Ausgabe 
26.2.1909 Erstes Blatt
 
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Man lese den Gießener Anzeiger

grötzie and reichhaltigste Cagerzeitung Oberhessens.

Auflage über M60 Expl.

fflle Briefträger, unsere Zweigstellen und die Geschäfts­stelle des Gießener Anzeigers nehmen Bestellungen auf den Gießener Anzeiger entgegen.

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Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft IsabelleKaif c r, eine bekannte 'SdjrtftfteKerin, ist in Cannes gestorben. Sie hatte sich einer schweren Blinddarrno peration unterziehen ntüffen, infolge deren ihr Zustand sich so verschlim- urerte, daß der Tod jetzt eintrat. Isabelle Kaiser hat ein Alter von 42 Jahren erreicht.___________________________

Literarisches.

**Der Hessische Staatshaushalt und die Eise n- bahngemeinschaft (im Nachgang zu: Die hessischen Eisen bahnen unter preußischer Verwaltung . Unter diesem Xitel Hal der Eisenbahndirektor A. Grooß eine Broschüre im Verlag der Hessischen Liberalen Wochenschrift" zu Darmstadt erscheinen lassen, in der eingehende Untersuchungen über den Zusammenhang der Verschlechterung unseres Staatshaushalts mit der in der Eisen bahngemeinschaft gipfelnden Hessischen Eisenbahnpolitik angestellt werdeir. Der Verfasser LoMmt dabei zu dem Schluß, daß die Aufwendungen Hessens für die Verbesserung der Verkehrsein richtungen (Bahnhvsserweiterungen, Verstärkung der Betriebsmittel ufw.', die vorwiegend Preußen zugut kommen, an der Verschlech­terung der Finanzlage des Landes hauptsächlich Schuld sind. Der- Anteil Hessens an dem Beu iebsuberschuß der Eisenbahngemein schäft sei aus Grund der durch Umleitungen künstlich herabgedrückreri Rentabilität der Hessischen Ludw gsbahn vor ihrer Verstaatlichung festgesetzt worden und jetzt Mässe Hessen erhebliche Aufwendung^? für die Bewältigung des wieder richtig geleiteten Verkehrs tragen ohne daß fein Anteil an dem Gesamterträgnis entsprechend erhöh, worden sei. Der Redner kommt am Schluß der sehr anschaulich geschriebenen Bwschure zu der Forderung, daß eine Revision des Gemeinschaftsvertrags angestrebt werden müsse, die diesen Uni- ständen Rechnung trägt.________________________________________

£>anOci ituö IKrfebr, Dolfsivirtjd^aft.

4vr o ze u t i g e r e i ch s lN li u d e l s i cv 6 r e F i e u o u r gei Stadt-Anleihe von 1909. Wie aus dein Inseratenteil zu erlehen ist, liegen bei dem Bankhaus Baruch Strauß hier 'N t 6 0 0 000 obiger Anleihe zum Preise voii 10110 ^in ösi-'nllichen Zeichnuna a m Montag den 1. März a. c. auf Ta die Anleihe bis 1919 unkündbar ist, dürfte sie int Gegensatz zu anderen in leiuer Zeit zur Emnsion aufgelegten Anleihen als seh­billig zur Kapitalanlage empfohlen werden.

Metallpreisbeivegnng. Ter Kiipferblech-Perban^ erhöhte den Preis um 2 Mk., auf 150 Alk., für 100 Kg. Tie Euro väische Zinkconvenlion setzte den Grundpreis für Rohzmk au 46.ö0 Mk. und un SUcinuerfouf auf 51 Alk. für 100 Ko. fest.

Märkte.

Gießen, 25. Febr. Blehmarkt. Bei dem am 23. und 24 Febr. ds. Fs. abgehaltenen Alarkte waren aufgetrieben 154 Stück Rindvieh und 188 Schweine. Ter nächste Markt sinde am 9. und 10. März statt; am letzteren Tage auch Krämermarkt

fc. Fra nkiurt a. Al., 26. Febr. üem lind Strohmarkt Angefahren roaren 12 Wagen Hen und 0 Wagen Stroh. Bezahl,

wurde für Heu Mk. 3.504.00, für Stroh (Kornlangstroh) Mk. 0.00 0.00, Alaschineiisiroh Alk. 0 00. Die Zufuhr erfolgte au., den Kreisen Büdmgcn und Nidda. Tendenz flau.

Gießener Wetterdienst.

4>oranHsitbtliche Witterung ihr vencu am Samstag den 27. Februar: Fortdauer der Jrostivulerung. Geringer Schnee. Veränderliche Beivölknng. Nördliche Winde.

(DrißtHai-Drahlmclduitßcn.

