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23.6.1909 Erstes Blatt
 
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PK 5

Erstes Blatt

159. Jahrgang

Mittwoch 23. Juni 1909

Die heutige Nummer umsatzt 10 Seiten.

Form zu akzeptieren.

rikal-tonservative Mehrheit die verlangten 500 Millionen

dankbar ist.

Karl Neurath.

der Bühne genommen. Sie sang r von Sevilla" mit der ganzen

Sembrich Abschied von

Nr. 144

Der Otthener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich KietzenerZamilienblätter;

Berliner Musikbrief: Marcella Sembrichs Abschied van der Bühne. Man schreibt uns aus Berlin unterm 22. d. M.: In der Gurw-Qper hat gestern Marcella

Kreta.

WieJeni Gazetta" meldet, hat die Pforte an die Schutz- Mächte eine Note gerichtet, in der sie erklärt, daß die Äreteü oder Griecl-enland im Juli, wenn die Mächte ihre Truppen und Schiffe zurückgezogen hätten, wahrscheinlich eine Attwn zwecks Annektierung un'emehmcn würden. Linen solchen Schritt werde die Pforte aber niemals gestatten; nötigenfalls werde sie selbst vor einer Kriegserklärung nicht zurückschrecken. Gleichzeitig erklärte sich die Pforte bereit, über die Autonomie der JuseÜ

parlamentarisches.

md. Tie W a h l p r ü s u n g s k o in in i s s i o n des Reichs- k^ages kam heute zu einer Entscheidung über die Wahl des Adg. Sievers (Nall., Lüneburg-Vinsen-Bleckede). Die. Wahl wurde beanstandet und Beweiserhebung beschlossen.

Line Rede der Kaifers.

Anläßlich der Segel-Regatta auf der Unterelbe hat her Kaiser in einer bemerkenswerten Rede die politische Lage behandelt. Die Rede des Kaisers auf dem Dampfer Deutschland" der Hamburg-Amerika-Linie bei Altenbruch lautete:

Meine verehrte Magnifizenz! Ich bitte Meinen herzlichsten und gerührtesten Dank entgegennehmen zu wollen für die freund­liche Begrüßung im Kreise Mir gleichgesinnter und wohlbekannter Männer. Es war in der Tat für mich ein schwerer Gewissens­kampf, als Ich zwischen Meine Pflicht und Mein Vergnügen auf der Elbe und in Hamburg gestellt wurde, evtl, die Freude, der Gast der Homburger sein zu dürfen, aufgeben zu müssen. Aber es verstand sich von selber, daß der Wohlfahrt des Reiches gegenüber persönliche Wünsche zu schweigen hatten, und schweren Herzens entschloß Ich Mich daher, die Nachricht nach Hamburg gelangen zu lassen, daß es Mir wohl nicht möglich sein würde, Ihr Gast zu sein, und an den sportlichen Unternehmungen teil­nehmen zu können. Glücklicherweise haben sich die Verhältnisse günstig gestaltet. Das Mir vom Bulkan gelieferte Schiff, das Sie alle kennen. Meine JachtHoheuzollern", hat ihren alt­bewährten und guten Ruhm von neuem wieder wett gemacht. Wir haben Uns beeilt und sind durch die Ostsee geflogen. Und was sie nicht beenden konnte, das besorgte die Eisenbahn, und so war es Mir denn möglich, zu diesen schönen Veranstaltungen des Ham­burger Renntages rechtzeitig eintreffen zu können, und so wieder in den Kreis der Mir so befreundeten und so sympathischen Männer und Jrauen zu treten und zu gleicher Zeit auch den Wünschen von Eurer Magnifizenz entgegenkommen zu können.

Der heutige Tag verpflichtet Mich zu innigem Danke der Stabt« Hamburg für ihren warmen und herzlichen Empfang, der sich wo­möglich von Jahr zu Jahr steigert, wenn das möglich wäre, für die Gastfreiheit in dem Heim Euerer Magnifizenz und nicht zuletzt für das schone Fahrzeug, das Mir eines Hamburger Meisters Hand geliefert, irachdem Ich schon seit Jahren strebe, daß auch in dem Jachtbau wir auf eigenen Füßen stehen, wie im Kriegs- schissbau und wie im Dampferbau. Von deutschen Händen gefügt, aus deutschem Material geboren, und von deutschen Männern von der Waterkant besetzt, ist es ein würdiges Fahrzeug, das, wie Ich hoffe, auch noch in diesem Jahre im Auslände sich gut -eigen und gut abschneiden wird. Wir treiben hier Sport und keine Politik: Eure Magnifizenz haben aber die Güte gehabt, die Punkte zu berühren, die aller Deutschen Herzen jetzt bewegen. Ich hoffe immer noch, daß der Gemeinsinn in unseren Volksoer tretern sich über hem Parteisinn Bahn brechen wird, da Ich doch axv nehme, daß niemand unter ihnen die Verantwortlichkeit auf seine Schultern nehmen wird, das Scheitern einer für unser Vater land nach Innen wie nach Außen unumgänglich notwendigem

