Ausgabe 
22.1.1909 Erstes Blatt
 
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Tagesordnung stehenden Beratungsgegeustände mehrfach mit sehr schwerwiegenden, das Wohl der Stadt und der Gesamtbürgerschaft tief berührenden Angelegenheiten be­faßte. Eingeleitet tourbe die Sitzung mit einer warmherzigen Kundgebung der Dankbarkeit für zwei Männer, die feit jetzt 25 Jahren hervorragend an der städtischen Verwaltung und dem Gedeihen des städtischen Gemeinwesens beteiligt waren: Beigeordneter Kommerzienrat Georgi und Stabtv Geh. Justizrat Dr. Gut fleisch. Oberbürgermeister Mecum wies mit Recht darauf hin, wie groß und be- deutungsvoll der Anteil ist, den beide Männer in selbst­loser Pflichterfüllung an dem Aufschwung der Stadt im letzten Vierteljahrhundert haben, und die ganze Bürger schäft geht mit dem Redner gewiß in dem Wunsch einig, daß ihre Mitarbeit und ihre hervorragende Sachkenntnis der Stadt noch lange erhalten bleiben möchte. Dr. G u t - fleisch glaubte in seinen mit tiefer Bewegung gespro­chenen DankeSworten seinen Anteil an dem Fortschritt der städtischen Verhältnisse wesentlich einschränken zu müssen. DaS entspricht zwar seiner Anspruchlosigkeit, nicht aber den Tatsachen und der verehrte Jubilar wird es ruhig hin- nehmen müssen, daß er auch fernerhin als einer der besten Männer der städtischen Selbstverwaltung bezeichnet werden wird. Dem anderen Jubilar, Dcig. Georgi, der durch Krankheit am Besuch der Sitzung verhindert war, imitben die Glückwünsche bes Kollegiums schriftlich übermittelt. War eS diese Ehrung zweier ihrer Mitglieder oder die noch nachllingende Neujahrsstimmung, in dem hohen Rate machte sich ein löblicl)er Eifer im Dienste der Stadt bemerkbar und was die Hauptsache und gewiß sehr erfreulich ist eS machte sich in den wichtigsten der besprochenen Frager, eine weitgehende Uebereinstimmung der Meinungen gel­tend, die für die Losung der zukünftigert Aufgaben der Stadt das Beste erhoffen läßt, und die bei den verfchicdenen Parteistandpunkten und den vielen stark ausgeprägten In dividualitäten in unserer Stadtverordnetenveriammlung ein sprechendes Beispiel dafür ist, wie die gemeinsame Arbeit im Dienste des öffentlichen Wohles versöhnend und aus- gleichen!) wirkt. Aus der Fülle der Gegenstände, die zur Beratung standen, seien zunächst die hervorgehobeu, die einen der wichtigsten Zweige der städtischen Verwaltungen betreffen, nämlich die Schule. Als erfreuliches Zeichen für die Entwickelung der Stadt, aber als unerfreuliches für die städtischen Finanzen ist der Beschluß anzusehen, daß zu Dftern die Klassen der Volksschule um je zwei für Knaben und Mädchen vermehrt werden. Damit rückt die Frage der Errichtung eines weiteren Volksschul­gebäudes in den Vordergrund und die städtische Ver­waltung ist gegenwärtig mit Erhebungen darüber beschäf­tigt, wo die neue Bezirlsfchule am besten zu stehen kommt. Die leidige Lehrmittclangelegenheit kam ebenfalls zur Er­ledigung und es ist nur zu hoffen, daß die vorhandenen Unstimmigkeiten mit dem Beschluß endgiltig beseitigt sind. Die Kosten für den Geländeerwerb der Nebenbahn Lollar-Londorf sollen nach einem Beschluß des Fried­berger Kreisausschusses zu einem großen Teil von Gießen getragen werden. Man beschloß, gegen diesen Beschluß mit allen zulässigen Rechtsmitteln anzukämpfen und auch die Sache im hessischen Stüdtetag zur Sprache zu bringen, damit die Auslegung des dem Urteil zu gründe liegenden Gesetzes in Zukunft in einer Weise geregelt werde, die eine so ungerechte und einseitige Belastung der Städte für Bahnen, an denen sie kein oder doch nur ein sehr geringes Interesse haben, ausschließt. Auch im Landtag soll in dieser Richtung gewirkt werden, doch verspricht man sich angesichts der Zusammensetzung des LandeöparlamcntS hiervon nicht allzu viel. Es war natürlich, daß auch die sonstige, die Interessen Gießens schädigende Eiseubahnpolitik, namentlich Preußens, einer scharfen Kritik unterzogen wurde. Nvcl; ein weiterer Punkt, der zur Sprache kam, gab Anlaß zu politischen Erörterungen, nämlich eine An « rage des Stadtv. Grünewald tvegen des Standes des Klinikbaues für die Ohren- und Hautklinik, zu der die Stadt bekanntermaßen eine Stiftung von 100000 Mark gemacht hat. Der Umstand, daß in dem Staatsvoranschlag für 1909 kein Betrag für den Baubeginn enthalten ist, wurde unter Hinweis auf die unhaltbaren, geradezu unwürdigen Verhältnisse der jetzigen KlinikSräume lebhaft kritisiert unb namentlich die Stadtv. Dr. Biermer, Grünewald unb Dr. Gut­fleisch sprachen manches scharfe, aber leiber nur zu sehr zutreffende Wort über die jetzige sparsame Finanzpolitik Hessens, die in sonderbarem Widerspruch zu der früher oft betätigten BcwUligungSpolitik steht, zumal bei einer sozial so wichtigen humanitären Einrichtung, wie die Klinik. Man toitl zunächst abtoarten, was die Verhandlungen des Finanz­ausschusses hierüber für ein Resultat zeitigen.

