiven Ablehnung der Nachlaßsteuer abgefunden hätten. Ein Zentrums Mitglied richtete einen bemerkenswerten Appell an den Schatzsekretär, nach Ablehnung der Nachlaßsteuer nicht unwillig beiseite zu stehen. Es sei nun­mehr nicht Sache der Kommission, Gegenvorschläge zu machen, sondern Sache der Regierung, nrit neuen Vorschlägen zu kommen. Er erkannte im Gegensatz zu früheren Auslassungen des Zentrums die angeforderte Höhe des Bedarfes int großen und ganzen an, sowie die Notwendigkeit der ganzen Reform. Er erkennt ferner an, daß die angeforderten Konsumsteuern nicht zu umgehen feien', und

Grefzener Stadttheater.

Das Blumenboot.

Schauspiel von Hermann Sudermann.

Ich komme nicht von dem Eindruck los, daß das Blumenboot seinem Dichter einen großen Namen gemacht hätte, wenn e§ vor 10 ober 15 Jahren, also etwa kurz nach der Ehre auf dem Spielplan erschienen wäre. 15 Jahre, ein herzlich kleiner Zeitraum, aber genug, um einen Heiligen von seiner tönernen Säule zu stürzen und doch wieder so lang, daß man nahezu vergessen hat, daß Sudermann ein­mal ein Glaube und eine Hoffnung auf das Höchste war. Es ist eigentlich traurig, und im tiefsten Grunde betrachtet ist es tragisch, daß ein Mann, der wirklich ein Dichter ist, nicht über sich selbst und seine Schwächen hinauskommt. Wie anders ist der Sudermann der kräftigen ostpreußischen Junker­romane und der Sudermann des Theaters. Dort Leben, hier Theater, Scheinkunst, vorgetäuschtes, zurecht gemachtes Leben, dem die Seele fehlt und die Notwendigkeit, das keine Hoffnung und keinen Halt in sich selber hat, das nur des­halb so ist, weil es der Dichter so zu sein gezwungen hat. Daß haftet ihm vom Roman her an, und wie er sich auch muht und wendet, er kommt nicht mehr davon los, es haftet ihm unauslöschbar an, weil es seines Fleisches und seines Blutes ist. So steht er mit trotzig gekniffener Stirne da wie ein Held, dem man die Hände gebrochen hat und sein Wille geht weit, weit hinaus, weiter noch als vor 15 Jahren, wo ihm das Theater die ersten Lorbeeren bot und voller Hoffnung und Glauben mar. Damals, ja da mar man ja eigentlich noch so anspruchslos, so bescheiden; da roaren seine Probleme schon große, erhabene Probleme, die dem Parterre ebenso neu roaren, wie der Galerie, ebenso kühn und ebenso zielmeisend. Wer fragte nach der Seele, wo nichts um uns war, was Seele und Charakter hatte wo alles erst nach Erhöhung und Vollendung strebte und noch arm und bloß mar bis ins Innerste, wo jeder Fetisch zum Halbgott wurde, weil er anders als alle die anderen mar im Kleinen, mit­unter auch im Großen es zu sein schien, und doch nur ein Fetisch war, dem das Mark fehlte und die Seele.

Aber man merkte es bald, denn andere kamen, die eine Seele hatten und einen größeren Willen, aber Sudermann merkte es nicht, bevor es zu spät war. Oder merkte er es überhaupt? Er kämpft und ringt, aber es fehlt ihm die letzte höchste Kraft. Und doch werden seine Werke einst höher gewertet werden als in diesen Augenblicken, wo alles

auf eine Vertiefung und Veredelung des Seelenlebens hin- arbeitet. Wie ist da im Blumenboot Leben, äußeres aller­dings nur, und Bewegung; wie scharf und klar wickelt sich die reiche Handlung ab, wie flott und munter rinnt der Dialog wie stark sind einzelne Auftritte herausgearbeitet und wie fesselt und spannt der dritte Aufzug, und der vierte. Aber und leider ist ein Aber dabei wo sind hier Menschen? Menschen voll Kraft und Blut und einem menschlichen Pulsschlag? Seine Bohemiens vielleicht, aber die anderen wohl kaum. Das sind nur Leute, die sich zur rechten Zeit immer auf einen Witz besinnen, stets schlagfertig sind, immer bereit und immer Theater. Hinter jeder Figur steht ihr Schöpfer, die schützende Maske über sie zu halten, stets für sie einzuspringen, ihnen feine Laune, feinen Witz und feinen Geist mitzugeben dankbare Rollen, die gut nach den Fächern geordnet sind, die man beklatscht, um sie zu vergessen. Es ist nicht anders; leider nicht. Und man bedauert den Dichter, der seine Grenzen weder sieht noch kennt aber doch ein Dichter ist.