stellerisch hatte die Künstlerin einen großen Erfolg. Mit geistreichem Spiel verband sich eine gefällige Gewandheit zu schönster Wirkung. Darstellerisch bot auch Willy Schwind eine sehr ansprechende Leistung, aber seine stimmlichen Mittel sind bei aller Schönheit doch beschränkt, was umso stärker hervortrat, als sich das Orchester unter Alfons Mourots Leitung nicht immer anzupassen wußte. Bruno Hildebrandt brachte die unglückliche Figur des Rosillon zur bestmöglichen Geltung und Grete Brill war als anständige Frau so nett und lieblich wie kürzlich als Daisy. Richard Hel sing als Zeta, der auch die Bühnen­leitung mit großer Gewcmdhett führte, und Edgar Pauly als Rjegus hatten tadellos Maske gemackst und boten ohne große Uebertreibungen recht glückliche Leistungen. Vor­züglich hielt sich der Chor und auch die von Lina Old ini sehr gut geleiteten Tänze sind aller Anerkennung wert, so daß im ganzen eine sehr gut ausgearbeitete und erfolg­reiche Vorstellung zu stände kam, für die die Bevölkerung der tüchtigen Leitung des Theaters auch offensichtlich

zweimal roöcf)entLKtei$: blatt für den Kreis Siehe« (Tienstag und Freitag); zweimal monatl. Land­wirtschaftliche Zeitfragen

Gieszener SfaMtyeater»

Die lustige Witwe.

'Operette in drei Akteur von B. Leon und L. Stein. Musik von Franz Lehär.

Schillers sämtliche Werke haben alles in allem dem -Dichter und seinen Nachkommen dreihunderttausend Gulden ettiaebracht. Schiller selbst hat hiervon ungefähr vrerund- zwanziqtausend Gulden erhalten. Die lustige Witwe aber hat ihren Vätern iirnerhalb dreier Jahre wett über sechs Millionen Mark verdient. Ein schneidender Gegensatz, dem es aber nicht an einer gewissen Romantik fehlt. Die beiden Verfasser haben dabei allein über vierhunderttausend Mark eingenommen. Das ist fast soviel rote Schillers Werke über­haupt getragen haben. , rr

Vor allen Dingen ist das natürlich das oder besser noch der Verdienst des Tonsetzers, der mit seinen faßlichen, liebenswürdiq-harmloseii Melodien einen unglaublichen Er­folg errungen hat. Aber auch die Verfasser haben daran Lett. Vor allem ist es wohl der Charakter dev offenherzigen Danilo, der die Frauen begeistert hat und 1somit den Sieg be§ Werkes errungen hat. In manchen Städten wurden ine Darsteller dieses ehrenhaften, schneidigen Schelmen aeradezu verhimmelt. Und das Romantilche, das von jdjer 'ine Räuber zu Halbgöttern gemacht hat, hat auch hier seine Wirkung nicht versagt. Vornehm, verarmt, schon, faul, von liebenswürdigstem Benehmen und sieghafter Keck­heit, nachts bei den leichtherzigen Werbern von Maxim tber in den Salons vornehmer Frauen - das ist der Held, gewiß nicht das Ideal emes Mannes aber trotze dem begehrt. Daß er zu einem Liebling der Frauen ge­worden ist, hätte neben den sozialen GeftchtsMnkten «euch ein großes psychologisches Interesse, wenn die Ver- Wr es weiter verarbeitet hätten, als es-zu einer fen- abnenholen und heiteren Wirkung notwendig ist. So äst nur der äußere Schein maßgebend urrd die ganze An­teilnahme bleibt lediglich eine harmlose ^chiuarmerer.

