Donnerstag Ä5. November 1909
Zweites Blatt
Nr. S7?
159. Jahrgang
ttldbftni IRßNch mtt Ausnahme der Sonntag«.
en der Arbeiter die | glaube, bafe es ohne Opfer nicht möglich fern wird, das direkt!«
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Rotationsdruck and Bettag der Br üblich« Unwerluäl» - Buch- und Sremdruckerrt. 9L Lange. Greven.
polätifcbe Tagessctiau.
Der neue Chef der Reichskanzlei.
Der Geheime Oberregierunasrat und Vortragende Rat in der Reichskanzlei, Wahnschaffe, ist, wie schon kurz ge- Mldet wurde, zum Unterstaatssekretär in der Reichskanzlei «mannt worden, nachdem er die Geschäfte dieses Postens
Redaktion. Exveditton und Druckerei: Schulstrave 7. Expedition unb Verlag: e-SS bl. Redaktion:«-^ IIS. TeU-Adr^An^ergerEießen»
komplette Tbcatcrbüdm verleiben. Alliertignog r
Tekoratiooen. *
Carl Hollmm
Dekorationsmaler, Aoonitrahe 32. _
Die ^Ole-eaer FomtUendlLtter" werden dem ^nxfifler* viermal wöchentlich beigelegt, das „Xrdsblatf für een Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die ..randwtrlfchaftltchen Seit- fragen" erfchemen monatlich zweimal.
gehabt, daß hinter den Dertragsbrüch Vermittler standen. Durch die Arbeitsnachweise der Land-
geordneten nach Darmstadt, sowohl direkt, als auf von denselben zu bezeichnenden Umwegrouten, während des ganzen Jahres zu ermöglichen. — Bis zum Abschluß vorstehender Vereinbarung soll es den Abgeordneten überlassen bleiben, ihre tatsächlicl>en: Vorlagen für Transportkosten, unter tunlichster Rücksichtnahme auf Ausnubungsmöglichkeit, in Form von Monats-AbonnemerttS oder Berechnung von Einzelsahrten zu liquidieren.
Nachdem Berichterstatter Dr. Schmitt mitgeteilt hat, daß die Regierung den Antrag beim preußischen Ministerium unter* stützen werde, wird der Antrag einstimmig angenommen.
Vizepräsident Korell stellt sodann fest, daß in der gestrige« Sitzung einige Zurufe gefallen seien, u. o.: „Blech", „Kom.miL des Derrn von Heyl", die ihm bei der Unruhe des Dauses entgangen seien Abg. Dr. Fulda wird deshalb nachträglich zur Ordnung gerufen,
Wahlrede zustande zu bringen Der Redner erklärt dann, daß er bezüglich der Frauenrechte nicht aus dem streng ablehnende« Standpunkt stehe, wie Abg. Reinhart, beim die Frauen fetten sich aus den verschiedensten Gebieten eine geachtete Stellung errungen C\bnen aber auch das politische Stimmrecht zu geben, erscheine doch nicht angängig. Das sei eine Frage der Zukunft und man könne unmögnch in Dessen darin vorangehen wollen Ter Redner wendet sich dann gegen die von der Regierung oorgeschlagenL vfirtfutirung des rvmanisdjen Systems bei «»tichvahlen und spricht sich sür einen soeben der Kammer unterbreiteten Antrag Dr. Osann, Reinhart und Genossen aus, der statt deS romanischen Systems die Einführung des Reichstagswahlsystems verlangt, wonach bei der Stichwahl nur unter den beiden Kandidaten gewiihlt werden darf, welclw die bei der Daupttvahl die meisten Stimmen erhalten haben. Ter Brennpunkt unserer ganzen Verl-onblungcn sei oie Einführung des direkten Wahlrechts, nach roeldtcm feit Jahrzehnten in diesem Danse, wie im ganzen Volk der Ruf ertfodi fei. Tas hessische Voll hege die bestimmte Dossnung und Erwartung, daß nun nicht auch der vierte und voraussiästlich letzte Geietzentwurf zur Einsührung des direkten Wahlrechts scheitern werde. Wir würden uns ja vor den anderen Bundesstaate« fdximvn müssen, wenn uns auch diesmal wieder aus Heuten Gründen nidst gelingen würde, das langersehnte direkte Landtags-
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Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Dberhesien
Anians V.M!
