Ausgabe 
21.10.1909 Zweites Blatt
 
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General-Anzeiger für Gderheffen

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Heer* und Llstte

Die Manöverführung bayeri

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DieGießener ZamlttendlStter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt fit den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die .Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche» Unwersuäts - Brich- und Steindruckerei.

R. Lange, Greben.

Redaktion, Expedition und 9)ruderet: Schul» ftraBC 7. Expedition und Verlag:

Redaktron:112. Tet.-Adr.:AnzeigerGießen.

lUdncs Feuilleton.

Ueber Lombrofos lohte Stunden veröffentlicht d er MailänderSecolo" solgende Einzelheiten: Ter Zustaird des kranken schien abends zu gar keiner Bernrrnhigung Anlaß zu geben. Trotzdem war die Tochter Gina mit ihrem Gatten Professor Guglielmo Ferrero ans Stresa herbeigeeilt. Lombroso >uchm in guter Laune am Abendessen teil und unterhielt sich mit qe- m-ohnter Geistesirisehe über verschiedene Gegenstände. Um 11 Uhr A ingen alle zur Ruhe. Gegen 2 Uhr bemerkte Frau Lombroso, daß itr Gatte von heftigen Herzkrämpfen befallen wurde, und i ei sänuntliche Angehörigen herbei; binnen kurzem waren beide Töchter und der Schwiegersohn am Sterbebett des berühmten Ge° Ithrten versammelt, der bereits das Bewußtsein verloren (Bitte. Aerztliche Hilfe war vergebens, und um 5 Uhr starb Lombroso.

Die Ausgrabungen in der Pfalz Karls des Großen zu Nied er-Jn gelheim, über die wir kürzlich schon berichteten, haben trotz des nicht immer günstigen Wetters bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Im ^aufe der verflossenen Jahre wurde eine ganze Anzahl Nicmerzüge aufgeoeckt, die bisher zum Teil nur vermutet, Mm Teil ganz unbekannt waren. So wurde unter an­deren eine kleine Apsis freigelegt, die parallel zu der Großen der Halle liegt. In ihr wurde noch der alte Estrich bloßgelegt. Äuch die Arbeiten in der großen Halle waren von Erfolg begleitet, Reste des Verputzes, auch solche mit .Spuren von Bemalung wurden gefunden: ebenso ein rö­mischer Inschrift stein von beträchtlichem Umfange, j Jedenfalls sind schon die bisherigen Feststellungen in - ohem Maße geeignet, unsere Kenntnisse von dem stolzen Dau in vielen Stücken zu erweitern und zu berichtigen.

Ein Paulsen-Denkmal in Berlin. Der Ausschuß zur Errichtung eines Paulsen-Denkmals hat ein- fsiimmig besck)lossen, die Ausführung des Denkmals dein ^kldhauer Erich S ch m i d t - K e st n e r zu übertragen. Es waren Entwürfe eingcgangen, von denen die lebensvolle ! Büste von Schmidt-Kestner, die Paulsen in der Vollkraft Heiner Jahre darstellt, zur Ausführung bestimmt wurde. Der junge Bildhauer, der dadurch vor die erste größere Aufgabe gestellt wird, hat sich schon mehrfach hervorgetan. Bor einigen Jahren erhielt er für eine lebensgroße Plastik .Schreitendes Mädchen" in Berlin und München die Gol- . stene Medaille.

der zerstreut vor sich hingeblickt hatte, nickt nun eifrig und mit einer erlösenden Naivität sagt er aus der Tiefe seiner Seele: Aber gewiß: das ist das Jahr, da ein Hahn von mir im Salon hing . . ."

