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02/10/1909 Zweites Blatt
 
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Samstag 2. Oktober 1909

Zweites Blatt

159. Jahrgang

Nr. 231

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Eenerat-Anzeiger für Gberheßen

Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen UniversitätS - Buch- und Steindruckerei.

9L Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^bl. Redaktion:^^I12.Tel.-Adr.:An-eigerGieben.

DieGiehener Zamilienbliitter" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

sprüchen und Hoffnungen enttäuschten kurhessischen Post­beamten wurde immer lauter, so daß die Thurn und Taxis- sche Zentralverwaltung in Regensburg, der die Angelegen­heit äußerst peinlich war, sich veranlaßt sah, einen be­sonderen Kommissar nach Kassel zu entsenden mit dem Auf­trage, bei dem Staatsministerium wegen Beseitigung des unerträglichen Zustandes vorstellig zu werden.Wir müssen unsere Zuflucht zur List nehmen", meinte der Staatsminister zu dem Thurn und Taxis'schen Abgesandten.Sobald die nächsten Bestallungspatente vorgeleat werden, will ich mein Heil versuchen." So geschah es. Es war wieder derselbe Vorgang: der Kurfürst warf die Patente in seine bekannte Schublade zu den dort schlummernden übrigen.Gestatten Euere Königliche Hoheit, daß ich dazu noch eine Bemerkung machen darf?" versetzte diesmal der Minister.Nun?" erwiderte der Kurfürst schon ein wenig gereizt.Dadurch, daß die Patente unvollzogen bleiben, ersparen Euere König­liche Hoheit dem Fürsten von Thurn und Taxis eine Maße Geld, denn, da die Postbeamten nicht ernannt sind, braucht ihnen der Fürst das auf ihre Stellung entfallende Gehalt nicht zu zahlen. Das geht schon seit Jahren in viele Tausende von Talern!" Sprachlos starrte der Kurfürst seinen ruhig und gelassen dreinblickenden Minister an.Und das sagt man mrr jetzt erst!" rief er aus.Dem Unfug will ich sofort ein Ende machen!" Sprachs, riß die Pa­tente, wohl an die hundert, aus dem Schreibtisch und unterschrieb sie zur selbigen Stunde, bei jeder Unterschrift grimmig lachend, daß er nach seiner Meinung dem ver­haßten Thurn und Taxis jetzt erst recht einen Streich spielen konnte. Die ominösePostschublade" verlor von diesem Tage ab ihre Bestimmung, denn Bestallungspatente für Postbeamte vollzog der Kurfürst, nachdem ihm sein Minister jene Erklärung gegeben hatte, jetzt mit besonderer Vorliebe ohne jede Verzögerung. So kam es, daß An­stellungspatente für ältere und jüngere Postbeamte, deren Dienstalter um viele Jahre verschieden war, an demselben Tage die landesherrliche Unterschrift erhielten. Also ge­schehen zu Kassel unter der guten alten Regierung um die Vtitte des vorigen Jahrhunderts!

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Ja der Jahresverjaininlung des D e u t s ch e n M u s e u m s in München wurde ein Antrag angenommen, im Ehrensaal des Museums ein Denkmal des Pioniers des deutschen Maschinenbaues B 0 r s t g cnözuslellen. Der König von Württemberg wird ein Bildnis des Astronomen Keppler für das Museum stiften. Der König von Württemberg hat dem Ho ffchausvieler und Re­gisseur Emil Reubke am Hoftheater in Dessau die goldene SJJ£ e ö a i l [ e für Kunst und Wtssenschaft am Bande des Ordens der würtrenlbergischen Krone verliehen.

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Deutsches Reich.

Wie dieNeue Polit. Korr." hört, ivird Kaiser Wil­helm um die Mitte des Monats November zu einem Jagd besuch beim Fürsten Egon von Fürsten berg in Donaueschingen erwartet.

Es war aber auch die höchste Zeit, daß in der Sache etwas geschah. Ob man in bezug auf die einfachen Tat­sachen nicht dem deutschen Konsul in Charbrn vertrauen konnte, bleibt fraglich.

Aus Berlin wird berichtet: Oberbürgermeister Kirschner und Stadtverordnelen-Vorsteher Michelei haben am gestrigen Freitag (bem Kronprinzen aus Anlaß der glücklichen Geburt des Prinzen in einem Telegramm die Glückwünsche der Bürgerschaft von Berlin zum Ausdruck gebracht.