Der Inhalt ist kurz der: Das Haus Hoyer und Wende­rath hat es in schwerer Arbeit zu Ansehen und Reichtum gebracht, aber tvas die schwieligen Fäuste der Männer ein­bringen, das vergeudet die lockere Frau Wenderath, die nach dem Tode ihres Mannes den Baron Erfflingen, ihren ehemaligen Hausfreund, geheiratet hat. Unter ihrerEr­ziehung" entwickeln sich ihre Töchter entsprechend. Tie älteste, Raffaela, heiratet den tüchtigen Mitinhaber des Ge­schäftes, der im harten Drang der Arbeit nicht genug Zeit für jic findet, was sie zu einer Liebelei treibt, an der ihre Schwester, die inzwischen ihren Vetter geheiratet hat, eifrigen Anteil nimmt. Beide Frauen unterhalten so in Herzensangst ihre heimlichen Beziehungen, die durch den Gatten der jüngeren schließlich aufgedeckt werden. Raffaelas Gatte schlägt den Liebhaber seiner Frau mit einem Schiffs­haken nieder und verliert den Verstand, das junge Paar findet sich wieder zusammen; sie haben den Ernst des Lebens erkannt und verzichten auf das Fahren in Blumen­booten ....

Die Ausführung, die zu Ehren Hermann B a k o f s statt­fand, war eine der besten der ganzen seitherigen Spiel­zeit. Tie eingehende und tiefschürfende Durcharbeitung, die Bakof dem Werke hatte angedeihen lassen, und das flotte und sichere Spiel sämtlicher Mitwirkenden verhalfen denn auch zu einem außergewöhnlichen Erfolg, der aber

daß ein bedeutender Teil des Bedarfes durch Heranziehung des Besitzes, und zwar zum Teil auch durch direkte Heranziehung durch das Reich befrfjafft werden müsse. Es gäbe gewiß Bcsitzartcn, bre ohne Eingriff in die Finanzhoheit der Einzelstaaten gefaßt werden könnten. ,

Von nationalliberaler Seite wurde ine veränderte Stellungnahme des Zentrums über die Höhe des Bedarfs fest- gestellt, und das Zentrum ersucht, nach Ablehnung der Regierungs- Vorschläge nunmehr zu sagen, auf welchem Wege es sich die Heran­ziehung des Besitzes durch das Reich wohl vorstelle. Auf die Aufforderung eines sozialdemokratischen Mitgliedes, an die Re­gierung, bei dem Vorschläge der Nachlaßsteuer fest zu beharren und int Notfall den Reichstag aufzulösen, für welchen Fall die Unterstützung der Sozialdenrokratie der Regierung in Aussicht gestellt würde, erklärte der Schatzsekretär, zu seinem Bedauern diese Unterstützung ablehnen zu müßen, da er keine Aussicht hätte, für den größten und wesentlichsten Teil der Reform in einer größeren Belastung der Konsumsteuern irgendwie Unterstützung durch die Sozialdemokratie im Wahlkampf erwarten zu können.

Der Antrag Weber wurde sodann gegen die Stimmen bet Nationalliberalen, Freisinnigen und Sozialdemokraten ab g e» l e h n t. Die Kommission vertagte sich dann auf morgen.

politische Tagesschau.

Serbien und Oesterreich-Ungarn.

Die Freude an der diachgiebigkeit Serbiens war verfrüht. Die gestrige Meldung ist nämlich unrichtig, in der es hieß, daß Serbien infolge der russischen Note auf territoriale Entschädigungen Verzicht geleistet habe. Neue Belgrader Berichte behaupten sogar, daß bisher dort keine Neigung zur Annahme der rus­sischen Vorschläge bemerkbar sei. Tie serbischen Rüstungen werden fortgesetzt. Die 9)tobilijierung einer dritten Division wurde angeordnet, der Grenzdienst ist verschärft worden, der Telegraph mit Beschlag belegt, die Leistungsfähigkeit der Eisenbahn aus das äußerste angestrengt. Recht kriegerisch mutet auch die Rede an, ine König Peter gestern bei der Hof täfel zu Eliten der neuen Arogw- rung gehalten hat. Der König kündigte die Begnadigung! sämtlicher politischer Verbrecher in dieser Rede an. Die Verhältnisse, fuhr der König fort, seien zweifellos schwer, er und sein Volk blickten ober vertrauensvoll in die Zukunft. Möge, sagte der König, von jetzt an unter uns jede Uneinig Feifl schwinden, damit wir alle wie e i n M a n n, von gleich großer Liebe zum Baterlande getragen, uns zur Wehr seiner be­drohten Zukunft setzen. Ich bin überzeugt, daß die aus anerkannten Patrioten zusammengesetzte Regierung in der Sage und gewillt fein wird, die in sie gesetzten Hoffnungen zu reckst- fertigen. *

Beilegung des turkifch bulgarischen Konflikts.