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* Orden Sverleihung. S. K. H. der GroßHerz og haben dem Oberleutnant Freiherrn von Nord eck zur Rabenau im Infanterie-Regiment von Horn (3. Rhein.) Nr. 29, seither im Infanterie Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, daS Ritterkreuz 2. Klasse deS AerdlenuordenS Philipps deS Großmütigen verliehen.

* In Audienz empfangen mürbe von S. K. H dem Grobherzog am Mittwoch u. a. Küchenrat Schrimpf von Butzbach, Sanitätörat Dr. Mo Iley von Vilbel und LandgerlchtSrat Schnittspahn von (Sicucn.

* * Berg. Heyligenstaedt wurde in der gestrigen nid)töffenllid)en Sitzung dec Stadtoerorbneten-Versammlung einstimmig auf 6 Jahre wiedergewähkt.

Gießener Freie Studentenschaft. Zu dem am Mittwoch von Prof. Dr. König gehaltenen Vortrag .Goethe'« 5arbenlet)ree waren zahlreiche Zuhörer er. schienen. Der Vortragende gab zunächst eme kurze Dar» ftelhinfl der Newiou'schen Farveutheorle, indem er gleichzeitig auf diejenigen Erfcheimmgen himvleS, die sich Goethe von Newton« Standpunkt au« nicht zu erklären vermachte. In dem umfangreich'ien alter seiner Werke .Zur Farbenlehre- tritt Goethe irrtümlicherweise Newton unb den Physikern stiner Zeit mit aller Energie und Leidenschaft entgegen. Herr Pirn. Dr. König zeigte nun in sei

sich dkr Irrtum be6 großen Denker« Gottpe psychologisch begründen läßt, da er bieiclben Eigenfchafien, welche dem menschlichen Empfinden ziikommcn, auch bcn ouse Empfind­ungen bedingenden Reizen zujchreibt.

- Tie Troubadour-Aufführung beginnt pünkt­lich um 7 Uhr. Ta mit dem Beginn deS Spiels die Türen vom Zilschauerraum geschloßen werden, so ist e5 rötlich, die Plätze schon etwas vor 7 Uhr einzunehmen. Ein um 9»/4 llbr oon der Süd-Anlage nach dem Babnbof adkahrender Om­nibus wird auswärtigen Bewuchern noch die Benutzung der um 10 Uhr und kurz nachher gehenden Züge ermöglichen. OmmbuStarten werden an der Abendkasse verkauft.