Bei der Besprechung des Leipziger Parteitages in der Generalversammlung des sozialdemokraleschen Wahl­vereins für den 6. Berliner Reichstagswahllreis war auch die Erklärung Bebels in Leipzig zur Sprache gebracht wor­den, er würde in der dritten Lesung für die Erbanfallsteuer gesttmmt haben. Abg. Ledebour führte demgegenüber unterBewegung" der Versammlung aus, es sei verwerflich, daß man Bebel von gewisser Seite zu der Erklärung, die den Umständen nach nur kurz sein konnte, provoziert habe. Hier­auf erklärt nun wiederum Wg. Bebel imVorw.",daß id) von keiner Seite zu jener Erklärung veranlaßt wurde, sie war notwendig, nachdem im Laufe der Debatte mein Name öfter genannt worden war".

Die ©traf famm er in Flensb ur g verurteilte den Reichstagsabgeordneten Haussen, Heraus­geber des dänischen BlattesHejmdal", wegen Beleidigung des Vorsitzenden des Deutschen Vereins für das nördliche Schleswig, Dr. Hahn-Flensburg, zu 40 0 Mark Geld­strafe, eventuell zu 14 Tagen Haft. Die Beleidigung wurde erblickt in einem Artikel, in dem der Angeklagte die Enteignungsvorlage in der Ostmark besprach und damit die Zustände in Nordschleswig in Verbindung brachte.

Ausland.

Das Prager Organ der Jungtschechen ist am Freitag wegen eines Gerüchtes über eine angebliche Ver­sammlung deutscher Studenten und Abgeordneten be­schlagnahmt worden, in der die Veranstaltung deutsch- nationaler Demonstrationen in Prag beschlossen sein sollen. Eine berartige Versammlung hat aber niemals stattge­funden und ein derartiger Beschluß ist niemals erfolgt.

Die Londoner Abendblätter brachten am gestrigen Frei­tag eine Mitteilung des Vizekanzlers Mason der Uni­versität Cambridge, wonach der Universität von Baron Rudolf Sch r 0 e d e r in Firma I, Henry Schroeder u. Co. zur Errichtung einer Professur des Deutschen 20 000 Pfund Sterling angeboten worden sind.

Nach einer amtlichen Meldung aus Melilla hatten die Truppen des Generals Orozeo bei einem Er­kundigungsmarsche von Seluan nach. Sukel Djemis folgende Verluste: General Diaz Wicario, zwei Hauptleute, ein Leutnant und 14 Mann tot; etwa 180 Mann wurden ver- 'wundet. Eine aus Reitern der Stämme Tsoul Branes, ,El Riata und Hiana zusammengesetzte marokkanische Abteilung befindet sich im Vormarsch gegen dgs von den Spaniern befetzte Zeluan.

Deutsche Kolonien.

In Deutsch-Südwestafrika ist neuerdings wieder ge­klagt worden, daß fortdauernd ausgedehnteFlächenguten Landes an große Gesellschaften abgegeben würden, anstatt kleineren Farmern zur Nutzung überwiesen zu werden. Auch der Farmeroerein von Okahändja hat in einer seiner letzten Sitzungen sich mit der Landfrage beschäftigt und folgender Entschließung zugestimmt:

Der Farmervrrein stellt hiermit an den Farmerbund den Antrag, der Farmerbund wolle die weitere Gefährdung der In­teressen des Farmerstandes, die in der fortgesetzten Vergebung großer Ländereien au Landgesellschaften liegt, mit allen ge­eigneten Mitteln zu hindern suchen. Einer Erkundigung zufolge sind die Verhandlungen im Gange, durch die einzelne große Gesellschaften, z. B. die Deutsche Farmgesellschaft in ihrem sckion sehr großen Besitz an Farmland noch ausgedehnte Län­dereien hinzuzuerwerben sucht. Die Schädigung liegt darin, daß auf diese Weise immer mehr Land der freien Besiedlung entzogen und damit das Entstehen eines auch die Zahl nach starken Farmcrstandes beschränkt wird. Daß die Gesellschaften bei der Preisbildung und der gesamten Verwertung des Viehes und anderer Erzeugnisse gar zu sehr die entscheidende Stimme bekommen, daß es von allgemeinen Gesichtspunkten aus nie förderlich ist, wenn das internationale Großkapital sich da festsetzt, Wo auch kleineren selbständigen Einzelbetrieben ein gutes Fortkommen ermöglicht ist und daß es endlich überall böses Blut erregt und die Freude an der eigenen Wirtschaft er­heblich schmälert, wenn großen kapitalkräfttgen Gesellschaften das Land zu billigeren Preisen gegeben wird, als dem Farmer, während diesem auch noch Schwierigkeiten gemacht werden, für seine Farm die Größe zu erlangen, die nach allgemeinem Ur­teil nötig ist zu einem aussichtsvollen Betrieb der Farmerei. Der Farmcrverein Okahandja hält es für dringend notwendig und für eilig, daß die ganze Bevölkerung des Schutzgebiets, in erster Linie der Farmcrbund, in der kräftigsten Weise und ohne Rücksichtnahme gegen diese Landpolitik zur Wehr setzt."