Kleine Chronik aus Kun st und Wissenschaft. Der Klapper storch der Königi rt", eine satirische Komödie von Karl Boettcher, das die bekannten Vorgänge in Holland behandelt, hatte bei seiner Uraufführung in H a l l e a. d. S. einen starken Erfolg. Die berühmten Münchner Fresken Karl Rottmanns in den Hoigartenarkaden sollen gerettet werden. Eine Anzahl Münchner Künstler hat an die königl. Hof» verwaltnng eine Eingabe gerichtet. Tie Bilder müßten ausgebessert und an einem würdigen Platze ausgestellt werden, der weniger der Ungunst der Witterung ausgesetzt wäre. Bei Arbeiten an der Außenmauer der alten Pfarrkirche in Bozen wurden unter dem Mauerverputz alte Fresken entdeckt und bereits teilweise bloßgelegt. Ein großes Marienbild und darunter ein von einem Ritter ge­führtes Pferd mit einem Wappen konnten bereits ausgedeckt werden. Nach Ansicht von Fachleuten stammen die Fresken, die leider schon ziemlich hergenommen sind, aus der Uebergangszeit votn 13. ins 14. Jahrhundert. Im Pariser G y m n as e» Th e a t e r fand am Montag die Generalprobe des vieraktigen SchauspielsLa Rampe statt, das von dem bekannten Arzt und Millionär Henri de Rothschild versaßt ist. Die Heldin geht an dem unheilvollen Zauber der Kuliffen zugrunde. Der Anfang ist etwas matt, der Schluß zu fehr Theater, aber der zweite und dritte Akt, die geschickt gemacht sind, hatten starken Eriolg. Leutnant Shackleton ist am Dienstag in Brüssel angekommen. Er wird dort die Reihe der Vorträge eröffnen, bte er in den europäi­schen Hauptstädten über seine Forschungsreise halten will. Die zweite Vorlesung von Gerhart Hauptmann, die am Montag in Berlin stattsand, nahm wieder einen sehr anregen­den Verlauf. Ter Dichter brachte gestern seiner Gemeinde eine freudige Ueberraschung. Aus dem unvollendeten DramaD i e Wiedertäufer" las er am ersten Abend nur die Eingangs­szene, gestern auch die zweite, in der uns die Hauptperson des c-roß angelegten Dramas, Jan von Leyden, als Schneiderlein in der Werkstatt vorgeführt ivirb. Außerbem brachte er roieber das dramatische FragmentTel em ach" und einige Gedichte. In einer Versammlung von Vorständen deutscher Vogel­schutzvereine, die am 10. Oktober d. I. in Nürnberg stattgeiunben hat, haben sich ber Deutsche Verein zum Schutze der Vogelwelt, ber Bunb für Vogelschutz, ber Internationale Frauen» bunb für Vogelschutz unb ber Verein für Vogelschutz in Bayern zusammengejchlojjen.

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11 Oktober;

Die in Würzburg, dem Zentrum des letzten Kaisermanövers, erscheinende bauernbünolerische und sonst stets sehr parti- kularistische Neue Bayerische Landeszeitung bringt von

Hamburg und Heine. Der Hamburger Senat hat auf eine an ihn gerichtete Eingabe des Berliner Haupt­ausschusses für Errichtung eines Heine-Denk­mals in Hamburg mitgeteilt, daß er für dieses Denkmal einen Platz bewilligen wird, wenn von den vereinigten Berliner und Hamburger Ausschüssen ein hervorragendes und geeig­netes Kunstwerk angeboten wird und seine Aufstellung ge­sichert erscheint. Ter Hauptausschuß, der sich für die Aufstellung des von Herrn Campe erworbenen Korfuer Heine-Tenkmals nie­mals interessiert bat, ist mit dieser Antwort sehr zufrieden. Wie wir hören, verhandelt das Komitee mit Max Klinger, den es für die Herstellung des Momiments zu gewinnen hofft. Freilich ist die Summe von 50 000 Mk., die bisher hierfür gesammelt worden ist, noch ein wenig gering, doch wird es nun, wo ein Heine-Tenkmal auf deutscher Erde endlich gesichert erscheint, wohl an weiteren Spenden nicht fehlen. Das Komitee wird den Senat um einen Platz an der Alster oder noch lieber in der Nähe von Blankenese ersuchen. Gleichzeitig mit dieser erfreulichen Nachricht kommt aus Krefeld eine, die gegenteilige Gefühle wachrufen muß. Wie dieKrefelder Zeitung" nämlich mitteilt, sind Heines Werke aus dem öffentlichen Lesesaal ber Stadt- bibliothek entfernt worben. Früher ftanben sie ba neben allen anberen Klassikern bequem zur Hanb. Jetzt muß man Heines Werke erst bestellen und bekommt sie bann gegen eine Be­scheinigung wie in ber Apotheke bas Gift. In ber rheinischen Seidenstadt mit demfreien Selbstbestimmungsrecht" geschehen diese Tinge, seitdem bas Heine-Denkmal aus Korfuverwiesen" wurde II! I