K onzertverein. Ter Vorstand deS Konzertvereir: bittet unS, unter besonderer Bezugnahme auf daS am kgm- wenden Sonntag, 11 Uhr, stattstndenbe Konzert darauf hinzu- weisen, daß die Damen gebeten werden, ihre Hüte in bei Garderobe abzugeben.

** Oberhessischer Geschichtsverein. Im un­teren Saale des Caf6 Ebel sprach gestern abend Prof. De Hag Hel vor einer stattlichen Zuhörerschar über Orts­namen unb Siedelungsgeschichte. Aus biesem ungemein in- teressanten, aber auch sehr umfangreichen unb schwierigen Gebiet wissenschaftlicher Forschung behandelte der Vor­tragende die mit Weiler zusammengesetzten Ortsnamen, die vor allem an den römiscl)en Heerstraßen in Südwest- Teutfchlanb sehr häufig Vorkommen. Redner entwickelte die Ergebnisse seiner Forschungen, aus denen unzweideutig her­vorgeht, daß diese Namen lateinischen Ursprungs sind und auf römische Siedelungen (Billariae) zuruckzuführen sind. Tie Orte brauchen nicht gerade von Römern selbst be­gründet zu sein, sondern vielleicht von Dienstleuten, Veter­anen oder sonstigen, unter dem Einfluß römischer Kultur gewesenen Leuten. Privatdozeut Dr. Rauch sprach über inittelrheinische Kunstgeschichte, hauptsächlich über die Kunst- denkmäler des Kreises Bingen, mit deren Feststellung der Vortragende betraut war. 'Obschon die Ausbeute sehr reich war, sind manche wertvollen Werke im Lause der Zeit abljanben gekommen und noch kürzlich kam eine Maricn- statue durch Zwischenhändler nach Berlin. Wir werden dem­nächst einen Aufsatz über die Kunstdenkmäler im Kreis Bingen aus der Feder des Vortragenden veröffentlichen imd föirneii es uns daher ersparen, ausführlicher auf den Vortrag einzugehen.

Vortrag über da8 Erdinnere. Aus Veran­lagung deS Kaufmännischen Vereins, der dem Verbände Mittelrh-in. Voltsbildungsvereine angehört, veraustaltet dieser nächsten Montag abend in der Turnhalle am Osivaldtzgarten einen Vortrag über ,Da8 Innere der Erde und die Hebung i()rer Schätze", unter besonderer Berücksichtigung der Radboder Katastrophe (mit Lichtbllbern). Dipl.-Jiigenieur Fritz Dunkler versteht es, sehr fesiclnb zu sprechen, und führt zur (Srläiitccung mächtige große farbige Reproduktionen vor. Der Besuch des Vortrages kann bestens empsohlen werden.

Evang. Abeiteroerein. Dem am Sonntag vom Verein in der Turnhalle in Aussicht genommenen Volks- interhal t u ngsabend wird auberordentlicheS Interesse .»tgegengebracht. Die vorgesehenen Eintrittskaiten stnd aus- verlaust, sodaß ein volles HauS zu erwarten ist. (Näheres s. Inserat.)

k. Büßfeld, 22.Ian. Die hiesige Feld- undWald- jogb hat nun zum zwkiteiuual ihren Besitzer gewechselt. Kccisgeometer Henkel von Grünberg, dec diese Jagd vor einigen Jahren von Zigarrenhändler Fließ zu Düsseldorf über­nahm, hat sie nunmehr an einen Rentner von Wiesbaden abgegeben. Auch seinen Anteil an der Schadeubacher Jagd hat derselbe Herr erhalten.