DieDeutsch-Südwestafrikanische Zeitung", die bisher nicht als Gegnerin großer Gesellschaften galt, bemerkt dazu, die Ent­schließung würde gewiß Beifall in der ganzen Kolonie finden.

Ans Stadt nnd Land.

Gießen, 2. Oktober 1909.

"Ordensverleihung. S. K. H. der Großherzog haben dem Bürgermeister Ernst Ludw. Karl Best zu Assenheim die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienst­ordens Philipps des Großmütigen verliehen.

** Schul Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Oberlehrern Franz Hilsbos an der Oberreal­schule zu Mainz, Ludw. Kreisel an der Realschule unb oern Progymnasium zu Binnen, Friedrich Müller an dem Wolfgang Ernst-Gymnasium zu Büdingen und August S ch ä f e r an oer Overrealschule zu Darmstadt den Charakter als Professor erteilt. Durch Verfügung des Großh. Mini­steriums des Innern wurden -die Lehramtsreferendare: Dr. Adam Abt zu Offenbach, Wilh. Bausch zu Offenbach, Kurt Becker zu Nidda, Hugo Bickel Haupt zu Darm­stadt, Jak. E g e l h 0 f zu Alzey, Adam E h r h a r d zu Nidda, Dr. Phil. E h r m a n n zu Worms, Hch, Faller zu Mainz, Fritz Finck zu Gießen, Ludw. Fran ck zu Schotten, Paul G r a e b e r zu Alsfeld, Karl Hallstein zu Lauter­bach, Moritz Henninger zu Offenbach, Ludw. Hesse zu Mainz, Eduard H e s s i n g e r zu Gießen, Wilh. Hofmann zu Bingen, Siegfr. Jacob zu Wimpfen, Karl Krauß zu Mainz, Dr. Gg. Laufersweiler zu Friedberg, Dr. Gg. Made zu Bad-Nauheim, Ludw. Pöpperling zu Laubach, Rob. Poppendieck zu Darmstadt, Eug. Retz er

zu Darmstadt, Dr. Theodor Sch ach n er zu Mainz, Gg. Schmidt zu Alzey, Adolf Schneider zu Mainz, Ludw. Schorlemmerzu Alzey, Friedr. S ch w a r z zu Offenbach, Dr. Theodor Spira zu Worms, Friedr. Stahl zu Butz­bach, Otto Steuer nagel zu Darmstadt, Gg. Traut- mann zu Offenbach, Ferd. Weckerling zu Gießen, Gg. Werke zu Darmstadt, Wilh. Wild zu Offenbach, Gg. Wittig zu Mainz, Edmund Wolf zu Bensheim zu Lehr­amtsassessoren ernannt. Uebertragen wurde dem Schul- oerwalter Wilh. Görtz zu Bretzenheim die Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Drais. Entlassen wurde die Lehrerin an der höh. Bürgerschule zu Ober-Ingelheim.Anna Ladage auf ihr Nachsuchen.