Ei n vorgeschichtlicher Fund. Ein äußerst seltener vorgeschichtlicher Fund ist, wie dieHatberst. Ztg." mitteilt, iy einer Tongrube bei der Ziegelei von Bärecke u. Limpricht gemacht worden. Es handelt sich um einen Dinosaurier, der an 60 000 Jahre in der Erde gelegen haben mag. Ter riesige Schwanz des vorsintflutlichen Tieres mißt etwa 3 Dieter. Ter ebenfalls bloßgelegte Kopf erscheint im Verhältnis hierzu und zu den übrigen Teilen des riesigen Knochengerüstes etwas klein. Tas Gerippe wurde in einer Tiefe von 15 Metern entdeckt. Mehrere Fach­gelehrte von Ruf bemühen sich um die sachgemäße und schwierige Bergung des Fundes. Soldaten haben ein Zelt über der Fund­stelle aüfgebaut, die für das Publikum abgesperrt ist.

Der Künstler als Zeitgenosse. Eine amüsante Anekdote von dem kürzlich verstorbenen Maler V i 11 a i n wird im (Sri de Paris erzählt. Bei einem Äünftlerbiner kommt das Gespräch auf die schrecklichen Ereignisse des Krieges 1870/71; man gedenkt der verlorenen Schlachten, gefallener Freunde und des Wandels in Frankreich Geschick. Einer der Freunde wendet sich an Villain: Auch du, Villain, mußt dich noch an 1870 erinnern". Villain,

Hörde von sachlicher Notwendigkeit diktiert sei, ge­stärkt werden. Aehnlich liege die Sache gegenüber den Gemeinden, deren Autonomie in umfassender Weise besiehe und gefördert wer­den soll. Zur Handhabung des Reichsoereinsgesetzes wurde be­tont, daß die Verwaltungsbelwrde zwar das Recht zur Entsendung von Beauftragten in alte öffentlichen Versammlungen nach ober­verwaltungsgerichtlicher Entscheidung besitze, von diesem Rechte in allen Fällen Gebrauch zu machen jedoch nicht gehalten sei. Wenn dies in wichtigeren Fällen geboten erscheine, sei doch jede Erschwerung zu vermeiden.

Wir wünschten, es würden auch für das Großherzog­tum Hessen recht bald Gedanken und Vorschläge zu Ver­einfachungen in der Verwaltung gemacht werden. Ueberall prüft man jetzt aus Sparsamkeitsgründen, ob der Staats­karren nicht zu schwerfällig und überlastet dahinläuft, und da man in Darmstadt die großen Fehlbeträge in den Finanzen entdeckt hat, sollte man nicht säumen, in Ver­waltungsreformen mit den anderen Bundesstaaten Schritt zu halten. Vielleicht haben wirs noch nötiger als sie.

militärischer Seile eine sehr scharfe Kritik an der Ma» növerführung bayerischer Prinzen und fordert nichts we­niger als deren Abdankung beziehungesweise die Strei­chung der Offiziersgehälter der prinzlichen bayerischen Generale. Unter dem Hinweis auf die Behandlung der Prinzen von Griechenland wird erklärt, daß eine Remedur auch in anderen Staaten notche. Bei den letzten Kaisermanövern in Oesterreich und in Süd­deutschland habe die prinzliche Geburt als das Gegenteil des Befähigungsnachweises für Heerführung sich erwiesen. Der Umstand, daß auch ein adliger Korpskommandeur, Ge­neral von der Tann (drittes Korps in Nürnberg), seine Qualifikation als Feldherr in diesem Kaisermanöver nicht erbracht habe, ändere nichts an den schweren Bedenken, welche gerade der Verlauf und der Ausgang des letzten Kaisermanövers für die von den bayerischen Prinzen ge­ährten Heeresabtcilungen hervorgerufen habe. Gerade das zweite bayerische Korps, bei dem keine Prinzen ständen, hätte am besten abgeschnitten, und unter der Armeeführung des Generalobersten von Bock und Polach habe jeder die sichere Hand des Führers empfunden. Sein Geist und eine Schneidigkeit habe sich allen mitgeteilt, und es sei oorwärtsgegangen im Bewußtsein des Sieges.