Auch gestern verfehlte die Aufführung ihre Wirkung flächt; sie war gut und eingehend vorbereitet und hatt teilweise ganz prächtige Bühnenbilder zu wege ^gebracht. Besonders der zwette Akt war ausgezeichnet aus gestattet. Tuch die Darstellung war auf einer erfreulichen H oh - Kränzi G r o ß k o p f verstärkte den günstigen Eindruck, oen jie als Dotlarprinzessin gemacht hatte, um eut bedeutende^ kÄas Viljalied gelang ihr ausgezeichnet, ^uch rern dar

Aus dieser Meldung geht, wie man sieht, recht deutlich hervor, daß die ganze Aktion eigentlich gegen Bülow ge­richtet ist, dem der Kaiser nach der letzten Reichstagsrede ein Glückwunschtelegramm gesandt hat. Aber was ficht es die' Konservativen an, daß der Kanzler noch immer das Ver­trauen seines kaiserlichen Herrn hat. Ja dieses Vertrauen ist es gerade, das die Konservativen und das Zentrum nun schon seit Monaten zu untergraben suchen; aus alle erdenk­liche Weise. Nun haben sie zum Hauptschlage ausgeholt.

Mit welcherlei Mitteln man arbeitet, um im Lande Mißtrauen zu säen und die eigenen Pläne zu verdunkeln, lehren die immer wiederkehrenden falschen Gerüchte über die Haltung der Nationalliberalen. DieNat- Ztg." sieht sich nun genötigt, diesen Gerüchten wieder einmal ein Dementi entgegenzustellen. Das nationalliberale Partei­organ schreibt: Es gehen durch die Presse immer wieder Nachrichten, die es als möglich oder gar als wahrscheinlich hinstellen, daß die Nationalliberalen am letzten Ende sich zu der neuen Mehrheit schlagen würden. Es ist nach all den letzten Kundgebungen der nationalliberalen Partei und der Reichstagsftaktion verwunderlich, daß ernsthafte Politiker diesen Vermutungen Glauben schenken können. Um end­gültig diesen irreführenden Nachrichten den Boden entziehen zu können, teilen wir mit, daß die n a ti o n a 11i b c r a I e Fraktion des Reichstages einstimmig be­schlossen hat, für den Fall der Ablehnung dev Erbanfallsteuer, der heute einzig möglichen allgemeinen Besitz st euer, den Finanzreform­plan der Mehrheit in allen feinen Teilen ab- zulehnen.

Dieses harte und entschlossene Nein von nationallibe­raler Seite berührt außerordentlich sympathisch. Vi.lleicht erkennen die Konservativen nun noch in letzter Stunde, daß es nicht grtt gewesen ist, den Bogen dermaßen zu über- fpannen. Ein Rücktritt Bülows im jetzigen Augenblick würden wir sehr beklagen, aber es ist ja auch noch fein rechter Grund für einen solchen Rücktritt vorhanden. Die Regierung ist bisher festgeblieben, sie sollte auch die weiteren Konsequenzen nicht scheuen. Warum nicht schließlich auch eine Auflösung des Reichstages? Sie würde doch endlich Klarheit bringen. E. A.

Hause, so lange sie nnb Francesco d'Anorade als Figaro auf der Szene standen. Von den anderen Mitwirkungen aber wandte sich das Publikum, das den großen Saal bei Kroll bis auf den allerletzten Platz gefüllt hatte, mit Schau- fcern ab. Im Orchester wurden Tempi genommen, die die herrliche, unvergänglich schöne geniale Musik desBar­bier" vollständig verzerrten. Es ist recht peinlich, daß Mar­cella Sembrich so traurige Erinnerungen an den letzten 2lbcnd mttnehmen muß, an dem sie auf den Brettern ge­standen hat.

Ein frohes Ereignis im spanischen Konigshause.

Die Königin von Spanien ist gestern früh, wie bereits tele­graphisch gemeldet, aiif- Schloß La Granja von einer Tochter entbunden worden. Die Botschaft von der Geburt einer Prin­zessin wurde der Hauptstädtischen Bevölkerung gestern früh durch neunzehn Kanonenschüsse mitgeteilt. 20 Minuten nach der Ge- burt trafen der Kabinettschcs und der Justtzminister per Auto­mobil bereits im Schlosse La Granja ein. Um> 7 Uhr zeigte der König die Prinzessin den in den Vorzimmern versammelten amt­lichen Personen und nahm deren Glückwünsche entgegen. Die junge Prinzessin hat blondes Saar und ist etwas schwächlicher als ihre beiden Geschwister bei der Geburt waren. Tie Freude! der königlichen Familie ist um so größer, als man sich öl (gemein eine Prinzessin gewünscht hatte. Der König bekundete seine Freud« durch ein Amnestiedekret, das eine Reihe von Personen begnadigt, und die Strafe anderer cherabsetzt.