Paris, 26. Febr. Wie Petit Parisicn aus Berlin meldet, wird der französische Botschafter Eambon, der auf einige Zeit nach Paris reist, heute vom deutschen Kaiser in Audienz empfangen und zur Frühstückstafel zu- gezogen werden. Eambon ist vom Präsidenten Falliöres' beauftragt, dem Kaiser seine Genugtuung über das Zu- standelommen des deutsch-französischen Marokko-Vertrages auszudrücken.

Parts, 26. Febr. Die italienische Regierung hat einen hohen Beamten des Ministeriums des Aeußern nach Paris entsandt mit dem Auftrage, die französische Regierung zu be­nachrichtigen, daß die Annahme des neuen französischen Zolltarifes durch die Kammer Italien zwingen würde, den Handelsvertrag von 1888 zu kündigen und R e p r e s s t v m a ß r e g e l n zu ergreifen.

Paris, 26. Febr. Wie derMotin" aus diplomati- scheu Kreisen erfährt, habe Rußland seine Antwort auf die deutsche Note noch nicht bekannt gemacht. Man glaube jedoch, daß Rußland bereit sei, int Sinne dieser Note mitzuwirken und sich den Mächten anznschließen, um in Belgrad 3iuhe und Mäßigung herbeizuführen. Nach diesem Schritt in Belgrad wollen die Mächte aber auch in Wien Schritte unternehmen.

Paris, 26. Febr. 'Nach einer Londoner Meldung des Echo de Paris" werde in dortigen amtlichen Kreisen die entschlossene Haltung des Pariser Kabinetts mit großer Genugtuung ausgenommen. Man sei sich darin einig, daß Frankreich, EnglandundRußland einen Schutz­wall für den europäischen Frieden darstellen. Tie Kabinette von London, Paris und Petersburg setzen ihren Meinungsaustausch über die Baltanfragen fort.

Paris, 23. Febr. Der Londoner Korrespondent des Matin ist seitens des russischen Botschafters in Loni don ermächtigt worden, das Gerücht äu dementieren, wonach der russische Geschäftsträger dem englischen Aus-, wärtigen Amte mitgeteilt habe, das; die russische Regierung im Falle eines Angriffes Oesterreichs auf Serbien eine mili­tärische Intervention für unvermeidlich halte.

Petersburg, 26. Febr. An leitender militärischer Stelle werden alle Meldungen von einer partiellen Mo- 'ilisierung kategorisch dementiert und erklärt, Rußland denke nicht an einen Krieg.

Belgrad, 26. Febr. Die Regierungserklärung tat wegen ihrer gemäßigten Sprache allgemein enttäuscht. Die Kriegspartei ist wütend und beschuldigt fte Regierung, ein falsches Spiel zu treiben. Von den am« testierten und reaktivierten Ossizieren sind nur wenige auS- ««.'schlossen, welche s. Zt. als Häupter der Verschwörung im öuigltchen Schloß auf Verlangen Englands pensioniert werden 'imßten.

Höhe von 215036 Mk. vorhanden. Der Aktivbestand der Sparkasse beträgt Ende 1908 2 356 772 Mk., der Passivbestand 2191 727 Mk., der Reservefonds 165 045 Mk. Der Erlös aus verkauftem Obst betrug im Vorjahr 2678 Mk. Auf den Viehmärkten des Jahres 1908 waren 4525 Stück Großvieh, 1040 Kälber, 7739 Schweine und 115 Fohlen aufgetrieben. Die Einnahmen beim Elektrizitätswerk betrugen: 15975 Mk., die Ausgaben 15 473 Mk. (einschließlich 2000 Mk. für Neu­anschaffungen). Beim Standesamt kamen 64 Geburten und 31 Sterbefälle zur Anmeldung. Nach der Volkszählung vom Jahre 1905 zählt Kirchhain 2340 Einwohner.

Kassel, 25. Febr. Für die Schaffung eines Naturparkes nach anterikanischem Vorbild im Ha dichts- wa ld bei Kassel, der allen deutschen Pflanzen und Gehölzen eine Heimstatt gewähren soll, trat Landrat v. Buttlar- Wolfhagen in der Schlußsitzung des kttrheisischen Kommtmal- landtageS ein. Er halt den Habichtswald, an dessen Oft» abhange bekanntlich Schloß Wilhelmshöhe liegt, infolge seiner Bodenbeschaffenheit und seines Wasserreichtums als hervor­ragend hierfür geeignet, und bat den Oberpräsidenten unter dem Beifall der Versammlung, seinen Etnstuß babtn geltend zu machen, daß der erste deutsche Naturpark im Hessenlande erstehen möge.

