Ausgabe 
24.4.1909 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

ISS. Jahrgang

Samstag 24. April 1909

Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7.

Bezugspreis: monatlich75Pf.,viertel- iährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2. viertel- lährl. ausjchl. Bestetlg. Zeilenpreis: lokal 1b Pf., auswärts 20 Pfennig.

Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; f. ^euifie- ton undVermischtes" K. Neurath; fürStabt u. Land" undGerichts­saal": E. Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck.

Nr. SS

Der Siehener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: i'ierinal wöchentlich EiehenerZamtlienblätter; zweimal wöchemllfieir-- blatt für den Kreis Sietzen (Dienstag und Freitag); zweimal monnil. Land­wirtschaftliche Zeitsragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112,

MU General-Anzeiger für oornuttegT'sMu iiotaticnskrnuk und Verlag der Srühi'schen Univ.-Such- und Steindruckerei 8. Lange.

Die heutige Nummer umfoht 16 Seiten.

Stimmungsbilö aus Sem Reichstage.

Berlin, 23. April.

Kleine Geschenke erhalten bie Freundschaft. Staats­sekretär Dr. Nieberding hat es verstanden, in dieser Zeit allgemeiner parlamentarischer Unlust dem Reichstage eine Verhandlung zu bereiten, bei der sich alle Parteien in einhelliger Zufriedenheit zusammenfanden. Dabei ist Dr. Nieberding selbst anscheinend mit seinem eigenen Werke nicht so zufrieden wie der Reichstag, dem er die Vorlage gemacht hat. Es ist die kleine Strafgesetznovelle, die einige Milderungen bringt bei der Verfolgung und Bestrafung des .Hausfriedensbruchs, des Arrestbruchs u. devgl. bei geringfügigen Diebstählen und Unterschlagungen, besonders wenn sie aus Not begangen sind; und auf der anderen Seite eine Reihe von Strafverschärfungen: bei Mißhandlung von Kindern, bei Tierquälerei, Beleidigungen und eine Aenderung des Erpressunasparagraphen im Hin­blick auf die wirtschaftlichen Lohnkämpfe. Man weiß, daß das Reichsjustizamt seit langem in voller Arbeit ist bei der allgemeinen Revision des Strafgesetzbuches und daß Dr. Nieberding noch bis vor kurzem sich dagegen gesträubt hat, dieser ganzen Arbeit durch Herausgreifen einzelner Stucke vorzugreifen. Dem andauernden Drängen des Reichs­tags, der Jahr für Jahr bei der Beratung des Justizetats auf besonders dringliche Mängel in dem geltenden Straf­gesetzbuch hrnwies, hat er aber schließlich doch nachgegeben. Die heutige Beratung dieser Novelle konnte naturgemäß nur eine Wiederholung dessen bringen, was die Presse nach dem Erscheinen der Novelle in zahlreichen Artikeln bereits erörtert hat. Es sprachen zumeist Juristen: vom Zentrum der Neffe Windthorsts, Herr Engelen, der Kom- servative Pernieck, Dr. Varenhorst von der Reichspartei und Dr. Osann als Wortführer der Nationalliberalen. Nur die Sozialdemokraten und die kleinen Gruppen der wirt­schaftlichen Vereinigung und der Reformer schickten Laien­redner vor. Sie alle begrüßten die vorgeschlagenen Straf­milderungen, und mit Ausnahme des sozialdemokratischen Redners neben den anderen Strafverschärfungen auch die Verstärkung des Schutzes der Ehre. Hinsichtlich der Ein- l'chränkung des Wahrheitsbeweises, die her Entwurf zu diesem Behufe weiter vorschlägt, wurden allerdings von verschiedenen Seiten Zweifel erhoben, die der Staats­sekretär nach Möglichkeit zu zerstreuen suchte. Er erklärte ausdrücklich und Dr. Osann stimmte ihm zu, daß es sich hier nicht etwa um eine lex Eulenburg handele, sondern daß, soweit überhaupt ein besonderer Fall bei diesem Vor­schläge Gevatter gestanden habe, es die Behandlung gewesen sei, die Fräulein Olga Molitor in dem Karlsruher Hau- Prozesse erfahren hat. Dr. Varenhorst benutzte die Ge­legenheit zu einem Antivivisektionskolleg, dessen drastischer Vortrag wiederholt Stürme der Heiterkeit entfesselte. Die Verhandlung wird morgen weitergeführt. Die Freisinnigen kamen noch nicht zu Wort.

parlajmcntarifcfyes aus Hessen.

