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03/02/1909 Erstes Blatt
 
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E?w8=n3..8« Erstes Blatt ISS.Jahrgang Mittwoch 3. Februar 1S0S

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ZM General-Anzeiger für Oberhefsen WW Annahme von Lnze.ge« V *II u. Land" und »Gerichts-

bis totmtaagTaTt) ßotafiottsbnttf mti> Verlag dervrühl'schen Unlv.-Vuch- und Skinörudmi B. fange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuiftratze 7.

25<6 Millionen Mark,

so hoch beziffert sich nach einer Berechnung von William Bohd- Carpcnter, in der Münchener Allgemeinen Zeitung der gesamte Handelsverkehr zwischen dem deutsä-en und dem britischen Reiche. DaS entsprillst nach weiteren Berechnungen dieses Engländers, der als Autorität auf dem Gebiete der Sozial- und Wirtschaftspolitik gilt, nicht weniger als 1273 Millionen Mark jährlicher Arbeit^ lohne au die Arbeiter beider Völker. Yftdyc als 2 Millionen Mark pro Tag. Aus diesen gewaltigen Ziffern ist ohne weiteres zu ersehen, wie lebhaft die Handelsbeziehungen beider Sänber sind uns man sollte eigentlich meinen, daß schon das Handels­interesse beide Völker einander näher bringen müßte. Das ist, wie man weist, nicht der Fall. Mle Wionarchenbesuche und schönen Reden, von der deutsch-englischen Stammesvcrwandtschast und der deutschen aufrichtigen Friedensliebe haben es ebenso­wenig vermocht, wahrhaft freundschaftliche Beziehungen zwischen Deutschland und England herbeizuführen wie die zahlreichen Be­suche von Pastoren und Journalisten und dergl. mehr. Bis in die jüngste Zeit hinein ist es so geblieben, und wenn wir im Deutschen Reiche in den letzten Wocl)en und Monaten weniger vfsenkundige Unfreundlichkeiten von England ans erfahren haben, so ist das an sich noch kein Symptom der Besserung. Boyd-Carpenter meint, die ungeheure Summe täglichen Arbeitsverdienstes, die sich aus dem deutsch-englischen Handelsverkehr ergebe, würde von den Skribisaxen aus beiden Seiten der Mrdsee durch Verbitterung der Beziehungen znnschen beiden Ländern gefährdet. Das ist unzweifelhaft richtig, aber die psychologischen Gründe hierfür hat Boyd-Earpcnter leider nicht untersucht. Denn das ist doch klar, dast keine Zeitung aus reiner Bosheit ihre Hetze betreiben wird. Sie verlöre gar bald ihre Abonnenten, wenn sie sich mit den Ansichten ihrer Leser in Widerspruch setzte. Ein hervorragend begabter Verleger oder Redakteur wird freilich in mancher Be­ziehung das Publikum beeinflussen können, aber dieser Einflust geht doch nicht so weit, eine im ganzen Publikirm verbreitete Meinung umzustoßen. Darum ist jede Zeitung, welck>er Richtung sie auch angehören mag, im Grunde genommen nur das Sammel­becken der Meinungen eines bestimmten Kreises, das Sprachrohr für diesen Kreis. Wenn man also die Miststimmung verstehen will, die zwischen Deutschland und England nun einmal herrscht, dann wird man andere psychologische Momente heranzichen müssen.

Sehr interessante I-ingerzeigc gibt in dieser Beziehung eine soeben im Eclair veröffentlichte Artikelserie überTas unbe­kannte England". Der Verfasser, der unter dem Pseudonym Wawerley schreibt, soll ein höheren Kreisen angehöriger Eng­länder sein. In dem erften seiner Artikel sagt er den franzö- sijä>en Freunden sehr derbe Wahrheiten. Man tut gut daran, auch bei uns auf diese Wahrheiten zu achten, denn sie erschließen das Verständnis zu Manchem, was auch uns bisher an den Eng­ländern und ihrem Verhalten zu uns unbegreiflich war.