politische Tagesschau.

Neue Verwaltunqsmahregeln in Sachsen.

Da man bei uns in Hessen wegen der schlechten Finanzen fu>ohl auch bald daran gehen wird, zu sehen, wie man die wwaltung vereinfachen kann, werden einige Aeußerungen b neuen sächsis chen Ministers des Innern, ü-itztum v. Eckstädt, von Interesse sein, die er am 'l.ontag in einer Besprechung mit den Minister ialdirek- iren und den Kreis- und Amtshauptleuten des Landes i etan hat.

Wenn auch jeder Amtshauptmann nach der Eigenart seines Sezirks tätig sein solle, so müsse doch die Verwaltung von einem? inheitliche.n Geiste burctybrungen sein, für dessen Wah- tiitg der Minister dem Lande verantwortlich! sei, weshalb er zur <:-nbaltuTtg allgemeiner Richtl inien aus bte Unter» i ibung der Penvaltungsbeamten zu rechnen habe. 'Ter Minister lorbertc dabei die Verwaltungsbehörden auf, Gedanken und So r schlüge zu notwendigen Vereinfachungen im Ge- i-ciä ftöVerfc fyr auf Grund der in der Praxis gewonnenen1 ^Nahrungen bis zum 1. April nächsten Jahres zu sammeln und in Konferenzen das Material für das Ministerium zu besprechen. ,Vinier führte der Minister aus, Wie er nicht die jedem Beamten t -:ol)cnbc Gefahr, in B u re au kra t is mus zu verfallen, ber» [utne, jedoch die Zuversicht hege, daß durch die Rücksichtnahme auif das gesteigerte Deldstbewutztsein: des einzelnen im Verkehr r iit der Behörde durch persönliche Fühlung und Gehör bewährter ,Interessentenkreise das Vertrauen in die Verwaltungsbehörden nvachsen und bann die ihnen gegenüber geübte Kritik zurücktreten! erbe. Am sichersten werde dieses Vertrauen' durch Gediegenheit >-.r Arbeit, Verständnis für die Bedürfnisse des Publi­kums und den Willen, nur der Sache zu dienen, erhalten und o.mf) die lieberzeugung des einzelnen, daß eine Handlung der Be-

iedischen emble

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Anfang 81 hieraus der U

von der zweiten hessischen Kammer.

R.B. Darmstadt, 20. Oft. Der Finanz-Aus- , chuß der Zweiten Kämmer hat l^ute vormittag feine iSnS über die Gemeindesteuerreform wie- | -,.r ausgenommen. In der unter dem Borfrtz de- Wg.

i prnliflrt abaedaltenen Sitzung fand eine eingehende Be- WerdiejüngstLuj Wunsch des Ausschusses von rer Regierung veranstalteten Probeveranlagungen statt, nachdem Abg. Molthan über die im Laufe des Sommers ' i!eu eingegangenen Zuschriften und Verstellungen. eiHelner i-wwerbsgruppen eingehend berichtet hatte. Bezüglich der jrobeveranlagungen wurde der Wunsch nach näheren Be- > ichnungen über die Wirkung der im Gesetzentwurf en^ Wtenen Steuervorschrnften geäußert, die mif des

kird) Ibic Proben gegebenen Matenals erfolgen sollen. Auch Mer die Veranlagung zur Gewerbesteuer wurde eingehend schattiert. Zu der nächsten Sitzung, morgen vormittag,

I Hit auch die Regierung eingeladen worden.