Vom hessischen Verein für Frauenstimm­recht ist der Zweiten Kammer eine Vorstellung zur Wahl­rechtsvorlage zugegangen, in der die Ausdehnung des ilandtagswahlrechts auf die Frauen verlangt wird, damit das Wahlrecht auch in Wirklichkeit ein gleiches werde. Der Vorstellung ist eine Begründung beigegeben, die die m8aBBBaBaB«aiMBT"ivwiwiinii u ie

(9. Jahrhundertfeier der Hermannsschlacht.

In Nr. 58 des G. A. wurde schon einmal darauf hin­gewiesen, daß im Sommer des laufenden Jahres Kleists Hermannsschlacht" auf einer Naturbühne in der Nähe von Gießen zur Erinnerung an die Befreiungsschlacht im Teuto­burger Walde von Liebhabern aufgeführt werden wird. Und in doppelter Hinsicht ist das Jahr 1909 für die Hermanns- ichlacht bedeutsam. Einmal ist es das Jahr der 1900. Wieder­kehr der Schlacht; und bann sind jetzt gerade 100 Jahre verflossen, seit Kleist sein Drama veröffentlichte.

Heinrich von Kleist ist nicht dec einzige Dichter, der die Schlacht im Teutoburger Walde in einem Drama behandelte. Neben ihm haben sich noch vier andere Dichter, Grabbe, Greif, Klopstock und Schlegel daran versucht, allerdings in drama- lischer Hinsicht nicht mit dem gleichen Erfolg wie Kleist. Die Werke von Klopstock und Schlegel tragen den Stempel der llnvollkommenheit an sich; sie haben zwar mit künstlerischer Begeisterung den Stoff ergriffen, vermochten ihn aber nicht aus der epischen Breite herauSzuheben. AuS dem geraden Gegenteil ist Grabbes Werk für die Bühne unmöglich ge­wesen, wenngleich die Art, wie er den Stoff behandelt, von Hoher dichterischer Kraft zeugt. Das Werk Greifs ist ein Jugendwerk, das der Dichter selbst nicht weiter veröffentlichen sollte. So bleibt als einziges Bühnenstück das Kleiftsche Drama und dieses ist auch besonders für die Naturbühne geeignet Da die meisten Szenen im Freien spielen, ist die Illusion »iel leichter als auf einer geschlossenen Bühne. Die Dar­stellung kommt der Wirklichkeit näher. Und wo können wir un§ den echten Germanen anders als im freien Wald denken? Der Wald ist seine Heimat, sein Element. Echt germanische Charakterbilder werden oor uns entrollt. Wir sehen die e:roa§ unbeholfenen, ehrlichen Kraftgestalten der Germanen, nide von einem großen Gedanken beseelt und alle gewillt zu kämpfen und zu fallen für ihr großes Ideal, die Freiheit. Wir sehen ihren Fürsten, der nur im Verkehr mit seiner Familie seine Gedanken an Befreiung und Rache ausschaltet. Wir sehen im Gegensatz zu den Germanen den feinen, ver­schlagenen Salonrömer. Ueber uns rauscht der Wind in den

schon in der letzten gleichartigen Vorstellung angeführten Gründe für diese Forderung wiederholt.