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Basis — Freifahrt der Al^eordnetrn im ganzen Lande — eine vorläufige Vereinbarung dahin treffe, aus der Grundlage der Aufwendung einer Summe von rund 14 000 Mark jährlich, hessischen Abgeordneten die freie Fahrt vom Tomizil der
Ausländische Landarbeiter.
Kon Jahr zu Jahr toädft die Ad Wanderung der land- I"chen Bevölkerung in die Städte, die nun schon mehr als ton gesamten Geburtenüberschuß des platten Landes auf- ifchmen. Und von Jahr zu Jahr steigt die Zahl der sremd- Undischen Arbeiter. Im Jahre 1908 wurden in Preußen 36)9 G00 ausländische Arbeiter beschäftigt; das war mehr der vierte Teil aller landwirtschaftlichen „Arbeiter und «2.gelöhner. Die Anwerbung dieser Arbeitskräfte ist früher überwiegend durch private Vermittler geschehen. Das hat, ™ die Interessen der Vermittler mit denen der Landwrrt- L-W nicht zusammen fielen, zu allerhand Mißständen ge- Mtt; vielfach hat man auch bie ganz deutliche Empfindung
4. Vinierseil.
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rcgicrungsrat auf. Unterstaatssekretär Wahnschaffe besitzt die Rittergüter Rosenfelde in Westpreußen und Rott- mannshagen in Pommern. Er ist mit Fräulein Irma von Möllendorff, Enkelin des ^ldmarschalls Grafen Blumenthal, vermählt und Rittmetster d. R. des 2. Dragonerregiments in Schwedt.
, In politischer Hinsicht gehört Derr Wahnschaffe der konservativen Partei an, zu der er sich noch im Laufe dieses sommers ausdrücklich öffentlich erklärt hat.
nrirbe. Ucberbieö lasten eine ganze Reihe öffentlicher und mora- I itfyer Pflidsten auf den Aerzteu. Hierher gehört twr allem die Mitarbeit an der ösfentlick»m Gesundheitspflege, unter anderem )iad) Teilnahme an den Beratungen der dazu eingesetzten Körper- '(Iahen, wie z. B. der ärzüidzen Kceisverein«, der Ortsgesundhcits- ntv, dann die int allgemeinen Interesse liegende Bekämpfung der >ifcktivnskranlheiten und Vollsseudren durch Erfüllung der An- eigepj'.icht usw. und schließlich die unentgeltliche Behandlung Un- fmitldtcr, die nicht der Gemeindeunterstützung anheimfallen, von en bei der Turdäührung der sozialen Gesetze gebrachten und noch ,u bringenden Opfern ganz zu schweigen. Ein wesentlicher Unter» ctiied mit den Gewerbetteibenixn liegt ferner darin, daß es bei >cn Aerzten unzulässig ist, für die Ausbreitung ihrer BerusS- .i’idiäite in derselben Weise M wirken und Reklame zu machen, ti>ic es der Gewerbetreibende für zulässig und notwendig hält, ly'beirforoenig ist es dem Arzte gestattet, die Ergebnisse seiner Berufs- tä tigfcit durch eine Veräußerung seiner Praxis zu verwerten. Auf i^ninb solcher Erwägungen hat man mit Recht betont, daß es zu vertagen wäre, wenn die bis jetzt glücklicherweise vereinzelt da- itebenbe gewerbliche Auffassung des ärztlichen Berufs durch den 'Gesetzgeber gleichsam sanktioniert und unterstützt Würde."
Es ist zu erwarten, daß die Maßnahmen der hessischen Aerzte nicht ohne Erfolg bleiben werden. Mit Anlehnung ar eine Aeußerung der Rechtsanwälte in gleicher Sache 'ann man aber wohl sagen: „Die Forderung einer Gewerbe- iicuer fiir die Ausübung der ärztlichen Praxis ist eine schöne ölule des Steuerdilettantismus; es ist selten eine schönere gezeitigt worden."