** Hessische Schulreformer. Die hessischen Mit­glieder des inzwischen aufgelösten Bolkserzieherbundes tagten am 25. September in Friedberg. Der frühere Obmann, Oberlehrer Dr. Strecker, sprach sein Bedauern über die mit Schwan er entstandene Polemik aus. Der bei den hessischenBolks- erziehern" rege gewordene Wunsch, für Verbesserungen unseres öffentlichen Erziehungswesens tätig sein zu können, muß sich daher eigene Wege ) neben. So wurde die Begründung eines be­sonderen Vereins beschlossen, dessen Aufgabe es sein soll, durch planmäßige Aufklärungsarbeit auch in Hessen für die Forderungen moderner Pädagogen eine breitere Anhängerschaft zu gewinnen. Als wichtigste Gesichtspunkte für ein demnächst aufzustellendes Programm wurden einstweilen vorgeschlagen: Forderung der nationalen Einheitsschule; Arbeitsschule; körperlich gesunde Er­ziehung; allmählichere Ueberleituug aus der Schulgebundenheit in die Selbständigkeit des Erwerbslebens oder der akademischen Freiheft; gediegenere Mädchenbildung; Koedukation; Vertiefung des Patriotismus durch planmäßige staatsbürgerliche Belehrung; Vertiefung des sozialen Empfindens und Verstehens im Sinne von Natorps Sozialpädagogik; Pftege des Kunstsinns; Anregung eines tatkräftigen Idealismus durch objektiven Hinweis auf mo­derne Resormbestrebungen aller Art; zeftgemäße Reform des Reli- aionsuntcrrichts; Einführung der Phibosopieh; möglichste Frecheft d. Lehrerpersönlichkeit, soweit es irgend das Interesse der Zusammen­arbeit unb des Gesamtwohls zuläßt; Beteiligung der Eltern am Schulregiment (konstitutionelles Schulsystem, Elternrat); Einrich­tung von Versuchsschulen zur Erprobung neuer, event. int Aus­lande schon bewährter Methoden. Auf eine zum 23. Oktober nach Frankfurt a. M. eittzuberufende Versammlung ist die end­gültige Konstituierung des neuen Vereins angesetzt.

** Fortbildungsschule. ES sei darauf hingewiesen, daß der Unterricht in der hiesigen FortbildungSschu le nächsten Montag, 4. d. Mts. beginnt.

" Jubiläumsfeier. Gestern früh am Beginn der Geschäftszeit vereinigte der Besitzer der Verlagsbuchhandlung Emil Roth, Herr Otto Roth, hier sein gesamtes Kontor- personal in den festlich geschmückten Räumen seiner Prioat- wohnung, um in längerer Rede seinen Lagerhalter Peter Bingel, der seiner Firma 25 Jahre in Treue gedient, zu feiern und ihm die in reichem Maße zu seinem Ehrentage gestifteten Gaben zu überweisen. Zur Feier des TageS blieb das Geschäft geschloffen; der Abend vereinigte wiederum das Personal zu einem Festessen im Hotel Einhorn, dem der Chef der Firma präsidierte. Rede, Vorträge und musikalische Gaben würzten die Feier, welche ein rühmliches Zeugnis ablegte von dem patriarchalischen Zusammenwirken des Geschäftsinhabers und seiner Mitarbeiter.

"Stadttheater. Es sei darauf hingewiesen, daß die beiden Vorstellungen des Sonntags im Abonnement nicht wiederholt werden. In der Nachmittagsvorstellung vonHasemanns. Töchter" hat der neue Charakter-

Alerues Feuilleton.

Hans Thomas 70. Geburtstag. Aus Karls­ruhe wird uns geschrieben: Seinen 70. Geburtstag feiert am 2. Oktober der Kunstmaler, Professor Dr. pW. h. c. Hans Thoma, 'Lehrer an der Akademie der bildenden Künste und Direktor der Kunsthalle in Karlsruhe. Hans Thoma stammt aus dem Schwarzwald. Im badischen Torfe Bernau am 2. Oktober 1839 geboren, war er anfangs als Uhrenschildmaler, später als Litho­graph tätig, besuchte dann die Karlsruher Kunstschule als Schüler Schirmers, ging darauf nach Düsseldorf, sckstießlich nach Paris, wo 'Cvurbet großen Eindruck auf ihn machte und kehrte von dort wieder nach Karlsruhe zurück. Von 1870 an weilte er in München, Piachte 1874 eine Reise nach Italien unb siedelte 1877 nach Frankfurt a. M. über, ipo er mit Unterbrechungen bis 1899 wohnte. 1898 wurde er Professor und 1899 Lehrer an der Aka­demie der bildenden Künste in Karlsruhe, womit die Ernennung zum Direktor der Karlsruher Galerie verbunden war. H. Thoma wurde lange verkannt; Thode war einer der wenigen, die mit Energie auf ihn hinwiesen. Er war fünfzig Jahre geworden, als er 1890 jene Sammel-Ausstellung im Münchener Kunstverein veranstaltete, die ihn zum berühmten Mann machte. Von seinen zahlreichen Werken seien genannt:Der Hüter des Tales",Der Violin­spieler",Die Händlerin",Die Bogenschützen",Die raufenden Buben", weiter das Bild seiner greisen Mutter und das bekannte DvppÄbild des Malers und seiner Gattin, sodannLandschaft mit Kindern",Der Kampf",Meerweiber",Ter Tod und das Mädchen",Geburt Christi",Flucht nach Aegypten",Ver­suchung Christi",Sommerwolken",Christus auf dem Meere". Thoma ist Ehrenmitglied der Akademien, der bildenden Künste zu Dresden und Mürrchen, Inhaber der Großh. Bad. großen goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft am Bande des Ordens Berthold des Ersten und des Bayerischen Maximilians- ordens für Kunst. 1903 ernannte ihn die Universität Heidel­berg zum Dr. Phil. hon. causa und 1905 erfolgte feine Berufung iN die Erste Kammer der badischen Landstände. Ter Groß- herzvg hat, derKarlsruher Zeitung" zufolge, dem 'Professor Dr. Hans Thoma das Großkreuz des Ordens vvm Zähringer Löwen verliehen.