Abg. Köhler hat eine Anfrage wegen des Peti­tionsrechtes der Beamten der Großh. Obstbau- schule Friedberg an die Regierung gerichtet. Danach hat der Direktor der Obstbauschule den Beamten ein vom Direktor Dr. v. Peter 1897 entworfenes Schriftstück vor­gelegt, dessen Schlußsatz lautet:Nur unter der Voraus­setzung dieses dienstlichen Taktes ist dem einzelnen Beamten die Nebentätigkeit in dem Obstbäuverein und der Obstver- wertungsgenofsenschaft zugewiesen worden, welche ja leicht Veranlassung werden kann, im auswärtigen Dienst gegen­über anderen Behörden, Abgeordneten oder Privaten persönliche Kritiken laut werben zu lassen oder sonst über bie Verhältnisse der Anstalt Mitteilungen zu machen."

Nach Ansicht des Anfragestellers widerspricht dieser Satz dem Artikel 1 des Gesetzes vom 16. März 1848, nach dem alle Beschränkungen des Petitionsrechts aufgehoben sind. Es wird gefragt, ob der Regierung das verfassungswidrige Vorgehen der Direktion der Obstbauschule bekannt ist und welche Maßregeln sie zu ergreifen gedenkt, um dem Vorgehen der genannten Direktion in Rektifizierung des Geschehenen und in Vorkehrung gegen gleiches im kommenden zu be­gegnen.

R. B. Darm stad t, 23. April. Der Finanzaus­schuß der Zweiten Kammer war heute wieder bei­sammen und genehmigte die von den einzelnen Referenten verlesenen Ausschußberichte.

Pfarrer Koren in Lollar. ii.

(Aus der Diskussio n.)

Als erster Diskussionsredner in der vorgestrigen freisinnigen Versammlung in Lollar sprach Prof. Luley aus Gießen. 'Er hob zunächst hervor, daß es eine schwere Aufgabe sei, nach einem so gewandten Redner zu sprechen, wie Korell; auch sei seine politische Vergangenheit viel kürzer und er habe nicht die politische Uebnng, wie Pfarrer Korest. Er müsse aus diesen Gründen nm Nachsicht bitten. Korell hpbe in seiner Rede allerlei Mätzchen vorgebracht, er, der Diskussionsredner, aber wolle in ernsterer Weise sprechen. Dem 1. Teile der Rede Korells könne er fast ganz zustimmen. Er freue sich, daß weite Kreise des Volkes sich jetzt aufgerafft hätten und sagten, daß die Reichsfinanzreform eine nationale Pflicht fei. Aber Korell habe geglaubt, daß bei: Libera­lismus es erfordere, zu versuchen, bei dieser Gelegenheit neue Volksrechte herauszuschlagen. Die Regierung fordere die neuen Steuern doch nicht für sich, sondern für das Volk. Darum dürfe die Finanzreform auch nicht als Handelsobsekt betrachtet werden. (Zwischenruf: Wie soll das geschehenIch nehme, so fuhr Redner weiter fort, die Anerkennung Korells 'an, daß unsere Partei f ü r die Reichs- Vermögenssteuer eingetreten ist. Es ist so, daß in einer jeden großen Partei einzelne Mitglieder in ihren Meinungen von einander abweichen. Wir in Gießen haben uns so gestellt, daß wir Propa­ganda machen für die Nachlaß- ober Erbanfallssteuer. Nach kurzen Bemerkungen über bie Wemsteuer hob Pros. Luley hervor, baß die Nationalliberalen bie Tabakbanderolensteuer gleichfalls ablehnten, weil sie an kleine Betriebe gar zu große Anforderungen stelle. Bezüglich der Branntweinsteuer wollten auch die National- liberalen die Liebesgabe nach und nach abschaffen, weil die kleinen Brenner sonst schwer geschädigt würden. Die Kohlensteuer lehnen die Nationalliberalen gleichfalls ab. Es ist eine alte Forderung unserer Partei, so führte Redner weiter aus, das Reich finanziell se l b stä n d i g zu machen. Auch Redner ist der Meinung, daß diese Finanzreform lelbstverständlich nicht die letzte sei. Wir werden auch dann, so fügte er hinzu, einen Teil der