x Nidda, 21. Jan. DaS war heute ein fröhliches Treiben auf der Eisfläche öeS EiSvereins. Dieser hatte, um unserer Jugend eine Freude zu machen und zu­gleich um den hier vielfach verbreiteten Argwohn zu zer­streuen, als würde durch den Eisverem ans eine Trennung von Hoch und Niedrig hingearbeitet, der gcsammteu Schul- jugend von Nidda unb Kohden em Eissest veranstaltet. Gegen 400 Kinder tummelten sich auf der glatten Fläche. Es wurde für die einzelnen Klassen Wettlaufen veranstaltet; für die Nichlschlillschuhläufer: wurde Wurslschnappen, für die jüngsten Kinder Topsschlagen auf der benachbarten Wiese veranstaltet. Jedes Kind bekam seine Brezel. Herrliches Wetter begünstigte das Fest, dem zahlreiche Erwachsene bei- wohnten. Die Lehrer unterzogen sich mit den Vorständen des Eisoereins der Blühe, Ordnung zu hallen und die Spiele zu regeln. Die Mittel für das Feit halten der Eisoerein sowie Einwohner unserer Stadt aiifgebracht. Die Preise bestanden in Täschchen, Messern, Grifselkasten, Bleistiften und ähnlichem Hoffentlich ist mit diesem Winterfest der Anlaß gegeben, in Zukunft ein Jugendfest zu veranstalten, wie ein solches in Gießen gefeiert wird.

n. Geiß-Nidda, 20 Jan. Der Gesangverein Orpheus hielt am Sonntag abend seine Hauptoelsammliing ab. Ter Dirigent eröffnete sie mit einer Ansprache, in der er zunächst einen Rückblick über das vergangene Jahr gab. Ter Verein hat allen Grund, mit seinem bisherigen Wicken zufrieden zu fein. Sowohl bic Teilnahme an dem Wett­streit in Büdingen, als auch fein Heroortreten bei anderen großen Vollsfeüen brachten ihm Ehre. Tier fei ein Ansporn für die Sänger, auf dem betretenen Wege weiter zu schreib n, daß der Verein auch in Zukiinft seinen Nomen verdient. Tie Tagesordnung (Abhör der Rechnungen und Wahlen) wurde glatt erledigt und trug den Beteiligten Lod unb An­erkennung ein. Lange hielt der Gelang besonder« die außer- vrdeutlichen Mitglieder zusammen. Präsident S ch e 11 ni a n n dielt später eine kernige Ansprache, in der er die Verdienste aller um den Verein, des Dirigenten, der Säuger, dec außer- vrdentlichen Mitglieder, besonder« de« Pastors Sauer, der em warmes Jutereffe bekundet, hervorhob. Der Verein wird auf dem betretenen Wege welterjchreiten. Er veran- ualtct nn nächuen Monat eine Avendunlerhaltung, in der bfionberer Wert auf das' Lied gelegt werden soll. Amt. uurd sich Gefaugvereln LrpheiiS einem Sängerbünde, der gegenwärtig in Bildung begriffen ist und Die Stadt Nidda als Mittelpunkt aujieht, auschließen.

Beienheim, 21. Jan. Unsere Gemeinde, die seit Erbauung der Welterauer Bahnen zu einen» Eisenbahn- inotenpinift geworden ist, ist seitdem in steter Zunahme ergriffen. Zahlreiche Neuoaulen sind am Bahnhof entstanden. £a auch die Schüierzayl bedeutend gestiegen ist, fo hat die Gemeinde sich zum 'Jlcubmi eines zweitlaisigen SchulhauseS cmichloffen. Tas Gebäude ist bereits unter Tach gebracht unb foll im Herbst emgewechr werden.