Die Tagung des Bundes Heimatschutz, die kürzlich bei außerordentlich starker Beteiligung unter dem Vorsitze von Prof. Schultze-Naumburg in Trier stattfand, befaßte sich u. a. auch mit der alten Main- brücke in F r a n k f u r t a. M., die bekanntlich einer neuen Brücke weichen soll. Mit lebhafter Anteilnahme nahm die Versammlung den Bericht über die Tätigkeit des Frank-

für ter"OrtH) ereines zur Erhaltung der berühmten Mainbrücke entgegen; mit Entschiedenheit forderte der Vor- ttagende, Architekt Linnemann, daß Preußen und Frankfurt sich an ihre Pflicht erinnerten, dieses unersetz­liche Kulturgut zu schützen. Es wäre zu wünschen, daß sich Frankfurt unter dem immer stärker werdenden Druck oer öffentlichen Meinung endlich dazu entschlösse, das alle und wertvolle Bauwerk an seiner Stelle zu belassen und den Verkehr in anderer Weise zu berücksichtigen.

k- Ein Landesvater der guten alten Zeit. Einzuverlässiger Gedenkmann" teilt derVoss. Ztg." fol­gendes Geschichtchen aus der Regierungszeit des letzten Kurfürsten von Hessen mit: Als der ver­storbene General-Gostmeister v. Stephan im Jahre 1866 nach der Besetzung Frankfurts durch preußische Truppen die Verwaltung der Fürstlich Thurn und Taxis'schen Posten als preußischer Administtator in die Hand genommen hatte, machte er bei näheren^ Eingehen auf die persönlichen Ver­hältnisse der ihm nunmehr unterstellten Beamten in den zum Thurn und Taxis'schen Postbezirke gehörigen Bundes­staaten die überraschende Wahrnehmung, daß die Bestäl- lungspatente der Postbeamten im bisherigen Kurfürstentum Hessen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, dasselbe Datum trugen, und zwar einerlei, ob es sich um ältere Beamte von längerer oder um jüngere von kürzerer Dienstdauer handelte. Der Referent für kurhessische Personalien in der Thurn und Taxis'schen General-Postdirektion wußte das Rätsel zu lösen. Der letzte Kurfürst von Hessen so berichtete er ^Stephan mit lachendem Munde war ein wütender Gegner unseres Herren, des Fürsten von Thurn und Taxis, dessen Posten er am liebsten aus seinem Lande verbannt hätte, wenn das möglich gewesen wäre. Mer der Postlehensvertrag gestattete dies nicht. So be­nutzte denn der Kurfürst jede Gelegenheit, sich an dem Fürsten zu reiben, und eine solche glaubte er darin geflnck>en zu haben, daß er den Anträgen des Fürsten auf Anstellung, Beförderung usw. von Postbeamten im Kurfürstentum Hessen die Zustimmung verweigerte. Sobald der Staatsminister dem Kurfürsten Bestallungspatente für Postbeamte zur Unterzeichnung vorlegte, schob dieser sie mit den Worten Schon gut, schon gut" beiseite und warf sie in eine Schub­lade seines Schreibtisches. Dort hatte sich schon eine er­kleckliche Anzahl von solchen der Unterschrift des Landes­herrn harrenden Patenten angesammelt. Daß die Post­beamten darunter litten, kümmerte den Landesvater nicht weiter, die Hauptsache war für ihn, daß er an dem ihm verhaßten Fürsten von Thurn und Taxis sein Mütchen gekühlt zu haben glaubte. Das ging eine Reihe von Jahren so fort. Das Murren unter den in ihren berechtigten An­