Gelder auf dem WeZe direkter Besteuerung bewilligen. Die Ber- hälmisse sind nicht io, daß wir abrüsten können. Redner führte verschiedene eigene Beobachtungen von seinem Aufenthalte in Frankreich und aus seiner Lektüre an, um darzu­legen, wie dort noch immer ber Haß gegen Deutsch­land genährt werde. Professor Luley ging dann auf die von Pfarrer Korell berührte Sozialpolitik näher ein. Es wird unserer Partei, so sagte er, vorgeworfen, daß sie nicht genug Sozialpolitik getrieben habe, aber unsere Partei hat früher Sozialpolitik getrieben als die Freisinnigen. Redner sieht eine große Gefahr darin, daß die Sozialdemokratie dm Massen weis­zumachen versuche, daß der große Kladderadarsch nahe sei. Wir dürfen nicht verkennen, daß die Sozialdemokratie eine Gefahr ist. Wir wollen zum einzelnen Sozialdemokraten nicht hochmütig herab- schauen, aber ihn auch nicht umschmeicheln. Persönlich ist Redner mit den Sozialdemokraten immer höflich umgegangen. Was die Block­frage angehe, so habe Korell gesagt, durch ihn ginge die Stoßkraft des Liberalismus verloren; Redner glaubt indessen, daß man wohl einen großen Teil der konservativen Elemente zu gemäßigter; Politik heranziehen könne, denn keine Partei stehe mehr auf dem Standpunkte wie vor 40 Jahren. Seit 1907 sind die Sozial­demokraten bei allen Nachwahlen zurückgegangen, (Korell: War immer so!) also ist ihre Stoßkraft zurückgegangen. Glau­ben Sie doch ja nicht, daß Sie die Sozialdemokraten zu sich herüber ziehen können. Redner erinnert daran, wie Barth und Gerlach, die ja noch weiter links ständen, als Korell, von den Sozial­demokraten mit Hohn und Spott überschüttet wurden. Auch froren sei als Jllusionspolitiker bezeichnet worden. Was das Verhältnis der Freisinnigen zu den National liberalen anlange, so sei es richtig, daß Fehler gemacht worden seien. Sicher aber fei es auch, daß Korell eine große Portion dieser Fehler gemacht habe. Die Nationalliberalen in Alzey-Bingen sind doch nicht die einzigen Nationalliberalen. Bei dem letzten Landlagswahl- kampse in Offenbach hat Korell seine Befriedigung über den sozial­demokratischen Wahlsieg ausgesprochen. Als 1906 bei der Auf­lösung des Reichstages allenthalben Wahlabkommen zwischest Frei­sinnigen und Nationalliberalen getroffen wurden, ließ sich in Hessen eigentümlicherweise nichts machen. Wir Gießener National- liberalen haben die Parteifreunde in Alzey-Bingen gebeten, für den Freisinn zu stimmen. Daß Justizrat Gutfleisch 1908 mit Dr. David zusammenging, ist der Anfang für die spätere große Spannung gewesen. Man hat uns Nationalliberalen in ver­schiedenen Kreisen, in Oppenheim, Worms, Grünberg ufiü. einen freisinnigen Kandidaten entgegen gestellt. Man ist in rücksichtsloser Weise gegen uns vorgegangen. Gutfleisch sagte in Worms, wir hätten ihm Vorschriften machen wollen, aber er handle nur nach seinem Gewissen, als wir gebeten hatten, der Freisinn möge in Mainz für uns eintreten. Ich erinnere ferner, daß man in Grünberg uns einen Kandidaten entgegengestellt hat. Ist nicht Elösser in schärfster Weise gegen uns aufgetreten. Wenn man in dieser Weise kämpft, dann ist ein Zusammengehen mit der Freisinnigen Partei schwer. Wir in Gießen hoben gewollt, mit dem Freisinn zusammenzugehen. Ich rufe Dr. Vogt, der hier anwesend ist, als Zeugen auf, daß i ch es war, der sich bemüht hat, daß beide liberale Vereine auch in Zukunft sufantmeitarbriten. (Ein Zuruf bestätigt das.) Es war aber Justizrat Metz, der da sagte, es bestehe ein zu großer Gegensatz zwischen ihnen. Ich machte dann einen neuen Versuch und schlug vor, daß die liberalen Vereine alle i/4 Jahre zu einer gemeinsamen Besprechung zu- sammenkommen möchten. (Zuruf: Sie persönlich haben es getan!) Ich war nicht der einzige, und wenn es nachher zur Spannung; kam, so ist es nicht meine Schuld, so liegt die Schuld nicht an uns. Wenn in einzelnen Kreisen, wie in Alzey-Bingen, Spannungen vorhanden sind, so hat das seine alten Ursachen. Korell muß wissen, daß sDr. Osann stricht nur teleplwnisch, wie er < Korell! behaup­tet, sondern auch bei seiner persönlichen Anwesenheit in Alzey emp­fohlen hat, nicht für das Zentrum zu stimmen. Greupners Schrift ist nur eine Rechtfertigung gegenüber den Angriffen, die auf ihn gemacht worden find. Man macht unserer Parteileitung Vorwürfe wegen ungenügenden Eingreifens in Alzey-Bingen. Aber der frei;innige Zentralvorstand in Berlin hat doch neulich nach Verden- Hoya geantwortet, daß er grundsätzlich nicht eingreife und