Das russisch-türkisch-ungarische Finanz-Abkommen, woran Fürst Ferdinand von Bulgarien in Petersburg lebhaft initgcarbeitet hat, ist zustande gekommen. Danach erlischt die türkische Kriegs­schuld an Rußland in Höhe von 125 Millionen Franks, wogegen Bulgarien sich verpflichtet, Rußland 82 Millionen zu zahlen. Ten Rest der Kriegsschuld in ööfc von 449 Millionen erhält Rußland durch ein französisches Bank-Institut bar ausbezahlt. Die Höhe der Verzinsung ist noch nicht bekannt. Der heute in! St. Petersburg eintreffende türkische Minister des Aeußern, Rifaat Pascha werde das Abkommen unterzeichnen. Damit wäre denn auch der türkisch-bulgarische Konflikt ebenso ftiedlich beigelegt, wie kürzlich der österreich-türkische.

zweite Kammer.

Darmstadt, 2. März.

Am Ministerttsche: Staatsminister Ewald, Finan^minister Gnauth, Geh. Staatsrat Krug von Nidda, Geh. Rat Tr. Becker, Ministerialräte Lorbacher und Süssert.

merklich nur dem beliebten Benefizianten und Len übrigen Darstellern galt

Die Leitung, die von Bakof meisterhaft geführt wurde, hatte nichts unterlassen, um eine in sich geschlossene, großzügige Aufführung herauszubringen. Schon die ganze äußere Einrichtung war hervorragend; die Kneipe und be­sonders das Gartenzimmer mit dem erfreulichen Blick in den Park waren geradezu mustergültig. Auch die Dar­stellung ließ nichts zu wünschen übrig. Hermann Bakof gab den ernsten, arbeitsamen Brösemann mit der ausge­zeichneten Charakterisierungskunst, die ihm so sehr eignet und schuf eine hervorragende, untadelige Gestalt, die schon in ihrem stummen, Spiel von ausgezeichneter Reife war.

Nicht viel weniger ist auch von den übrigen Mitwirken­den zu sagen. Edgar Pauly als alter, gebrechlick)er Kom­merzienrat war sehr gut; Clemens Roden als leicht­herziger Fred spielte mit edlem Feuer und wohliger Leiden­schaft und wußte seine Rolle sehr wirkungsvoll bis zum letzten Auftritt auszubauen und zu steigern. Rolf Ziegler als Baron und Rudolf Goll als Graf boten ebenfalls gut ausgearbeitete Leistung. Besonders gelungen war der Auf­tritt zwischen dem werbenden Grafen und Thea, der in seiner einfachen, schlichten Darstellung einen großen Ein­druck machte. Anni R ö b e r spielte diegerissene" Thea mit hinreißendem Schwung und leidenschaftlicher Bewegung, die um so anerkennenswerter ist, als gerade ihre Rolle einen beständigen Stimmungswechsel verlangt und ganz bedeu­tende Anforderungen stellt. Gleichen Schritt mit ihr hielt Claire Albrecht als Raffaela, die sowohl als schüchterne Gattin wie als glühende Liebhaberin von artsgesuchter, tadellos abgestimmter Feinheit war. Die Baronin wurde von Grete Höcker mit vollendeter Künstlerschast gegeben, die es verstand, den unsympathischen Charakter der altern­den Kokette menschlich zu mildern und zu beleben.

Auch die Darstellung des Zwischenspiels ließ nichts zu wünschen übrig. Besonders zu erwähnen sind: Willibald' Völcker, Paul Kohlmann, Max Kronert, der aus­gezeichnet charakterisierte, Helene Achterberg und Io .Hove n. Hermann Bakof, der bei seinem Austreten leb­haft begrüßt wurde, wurde durch eine Reihe von Blumen­spenden ausgezeichnet.

Bedauerlich ist es, daß die vorzügliche Aufführung nicht wiederholt werden soll, obwohl es sich sicher reichlich lohnte.

Karl Neurath.