G. K11885
Donuerslag, 25.9lot>cin>f abends ‘/|9 Üdr,
VereinLzinnner Hotel Enur
öeweibcheuer der Aerzte im Srotzherzogtum heffcn.
Tie „Münchener Medizin. Wochenschrift" bringt in ihrer Nr. 47 vom 23 November d. Js. den nach- plgenben Artikel, dessen Tendenz wir durchaus billigen
Im Großherzogtum Hessen ist man eben mit xrner Reform der Gemeindesteuern beschäftigt. Nach dem von Ser Negierung der Zweiten Kammer der Stände vor- -cleqten (ssesetzesentwurs setzen sich die Gemeindesteuern $u jimmen aus der Grundsteuer, der Kapttalsteuer, der Gin- Liininensieuer und der G w rbesteuer. 4-aä) dem R.gi rungs Iilwurs unterliegt der Gewerbesteuer nicht: die Aut Übung liies amtlichen Berufs, einer künstlerischen, wissenschafi- ,d)en, schriftstellerischen Tätigkeit, insbesondere auch die Praxis der Aerzte, der Rechtsanwälte usw. Gegen diese elbltverständliche, und — soweit uns bekannt — in allen 'wischen Staaten seit jeher bestehende Ausschließung der Verglc von bet Gewerbesteuer wird nun in Hessen in der 'treffe und in Versammlungen eine lebhafte Agitation be- : neben. Nack) der Stimmung in der Ständelammer ist es zweifelhaft, ob der eben angeführte Passus des Regierungs- i-nwurss und damit die Aussck)>ließung der Aerzte von der 'Gewerbesteuer eine Majorität erhalten wird. Bei dieser f .iiischen Sack)lage hat sich der ärztliche Landesverein des ichroßherzogtums Hessen in seiner am 14. Novmber d. I int Frant'furt a. M. abgehaltenen Herbstversammlung mit tetr nickst allein für Hessen wichtigen Frage eingehend be- schäfligt. Nach ausführlicher Berichterstattung haben die Vertreter der gesamten hessischen Aerzte die Absendung einer Eingabe an den mit der Vorberatung deS Gesetzes den besckstifligten Finanzausschuß der Zweiten Kammer bc- f^Iossen. Aus dieser Eingaoe seien einige Sätze von all- c micinem Interesse hier hervorgehoben:
„Es würde jedenfaNs eine nickst zutreffende ethische Bewertung her Ausübung des ärztlichen Berufs bedeuten, wenn man die 'Jrrjte, die nach Erfüllung einer Reihe von Vorbedingungen, lüdj Ablegung sckstvieriger, gesetzlich vorgeschriebener Prüfungen clnc Rücksicht auf die ihnen alltäglich drohenden AnsteckungÄ fahren ihre Kraft und ihre Gesundheit in den Dienst der leiben» b-n Vtrnfckcheit strllen, unter die Gewerbetreibenden einreihen
wahlrecht zu erreichen.
Abg. Wolf (Bbd.) tuenbet sich gegen einzelne Ausführungen! des Abg. Dr. Winkler und besonders gegen die gestrig« Kritik desselben inbetrefs des Antrags Wolf zu Art. 75. Nach feinet Information fege die erste Kammer sehr wenig Wert auf die Abänderung des Art. 75, ihr Eonunc alles auf Art. 67 an unb ferner auf di-e Bestimmung, daß in Zukunft größere Vorlagen nickst: mit dem Staatshausl)altsetat verknüpft werden sollen. Auch der Finanzaussckruß habe einstimmig einen dahingehenden Beschluß gefaßt und er fei überzeugt, daß die Ersfe Kämmer diesen Befckstuß 1)0 d) a ns äst a gen und anerkennen werde. Das Reick-stagswa hl recht bei Stichwahlen hält der Redner auch für Hessen als das ndtfige; an der Einführung der Proportionalwahl für die Städte klebe er nickst; wenn die städtischen Vertreter dieses System nickst ttvfite«, so könne man es ja in dieser Beziehung beim alten lassen. Der Redner red#fertigt dann gegenüber den Angriffen des Abg. Reh über feine angeblichen Angriffe aus die freisinnige Partei und stellt entschieden in Abrede, die Freisinnigen beschimpft zu haben. Er sei von einem freisinnigen Blättchen, dem Rheinh. Beobackster, ui unerhörter Weise angegriffen worden und habe sich genötigt gesehen, in einer Zentrumsversammlung üt Ingelheim diese Aw* griffe gebüljrenb zurückgewiesen.