KolLtische Sagessehari.

Die Krisis in Ungarn.

Der -ungarische Ministerpräsident Wekerle wurde gestern vom König Franz Josef in Wien in Audienz empfangen. Wekerle erbat die endgültige Lösung der Krise auf der Grundlage, daß gegen die Gewährung nationaler Zugeständnisse vom Reichstage die neuen militärischen Forderungen bewilligt werden sollten. Ter König lehnte diese Lösung der Krise ab. Der Ministerpräsident bat darauf um endgültige Entlassung des Kabinetts. Der iüinig drückte den Wunsch aus, das Kabinett möge die Geschäfte noch . einige Tage weiterführen. Wekerle kehrte nach Budapest zurück.

Mißstände in der französischen Marine.

Journal" teilt mit, daß am nächsten Donnerstag der Bericht der Marine°Untersuchungskoinmijsion durch den General-Bericht- erttatter Henry Michel der Rammet zugeüetlt werden wird. Tas genannte Blatt ist bereits in der Lage, die Hauptpunkte des Be­richtes zu veröffentlichen. Die Untersuchungs-Kommission stellt darin fest, daß bezüglich der Artillerie den durch die Katastrophe an Bord des SchlachtschiffesJena" verursachten ausdrücklichen Wünschen der Kammer keinerlei Rechnung getragen worden ist, daß ferner die Munilionsbestande noch immer nicht ergänzt worden sind. Bezüglich einiger Geschütztypen hat die Untersuchung un­glaubliche Tatsachen zutage gefördert. So sind z. B. Bestellungen von 350-Millimeter-Geschützen gemacht worden, ohne das Modell einer Probe zu unterziehen. Die Verdingungen der Panzerschiffe erfolgte vielfach, ohne daß die Pläne fertiggestellt waren. Tie Jolge davon war, daß schon während des Baues umfangreiche Abänderungen vorgenommen werden mußten. Die Industriellen, die für die Staatsmarme lieferten, bildeten ein Syndikat, das der Alarineverwaltung erhöhte Preise diktierte. Bei der Verdingung der Panzerplatten für die letzten Panzerschiffe hatte bereits vorher jede der in Betracht kommenden fünf Firmen ihren Typ gewählt und die Preise in diesem Sinne ausgestellt. Frankreich, das bis 1911 sechs Schiffe vom Typ desDanton" haben soll, besitzt bis heule noch nicht ein Trockendock, das eines dieser Schiffe auf­zunehmen vermag. Der Bericht schließt mit der Ansicht, daß alles reorganisiert werden müsse, und zwar von Grund an§.

die Rosina imBarbier von Sevilla" mtt der ganzen großen Kunst, die ihr zn eigen ist, mit der darstellerischen Lebendigkeit, die ihre Darbietungen allezeit so interessant und fesselnd gestaltet haben. Ten Gipfelpunkt ihrer gestrigen Leistung bildeten die Einlagen im dritten Akt. Sie trug den WalzerFrühlingsstimmen" von Johann Strauß, ein deutsches Lied non Riesz und eines der polnischen Lieder von Chopin vor. Es gab Blumen in Fülle, minutenlangen Beifall und eine herzliche Stimmung herrschte in dem

stets danach streben, soweit es in unseren Kräften liegt, mit Gottes! schließlich bereit finden werden, die 500 Millionen in dieser Hille für die Forderung und Wahrung des Friedens zu wirken.'^- 1------

(Andauerndes Bravo!> Unter diesem Frieden kann sich auch natürlich 'ber Sport in vollster Weise entwickeln. Und so leere >!>ch denn Mein Glas auf die gastfreie Stadt Hamburg und Meine Kollegen, die hier versammelt sind. Drei Hurra für die Stabt Hamburg und die Hamburg-Amerika-Linie öurra, Hurra, Hurra!"

vsr der Entscheidung.

Der gestrige Tag hat, nrie an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, zwei bedeutsame Mstimmungen gebracht: die Ablehnung der Erbanfallsteuer der Regierung tn der Kom­mission und die Annahme der Kotierungssteuer im Plenum. Die konservativ-klerikale Mehrheit ist also, ttrie vorauszu­sehen war, gegenüber der Regierung und der Linken Siegerin geblieben. Da drängt sich einem nun unwillkürlich die Frage cntf: Was nun? Zunächst hat nun aber die Abstimmung in der Kommission doch einige Klarheit gebracht und gezeigt, daß die Erbanfallsteuer im Plenum ooch wohl noch ein anderes Schicksal erfahren kann. Wäre jetzt eine neue Kom­mission gewählt wordcn, dann hätten die Freisinnigen eine Stimme mehr bekommen, die Polen eine verloren, und die Kommission hätte dann die Erbanfallsteuer angenommen. Bedeutsam ist auch die regierungstreue Haltung der Frei- konservativen.