Baumkronen des deritschen Waldes und durch die Stämme fallen die Strahlen der Sonne Baldurs. Wir fühlen uns kaum als Zuschauer; wir denken uns hinein in die Zeit unserer Ahnen, erleben mit ihnen den großen Freiheitskampf und sehen mit unserem geistigen Auge Wodan und die Helden von Walhalla auf ihre Erdensöhne herabschauen, und die Walküren sich bereit machen, die im Freiheitskampfe ge­fallenen Krieger einzuführen in die lichten Räume des un­endlichen Himmels .... R. K.

Die Jungfrau von Orleans ist eine Italie­ns r r n! Es ist keine ganz neue, aber eine nur wenig bekannte EntdeArng, daß das Heldenmädchen aus Tomremy, das dem König Karl VII. sein, Reich gerettet und zuruckgegeben hat, feine Voll­blutfranzösin, sondern die Tochter einer nach Frankreich einge­wanderten italienischen Familie war. Diese schon am Anfang des 19. Jahrhunderts von verschiedenen italiem;i':en Geschichts­schreibern. mit glaubhaften Belegen unterstützte Behmcptung wird jetzt anläßlich ber Seligsprechung von verschiedemn Seiten wieder aufgenommen und in umfassender Weise begründet. Ein Engländer Stuart Glmnie und ein Italiener Ameviev eearlath hoben neuer­dings alles, was sich von alten Quellen und neuen Funden zu­gunsten dieser Annahme beibringen läßt, gesammelt, und.die ge­samte italienische Tagespresse verzeichnet der Köln. Ztg. zufolge, ihre Ergebnisse mit begreiflicher Genugtuung. Im wesentlichien handelt es sich um Aufzeichnungen der Familienchronik der Ghis- lieri aus Bologna. Danach wäre im Jahr? 1401, als die Ben- tivoglios Herren von Bologna wurden, ein Ferrante Ghislieri, der zu der. unterlegenen Gegenpartei gehörte, aus seiner Vaterstadt geflohen n. hätte sich in dem französischen Flecken Dornremy nieder­gelassen. Um sich desto sicherer der Verfolgung seiner fiegreiefcn Feinde zu entziehen, habe Ferrante seinen Familiennamen. in D'Areo umgeänbert. Dieser Namens'.vechsel lag nahe, denn das Wappen des edeln Hauses Ghislieri bestand in einem goldenen Bogen (-Arcv^ mit dem Spruch Fac bonum. Tie jüngste Tochter von Ferrante D'Arco und feiner Gattin Isabella war Johcnma, die schon ihrer Abstanunung mich nichts Bäuerisches oder Niedriges hatte, sondern als Tochter eines adeligen Streiters mit höfischen Sitten und einer besseren Bildung ritterliche Neigungen und hohen Mut verband. Auf diesen Ursprung des Heldenmädchens, der sehr wohl zu ihrem Auftreten und ihren Taten paßt, spielte auch eine französische Dichterin des 17. Jahrhunderts, eine ge wisse Claudine Brunaud, in einem Gesang an die Pueelle an, wo sie ausdrücklich vorn Vater Fevrant, der illustre noblesse und dem sang de Ghisilier spricht. Eine neuere Entdeckung wird nun als