(BericbfsfodL

RB. Darmstadt, 25. Febr. Ter 23 Jahre alte vorbe­strafte Dienstknecht Ludwig Groth vvn Almenrod lKr. Lauter­bach) stahl tm November v. I. auf der Wanderschaft in Dieburg ein Fahrrad im Werte von 80 Mark und verkaufte es an einen Wirt in Münster für 3 Mark um sich dann aus dem Staube zu brachen. Im Dezember besuchte er seine Eltern und entnrenbete bann seinem Bruder eine Uhr und Kette, worauf er in Friedberg, unter Vvrspregelung als Knecht eintreten zu wollen, 3 Mark Mietgeld erschwindelte. Er war geständig und in Anbetracht feiner Vorstrafen zu 2 Jahren 6 Monaten Gefängnis verurteilt.

Berlin, 26. Febr. Eine Strafkammer des Berliner Land­gerichts I hatte gestern gegen eine 42 jährige Näherin wegen Diebstahls im Rückfalle zu verl-andeln. Die Angeklagte war wiederhvtt tvegen Diebstcthis vorbestraft. In allen Fällen han­delte es Tid) um Nahrungsmittel von ganz geringem Werte. Im März 1900 wurde sie zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt, weil sie in einem Schlächterladen zwei Pfund Wurst gestohlen hatte. Im März 1902 unmittelbar nach ihrer Entlassung verübte sie fofeberuni in einem Schlächterladen einen Diebstahl von gering­wertigen Sachen und wurde zu 3 Jahren Z ichthaus verurteilt. Am 8. Dezember vorigen Jahres entwendete die Angeklagte während eines kleinere Kaufes in einem. Schlächterladen von dem Ladenth'che ein Stück Slickgans und drei Würste im Gesamtwerte von 2,80 Mark. Die Folge war wieder eine Anklage, die sie unfehlbar wieder ins Zuchthaus gebracht hätte. Auf Airraten ihres Rechtsbeistandes suchte sie die Universitätsklinik auf, wo fest- gestellt wurde, daß, es sich um einen Schulfall von progressiver Paralyse handle, der schon Jahre zurückreiche. Die geladenen Sachverständigen begutachteten, daß die Straftaten in krankhafter Störung der Geistestätigkeit begangen worden waren. Die Angeklagte hatte die Zuchthausstrafen unschuldig verbüßt, sodaß ihr Verteidiger das Wederauftrahmeverfahren beantragte. In der Sache selbst wurde die Airgeklagte auf Arttrag des Staats­anwaltes frergesprochen.

auf

M. 600000 4°|o reichsmündelsichere Anleihe d. Stadt Neu-Isenburg

(Crossherzogtum Hessen).

Unkündbar und unverlosbar bis 1. September 1919,

Die Stadt Neu-Isenburg hat auf Grund des Beschlusses ihres Gemeinderates vom 29. Januar 1909 und mit Genehmigung des Gross- herzoglichen Staatsministeriums zwecks Beschaffung der Mittel für den Neubau einer 24 klassigen Volksschule und einer 8 klassigen höheren Bürgerschule mit dem unterzeichneten Bankhause eine

4"lo Anleihe von M. 600OOO

abgeschlossen, eingeteilt in Abschnitte von £OOO, 1OOO, 500, 300 und 200 Mark.

Bis zum 1. September 1919 ist die Anleihe unkündbar und unverlosbar; von diesem Termine ab geschieht die Rückzahlung mit mindestens 1% unter Zuwachs der ersparten Zinsen nach vor ausgegangen er halbjähriger Kündigung.

Die den Schuldverschreibungen auf 10 Jahre beigegebenen Zinsscheine sind jeweils

am L März und 1. September

erstmals am 1. September 1909 zahlbar bei:

der Stadthauptkasse Ned-Isenburg,

dem Bankhause Baruch Strauss, Frankfurt a. 3L,

Baruch Strauss, Marburg i. H.,

Baruch Strauss Filiale Giessen, Giessen.

Für die Sicherheit der Anleihe, welche im ganzen deutschen Reiche als mündelsicher gilt, haftet die Stadt Neu-Isenburg mit ihrem gesamten Vermögen und ihrer Steuerkraft.

Die Einführung der Anleihe zur Frankfurter Börse soll in den nächsten Tagen beantragt werden

Obige M. 600 000 werden zum Kurse von

101.10/o

»m Montag den 1 März 1909 zur Zeichnung aufgelegt bei

dem Bankhause Baruch Strauss in Frankfurt a. M

99 99 n 99 99 Marburg

,, Filiale Glessen, Giessen.

Die Abnahme der Stücke, welche voraussichtlich Mitte März fertigestellt sind, kann vom Tage des Erscheinens ab bis zum 1= Mai 1909 stattfinden, unter Verrechnung von 4 % Zinsen vom 1. März 1909.

Die Zuteilung, deren Höhe in meinem Ermessen steht, erfolgt möglichst sofort nach Schluss1 der Zeichnung.

Schlussscheinstempel fällt dem Zeichner zur Last.

Frankfurt a. M., den 26. Februar 1909.

SariicK Strauss.