Rur auf zwei Punkte richtet sich nach WaverleyS Meinung das Interesse jeder Nation in ihrer auswärtigen Politik: Auf die eigene Verteidigung und auf die eigene Vergrößerung. lind von diesem Gesichtspunkte aus kommt der Engländer zu einem Urteil, das für die Franzosen eine bittere Wahrheit und Er­kenntnis enthält. Er erklärt die entente oordiale, so wie man sie von französischer Seite verstanden hat, für den größten politischen Fehler, der seit 1870 begangen worden sei. Er sagt offen, dast Frankreich 1904 trotz der für es so schimpf­lichen Jasck>adoniederlage und trotz der schlimmen Winkelzüge |

während der südafrikanischen Krieges in einer politisch so gün­stigen Söge gewesen sei tote nie zuvor. England und Deutschland seien damals in den Kampf um die Vorherrschaft zur See und um den Vorrang im Wellhanoelsverkehr eingetreten, und Eng­land habe den Beistand Frankreichs unendlich nötiger gehabt als umgekehrt Frankreich die Hilfe Englands. Auch heute noch werde England mit und ohne Entente von der Geipensterfurcht der beutfdycn Invasion gepeinigt; diese Besorgnis spiegele sich in allen Zeitungen, Unterredungen der Staatsmänner unb. Generale und in Privatkreisen wider. Wie aber, wenn England nicht nur von der däordsee Ijcr, sondern auch an der ftanzösischen Küste das drohende Gespenst des Einfalls hätte auftaucl>en sehen? Die gebieterische Notwendigkeit für England, denfestländischen Sol­daten" zu finden, den es zu allen Zeiten seine Kämpfe habe aus­fechten lassen, die Unmöglichkeit, ihn anderswo als in Frankreich zu suchen, l-abe damals Frantreich eine ganz hervorragende Stel­lung verliehen. Es Ulte stolz sein und seine Bedingungen stellen können, sie wären angenommen worden. Es hätte dazu keiner besonders klugen Staatsmänner, keines Talleyrands und keines Metternichs bedurft, es hätte nur zuzusehen und abzuwarten brauchen. Statt dessen sei der erste Eröffnungsversuch der eng» Ufdjcn Regierung gleich begeistert Uno bunfoat auigtiuaiimen ivor» den. Die begeisterten dankbaren Franzosen feen dieselben Leute gewesen, die die Schmach von Faschioda erlitten, die ohne ein Wort des Widerspruchs geduldet hätten, dast ganz England aus allen Kräften jahrelang auf die luftigste und grvo>te Weise g-rank- reich, fein Heer und seine Behörden beleidigte und sogar so weit ging, die Sperre der Ausstellung im Jahre 1900 ins Werk zu setzen. Das smd, meint Waverley, wahrlicy zu schnell vergessene Zeiten:England ist vor allem im reinsten Sinne des Wortes konservativ. Es hat keinen lebhaften, schnellwechselnden Cha­rakter und änbert nur sehr schwer seine Gewohnheiten, seine Ge- bräuclje, seine Handlungsweise und seine zäh haftenden Gedanken. Seit 800 Jahren hat das englische Volk einzig und allein ein Gefühl der Verachtung, des Hasses und der Furcht gegen Frank­reich gehegt." Es wäre töricht und hieste England ganz und gar verkennen, wenn die Franzosen glaubten, dast dies vor kurzem noch so lebheft gezeigte Gefühl aus dem konservativen Gerste des englischen Volkes spurlos verschwunden sei, blost weil Herr Teleassö in der Downing-Street seine Reverenz gemacht und König Eduard nacheinander Herrn Loubet und Herrn Falliöres in den Arm genommen habe. Aus dieser übertriebenen Freund- schaftsbeseugung gehe nur hervor, welche Besorgnis England für seine Stellung in der Welt empfinde. Den, Engländern aber, die nur die Starken achteten, hübe di e Hal­tung der französischen Vermittler der Entente im Grunde nur Verachtung eingeflößt. Als Ge- schäftsvvlk hätten die Engländer es wohl verstanden, wenn Frank­reich seine Dienste um einen hohen Preis ihnen verkauft hätte, der Preis wäre bezahlt worden. Jetzt aber, wo Frankreich sogar noch selber zuzahle, hätten die Engländer für eS das Ge­fühl b c S geriffelten Händlers in petto, der einem harmlosen Kundendiegute" Ware aufhänge. Für die sransösischen Staatsmänner, die aus Frankreich eine Art Vasallen Englands gemacht hätten in der eiteln Hoffnung auf einen Schutz, den jenes nicht gewätzreir könne, findet Waverley die bittere Bezeichnung Lakaien Englands.

Auch für uns int Deutschen Reiche liegt der Schluß nahe, dast alle unsere Freundschaftsbeweise für England, vvm Feldzugs­plane des Kaisers und der Dekorierung des Lords Roberts an

rNuWeft der Akademischen Gesangvereins und der ttsnzertvereinr.

i.