Ein N a ch t r a g zum Haup tv o r an sch la g für das ahr 1909 gibt bekannt, daß aus den Ueberschufsen der ' erwaltung ein Betrag bis zu 15 445 Mk. bereitestes wor- n>n ist, aus welchem entsprechend der von den Stande- l mwtern erteilten Zustimmung Unterstützungen an bie» | j, uigen Personen ausgezahlt werden sollen, die s. Z. durch !.m Rechtsanwalt und Notar Link in Dreburg rn »ssen Eigensckstift als Notar geschädigt worden sind Es sst chieht die Zahlung jedoch unter ausdrücklicher Meh- imina des Gedankens, daß die Regierung rechtlich zu diesen . Zahlungen verpflichtet sei.

R.B. Darmstadt, 20. Oft. Der Vorstand und b-ief Fraktionsvorsitzenden der Zweiten Kammer waren I stmte in Gegenwart des Staatsministers Dr. Ewald unter

-orsitz des stellvertretenden Präsidenten Korell zu einer . eratung zusammen, um sich über eine würdige Ehrung { 5 Präsidenten der Zweiten Kammer, Geheimrat Haas, r am 26. Oktober seinen 70. Geburtstag feiert, schlüssig . . machen. Eine Abordnung von Wgeordneten wird dem ».lbilar, dessen Befinden sich in letzter Zeit erfreulicher .- eise gebessert hat, die Glückwünsche der Ständekammern .derbringen.

Sauberkeit in den Gastwirtschaften.

Wir haben mit guter Absicht jüngst die Ge­richtsverhandlung erwähnt, die sich mit den Küchengeheim- nissen eines Weinrestaurants beschäftigte, obgleich sie sich nichtt in unserer Nähe, sondern in Berlin abgespielt hat. Zander hieß der famose Wirt (Bülowstraße 92), der nach Verdienst eine exemplarische Geldstrafe erhielt. Wir habest gehofft, der Vorgang möge abschreckend wirken, und lesen jetzt in einem Berliner Blatte, daß der Vorsitzende des deutschen Gastwirts-Verbandes, Ringel, zu der An­gelegenheit allgemeine Aeußerungen getan habe. Die Be­nutzung derselben Gefäße zum Abwaschen von Fleisch und Gemüse und zur Reinigung der Leibwäsche verdamme er unter allen Umständen. Herr Ringel soll aber dann weiter gesagt haben:

Nicht völlig geklärt schemt mir Nach dem! Prozeß- berickste die wichttge Frage, vb die Speisereste, die wieder neu serviert wurden, auch mit Recht zu beanstanden waren. In besseren Lokalen ist es allgemein üblich, daß die Speisen auf Platten serviert iDcrben. Der Gast läßt dann nicht selten Reste auf der Platte zurück, die mit seinem Messer unb der Gabel nicht in Berührung gekommen sind. Derartige Reste Serben wohl überall wieder anderen Gästen vor- gestellt, ohne daß darin etwas Verwerfliches gefunden werden könnte. Anders ist es allerdings mit dm Speiseüberresten, die der Gast auf dem Teller zurückläßt. Diese wieder neuen Gästen vorzusetzen, ist verwerflich."

Herr Ringel scheint es darauf abgesehen zu haben, den Gastwirtestand zu kompromittieren. Hoffentlich ver­fahren die meisten Wirte nicht nach seinem Rezept. Die Freis. Ztg.", in der wir den vorstehenden Bericht gefun­den haben, bemerkt dazu sehr zutreffend:

Wir wvllm nicht verhetz Im, daß wir in dieser Beziehung etwas anderer Meinung als Herr Ringel sind, und daß uns seine Aeußerungen in bezug auf diesen letzten Punkt sehr be. fremd! ich crfd'einen. Die Speisen, die die Gäste auf ber Platte zurückgelassest haben, anberen Gasten vorzusetzen, ist int seres Erachtens eine Un s außer ke it. Daß der erste Gast die Reste mit seiner Gabel oder Messer nicht berührt hat, ist eine vollständig irrige Ansicht, da es häufig vorkommt, daß man beim Essen von dem auf der Platte befindlichen Speisevorrat sich ein Stück abschneidet unb auf den Teller legt. Außerdem kann der Besucher einer Speisenärtschast, der meistens recht hohe Preise für die Mahlzeit bezahlm muß, verlangen, daß ihm frische Speism vorgesetzt werden, und nicht der Abfall von ber Mahlzeit eines anderen Gastes. Für den Wirt mag cs ja felyr rentabel sein, wenn er sich biefefben Speisen zwei-, dreimal, vielleicht auch noch öfter bezahlen läßt. 'Die Gäste aber werden Lokale, wo eine derartige Praxis herrscht, nach Möglichkeit meiben."

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kn. Gießen, 21. Oft.

Der Gießener Kr eisv er ein für Hessische Heimatpflege hielt gestern nachmittag im unteren Saale des Cafe Ebel unter dem Vorsitz des Geheimerats Dr. Breid er t eine öffentliche Versammlung ab, die einen guten Zuspruch aufzuweifen hatte. Der Vorsitzende teilte zunächst mit, daß sich der Oberhess. Trachtenverein auf­gelöst und sein Vermögen dem Meisverein in der Erwar­tung überwiesen habe, daß seine Bestrebungen auch von dem neuen Verein gefördert würden. Um dieser Er­wartung schon jetzt gerecht zu werden, sollen zwei Mit­glieder des ehemaligen Vereins in den Vorstand des Kreis­vereins gewählt werden, was von der Versammlung ein­stimmig gutgeheißen wird.

Hauptlehrer Storch-Butzbach besprach dann in längerer Rede die Bestrebungen und die Ziele des Vereins, indem er den großen Wert der Genossenschafts- und Dar­lehenskassen, der H aus ha 1 tun g ss chulen usw. betonte und eine planmäßige Ausgestaltuna der Wohlfahrtspflege auf dem Lande, wie K-ranken- und Säuglingspflege, Kinder­gärten, Jugendheime u. a. forderte. Den Wunderdoktoren und Quacksalbern müsse entschieden entgegengorrbeitet wer­den. Das leibliche Wohl der Jugend mässe durch Turnen und Spielen gehoben werden, für das geistige müßten Büchereien und Unterhalmngsabende sorgen. Die Spinn- stuben, die manckierorts in Verruf gekommen seien, sollten durch die Anwesenheit älterer Leute gebessert werden. Gute lDotksstücke gaben Anregung und seien von unendlichem Wert.

Wenn der Redner aber im Anschluß daran eine derartige Vorstellung vonAlt-Heidelberg" erwähnte, so muß daraus hingewiesen werden, daß dieses Stück, das allerdings viel Beifall gefunden hat, künstlerisch doch nicht geeignet ist, um wertvolle Ergebnisse zu erzielen. Wenn schon einmal Bühnenwerte herangezogen werden sollen, dann aber auch wirkliche Dichtungen und keine literarisch vollständig wertlosen Rührstücke. Es brauchen nicht nur Klassiker zu sein, man lasse auch die neuere!und die neueste Zeit zu Wort kommen. Anzengruber, Otto Ludwig, F. Raimund, von den älteren, eine gute Auswahl von Ganghofer, Schön'herr, Hauptmann, Halbe il a. voä den neuesten, verdienten vor Meyer-Förster u. Genossen entschieden den Vorzug. Da Alt-Heidelberg ja ebenfalls noch nichtfrei" ist, dürften die geldlichen Aufwendungen für unsere jüngsten Dichterwerke ia wohl nicht in Frage kommen. Diese Erklärung nur nebenbei, weil wir der An­sicht sind, daß das Beste nur eben gut fürs Volk ist.

Kassierer.

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Direktor: Profe«« Hoht ihere technlfche Lehrust ' Elektro- o. Muehineaiedti iderabtoihmpn für Ingro* Techniker u. Werkmeute. iktrou u. Much.-Laborttai Lshrfabrik-Werbtitto.

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Rr» 247 Zweites Blatt 158. Jahrgang Donnerstag 21. Oktober 1909

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