Wie nun dieAnklamer Zeitung" aus sicherer Quelle mitteilt, haben die Konservativen so gut wie beschlossen, die Erbansallsteuer auch in zweiter Lesung abzulehnen, da nach den jüngsten Erklärungen der freisinnigen Frak ionsredner zurzeit keine Aussicht bestehe, daß der Linksliberalismus die 400 Millionen indirekte Steuern beioillige. Eine An­nahme der Erbanfallsteuer würde das Zentrum veranlassen, jede weitere Mitarbeit einzustellen, und damit wäre das Zustandekommen der Finanzresorm in dieser Session geschei­tert. Die Rechtsparteien seien aber entschlossen, den gefor­derten Mehrbedarf des Reiches unter allen Umständen noch in dieser Session sicherzustellen. Für die dritte Lesung habe sich Graf Schwerin-Mäwitz und andere der Erbanfall­steuer feindlich gesinnte Abgeordneten Vorbehalten, dieser Steuer .zuzustimmen, falls die Konstellation der Parteien sich bis dahin insoweit geändert haben sollte, daß nur durch die Annahme der Erbanfallsteuer die Lösung der Finanz­reform erfolgen wird.

Deutlicher noch, als in dieser Meldung, werden die Pläne Der klerikal-konservativen Herrschaften in berWiener Neuen freien Presse" verraten. Der Gewährsmann dieses Blattes soll ein hervorragender Parlamentarier sein. Für den Fall, so heißt es hier, daß es der Regierung wider Erwarten ge- : lugen sollte, die Erbanfallsteuer mit Hilfe der Linken zur Annahme zu bringen, wollen Zentrum und Konser­vative gegen die ganze Finanzreform stim- >n c n. Da nun aber, was wahrscheinlich ist, die Erbanfall- ieiier in der zweiten Lesung fällt, so wird vielleicht in der Dritten Lesung ein Mitglied des Zentrums eine Erbanfall- "teuer auf den mobilen Besitz beantragen, wogegen dann ine Wertzuwachssteuer für Grundstücke als eine vom immo- Dilen Besitz zu tragende Last zu gelten hätte. Auf diese Weise würden dann bei Schluß der dritten Lesung die kle-

Reform zu beranttoorten. iBravo!) Sie haben alle mit In terefie Meine Reise nach den Finnischen Scharen verfolgt, wo Ich so warme und gastliche Aufnahme seitens Seiner Majestät des 'Kaisers aller Reußen und der Leinen gefunden habe. Cs freut mich, in der Lage zu sein, gerade Ihnen als 53ertretern bei Handels- und Geschäftswelt, die Sie ein Interesse an der fried lieben Gestaltung der Zukunft> haben, das folgende über die Bc beutung des Besuches Mitteilen zu können. Seine Majestät bei Kaiser unb Ich sind bahin überemgetommen, paß unsere Zu sammenkunft als "eine energische Bekräftigung des Friebens auf zufafsen ist. (Lebhaftes Bravo Y ' Wir fühlen uns als Monarchen unserem Gott verantwortlich für bas Wohl unb Wehe unserer Völker, bie wir so weit als möglich auf friedlichem Wege vor tvärtsbrmgen unb zur Blüte enrporfiihren wollen Alle Völker Steuern barbieten und in d"n Kreien dieser Mebrbeit brauchen ben Frieden, um unter fernem Schutze Den großen parme.en uno m D.n stici|en öie|ei. JJcet)ipeit

Kultuixmfgaben ihrer wirtschaftlichen und kommerziellen Emwicke- rst man davon überzeugt, daß wenn auch nicht Fürst Bulow, ürng ungestört obliegen zu können. Daher werben wir beide so doch ein neuer Kanzler und der Bundesrat sich

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!.ür die Redaktion 112. Verantwortlich

Verlag u. Expebmon 51 < Axtf * ä- ** ben politischen Teil:

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bis vormittags 9 Uhr. «otattonsoruc! und Verlag der Vruhl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulftraße 7. C Heb; für den _________ _______ u Anzeigenteil: H. Beck.

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