Kr. lAm 19. Februar 1 verden 90 Jahre verstrichen fein, seit Dr. Ferdinand Simon Gastner in Gießen den gemischten Chor bildete, aus dem derAkademische Gesangverein" erwachsen tft Ter Verein möchte diesen wichtigen Abschnitt seiner Ge- schichte nicht ohne gröbere Feier lassen, und seine fteundschasttichen Beziehungen zumGießener Konzertverein" ermöglichen es ifrm, die geplante Feier zu einem Musikfest auszugestalten, wie es Gießen noch nicht erlebt hat. An drei Abenden, dem 14., 16. imb 18. Februar, sollen gröbere Aufführungen stattfinden. Im Mittelpunkt steht Beethovens Messe, den Schluß bildet Schumanns Manfred. TaS erste Konzert bringt ein gemischtes Programm.

Ter Einführung in dieses Konzert sollen unsere heutigen Be­merkungen dienen. BeethovensPhantasie für Piano mit Orchester und Chor, Op. 80" eröffnet es. Eine Jubiläumsauf­führung, denn am 22. Dezember 1808, also vor 100 Jahren, wurde das Werk zum erstenmal öffentlich zu Gehör gebracht. Beethoven selbst spielte das Klavier. Ueber die Schicksale des WerV in der Öffentlichkeit ist wenig bekannt. In Kretzschmars Führer durch den Konzertsaal wird eS nrerkwürdigerweise nicht analysiert. Das sieht beinahe wie Nichtachtung aus, die doch diese echt Beethovensche Schöpfung gewiß nicht verdienen wurde. Für jeden Musikfteund um ihrer selbst willen reizvoll, erweckt sie ein besonderes Interesse dadurch, daß sie uns die Erinnerung an den erst 15 Jahre später entstandenen Schlußsatz der 9. Sym­phonie förmlich aufzwingt. Nicht nur, daß das Hauptthema *) sich mit dem berühmten Thema der neunten so nahe berührt, daß man bei diesem nur von Umformung desselben Tongedankdns reden kami, sondern Grundidee und nrusikalischer Aufbau sind bis in bie Einzelheiten vergleichbar; nur trägt, was in der Symphonie in£ Grandiose gesteigert ist, in der Phantasie leichteren und lieblichen Charakter. Träumend sitzt der Dichter am Klavier, A^>errd gleiten die Finger über die Tasten. Bald formt sich die Melodie eines Adagios, von phantastischen Arpeggien unb glitzcrn- ben Läufen umrankt und bald überwuchert. Da wird das Selbst­gespräch unterbrochen. In gehaltenem Allegro setzt der Baß der Instrumente ein. Es ist wie eine lei je Frage, die er an den Träumer richtet. In die Zwiesprach mischen sich die anderen Saiten­instrumente. Nun bringt, nach kurzem Zwischenruf von Oboen und Hörnern, der wie eine Aufforderung klingt, das Klavier das Thema, ein fröhliches, knapp gestaltetes Rttornell. Tie Flöte, vom Horn begleitet, übernimmt's. Ihr folgen die Oboen, dann die Klarinetten, schon in heitern Variationen, bei denen

das drollige Fagott sekundiert. Nun gesellen sich auch die Streicher dazu, ober vielmehr, als sie die Bogen ansetzen, unb zwar zu­nächst nur einer aus jeder Stimme, da schweigen die Bläser, unb schweigt auch bas Klavier. Ader nicht lange bauert"5, bann ist der Chor der Instrumente entfesselt, und mit reichen Figuren läßt auch das Klavier sich wieder hören. Noch einmal über­läßt der Dichter sich dem Sinnen: in einem weichen Adagio, das mit dem Hauptthema Fühlung hält, spinnt er seine Ge­danken weiter. Da, lebhafte Marschtöne bei den Bläsern, Llllordc der Stteicl>er. Der Spieler horcht auf, mischt sich ein. Bald hat er die Führung. Mit originellem Einfall bringen die Bässe noch einmal das ftagende Thema. Jetzt eine kurze Ueberleitung, daun setzt, wie in der Symphonie, die menschliche Stimme ein, das Jnstrumertt, benf es gegeben ist, des Dichters Träumen zu reinster Gestaltung in melodischem Wort?) abzuklären:Schmei- djelnb, hold unb lieblich klingen uns'res Lebens Harmonien, und dem SchSnheitssinn entschwingeu Blumen sich, bie ewig dluhftl", und wie es in sechs Strophen, im Geschmack an Schillers Ode erinnernd, weitergeht. Immer voller wird, bet verhältnis­mäßiger Einfachheit der musikalisck)en Umschreibung, der Chor, breit ausladend gegen das Ende, ganz an ?Rozarts Art erinnernd. Das Klavier hat öfter paufiert, noch öfter mitgerebet. Zum Schluß, nachdem die Stimmen verklungen find, eilt es, von den Jnstrunmnten begleitet, hinauf zu den höchsten Höhen.