R.B. Darmstadt, 21. Jan. In der^ Stadtver­ordnetenversammlung erfolgte zuerst die Einsüh- rung der beibat neuen Beigeordneten Egenols unb Schmitt. Beig. Egen olf erstattete darauf Bericht über die Aufnahme eines neuen Anlehens von zebn Mil­lionen Mark, die mit 4 Proz. verzinst und 1 Proz. imb der Zinsenersvornis getilgt werden sollen. Das neue Anlehen soll in erster Linie für neue Schuli ausbautcn, ferner jum Ausbau des elektrischen Straßenbahnnetzes und der Kanalisation, zur Erweiterung der bestehenden städtischen Betriebe, der Bestreitung der Kosten sür^Gcländcerwer- bungen unb zu einer Anzahl Hoch- und Ticsbauarbeiten venvenbet werden. Die Versammlung stimmte der Aus­nahme der Anleihe, wofür von mehreren Rednern^6 Mill, für m'sreicbend erachtet wurden, mit allen gegen 6 Stimmen zu. Weiter genehmigte bic Versammlung den Erwerb beS Grundstücks Hinkelgasse 15/17 mit bein geschichtlich inte- ressanten H i n k e l t u r m zum Preis von 18 000 Mark. Da­gegen beschloß die Versammlung einstimmig, eine vom Staalsministerium gewünschte Erhöhung des Zu­schusses für das Großh. Hoftheater abzuleh­nen. Tas Gesuch war, wie schon früher, mit der Notwen- bigleit begründet worden, die Gehälter der Hofmusiken auf- zubessern." Auch ein Gesuch um einen Beitrag zur Erbau­ung einer Schülerherberge im Vogelsberg wurde abgelehnt.

h. Mainz, 21. Jan. Ter stüchtiae Sparkoffr-nbuchhalter Scheuer hat als Rechner des Evangelischen Verein- diesen um 8200 M. gebracht.

Sitzung -cr Sta-tveror-neten.

Gießen, 21. Jark.

Auweicud sind: Cbcrbfivncrmeiftcr Mecum, die Bei« iieovbnclcn Keller unb Hcnl'aen'lciedt; die Siaowerordneien: Dr. Biermer, Brück, Tr. Ebel, Eicheimuer, EmmeliuS, Grüne­wald, Tr. (dutfleiid). Hademcht, Tr. Habe»körn. L>aubacb. Heichek- heim, Helm, Jann, Jiighardi, Krumm, Leib. Loder, LooS, Peiri, Plank. Schaffüacdi, Simon, Troß, Wallem'elS, Tr. Wnnmenauer und Wmn.

Ein Jubiläum.

Dic Plätze dcS Abg. Georgi und des Stadtv. Dr. Gut- fleisch, die nunmehr 25 Jahre der Stadtverordnetenversamm­lung angehören, sind mit prachtvollen Blumenarrangements ge­schmückt.

Oberbürgermeister Mecum sührt aus:

M. H.! Tie erste Sitzung im Jahre 1909 findet infolge einer Informationsreise der Baudeputation etivaö später statt, als sonst üblich. Ich darf Ihnen allen aber auch heute noch den herzlichsten Glückwunsch zum neuen Jahre aussprechen verbunden mit dem Wunsche, daß das foimncnbe Jahr sür unsere Stadt ebenso för­derlich und gedeihlich fein mäge, wie die früheren. Werden wir doch schon in der allernächsten Zeit uns mit bedeutungsvollen Aufgaben zu befäffeit haben, wie Straßenbahn. Erweiterung des ElcktcizitätSwerls und Straßenpslasier.

Ein frohes Ereignis hat dieses Jähr schon gebracht, denn es sind 25 Jahre verflossen, seit dic Herren Beigeordneter Georgi und Stadtverordneter Tr. Gutsleisch unserem Kollegium angehören. Dir sprechen beiden Herren unsere herzlichsten Glückwüniä-e auS und rechnen es uns zur hohen Ehre. t,aß zwei so hervorragenv tüdjtigc und tätige Manner jchon so lange zu uns gehören. Dir dürfen dabci der Hoffnung Ausdruck geben, lic möchten noch recht lange Jahre ihre reiche Erfahrung und Arbeitskraft dem Wohle unserer Stadt widmen.