Vizepräsident Kor eil ermahnt, wieder zur Tagesordnung zurück- u kehren.
blbg. Dr. Gut fleisch (Freist) macht noch einige ergänzende Bemerkungen. Man solle sich kräftig genug fühlen, um über Kampf und Streit hinaus endlich zum Ziele zu kommen. Ter Redner glaubt an alle Mitglieder des Hauses die Mahnung richte« zu müssen, es um Gottes willen endlich der Anträge genug fein zu! lassen, da sie dem Gesetzgeber nur ein Bein stellen. Tie Bcr- mehrung der städtischen Mandate sei zu befürworten. Sodan« wendet sich der Redner gegen den inzwi>ck>en eingebrachten Antrag des Abg. Dr. Weber und Geiwssen, wonach jeder Wahlberechtigte, der das fünfzigste Lebensjahr zurückgefegt bat, berechtigt sein soll, zwei Stimmen bei der Wahl abzugeben. Die Kraft unb Leistungs-« fähig feit lasse in diesem Alter doch nach. TaS FraueMva hl reckst fei eine der schwersten Fragen, die man ohne 9bot nicht in dio Vorlage Hineinoringen falle. Es liege bann leicht die Möglichkeit vor, daß der eine oder <cmdere aus diesem Grunde gegen die Vorlage stimme. Daß die Erste Kämmer keine Freude an dev Einführung des bireften Wahlrechtes habe, sei verständlich. Ter: R^>ner hoffe jedoch, daß ein einflußreick>er Mann in Rheinhessen, der sich in der Wormfer Zeitung für das direkte Wahlrecht ausgesprochen habe, als RMitglied der Ersten Kammer in dieser ebenfalls . feine Stellung wahren werde. Tas Privilegium der ffeinen) Städte befürworte er aus sachlichen Gründen, da diese Städte eine ganz andere Bevölkerung hätten, als die großen Städte und Dörfer. Ter Redner wendet sich sodann gegen die Ausführungen des Abg. Bähr und wird von diesem durch fortwährende Zwisckienrufe unterbrochen, die er auch nickst unterläßt, als der Präsident ihn (Abg. Bähr) zur Ordnung ruft. Ter Präsident ruft Abg. Bähr daher zum zweitemnal zur Ordnung. In seine« weiteren Ausführungen geht der Redner sodann auf das passive Wahlrecht der Beamten ein. Er und seine Partei .habe durchaus nichts dagegen, es Unten zu geben, und er werde stets fütf das Wahlreckst der Beamten sein, jedoch glaube er, daß einmal die Zeit femmen werde, wo man über die Gewährung dieses! Reckstes lachen werde. Zum Schlüsse richtet Abg. Tr. Getfteisch an alle, die es angeht, die ernste Mahnung, der Vorlage zuzu- stimmen; scheitere sie, bann werde die Trauer an Lande groß sein.
Abg. Bähr iw-ckd) (Mr Geschäftsordnung) führt aus, daß er infolge der Ausführungen seines Vorredners zu den Zwisck>en- rufat g^wungen gewesen sei, allerdings hätte er bis zum Schlüsse; der fReöe warten müssen.
Ter Vizepräsident erklärt, daß er auf Grund der Ge- scktäftsordnung des Dauses zu den Ordnungsrufen gezwungen ge- roefen sei und erklärt die Angelegenheit für erledigt.