Bei der Erstaufführung geriet int Chorsatz das Orchester ins Schwanken. Beethoven, empfindlich wie immer, sprang auf, rief Halt und ließ den Satz noch einmal beginnen. Diese Jubiläums- erirmerung braucht sich nicht zu wiederholen. Herr Kapellnteister Reich wird sckwn dafür Sorge tragen, daß Herr Professor T r aut- rn a n n, der durch Uebernahme des Klavierparts seinem Verein die schönste Jubilüumsgabe darbringt, sich seiner schwierigen, dankbaren Aufgabe mit ungeteilter Aufmerksamkeit widmen kann. Nur ruhen darf er nicht, wenn er den letzten Ton gespielt hat. Jetzt gilt's am Dirigentenpult Erika Wedekind begleiten, die Nachtigall mit beu zierlichen Trillern und den perlenden Passagen. Ter leichte ttalicnisckie Gesartg soll den bei aller Froh­heit doch schwerfälligen deutschen ablösen. Und bann kommt der Höhepunkt. Mozarts Figaro wird uns für wenige Augenblicke so rasch rauscht die Ouvertüre vorüber die Wonnen gott­begnadeten Künstlertums nacliempsinden lassen. Darüber braucht hier nichts gesagt zu werden, und auch bie Lieder, die uns Frl. Wedekind spenden will, mögen für sich selber reden. Nur von Der Sclüußnummer des Programms noch wenige Worte.

Mit der Aufführung von Mendelssohns italienischer Symphonie wollen die Vereine hem Metster ihre Tankesschutd ab tragen, dessen Jahrhundertfeier wir am 3. Februar begehen.3) Wer heutzutage Mendelssohn bat Großen an die Seite ruckt,

bis zu den jüngsten offiziellen Besuchen, wohl das (Gegenteil von dem erreichen ließen, >vas wir erwartet barten. Jetzt steht der Besuch des englischen KönigspaareS in Vertin bevor. Hüten wir uns davor, diesem offiziellen Besuche allzugroße Bedeutung bet- zulegen unb vergessen wir doch in unserem Verkehr mit den Engländern bei allen Freundschaftsbeteuerungen nie das geschäft­liche, das Prinzip des dv ut des. Das widerspricht biellcidjt unserem deutschen Idealismus, muß aber fein. E. ÄÜ

21 «5 StaOt und Land.

Gießen, 3. Februar 1909.

* Ordensangelegenheit. S. K. H. der Groß- Herzog haben dein Staatsunnister und Minister der Jttstjz Lr. Karl Ewald und dem Minister des Innern Dr. Dr.- Jng. Ernst Braun die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihnen vom ftönig von Preußen verliehenen KronenordenS 1. Klasse erteilt.

Natalie Lie bknecht, die zweite Gattin' deS ver­storbenen Führers der Sozialdemokratie Wilhelm Liebknecht, ist gestern in Berlin gestorben. Die Verstorbene war die Tochter des Hof- und Gerichtsadvokaten Reh in Darm­stadt, eine Verwandte des bekannten Freiheitsmannes Pfarrers Weidig aus Butzbach bezw. Obergleen bei Kirtorf und Schwester des jetzigen Landtagsabgeordneten für Alsfeld, Rechtsanwalt Reh daselbst. Sie ist 69 Jahre alt geworden.