M. H.! Führen mir un» vor Augen, wie unsere Stadt unter her tätigen Mitwirkung unserer Jnbilare sich entwickelt hat. Vor 25 Jahren etwa 18 500 Einwohner, heute etwa 31000. In diese Zeit fallen die Uebernahmc des Gas.oerks in Eigentum und Be­trieb dec Stadt, die Schöpfung des Wasserwerks in Oueckbvrn und des .Elektrizitätslverks und die mrlrsache Vergrößerung dieser Werke. Die Entstehung oiefer städt.scheu Betriebe ist ein Mark­stein in der Geschichte unserer Stadt; nrar doch vorher die Mei­nung weit verbreitet, dic Studie seien wegen ihres schwerfälligen VerwaliungSorganismus nicht geeignet, selbst Gewerbe zu be­treiben. sondern sollten daS dem privaten UnternchmungSgeistc überlassen. Und wie glänzend hat der Erfolg die gegenteilige Ansicht gerechtfertigt. Tie Werke werden nicht vom Standpunkte der Privatindustcie, dic in erster Linie auf das Verdienen fchcn muß, sondern mehr von sozialen Gesichtspunkten aus verwaltet und liefern trotzdem Ueberfchäfse, die den SteuerauSschlag niedrig zu halten Helsen. Von anderen Unternehnnmgen nenne ich die Kanalisation, den Friedhof am Rodtoerg. 2>djulbauten, den Er­werb des alten Schlosses, serner Dolksdad und Theater, die mit sinMrzietler und tätiger Hilse der Stadt entstanden, dic Begrün­dung des StadterwellcriingSfvnds. Bauordnungen und Ctuban* ftatut, die Statuten über die Erhebung einer Bcsitzwechse lab gäbe und Dertzuwachssteuer, endlich auch die im Entstehen begriffene« Werke, Schlachtlraus mit Kühlanlage und Straßenbahn.

Wenn diese Auszahlung ein schwaches Bild gibt oon der um« fm'senden Tätigkeit beider Herren im Stadtoorstand, so dürfen wir nicht vergessen, daß sie auch in der weiteren Sbommunal- oerwaltung im Kreise und der Provinz und Herr Dr. Gut­fleisch auch im Landtage um unsere Stadt sich hohe Verdienste erworben haben,

M. H.! Wir sind »richt intßnnbe, unserer Dan/cSpsticht gegen beide zu genügen; denn ihre Verdienste sind so gwß. baB wrr eine glcidjwertigc Gegenleistung ihnen nicht biecon können. Aber ocide werden mit gerechtem Swl; eine kleine Genugtuung darin sinden, daß dec ganze Stadtvorstand unb die gesamte Bürgerschaft ihnen Anerkennung zollen und ihrer Dankespsiicht sich bewußt sind, daß alle die Hoffnung und den Wunsch hegen, beide Herren nwajten noch recht lange ihrer gemeinnützigen Tätcgke4 in Gesund­heit erhalten bleiben.

M. H.! Wcirn Sic mit mir darin überein stimm en, bitte ich Sie, sich zum Zeichen des,en von Ihren Sitzen zu erheben und damit beiden Herren Ihre Anerkennuirg und Ihren Dank anS- zusprcckren.

Unter lebhaftem Beisall wurde von der Versammlung dieser Aufforderung eittfpwchen. Da Beig. Georgi durch Idcankhect an dem Besuch Oer Sitzung verhindert war, wird auf Vorschlag des Borsitzcuden deschloiscn. ihur schriftlich rne herzlichsten Wunjwe des Kollegiums zu uoermitteÜL TaS von ihm ovrgelefene Sxhrciöen wurde, mit den Unterschriften säuitucher anwesenden Mitglieder der Stadtoewrc'netcn-Vcrsanunluug vcnehen, noch am Alx nd dem Jubilar zugestellt. i

Stadw. Tr. Gutsleisch fuhrt in tiefer Bewegung Dann aus. er sei tief bewegt durch die eben gtfovodKncn Worte de» Ober­bürgermeisters. Er meine, cS werde ihm viel zu v-el von bem ju- öciüjncocn, was in der Stadt in den letzten 25 Jahren geschehen sei T-er grvse Anjschwung bet Stadt sei durch die naKÜrhebe Entwickelung der Brr.' -.tni.sc gesch.h-n und genau so zu erklären, wie die der Gntroideiung rer deutschen Mittelstwie übe: Haupt. Aber ec freue fich, diese (ytilüideaing mitctlcbt zu halben unb sei herzlich dantvar für die heule ihm gegenüber zum Artsdruck gebrachte Ge,innnng. Er glauoc nicht, daß er noch einen : uxuai