Abg. Tr. Weber (Bbd.) begründet feinen neu eingebrachfen! Antrag, das Pluralwahlrecht betreffend, welcher lautet: „Als Art. 6a anzufügen: Jeder Wahlberechtigte, der das 50. Lebensjahr zurückgelegt hat, ist berechtigt, zwei Stimmen bei der Wahl abzugeben." Der Redner betont, der Umstand, daß Abg. Dr. Ofann's Antrag die Kautelen abschwäche, haoe ihn zur Ueberlegung gebracht, wie man hier ausbalancieren könne und zu seinem Anttag geführt. Er gibt sodann eine Heber sicht über die Altersstufen der 300 000 äffischen Wähler, nach der das Turchschnittsalter 35—40 Jahre betrage; dieses sei zu niedria. Tie obere in höherem Alter stehende Hälfte der Wähler, ine in verminderter Zahl vorhanden fei, könne bei Annahme seines Antrages ihre Stimme gewichtiger in die Wagschale werfen, als, das bisher zu erreichen war. Zu den anderen gemachten Vorschlägen erklärt er sich bereit, mitzuarbeiten.
Es kommt nun zunächst der dringliche Antrag Pennrich und 41 Genossen bett, den Vergütungsmodus für die Eifenbahnfahrten der Abgeordneten zur Beratung. Ter Anttag geht dahin, daß die Regierung bis zum Perfektwerden einer Verständigung mit Preußen auf weitergehenderev
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Kmetts seit der Ernennung des HeriTn v. Löbell zum Ober- pnäsidenten der Provinz Brandenburg geführt hatte.
Herr Wahnschaffe wurde am 14. Oktober 1865 zu Roscnfelde im Kreise Deutsch-Krone in Westpreußen als der Sproß einer alten und begüterten niedersächsischen iZamilie geboren. Er absolvierte das Kgl. Pädagogium in Putbus 1883 und studierte Jura in Lausanne, Heidelberg und Berlin. Zunächst wurde er 1886 im Iusti^dienst Referendar, 1889 ging er zur Verwaltung über, und 1892 wurde er Regierungsassessor. Dann arbeitete er mehrere Jahre bei der Regierung in Hannover und bei der schle- stfck)en Londwirtschaftskammer in Breslau. Jin Jahre 1897 erfolgte seine Ernennung zum beauftragten Landrat, 1898 zum Ücrndrat in Landsbera a. W. und 1905 seine Berufung als Hilfsarbeiter ins landwirtschaftliche Ministerium, wo er 1906 Geheimer Regierungsrat und Vortragender Rat sowie Kommissar bei der Ansiedlungskom- mifiion in Posen wurde. Im Juli 1907 wurde er als Nachfolger des jetzigen Unterstaatssekretärs im Staats- Ministerium von Gunther in die Reichskanzlei versetzt, und im Sommer 1908 rückte er hier zum Geheimen 06er»
Rückzugsgepflänfel. Am schlimmsten erackste ich die Abänderung^- vorsckstäge, roenn auch einige ganz gute darunter sind. Wesent- lick>c Verbesserungen stellen die Ausfchußvvrschläge bar. Tiefe Berfassungsänderungen sind geeignet, eine richtige Basis der Verständigung zwischen beiden Kammern zu bilden. Ich bebaure, daß Derr Äbg. Wmttsr gestern sagte, für die Erste Kammer ist die Vorlage eigentlich unannehmbar. Ein Mitglied der Zweiten Kammer sollte einen derartigen Ausspruch nicht tun. Was die Kcru- tclen anlangt, so hat mein politischer Freund v. BrcMano schon erklärt, daß wir den Wählern ein kautelenfteies Wahlrecht geben wällten. Die Regierung erklärte, daß sie die Annahme des liche Empfindung I Gesetzes von der Annahme der Laufelen abhängig mache. Ich
wirtsck-aftskammern und die Errickftung einer Arbeitsnach- weiszentralsielle in der deutschen Feidarbeiterzentrale Ijaben sich die Arbeitgeber mittlerweile von den privaten Bermitt lern unabhängig zu machen gesucht. Und die preußische Re gierung fall, dem massenhaften Kontraktbruch zu wehren, den Legitimationszwang für ausländische Arbeiter einge- führt. An vierzig Grenzämtern werden nunmehr den zu ivandernden ausländisck>en Arbeitern Ausmeiepopicre in deutscher Sprache ausgestellt. Jeder Arbeiter ei hält — je nach seiner Nattonalität — eine weiße, gelbe, rote, grüne oder blaue Karte; auf ihr ist der ordnungsmäßige Wechsel der Arbeitsstelle polizeilich ku bescheinigen. Wird ein Arbeiter ohne gültige, aus den Namen seines derzeitigen Arbeitgebers lautende Legitimationskarte angetrosfen, so sind seine persönlichen Verhältnisse, unter Vergleich mit den bekannt gegebenen Kontraktbruckfslisten, zu prüfen. Unentschuldigte Kontraktbrecher verfallen der Ausweisung, wenn sie nicht auf die verlassene Arbeitsstelle zurückkehren.