Ein Jubiläum. Am Freitag, 29. Jan., hatte sich eine stattliche Zahl neuer Schülerinnen auch früherer der Alice-Sch ule nebst ihren Angehörigen auf der LiebigS- höhe versammelt, um das Jubiläum der 20jährigen Wirk­samkeit der Vorsteherin dieser ?lnstalt, Fräulein Oberlehrerin Möser, zu feiern. Frau Geheimrat Gebhardt eröffnete die Feier nut einer Ansprache. Dian fand sich bald in frohester Stimmung bei Kaffee und Kuchen zusammen und die anspruchslosen Darbietungen der jungen Damen trugen zum Gelingen des Ganzen ihr wesentlichstes bei. Frl. Clol; und Frl. Kutscher überreichten als .Vergangenheit und Zukunft einen prächtigen Blumenkorb und eine wertvolle Radel, und taten ihr Bestes, um zwei Theaterstückchen, von denen im zweiten hauptsächlichFrl.'rb, Frl. E. Kutscher und Frl. Velten für den Erfolg sorgten, zum Gelingen zu verhelfen. Frl. Li st mann und Frl. Letz in g füllten die Pausen zwischen- den beiden Stücken durch eine temperament­volle Wiedergabe von Keler-Aelas Lustspielouoerture für Klavier zu 4 Händen aus. An die abwechslungsreichen Dar­bietungen, deren geschicktes Arrangement öaS Werk von Frau Siegel war, schloß sich ein Tänzchen.

** Frauertpfkichleit iu der Mäßigkeitsbewc- gung. Der am 1. Febr. im Eiithornsaale von Frau Prof. Götze aus Braunschweig gchaltene Vortrag über soziale Frauenpflichten in der Mäßigkeitsbewcgung er­freute sich eines zahlrciä)en Bcfuck)s. Die Rednerin gab zunächst einen kurzen llcbcrblid über Ursprung und Entwicklung des Gc- danketts, die Frau aus dem engeren Kreis der Familie in eine öffentliche soziale Tätigkeit herausttöten zu lassen. Eine be­sondere Aufgabe habe sie zu erfüllen in der dem Verständnis!

riskiert freilich, daß ihn der Musikverständige ob seiner Zurück­gebliebenheit hart a^tläßt. Wir werdeit ja sehen, wer Recht be­hält. Mit stillenl Vergnügen kann man es sclwn jetzt verfolgen, wie die Konzertberichle, die von Säkularaufführungeil Mendels- sohnfcl)er Werke erzählen, auf den Ton gestimmt sind: wir hätterr doch nicht gedacht, daß so viel dahinter sei. Es müßte doch auch mit merkwürdigen Dingen zugeyen, wenn diese quellende Melodik, dieser fesselnde Rhythmus, diese sieghafte Tonsprache nicht mehr den Weg zu unseren Herzen finden sollte. Gerade diese Vorzüge sind nun in der ^-äur-Symphonie allen erkennbar vereinigt. Ich möchte daraus wetten, daß Jeder, der sich nicht verstockt, von den frifd>n, vorwärtsdrängenden Themen des ersten Satzes fortge­rissen wird. Angenehm beschäftigt uns das Lied ohne Worte, das im zweiten Satz mit starker Anlehnung an denKönig von Thule" angeftimmt wird. In die Zeiten des altväterischen Menuetts versetzt uns der dritte Satz, musikalisch musterhaft gearbeitet und bei aller Einfachheit doch voller Abwechslung. Und in bleitdendem Gegensatz dazu der lebensprühende Saltarello, mit dem in immer lvachsendem Tempo das Ganze schließt. Er soll den ftöhlichen Ab­schluß eines genußreichen Aoends bilden, deffen Devise die gut­gemeinte Schlußstrvphe der Kuffnerschen Ode bilden mag:

Nehmt denn hin, ihr sckwnen Seele:«, Fwh die Gaben schöner Kunst.

Wenn sich Lieb' und Kraft vermählen. Lohnt dem Menschen Götterkunst

Eine in Beethovens 9rack)laß ausgeftmdene Liedkomposition (Seufzer eines Ungeliebten) aus früherer Zett enthält bereits das­selbe Motiv.

2) Der Text stammt von Christian Kuffner und würde für das schon vorhandene Thema gedichtet.

s) Vergl. den Aufsatz in Nr. 19 der Gieß. Familienblätter D. Red.

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Der Stuttgarter Goethebund legte gegen das polizeiliche Verbot der TragödieDie ersten Menschen" von Clio Born - g r ä b e r Verwahrung ein. Es sei em Versuch, die Thcaterzensur m Württemberg emzustihren. Die Freiheit des künstlerischen Schaffens und das Recht des Publikums, eine ernsthafte Dichtung kennen zu lernen, dürfen durch unzulässige, unbegründete be­hördliche Eingriffe nicht verkümmert werden. Der Musik- k r 11 l k e r und Vorsitzender des Brüsseler Konservatoriums Felis ist im Alter von 97 Jahren gc ho eben. Ter Aero - Klub von Amerika setzte crnen Preis von 10000Dollars aus für eine internationale Luitwettfahrt zwischen N e - Dort und Albany über eine Strecke von 140 englischen Meilen.