Bestätigung dieser alten Ueberlieferung ins Feld geführt. Vor zehn Jahren fand man bei Erneuerungsarbeiten im Tom S. Petronio zu Bologna auf dem ersten Pseilev links uhter einer späteren Tünche verborgen ein Fresko der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, das die jugendlich Heldin in der herkömmlichen öarm darstellt, gerüstet in Männerlleidung, mit fliegenden Locken, in der Hand das Banner mit dem roten Kreuz auf weißem Feld haltend. Dieses Fahnenbild ist nichts weniger als gleichgültig. Die Fahne der Jungfrau von Orleans zeigte tatsächlich nicht das Lilienwappen des französischen Königs, für den sie ins Feld zog, sondern das tote Kreuz in weißem Feld, und dies ist auch das Wappen von Bologna. .Das Fresko in der Bologneser Kathe­drale wäre danach folgendermaßen zu verstehen: Die Erinw.riurg an die Ghislieris und an die Heldentaten ihrer Tochter in Frankreich war in der Vaterstadt noch lebendig, als das Bild auf den Pfeiler gemalt wurde; um 1450 ließ König Karl VII. den Hexenpwzeß der Pueelle einer Revision untergeben, deren ©rgebniä die Anerkennung ihrer Unschuld war, und dieses Er­eignis begingen die Bologneser freudig durch die Anbrnwung ihres Bildnisses im Dom der Heimatstadt. Wenn ein vorsichtiger Historiker vielleicht noch nicht völlig überzeugt ist durch die obigen Ausführungen, so muß man immerhin anerkennen, daß sie vieles für sich haben.

-Aus Ibsens Nachlaß Die Kopenhagener Zeitung Politiken hat einige noch unveröffentlichte Arbeiten von Henrik Ich en zum Mdruck gebrach:. Alle stammen aus einem Fuoend- Manuskripte, das lange verschwunden wär; in die für den! Derbst vorbereitete Ausgabe von Ibsens literarischem Nachlasse werden die Sachen gleichfalls ausgenommen werden Die erste dieser Arbeiten fit demTag" zufolge eine Novelle aus dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts, die den Titel führt: Der Gwanaene Witifet Abschnitt UM.

tafit ba» erftc h)M her d-U Wkchrhnt nnchtrz-rhltcu Erzählun<! unbempM dcs itodteiL Ter Stil d-r Urb-tt gcht über bal übliche Niveau romantfich-hfitorstcher Nvvellfitik nicht hinaus ^n- teresianter sind drei kleine Gedichte Ibsens, die die Beröffent- ficchmg vervvllstandwen. Das erste richtet er im Mai 1856 öon der Reste an seine Braut Susanne Thorrfen. "Ast seine Schwägerin Lophre horesen hat Ibsen im April 1857 ein Kvn- firmatwnsgedicht gerichtet.

^i-^?s/^"^bronik aus Kunst und Wissenschaft, T e . d e st 'Piel e MI Harzer Bergtheater sollen am 4. puni in diesem Jahre nut derHermannsschlach t" von Kleist beginnen. Die Berliner Stadtverordneten-Versammlunq übertrug -udwig H o sfma n n die Weiterbearbeitung der vom Messel begonnenen Museumsbauten.