Jnzwisck>en sind dem Beispiel Preußens die meisten nord- und mitteldeutschen Staaten gefolgt und haben die preußischen Bestimmungen auch bei sich eingefüyrt. Aus dem Bericht der deutschen Feldaroeiterzen- trale über das Geschäftsjahr 1907/08 kann man also schon eine leidliche Ueberfid)t über diese Dinge gewinnen. Zunächst : Die N a ch j r a g e und somit auch die Zahl der ausländischen Arbeiter hat zugenommen. Tann: von den 54 880 vermittelten Arbeitern unb Gesindepersonen sind den Aemtern als oertragsbrüchig 32 <5 Personen gemeldet worden. Gegen das Juhr 1906/07 hat sich der Prozentsatz um 0,9 Prozent verringert. Einschränkend ist zu diesen Mitteilungen über Vertragsbruch zu bemerken, daß sie sich auf die enijeitige Mitteilung und Rechtsauf- fasjung der Arbeitgebersette gründen, da wohl nur in äußerst seltenen Fällen gerichtliche Entscheidungen herbeigeführt wurden.
Es liegen dann noch allerlei andere Erhebungen über den Vertragsbruch landwirtsckaftlicher Arbeiter vor; in der Hauptsache Berichte der Landivirtsckstiftskaminern von Preußen, Sack)sen, Westfalen, Hannover und Ostpreußen. Danach sieht es so aus, als ob die Zahl der Vertragsbrüche zugenommen hätte. Aber das „Reichsarbeitsblatt", dem wir diese Mttteilungen entnehmen, bemerkt mit Recht, daß es sich hier vielleicht auch nur um eine scheinbare Steigerung l-andeln kann- daß die Möglichkeit schärferer Verfolgung, wie sie sich nach der Einführung des Legitimationszwanges ergab, die häufigeren Anzeigen von Vertragsbrüchen gut Folge gehabt habe. Unter diesen Umständen wird man auf den nächsten Bericht der Feldarbeiterzeittrale umsomehr gespannt sein müssen. Von allen Kalamitäten, unter denen die deutsche Landwirtschaft seufzt, ist die Leute- not die allerernsteste. Alles, was uns dies Problem besser zu übersehen und schärfer zu fassen verheißt, ist dankbar zu begrüßen. ______________________________________________
hessische Zweite Kammer.
R.B. Tarmstadt, 24. Nvv.
Am Ministertische: Tr. Ewald, Geh. Staatsrat Krug v. Nidda, Ministerialrat Lor Lacher, Oberregierungsrat Lr. Weber.
Nachdem Vizepräsident Korell die Sitzung um 9Vs Uhr eröffnet, jetzt das Daus die
©enfralbebattc über die Wahlrechlsvorlaae
fort Abg. Orb (Soz.) wendet sich zunächst gegen den Vorwurf, der gestern seiner Partei gemacht worben sei, sie hätte ber Vorlage zugestimmt und erklärt, baß diese Zuilirnmung manchen Kamps in seiner Fraktion gekostet habe. Demi die Vorlage jedoch so bleibe, wie sie den Ausschuß passiert habe, werde seine Partei nicht für dieselbe stimmen. Tie Vorlage wolle auf der einen Seite den Arbeitern Wähler nehmen, auf der anderen Seite den Besitzenden Wähler geben. Ter Redner geht sodann nochmals aus den Fall Seibert in Osscmbach ein. Tie Aussührungen des Staatsministers, daß der betreffende Amtsrichter gezwungen gewesen sei, sich mit Dilfe von Aktenmaterial gegen die gegen ihn erhobenen Anschuldigungien zu verteidigen, seien nicht richtig. Erst als er dio Liquidatoren des Konsumvereins in 100 Mark Geldstrafe genommen habe, sei er angegriffen worden. Der Redner polemisiert dann in umständlicher Weise gegen den Abg. Tr. Winkler. Tie Familie und die Ehre werd« nicht durch die soz-ialdemokratischen Besttebungen und durch den Karnps ums Fvauensttmmreckst untergraben, sondern durch die reichen Wüstlinge. (Oho und Zuruf: Auch die sozialbemokrattsck)en!) Tie hefsisck)«n Verhältnisse könnten allerdings nidtf mit den englischen verglichen werdest, denn in England kämpften die Liberalen mit der Arbeiterpartei gegen das Oberhaus, während die Liberalen in Dessen der Ersten Kammer neue Rechte ein räumen wollten. Wenn Abg. Tr. Winkler ba- fürdrtet, man könnte das direkte Wahlrecht so gestalten, daß die sozialdemottatisckfen Mäuse (Zuruf: die roten!) über den Tisch liefen, so könnte er die National liberalen einmal mit den blauen Ratten vergleichen, (Deiterfeit.), er tue das aber nicht, sondern wolle nur zeigen, wohin man mit solchen Vergleickpm kommen würde. Ter Redner wendet sich dann gegen die Äuisführungen des Abg. Osann. Wenn dieser Protest dagegen erhoben habe, daß ber Fall Seibert hier zur Sprache gebracht worden sei, an einer Stelle, an der sich der Angegrifsene nicht verteidigen könne, so verweis« et aus den Fall der Grafen Erbach, den seinerzeit Abg. Osann in die Debatte geworfen habe. Der Graf, der hier Praxttperson sei, habe sich da auch nickü verteidigen können Wenn man mit Steinen werfen wolle, dürfe man »richt selbst im Glashaus« sitzen. Ter Redner oerroeist sodann nochmals aus den Standpunkt seiner Partei.
Abg. Molt Han (Zentt.) führt ungefähr folgendes aus: Tie beiden erwähnten Fälle des Anttsgerichtsrates Seibert und ber Grafen Erbach stehen nur in sehr feiern Zusammenhang mit ber Vorlage, wir wollen uns daher ihr wieder zuwcnden. Di« Verhandllmgen eröffnen bis jetzt eilte ungünstige Perspektive aus bas Zustandekommen der Vorlage. Wenn auch verschiedene Zweifel in den Reden zum Ausdruck gekommen sind, so schätze ich diese andererseits bod) nicht so hoch ein, daß sie als bare Münze gc= nrmrmen werden töraten, und manche Rede war wohl nur ein
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Muckst Mbunk wird ein tüdjtian >ach aeichutzlen 8 Zunders l> uuvcrbrennbar, Immn Helfen'3iuun-, Lielnlohn! ruemSMHolzzugeL c »s. ~. dikiieklanlen, bii i ^s durcy g-rfee z «p., ft, Retoucheuse^ nimmt Arbeit im foult fl/ Schriitl. Angebote unter» anbieÖeidjäiibiieüebJiliefrt $tt ttltill Mmlm
Sdmitl.$lnne6. m-ilvehaa; 09115 a. b. Äiehener Anzeim
Welche Tame erteilt 12 übrigem M« Unterricht im Französii
SchrillI. Angebote unter an bte Velchaitsit. b. Giez.


